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Nr. 119.

Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Biertel jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret tu's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuz band: Deutschland u. Defterreich Ungarn à M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. tu der Post Zeitungs- Preislifte für 1896 unter Nr. 7277.

Vorwärts

13. Jahrg.

Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder beren Raum 40 Pf., für Vereins: und Versammlungs- Anzeigen 20 fg. Inferate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen= tagen bis 7 Uhr abends, an Sonns und Festtagen bis 9 1hr vormittags geöffnet.

fernsprecher: Amt 1, v. 1508 Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin ".

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

dem Köller- Coup.

Sonnabend, den 23. Mai 1896.

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Die Thätigkeit der Polizei bei treise, Unterstüßungen u. dgl. verfügt, und nur die Reft- vorlag. Daraus geht nicht hervor, daß bei der Verwendung bestände, die sie nicht innerhalb ihres eigenen Wirkungs- von doppelt soviel Beamten zur Spionirung und Haussuchung freises verwenden konnten, an die Parteikasse abgeführt. Diesen werthvolleres Material hätte beschafft werden können, Hinweis und die darin liegen Kritik des Urtheils kann sondern daß überhaupt nichts zu beschaffen das freiwillig gouvernementale Blatt doch nicht dadurch war, daß der Köller'sche wie jeder derartige polizeiliche entkräften, daß es die Behauptung des Gerichts- Beutezug auf eine Vergeudung von Kräften hinauskommt. hofes einfach wiederholt. So bequem darf sich doch auch ein Pindter das Geschäft nicht machen. Nach diesem verunglückten Exkurs zu gunsten des Ur­theils schreibt das Blatt dann, an seine eigentliche Aufgabe, die Polizeivertheidigung herantretend:

Die Nordd. Allg. 3tg." fühlt sich gedrungen, die Polizei gegen unsere Kritit ihrer Thätigkeit in dem zur Unterdrückung der sozialdemokratischen Organisationen unter nommenen Köller'schen Hauptschlage in Schutz zu nehmen. Daß ein Blatt, das sich freiwillig gouvernemental nennt, weil es sämmtliche Handlungen der jeweiligen Regierung und ihrer Beamten berufsmäßig gutheißt und vertheidigt, auch dieses Geniestreiches des Herrn v. Köller und seiner Mannen sich annimmt, gehört sich so. Die Vertheidigung steht denn auch auf dem Leistungsniveau eines Offizialvertheidigers.

Im Anschluß an jene Ausführungen beklagt sich dann der polizeiliche Offizialvertheidiger, wir hätten behauptet, der Polizei sei es nur darauf angekommen, einen Beweis ihrer eigenen Leistungsfähigkeit zu liefern".

Vermuthlich zielt das auf die Eingangsworte unseres " Der Vorwärts" hat an den Prozeß aber eine Kritik des Artikels hin, die mitlerweile ihre volle Rechtfertigung Verfahrens der Polizei geknüpft, welche einem Blatte, das sich durch die an anderer Stelle mitgetheilte Enthüllung stets als Vertreterin der Gerechtigkeit aufspielt, recht schlecht zu des Hannoverschen Courier" erfahren haben. Während Vorab sucht das Blatt unseren Hinweis, daß die nicht nur mangelhafte Umficht vorzuwerfen, sondern sogar ihre Gesicht steht. Es entblödet sich nicht, den Organen der Polizei wir in höflicher Rücksichtnahme auf die Aussage sozialdemokratischen Vertrauenspersonen nicht als Mittels- Thätigkeit so darzustellen, als ob es ihnen weniger um die Sache des Kommissars Schöne es noch dahingestellt sein männer zwischen dem Parteivorstand und den Wahlvereinen selbst zu thun gewesen sei, als darum, wieder einmal einen ließen, ob die Initiative zu der rettenden That ihm aufgefaßt werden dürften und daß deshalb das Urtheil an- Beweis polizeilicher Leistungsfähigkeit zu liefern. Der Vorwurf oder dem unvergeßlichen Herrn v. Köller zu danken sei, wird sie fechtbar sei, durch folgende Ausführungen abzuschwächen:" mangelhafter Um sicht soll damit begründet werden, daß die jetzt von dem gewiß regierungsfreundlichen Hannov. Courier" Mögen zwischen der Parteileitung und den Wahlvereinen Polizei einen so großen Apparat von Ueberführungsmitteln auf einen plöglichen Einfall des Ministers selbst zurückgeführt. auch sog. Vertrauensmänner gestanden haben, welche die herbeischaffen zu sollen geglaubt, Haussuchungen, Beschlagnahmen Die Polizei hat denn also, als die Köller'sche Parole er­Uebermittlung des Geldes von den letzteren an die ersteren u. s. w. vorgenommen habe, ohne zu berücksichtigen, daß die That- ging, nichts weiter als ihre Pflicht gethan". Aber ist besorgten, so wird dadurch an der Sache selbst nichts geändert, fachen, welche zu einer Verurtheilung geführt haben, seit Jahren beshalb unsere Charakterisirung der Genesis des Köller­denn die Wahlvereine haben dies Geld den öffentlich zu tage gelegen hätten und aus dem Organisations­

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Vertrauensmännern nicht zum Verwenden nach statut der sozialdemokratischen Partei und den Berichten des Vor- Roups weniger richtig? Gutbefinden überlassen, sondern zur 21 bwärts" ohne weiteres zu entnehmen gewesen wären. Dieser Der Polizeibeamten und ihrer dunklen Hintermänner führung an die Parteileitung; ihnen haben die Vorwurf ist außerordentlich ungerecht. Denn derjenige, der ihn persönlich nimmt sich dann der Offizialanwalt mit folgens Vertrauensmänner lediglich als Beauftragte oder Boten erhebt, verschweigt, daß der aufgebotene Apparat noch nicht ein- den Worten an: gedient, und die Wahlvereine müssen sich deshalb nach mal imftande gewesen ist, eine Verurtheilung in dem Umfange Selbstverständlich hat es der Vorwärts" auch nicht unter­anerkannten Rechtsgrundsäßen deren Handlungen als ihre herbeizuführen, in dem die Polizei und Staatsanwaltschaft das Gesetz laffen, die Beamten, welche pflichttreu ihres schweren Berufes eigenen anrechnen laffen. Auch darauf tann gar für verlegt erachteten. Die Mehrzahl der Angeklagten ist freigesprochen walten und ihre Aussagen vor Gericht nach bestem Wissen und nichts ankommen, ob die Bertrauensmänner noch von zweiter worden, zwei Wahlvereine, die Preß-, Lokal- und Agitations Gewissen abgeben, zu verdächtigen, als nähmen sie es nicht allzu Seite Geld erhielten, oder ob ihre Dienste von den Wahlvereinen tommission sowie die Organisation der Vertrauensleute sind nicht genau mit der Wahrheit. Eine derartige Kritik verdient noch zu anderen Zwecken als zur Abführung von Geld an den geschlossen worden, obwohl Polizei und Staatsanwaltschaft, und keine Widerlegung, fie braucht nur niedriger gehängt Parteivorstand in Anspruch genommen wurden; denn das zwar in der Ueberzeugung von der Richtigkeit ihrer Ansicht, zu werden. Die alten Klagen über Spigelthum" müssen wieder hier intereffirende Berhältniß der Vertrauensmänner zu den deren Bestrafung resp. Schließung beantragt hatten. Der große einmal herhalten. Uns liegt es fern, für die Hinterleute der Wahlvereinen seht nicht voraus, daß die Wahlvereine die ge- aufgebotene Apparat hat sich also noch nicht einmal als aus- Polizei eine Lanze brechen zu wollen, aber jeder Sachkundige muß fammte Thätigkeit der Vertrauensmänner in Anspruch ge- reichend erwiesen, und da will der Vorwärts" ernsthaft von zugeben, daß ohne derartige Hinterleute die Polizei feine Erfolge nommen haben oder, soweit sie sie in Anspruch nahmen, sich auf einem Zuviel reden?!" aufweisen könnte. Den Sozialdemokraten wäre natürlich damit ge den Verkehr mit der Parteileitung beschränkten." Der redselige norddeutsch allgemeine Polizei Anwalt dient, wenn die Polizei ihre Hinterleute namhaft machte. Aber Was die Nordd. Allg. 3tg." hier( in den gesperrten hat unsere Kritik der Polizeithätigkeit entweder nicht ver- dadurch würde die Polizei nicht nur sich selbst, sondern den Worten) als erwiesene Thatsache voraussetzt, wird standen oder nicht verstehen wollen. Interessen der Gesellschaft und des Staates schaden. In richtiger von den sämmtlichen Angeklagten ausdrücklich bestritten. Wir machen der Polizei durchaus nicht den Vorwurf, Erkenntniß deffen haben die Prozeßordnungen die Vernehmung Wir fechten das Urtheil gerade deshalb an, weil der Gerichts- daß sie bei größerer Umsicht werthvolleres Material öffentlicher Beamten über ihre im Dienst erlangten Kenntnisse vonl der Genehmigung ihrer vorgesetzten Behörde abs hof sich jene Auffassung, entgegen der Behauptung der hätte herbeibringen können. Wir haben vielmehr hängig gemacht. Wie kann man bei derartiger Lage der Angeklagten und entgegen dem davon unabhängigen nachgewiesen, daß das, wie wir, um die Wunden Gefeßgebung einem Beamten, dem seine vorgesetzte Dienstbehörde Beweismaterial, zu eigen gemacht hat. Unserer der Polizei zu fühlen, gern anerkennen wollen, die Erlaubniß zur Aussage nicht ertheilt hat, aus seinem Schweigen wie der Vertheidiger Auffassung nach haben die in umsichtigster und einsichtigster Weise einen Vorwurf machen wollen?" Vertrauensmänner das Geld von den Wahlvereinen nicht ausgeforschte und herbeigeschaffte Ma Was zunächst die Würdigung der Aussagen der Polizei­mit der einen Hand empfangen und mit der anderen terial durchaus werthlos erwiesen war, so Beamten anbetrifft, so haben wir Thatsachen konstatirt: an den Parteivorstand abgeliefert, sondern haben über daß der Gerichtshof es einfach bei Seite ge- Die Beamten haben ihre eigenen Beobachtungen von dem die ihnen von allerhand Parteigenossen, darunter schoben hat und die geringfügigen Verurtheilungen was sie vom Hörensagen wußten, nicht zu trennen ver auch Wahlvereinen, eingelieferten Parteigelder selbständig auf grund desjenigen Materials aussprach, das mocht, sie haben wiederum häufig Beobachtung und zu verschiedenen Parteizwecken, z. B. Agitationen im Wahl auch ohne den Schöne'schen Beutezug seit Jahren öffentlich Schlußfolgerung aus Beobachtungen nicht auseinander­

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Tene.

( Nachdruck verboten.) Noman von Nicolaus Krauß. Saubub! Wirst wohl warten finna. Nach mir tommt die große Magd, affa da Sacher da, die Kleinmagd, und dann erst Du!"

selbst kochte, um nach ihren Töpfen zu sehen. Sie war Schlägen. Lene ging das Pflög hinab, an der von einem ganz unbeholfen und teuchte bei jedem Schritt. Lene Mauerbogen überspannten Thür, durch die sie am Vor schüttete gerade den Hühnern, deren Steige zur Linken der mittag gekommen, und dem großen Einfahrtsthore vorbei Thür unter der Geschirrbank eingefügt war, die Ueber- nach dem Echupfen. Nach dem Hofraume zu war er bleibsel des Mittagessens in die Rinne. Die alte Frau wartete, offen. Wägen und Pflüge standen darin bunt bis das Mädchen das Tischtuch wieder zusammengefaltet und durcheinander, fuchsigroth erschienen die Eisentheile in die Tischlade gelegt.

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Dom Rofte. An einer Querwand lehnten die Der Gescholtene wartete bis die Reihe an ihn kam, Du bist also d' Lene?.. An Bachschuster z' Leibitsch Eggen, schwere zweitheilige Schlichteggen und leichtere, wie verdrehte die Augen, und das Wasser lief ihm im Munde sein Tochter?.. Weißt, Moidl, Dein' Mutter hab' i gut man sie zum Eineggen der Saat gebraucht. In einem zusammen. g'fennt. J'stamm' a a( u) s Mühlefsen, a( u) s Mertelbauern Winkel lagen in Haufen die Schaufeln und Harken, Nach der Suppe tam gebackenes Knödel. Der Inhalt hof... Wennst so brav wirst, wie Deine Mutter. starrend vom Schmuz des Herbstes. An der Längswand jeder Pfanne wurde von der Wirthschafterin in drei Längs- Aber stark bist wordn!.. Ja, ja, ma sollt's net glaub'n, sah Lene die zu den Erntewagen gehörigen Leitern hängen. streifen zerschnitten. Den mittleren bekamen der Dchsenbub wie d' Kinna oinawachsen... Auch sie gefielen ihr nicht; manche Sprosse war gebrochen, und das Kuhmädel, in die anderen theilten sich die vier Die alte Bäuerin humpelte hinter den Ofen, Lene andere fehlten ganz, und die Stricke, welche das Laden älteren Dienstboten. Die äußeren Streifen waren die nahm einen naffen Hadern und fuhr über die eichene Platte eines Bauches" ermöglichen sollten, hingen verfilzt und gesuchteren, sie enthielten mehr fnusperige Rinde. des großen Eßtisches. zerrissen herab. Als man die Löffel und Finger abwischte, kam der Als die neue Magd am Nachmittag unter die Haus- Lene wandte sich nach dem Kuhstalle. Sie mußte den Bauer. Er setzte sich an den Tisch, der in der anderen thür trat, um sich den Hof und seine Einrichtung näher Rock hoch nehmen; die Dungstätte schien seit dem Herbst Ecke der Stube stand, und warf seine Müze auf die Bant. anzusehen, sprang ihr der Hofhund laut bellend entgegen, nicht einmal in Ordnung gebracht worden zu sein, unter Daun fuhr er sich mit beiden Händen durch die Haare und daß die Kette, deren Schlußring spielweit um eine unter dem Schnee schaute das reine Stroh hervor, und die drehte sich herum. Sein Gesicht war aufgedunsen und dem Tache hinlaufende Holzstange genietet war, nur so Jauche schwappte bis vor die Stallthüre. Der Stall ganz roth. raffelte. Lene erschrak, sah aber bald, daß der Hund wedelte war noch ganz aus Holz gebaut, weitgestreckt, aber Na, da is ja schon die Neue!" Er blickte Lene eine und ihr nur seine Freude bezeugen wollte. Sie hatte ihm niedrig, über ihn zog sich der Heit- und Futterboden zeitlang mit seinen wässerigen Augen an. Dich muß i am Mittag sein Fressen hergerichtet und unter die Wasser- hin. Lene wunderte sich über seine Lage. In den anderen schon wo g'seh'n hab'ı.... In Bettenberg."" Lene nickte. suppe einige Tropfen Milch gethan. Das hatte das alte, Höfen, die sie bis jetzt gesehen, schaute man aus der Haus­Der Bauer fuhr sich über den Wund, als hätte er etwas ganz verlegene, verzottelte und halbsteife Thier sofort ge- thür geradeaus auf die Scheuer. Es mußte die günstigere Bitteres gekostet, gab sich dann einen Ruck und fuhr fort merkt, und als es ihren Geruch witterte, war es gekommen, Bufahrt gewesen sein, die beim Streicher- Hof die hergebrachte Alsdann Heut' brauchst D' no nix 3' thuen. fich zu bedanken in seiner Weise. Lage der Gebäude verändert. Aber morg'n in der Früh geht's los... Was D' machen Mit durftigen, abwägenden Augen sog Lene das Bild Lene riß im Ruhstall die Augen noch weiter auf, als sollst, wird Dir schon d' Brony- er deutete auf die Wirth- des Hofes. Vor ihr, noch auf dem breiten Pflög, sprudelte fie es im Schupfen gethan. Der Flauger hatte feinen Bissen schafterin sagen. Die fragst auch, wennft was net weißt aus einer hölzernen Röhre plätschernd und glucksend angerührt, ehe denn dem Vieh sein Recht geworden. Und oder wenn Dir eppa was fehlen sollt." Er warf sich wieder lebendiges Quellwasser in einen tiefen hölzernen Trog. in seinen Ställen war es fauber, schier wie in einer Stube. herum. Jenseits des Brunnens ragte, auf zwei Füßen stehend, das Wie sah es dagegen hier aus?! Vieh gab es genug; ein ' s Essen her!" große Taubenhaus. Aus der Dungstätte heraus schoben sich Dußend Kühe, ein halbes Dugend Jährlinge und einige Brony trug ihm sein Fleisch auf und mit ihm an die beiden starken Stämme, ein Blechbeschlag und eine Dornen- Kälber. Während aber dem einen Thier das unter demselben Tische. Als sich der Bauer nach dem Essen auf hecke verhinderten den Besuch des Marders. Manche der geftrente Stroh bis an den Bauch reichte, lag das eine Stunde hingelegt hatte, fam aus dem Nebenstübel seine Tauben mußten schon Junge haben, ein unaufhörliches nächste auf der blanten Erde in einer Jauchenpfüge. Mutter, di bei ihm ihren Auszug" verzehrte und für sich Girren, Bucken und leises Wimmern tönte, aus den Neben der Thür thürmte sich ein großer Haufen

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