Die Kanzlerreise.
Enttäuschung bei Nationalsozialisten und Hugenberg- Sehern Der Reichskanzler hat seine Reise durch Ostdeutschland abgeschlossen. Die Reise verfolgte den 3wed, dem Kanzler
196 nigg Haller- Revue.
und den mit der Durchführung der Osthilfe beauftragten Be- E amten die Möglichkeit zu geben, an Ort und Stelle die Probleme der Osthilfe zu prüfen und mit den Be hörden und Nächstbeteiligten die Frage der Not des deutschen Ostens zu besprechen. Im Verlauf dieser Reise hat sich ergeben, daß die Fahrt zugleich den Zweck erfüllt hat, die Gerüchte zu zerstreuen, daß die Reichsregierung wie die Preußenregierung ihre Pflicht gegenüber dem Osten vernachläffige und die bedrängten Ostgebiete verjacken laffe.
Die Kreife, für die die wirtschaftliche Not des Ostens lediglich der Anlaß ist, ihre innenpolitischen und außenpolitischen Parteizwecke zu verfolgen, haben sofort den Versuch unternommen, diese Reise zu einer außenpolitischen Demonstration umzugestalten und eine Kundgebung für die Revision der deutschen Ostgrenze daraus zu machen. Darauf hatte die nationalistische polnische Presse nur gewartet, und sie hat sich mit Eifer auf gewisse deutschnationale Reden gestürzt, die während der Ostreise Brünings gehalten wurden. Der Reichskanzler hat sich nicht auf diesen Boden ziehen lassen. Er hat in ruhiger Zurückhaltung vermieden, den Ton seiner Reden und den Sinn seiner Reise durch diese Kreise bestimmen zu laffen, er hat ferner ausdrücklich erklärt, daß er keine außenpolitischen 3 we de mit seiner Fahrt nach dem Often verfolgt habe.
Auch in einem anderen Punkte hat diese Reise jene Kreise enttäuscht, die die Ostnot zu deutschnationaler und nationalsozialistischer Agitation ausnutzen. In diesen Kreisen glaubt man um so bequemer gegen die Reichsregierung und gegen die Preußenregierung agitieren zu können, je bedrohlicher die Wirtschaftslage im Osten ist. Wie die Nationalsozialisten die große Wirtschaftskrise auf den YoungPlan zurückführen, so die Deutschnationalen im Osten die Wirtschaftsnot der Grenzgebiete auf die Preußenregierung. Was für die einen der Young Plan ist, ist für die anderen die Preußenfasse. Es ist infamste Agitationspolitik, die sich gerade gegen die Einrichtungen wendet, die im größten Umfange geholfen haben und für zweckmäßige Hilfe jederzeit eintreten!
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Der Reichskanzler hat wiederholt fowohl in Königsberg als auch in oberschlesischen Städten mit Nachdruck darauf verwiesen, daß staatliche Hilfe nur möglich sei, wenn nicht Fehlerquellen und Hemmungen in den Ost= gebieten selber die Hilfsmaßnahmen durchkreuzen. Ein jeder hat verstanden, worauf Herr Brüning abzielte. Er hat wiederholt den Finger in offene Wunden gelegt und deutliche Worte gegen parteipolitische Sabotage der Osthilfe ge= braucht. Er ist ebenso nachdrücklich gegen Kata= strophenpolitiker und Panitmacher aufgetreten. So hat die Reise des Reichskanzlers dazu geführt, daß die Stimme der politischen Vernunft und die ernste Mahnung zur Verantwortung in Kreise im Osten getragen worden ist, die bisher die Dinge fast ausschließlich durch die Brille deutschnationaler und nationalsozialistischer Parteipolitik angesehen haben.
Bei diesen Kreisen hat die Kanzlerreise an Ort und Stelle ein bezeichnendes Eho gefunden. An mehreren Stellen ist der Reichskanzler das Objett feindseliger Demonstrationen geworden. Es waren nicht nur die Kommunisten, die gegen ihn demonstrierten, sondern vor allem auch die Nationalsozialisten. In Oberschlesien haben nationalsozialistische Großgrundbefizer ihre verhetten Landarbeiter zu Demonstrationen gegen den Kanzler befohlen. Diese feind felige Einstellung findet einen Widerhall in der deutschnationalen und nationalsozialistischen Presse. Die wüste Agitations politik, die Berdächtigung der Reichsregierung und der Preußenregierung und das blödeste nationalistische Geschwätz - das ist das Echo der Brüning- Reise in der deutschnationalen Presse.
Das deutschnationale Echo.
Bon deutschnationaler Seite wird mitgeteilt:„ Der Oberpräsident der Provinz Niederschlesien und der Magistrat der Stadt Breslau veranstalten aus Anlaß der Anwesenheit des Reichskanzlers Dr. Brüning Empfänge. Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete von Freytagh Loringhoven und der Landtagsabgeordnete Conrad haben sich nicht in der Lage gesehen, den an sie ergangenen Einladungen zu diesen Empfängen nachzutommen, nachdem die Herren Dr. Brüning und Treviranus durch die in ihren Reden vorgebrachten Angriffe gegen die nationale Rechte ihrer amtlichen Reise den Charakter einer parteipolitischen Agitationsreise gegeben haben."
Nicht
Stehlen
Liebes Briefe
UFC 150
私
Holstein
Rach der Darstellung des Historifers Professor aller befand sich Fürst Bülow in sklavischer Abhängigkeit vom Geheimrat- Spekulanten von Holstein, weil diefer Liebesbriefe der Fürstin gestohlen hatte.
Bülow
Ala
In finsterer Nacht stahl der Wirkliche Geheimrat im Aus wärtigen Amt Holstein eine Kaffette mit Liebesbriefen der Fürstin Bülow an den Pianisten Karl Tausig.
brüstungs Akten
Tirpitz
Hierdurch bekam Admiral von Tirpik freie Hand im Flottenbau; die deutsche Flottenrüffung und die Kriegspolitik gegen England setzten sich durch.
Abrüstungs
Akten
Infolgedeffen hatte Holstein den Fürsten Bülow in der Hand. Wimmernd mußte der Reichskanzler vor feinem Geheimrat niederknien und ihm die Aften der Berständigung mit England aushändigen. Börse
Aktien
W
DE
So gerief Deutschland in den Weltkrieg hinein. Holstein aber hatte mit Erfolg an der Börje spekuliert, da er Rüstungsaktien gekauft hatte.
Konferenzen der Internationale.
Frauen in Prag. - Arbeitslosigkeit, Abrüstung und Erefutive in Zürich .
In den ersten Monaten des neuen Jahres hält die Sozialistische Arbeiterinternationale eine ganze Reihe wichtiger Konferenzen ab. Sie beginnen mit der Tagung des Internationalen Frauen tomite es der SAI. in Prag , am 11. und 12. Januar. Am heutigen Sonnabend tritt das Präsidium des Internationalen Frauenfomitees, bestehend aus J. 2. Adamson( London ), Marie Juchacz ( Berlin ), Betty Karpistopa( Brag), Alice Bels( Brüffel), Adelheid Popp ( Wien ), zur Borbereitung technischer Fragen zusammen. Das Frauenfomitee wird sich in erster Linie mit der Vorbereitung der großen Internationalen Frauenfonferenz beschäftigen, die unmittelbar vor dem Internationalen Sozialistenkongreß in Wien im Juli 1931 zusammentreten wird.
Am 21. und 22. Január tagt in Zürich die vom Internationalen Gewerkschaftsbund und der Sozialistischen Arbeiterinternationale gemeinsam eingesetzte Kommission zur Be kämpfung der Arbeitslosigkeit. Diese Kommission tagt unter dem Borsiz von Walter M. Citrine( London ) und Louis de Broudère( Brüssel). Seit ihrer letzten Tagung in Köln haben eine Reihe von Unterkommissionen in Berlin getagt und wird eine weitere Unterfommission am 20. Januar in Zürich zusammen
treten.
Da der Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes in Ausführung der Beschlüsse des Stockholmer Kongresses beschlossen
Die Weisen aus dem Morgenlande.
Zentrumsbeschwerde über Sozialdemokraten.
der„ Germania ", an den preußischen Ministerpräsidenten Braun Der Führer des preußischen Zentrums, Abg Heß, hat, nach einen Beschwerdebrief über Veröffentlichungen in sozialdemokratischen Blättern gerichtet und ihn aufgefordert, dafür zu sorgen, daß religiöse Gefühle der Katholifen nicht durch sie verlegt würden.
Anlaß zu solcher Beschwerde gab die Tatsache, daß in einer „ Weisen aus dem Morgenland" abgedruckt wurde. Herr Heß nennt es ein Sohngedicht auf die Heiligen drei Könige" und meint, daß durch den Abdruck die selbstverständliche Voraussetzung jeder vornehmen Journalistik mit Füßen getreten" werde. Um die Gefährlichkeit des Gedichts zu erweisen, druckt die„ Germania " es im Wortlaut nach. Man erkennt sofort, daß es sich bei diesem Sang um das Widerspiel eines Brauches handelt, der in weiten Bezirken des Reiches noch üblich ist, daß nämlich am 6. Januar, dem sogenannten Dreifönigstage, auf den Dörfern junge Burschen umherziehen, um, mit den„ Infignien" der morgenländischen Weifen angetan, und entsprechende Lieder fingend". sich eine Festgabe zusammenzufechten. Mit dem religiösen Sinn des fatholischer Feiertags haben diese Lieder nichts zu tun und Klabunds Nach bildung eines solchen Fechter- Sangs schon gar nichts.
Der Polizeibericht meldet: Vor dem Eintreffen des Reichstanzlers hatten sich in den Zufahrtsstraßen zum Freiburger Bahnhof etwa 1000 Personen angesammelt. Der Vorplatz des Freiburger Bahnhofs war abgesperrt. Nachdem die Reisenden des Juges den Borplah passiert hatten, wurde dieser Platz gesäubert. Hierbei mußte eine Person wegen Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen feftgenommen werden. Am Ring hatte sich gleichfalls eine große Menschenmenge angestaut, die verschiedentlich Rufe gegen die Re- Beilage zu einem Parteiblatt ein Gedicht von Klabund über die gierung ausbrachte und die Internationale sang. Die Polizei schrift zur Räumung des Ringes, wobei auch berittene Polizei eingesetzt und gegen Widerstrebende der Polizeiknüppel angewendet wurde. Ein Pferd bekam aus der Menge heraus einen Schlag auf den Kopf. Es stolperte und stürzte. Der Reiter, ein Polizeioffizier, wurde am Fuß verletzt. Ein weiterer Polizeibeamter erhielt einen Schlag auf den Kopf, so daß er bewußtlos zusammenbrach. Es gelang, den Täter festzunehmen. Die in die Nebenstraßen abgedrängte Menge stieß nach der Ankunft des Kanzlers nach dem Ring erneut vor, so daß eine nochmalige Säuberungsaktion durchgeführt werden mußte. Hierbei wurde auf Polizeibeamte eingeschlagen. Am Ring bzw. deffen unmittelbarer Nähe mußten insgesamt 15 Personen wegen Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen festgenommen werden. Vor der Ankunft des Kanzlers im fürftbischöflichen Palais bildeten fich auch am Domplatz Anjammlungen, so daß diefer Plah fchließ lich geräumt werden mußte. Auch hier mußte der Polizeifnüppel angewendet werden. Nach der Abfahrt des Reichskanzlers zum Savoy- Hotel versuchte die Maffe wieder vorzubringen, so daß der Domplah unter Anwendung des Polizeifnüppels erneut geräumt werden mußte.
Insgesamt sind 19 Festnahmen erfolgt.
Die fubanische Regierung hat angesichts der ungeklärten politischen Lage neun führende hauptstädtische Zeitungen und Zeitschriften auf imbestimmte Zeit verboten.
Aus diesem Grunde scheint uns die Aktion des Zentrums. führers von übertriebener Empfindlichkeit beeinflußt zu sein. Wenn das burschikose Lied in einer illustrierten Beilage abgebrudt wurde, so bedeutet das noch keineswegs, daß die Redaktion des Blattes und die Absicht gehabt hätte, religiöse Gefühle zu perlegen. es als eine religiöse oder antireligiöse Bekenntnisschrift angesehen Im übrigen ist die gleiche Ausgelassenheit Riabunds schon ein. mal Gegenstand fatholischer Beschwerde im Landtag gewesen. Denn daß der preußische mit hätte es wohl genug sein sollen. Ministerpräsident, nur weil er Sozialdemokrat ift, nun die Stelle eines Oberzensors über sämtliche sozialdemokratischen Ber
hat, in Zukunft gemeinsam mit der Sozialistischen Arbeiterinternationale die Verwaltung des Matteotti Fonds zu leiten, wird am 23. Januar in Zürich eine fonftituierende Sigung des nunmehr aus Vertretern des JGB. und der SAJ. bestehenden Romitees zur Verwaltung des Matteotti- Fonds stattfinden. In dieser Sigung wird vor allem auch geprüft werden, wie die Einnahmen des Matteotti- Fonds gesteigert werden fönnen, um den in der Periode der Reaktion immer steigenden Anforderungen zu entsprechen.
Am 21. und 22. eventuell 23. Februar wird die Exekutive der Sozialistischen Arbeiterinternationale in Zürich ihre ordentliche Frühjahrstagung abhalten. Die Verhandlungen wird Emile Vandervelde , der von seiner Reise nach Ostasien zurückgekehrt ist und die Geschäfte des Borsigenden wieder übernommen hat, leiten. Die Tagung wird sich einerseits mit den drängenden Problemen der politischen Lage, insbesondere der Arbeitslosigteit und der Abrüstung beschäftigen, andererseits die Vorbereitungen für den Vierten Kongreß der Sozialistischen Arbeiterinternationale, der im Konzerthaus in Wien am 25. Juli 1931 zufammentritt und bis zum 1. August tagen wird, treffen. Der Sigung der Exekutive geht eine Sigung des Büros der SAI. am 20. Februar, sowie eine Beratung der Kommission für die Probleme des Bölferbundes vom 17. bis 19. Februar und eine der Kommiffion für die Abrüstung am 18. und 19. Februar voran.
öffentlichungen übernehmen könnte, die Vorstellung ist doch zu meltabgewandt, als daß man sie auch nur im Morgenlande für durchführbar halten sollte.
Litauische Willfür.
Deutsche Memelabgeordnete dürfen nicht nach Genf . Memel , 10. Januar.
Die Abgeordneten der deutschen Mehrheitsparteien. Gubba und Meyer, die bereits auf der vorigen Völkerbundsratssikung als memelländische Vertreter waren, sollten durch Beschluß der Mehrheitsparteien auch diesmal nach Genf entsandt werden. Der Gouverneur hat beiden Abgeordneten ohne Angabe von Gründen die Erteilung des Ausreisevisums verweigert.
Auf der Völkerbundstagung werden auf Grund der im September eingereichten Beschwerden der deutschen Regierung gegen Litauen wegen Bruch der Memeltonvention folgende vier Fragen zur Berhandlung gelangen:
1. Der Finanzausgleich zwischen dem Memelgebiet und Litauen ( Aufteilung der Einnahmen aus den Zöllen und Monopolen des Memelgebiets zwischen Litauen und dem Memelgebiet, entgegen dem Memelstatut bisher noch immer nicht endgültig geregelt).
2. Das Betorecht des litauischen Gouverneurs gegen die Gesetze des Landtags. Die Beschwerde verlangt, daß einem Beto eine eingehende Begründung gegeben wird, um die 3ulässig. feit des Vetos nach Artikel 16 des Memelstatuts festzustellen und gegebenenfalls Abänderungen verlangen zu können.
3. Die Aufhebung des Belagerungszustandes im Memelgebiet, der seit dem litauischen Staatsstreich besteht. 4. Die Plenarentscheidungen des litauischen ObertribuDanals, das entgegen dem Memelstatut bei Bergehen memelländischer Beamten Entscheidungen getroffen hat, während allein die in der Mehrheit aus Memelländern zusammengesetzte Memelkammer des Obertribunals zuständig ist.