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BERLIN Dienstag 20. Januar

1931

Der Abend

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Spätausgabe des Vorwärts

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Nr. 32 B16 48. Jahrgang

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Der deutschnationale Standal

Für 22 Angestellte 10 Aufsichtsratsmitglieder- Deutschnationale Politiker erhalten Tantieme

Die Angriffe der Bresse gegen die Direttoren bes Berliner Pfandbriefamts und die Berwaltung der Berliner Stadtschaft, den deutschnationalen Stadtrat a. D. Bege und den Direktor e Biseur, haben diese

Handtaschenräuber gefaßt.

Der schießwütige Bursche geständig.

Der Handtaschenräuber, der am Sonntagabend, wie berichtet, in der Marchandstraße in Lautwig- Süd die 32jährige Frau Bette hinterrücks niederschoß und flüchtete, konnte heute von der Kriminal­zolizei festgenommen werden. Es handelt sich um einen 34jährigen

Reifenden Win Schlame

Serren veranlaßt, sich in einer Pressekonferenz vor der Deffentlichkeit zu rechtfertigen.

Wie dies bei solchen Gelegenheiten immer der Fall ist, be­flanden die Ausführungen der Berwaltung in einer einzigen großen Weißmaschattion.

Der vielgenannte Direktor Ce Biseur verstieg sich sogar zu der Behauptung, feine geschäftliche Tätigkeit fei ausgesprochener Altruismus( Wohltätigkeit)! Schöner Altruismus gegen tlingende Münze!

Als eine Berleumdung gegen die Stadt Berlin aber ist es an­zusehen, wenn die Herren das berechtigte und notwendige Ein­schreiten der Magiftratskontrollstelle damit begründen wollen, daß der Stadt Berlin an nichts weiter gelegen sei, als die Stadtschafts­bant in ihren Streis zu ziehen, um auf diese Art ihr auf den Hund gekommene Stadtbant aufzufrischen. Zugleich wolle auch Berlin das selbständige Pfandbriefamt unter städtischen Einfluß bringen.

Diese Art der Verteidigung geht nach der Methode ,, Haltet den Dieb!" vor. Sie wird die objektive Deffentlichkeit gegenüber dem Geschäftsgebaren dieser deutschnationalen und wirtschaftsparteilichen Geschäftsclique nur noch mißtrauischer machen.

Im übrigen ging aus den Erklärungen der Berwaltung noch hervor, daß der Berliner Magistrat bereits vor mehr als einem Jahre bei dem Brandbriefamt gefordert hat,

den gesamten Aufsichtsrat bei der Stadtschaftsbant, der bei einer Ungestelltenzahl von 22 Personen 10 Köpfe start war, abzuberufen und späterhin eine Beschränkung der Aufsichtsratsmit glieder vorzunehmen, im neuen Aufsichtsrat forderte der Magistrat zwei Size für fich zu Kontrollzwecken. Gleiche Forderungen wurden auch vom Magiftrat für die Grundstücksgesellschaft Roland gestellt, an der sich das Pfandbriefamt unzulässigerweise beteiligt hatte. Schließlich drang der Magistrat noch darauf, daß der Direktor des Pfandbriefamts, Le Biseur, ferner aus dem Auf­fichtsrat der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz ausscheiden folle und daß die Beteiligung des Pfandbriefamts bei der genannten Bant aufgegeben werden sollte.

Der Magistrat hat bereits im Februar d. I. beim Ober­präsidenten die zwangsweise Durchführung seiner Forderungen beantragt, da die Leitung des Pfandbriefamts gar nicht daran dachte, den Forderungen des Magistrats statt­zugeben. Man wird sich in den nächsten Tagen mit der Ge schäftsgebarung und der fründenwirtschaft bei diefen Instituten noch näher zu beschäftigen haben!

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Wir werden fiquidiert. Das 3. der KPD. hat wieder einmal getagt und in der Eezeugung von Losungen" Parolen fagt man nicht mehr, feit das Bort Barolenschufter" Flügel bekommen hat die altbetonnie Leistungsfähigkeit bewiesen. Eine dieser neuen Bofungen lautet nach der Roten Fahne" mörtlich: Liquidierung des Moffeneinfluffes der SRD

Gold aus Dummheit

Wie die Kreditgesellschaft Tausend" gegründet wurde

München , 20. Januar.

Jm Prozeß gegen den Goldmacher" Taufend wurde am Dienstagoormittag die Gründung der Studiengesellschaft Tausend erörtert, wobei der Vorsitzende die umfangreichen Sahungen dieſer Geſellſchaft verlas. Auf Befragen des Vorsitzenden ertlärte Taufend, daß den Mitgliedern der Gesellschaft wieder­holt Borführungen gemacht worden seien. Dabei sei ihnen erklärt worden, daß das Ziel der Gesellschaft u. a. auch neben der Ber­werfung anderer chemischer Berfahren, die Möglichkeit der Herstellung von Gold sei.

Bars. Wieviel ist an Beträgen für die Studiengesellschaft eingezahlt worden? Angell.: Es sind ungefähr 600 000 m. eingegangen. Der Borsigende stellte aus den Atten fest, daß die Summe der eingezahlten Beträge zuletzt etwa 800 000 m. be­tragen habe, was Tausend nicht bestreiten will. Der Angeklagte gibt zu, auf Grund der Satzungen einen Betrag von 25 Proz. der Mitgliederbeiträge erhalten zu haben. Er habe zunächst 150 000 m. bekommen und später noch einmal 100 000 m., zusammen also 250 000 m. Der Verein wurde im Januar 1927 gegründet. Der Sitz des Vereins war ursprünglich Frankfurt a. M., er wurde später nach Freiberg verlegt. Als Grund für diese Verlegung gibt Tausend an, daß ein Mitglied der Studiengesellschaft in Freiberg eine Spinnerei hatte, die in Konkurs geraten war. Das Bert wurde von der Gesellschaft zum Kaufpreise von 150 000 m. übernommen.

Bei der meiteren Bernehmung Tausends erklärte dieser über feine Einkommensverhältnisse bei der Gesellschaft 164", daß er ein bestimmtes Gehalt nicht bekommen habe. Man habe ihm 10 000 m.

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Alchimist Hugenberg.

Arbeitsdienstpflicht als Bebel der Agrarrevolution.

Die Presse des Herrn Hugenberg begeistert sich für die Arbeits dienstpflicht. Sie findet, daß die marristischen Bürokraten des Reichs­arbeitsministeriums einfach nicht verstanden haben, worum es geht; denn es komme nicht auf die Theorie und die Literatur an, nicht auf Zahlen und volkswirtschaftliche Erwägungen, sondern auf die Tat. Genau so sprach der Goldmacher Tausend vor Gericht, als er erflärte, die Bürokraten des bayerischen Finanzministeriums hätten seine Goldchemie nicht verstanden, weil sie nicht musikalisch feien.

Was der Goldmacher Tausend auf dem Gebiete der Chemie ist, das ist Hugenberg auf dem Gebiete der Bolkswirtschaft- ein Alchimist der Wirtschaft trotz des Fortschritts der wissen­schaftlichen Wirtschaftserkenntnis. Die Alchimisten auf dem Gebiet der Chemie zitiert man wegen Betrugs vor den Strafrichter, die Alchimisten auf dem Gebiet der Wirtschaft aber genießen den Ruf

von Politikern.

Alfo läßt der Politiker Hugenberg Propaganda für die Arbeits­dienstlicht machen:

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,, Aus Heinen Anfängen, die fchon seit längerem erfolgreich arbeiten, will man durchsloßen durch die Mauer der Stepsis und Feindschaft, will man zunächst als Avantgarde auf dem Lande arbeiten als Vortrupps der eines Tages doch aus den Großstädten zurüdströmenden Menschen. Begeisterte Borkämpfer eines Boltes, das wieder bewußt Belig ergreift von seinem Boden, seinen Möglichkeiten, seinem seelischen und politischen Raum."

Billige Arbeitskräfte und Lohndrüder für die Herren Groß­agrarier also? Aber nicht doch, so ist es nicht gemeint! Das ganze Bolt soll wieder zurüd zur paradiesischen Einfachheit des Landlebens. Nieder mit der Industrie, zurück aufs Land!

während zwölf Monate gegeben, außerdem habe er 5 Proz. der ein gehenden Gelder bekommen.

Sämtliche eingehenden Beträge seien an Ludendorff bzw. an Juftizrat Schramm gezahlt worden, insgesamt über 600 000 21. Als die Gesellschaft aufgelöst wurde, sei Ludendorff ausgetreten. Uw Forderungen gegen den General unmöglich zu machen, habe er, Taufend, die Schulden übernommen. Dann wurde die Studien­gesellschaft Laufend" gegründet. Deni neuen Verein wurde eine halbe Million Mart aus dem alten Berein gutgeschrieben, denn es war fein Bargeld vorhanden. Der Verein sollte nur solange be­stehen, bis das Berfahren Tausends so weit ausgebaut worden wäre, Da Geldmittel nicht mehr daß ein Ertrag erzielt werden konnte. vorhanden waren, mußten neue Geldgeber gewonnen. merden. Später traten als neue Mitglieder auf Ansuchen Tausends der Gesellschaft bei: der Prinz von Waldenburg- Schön­burg mit 72 500 m., die Gebrüder Schöller aus Wien mit 150 000 m., sodann Richard Wolf mit 67 500 m., ferner Guts­befizer Gegenbauer aus Kärnten zusammen mit Kommer­zienrat Wulf in Düsseldorf mit 63 000 m. Daß ein Kilo Gold in Erscheinung treten werde, sei von den Mitgliedern damals nicht richtig verstanden worden. Er habe von Metall gesprochen.

Nunmehr kommen die verschiedenen Erperimente, in denen Tausend Gold nachzuweisen versuchte, zur Sprache. Es handelt sich um ein Experiment vor Profeffor Förster aus Dresden und um ein Experiment vor dem Oberchemiter der Gebrüder Schöller, die aber beide mißlungen seien. Professor Busch- Erlangen habe erklärt, daß er an einen Erfolg der Experimente selbst dann nicht glauben würde, wenn der Versuch gelingen würde.

Sah, daß das Bolt wieder bewußt Besiz ergreifen werde von seinem Boden. Als die bolichemistische Revolution in Rußland gesiegt hatte, ergriff das ruffische Bauernvolt bewußt Besiz von seinem Boden Es schlug die Großgrundbesizer tot und verteilte den Großgrund besitz.

Herr Hugenberg als Prophet der großen deutschen Agrara revolution gegen den Großgrundbesitz, und die Arbeitsdienstpflicht als Hebel der Agrarrevolution das schlägt selbst den Goldmacher Tausend!

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Das vorwurfsvolle Leben. Plädoyers im Jorns- Prozeß.- Justizrat Dr. Löwenstein verspricht sich.

Im Jorns- Prozeß begannen heute die Plädoyers. Da der Staatsanwalt teine Berufung eingelegt hatte, so tam als erster Jorns Verteidiger, Justizrat Löwenstein, zu Wort. Pathetisch begann er: Das Gericht stehe vor einer außerordentlich schwierigen und verantwortungsvollen Aufgabe. Schwierig sei die Aufgabe, weil es gelte, aus toten Aften Tatsachen zu rekonstruieren, die zwölf Jahre zurückliegen; verantwortungsvoll wie selten, weil es sich um den Schutz eines in Ehre ergrauten Mannes hardle, der das höchfte Richteramt und das höchste Staatsanwaltsamt im Reiche bekleidet, um den Schutz eines Menschen, dessen vorwurfs aber hier paffierte dem Justizrat Löwenstein ein Malheur: statt vorwurfs­freien fagte er vorwurfsvollen, un fich hinterher gleich zu forrigieren also deffen vorwurfsvolles, nein, vorwurfsfreies Leben ihn zu hohen Ehren kommen ließ.

Man tennt die Bedeutung, die moderne Psychologen solchem Bersprechen beilegten. Sie messen ihm geradezu den Wert eines Geständnisses zu.

Dies vorwurfsvoll" durfte dem Verteidiger von Jorns nicht

Eine Brägung dieses Artikels intereffiert uns am meister, der posieren!