wichtiger 3euge in Frage, denn es besteht die Möglichkeit, daß
der wirkliche Täter mit seinen Komplizen an ihm vorübergeeilt sind.
Um 10 Mark zwei Menschenleben vernichtet.
Gegen Kulturreaktion und Kriegsgefahr.
Im Laufe des Sonntag nachmittag wurde von den Beamten Große Kundgebung im Humboldthain/ Starker Besuch/ Sieben Redner sprechen
der Mordkommission zusammen mit dem Sohne der überfallenen Eheleute, der verheiratet ist und in Treptow wohnt, die Wohnung gründlich durchsucht. Alles Geld war noch vorhanden, ein Teil befand sich im Schlafzimmer, ein anderer in einer Raffette im Schreibtisch des neben dem Laden gelegenen Wohnzimmers. Die Abrechnungen waren in musterhafter Ordnung, so daß man gleich eine Uebersicht gewinnen konnte. In der Ladenkasse können sich allerhöchsten 10 m. Wechselgeld befunden haben, die einzige Beute des Täters, für die er ein Menschenleben vernichtet und ein zweites an den Rand des Todes gebracht hat. Wenn es nach den vorläufigen Feststellungen auch kaum anzunehmen ist, daß das Verbrechen an dem Ehepaar Rickmann und der Mord an der Konfitürenhändlerin Matschte aus der Treschowstraße 27 auf denselben Täter zurückzuführen sind, so weisen beide Verbrechen doch in manchem eine feltsame 11ebereinstimmung auf.
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Wie uns die Direktion der Bank für Arbeiter, Ange= stellte und Beamte mitteilt, rechnen die Filialen und Inkassostellen laufend regelmäßig ab, so daß sich niemals Sparbeträge in den Ladenkassen der Filialverwalter befinden.
Tragödien der Eifersucht.
Entfehliche Bluttaten mit Hammer und Pistole.
Eine furchtbare Tragödie spielte fich am Sonntagnachmittag in der Wohnung des 49jährigen Zigarrenmachers Ernst Nischoff in der Wartenbergstraße 35 in Lichten berg ab.
N. war mit seiner 39 jährigen Frau, die er der Untreue bezichtigte, in einen Streit geraten, in dessen Verlauf der Mann einen Hammer ergriff und damit so lange auf seine Frau einschlug, bis sie blutüberströmt zusammenbrach. Als N. sah, was er angerichtet hatte, schnitt er sich mit einem Rasiermesser die Kehle durch. Von Mietern, die den Lärm und die gellenden Hilfeschreie der Frau gehört hatten, war inzwischen das Ueberfallkommando alarmiert worden. Die Beamten drangen in die Wohnung ein und schafften die Schwerverlegten ins Lichtenberger Hubertusfrankenhaus. Frau N. starb bereits auf dem Wege dorthin. Im Laufe der Nacht ist dann auch Nischoff seinen Verlegungen erlegen. Die zweite Eifersuchtstat ereignete sich in der vergangenen Nacht vor dem Hause Barbarossastraße 45 in Schöneberg . Dort feuerte der 43jährige Wäscher Frizz Fra ch aus der Hauptstraße 25 auf seine Geliebte, die 34 Jahre alte Hausangestellte Minna Krüger, zwei Schüsse ab. Tödlich getroffen brach das unglückliche Mädchen zusammen. Der Täter versuchte sich durch einen Schuß in die Schläfe zu töten, er wurde jedoch noch lebend als Polizeigefangener ins Schöneberger Krankenhaus gebracht.
Goldener" Sonntag mit Krawall. Lebensgefährliches Gedränge. Schupo macht sich beliebt.
Radau am Hackeschen Marit.
Am gestrigen goldenen" Sountag boten die Hauptverkehrsstraßen ein ähnliches Bild wie schon am filbernen" Sonntag. Ueberall startes Gedränge, ohne daß jedoch viel gekauft wird. Die Schubpolizei forgte dabei in mufferhaffer Weise für die Aufrechterhaltung des Verkehrs. Letter Termin für alle diejenigen, denen der Alltag teine Beit läßt, ihre bescheidene weihnachtliche Geberlaune in die Tat umzusetzen. Um ihre Gunst, ihre Wünsche, ihre Wahl buhlt, bittet und bangt das Riesenheer großer, fleiner und kleinster Verkäufer. Und wieder überflutet der traditionelle Riesenstrom Wunschbeseelter die Hauptgeschäftsstraßen. Am Aleg, in der Leipziger und in der Tauenzienstraße wird das Gedränge beängstigend. In gleißende Lichtreklame gehüllt, präsentieren sich weihnachtliche Kaufobjekte in den Schaufenstern der großen Warenhäuser, die Tische biegen sich unter der Warenlaft, und eine nicht endenwollende Menschenmasse windet sich mühsam hindurch. Großtampfgebiete sind die Abteilungen der praktischen kleinen Bedarfsgegenstände: Handschuhe, Strümpfe, Halstücher, Trikotagen. Auch das Grammophonplattengeschäft blüht zu Weihnachten, und die Spielwarenlager sind überfüllt mit kleinem Publikum, das der Mutter noch so den letzten Tipp gibt. Auf der Straße hat der Sprechchor der unermüdlichen eine Straßenverkäufer wahre Riefendimensionen angenommen, eine Katophonie von Baß, Tenor und sich überschlagenden Frauen- und Kinderstimmen. Mit Humor und Mutterwitz servieren sie dem Publikum ihre kleinen Herrlichkeiten, die auch dem schwächsten Portemonnaie Einkaufsmöglichkeit bieten. Ihr Bublifumskreis ist ebenfalls riesengroß. Aber leider sind auch darunter allzu wenige Käufer; man beluftigt sich mehr über all die ulfigen Nudeln, und das Straßentheater bei freiem Eintritt lockt sogar feine und feinste Herrschaften an. Bis zum offiziellen Ladenschluß dauert ununterbrochen das Geroge und Geschiebe; dann wird es plößlich duster.
Päckchenbeladene eilen nach Hause, todmüde deckt die Verkäuferin das Leichentuch über ihre Ware, die Straßenbummelanten pusten das Karbid aus. Jezt wandert die Ware ins Köfferchen, die wenigen Pimperlinge sind bald nachgezählt, und fröstelnd eilen auch sie irgend wohin, ihre übermüdeten Beine unter einen Tisch zu strecken.
Krawalle um Spargänse.
am
Im Hackeschen Hof" in der Rosenthaler Straße ist es gestrigen Sonntag, wie übrigens schon am Tage zuvor, zu Krawallen gekommen, weil Lebensmittelkleinhändler, die dort für ihre Kunden auf Sparmarten erworbene Weihnachtsgänse von dem Spaga" Gänsevertrieb erhalten sollten, sich durch die Lieferung minderwertiger Gefrierware an Stelle der versprochenen Oderbrucher Fettgänse betrogen fühlten.
Zu einer undgebung gegen kulfurreaftion] stehen und daß eine unvernünftige Handlung auf deutscher Seite und Kriegsgefahr hatte gestern der Bezirksverband Berlin der Sozialdemokratischen Partei nach dem Humboldthain gerufen. Das Demonstrationsverbot verhinderte den Anmarsch in geschlossenen Jügen, entgegen alter Uebung, mußten die Teilnehmer einzeln oder höchstens in lofen Gruppen die große Wiese im Hain aufsuchen. Um von vornherein Störungsversuche politischer Gegner auszuschalten, war das Reichsbanner in starten Formationen angetreten und umfäumte den Platz in weitem Umkreise.
Gegen 12 Uhr eröffnete die Reichsbannerkapelle mit einem Musikstück die Kundgebung. Von sieben Rednertribünen hielten sodann die Genoffen Clara Bohm- Schuch , Heinig, Crispien, Meier, Harnisch , Lowenstein und Ciffe an die nach vielen Zehntausenden geschätzten Demonftranten
Ansprachen,
die alle mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die völkerbefreiende, internationale Sozialdemokratie geschlossen wurden. Wir geben nachstehend einige der Reden wieder. Genosse Kurt Heinig führte aus:
Den Kampf gegen politische Unvernunft, gegen Unverstand und Roheit, gegen menschliche Dummheit als den Feind allen Fortschritts
genügen fönnte, einen Krieg heraufzubeschwören. Die Frauen dürften, so schmerzlich es auch sei, niemals die Erinnerungen an die Toten und die Grausamkeiten des Krieges vergessen; es sei besonders ihre Aufgabe, den Kampf zusammen mit den Männern und den Jugendlichen gegen eine gefährliche Kriegsromantik zu führen. Das Erperiment vom 14. September habe der Arbeiterschaft teinen Scha d'en zugefügt. Automatisch folgte ein weiteres Ansteigen der Arbeitslosigkeit, weil das überraschte Ausland große Auslandskredite zurückzog. Weil wir Not und Elend, Arbeitslosigkeit und Hunger bekämpfen, darum führen wir den schweren Kampf gegen Faschismus und Bolschewismus. Fort mit dem Wettrüsten!
Genosse Crispien führte folgendes aus:
Films Im Westen nichts Neues". Das Verbot ist nur ein Der Anlaß zur heutigen Demonstration ist das Berbot des Symptom für bestimminte politische militaristische und reaktionäre Strömungen. Die Jugend, die nach dem Kriege herangewachsen ist, soll für jene alte politische Bewegung der militaristischen und fapitalistischen Bestrebungen gewonnen werden, die schließlich zu | dem großen Weltkrieg geführt haben. Das ist mur möglich, wenn
Die Massen im Humboldthain
hat die Sozialdemokratie seit ihrem Bestehen geführt. Sie hat immer die Aufgeklärten und jene, die Aufklärung suchten, um sich versammelt und hat mit ihnen gekämpft gegen die Reaktion, die immer Kulturrüdschritt bedeutet und gegen den Krieg, der den Aufstieg der Völker immer hindert. Alle Versuche der letzten Jahrzehnte, die moderne, freiheitliche Arbeiterbewegung zu zerschlagen, entstanden auf der gleichen geistigen" Grundlage wie die Versuche der Gegenwart. Die Alten aber erlebten es und erinnern sich dessen noch ganz genau, daß aus allen Angriffen immer und immer wieder allein die Sozialdemokratie stärter und gefestigter hervorging. Die heranwachsende Generation des Bürgertums ver steht die heutige Zeit nicht. Die Eltern erzählen von den früheren, besseren Zeiten", wo das Bürgertum die Macht hatte. Jetzt sieht die junge Generation, daß Schulbildung und Universitätsstudium kein Bersorgungsprivileg mehr sind; fie muß den Kampf um Stellung, Arbeit, Lohn und Brot aufnehmen, so wie es früher nur der Arbeiter mußte. Das Bürgertum und sein früher mühelos versorgter Nachwuchs sieht: eine Macht steht uns im Wege: die Sozial demokratie! Um sie zu stürzen, kehren sie den alten bürgerlichen Parteien den Rücken, gehen zu den radikalen Parteien und wirken dort gegen die großen Kulturaufgaben der Sozialdemokratie reaktionär. Das ist der tiefere soziologische Zusammenhang des gegenwärtigen Kulturkampfes. Sollen wir uns deshalb jezt be gegenwärtigen Kulturkampfes. sonders aufregen? Gewiß muß die Parteigenossenschaft auf dem Bosten sein und muß fämpfen, wo zum Kampf gerufen wird. Die Gegenbewegung der Sozialdemokratie gegen Kulturreaktion und Kriegsgefahr ist nie stärker gewesen als jetzt. Die Reaktionäre merken das man versucht nun das Bolt abzulenten auf Borgänge außenpolitischer Art: Rußland , Polen , Frankreich . Das Bolt muß wissen, daß es seine Haut für eine Kaste, die entwurzelt ift, aber seine alte Machtstellung wieder erobern möchte, zu Markte tragen soll. Deshalb muß das Volk bereit sein, alle Versuche der
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Reaktionäre abzuwehren.
Appell an die Frauen.
diese Jugend der wahre Charakter des Krieges vorenthalten wird. und darum soll die Jugend nicht wissen, wie der Krieg in Wirtlichfeit gewesen ist und welche Wirkungen er ausgeübt hat. Die chauvi nistischen Demonstrationen der Nationalsozialisten waren feine spon tanen Entrüstungen, sie waren eine falte mache, von Kräften veranstaltet, die die faschistischen Führer nach ihrem Interesse hin und her schieben. Die chauvinistische Heze gegen andere Böller und für eine allgemeine Aufrüstung auch in Deutschland hat einen neuen Ans porn erhalten durch den resultatlosen Verlauf der Abrüstungstommiffion des Bölkerbundes, die in mehr als fünf Jahren nichts Bofitives für eine wirkliche Abrüftung zustandegebracht hat und die es einer einzuberufenden allgemeinen Abrüstungstonferenz überläßt, sich mit den Abrüstungsproblemen auseinanderzusehen. Die hauvinistischen Kreise Deutschlands wollen der deutschen Außenpolitik eine andere Richtung geben. Deutschland foll nicht mehr eine allge= meine brüstung erstreben, sondern soll eingereiht werden in die Staaten, die ein neues Wettrüsten betreiben. Außerdent werden die Gewalttaten bestimmter polnischer Kreise gegen Deutsche in Polnisch - Oberschlesien als eine willkommene Gelegenheit benutzt, um Kriegspropaganda zu betreiben. Wir als Sozialdemokraten wissen aber, daß man nicht das polnische Volk anklagen darf, sendern eben jene bestimmten polnischen Kreise, die in ihrer Gesi mung und in ihrer politischen Taktik die gleichen Methoden anwenden wie die Chauvinisten und Faschisten der übrigen Länder. Es sind die Rreaturen Pilsudskis , die in Polen nicht nur deuzsche, sondern auch polnische Sozialdemokraten terrorisieren. Und die polnische Sozialdemokratie befämpft die Ausschreitungen der polnischen Gewalttäter und Kriegsheher leidenschaftlich. Es ist die Aufgabe der Sozialdemokratie, die Kriegsgefahren, die in allen foschistischen Machtbestrebungen enthalten sind, den breiten Volks massen aufzuzeigen. Nur wenn das Bolt selbst auf Grund seiner demokratischen Rechte über Krieg und Frieden zu entscheiden hat, werden wir eine Politik der Bölkerverständigung durchführen tönnen. Allen, die nach faschistischer Diktatur lüftern sind, und die sich einbilden, sie könnten die arbeitenden Massen nach Belieben zum Bürgerkrieg oder Völkerkrieg fommandieren,
An die zahlreich erschienenen Frauen richteten sich die Worte Klara Bohm- Schuchs. Aber auch die Männer zollten ihren Ausmögen sich gesagt sein lassen, daß die Arbeiter keine Helofen sind! führungen größte Aufmerksamkeit, und es war erschütternd zu sehen, wie dreißig- bis vierzigjährige Männer, die den Krieg draußen und man möge nicht vergessen, daß hinter jedem Krieg, der kapitaim Graben mitgemacht haben, stumm und ernst da standen, als sie listischen oder faschistischen Eroberungsabfichten entspringt, die Re an das Grausame erinnert wurden. Das Verbot des Remarque- volution der arbeitenden Massen lauert. Wir sind entschlossen, Films, so führte die Genossin Bohm- Schuch aus, sei ein 21 arm diese Politik bitter zu bekämpfen, zu deren Methoden Gewalt und signal gewesen, nach dem Osten zu schauen. Wenn die Nazis| Unterdrückung zählt. Wir wollen Frieden nach innen und nach im Reichstag den Antrag stellen, eine Schuhwehr von 120 000| außen. Und so ist die internationale Sozialdemokratie die zuverlässige Mann aufzustellen, so wollten sie damit eine Legalisierung des schon Macht der Arbeit für den Frieden in allen Ländern. Geschehenen erreichen. Man möge sich aber klar darüber sein, daß auch in Polen starke nationalistische Abwehrorganisationen be Gesang der Internationale schloß die imposante Rundgebung.
wieder keine Oderbrucher, sondern ungarische Gefrier= gänje ausgeliefert werden follten, und es hätte nicht viel gefehlt, dann wäre der Verteiler des„ Spaga"-Gänsevertriebes per= prügelt worden.
Der„ Spaga"-Gänsevertrieb war von einer Firma Hübel, Berlin Tempelhof , Konradinstraße 25, in diesem Sommer aufgezogen worden, und zwar maren Agenten dieser Firma an etwa 2000 Berliner Lebensmittelfleinhändler herangetreten und sie zur Abnahme von Sparbüchern, Sparmarten und Werbematerial eines Spargansvertriebes verpflichteten. Durch Erwerbung von 50- fennigSparmarten follten die Kunden dieser Geschäfte sich allmählich eine Weihnachtsgans zusammensparen, die auf jedes mit 30 Mart vollgeflebte Sparbuch furz vor dem Weihnachtsfest zur Verteilung tommen sollte. Die Uebergabe der Gänse, und zwar ausdrücklich G. 3. Diefema ist nach einer Magenoperation gestorben. Noch ein Gesandter gestorben. Der USA. - Gesandte im Haag frischgeschlachteter Oderbrucher Fettgänse, sollte an die Lebensmittelhändler erfolgen, die solange für die vereinnahmten Demonstrationsverbot in Erfurt . Für die Zeit bis 15. Januar Spargelder als Treuhänder haften sollten. Am gestrigen Sonning 1931 einschließlich hat der Erfurter Polizeipräsident alle Umzüge und tam es nun im ,, Hackeschen Hof" zu förmlichen Krawallen, weil| Bersammlungen unter freiem Himmer verboten.
Sozialistensieg bei Senatswahl.
Erfola der Disziplin.
Paris , 22. Dezember.( Eigenbericht.) Bei einer Nachwahl zum Senat im Departement Pas de Calais wurde der sozialistische Abg. Cadot im dritten Wahlgang mit zehn Stimmen Vorsprung gegen seinen reaktionären Konkurrenten gewählt. Dieser Senatssitz war bisher im Besitz der Reaktion. Denk straffer Sammdisziplin aller Linksparteien gelang es diesmal, den sozialistischen Kandidaten durchzubringen.