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BERLIN Dienstag

30. Dezember

1930

10 Pf.

609 303

* Der Abend

Erfdeint taglio außer Sonntags. Sugleich Abendaurgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Bf. pro Woche, 8,60 m. pre Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW68, Lindenstr. 3

Spätausgabe des Vorwärts

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47. Jahrgang

Anzeigeusreis: Die einfvaltige Nonpareillezeile 80 Vf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Vokicheckkonto: Borwärts- Verlag G. m. b... Berlin Nr. 87536. Fernforecher: Donboff 292 bis 297

90000 Marf geraubt

Auf der Straße in Mainz durch Autobanditen/ Räuber entkommen

Mainz , 30. Dezember.

In der Nähe des Reichsbankgebäudes in der Gericht straße wurde heute vormittag ein verwegener Straßen. raub ausgeführt. Zwei Angestellte der Mainzer Volksbank hatten von der Reichsbank Ultimogelder in Höhe von 90 000 Mart abgehoben. In der Nähe des Gerichtsgebäudes sprangen plöglich aus einem Personen. auto zwei mit Revolvern bewaffnete Per. sonen und entrissen dem einen Angestellten die Räuber mit dem Gelde im Auto verschwand, gab der zweite auf mehrere Verfolger zwei Revolverschüsse ab, die aber zum Glück fehlgingen. Das Auto fuhr mit großer Geschwindigkeit über die Rheinbrüde. Mehrere Automobile nahmen die Verfolgung auf, mit welchem Erfolg, darüber ist bisher noch nichts befannt.

Aftenmappe mit dem Gelde, während einer der

Räuberauto enffommen.

Hakenkreuz- Hochschulschmach

Das Dritte Reich bei Franzen

Braunschweig, 30. Dezember.( Eigenbericht.)

Der Naziminister Franzen hat dem sozialdemokratischen Pro feffor Baulsen ohne Angabe von Gründen mit Ablauf des lezigen Wintersemesters den Lehraustrag für praktische Pädagogik

an der Braunschweiger Hochschule gekündigt.

Be

Die Zustände an der Hochschule werden durch das Treiben der Nazi von Tag zu Tag toller. Einen Protest der sozialistischen Studentenschaft wegen tätlicher Angriffe und Ichimpfungen in einer allgemeinen Studentenversammlung- unter anderem war eine funge Studentin geschlagen worden beantwortete der Senat ablehnend mit der Begründung, daß es fich um eine ftudentische Angelegenheit handle. Anschläge der Nach einer weiteren meldung wurde das Auto der Räuber von Sozialistischen Studentenschaft werden Don Hakenkreuzlern ab Mainzer Radfahrern und Autos über die Straßenbrüde in Rich- geriffen, ohne daß der Rektor dagegen einschreitet. Der zur Inter fung Frankfurt verfolgt. Das Auto nahm ein derartig effenvertretung aller Studenten gebildete Ausschuß beschließt zwar scharfes Tempo au, daß es ihm gelang, fich aus der Sichtweite der Einstellung der Zahlungen für Tuberkulofenbeihilfe, jedoch Ball Verfolger zu entfernen. Hinter Hochheim entfam der festlichkeiten mit 8 M. Eintritt. Wagen, ohne daß man feststellen fonnte, in welcher Richtung. Man nimmt an, daß die beiden Räuber diefelben find, die gestern abend in der Ebert- Siedlung in Mainz zwei Bäderburschen, die mit Geldeinkaffieren beschäftigt waren, überfielen und 20 Mart raubten. Die beiden Räuber waren mastiert. Sie drangen auch in diesem Falle mit Waffen auf die überfallenen Bäckerburschen ein und würgten den einen, um Ihn am Schreien zu hindern. Auch in diefem Falle enttamen fie unerkannt.

Kölner Bankräuber gefaßt?

Gie leugnen bisher die Tat.

Köln , 30. Dezember.( Eigenbericht.) Die Kölner Kriminalpolizei nahm am Montagabend einen be fannten Autodieb fest, der im Berdacht steht, an dem Ueberfall auf die Filiale der Deutschen Bank und Disconto- Gesellschaft in Köln­Lindenthal beteiligt gewesen zu sein. Der Häftling stellte jedoch eine Beteiligung an den Ueberfall in Abrede, erklärte aber, daß er für die Bankräuber am Sonntagabend in der Nähe des Domhotels einen D& P.- Wagen gestohlen habe, mit deffen Hilfe am Montag der Raub ausgeführt worden sei.

Gerolstein ( Eifel ), 30. Dezember.

Auf der Fahrt nach Trier wurde von Landjägern ein Auto­mobil mit drei Infaffen angehalten. Nach der Nummer des Autos und der sonstigen Beschreibung handelt es sich um die Räuber, die den Raubüberfall auf die Filiale der Deutschen Bank verübten. Die Festgenommenen wurden nach Prüm gebracht. Sie leugnen bisher Die Tat.

Räuber an der Theaterkaffe.

Drei Beutezüge in New York .

New York , 30. Dezember. Zwei Theater cffierer wurden am Montagabend von Banditen überfallen und der Tageseinnahmen beraubt. Im Paramount . Theater, einem der größten Theater der Welt, erschien ein acht­zehnjähriger Bursche und forderte den Kajsierer mit vorgehaltenem Revolver auf, ihm die Einnahmen auszuhändigen. Der Räuber taffte 11 000 Dollar zusammen und flüchtete. Obwohl das Theater sofort von der Polizei umstellt wurde, die jeden einzelnen Besucher scharf unter die Lupe nahm, tomnte feine Spur von dem verwegenen Burschen entdeckt werden.

Zwei Stunden später überfielen zwei mit einer Maschinenpistole bewaffnete Banditen einen Theaterkassierer in der V Avenue, raubten 25 000 Dollar und entfamen mit der Beute unerkannt. Ein dritter Raubüberfall ereignete fich in einem Restau. rant, mo ein junger Mann mit vorgehaltenem Revolver vom Wirt den Inhalt der Kaffe verlangte. Als der Wirt fid) weigerte, gab ber Bandit mehrere Saüffe auf den Wirt ab, modurch dieser schmer perlegt murde. Der Bursche fonnte ebenfalls enttommen.

Der Vorsitzende des Ausschusses, ein Razisturmtruppführer, er­lärte in einer Sigung: Die Zeit der Rache kommt. Die Sozialisten werden noch was erleben!" unterstützt das Treiben, indem er eine neue Hochschulverfassung ausarbeiten läßt, nach der unter anderem Studenten, die wegen ihrer staatsfeindlichen Gesinnung in anderen Ländern nicht an­erfammt werden, in Braunschweig anerkannt werden können. Einer großen Zahl von Arbeiterjungen hat Franzen die staatliche Unter ftügung gestrichen.

Der Hafenkreuzminister Franzen

Hochschul- Antisemitismus in Oldenburg .

Oldenburg , 30. Dezember( Eigenbericht.) Nach dem Wahlerfolg der Nationalsozialisten in der Stadt Oldenburg find große Teile der Studierenden der Ingenieurakademie ( Hindenburg- Bolytechnikum) in das Lager der Nationalsozialisten

Silvesterscherzartifel

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übergegangen. Der jezige Rettor hat diefer Entwicklung noch dadurch Vorschub geleistet, daß er bei der Bannerweihe der National sozialistischen Studentengruppe fich, felbft für seine Studenten über­raschend, mit Nachdruck für die nationalsozialistische Bewegung

einfegte

Diese Entwicklung hat mum prompt ihre Früchte getragen. In dem Allgemeinen Studentenausschuß sind mit über­wältigender Mehrheit, in einem Fall mit 16: 2 Stimmen, mehrere Anträge angenommen worden, von denen zwei fennzeichnend für die Situation sind. Der eine Antrag fordert. daß ein numerus clausus für jüdische Stubenten geschaffen wird, und zwar ein Brozent der Gesamtzahl der Studierenden, der andere forbert, daß sämtlichen jüdischen Studenten bas Bahlrecht zum Allgemeinen Studenten­ausschuß entzogen wird. Selbstverständlich find die Anträge reine antisemitische Demonstrationen ohne jeden praktischen Erfolg. Bei dem Reftor ist bereits Einspruch gegen eine berartige Antrags­tätigkeit des Studentenausschusses, der den Sagungen widerspricht, erhoben worden. Der oldenburgische nationalsozialistische Freiheits fämpfer veröffentlicht die Anträge unter der Ueberschrift linjere Studenten und schließt die Veröffentlichung mit dem Satz, Deutsch­ land

den Deutschen ".

macht, zeigt noch folgender Vorfall in der betreffenden Afta- Sizung.

Wie sich sofort der Antisemitismus bei solchen Anlässen breit

Die Afta- Sigungen sind in Oldenburg öffentlich; bisher war es auch Brauch, die anwesenden Studenten zu den zur Verhandlung stehenden Gegenständen und Anträgen sprechen zu lassen. Als nun ein jüdischer Studierender sich gegen derartige Anträge verwahrte, wurde ihm das Wort entzogen und er des Saales verwiesen. Andere anwesende jüdische Studenten verließen ebenfalls die Sigung.

Hafenkreuz Bestialität.

Der Borfall an der Königsberger Chirurgischen Poliklinik. Abg. Mertins( So.) hat im Preußischen Landtag die folgende Kleine Anfrage eingebracht:

Die Preußische Polizeibeamten- Zeitung" veröffentlicht in ihrer Rr. 50 vom 13. Dezember 1930 einen Brief eines Polizeimacht­meisters Bogumil von der 2. Bereitschaft Königsberg an die Re­Battion, dessen Inhalt einen unverrückbaren Beweis darstellt für die nicht mehr zu überbietende Berrohung der politischen Leidenschaften in den gebildeten Ständen gegen alles, was Republit heißt und mas der Republit dient", wie die Polizeibeamten - Zeitung zutreffend schreibt.

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Der Polizeiwachtmeister B. mußte wegen eines im dienstlichen Boren erlittenen Unfalls die Königsberger Chi­ rurgische Politlinit aufsuchen. Die notwendige Operation murde nach einem Bertrag des leitenden Arztes Dr. Erb über ,, Ent­stehung und Auswirkungen des Nasenbeinbruches" vorgenommen. Bei der Gelegenheit mußte der Polizeiwachtmeister in der Narfose nor Eintreten der Betäubung und nach dem Erwachen durch die bei der Operation mitwirkenden Studenten die übelsten Berunglimpfungen politischer und persönlicher Art über sich ergehen lassen, ohne daß der leitende Arzt sich zum Einschreiten veranlaßt sah.

Ich frage: 1. 3ft dem Staatsministerium dieser Vorgang be fanni? 2. Wenn ja, ist es bereit, die erforderlichen Maßnahmea gegen die an diesem Uebergriff beteiligten und verantwortlichen Per­fonen einzuleiten?

Preußen schützt Republikaner.

Ein von Frid gemaßregelter Beamter übernommen.

Der von dem Pufschiffen und thüringischen Junenminister Frid gemaßregelte fhüringische Polizeihauptmann Schüler ist von der preußischen Polizei als Polizeihauptmana übernommen worden.