Karl Liebicher: Das ist nun einmal jo
Berdanunt, da sind wieder zwei Kollegen, die mehr Ueberstunden geleistet haben, als der Tarif erlaubt. Und braußen liegt die Hälfte aller Geger, die in dem einen Nest Beschäftigung finden tann, auf der Straße, das Gesicht Berners, des jungen Verbandsvertrauens mannes, mirb nadbentlich und ernst. Um den Mund zudt es ent täuscht. Wofür predigt man min eigentlich, mofür schuftet man, wenn die Kameraden einander in den Rüden fallen?
Ein Sirfular freift durch den Seger und Drudersaal. Das ungemertschaftliche Berhalten der Kollegen wird gebrandmarkt und auch die tarifbrüchige Firma betommt ihren Teil ab. Das Blatt liegt auf dem Kasten Werners, der Fattor geht unvermutet vorbei und der Schwiegersohn des Chefs, ein ehemaliger Hauptmann. ,, Ah, Herr Berner, mas haben Sie denn da?" Der Fattor will has Schreiben vom Staften nehmen, will es lejen
..Dh nichts. Berbandsangelegenheit." Der Bertrauensmann ist im Nu heran und entzieht dem Faftor furzerhand das Zikular.
Herr Werner, ich möchte das lesen. Der Faftor, ein fonft umgänglicher Mensch, früher selbst Verbandsmitglied, spricht befehlend. Hier muß er Rückgrat zeigen, denn der Schwiegerjohn des Chefs, der ehemalige Hauptmann, fleht neben ihm. Werner überlegt blizschnell. Den Segern ist es erlaubt, mährend der Arbeitszeit Zirkulare im Betrieb laufen zu lassen. An sich könnte der Fattor das Schreiben lesen. Aber der Hauptmann, nein. Außerdem sieht er, wie die beiden Auchgewerkschaftler, die die Ueberstunden geschoben haben, über die Regale herüberspähen. Er faltet deshalb das Blatt zufammen und fiert es in die Kitteltasche. Der Faktor mird zappelig por Aufregung
..Unterlassen Sie bas in Bukunft! Ich verbiete Ihnen das!" stößt er scharf hervor.
,, llnerhörte Frechheit," näfelt der Hauptmann, Berner von oben bis unten mit talten Augen musternd. Der Stahlhelm blinkt auf dem Jackett.
,, Sie fönnen mir das nicht verbieten," erwidert Werner, indem er sich mit größter Anstrengung zur Ruhe zwingt.
,, Ich verbiete es Ihnen, verstanden!" Die Stimme des Faltors fragt wütend die Rehle herauf, während seine Linte den Kastenrand preßt.
,, Und ich lage hymen, daß Sie's nicht können." Werner holt tief Atem, steht ferzengrabe, die Stirn vom 3roang, den er fich auferlegt, gerötet.
,, Regen Sie fich nicht weiter auf." beschwichtigt der Schwieger fohn des Chefs den Faftor. Der Mann ist entlaffen. Seine Augen funtein eine Gefunde lang bösartig und voll Abscheu in das Gesicht Werners, bevor er fid) abwendet.
Berners Hoffnung ist die Betriebsversammlung. Sie werden fidys nicht gefallen laffen," meint er tröstend zu seiner tieinen Frau, die den Buben und das Mädchen nebenan zu Bett gebracht hat und nun in der Wohnküche ordnend hin und her geht. Sie glaubt ihm nicht. Sie fühlt im Innersten die Not und die Bitternis der Zeit. Aber sie möchte ben guten Glauben des Mannes nicht zerstören. So fchweigt fte, mur ihr befümmertes schmalmangiges Antlig fpricht Berner fühlt irgendwo in der Brust einen Schmerz, menn er fia so steht. Das Elend durchschauert ihn un voraus mit seiner Kälte, mit seiner Herzlofigleit. Er muß sich in diesen Tagen sehr zu fammennehmen.
Der Betriebsverfammlung bleibt er fern. Am nächsten Tag trifft er einen Kollegen. Stolz und Bertrauen erfüllen thn, von feltsam mehen Schlägen getroffen, die non unbewußter Bangigkeit herrühren.
Ja," meint der Rollege, ein bebrillter, vollbadiger Mann Ende der Dreißig, bie Bersammlung verlief sehr ruhig. Es sprach teiner mas.
Steiner, fagft bu?... So. Werner fiegt noch etwas auf der Zunge. Aber nein, nichts merken lassen, dentt er.
Der Rollege betrachtet ihn vorsichtig und bebauernd. Beißt bu," fährt er fort, die Meinung, das heißt, was man fo hörte, ging dahin, dein Fall sei eine Sache des Arbeitsgerichts. Der Berband fell die Firma nerflagen. Du bist gemaßregelt worden."
,, m, dann ist das ja gut. Burde sonst noch was gesprochen?" Der Bollbadige freut sich, über diesen Bunft hinweggefommen zu sein. Er schmaßt drauflos. Werner hört mit halbem Ohre hin. Es tommt ihm vor, als sei etwas in ihm zerbrochen, etwas Stoft bares, Unersegliches. Er verfucht, den Schaden mühsam zu heilen. Wie fonnte er murr fo töricht fein, und von der Versammlung etwas anderes erwarten. Al die Kollegen befaßen Familie. Alle waren fie froh, daß fie nicht hinausgefeuert wurden. Und der übrige Betrieb, die Buchbinder, die Bader , er märe in Mitleidenschaft gezogen worden. Biele Unbeteiligte hätten leiden müssen. Er verstand seine Rameraden, jawohl, und es wäre alles gut, wenn nicht dieser quälende Rest in der Kehle fäße und einem das Reben erschwerte. Ein großer Tag. Die Firma wurde vom Arbeitsgericht zur Wiedereinstellung des Vertrauensmammes oder zur Zahlung von achthundert Mart Entschädigung verurteilt. Die Setzer freuen sich. denn wenn sie auch nichts unternommen hatten, fo war ihnen die ganze Sache doch recht peinlich gewesen. Der Mensch ist ein fläg. liches Geschöpf. Berner freut sich ein paar Minuten. Dann erfährt er, daß die Firma gegen den Spruch Berufung einlegt.
Nun beginnt wieder die Zeit des Martens. Einen Monat bauert es gut, bis die höhere Instanz die Berufung verhandelt. Ein Glüd nur, daß der Verband die Maßregelung anerkennt und ihm die Differenz zwischen Arbeitslosenunterstügung und Lohn ausbezahlt. Es ist Hochsommer, Mitte Juli, und er lebt Tag für Tag mit seiner Familie wie noch nie in seinem Dafein. Sie fahren ins Freibad. Dort liegen fie im Sand, verzehren Butterbrote, jagen fich, springen ins Waffer, gebärden fich wie die Kinder. Herrgott, es war ihm bisher unbekannt, wie toll Mer mit seinen sechs Jahren laufen, mie luftig Grete, die vierjährige fein konnte. Welch ein Vergnügen, den heißen rieselnden Sand auf der Haut zu spüren, verträumt über das Wasser zu schauen und die Bäume der Landstraße im Sonnenglaft verschwinden zu sehen.
Auch seine Frau ändert sich. Ist das jenes belastete, immer ein wenig müde Wesen, das er abends anzutreffen gewohnt, war, das stumm um Anlehnung und Schomung bat? Nein, das ist in manchen Stunden ein ausgelassenes, frches Mädchen, das durch das Waffer plantscht, ihn lachend mit Sturzbächen überflutet, ihn mit den blauen, runden Augen fodt und mit den nadten, sonnenwarmen Armen seinen Stopf umschlingt. Das Glüd sucht sie heim, die Liebe flattert auf sie zu, betörend noch einmal Sie wissen faum, wie es geschieht. Sie hängen sich eng aneinander, weil im Hintergrund das graue Gespenst lauert.
Tam ja, bas Gericht hat ber Berufung ftattgegeben. Bielleicht ist es unwesentlich, daß der Borfizende zum gleichen Stammtisch gehört mie der Schwiegersohn des Chefs, der ehemalige Hauptmann. Aber es muß in dieser zuchtlosen Zeit ein Erempel statuiert werden.
Merners Kollegen sprechen nicht gern mit ihm über den Fall. Wir schreiben November, unb ber frühere Bertrauensmann rechnet fich aus, daß er gerade zu Weihnachten ausgesteuert sein murd. Die fleine Frau bringt wie jeden Abend Bub und Mädchen ins Bett nebenan. Der Mann brütet in der Ede des zerschlissenen Sophas. Er ficht fie aus der Rammer tommen, müber und belasteter als fonft, den Leib leise gewölbt. Das Glüd des Sommers wächst in ihr. Die Frau setzt sich auf den Stuhl, dem Manne gegenüber. Was foll merden? fragt der Blid.
In dem Neft ist es aus für mich," stößt er hervor. Du willst doch nicht nach auswärts?" Ihre Finger per fetten fid.
Sie ist so schwach, fie erträgt es nicht, fällt ihm ein. Ratios hebt er die Schultern.
..llnd ich...!?" Sie tagt sich an, weil sie das Kind trägt, meil fie nicht ohne ihn mit dem Kleinen sein tann.
,, Das ist nun einmal fo," sagt er nach einer Baufe, an den Worten schluckend, den Schmerz über das Zerbrechen nach der Betriebs. versammlung in sich, das Leid der Frau wie einen Pfahl im Fleische.
Ein Dichterlos
Philipp III von Spanien ftand im Jahre 1616 eines Tages auf einem Balton feines Schlosses Escurial und betrachtete verwundert einen Madrider Studenten, der mit einem Buch in der Sonne lag und bisweilen laut auflachte. Je weiter die Lektüre des Musensohnes porschritt, desto höher stieg seine Fröhlichkeit, die am Ende so aus gelassen wurde, daß er das Buch aus den Händen fallen ließ und fich vor Entzüden auf dem Boden wälzte. Philipp wandte fich on feine Hofleute mit den Worten: Entweber ist dieser junge Mensch toll oder er liest den, Don Quixote '" Ein Balastbiener mußte das Buch herbeiholen und man überzeugte sich, daß der junge Mensch feineswegs den Verstand verloren, sondern wirklich in dem be rühmten humoristischen Romane ,, Don Quixote " gelesen hatte. Zur gleichen Zeit lag in einem armseligen Gemach, auf einem dünnen Strohsad gebettet, ein Mann, der nicht viel über 50 Jahre zählte, aber bessen Bart schon silberweiß, deffen Süge abgezehrt waren. Ein paar Tage später sah man aus demselben Hause einen ärmlichen Leichenzug kommen, und wenn ein Borübergehender sich aus Mitleid nach dem Namen des Gestorbenen erfundigt hätte, so würde er etwa folgende Antwort erhalten haben: Der Tote par ein armer Schriftsteller, und sein Leben eine ununterbrochene Reihe von Trübsalen und Befümmernissen jeder Art. Die Not zwang ihn, Bedienter und darauf gemeiner Soldat zu werden. In der Schlacht bei Lepanto verwundet, wurde er von Seeräubern gefangen ge nommen und blieb fünf Jahre lang Galeerenstlane; nach der Rüdfehr in seine Heimat erhielt er eine jämmerliche Stelle als Salzsteuereinnehmer, die er nur turze Zeit befleidete; denn er wurde fälschlich angeklagt und abermals ins Gefängnis gefeßt. Unter diefen trostlosen Umständen griff er zur Schriftstellerei und befam von Seit zu Zeit gerade so viel Unterstügung, daß er nicht Hungers starb. Jegt hat endlich der Tod diesen Unglüdlichen erlöst; er schrieb unter anderem ben Roman Don Quigote" und hieß Miguel Cervantes ."
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