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3lr 65* 48. Jahrgang

4. Beilage des Vorwärts

Sonntag, 8. Februar 1934

3)ie IHalrofen er mähten... Wl einem 3rarJtldampfer auf hoher See

Wer auf einem großen Pasiagierdampf« eins Seereise antritt, gef>t von dem breiten La! an Bord, macht es sich in der Kabine bequem und schaut später zu. wie riesig« Kran« das Äspäck der Reisenden in den Schiffsrumps versenken. Dann ist es plötzlich so weit. Die Bordkapelle spielt. Aus Deck und am Ufer werden Taschentücher geschwenkt Ein Sirenenrus. Die Reise beginnt Man ist vom Festland auf ein schwimmendes Hotel hinüber- gewechselt. Wer aber gezwungen ist, mit einem Frachtdampfer zu reisen, der irrt zunächst mit dem Koffer in der Hand zwischen den Schuppen des Freihafens herum, zwischen Ballen, Kisten. Fässern, und stolpert über Schienengleis«. an Güterwagen vorbei, über«wen schmalen Steg an Deckt Roch sind die Luken des. Dampfers offen, in die eiserne Hebebäume und starke Arm« die letzten Güter bergen. Man kommt sich zwischen den Arbeitern und Matrosen wie«in lästiger Störenfried vor und ist erst zufrieden, wenn man mit dem Steward gesprochen und die Kabine gefunden hat. Di» nächtliche Abfahrt eines Frachtdampfer» wird«in unvergeß- liches Erlebnis. Wenn der letzte Hafenarbeiter von Bord gegangen ist, werden die Lausstege eingezogen. Kurze Befehle an die Matrosen. Rasselnd rollt sich die Ankerkette auf. Pfeisensignale, Sirenengebrüll. Ein kleiner Schlepper zieht langsam den Dampfer von der Kaimauer in die Fahrrinne So fuhr der..Ganter' aus dem Bremer Freihasen. Durch Wolkenrille schimmerten die Stern«. Große und kleine Fracht- dampfer, Äohlenschisfe, Schlepper. Boote und Kräne lagen an beiden Usern. Ein lichtdurchflutetes Gewirr von Masten, Schornsteinen, Eilenkonstruktionen. Scheinwerfer beleuchteten taghell die Dampfer. auf denen noch gearbeitet wurde. Die roten und grünen Lichter der Backbord- und Steuerbordlampen malten bunte Reflexe auf das trag dahinfließend« Wasier. Draußen auf der Weser löst sich der Schlepper ab. Wir fahren mit eigener Kraft der Rordse« zu. Da» Wasser bricht sich rauschend am Bug. Bis in die Kabine klingt der Takt der Maschinen und das Schiff erzittert in einem gleichförmigen Rhythmus, der alles. Dinge und Menschen, einspinnt. * Tief hingen die Wolken über der Kieler Bucht . Der Wind pfiff in der Takelage. In sieben Stunden hatten wir den Nordosts«» Kanal durcheilt. Herbstsonne hatte über der schönen Marschlandschaft gelegen. Jetzt starb der Tag in einem düsteren Grau. Laboe verschwand im Dunst. Nur die Konturen des Dankmals für die am Skagerrak Gefallenen eip vierzig Meter hoher steinerner Vordersteven waren noch verschwommen zu erkennen. Im Zwölfmeilentempo steuerte der.Ganter' in die Ostsee und rasch oerwischte sich der letzte Streifen Landes. Es wurde schnell Nacht. Manchmal erschienen die Lichter fremder Schiffe und in kurzen Abständen glühten die Lampen des Fehmarn -Feuerschlfss aus dem Dunkel. Härter schlugen die Wellen gegen da» Schiff und heftiger jaulte der Wind, als ich später beim wachhabenden Offizier auf derBrücke' stand. Ein dunkler Raum, nur die Skala de? Kompasses war elektrisch beleuchtet. Unverwandt starrte der Offizier durch die Fenster.Es brist auf'... murmelte er vor sich hin und gab eine Weisung an den Matrosen am Steuer- rad. Nach einer Weile begann er von einem kleinen Küstenstädtchen zu erzählen, von dem Haus' und dem Garten, das ihm gehörte, von seiner Frau.Ms ich vorgestern von ihr Abschied nahm, lag sie mit mattem Puls auf dem Krankenbett', meinte er ernst...Ich wäre gern noch ein paar Tage daheim aebliebeu aber Sie wissen, Dienst ist Dienst...', Di« Tür des Kartenzinnners wurde im gleichen Augenblick geöffnet und Kapitän Engelbrecht erschien. Wir kamen in ein politisches Gespräch. Ein Mann mit nüchternem, gesundem Menschen- verstand redete mit mir.Die Kaufkraft in den Ländern ist zu Ichwach. Die Arbester müßten mehr vertonsumieren können...' sagte er besinnlich../Das würde den Handel beleben... Und das ist dringend nötig... Wir fahren schon das ganze Jahr nur mst halber Fracht.. Wort«, die mich zum Nachdenken zwangen. Die Wache wechselte. Ich schloß mich dem abgelösten Matrosen an und ging mst ihm über das vom Wind gepestschte Vorderdeck in eine Mannschastskabine. Wir hockten uns zusammen. Bei Bier und Zigaretten plauderten zwei Matrosen aus ihrem Leben. Dreißig- söhrige, die schon fest fünfzehn Iahrenans See fuhren'. Aus berufenem Munde lernt« ich Seemannsleben kennen. Auf der Fahrt ist es Nicht übel. Acht Stunden Deckarbest und Steuerradwache. Aber in den Häfen? Fast immer müssen Ueberstunden geleistet werden, die man besonders vergütet bekommt. Nicht selten wird sechzehn Stunden und noch länger geschafft, denn das Löschen und Loden mutz in kürzester Frist geschehen. Es gilt die Fabrzesten «inzuhalten. Jeder Tag. an dem der 17lX>-Tonnen-DampferGanter' unterwegs sst. beansprucht allein an Proviant, Söhnen, Gehältern für die 2ököpsige Besatzung und an Versicherungskosten Mark. Zest ist Geld! Man muß mit den Frachtsätzen konkurrieren können und hart und anstrengend wird die Arbest der Mannschaft. Eine Frage nach dem Verdienst? Die monatlich« Heuer auf diesem Fracht- dampfer des Norddeutschen Lloyd beträgt für Matrosen 1SZ Mark und für Heizer i4S Mark. Da die Kost gut ist. können sich ledige Seeleute etwas auf die hohe Kant« legen. Für den Verheirateten reicht es gerade zur Versorgung der Familie. Es brist verdammt auf', erklärte jetzt auch der Heizer, der splitternackt au» dem Bad kam. Wir lauschten sekundenlang dem Heulen des Winde»... Und wieder begannen die Matrosen zu erzählen von fernen Ländern, von Hasenstädten, von Frauen. die sich ihnen schenkten, bis einer zur Ziehharmonika griff. Dann stimmten sie«in in das Lied, das man auf Hunderten von Märschen und in den Unterständen der Schützengräben sang:In Hamburg . da bin ich gewesen Hab' gesehen die blühende Welt meinen Namen, den darf ich gar nicht nennen, denn ich bin ja ein Mädchen für s Geld.. Stürmisches Wetter ', sagt« der Steward, als er mich am Morgen weckte. Vom Deck aus bat sich ein grandioses Bild. Die Wellen türmten sich auf und gipfelten in schäumendem Gischt. Derb schlugen die Brecher gegen die stählernen Schiffswänd« und spritzten über Deck. Weit hob sich der Bug au» dem Wasser und versank wieder meterties mtt den zurückflutenden Wellen. Der Wind riß wild an den Masten, fauchte und heulte um die veckaufbauten. Ein schaurig-schöne» Schauspiel, das vom Wachoftizler in der Kladde tum Schiffstagebuch in dem lapidaren Satz festgehalten wurde: .Windstärke 7 der..Ganter' stampft und rollt heftig.' Beim Frühstück fehlt« von den drei finnischen Passagieren der

junge Rückwanderer aus Australien er war bereits feetrank. Der schaukelnde Tisch mit den guten Speisen reizt« mich fetzt nicht zum Essen. Ich ging bald wieder auf Deck und mutzte gegen Kopfschmerz und Uebelkeit ankämpfen. An die Reeling gelehnt, schaute ich in die aufgewühlten Wasser. Mühsam suchte sich ein Dreimaster, der nur die untersten Segel gesetzt hatte, den Weg und ein kleiner Frochtdampfer verfchwand fast bis an das Oberdeck in den Wellen­tälern. Später stieg ich hinunter zu den Maschinen. Mtt ölverschmiertem Gesicht stand der erste Ingenieur an der Dampfmaschine, die die große Schraubenwelle treibt. Stampfende Kolben, zischende Ventile. Meßinstrumente. Interessant, wie das Meerwasser durch mtt Kokos- fafern gefüllte Röhren gepreßt und so vom Schmutz gereinigt in einem Kessel verdampft Der Dampf wird abgekühlt und schlägt sich als salzfreies Wasser nieder. Eine fast unerträgliche Hitze lastete im Maschinenraum. Das Thermometer zeigte 37 Grad Celsius Durch eine eiserne Tür und über eine Treppe gelangt man zu den Feuerlöchern. Verdreckt vom Kohlenstaub stehen zwei Heizer vor mir. In den kleinen aber hohen Raum preßt ein Ventilator Luft. Trotzdem rinnt der Schweiß von den nackten, haarigen Brüsten der beiden Männer in ihre schmutzigen, zerrissenen Hemden. Immer wieder werfen sie Kohlen auf die langen, glühenden Rosten oder fahren mtt Schürhaken tief in die zwei feurigen Rachen, aus denen heiße Lohe herausschlägt. Der Aellere von den beiden, dem das angegraut« Haar an den Schläfen klebt, schiebt seinen Priem im Mund zurecht und antwortet auf meine Frage:Nein! Die meisten Heizer lieben nicht die langen Seereisen... Kurze Fahrt ist viel angenehmer. Man kommt eher mal zum Ausruhen. Jeden Tag acht Stunden lang zwei Kessel heizen, ist kein Spaß...' Schon

greift er wieder zur Schaufel. Mensch d» Essen schuftend, fchw�end. Stunde um Stunde. * Gotland lag schon wett hinter uns. Es stürmte nicht mehr. Dafür brüllte in. Abständen von zwei Minuten die Sirene. Dicker. grauer Nebel ging feucht aus die See. Aber ruhig fuhr der..Ganter' den finnischen Gewässern zu. Funkpeilung ermöglichte die genaue Einhaltung des Kurses. Auf dem Vorderdeck hatten sich n«ue Passagiere eingefunden- zwei Rotschwänzchen. Flügellahme Tiere, die auf dem Flug nach dem Süden nicht mehr mttkamen. Müde Vögel, die die Natur erbarmungslos vernichtet. Erst am Nachmtttag klarte der Himmel auf. Nur für kurze Zett. Früh kroch die blutrote Sonne den Horizont hinunter. Dämmer» stunde. Der Funkoffizier hat die Tür feiner Kabine geöffnet. Aus dem Lautsprecher klingt eine gute Barttonstttnm«.Ey u ebnem' ~ ein russisches Volkslied. Leningrad sendet. Als nach langer Nacht der Morgen graute, legte ein Motorboot amGanter' an. Der Lotse vom Leuchtturm Grahara kam auf der Strickleiter an Bord Wunderschön« Schärenlandschaft um uns. Große und. kleine Felsen mtt Gebüschen, Nadelgehölz und Laub- bäumen bestanden Ewig von den Wellen umspült. Eine frische Brise weht über die ruhige See. Näher und näh « kommen wir dem Hasen. In der Ferne reckt sich in das morgend- liche Licht die Silhouette einer Stadt: die alte Festung Soeaburg. die charakteristischen weißen Kuppeln der russischen Kathedrale, der moderne Granitturm der Kirche von Berghäll. Türme. Schornsteine. Häuserfronten, Hochbauten. Roch«ine knappe Stunde. Dann rollen m Sand Viken die Anker ins Wasser. Finnische Hafenarbeiter, die Mannschaft des Ganter' und dieeisernen Kollegen', die Kräne, beginnen amerikanischen Weizen, deutschen Futterkalk, Eisentelle. Gasösen und Maschinen aus den Luken zu fördern. Mich aber erwartet ein neues Erlebnis,. eine fremde Stadt Helsingfors! Ruäoik Eims..

s. Februar 1880

3)ofloje»rfki|

S. Februar 1930

SBum 50, Todestage des ruffifchen S)ichters

Do stof« wst i lesen heißt, in etivas Fremdem und Rassel- vollem, in einem Urelemem untertauchen. Du fühlst: hier spricht ein Mensch der Gegenwart, einer, der die Gründe und Abgründe der Seele kennt, der tn die tiefsten Tiefen des Unbewußten«indringt und mtt messerscharfem Verstände jeder logischen Ausgabe Herr wird. und zugleich spürst du: er lebt auf einem anderen Stern, er arbeitet mit anderen Maßen und Werten als wir; er oerachtet, was wir lieben, und liebt, was schon unseren Vorvätern gleichgültig ward. Woher kommt das? Wo steckt der Schlüssel zu diesem Anderssein? Die Antwort lautet kurz: Rußland , und' genauer ausgeführt: Orient und Okzident, Europa und Asien , klassischer Humanismus und slawische Erdgebuiidenheit, moderner Sozialismus und Urchristen- tum. In der Verbindung dieses Gegensätzlichen, daß er alle Gaben des Westens entgegennahm, um sie wieder als wesensfremd aus seinem Blute auszustoßen und sich gläubig, demütig zum Osten zu bekehren, ist das WunderDostojewski ' beschlossen, und das konnte sich nirgendwo anders begeben als im allen zaristischen Rußland zwischen 1820 und 1880. Während dieser zwei Menschenaller drängte sich im Zarenreiche zusammen, wozu das eigentliche Europa viele Jahrhunderte ge- braucht hatte: Kapitalismus und Industrie hielten ihren Einzug: Bergwerk«, Fabriken und Eisenbahnen emstonden: bürgerliches Denken schlug mitten un agrarischen Loden Wurzel. Man begann die Leibeigenschaft der Bauern, dies« wichtigste Grundlage des seudalpatriarchalischen Regimes, als schweres Hindernis der an- gestrebten Industrialisierung zu empfinden, und unter Kämpfen und Krämpfen kam es zu einer unzulänglichen, niemanden be- friedigenden..Bauernbefreiung'(1861). Man sah, seitdem man in den napoleanischen Kriegen Frankreich und Deutschland kennengelernt hatte, gespannt und neiderfüllt nach diesen Zentren eines neuen Geistes, und immer wieder stanken unter den Beamten und Offizieren Leute aus, die den fremden Ideen durch Won oder Tat Eingang verschaffen wollten. Man begeistert« sich an Liberalismus und Sozialismus: man debattierte, agitierte und schürt« unterirdisch: man beantwortete den Druck der Gewalt mtt Putschen und Atten- taten: aber.zu Fußen derer, die so schwärmten, die sich in glühen- dem Fanatislltus für ein fernes Ideal hinopferten, dehnt« sich dumpf und kaum berührt, tirchen- und zaremreu die Millttmenmasse der Bauern, und in chr schienMütterchen Rußlaiw' der Handvoll Neuerer lächelnd zu spotten. Hier war«in Riesige«. Ungeheures von unvorstellbaren Ausmaßen: was sollten demgegenüber Wider- stand und Reform? Es konnte jeden zerbrechen, jeden vernichten und bewies, indem es zermalmte, erst recht seine Größe Dostojewski jedenfalls hat sie erfahren und mtt Inbrunst verehrt: vor dieser Offenbarung mußten alle Leistungen und Gedanken des Westens als wesenslos oersinken. Was wir hier meinen, war die groß« Katastrophe von Dostojewskls Leben: nachdem er den aberwitzigen Geiz eines trank- süchtigen und gemeinen Vaters erfahren, nachdem er sich durch technisch« und politische Studien, durch böke Schulden und Berufs- sorgen schlecht und recht durchgeschlagen, veruneitte ihn der Zar wegen Teilnahm« an einer nchilsslsschen Verschwörung zum Tode und begnadigte ihn erst, als er schon, das Ende unmittelbar vor Augen. angebunden am Pfahle stand. Diese Augenblicke zwischen Jenseits und Diesseits und das neue Leben waren sin Geschenk des Kaisers. ein Geschenk Allrußlands. Unier dem Gesichtswinkel der Ewigkett sah Dostojewski fortab alles, was ihm begegnet«: vier Jahre Zwangs- arbett imTotenhaus ' unter Verbrechern und Gezeichneten, die doch trotz allemMenschenbruder' sind: sibirisches Zwangsdomozll und Verbannlendasein in Deutschland . Frankreich , England und Italien : junge Ehehölle und spätes, verdämmerndes Eheglück: Hunger. Lohn- schreibe»! und Rausch der Dichtung: Spielwut und die ekstatischen Zusammenbrüche der Epilepsie. Leid über Leid, gewiß, und iressend« Dämonen: aber es waren lauter Stürm«, damtt sich unter Donner und Blitz Gott nur testo herrlicher offenbar«, und hinter düsterem Gewölk iah Dostojewski, der schmerzgejagt«, qualverzerrte, den Himmel offen. Dielleicht versteht man jetzt, warum alle Romane Dostol«w!kis aus«n»r Wirklichkeit, die von Anschaulichkeit und handgreiflichen Greueln birst, in« Ewige hinüberweisen, warum seine Menschen von Katastrophe zu Katastrophe, von Leidenschaft zu Leidenschaft hetzen

und doch im Urgrund chres Seins dem Göttlichen verhaftet sind, und sei's auch in dessen Umkehrung dem Teuflischen. Da haben wir Raskolnliow den Helden vonSchuld und Sühne ' (1863). den Mörder aus kalter, verstandecdürrer Ueberlegung. der sich über eine Seelenzerfaserung sondergleichen hinüber zu Buße, Mitleid und endlich zur allverzeihenden Lieb« hinfindet. Da baben wir die Insassen desT o l e n h a u s e e"(1862), diese Elenden und Verlorenen, denen Verbrechen und Gemeinhett doch nur ein Abweg ist von der goitgezeichneten Bahn: haben die von allen Fiebern des Mihistsmus geschüttelten, von politischer Ekstase über- schäumendenDämonen'(1872): haben den Fürsten Mischtin, denIdioten'(1868), der von derheiligen Krankheit', der Epilepsie, kommt und in ihr wieder untertaucht und hinter diesen Dammerschleiern des Bewußtseins als der wahrhait Gütige er­icheint. und haben vor allem das Pandamonmm derBrüder Karamasoff , das an Begierden. Gegensätzen und Erlösung?- willen so reich ist wie Dostojewski selbst. Ein großer Zauberer und ein großer Künstler, wenn er auch nicht baut und meißelt, sondern vulkanisch Felsblöcke herausschleudert, so reißt Dostoiewski jeden Leser an sich, zwingt ihn als Seelenkünder, Wirklichkeitsmaler und Prophet in seinen Bann und macht chn ob der Schöpferfülle seiner Well atemlos staunen. Die Naturalist«» der achtziger Jahre des vorigen Iahrhunders bewunterten«bens» seine Kraft, alle Höllen des Daseins schonungslos zu öffnen, wie die Erprcfsionisten der Kriegszett in ihm die Erfüllung ihres Strebens sahen, vom Seelenkern und nicht von der Oberfläche her künstlerisch zu gestalten. Der Deutsche erhielt ebenso wie der Franzose und Engländer durch Dostojewski die OffenbarungRußland '. Ein Urmensch, einProletarier der Feder', ein Bruder der Primi- tioslen und der Kompliziertesten, derErniedrigten und Beleidigten' spricht durch seinen Mund aber so wahr das ist, so wenig gleicht Dostojewski uns selbst. Wir kennen nicht leinen Fatalismus und nicht seine gebrochene Demut, nicht sei»» nationale Enge und seine konservative Verranntheit: wir woll»* vorwärts, nicht zurück. Die Visiomn, die Dostojewski weckt, be- rücken, aber sie verrücken auch: so süß sein Gift ist. so gewiß ist es ein zum Dunkeln lockendes Rauschgift. Alfred Kleitiberg.

Zucker macht jtark Der Wert des Zuckers für die Wiedergewinnung erschöpfter Körperkräfte ist schon vielfach betont worden, ohne daß aber diese Wirkung durch wissenschaftliche Versuche erwiesen wäre. Das hat jetzt der Direktor des Psychologischen Instituts an der amerikanischen Goigate. Universität. Prof. Donald 2L Laird. getan und berichtet über seine Ergebnisse in der Medical Review os Reviews. Er arbettete mtt zwölf gesunden jungen Männern, die für diese Der- suche besonders geübt worden waten: sie wurden m zwei Gruppe» geteilt. Gruppe A wurde sechs Tage geprüft und erhielt die ersten drei Tage 65 Gramm Zucker in einer Lösung von Zttronenwasser 40 Minuten vor den Uebungen: die letzten drei Tag« erhielten die sechs Leute der Gruppe A dieselbe Menge Zitrouenwasser. die ganz so schmeckte, aber keinen Zucker aufwies. Die anderen sechs Aer- suchspersonen bildeten die Gruppe Z-, sie wurden nur drei Tage untersucht und erhielten während dieser Zeit dasselbe Zitronen- wasser ohne Zucker. Die Leistungen der Gruppe A an den drei ersten Tagen wurden mit denen der Gruppe S und ihren eigenen Leistungen in den letzten drei Tagen verglichen Di« Beobachtung jeder Versuchsperson dauerte 40 Minuten Während der ersten dreitägigen Periode, in der die Gruppe A den Zucker bekam, wurde eine Zunahme der Leistung um 3.7 Proz. festgestellt, während die ohne Zucker arbeitend« Gruppe einen Verlust von 2,1 Proz. auf« wies, wenn die Lesswnpen vor dem Training mtt den Leistungen nachher verglichen wurden Di« Steigerung der Kraft bei der Gruppe A durch den Zucker zeigte sich auch bei einem Vergleich ihrer Leistungen in den ersten drei Tagen und in den letzten drei Tagen: es ergab sich in der zweiten Hälfte der Periode ein Verlust von 5.2 Proz. Durch dies« mit großer Sorgsatt ausgeführten Unter- suchungen ist die stärkend« Kraft des Zuckers wissenschaftlich erwiesen