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BERLIN Mittwoch 18. Februar

1931

Der Abend

Erfcheint täglich außer Sonntags. Sugleich Abenbausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW68, Lindenstr. 3

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Spätausgabe des Vorwärts

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Nr. 82 B 41 48. Jahrgang

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Die Schüffe von Röntgental

Ein Verletzter gestorben/ Von den Tätern noch keine Spur

Die fleine Ortschaft Röntgental im Nordosten 1 Berlins ist gestern abend, wie in der Morgenausgabe bereits kurz mitgeteilt, wieder der Schauplatz einer furchtbaren Bluttat geworden.. Bereits vor Jahresfrist gelangte Röntgental durch das Verbrechen nationa listischer Mordbuben an Reichsbannerleuten zu einer traurigen Berühmtheit. Auch gestern wieder spielte das Restaurant Edelweiß", ähnlich wie seinerzeit, eine verhängnisvolle Rolle. Drei Gäste, die in dem Lokal friedlich bei einem Glase Bier saßen, wurden durch mehrere Schüsse, die von der Straße aus ab­gefeuert wurden, getroffen und schwer verletzt. Die Getroffenen, der 61jährige Maler Paul Arit, der 55jährige Oberpostschaffner Rudolf Pohlmann und der 56jährige Cberpostschaffner Hermann Schwebte, die sämtlich in der Centaler Straße in Röntgental wohnen, wurden in das Kreiskrankenhaus Bernau ge­bracht, wo Arlt kurz nach der Einlieferung gestorben ist. Auch das Befinden Pohlmanns, der einen schweren Bruftschuß erliten hat, gibt zu schweren Befürchtungen Anlaß.

Das bisherige Untersuchungsergebnis. Bis heute früh um 5 Uhr war die Politische Polizei des Berliner Bolizeipräsidiums unter Leitung des Kriminalfommissars Teichmann mit den ersten Ermittelungen und Zeugenvernehmungen in Röntgen tal beschäftigt. Nach dem bisherigen Untersuchungsergebnis hat sich die nächtliche Bluttat folgendermaßen abgespielt: Mehrere Röntgen­taler Einwohner, darunter einige Parteigenossen, hatten am Diens. tagabend an der Einäscherung des Genossen Brall im Krematorium Gerichtstraße teilgenommen. Unmittelbar nach der Trauerfeier traten die auswärtigen Trauergäste die Heim­fahrt an. Die Röntgentaler Teilnehmer an der Trauerfeier, unter denen sich auch mehrere Personen befanden, die politisch indifferent find, suchten auf dem Nachhauseweg noch das Lotal Edelweiß" in der Bucher Straße auf, wo sie ein Glas Bier trinken wollten. Die Männer, darunter Parteigenossen, laßen ahnungslos an einem Tisch in der Nähe eines Fensters, das nach der Straße zu liegt. Geçen 22.30 Uhr frlen auf der Straße plötzlich mehrere Schüffe, die Scheibe zersplitterte krachend und zwei Gäfte, Paul Arlt und Rudolf Pohlmann, fanken zusammen. Arlt war eine Kugel in den Kopf gedrungen, der neben ihm sigende Pohlmann hatte einen Schuß in die Brust erhalten. Und noch einen Dritten hatten die Mordgeschosse, die feige aus dem Hinterhalt ab. gefeuert wurden, getroffen. Oberpostschaffner Schwable hatte eine Kugel den Arm aufgerissen. In der ersten Aufregung dachte zunächst kaum jemand an die Täter, alles bemühte sich um die Ver­Iegten.

Dieser Umstand war für die Mörder besonders günstig, un­erfannt gelang es ihnen im Dunkel der Straßen zu entkommen. Die Verlegten wurden nur notdürftig verbunden im Auto ins Bernauer Kreistrantenhaus übergeführt. Leider konnte Arlt keine Hilfe mehr gebracht werden; die Verlegung war so schwer, daß er bald nach der Aufnahme star b. Inzwischen hatte die feige Bluttat den Ort in helle Aufregung versetzt. Bon allen Seiten strömten die Einwohner trotz der späten Stunde herbei, um zu erfahren, was sich abgespielt habe. Der Tatort war inzwischen jedoch in weitem Umkreise durch die Polizei abgesperrt morden und niemand durfte die Sperrtetten passieren. Bereits gegen 1 Uhr traf Kommissar Teichmann mit seinen Beamten in Röntgen­tal ein. Zunächst wurde der Straßenabschnitt vor dem Restaurant Edelweiß" genau abgesucht. Dabei fanden die Beamten nicht meniger als sechs leergeschossene Patronenhülsen einer Militärpistole 08. Die Hülsen lagen dicht beieinander, der Täter muß demnach in kaum einer halben Minute das Magazin geleert haben.

Drei Radfahrer beobachtet.

Die im Anschluß norgenommenen 3eugenvernehmun gen ergaben gleich wichtige Ausschlüsse. Danach sind in der Bucher Straße in der Nähe des Restaurants Edelweiß" turze Zeit vor der Bluttat drei Radfahrer gesehen worden. Als die

Militärregime in Spanien

Der Admiral als Ministerpräsident

Mittags wird offiziös aus Madrid gemeldet: Der König hat den Generalkapitän der Kriegsmarine, Admiral Aznar, mit der Bildung der Regierung beauftragt.

Aznar gilt als Repräsentant derer, die militärischen 3wang gegen die Boltsbewegung setzen und eine neue Gene­raldiktatur aufrichten wollen. Auch die folgenden Meldungen, die früher eingetroffen sind, deuten auf solche Absicht.

getroffen fib, but at the entbericht.)

Madrid , 18. Februar.( Eigenbericht.) von einem dichten Truppenkordon umgeben. Es sind Die spanische Hauptstadt ist seit Dienstagnachmittag zum größten Teil tönigstreue Regimenter in höchster Alarmbereitschaft. Die Linke droht, für den Fall, daß bie Truppen gegen das Volk eingefekt werden sollten, mit dem Generalstreik.

Keine Angst vor Diftatur'

Paris , 18. Februar.( Eigenbericht.)

Berenguer oder unter General Martinez Anita oder unter dem Die neue spanische Regierung soll entweder unter General befannten Reaktionär La Cierva stehen. Die Monarchisten glauben aus dem Mißerfolg Sanchez Guerras folgern zu können, daß die Linksparteien, nämlich Liberale, Republikaner und Sozialisten, unter einander zu uneinig feien, um als gefährlich angesehen zu werden. Die Verhandlungen im Königsschloß sollen schon soweit gediehen sein, daß

die neue als Zivildiktatur deklarierte Regierung heute ihr Amf antreten fönne; ihre Hauptaufgabe soll es sein, zu vermeiden, daß die Krone dem Machtspruch einer verfassunggebenden Nationalversammlung ausgeliefert werde.

Nazi- Demonstration verboten.

Wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Die von den Hakenkreuzlern zum Sonntag in den Lustgarten einberufene Gegendkundgebung gegen das Reichsbanner ist vom Polizeipräsidenten auf Grund des Artikels 123 der Reichsverfassung ver. boten worden, weil sie die öffentliche Sicherheit ge fährden würde.

ersten Schüsse fielen, war einer der Täter vom Rad gestiegen und hatte fein Fahrzeug offenbar ganz in der Nähe aufgestellt. Seine beiden Komplicen deckten den Rüdzug nach beiden Seiten der Straße. Es ist anzunehmen, daß auch diese beiden mit Schuß waffen ausgerüstet waren. Daß die Mörder mit Fahrrädern ver­sehen waren, gibt auch die beste Erklärung für ihre schnelle und ge= lungene Flucht.

Das Restaurant ,, Edelweiß".

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Bertinar berichtet im Echo de Paris", die spanische Königin, eine englische Prinzessin, die am Dienstag von London über Baris nach Madrid zurückreifte, foll den Rat des englischen Hofes mit­gebracht haben, daß die spanische Krone sich gegenüber den revolu tionären Parteien möglichst entgegentommend zeige. Der englische Hof, der es verstehe, schreibt Bertinar mit deutlichem Weiß­behagen, mit der britischer Arbeiterpartei auszutommen, glaube, daß

der spanische Thron nur durch Konzeffionen zu reffen sei. Wahrscheinlich aber würden diese Ratschläge zu spät in Madrid Interview im Excelsior", das monarchische Regime in Spanien sei eintreffen. Der spanische Sozialistenführer Prieto erflärt in einem

reftungslos perbraucht.

Selbst

eine neue Diktatur werde sich höchstens noch einen Monat lang halfen können. Die Republik sei nicht mehr aufzuhalten. Deshalb auch müßten alle überzeugten Republikaner die Zusammenarbeit mit dem Monarchisten ablehnen.

Nächtliche Demonstration.

Paris , 18 Februar.

Nach Meldungen aus Madrid patrouillierten am Dienstag Polizeiaufgebote durch die Hauptstraßen, die großen Zufahrtsstraßen waren von Truppen abgesperrt. Wer in die Stadt wollte, mußte Personalpapiere vorweisen und wurde ausführlich über den Zweck des Besuchs" vernommen. Spät abends durchzogen Studenten die Straßen.

"

Es ertönte immer wieder der Ruf: Tod dem König!" Berittene Polizei ging mit dem blanten Säbel gegen die Kundgeber vor, die sich zwar zerstreuten, wenig später aber in einem anderen Stadtteil sich wieder zusammenfanden. Mehrere Studenten wurden verwundet und verschiedene Verhaftungen vorgenommen.

schuldlos der Kugel eines Mörders zum Opfer gefallen ist. Das Lokal hat eine wechselvolle Bergangenheit. Bor Jahren, als es noch teine Rationalsozialisten in Röntgental gab, verkehrten Ar­beiter. Siedler und kleine Handwerker hier. Dann machte sich eine Gruppe von Hakenkreuzlern breit, da mußten die anderen, die Arbeiter, die etwas auf sich hielten, auf den weiteren Besuch des Lokals verzichten. Edelweiß" wurde offizielles Parteilokal der Rationalsozialisten. Das ging so lange, bis am 5. März 1930 vom Edelweiß" eine Mordschar Hakenkreuzler loszog und auf Republikaner und Reichsbannermitglieder, die bei Meisel in der Bahnhofstraße eine Mieterversammlung abhielten, einen heim­tückischen Feuerüberfall verübten. Ein Toter und drei Verletzte waren die Bilanz der Hakenkreuzlerbluttat. Der Wirt des ,, Edel­weiß" warf die Hakenkreuzler hinaus und verkaufte das Lokal. Sein Nachfolger hat den Hafenkreuztern aber wieder eine Freistatt gewährt, und nationalsozialistische Versammlungen sind in dem Lokal heute feine Seltenheit.

Wem galten die Schüsse?

Die Polizei hat bei dieser neuesten Bluttar ihre eigenen Ver­mutungen, die sie aber im Interesse der Untersuchung nicht preisgibt. In der Kolonie Schweizer Berge" liegen in der Detztaler Wenn man den elektrischen Vorortzug verläßt, der Dom Straße dicht nebeneinander die Häuschen von Arlt, Pohlmann Stettiner Bahnhof in zwanzig Minuten Fahrt nach Röntgental und Schwebta. Tiefe Trauer hat der Tod Arlts über seine hinausfährt, gelangt man rechter Hand in die Bahnhofstraße. Am Familie gebracht, nebenan bangt sich eine vergräntte Frau um ihren Barteilofal von Meisel vorbei, geht man die Bahnhofstraße hinauftodeswunden Mann, der im Bernauer Krankenhaus mit einem bis zur Bucher Straße. Friedlich liegt die kleine Wirtschaft da, Brustschuß daniederliegt. Fußweg ist das Lotal Edelweiß" erreicht. Ein zweistödiges festzunehmen. nur einige Passanten treuzen den Weg. Nach frapp zehn Minuten Hoffentlich gelingt es der Polizei recht bald, die Mordgesellen Kleinstadthaus, wie viele andere in Röntental auch; unten ein paar Gaststuben mit Bereinszimmern und Nebenräumen, darüber im ersten und zweiten Stoc zwei Wohnungen, die vom Lokalinhaber und einer anderen Familie bewohnt werden. Bis auf die zertrümmerte Fensterscheibe und bis auf die Ein schüsse in den Wänden des Gastzimmers deutet in dem grauen All tag faum noch etwas darauf hin, daß an dieser Stelle vor wenigen Stunden ein betagter und nichtsahnender Familienvater völlig

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Das Schwurgericht in Moabit hatte am 22. August vorigen Jahres von den achtzehn, an dem am 5. März 1930 erfolgten Röntgentaler Ueberfall beteiligten Nationalsozialisten dreizehn wegen gemeinschaftlicher Körperverlegung mit Todeserfolg in Tateinheit mit schwerem Landfriedensbruch zu Gefängnis­strafen verurteilt. Sämtlichen Angeklagten wurde eine Be währungsfrist mit Rücksicht auf die Schwere der Tat abgelehnt.