Rr. 601 47. Jahrgang
2. Beilage des Vorwärts
Mittwoch, 24. Dezember 1930
Standal um die Fleischpreise.
Theorie und Pragis der Herren Schlächtermeifter. Wie die Konsumenten bei der Preissentung übers Dhr gehauen werden, zeigt jezt eine Beröffentlichung der Reichsforschungsftelle für landwirtschaftliches Martiwesen. Betanntlich haben sich die Organisationen des Fleischergemerbes bei den Verhandlungen mit Schiele bereit erklärt, die Handelsfpanne in einem bestimmten Umfang zu senken. Jetzt stellt aber die Reichsforschungsstelle in einer erfreulich flaren Uebersicht fest, daß die Fleischermeister gar nicht daran denken, sich an diese Abmachungen zu halten. So hat sich die Preisspanne zwischen Groß- und Kleinhandel in den letzten Wochere folgendermaßen verändert:
Monat November 1.- 7. Dez. 15.- 21. Dez.
( Spanne zwischen Groß und Kleinhandelspreis in Pf. fe Pfund auf dem Berliner Markt) Fleisch insgesamt
Schweinefleisch
Rindfleisch
Kalbfleisch
Hammelfleisch
•
0
19,1
0
16,2
23,7
26,8 28,0
21,8
20,3
16,7
19,4
25,5
24,7
29,7
32,2
24.7
29,5
Die Großhandelspreise sind bei sämtlichen Fleischarten in der Woche vom 15. zum 21. Dezember weiter gefunten 3war haben sich auch in der gleichen Zeit die Kleinhandelspreise für Fleisch absolut gesentt, jedoch ist die Berbilligung in den beiden letzten Dezemberwochen hinter der Senkung der Großhandelspreise zurüdgeblieben. Die Schlächter haben also anstatt sich mit ihrer bisherigen Gewinnspanne zu begnügen, die Preis senkung beim Großhandel sich selbst zumuge gemacht und ihren Profit auf Kosten der Konsumenten erhöht. Dies zeigt ganz einwandfrei die Entwicklung der Preisspanne zwischen den Groß
und Kleinhändlern, die auf der ganzen Linie den Stand vom November überschreitet.
Die eigentlichen Ziele der Preissenkung, die überhöhten Preisspannen zwischen Erzeuger und Verbraucher abzubauen, werden also von den Schlächtern glatt weg jabotiert Wie lange will das Reichsernährungsministerium diesem Standal tatenlos zusehen?
Gute Geschäfte mit Frankreich . Auswirkungen des Handelsvertrages von 1927. Bir haben bereits des öfteren darauf hingewiefen, welche günstigen Auswirtungen der Abschluß des deutsch - französischen Handelsvertrages im Auguft 1927 für Deutschlands Export gehabt hat. Diese Wirkungen traten einmal in dem wachsenden Anteil Frankreichs als Käufer am gesamten deutschen Barenexport in Erscheinung und ferner in der grundlegenden Aenderung der deutsch französischen Handelsbilanz. Wie die folgende Darstellung zeigt, war im legten Borfriegsjahr Deutschlands Handelsbilanz mit Frankreich aktiv. Seine Ausfuhr überstieg die Einfuhr aus Frant. reich um 207 Dil. D. Im Jahre 1924 dagegen taufte Deutschland für 590 Mill M. mehr Baren von Frankreich , als er dorthin- aus führte. Roch 1927 war die deutsch - französische Handelsbilanz, für
+207
-119
In Millionen Mark
aktiv
-108
-227
-47
יון
-590
-366
+293+302
IL
passiv
1913 23 24 25 26 27 28 29 1930
I- VI
Ꮓ
Z
Deutschland mit 227 Mill. M. paffin, jedoch wirkte sich der Handelsvertrag bereits im folgenden Jahr in einem sehr starken Sinken der Paffivität bis auf 47 Mill. M. aus. Diese günstige Entwicklung setzte sich 1929 in verstärktem Tempo fort, wo Deutschland bereits eine Mehrausfuhr von 293 MIL. M. erreichte, die in den Monaten
Außenhandelsverkehr
7.8
5.4
Einfuhr
7.3
Ausfuhr
9.5
6.9
5.8
5.9
5.9
5.1
4.50.
4.8
3.00
2.1
1.1
1.8
Z
1913 23 24 2.5 26 27 28 29 1930 I- VI
Januar bis Juni dieses Jahres auf einen Stand von über 300 mill. M. fam. Bis zum Jahresende dürfte sich also Deutsch lands Aktivität im Außenhandel mit Frankreich gegen 1929 mehr als verdoppelt haben.
Dieser schnelle Auffchunung tommt auch darin zum Ausdrud,
Kartellpolitif.
Tausend Worte Bedenken der Wirtschafts- Enquête.
Die Arbeitsgruppe der Wirtschaftsenquete, die die Bandlungen| Kartell- und Monopolverwaltung" spricht der Ausschuß selbst zwar in den wirtschaftlichen Organisationsformen untersucht hat und die fein Urteil aus. Er hebt aber hervor, daß der überwiegende Teil früher eine Reihe von interessanten Einzelbänden über Attienwesen der vernommenen Sachverständigen und Konzerne und über die Kartellierung in einzelnen Gewerbezweigen veröffentlicht hat, hat nunmehr als Abschluß ihrer Arbeiten zwei Bände über Kartellpolitik herausgegeben.
Diese Bände unterscheiden sich grundsätzlich von fast allen anderen Beröffentlichungen der Enquete; denn ihnen ist nicht die Feststellung und Beurteilung wirtschaftlicher Tatsachen als Aufgabe gestellt. sondern die Untersuchung der bestehenden Meinungen zur Frage der staatlichen Kartellpolitit. Dabei ist man so vorge gangen, daß man eine große Reihe von Sachverständigen über ihre Stellungnahme vernommen hat. Der eine Band der vorliegenden Veröffentlichung, der diese Vernehmungen von mehr als 50 Sachverständigen aus den verschiedensten Kreisen enthält, gibt ohne Zweifel einen wertvollen Ueberblick über alle wirtschaftspolitischen und rechts politischen Auffassungen, die auf diesem Gebiete vertreten werden. Auf Grund dieser Bernehmungen ist dann in dem Generalbericht der Versuch gemacht, die Stellungnahme der Arbeitsgruppe zur Frage der staatlichen Kartellpolitit zusammenzufassen. Es handelt sich hier also leider nicht um eine Auswertung der Gesamtergebnisse der Wirtschaftsenquete in tartellpolitischer Beziehung, für die z. B. der kürzlich veröffentlichte Band über die eisenschaffende Industrie recht interessantes Material geboten hätte; vielmehr ist auf diesen Querschnitt wohl wegen des 3wanges zum gleichzeitigen Abschluß der Arbeiten verzichtet worden, und die Stellungnahme der Arbeitsgruppe ftügt sich im Sachverständigen. Dementsprechend ist auch der Inhalt dieses wesentlichen auf die von ihr eingeholten Meinungsäußerungen von Schlußbandes nicht etwa ein positives Programm der Kartellpolitik geworden, wie es uns gerade nach den Erfahrungen des Berlaufes diefer Krise und nach den Erfahrungen in der Anwendung des Kartellabschnittes der Notverordnung vom Juli heute als notwendig erscheinen würde, fondern dieser Generalbericht left sich vielmehr wie
eine Sammlung von faufend Bedenken
gegen den Aufbau einer wirklich mirtfamen staatlichen Beeinfluffung der privaten Monopole.
die Errichtung eines Kartellamtes und besonders eine Verselbständigung ablehnte, und behandelt überhaupt alle Bedenken so liebevoll, daß der Eindruck von der Lektüre schon ein reichlich negativer ist. Das gleiche Verfahren wird im wesentlichen auch in bezug auf das Kartellregister angewandt. Die Forderung nach gesteigerter freiwilliger Publizität wird start unterstrichen; aber troß aller unbefriedigenden Erfahrungen mit der freiwilligen Publizität werden gegen eine Ausdehnung der Zwangspublizität, wie sie der Sinn des Kartellregisters ist, wiederum sehr viele Bedenken in den Vordergrund gerückt. Aehnlich ist auch die Behandlung anderer Vorschläge zur Ergänzung der fartellpolitischen Behörden.
In dem Abschnitt über das Kartellrecht wird vor allen
Dingen eine Nachprüfung der geltenden Kartellverordnung unter dem Gesichtspunkt der Vermeidung der unnötigen Vermischung zwischen öffentlichem und privatem Recht empfohlen. In bezug auf das fartellrechtliche Verfahren wird besonders die Einführung eines Instanzenzuges, der bei dem gegenwärtigen Kartellgericht fehlt, befürwortet. Dabei ist natürlich zu berücksichtigen, daß eine wäre, wenn eine klare Trennung zwischen den verwaltungspolitischen wäre, wenn eine klare Trennung zwischen den verwaltungspolitischen Aufgaben der Kartellpolitik und den privatrechtlichen Fragen durch geführt würde. Würden die wirtschaftspolitischen Aufgaben, wie es nach unserer Meinung unbedingt notwendig wäre,
durch ein besonderes Reichsamt
zur wirksamen Wahrnehmung gelangen, jo fönnte man in bezug auf die fartellrechtliche Organisation der privatrechtlichen Streitigkeiten manchen Wünschen nach Einschränkung der Sonderstellung, die heute besteht, viel leichter entgegenkommen.
Im ganzen haben wir es hier mit einer in mancher Beziehung recht instruktiven, aber sehr menig megmeisenden Ber öffentlichung des Enqueteausschusses zu tun. Die Ronse quenzen aus der Erkenntnis der wirtschaftlichen Wirkungen der monopolistischen Organisationen müssen nun einmal wirtschaftspolitisch von den Stellen, die
Die Notwendigkeit des ftaatlichen Eingriffs in das Kartellwesen wird unter Betonung mancher einschränkender zu politischer Willensbildung Klausel grundsäglich bejaht. Daß der Ausgangspunkt für die Kartellpolitik die Monopolwirtungen sein müssen, fommt ebenfalls berufen sind, gezogen werden. Die Beratung des sozialdemo zum Ausdrud. Am meisten aber häufen sich die Bedenten ohne ent-| tratischen Initiatiogefegentwurfes im Reichstag sprechende positive Vorschläge bei den Abschnitten über die Praxis wird hoffentlich die Gelegenheit dazu sein, sich über die Fülle der der staatlichen Kartellpolitt. In bezug auf das Kartellamt mehr oder minder interessierten Bedenten hinwegzusehen und tonober, wie es in dem neuen Initiativantrag der sozialdemo- ftruttiv die Kartellpolitik zum Nutzen der Gesamtwirtschaft auszurtratischen Reichstagsfraktion genannt wird, Reichsamt für bauen.
schreibungen bei Engelhardt sind ziemlich genau dem vorjährigen Ergebnis angepaßt, so daß die Vermutung nahe liegt, daß die Bilanz von hinten aufgemacht ist.
daß Frankreich 1924 erft 1,8 Braz. des deutschen Gesamterports| iparungen ergeben. Sowohl ber Reingeminn wie auch die Abe taufte, 1927 aber 5,5 Proz., 1929 bereits 6,9 Proz. und im laufenden Jahr rund 9,5 Broz., womit der Stand von 1913 erheblich über schritten ist. Wenn also ein Handelsvertrag ein gutes volkswirt schaftliches Geschäft gemesen ist, dann war es das Abkommen mit Frankreich im August 1927. llm so schärfere Zurückweisung verdienen daher auch im wirtschaftlichen Gesamtinteresse die Sabotages versuche verschiedener Industrien, die aus kleinlichen zollpolitischen Erwägungen heraus den ganzen Handelsvertrag zerschlagen wollen.
In den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres war Deutschlands Ausfuhr nach Frankreich auf 6,67 gegen 5,35 Milliarden Franken in der gleichen Zeit des Vorjahres gestiegen. Deutsch land steht somit als Einfuhrland nach Frankreich bei weitem an erster Stelle. Im großen Abstand erst folgen die Bereinigten Staaten von Amerika mit 5,0 und Großbritannien mit 4½ Milliarden Franken Einfuhr.
Die Hotelgesellschaft Aleganderplaz G. m. b. S. fehlt in der Aufzählung der Beteiligungen. Bekanntlich besaß sie das große frühere Berwaltungsgebäude am Alexanderplatz , das mit großem Geminn veräußert wurde, der vermutlich den Fabrikationsreingewinn eines Jahres übertroffen haben dürfte. Ueber die ganze Angelegenheit, die Einwirkung auf Gewinne und Bilanz3iffern, findet sich in dem Bericht tein Wort.
Um fo mehr wird gegen die steuerliche Belastung, die allmählich zu einer Zerstörung der gefunden Grundlagen" der Brauindustrie führen müsse, polemisiert. Außerdem beklagt man sich über die Staffelung der Reichsbiersteuersäge, die man als finnlose und durch nichts begründete Bevorzugung ge= misfer Produzenten und Berbrauchertreise" bezeichnet. Diese Staffelung ist durchaus begründet in den starken Vorteilen in ber Uns scheint die Forderung nach Abschaffung der Staffelung weniger in dem Bedürfnis nach steuerlicher Gerechtigkeit als in dem Willen zur Macht, zu weiterer Angliederung ffeiner Unternehmen begründet zur fein.
Novemberumsatz in Konsumvereinen. Bierherstellung, die die Großbetriebe vor ben Kleinbetrieben haben.
Starter Rüdaang gegenüber dem Vorjahr.
Die Umfaßentmidlung bei den deutschen Konsumgenossenschaften hat nach den Mitteilungen des Zentralverbandes Deut. scher Konsumrereine im Monat November gegenüber
dem Borjahr einen scharfen Rückschlag erlitten. Gegenüber dem Otober ging der Wochenumsatz je Mitglied im Berichtsmonat von 8,52 Marf auf 8,40 Mart zurüd. Dagegen betrug er im noember vorigen Jahres 9,69 Mart pro Kopf und im November 1928 pro Woche 8,81 Mart.
Der Umfaßrüdgang gegenüber dem vergangenen Jahr geht zu Lasten sämtlicher Revisionsverbände. Am scharfsten wirfte er sich bei den sächsischen Konsumvereinen aus, denen erst im weiteren Abstande der Verband o st deutscher und dann der Verband nordwestdeutscher Konsumvereine folgt. Verhältnismäßig am günstigsten haben im November die Genossenschaften bes fütwestdeutschen Verbandes abgeschnitten. Bemerkenswert ist, daß der durchschnittliche Wochenumfaz je Mitglied in Sachsen immer noch weit über den Durchschnittsumfägen der übrigen Revisionsverbände liegt, obwohl seit Monaten bei den sächsischen Konsumgenossenschaften der Umfaßrüdgang fich am schärfsten ausgeprägt hat. So überschritt der Verband sächsischer Konsumvereine den Durchschnittsumjag des Zentralverbandes noch um 2,70 Mart je Kopf in der Woche.
13 Prozent Engelhardt Dividende.. Steuerpolemit und Machtpolitit.
Die Machtverteilung im Lokomotivbau.
Nach der Verschmelzungsaktion AEG.- Borsig.
S
Der Zusammenschluß der beiden Lokomotivfabriken Borsig und AEG. Hennigsdorf hat eine weitgehende Kräfteverschiebung bei der Berteilung der kommenden Reichsbahnaufträge mit fich gebracht. an dem Reichsbahnvertrag, der unmittelbar vor seinem Abschluß steht, und die Bergebung von rund 270 Lokomotiven auf drei Jahre hinaus vorsieht, werden nunmehr entgültig sechs Lokomotivunternehmungen beteiligt sein. Die Quoten verteilen fich wie folgt: Henschel 24,4 Proz. Schwarzkopff. 14,8 Proz Krupp
AEG- Borsig
20,1 18,8
9
9
12,0 10,2
"
Diese Quoten stellen den jezigen Grundschlüssel für die Kräftenerteilung der sechs führenden Lokomotivbaufirmen in Deutsch land dar, deren Anteil an dem Reichsbahngeschäft selbst aber mehr oder minder geringe Abweichungen aufmeift. Jedoch geltent diese Quoten für das fommende 2otomotiv Exportfarte II nicht, da die Kräfteverteilung bzw. die Quotenzumeisung sich hier nach dem durchschnittlichen Exportumfang der letzten Jahre richten mird.
Gedroffelter Autoabfah.
Der Automobilabjag hat sich im November gegenüber den beiden vorhergehenden Monaten außerordentlich verschlech. tert. Während im September noch 5853 Personenwagen und im Oktober noch 5083 Wagen als fabrifneu zugelassen waren, sant diese Sahl im November rapide auf 3606 Wagen. Auf die deutsche Produftion entfallen hiervon 2581 Wagen.
Den Reigen der großen Berliner Brauerei- Bilanzen schließt jekt der Engelhardt Konzern. Wie die übrigen Berliner Großbrauereien hält auch Engelhardt trog der schlechten Zeiten an feiner Borjahrsdividende von 13 Prozent feft. Bemerkenswert ist der in den letzten zwei Jahren durchgeführte Imbau des Engelhardt- Konzerns, der ganz zweifellos aus fteuer. lichen Motiven erfolgt ist. Das Berliner Stammunternehmen befitzt und leitet unmittelbar nur noch die drei Berliner Brauftätten Bon den zugelaffenen fabritneuen Personenwagen entfielen auf in Bantow, Charlottenburg und Stralau. Alle übrigen Engelhardt Opel 623, auf die Sanomag 427, auf Adler 380 und auf Brauereien in der Provinz find in selbständige Attien Daimler- Benz sowie BMW . je 247 Wagen. In weitem Abgefellshaften verwandelt worden. modurch sich bei den start ftande folgen sodann Wanderer und NS. Die drei Werte Opel , geftaffelten Biersteuersägen natürlich bei dem verhältnismäßig Hanomag und Abler waren von September bis November om getieinen Ausstoß der einzelnen Brauerelen erheblige Etn.famtan Automobilmarkt mit fast 40 Brazent beteiligt.