jtmn menbuh brüderliche Jßiebe
„Wo r«m ftrtilet ihr euch immer! Ihr beiden..!" sagt« dl« aJlotter. Die waren eben grundverschieden. Der ältere mit dem rot«! Struppkvps,«in trotziger Kerl! und dir kleine, der Zehnjährige, zwäi Jahr« jünger als sein Vrud«r: ein Schwärmer, einer, der in der Nacht schlecht schlafen konnte, wenn er einer Flieg« den Flügel aus- gerissen hatte. Mit dem Dichstreiten war es ober nicht zu Ende. Sie schlugen sich die Nasen krumm. Der Kleine konnte, ungeachtet seines Mnpsindsamen cherzens, zuweilen noch gewalttätiger fein als der Große. Sie k»ilten aufeinander los wie auf Kerbholz. Eines Morgens mußte der Große im Bett lieg«» bleiben. Der Kleine nahm einen Brief mit in die Schule und gab ihn in der ond«r»N Klaffe ab. Als er heimkam, war fein Bruder schon ins Krankenhaus transportiert. Diphtherie. Der Arzt hatte kurzen Vrvzeß gemocht. Am Fenster über dem Lexikon. Buchstabe„D*. stand der Klein«: die Mutter flickte ein Hemd. Zweimal am Tage ging der Kleine den Weg zum Krankenhaus. E» war Herbst, die Sonne stand blank am Himmel. Wie die Welt ihn ansah? Wie schön war die Erde! Dos Leben... Er lief. Natürlich bekam er seinen Bruder nicht zu Gesicht. Der lag im abgegrenzten Viertel in einem Pavillon, den man nur aus der Fern« f«h,n tonnte. „Darf«r nicht ans Fenster kommen, Schwester?* fragte der Kleine. „Wo denkst du hin! Er fiebert hoch! Wir wissen ja nicht einmal, ob wir ihn durchbringen.* „Nein?* fragte der Kleine, ihm fiel nicht Klügeres«in. Die Schwester ging.— Bon ihr hängt alles ab, dachte er: sie kann ihn durchbringen, wenn sie will.— Er rief sie zurück und bat sie. Ihn durchzubrmgen. Am vierten Tage lauerte er dem Arzt auf. Der Arzt zuckt die Achseln. „Solange ein Mensch noch lebt, habe ich Hoffnung*, gibt er zur Antwort. „Aber es hat schon Keanke gegeben, um dt« es noch schlimmer stäni», und die doch gesund geworden sind—?' „Der Patient nimmt nichts an, sinne Kurve steigt.* Der Dicktopf! sagte der Junge für sich: natürlich will er wieder nicht tun, wa« er soll. Der Dickkopf! Wie sollt' er mit solchen Nachrichten vor seine Mutter kommen? Lügen? Gefährlich. „Sag die Wahrheit* verlangte di« Mutter,„du kannst fl« mir ruhig sagen.* Er log aber trotzdem, es ginge gut: und er hatte für einen Augenblick die merkwürdige Ueberzeugung, daß der lieb« Gott oder sonst irgendwer, der über das Leben seines Bruder« zu bestimmen hatte, auf diese falsche Auskunft Rücksicht nehmen und die Ereignisse danach lenken werde. - In der folgenden Nacht schrie der Große noch lauter al» sonst. Er brachte Wort« hervor, welche die Insassen des Paoillan« ihr Lebtag nicht gehört hatten. Aber endlich begriffe« die Schwestern, bäh es Kosenamen waren, die er ausrief. Er rief nach dem Bruder. «Dein Bruder kann jetzt nicht kommen*, sogt« man ihm. „Holt ihn. holt ihn!* rief er. Und dann begann er mit oll den komischen Namen t>on neuem und hört« nicht auf. Der Wörter am Bett war an �iebererscheinungen bei fernen Ävrnken gewöhnt: et schlummerte dab« ekn. Mit«Ihmt MA« hörte es yin Geräusch wt« Brechen und Klirren. Er traut« sein«» Angen nicht- Der krank» Jung« war durchs geschlmsene Fenster gesprungen. Dlg Stube lag un oberen Stockwerk „tfc hat sich da» Genick gebrochen! Lümmel!* rief der Wärt« und sprang ans Fenster. Aber dort unten sah er den Jungen in seinem ratmeih gestreiften Kittel wie«in wild gewordene« Gespenst Hurra hm« den langen Weg hinunterlaufen. Er warf di« Keine und bewegt« die Arme wie«in richtiger Schnelläufer. Ei war beinah« zum Lachen. Dar Wärter alarmiert« den stillen Pavilldn. Alles wo« hinaus darf, hinterdrein! Voran der Wärter und die Schmesteni. Die Rekonvaleszenten zogen Hosen und Schuh« an. „Einer ist durchs Fenster gesprungen!" „Nicht möglich!* „Wer denn?* ..Der Neu«!* „Dia» will er detm draußen?* „Ja, und er hat sich nicht einmal den Hol» gebrochen!" „Ach... „Wo ist er nun?"
„Sie suchen ihn ja...* Cr quält sich vergeblich, das Gitter zu übcrklimmen. Die Pforte fand er nicht in der Nacht. So erwischten sie ihn, wie einen Käfer, der die Wand nicht lassen will. An den Füßen zerrten sie ihn herab, sie klammerten seine Finger loe. Aber trotz all ihren Versicherungen, daß niemand ihn schlachten wollt«, stieß er unaufhörlich ein Gebrüll aus, und es waren wieder die Kosenamen. Sie trugen ihn, zu vier Mann, in den Pavillon zurück. Dort untersuchten sie seinen Körper. Keine Wunde am ganzen Laib! Kein Knöchelchen war zerbrochen! Als er nach vielen Wochen— es war tiefer Winter darüber geworden— bazillenfrei durch die Pforte ging, sahen ihn die Ve< amten neugierig an. Aber niemand erwähnte jenes Ereignis, weder hier noch zu Hause. Luch er schwieg davon. Mag sein, daß es niemals bis in sein Bewußtsein gestiegen war.
SfausiierhaUung der Jlmeifen Schon Jahrtaujende, ja wahrscheinlich Jahrmillionen, bevor der Mensch dazu überging, Tier« zu zähmen und sich aus diese Weise nutzbar zu machen, haben die Ameisen dies« große wirtschaftlich« Ein- deckung gemacht. Finden sich doch Exemplar« der Ameisenrassen, die Haustier« hatten, zusammen mit ihren Blattläusen bereits im fossilen Bernstein eingeschlossen. Echt dichterisch schildert Maurice Maeterlinck in feinem neuen, bei der Deutschen Vcrlagsanstatt in Stuttgart er- schienen«» Wert„Da» Leben der Ameisen", wie er sich diese Großtat des Ameisengeschlechts vorstellt. „Aufs Geratewohl umherztreisend, aus der Suche nach der tag- lichen Honignahrung, kam«ine Ameise bei einem Vlattlausvölkchen vorbei, das sich an der Spitze eines zarten grünen Zweiges ange» sammelt hatte. Ein lieblicher, süßer Duft kitzelte ihre Fühler,
während ihre kleinen Bern che» ,« ein« Art kdsttichen Taus versanken. Der Fund war herrlich und schien unerschöpflich. Sogleich fiillt« sie ihren Sainmcllkropf, den der Allgemeinheit dienenden Magen, den Vorratsschlauch der Stadt, zum Bersten voll, kehrte«ilertds ins Nest zurück, wo sie unter der Begeisterung und Verzückung des rituellen ?luswürg«ns dos Gerücht von dem wunderbaren Funde verbreitete. Eine Aera unversieglichen Wohlstandes und Glücks kündete sich an. Räch einem freudebebenden Fühlergespräch begaben sich alle in langen Reihen.zu dem Märchenquell. Ein neues Zeitalter hob an: sie fühlten sich nicht mehr verlassen in einer Welt, wo ihnen bisher keinerlei Hilf« zutell geworden war.* Dies« zufWg« Entdeckung haben die Ameisen dann allmählich vervollkpmmnet Und weitergeblldet. Zunächst lernten sie ihre Vlati- lause sammeln, einpferchen, regelmäßig melken oder vielmehr durch Streicheln dazu zu bringen, ihr« zuckerhaltigen Ausscheidungen zu steigern. So erreichten sie, daß ein und dasselbe Tierchen 40 bis öl) Zuckertropfen in der Stunde gab. Genau wie unsere Viehzüchter zu ihren Weiden , kommen und gehen die Ameisen von ihrem Nest zu den Blatt, und Schildläusen, sargen für ihr« Hausliere: ja einige praktisch« Stamm« haben sogar ihren Vlattläusen die Flügel abge- schnitten, um dos Melken zu erleichtern und jeden Fluchtversuch zu verhindern. Di« Ameisen umgeben ihre Herden mit Gehegen, bauen für sie verdeckte Weg« und errichten Unterstände zum Schutz gegen den Regen. Einige Arten fertigen PapMfig« für ihr« Hauetiere an oder richten im Nest selbst Ställe ein und ziehen die Blattläuse dort auf. Eine Art, die das Tageslicht scheut, bat Blattläuse oue- findig, gemocht, die ihren Geschniock teilen und nur auf den Würze!» bestimmter Pflanzen oder Bäum« leben: diese Tier« werden auf unterirdischen Wegen von weiiher geHoll und in die Slälle gebracht, in denen sie in der Tiese der Erde mit ihren Hirten ein zufriedenes Leben führen. Die Art Lasius Flaoius sammelt die Eier ihrer Blattläuse, zieht die Jungen groß und ist im Falle der Gefahr eifrig bemüht, die jungen Blattläuse zusammen mit den eigenen Kindern zu retten. Außer den Blatt- und Echildläufen halten die Ameisen auch noch kleine Insektenspringer, auf denen sie reiten und die sie dabei mtt Ihren Fühlern bestreich?», damit sie den ersehnten süßen Tau von sich geben.
OL A. von OfloUsBahn:
Bei der Verteilung der vorjährigen französischen Literaturpreise sind wieder mehrfach Autoren bevorzugt worden, deren Werke großenteils in fernen Ländern spielen. So überraschte die„Aca- dtmi« Goncourt* durch die Auszeichnung von Henri Fau- connlers mcckayischsm Pflanzentagebuch..Malaisie*(Verlag Stock). und Marc Ehadourne. dessen Liebe zur Süisse« vor wenigen Jahren m dem schönen Roman„Daeco*(Verlag Plön) ihren Niederschlag gefunden hat, ist für dieses Buch und seinen kürzlich erschienene» Band„Cectle de la Falle" zum Träger des„Prix Theo- phraste-Renaudot"«rwahtt worden. Während Ehadourne ohne Zweifel zu den bemerkenswertesten und serivlefteu Erscheinun- gen unter den jüngeren Pwsoautoren gehört, kann man beim besten Willen nicht behaupten, daß die„Goncourts* im Laus« der letzten Jahr«-n der Entdeckung neuer Begabungen besonders glückliche Hand bewiese« hätten. Bezeichnend ist dafür di« Tatsache, daß die We-ck« einzelner neu«« GoneourtSpretsträ»» heute für«in Fünftel ihre« Ladenpreise« omanzschs werden und iMst so noch?«m« Lielb» hcher finden. Anderepseck« liegt«in großer Irrtum in der Annahm«, daß Frankreich «, literarische« Zukunftshosftumgen arm fei. Man muß sich nur streng davor hüten, die geistigen Vertreter der jungen fron- zö fischen Generation au« Jean Coekeaus überzüchteten Händen empfange» zu wollen. Cocteau « Begabung wie seinen Einfluß zu leugnen, wärv der Beweis für«in« völlig oberflächliche Keurtalluiig der künstlerischen Tetbestände he» Pariser Lebens. So alliern einzelne feiner Gedicht» wie seiner übrigen Aeuherungen anmuten mögen: Talent läßt sich dem Verfasser des Romans.Fies Enfants terribles* und des Einakters„La Boix humaine"(Die menschliche Stimme", der auch in Berlin über kurz oder lang zur Ausführung kommen soll, bestimmt ohne weitere» nicht absprechen, und sein Ein» sluß beschränkt sich keineswegs auf die Literntur: auch in Malerei und Musik ist er vielfach zu spüren, ging beispielsweise doch von ihm di« Bewegung au«, die sich nach dem Kriege di«„Erneuerung" der französisch»» Musik zum Ziel gesetzt und sich in der..Gruppe der Sech«" zusammengeschlossen hotte. Zu den„Jungen", an deren Lancierung Cocteau besonders beteiligt war, gehören, nebe» minder
meinr.atemmer/Maximen eines QlobetroUers
Ich reise niemals, ich verändere nur immer meine» Aufenthalts- ort. Da« heimatlos« Gefühl des..Reisenden" überkvnunt mich hauptsächlich auf kleinen europäischen Umsteigestellen, wo man nach einem Coupäprovisorimn etwa eine» Deckprovisoriums gewärtig!: während auf tränskantinentalen Bahnen und interkontineittalen Dampfern sich ein jeder nach der ersten Stunde einrichtet und in der zweiten ««ftjißt. daß er sich in Bewegung befindet. Di« größeren Distanzen sink» mit den geringeren. Unbequemllchkeiten verknüpft. Der Globetrotter ist überall zu Hause: der Tramp nirgend-... Die Kirnst sich überall häilsllch einzurichten, besteht darin, daß man nachdenkt: nicht was man zum häuslichen Glück olles braucht, sondern zu eben diesem Zweck besser entbehrt. Dos einzig«, unmngängllch Notwendige für«in« Weltreise ist da? Einsteigen. Wie können Sie„ohne Geld" sartteisen? fragt man mich: und ich antworte: wie können Sie„ohne Gekd" hier bleiben. Mit dem. was man hier»mumgänglich zum Leben nötig hat, damit kann, wer frei darüber disponiert, nötigenfalls auch reisen. Die großen Raiseplön« kleiner Leute scheitern meist daran, daß die kleinen Leute sich leichter für klein« Ausflüge entscheiden: Summa Summarum geben sie mehr Geld daraus aus, als eine Weltreise kästet. Do« schönste Lqnd? Das ist das unbekoimte, in dem die Natur neu und die Menschen menschlich erscheinen. Die bekömmlichsten und billigsten Speisen sind— überall— die Nationalspeksen. Am schrecklichsten seekrank mar ich bei«wem Sturm auf dem — Wannsoe. Der Anti- Globetrotter spricht: zu Haus« kann man sich«in- schränken, aber aus Reisen ist das Beste vom Besten gerade gut genug. Die längste Seeroute ist(bei meist gleichqm Preise) die billigste: man kriegt soundso viel Tage„Gratispsnsion".(Ich habe tot- sächlich Eß-Ehampione gesehen, die ihr Passag?geld aus den Schilfs- Mahlzeiten herausgefüttert hoben.) Was. man auf Wellreisen am besten mitnimmt? Eine volle. Brieftasche, sonst nichts. Man kaust die Koffer am preiswerteste»
in Aegypten . Die beste Tropenansstattung in den Tropen. Was das Leben außerhalb Europas so teuer macht, sind die Europäer, man gehe ihnen aus dem Weg«. Die verbreitetste Tropenkrankheit ist nicht die Malaria, sondern die Langtweil«. Aber e» ist«ln Irrtum, zu glauben, daß sie durch Whi<-ky-Soda.zu kurieren ist. Man muß sich dennoch dazu ent- schließen, etwas den Geist und die Beine zu exerzieren, obwohl Tropenmenschen das unvornehm finden. Wenn«in Europäer iy Indien stirbt, ist in neun unter zehn Fällen„das Klima schuld". Wenn hier einen die Grippe erledigt, wird niemals behauptet, daß Europa eine unbewohnbare Kegend sei. Mein bester Reisebegleiter ist der Kochtopf.„CookinK i» ebmpany", sagt der Engländer:„Kochen ist so gut wie Gesellschaft"— meistens sogar besser. Di« Kunst, sich überall hauslich einzurichten, besteht darm, daß man nachdenkt, was alles zum häuslichen Glück entbehrlich ist. Ich ftag« nach den billigsten Dampfern nicht im Ressebüro, sondern in Matrosenschenken. Eine Sprache muß der Globetrotter beherrschen: die englische. (Die Welt ist englisch ) Gute Manieren sind hinter jeder Grenze anders: das Bolapük, mit dem man durch die Welt kommt, ist das natürliche Taktgefühl. Die iernsühiigsten Menschen sind die Kannibalen. Als ich ein Kannibalendorf verließ, trugen die Männer mein Gepäck, die Frauen mich, und die Kinder meine Arme— damit sie mir nicht zu schwer würden. Man erlebt auf Reisen immer etwas weniger als zu Haust, namentlich, wenn man oerheiratet ist. Der inner« Gewinn in der Schule des Wellenbummlers: der Globetrotter sieht fremde Länder von innen und die Heimat von außen. Jedes Völkchen glaubt sich im Zentrum des irdischen Geschehens ynd überall regiert der Alltag. Daß man über fremde Sitten lacht, hindert nicht, daß man sich in fremden Ländern lächerlich macht. Die Distanz ist ein« Illusion, Australien liegt nicht mehr am Ende der Welt, als(für die Australier) Deutschland .
bekannten. Radiguet, Desbordes und I g o r M a r k e v i t ch. ein achtzehnjähriges musitalisches Genie, dessen Kompositionen — von Cocteau » Einfluß heute völlig befreit— das größte Aufsehen zu erregen beginnen. Der junge Dichter Radiguet ist hingestorben, nachdem er einige erstaunliche Proben seiner Begabung gegeben hatte, während Desbordes, um dessen Pubertatsaufzeichnungen „I'adore"(Verlag Grasset) durch Cocteau und di« Seinen indidner- artiges Begeisterungsgeheul exekutiert worden ist. sich heute in der Rolle eines aufgeblasenen Favoriten dieses„Dichterfürsten" gut zu gefallen scheint. Di« überströmenden Sätze, mit denen ihn, Eaeteair sein neuestes Luch—„Opium", das„Tagebuch einer Entgiftung" (Verlag Stock)— gewidmet hat, erscheinen zumindest als?lu»druck einer ungewöhnlich subjektioen Wertschätzung, und uKiui eine solche .rnch ohne ZweifÄ zu den unbestreitbarsten Rechten jedes Menschen gehört, so überrascht im poxliegenden Falle die außsrorde.ntlsch ge« ring« Uebeazeugunz« kraft, die dies« Kundgebung mnezjiwohnen scheint. Sein»„Heilung* von der Opjumbestssenhett, beachtet Coctta-'. 'm seinem neuen. Buch mit einer Prätention,.. hiq soft Respakt sin, flößen konnte, und«».berichtet sie. genau genommen nur. um den. Opiurngenuß begeistert zu verherrlichen.: gerade dr-vll. gelangt man jedoch zu der gefährlichsten Seit» des Einflusses, der durch Cocteau auf feine Umgehung— und ttisbesandere auf d?« Jugend— ausgeübt wird. Die Rauschmittelvergiftungen und die Selbstmord«, di» sich in seinem Kreis« ereignet hal'än. sind allzu zahlreich, um Ihn. das Zentrum oisse» Kreises, von aller tßennf- Wartung dafür freisprechen»u können. In eine Detoildiekussioil dieser traurigen Vorgänge einzutreten, verbietet sich im Rahmen eines literatuttniijchan Berichts: als bezeichnende« Beispiel sei daher nur der einen Zotsache. Erwähnung getan, daß das jung« Mijdch.m, das allgemein als da« Modell für die weibliche Hauptgestolt der „Enfants terribles" bezeichnet wird, nur wenige Monate nach dein Erscheinen dieses Buches ein freiwilliges Ende— foosell hier vo» „freiwillig" die Rede sein kann— gefunden hat. das dem. da« die „Heldin" diele» Roman » findet, fast entspricht. Was den Kreis um Eoeteau betrifft, ja läßt sich sein« Begabung schwerlich in Zlbredc stellen, er kann und wird jedoch das geistig-künstlsrisch« Franlrei6> lemn entscheidend bestimmen, da«r aus einer Jugend gebildet wird, deren intellektuelle und moralische Gesundheit nicht über ollen Zweifel erhaben ist. Man wird gelegentlich die Ansicht vertreten finden, daß Jean Cocteau und Andre Gide in ihrer Wirkung auf die junge Gene- ratio» des geistigen Frankreichs fast gieichzustellen seien. Bei ollen Einwäiiden, die gegen Andrö Gide erhoben werden könne»— das Ocdipusdran«. das er soeben hat erscheinen lassen sBerlag„Rouvclle Revue Frangatse"), berechtigt zu der Frag«, od seine künstleri'cke Schaffenskraft steh nicht im Rückqange befinde—, bleibt Andrä Gide ein Faktor von entscheidender Bedeutung, der aus dem geistigen Leben der Generationen von haute und morgen in Frankreich nicht wcgdicputiert werden kann. Daran wird durch Zdundsragenergeb- nisse, wie sie die reaktionäre Zeitschrift..Lattntte." vor kurzem publi- ziert hat, sehr wenig geändert, mag durch sie noch so sehr der An- schein erweckt werden, als übertreffe Gide » Aualandswirkung bei weitem seine Wirkung in Frankreich selbst: v>«ll«lcht hat dies« ihren Höhepunkt heute überschritten: daß das Werk Andre Gides jedoch zu den befreienden geistigen EAebnisssn gehört hat. denen Kriegs- »nd Nachkriegsgeneration in Frankreich ausgesetzt worden sind, bleibt unbestreitbar. Ohne Eide als Voraussetzung wären viel« der wichtigsten Cr- schemungen des süngeren französischen Schrifttums nur schwer zu verstehen, selbst wenn ihre geistige und tünfilerifchc Selbständigkeit so sroglos feststeht wie die Gui Bernard de la Pierre!., von dessen mehrbändigem E»stling?roman„Le Relais dissialc' (wörtlich: Der schwierige Stasetlenlauf) soeben in der Zeitschrift„Les Eahier» libr«»' di« ersten Proben publiziert werden sind.>Lc Reloi» disflcss«* fit der'Römern ein« Generation, der Roman der Generation des drsiundzwan-igjährigen Autors, und diese« Werk. da» ich im Manuskript gelesen habe, frappiert und ergreist durch sein ausgeglichenes Gemisch von Teniperament und Klarheit, persön- lichstem Erleben und Urteilskraft: hinzu kommt eine überlegene— gelegentlich fast zum Spielen verleitende— Beherrschung von Sprache und Form, kurz: hier ist«in Roman ' geschrieben worden. der als Generationsdokument wie als Kunstwerk das größte Auf- sehen erregen muß. der zweifellos ledhastest« Debatten provozieren wird, der aber die Richter der zahlreichen französischen Romanpreis- kollegisN der Frage nach mehr oder minder gzeignewn Aus zeich- nunosafpiranten mtt einem Schlage entheben dürfte, und— ,L« Relais difftcSe* Hot ganz bestimmt nicht Iaan Cocteau zum Paten,