Beilage
Mittwoch, 25. März 1931
HOW Toll Der Abend
Die Stadt hat 18 000 Einwohner und hieß ursprünglich Sumpfenburg, meil sie am Rande des Spreewaldes inmitten vieler Sümpfe lag. Die Sümpfe find längst eingetrodnet, fleine Grünflächen verfümmern in den Staubwolken, um das alte Schloß dämmert eine stinkende Brühe, die sich als Teich ausgibt, und von den rund 38 laufenden Straßenfilometern sind nur 11 Kilometer befestigt. Aus dem alten Sumpfenburg ist schon lange Senften berg geworden, und das ist eine Stadt in Deutschland , mie es sonst nur wenige gibt. Diese Stadt liegt auf der Brauntohle, wird unterirdisch von schwarzer Kohle umschlossen und das ist ihr Glück und Verderben. Glück für Senftenberg : in den letzten zwanzig Jahren hat sich die Einwohnerzahl verdoppelt und das verwahrlofte Revier hat ein Zentrum bekommen, Unglüid für Senftenberg : die größten Gruben und Brifettfabriken liegen in den nahen Dörfern, der Lebensraum ist zu klein, die finanzielle Belastung zu schwer, die Ohnmacht dem Bergbau gegenüber zu groß. Diese Stadt erinnert heute noch an jene frühfapitalistische Zeit, in welcher der Raubbau an den Bodenschäzen und an den Arbeitern triumphierte.
Ungefähr 50 000 Menschen mohnen in jenem Industriegebiet, von dem Senftenberg die schwarze, verrußte und traurige Hauptstadt ist. Dort gibt es verschiedene Krankheiten, die aus den besonderen klimatischen und meteorologischen Verhältnissen zu erflären sind. Sie sind auf den Jodmangel des Wassers zurückzus führen, und das viel zu wenige Jod und das viel zu viele Eisen im Wasser haben die Gruben auf dem Gewissen, der Bergbau hat den Wasserspiegel gesenkt, die Luft ist zu trocken, der Sandboden zu ausgedörrt, aber dem Bergbau geht es immer noch gut.
Dem Bergbau geht es gut, die neuesten Bilanzen weisen immer noch Millionenüberschüsse auf troß großer Abschreibungen, Rückstellungen und wahrscheinlich auch troß vieler Berschleierungen. Der Herrgott des ganzen Gebiets ist ein Tsche che und heißt Petschef. Ihm gehören die führenden Gruben und Brikettfabriken. Die Eintracht" zum Beispiel verbuchte und gab zu im letzten Jahre, dem Jahre der Krise, der Not, des Jammers, einen lleberschuß von über zweieinhalb Millionen Mark! Die Niederlaufizer Kohlenwerke* gaben zu einen Ueberschuß von zweibreiviertel Millionen Mark! Abgeschrieben von den Millionengewinnen ist die immer noch fort schreitende Mechanisierung der Gruben und Betriebe, die Kabelbagger und die Großraumförderung, der Eiserne Berg mann", ersetzen immer mehr die menschliche Arbeitskraft. Den Gruben, den Brikettfabriken und der Steinindustrie geht es trotz mancher Stillegung immer noch gut, immer neue Kohlenfelder mer den erschlossen und rücken schwarz und drohend aus den nahen Dörfern nach der Stadt vof, verwüsten die Landschaft, verpesten die Luft, fenten den Grundwasserspiegel und drücken das Kulturniveau, wie sie das Wasser immer tiefer drücken.
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Den Bergarbeitern geht 25 nicht gut. Biele Kumpels gehen mit 16 M., mit 20 M. und, wenn hoch kommt, mit 30 M. nach Hause; aber es gibt auch Kameraden, die verkürzt arbeiten, und die bekommen in der letzten Monatsmode. menn die Miete für die Werkwohnung abgezogen wird, 4,09 M. oder 1,40 M. und auf 71 Pf. mit der Lohntüte in die Hand gedrückt. Und davon sollen die Familien leben! Sie sollen leben und sich noch darüber freuen, daß es überhaupt noch Arbeit gibt.
Die Gruben treiben Raubbau mit den Bodenschäzen, und sie fönnen es auch, sie unterstehen ja den Bergämtern, und in diesen Bergämtern siten gewöhnlich die Söhne, Vettern oder Berwandten der Bergherren selbst, sie bilden einen Staat im Staate und haben ihre eigenen Gesetze. Auch die Kumpels haben ihre eigene Sozial versicherung, die Knappschaft, aber sie haben es nicht gut. Die Vertreter von 68 Städten und Gemeinden des Laufizer Kohlens gebiets, die jüngst in Senftenberg tagten, ſtellten fest, daß ihre Reichsknappschaft eine Unterbilang von rund 80 000 000 m. hat und daß in der Lausitz zwei Bergarbeiter einen Arbeitsinvaliden unterhalten müssen.
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Da liegt in diese kleine Stadt inmitten der großen Gruben und stinkenden Fabriken und will leben. Im dürren Lande.gibt keine Wälder voll Saft und Schönheit Kotzen die großen Krater des Tagebaus. Aus dem schwarzen Grunde, aus dem Sumpfwaffer baut sich die Kohle in schmalen und hohen Flözen, in breiten Riegeln, Türmen und Bänken auf. Manchmal liegen flache Würfel im Grunde, als habe ein Gigant mit ihnen um hohen Geminn gespielt. Bertorfte Sumpfzypressen wachsen zu hohen rissigen Kuppen, aber sie sind für die Unternehmer wertlos wie der gelbe, gebleichte Sand auf den hohen Halden, den trostlosen Kippen, die überall im Lande verstreut liegen. Die Landschaft sieht wie ein gewaltiges Schlachtfeld aus, ein Schlachtfeld des Profits, in dem sich die Gruben eingefressen und verschanzt haben, um dann mit ihren gewaltigen Maschinen und Geräten, eiserner Tod, immer weiter zu wandern, immer neue Gruben zu erschließen, immer neue Dividenden aus dem Sandboden des ehemaligen
Meeres an sich zu reißen.
Fünfzig Jahre Bergbau im Niederlaufiger Revier, und das find fünfzig Jahre Verwüstung der Landschaft, fünfzig Jahre Rauch und Geftant, fünfzig Jahre Reichtum, fünfzig Jahre Ber proletarisierung. Manche Dörfer, fie standen auf fostbarer Kohle, sind umgesiedelt worden, die Bauern sind feine Bauern mehr, fast alles Land, unter dem Kohle liegt, gehört Petschet und seinem Konzern. Die Felder verdorren, tragen feine Frucht mehr, Die Bauern find die Unterlegenen in dem großen Kriege des Berg baus. Jedes Dorf, jeder verlassene Hof ist der Vorwurf zu einem grandiosen Roman, der einmal geschrieben werden muß, ein Roman über das Eindringen des tapitalistischen Hochbetriebs in das ab. feitige und wehrlose Dorf.
Wenn die schwarze und braune Kohle aus den Gruben und nach den Pressen kommt, weiß der Ingenieur genau, ob fie 40 oder 50 Prozent Wasser enthält. Das Waffergehalt steigt oder fällt je nach der Güte des Berges( die tiefe Grube heißt„ Berg "), fällt nach der Güte des Berges und der Jahreszeit. Bis auf 14 Prozent wird dann in den stinkenden Brifettfabriten des Wasser ausgepreßt, und Kohle mit 14 Prozent Wassergehalt rinnt in die knallende Presse mie feiner, trodener Staub. Wo ist der Psychotechniker, der ein
mal ausrechnet, bis auf mieviel Prozent der gewöhnliche Prolet in einem einzigen Arbeitsjahr ausgepreßt wird?
Senftenberg hat in den letzten 20 Jahren feine Einwohnerzahl verdoppelt, das Kulturniveau ist das alte mie vor dem Kriege und erinnert an die dunkelsten Reviere in Deutschland , an Waldenburg, an Hindenburg - Zaborce. In den letzten Jahren verwahrlosten und verfielen die drei Schulen, die hygienischen Verhältnisse erinner: ten an die hygienischen Berhältnisse der Soldaten an der Front, eine Schule steht zum Beispiel inmitten einer Brifettfabrif, inmitten des Donners der Pressen, inmitten der atemraubenden Rauchwolten der schwarzen Kohle. Es fehlte an der selbstverständlichen Liebe für die Kinder, die Kassen waren überfüllt, die Höfe verdrect! Auch heute gibt es eine Schule, die ihre Kinder, weil es an Raum fehlt, im fahlen Flur unterrichten muß oder im Konferenz zimmer, in dem feine Bänke oder Tische zur Verfügung stehen.
Die Stadt aber will nicht verkommen. Senftenberg hat nun eine sozialistische Mehrheit und, was noch wichtiger ist, einen aftiden sozialistischen Bürgermeister, der mit aller Gemalt versucht, das Chaos zu ordnen. Einige Straßen wur den gepflastert, kanalisiert oder asphaltiert, schöne, billige Siedlungshäuser bauen ihre freundlichen Reihen, die Schulen werden endlich an den Lichtkreis der Zivilisation angeschlossen, die alten Bauten
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Shalausgabe des orware
freundlicher gemacht, es gibt nun Turnhallen und Duschräume für die Kinder, die ärmsten unter ihnen werden gespeist. Auch für die Erwerbslosen und Sozialrentner ist eine große Küche eingerichtet worden. Von allen geplanten Schulneubauten ist wohl das Pädagogische Forum" von Mar Taut das interessanteste. Auch um die Eingemeindung der nahen und viel reicheren Dörfer faft alle haben sozialistische Mehrheiten, es gibt menig Hafenkreuzler und Kommunisten im Revier wird erfolgreich gekämpft, um Lebensraum zu schaffen, um die notwendigen Mittel für eine Neuordnung hereinzubekommen. Das neue Senftenberg wird dann über 30 000 Einwohner haben und in der Lage sein, inmitten der schwarzen verwahrlosten Landschaft ein wirkliches Zentrum zu
werden.
Gegen die Eingemeindung fämpfen die Gruben mit allen Mittein, aber die Stadt und die roten Dörfer werden siegen. Die Lebensdauer des Bergbaus wird auf weitere 50 Jahre geschätzt. Werden bis dahin die nadten Sandhalden mieder aufgeforftet sein? Was macht die Stadt dann, wenn der letzte Eiserne Bergmann" die letzte Kohlenwand gefressen hat? Das ganze Revier ist reich an wertvollen Erden, der Sand ist für die Glasfabritation geeignet, in den Lehmgruben und Steinbrüchen liegt unerschöpfliches Material für die Bauwirtschaft. Mit aller Gewalt wird versucht, durch den geplanten Elbe - Spree - Oderfanal Anschluß an das mitteldeutsche Strom und Wirtschaftsgebiet zu bekommen, um diese proletarische Stadt da unten am Rande des Spreewaldes näher an die Kulturzentren zu rücken. Es ist bedeutsam, daß unsere Genossen diese Pläne ausgearbeitet haben und um ihre Verwirklichung kämpfen. Der Kampf um die Neuordnung Deutschlands wird auch in der Provinz geschlagen. Sozialistische Kommunef politit heißt Befestigung der Deutschen Republik.
August Becker
Dem Gedächtnis eines Pioniers des deutschen Sozialismus
Bor 60 Jahren am 26. März 1871- ist August Becker in Cincinatti als Emigrant gestorben. Seine Name ist jetzt so gut wie vergessen und selbst in den Geschichtswerken wird sehr wenig und lüdenhaft über ihn berichtet. August Becker hat aber ein Anrecht darauf, daß man seiner gedenten foll: er war einer der inter essantesten und eigenartigsten Vorfämpfer des deutschen Kommunis mus der 40er Jahre, und Fr. Engeis, der bekanntlich sehr streng über seine Mitmenschen urteilte, bezeichnete nicht umsonst Beder als einen höchst bedeutenden Kopf".
August Becker murde im Jahre 1814 in der Familie eines Dorfpfarrers in Hochmeißel( Hessen- Darmstadt ) geboren. Der Bater wollte auch August Pfarrer werden lassen und schickte ihn diesem Zwed nach Gießen , damit er dort an der Universität Theologie fitbiere. August Beder hat aber, wie auch viele andere Theologie fibiere. August Beder hat aber, wie auch viele andere feiner Altersgenossen, einen anderen Lebensweg für sich gewählt. Schon als Student hat er sich der revolutionären Bemegung angejaylofsen, beteiligte sich an den Unruhen in Gießen im Jahre 1831/32( S. G. Bogelsberger Aufstand), war in die bekannte Frankfurter Verschwörung 1833 verwickelt und stand später auch Georg Büchner , dem berühmten Dichter und Revolutionär, nahe. Er wurde einer seiner attivsten Mitarbeiter in der revolutionär sozialistischen Propagandatätigkeit unter der rheinischen Bauernschaft. Anfang 1835 tam die Polizei auf die Spur der Tätigkeit des Zirfels. Es ist Georg Büchner gelungen nach der Schweiz zu entkommen, wo er kurze Zeit darauf starb. August Beder wurde aber zusammen mit seinem Freunde und Berwandten, dem Pfarrer Dr. Fr. 2. Weidig, und einer Reihe anderer Personen verhaftet. Die Boruntersuchung in politischen Prozessen dauerte zu jener Zeit unendlich lange. Die Bedingungen Brozeffen dauerte zu jener Zeit unendlich lange. Die Bedingungen der Boruntersuchungshaft waren dabei äußerst streng. Beidig erlag der schweren Haft und starb im Gefängnis. August Becker, der bedeutend jimger und fräftiger war( in den Erinnerungen seiner Zeitgenoffen wird er als Athlet bezeichnet genoffen wird er als Athlet bezeichnet in den Studentenzirteln wurde er ,, die deutsche Eiche" genannt), ist zwar am Leben geblieben, hat aber
während des vierjährigen Gefängnisaufenthalts seine Gesundheit vollkommen ruiniert,
und selbst in den späteren Jahren konnte er nicht ohne Grauen an diese Zeit zurückdenken.
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Im Jahre 1839 wurde A. Becker, als letzter da er ,, mit dem Geständnis zurückhielt" der Gefangenen auf freien Fuß gefeßt und konnte sein Vaterland, das ihn so stiefmütterlich behandelte, verlassen und in die freie Schweiz reisen, wo er sich sofort in das Leben der Emigrantenzirtel und der Arbeiterbildungsvereine stürzte.
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In der Entwicklung dieser Bereine trat zu jener Zeit ein gegründet von den Wendepunkt ein. Diese Organisationen rabifalen Emigranten, Anhängern des Jungen Deutschlands ", deren Ideologie einerseits vom revolutionären Kampfe gegen die Despoten und andererseits von den national- patriotischen Stimmungen der Zeit der Napoleonischen Kriege durchbrungen war gannen, insbesondere unter dem Einfluß der französischen Kommunisten sich von der gemeinsamen revolutionären Front zu trennen und selbständige Klassenorganisationen zu bilden. Im Verlauf der Auseinandersetzungen innerhalb der Arbeiterbildungsveréine, insbesondere im Genfer Verein, entfaltete fich allmählich der Kommunismus von W. Weitling und seiner Anhänger, der von Marg als die riesenhaften Kinderschuhe des deutschen Proletariats" bezeichnet wurde. A. Becker stand in diesem Kampie fast Dom Anfang an an Beitlings Seite. In diesem Sinne sprach er sich auch in seinen Briefen an die Rheinische Zeitung " und den Züricher Boten aus der Schweiz " über die Genfer Auseinandersetzungen aus.
Nach der Verhaftung und der Verbannung Weitlings palt A. Beder als die beste literarische Kroft dieser Bewegung in der Schweiz Er hielt Borträge in den Arbeiterorganisationen, gab Broschüren und Zeitschriften heraus, nahm Anteil an einer Reihe von Veröffentlichungen usw. Seine Artikel von jener Zeit fann man, sowohl im Schaffhausener Borläufer, als auch in der Ham. burger Werfftatt", im ,, Ufter Boten und in einer Reihe anderer Beitschriften finten.
Die Jahre 1842 bis 1846 waren die Blütezeit seiner Tätigkeit.
Er führt nicht nur erfolgreich die Polemik als Verteidiger der Weitlingschen Ideen, sondern er vertieft und erweitert sie zum Teil und näherte sich immer mehr den Anschauungen des missenschaft= lichen Sozialismus. Bon diesem Standpunkte ist seine Broschüre: Was wollen die Kommunisten?"( Lausanne 1844) besonders interessant. Bon Ende 1844 verfällt er allmählich dem Einfluß von Dr. Georg Kuhlmann, der
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den Kommunismus mit dem Christentum zu vereinigen bestrebt mar. Dieser Kuhimann ein in mancher Hinsicht ver dächtiger Mensch, jedenfalls aber ein sehr tonjujer Kopfschloß sich später dem extremen Linten Flügel der firchlich reformistischen Bewegung an, die- Mitte der 40er Jahre fast ganz Deutschland umfaßte. Beder, wie auch viele andere Revolutionäre jener Zeit, hielten es anfangs für zweckmäßig, diese Bewegung als Faktor der Revolutionisierung der Massen auszumuzen. Sie alle betrachteten die Gegenwart im Lichte der Geschichte der Bauerntriege und des Bauernfommunismus des 16. Jahrhunderts, dem doch auch der Kampf für die kirchliche Reform den Weg ebnete. Es mar Beder um so leichter sich diesem Standpunkte anzuschließen, als er in seinen früheren Artikeln diese Ansicht über die Bauernkriege zum Teil bereits vertreten hat. Dies mar lediglich die logische Entwicklung der Ideen von Georg Büchner . Tatsache ist, daß Becker im Winter 1844/45 als Waffenträger Kuhlmanns auftrat und in der Sprache der biblischen Propheten den Kommunismus als eine neue Religion unserer Zeit zu predigen begann. Diese Anschauung kam in der Zeitschrift ,, Die. fröhliche Botschaft von der religiösen und sozialen Bewegung", die, unter seiner Redaktion in Lausanne im Jahre 1845 erschien, ganz besonders zum Ausdrud. Die aus dem Polizeiarchio stammenden Berichte besagen, daß diese Bewegung durch die Vermittlung Kuhlmanns bestrebt war, sich in unmittelbarer Verbindung mit der firchlich- reformatorischen Bewegung Deutschlands zu setzen. Laut dent Berichten glaubwürdiger Quellen fand im Jahre 1845 in Stuttgart eine geheime Zusammenkunft Kuhlmanns mit dem Pastor Ronge statt, dem anerkannten Führer der kirchlichreformistischen Bewegung, der seinen Ueberzeugungen nach jedoch Demofrat mar.
Die religiös- chriftlichen Tendenzen in der kommunistischen Propaganda trugen noch mehr zur Verschärfung der Gegensäge in den Schweizer Arbeiterorganisationen bei. Die Anhänger des Jungen Deutschlands " nahmen ihre Tätigkeit wieder auf und führten einen entschlossenen Kampf gegen die religiös- christlichen Tendenzen der Kuhlmann- Beckerschen Ideen. Es gelang ihnen auch wieder die reise um fich zu vereinigen, die ihrem Wesen nach eigentlich mehr zum Kommunismus neigten.
Im Herbst 1845 zertrümmerte die radikale Lausanner Regierung alle Arbeiterorganisationen und ppies sämtliche Führer der beiden Flügel der Arbeiterbewegung aus. August Beder befand sich gleichfalls unter den Verbannten, und von mun an wanderte er
raftlos von Ort zu Ort.
Er wurde auch aus den anderen Schweizer Kantons ausgewiesen. und mußte schließlich die Schweiz endgültig verlassen. Er wollte sich anfangs in Frankreich niederlassen, aber auch hier befundete die Polizei auffälliges Interesse für ihn. Nach langer Wanderung und unter großen Schwierigkeiten gelang es ihm endlich, im Elsaß Aufenthalt zu finden. Es ging ihm zeitweilig sehr schlecht, er litt mitunter große Not, verfor aber dabei nie feinen Mut. Untraut vergeht nicht" schrieb er mit der bitteren Ironie im Sommer 1847 an seinen Freund Georg Schorges, dem Nach folger Buttows als Redakteur des Hamburger Telegraph für Deutschland".
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Die Revolution 1848 gab August Beder die Möglichkeit, in die Heimat zurückzukehren. Er ließ sich in Gießen nieder, wo er eine Zeitung unter dem Namen Der jüngste Tag" herausgab. Diese Zeitung wurde sehr bald das Organ der Gießener ,, entschiedenen Demokratien". Auch in seinen öffentlichen Vorträgen trat August Becker als ,, entschiedener Demofrat" auf. In den Erinnerungen seiner Zeitgenossen wird er als interessante und eigenartige Erfcheinung, als revolutionärer Demagoge bezeichnet. Nach den. Era zählungen Al. Büchners, des Bruders von Georg Büchner , hatte Becker zu jener Zeit" einen großen, stattlichen, fuchsroten Bart,