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Gerdland: Heimveh im Wartejaal...

Junge Leute mandern nachts durch die erschreckend hohen, fahlen Bahnhofshallen, starren in die Birrnis der Gleise, studieren mit einer nerbiffenen Eindringlichkeit die Anschlagtafeln und setzen sich in die Bartefäle und warten. Junge Leute schlendern vereinzelt, einsam an den Bahnsteigen vorbei, das Tappen ihrer Schritte halft wider von den gläsernen Wänden. Sie lieben diese stillen, unheimlich ruhigen Nachtstunden der gigantischen Bahnhöfe in der steinernen Stadt. Immer wieder treibt es sie her mit vehementer Gewalt. Sie bleiben aber nicht lange. Sie boden, bewacht von einer grenzenlosen Einsamkeit, vor einer Taffe fettiger Brühe, einem Glaje schalen Biers. Sie gehen bald, die jungen Leute, gehen mit einem Kopfschütteln über sich selbst Sie sind Kaufleute, Stenotypistinnen, Schau­Spieler oder Arbeiter, sie stehen im Erwerbsleben, und dies Leben rührt sie hart an, verschont sie nicht mit seiner sermürbenden Hast.

Sie bewohnen möblierte Stuben mit Plüschmöbeln und Nippes­figuren auf der Kommode, sie haben eine Rinofreundin oder einen Sonnabenbnachmittags- Ausgehfreund, sie haben Tanzpartner oder besuchen heftig und ungestüm politische Versammlungen. Deshalb haben fie feine Zeit zum Grübein, für Heimweh. Sie paden das Leben tüchtig an, und ihre Briefe an zu Hause" find geladen mit Zuversicht, vollgepumpt mit Bertrauen und Hoffnung, gesättigt von Tatkraft und Energien. Ja, ihre Briefe.

Da fizen sie feierabends in der möblierten Stube, irgendwa frateelt ein Grammophon eine öde Gassenhauerlitanei, nebenan teift ein altes Weib, ein Baby jammert, und jenseits des Hofs, hinter einer knallgelben Gardine, bewegen sich die Schatten von Liebenden. Sie aber find ganz allein. Die Troftlosigkeit des aussichtslosen Daseins überfällt sie in solchen Stunden, und sie nehmen Papier und

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Feder und Tinte und schreiben an die Eltern und Freunde in der Heimat, an die Geschwister und an den Pfarrer...Mir geht es nach wie vor gut... Wenn nur der Dienst weniger anstrengend wäre... Aber ich trage mich ja mit der Absicht...

Und dann, mitten beim Briefschreiben, ist es plößlich wieder da! Es steht am Tisch, und es liegt wie Moder über den guten Stücken der Steuersekretärswitwe. Es ist da, es grinst herab von den namenlos fremden Familienbildern an der Rankentapete, es frafeelt blechern und rasseinde aus dem fremden Grammophon. Es drückt dem jungen Menschen den Hut auf den Kopf, wirst ihm den Mantel über, es ist da und faßt ihn an der Hand, es führt ihn die Treppen hinab, die Straße hinauf, geradeswegs in die Bahnhofshalle. Was denn? Das Heimweh!

Sie figen nachts an den gedeckten Tischen der Wartesäle erster und zweiter Klasse. Auf den Tischen stehen Breßglasvasen mit fächer lichen Papierblumen... Die Oberfellner bewegen fich wie auf. gezogene, automatisch betriebene Wachsfiguren. Es ist ganz still, unheimlich still, der nächste Sug läuft erst in einer Stunde ein... Das Bonbonfräulein lächelt traurig.

Aber diese Stille fut den jungen Leuten wohl. Sie denken daran, daß sie ja nur in einen Zug zu steigen brauchen, morgen oder in einer Woche oder in einem Jahr, um nach Hause zu kommen. Und plötzlich tauchen wieder Attendeckel vor ihnen auf, Kladden oder Kulissen, Gesichter der Chefs und Kollegen. Dann gehen sie kopf Schüttelnd über ihre fentimentalen Anwandlungen" heim, in ihre Stube, in der ein angefangener Brief liegt, den man sofort zer reißt...

den Taft mit geschwungener Fauſt marfierend. Aus ihren heiseren Kehlen dringen seltsame Lieder, deren drastische Plastik man faum beschreiben kann. Diese Weiber können sich nicht genug tum in den gewagtesten Bodfprüngen. Alle Augenblice segelt mit stark ver schobenem Sdywerpunkt ein neuer Festgenosse herein. Schließlich ein legtes Toumeln und der eine oder die andere stürzt nieder. Dann schleift man sie an den Beinen in einen Winkel und Tanz und Gefang gehen weiter.

Während die reifere Jugend" sich in derartigen Mocksberg­szenen ergött, feiert die junge Generation abseits ihren Faschingsball.

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Riesen­

tanzluftigen Mädchen zusammen. Auf den Bänken siken Kavaliere In der größten Izbá( Wohnstube) des Dorfes drängen sich die im Schafspelz, hohen Filzstiefeln und zottiger Pelzmüze ferte. Die Mädchen eröffnen den Tanz. Sie schreiten im Reigen, im Gänsemarsch hintereinander und fingen wohlflingende, träume risch monotone Lieder. Von den Ofenbrettern schauen die fleinen, fehr niedlichen Kinder wie Engelstöpfchen auf die Erwachsenen her= ab. Dann tritt der Reihe nach je ein Bursche in die Mitte des Reigens ein und bleibt auf einem Schemel stehen. Die Mädchen reichen im Vorbeigehen dem Burschen ihre bunten Kopftücher, fingen und loben ihn so lange, bis er einer jeden mit einem Kuß das Tuch wiedergibt.

Am Tage der Másleni za legen die jungen Leute am steilen Abhang des Dorfes eine eigenartige Rutschbahn an. Wie ein Eisen­bahngleis faufen, parallel aneinandergelegt, dünne Kiefernstämme auf dem Boden entlang, die an der Oberseite entrindet und durch llebergießen mit Wasser spiegelglatt gefroren find. Auf je ein Gleis tritt ein Bursche und ein Mädchen, die Fußspigen einander zu­gekehrt, reichen sich die Hand und sausen auf den glatten Stangen gleitend mit Schnellzugsgeschwindigkeit talab. Defters werden bei solcher Gelegenheit Arme und Füße gebrochen. Es gehört große lebung zu diesem Wageſtüd, das mit der größten Kühnheit immer und immer wieder ausgeführt wird. In den Pausen trinkt man flaschenweise Wodka und ist Sajga, einen etwas übelriechenden, ge der Betschora, mit Bling und Schangy, ein m

Iran Heilbut: Der Mann, der fein Bier trankoslighmedenden pufferorligen Gerstengebä..

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Ich lebe," sagte der Mann, der sein Bier trant und mit dieser| wegen noch zwei oder drei Monate warten müssen- nicht auf das Anrede unsere Befanntschaft eröffnete, aber wiffen Sie auch, Geld, sondern erst einmal auf Bescheid. Zwei oder drei Monate, daß ich ebensogut tot sein fönnte?" Herr. wo wären ich, meine Frau und mein Mädel da wohl ,, Nein, wie sollt' ich das wissen?" antwortete ich. Wir standen gewesen uns in einer Stehbierhalle gegenüber.

Doch," sagte er. Dann schwieg er für eine Weile. Und begann

wieder:

Das ist eine Eigentümlichkeit vom Gerichtsvollzieher," fagte er, , daß alle Beute, die mit ihm zu tun haben, ihn ernst... und alle Leute, die nichts mit ihm zu tun haben, ihn fomisch nehmen." ,, Das ist richtig."

Aber nun hatte ich ja mein Geld dahin, der Laden war in

Betrieb, jawohl, weil die Beamten einen so schönen Bockmist gemacht

hatten und mich mit meinem Namensvetter verwechselt... Das heißt, wie ich die Sache ansah, war das gar kein Bock: nist, oder: toas dem einen sein Bockmist ist, das ist dem andern sein Gold. Aber mir wurde, als ich den Zusammenhang begriff, ganz anders, Herr... ganz flau, ganz fomisch zu Mut wurde mir. Was waren das für zufällige Umstände, nicht? denen ich mein Glück mun ver­dankie. Ich ersuchte den Herrn Oberregierungsrat denn auch, ein­zusehen, daß durch diesen zufälligen Fehler in seinem Bürobetrieb drei Menschen am Leben geblieben waren; und ich ersuchte ihn, sich selber und seinen Beamten feine Vorwürfe weiter deswegen zu machen, sondern sich lieber über diese Sache zu freuen. Und da ich das ganze besch.... Darlehen in menigen Monater: ja bereits ab= Lezahlt haben würde, so fäme ja teiner zu Schaden, Nich?

SPY

varum,

Aber der Mann fannte das nicht fapieren, Herr weiß ich nicht. Er schimpfte weiter. und dann ging ich nach Haus. Ich war gerade in diefen Ingen ganz nah daran gewesen, wieder in die Kirche einzutreten, weil mir der große Dreh wie eine Fügung Gottes erschienen mar; meine Frau hatte fogar einen Extravers für die lieben guten Beamten an der Darlehenskasse im Nachtgebet meiner Kleinen eingelegt... meiner Kleinen eingelegt... Na, ich bin nicht in die Kirche rein­gegangen und meine Frau hat den Bers wieder gestrichen.

Ja," sagte er. Ich habe nämlich ein kleines Mädel, fünf Jahre, und' ne Frau. Das nebenbei. Wie nun der Gerichtsvollzieher fam. war uns allen klar, daß der große Dreh fommen mußte, sonst Gashahn. Sie temen doch die Sache mit dem großen Dreh? Es gibt Menschen, bei denen kommt er immer, und es gibt andere, bei benen kommt er nie. Ich hatte nämlich einen Papierladen, das mar ein komischer Laden, müssen Sie wissen. Entweder bei uns in der Gegend schreiben die Leute feine Briefe... oder die besch. Wirtschaftslage überhaupt. Ajo der Laden hatte den Dreh in der verkehrten Richtung gemacht. Da mußte nun ein Doppeldreh tommen, um ihn mieder richtig zu friegenden Laden. Zuerst ging ich auf die Wohlfahrtsbehörde, aber das mit der Wohlfahrts behörde dauerte aafig lange, Herr, und die Beamten sagen: Summer her Reihe nach... Da haben sie recht, ich würde es schließlich genau je machen. Wissen Sie, ein Wohlfahrtsbeamter, der seine Sache mit Gefühl anfaßt, der muß ja nach vierzehn Tagen' ne Leiche sein. Also auf die Leute da fonnt' ich nicht warten. Da ging ich mm zur Darlehnstasse, wozu is sie da, hab' ich zu meiner Frau gefagt, went feiner sie benutzen will. Nicht? Den Laden hatte ich noch, müssen Sie wiffen, aber es wurde darin nischt verkauft, er war sozusagen geschlossen. Ein Brotgeschäft wollt' ich nun aufmachen, Herr, denn Brot essen die Leute auch bei uns in der Gegend, wenn sie auch Icine Briefe schreiben. Ich hab' an's Baterunser gedacht, da steht schon geschrieben: Unser täglich Brot... und das ist richtig. Aber daß ich zur Darlehenstaffe gegangen bin, das war am Ende wieder ganz falsch gewesen. Dies stellte sich aber erst nachher heraus. Nämlich die Wohlfahrtsbehörde legte nun einfach meine Afte beijeite, weil ich mun ja anderweitig persorgt werden sollte. Versorgt werden, ja. Für die einigen hundert Mart, die ich haben wollte, mußte ich zuerst einen Bürgen beschaffen. Ich kannte aber teinen und erst nach Peter Panoff:

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Die Konjunktur der Feiertage nüßen am meisten die handel­treibenden Tataren aus, die gruppenweise hierher kommen, um den betrunkenen Bouern ihre nicht ganz einwandfreien Pferde zum Kauf anzubieten. Diese Kinder Mohammeds sind lustig und auss gefaffen und trinken besonders gern, wenn sie sich ferm. von der Zuchtrute des gestrengen Mollah befinden. Mohammedaner und Christen springen vergnügt zu den schmissigen Klängen der Har monika und stampfen die Nationaltänze Trépat und Kamárinjti. Der eisige Wind geht bis ans Mart, die Nase brennt wie Feuer, und um den Schnurrbart legt sich der dicke Reif wie Blei, aber niemand will sich zurückziehen.

Am Sonntag ist der letzte Uft der Másleniya das Spazier rennfahren auf der Dorfstraße. Die Beleuchtung bei der langen Dämmerung mit den Reflegen auf den violett getönken Schnee­flächen macht diese Fahrten sehr reizvoll. Ein und Zweispänner voll Burschen und Mädchen fahren die Dorfstraße auf und ab und fingen aus voller Kehle: Ach, du Winter, Winterchen, warft gar fait,"

Den nächsten Tag nennt man reiner Mantag", denn alles Dämpft sich in den Badestuben und reinigt Leib und Seele. Die Faschingepidemie ist aus und es beginnen nun die großen Fasten und die strenge Arbeit.

Mensch und Menschenaffe

In der ärztlichen Gesellschaft für Seguelmissenschaft und Konstitutionslehre hielt Dr. Hans Weinert , Potsdam , einen Bartreg über seine Forschungen auf dem Gebiete der Abstammungslehre, ' n fomischer Fall, nich? Wäre alles bei der Kasse richtig und die denunächst in einer größeren Arbeit veröffentlicht werden. Aus­feinen Weg gegangen, dann hätte in diesen Tagen wohl' ne kleine feinen Weg gegangen, dann hätte in diesen Tagen wohl' ne fleine gehend von der Auffassung Haeckels, der sich noch sehr vorsichtig Notiz in der Zeitung gestanden: Schreckliche Familientragödie eines über die Nähe der Verwandtschaft zwischen Menschenaffen und Bapterwarenhändlers wegen Nahrungssergen. Nun steht vielleicht Mensch ausdrückte, stellte er zunächst fest, daß heute diese nahe Ber­so' ne fleine Notiz in irgend' nem Blatt, die sich auf meinen Namens- wandtschaft als durchaus erwiesen angesehen werden müsse. Während netter bezieht- Sie wissen doch, das ist der, der noch drei Monate furz vor dem Kriege allgemein die Ansicht von Klaatsch vertreten anstatt meiner warten soll. Irrtümlicherweise bin ich noch am Leben wurde, daß die verschiedenen menschlichen Rassen auf verschiedene und trinke mein Bier. Ich darf gar nicht lange über die Sache und Affenarten zurückzuführen seien, daß also eine mehrmalige an meinen Namensnetter denken, ich bin immer, gleich ganz ver­Menschwerdung an verschiedenen Stellen der Erde stati­dattert. Ihnen fommt das alles vielleicht gar nicht so mert­gefunden habe, kommt Dr. Weinert zu dem Ergebnis, daß die würdig vor? Menschwerdung einmalig gewesen sei und die Rassen sich später entwickelt hätten. Seine Untersuchungen gingen darauf hin, festzustellen, ob etwa eine engere Verwandtschaft des Menschen mit einer bestimmten Affenart bestehe. Um dieses festzustellen, suchte er nach einem Merkmal, das zwei Eigenschaften aufweist: 1. es

Na, Profit."

eineinhalb Monaten tam ich an einen Mann, der sich zu vernünftigen Fasching in sibirischen Wäldern darf als Organ teine Funktion erfüllen, wie etwa Arm oder Fuß,

Bedingungen bereit erklärte. Seine Bedingungen waren aber nur deshalb so vernünftig, weil er selber immer befoffen mor. Nüchterne Leute haben dagegen nun wieder verrückte Bedingungen es ist nichts vollkommen auf Erden, Herr... Meine Sache tam jeden falls richtig in Fluß. Die Darlehenstajje sagte endlich Amen, und statt des Gashahns wurde nun der Laden aufgemacht. Zuerst an

einem Freitagabend, von halb, sieben bis sieben. Ich wollte mich Dörfern nach Norden und Osten beginnt das großartigste Wald­

bloß erst auf den Schreck vorbereiten, bloß mal sehen, ob wohl inner­halb einer halben Stunde e in Kunde täme. Herr, in dieser halben Stunde hatte ich einen größeren Umsatz als in dem Papierladen, feligen Andenkens, während eines Monats. Ich konnte gar nicht bran glauben, daß das mein eigener Laden war, in den mit einem Mal so viele Leute tamen. Ich hatte, das muß ich schon fagen;' ne

mächtige Angst vor soviel Glück. Am Sonnabend mußte sogar meine Schwägerin mithelfen beim Bedienen, so strömte es bei uns herein; wir hatten' n Umsatz von hundertfünfzig Mark... An einem Tag! Was fagen Sie?

Bei solchen Zeichen und Wundern nuß der Mensch natürlich feine Ueberzeugung ändern, denn radikal, Herr, sind wir Geschäfts­leute nur, wenn wir unglücklich find. Ich trat in eine andere politische Partei ein; ich spendete was für die Heilsarmee ... Ich sah vier Engel mit zusammengewachsenem Gesäß pojaunend zum Himmel brausen, die bliesen in alle vier Richtungen über die Erde: drei Menschen gerettet! Ja, gerettet, Herr.

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Wie der Vrotladen so' ne Woche in Betrieb is, fommt ein Echreiben von der Darlehenskasse an, ich sollte mal gleich hinfommen zu Herrn Oberregierungsrat Soundio. Na, ich denn auch hin und alyne nidits Gutes. Ein schlechtes Gewiffen hatte ich nicht abe: wenn Beamte einen gewöhnlichen Menschen einladen, daß er sie besuchen soll, da tommt niemals was Besonderes bei heraus. Richtig, faum bin ich da, gibt es Krach. Angeschnauzt haben fie mich­jawohl, mit Posaunen aus allen vier Richtungen, aber das women feine Engel, die bliesen. Sie brüllten mir zu, daß ich ihr Vertrauen mißbraucht hätte, daß ich... Wieso, meine Herren? frage ich ganz ruhig. Da tam nun heraus, daß ich mein Darlehen, die drei­hundert Mart, zu Unrecht erhalten hätte weil ich nämlich in Wirt lichkeit noch nicht an der Reihe gewesen wäre. Aber da war irgendwo unter den Atten noch ein Namenspetter von mir, den ich gar nicht fenne, Sie hatten mich also verwechselt. Und ich hätte von Rechts

Jedesmal, wenn die Faschings- Epidemie im Februar bei uns ausbricht, hört sie nicht auf, bevor der ganze Kontinent radikal an­gesteckt ist. Erst bei den letzten Ansiedlungen an der ural- sibirischen Grenze macht sie halt und fann nicht weiter. Da liegen nahe bei­einander drei, vier tschubisch- permjafische Dörfer. Dicht hinter diesen meer, das man sich denten fann. Es breitet sich nach Norden bis zu den Tundren der Samojeden, nach Osten zum Ural hin durch den entlegenen Ischerdjunschen Kreis des Gouvernements Perm. Weltvergessen tleben die Dörschen am Rande dieses blauen Ozeans. aber auch da tobt die Fastnacht- Stimmung ebenjo start, ja, vielleicht aber auch da tobt die Fastnacht- Stimmung ebenso start, ja, vielleicht noch stärker als bei uns. Die ungebändigte Bilbheit dieser nur gepaart mit Gutmütigkeit, Lebensfreude und mit einer allgemeinen an Braga und Wodka denkenden Kinder einer harten Natur ist Berunnüchterung, die für unsere Begriffe direkt unmöglich ist. Ob wohl die hier Mitte Februar übliche Temperatur von minus 50 Grad nicht gerade angenehm ist und man die" Festlokale" nicht besonders glanzvoll nennen kann, sind diese Permjaken und Tschuden in der Faschingszeit restlos glücklich.

Zwei Tage vor der Masleniha( Fastnacht) kehren die Männer aus dem Walde, wo sie im Holzfchlag arbeiten, heim. Schon unter­wegs gelingt es ihnen, sich gründlich zu betrinken. Wenn sie in solchem wackligen, unfauberen und start verräucherten Zustand die geheiligte Türschwelle ihrer Behausung betreten, werden sie oft von der Hausfrau mit den üblichen Worten Waldgeist" oder" Dit drei mal verfluchter" begrüßt. Bei uns wäre eine solche Titulierung eine grobe Befchimpfung, dort flingt sie wie eine Liebkofung, denn man darf nicht vergessen: hier regieren die Frauen, weil Männer

und Pferde dauernd im Walde find.

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Benn die erste zärtliche Begrüßung überstanden ist, beginnt der Ehemann Toilette zu machen. Diese besteht aus einem Dampf bad und dauert gewöhnlich bis zum Abend. Dann geht es aber im Lauftempo nach der Schantbude. Die hier überaus starke Braga - eine Art Gebräu aus Gerstenmalz und Hopfen wird von den Welbern unaufhörlich fredenzt, dazu tauchen Batterien von Wodka flaschen auf. Nach einer Weile beginnen die Beiber zu tanzen. Es ist ein fast unheimliches Bild, wie die fleinen, häßlichen, alten Ge­fchöpfe in Fest- Schanfchurta und Sarafan auf den Lindenbaft schuhen plump hüpfen, ein feliges Lächeln auf den tierischen Zügen,

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ein solches fönnte bei Umweltsveränderungen Abänderungen er­fahren haben; 2. es muß, wenn die Träger der Erbeigenschaften ( Chromosomen) einmal umgestaltet find, ohne Ausnahme immer wieder auftreten. Ein solches Merkmal fand er in der Stirnhöhle über dem Nasenbein( sinus frontalis). Diese Stirnhöhle bildet sich beim Menschen erst in der Entwicklungszeit. Sie findet sich nicht menschen gehörigen Reihe ausscheiden, sie tritt aber auf beim bei Gibbon und Orang- Utang, die damit aus der unmittelbar zum Gorilla und Schimpansen. Die Forschungen gingen dahin, zu prüfen, ob nody engere Beziehungen einer dieser beiden Affenarien zum Menschen nachzuweisen sind. Auch dafür ergaben sich An­haltspunkte. Die Verlegung der Augen von der seitlichen Stellung, winnen. So wichtig diefe Umformung für die Entwicklung der durch die das Tier zwei Bitter der Außenwelt aufnimmt, nad vorn ermöglicht es dem Menschen, ein einheitliches Bild zu ge­Intelligenz war, so förderlich war es andererseits, daß sie nicht so überholt und damit das Blickfeld eingeengt haben. Bei Prüfung der meit ging, wie bei den Menschenaffen, die darin den Menschen Augenstellung ergibt sich, daß der Orang- Utang durch die nahe Stellung seiner Augen als unmittelbarer Berwandter des Menschen ausscheidet( Index der Inorbitalbreite 15), dem Menschen näher steht der Gorilla( Inorbitalbreite 33); ihm am nächsten der Schimpanse( 3. 25, der Mensch 24). Die Zahl ist beim Gorilla sp hoch, weil da die Größenverhältnisse mitsprechen. Bestätigt werden diese Feststellungen weiter durch eine Gegenüberstellung der Samen­zellen. Die des Schimpansen find bei 1000facher Bergrößerung noáy nicht von denen des Menschen zu unterscheiden. Auch eine Blut­untersuchung ergab weitgehende llebereinstimmung. Dr. Weinert ist der Ansicht, daß das fehlende Glied zwischen Affen und Mensch, nach früher Abzweigung des Drang und späterer des Gorilla als gemeinsame Stammesform von Schimpanse und Mensch zu fuchen sei, und er glaubt weiter, daß es bereits vorliege Im Bithelanthropus, dem Affenmenschen von Java, der lange Zeit als noch nicht menschliche Form beurteilt wurde. Dieser Schädel ist Gharakterisiert durch große Länge bei geringer Höhe. Der später gefundene Pekingschädel( Sinanthropus) Jei nahezu von gleicher Form, aber in der Höhe bereits etwas darüber hinaus und nähere fich damit der Form des Neandertalmenschen. So ergäbe sich in den Schäbelformen eine Linie vom Pithelanthropus über den Sinanthropus zum Neandertaler. Maria Krische