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S orhart 2f e f m<z n n Mosfccpr f>ze Seschichle dev Woche Der Sehn als iknwalt

Wegen Postraubes wurde vor zehn Jahren in Prag ein Postbeamter zu Gefängnis verurteilt. Jetzt setzte sein Sohn, der inzwischen Anwalt geworden ist, die Wiederauf- nähme des Verfahrens durch. Im grauen Morgen das Fünfmtnutenfrühstück mit der Frau und. dem Jungen wie jeden Tag: der Funsminutenweg dann zum Postamt, ein Stück weit hat der Junge denselben Weg, dann geht man allein weiter durch die würzige Lust der Frühe wie jeden Tag: die staubige Gedämpftheit der Posträume nun, die Waage, der Leim, der Rotstift und die Patete, aus Händen ge- nommen, in Wagen geworfen, zentnerweise Pakete, Stunden hin- durch Pakete wie jeden Tag seit dreißig Jahren... Oder doch nicht? Es ist so ein scheues Blicken der Kollegen auf ihn, so ein merk- würdiges Kreisen Znd Nichtherankommen der anderen, so ein Wispern, das wie Klatsch ist und doch bedrohlicher aussieht: so eine betonte Höflichkeit bei jedem Anliegen, Etwas ist unangenehm stir das Denken, und nach Hause zu flüchten mit seinen Gedanken, oder zu dem Jungen, der ja nun gottlob die gutbezahlte Stellung im Büro hat das will auch nicht gehen. Und wie der Tag fast ganz vorbeigekrochen ist, kommt das dumpf Geahnte: die Aufforderung, zum Vorgesetzten zu kommen. Es handelt sich um das Wertpaket A 759", sagt der Vor­gesetzte und sieht ihn scharf an.Der Barinhalt von 1600 Kronen ist verschwunden. Bevor das Paket durch Ihre Hände ging, befand er sich noch darin: als es dem Zusteller übergeben wurde, muß er schon weggenommen gewesen sein. Was haben Sie dazu zu sagen?" Der Beamte hat nichts als ein Stottern: das Ungeheuerliche benimmt ihm den Atem: es wirkt nicht sehr glaubwürdig, was er sagt. Und plötzlich kommt aus einer Nebenlür ein Kriminal- beamter, der hat wohl zugehört... Sie haben gestern in einem Möbelgeschäft eine Einrichtung gegen bar gekauft Für wen denn?" Das fragt der Kriminaler mit spitzer Stimme: auch dies« spitze Stimme verwirrt so... Für meinen Jungen. Für später." Soso. Merkwürdig. Möbel für einen achtzehnjährigen Sohn. Und woher hatten Sie das Geld?" Gespart... seit vielen Jahren... nein, nicht auf der Sparkasse... zu Hause. Nein, meine Frau wußte es nicht, mein Junge auch nicht. Es sollte eine Ueberraschung sein..." Der Vorgesetzte und der Kriminaler nicken sich zu. Und dann sagt die spitze Stimme: Wir wollen vorläufig davon absehen, Sie zu oerhaften..." » Sechs Monate Gefängnis!" sagt der Strafrichter. Dienstentlassung. Verlust der Pensionsberechtigung!" sagt der Disziplinargerichtshof. Glaubt wenigstens ihr mir!" bettelt der Beamte seine Frau, seinen Jungen an. Wir wisien es ja, daß du das nicht tun konntest", weint die Frau. Aber was soll werden? Wenn jetzt der Junge nicht die Stellung hätte..." Du mußt einen anderen Rechtsanwalt suchen", sagt der Junge. Es muß Wiederaufnahme beantragt werden." So suchen sie. Aber es findet sich keiner. Die Sache ist aus- sichtslos, der Indizienbeweis ohne Lücke. Der Achtzehnjährige sieht blaß und übernächtig aus in diesen Tagen. Auf seiner Stirn pflügen sast sichtbar die Gedanken, die Entschlüsse. Und am Ende des Monats gibt er seine Stellung auf, bringt vom letzten Gehalt Bücher heim, erklärt, studieren zu wollen. Das Abitur wird er nachholen, durch Selbstunterricht. Die Mutter

gehören diejenigen, in denen er die allgemeine wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rückständigtest des Landes beschreibt, mit Rachdruck aus die klassenmäßige Rückständigteit der mit dem halbbarbarischen Dorfe tief verwachsenen, organisatorisch und politisch ungeschulten Arbeitermasscn hinweist und die hervorragende, ja oft überwiegende Rolle betont, die, dank dem Kriege, gerade die Soldaten, die bewaffneten Bauernsöhne im Gange der städtischen Revolution ge- spielt haben. Diese mit voller Objektivität geschilderte allseitige Rück- sländigkeit der Verhältnisse und der revolutionär wirkenden svzialen Kräfte scheint aber keine grundlegende Bedeutung für den Fortgang md für die realen geschichtli+fn Ergebnisse der Revolution zu haben. Dank der Genialität der Führung wird diese säkuläre Rückständigkeit in acht Monaten überwunden, und zum Oktober wird die Arbeiter- schast Rußlands schon in so hohem Gradereis ", daß sie mstande ist, ihre Klassendiktatur zu errichten. Daß nicht nur technische und kulturelle Errungenschaften, die ein rückständiges Land fertig von außen übernimmt,durch tue Anpassung an seine primitiv« Kultur hinabgedrückt" werden: daß auch der Inhalt derfertig importierten" sozialpolitischen Formen letzten Endesvon der wirtschaftlichen und kulturellen Ausnahmefähigkeit des Landes" bestimmt wird: und daß dieses Schicksal auch die angeblich proletarische Diktatur des Bolsche- wismus teilt"! davon scheint der marxistische Geschichtsschreiber Trotzki nichts wissen zu wollen. Aeußerst bissig ist die Kritik, der Trotzki die revolutionäre Politik der Sozialdemokratie unterwirst. Die Polemik, die ja über- Haupt sein Element ist, fällt ihm in diesem Falle umso leichter, als entgegen dem, was z. B. in Deutschland oder Oesterreich vor sich ging, die russische Sozialdemokratie, die sich dieselben Ziele wie ihre Bruderparteien stellte, im Wettkamps mit dem Bolschewismus besiegt wurde. Es ist hier natürlich kein Ort, die revolutionäre Politik der russischen Sozialdemokratie zu schildern und sie dem Zerrbilde, das Trotzki entworsen hat, entgegenzustellen oder den Wurzeln der wirklichen oder vermeintlichen Fehler, die sie in der in einem rück- ständigen Lande und dazu während des Krieges ausgebrochenen Revolution gemacht hat. nachzugehen. Die keineswegs objektiv- historische, sondern journalistisch. polemische Kritik Trotzkis kann nur denjenigen überzeugen, der die ganze Oberflächlichkeit dieser Kritik, wie der Geschichtsschreibung Trotzkis überhaupt, nicht merkt. Läuft sie doch letzten Endes daraus hinaus, daß an der Spitze der russischen, wie übrigens auch der deutschen sS. 171) und der internationalen Sozialdemokratie überhaupt.derneue Mittelstand" steht! Dos ist gerade diekritische" Methode, die es Stalin er- laubt. die Politik von Trotzt! selbst dadurch zuerklären" daß er zumLakaien der Bourgeoisie" geworden ist. Bei dem großen Jnteresie lür die Geschichte der russischen Re- oolution und bei der Knappheit der diesbezüglichen Literatur wird das Buch Trotzkis bestimmt viele Leser finden Desto dringender muß den proletarischen Lesern geraten werden, iede Seite dieses äußerlich so glänzenden Buches unter die wirklich kritische, marristi- sche Lupe zu nehmen.

weint, der Vater ist traurig, die Not wartet, tritt schon herein. Der Junge bleibt fest.Wir brauchen unser Recht!" sagt er. Zu essen brauchen wir..." Laßt mich tun, was ich will dann werden wir beides haben!" * Sie lassen ihn tun. was er will, obwohl das etwas fo bitter Schweres ist, obwohl sie es nicht glauben, daß der Erfolg den Ein- satz lohnt. Der Vater muß ins Gefängnis: zwar schenken sie ihm zwei Monate, aber es ist doch vieles ruiniert am Leib und am Herzen, als er wieder herauskommt: die zittrige Hand sehnt sich vergebens nach dem rauhen oder glatten, braunen oder blauen Papier der Pakete... Der Junge indes darbt sich durch, lernt und lehrt zugleich, gibt das kaum Begriffene in schlecht bezahlten Nachhilfestunden weiter, um doch etwas zu verdienen, und macht schon nach einem Jahr das Abitur. Das Elend des Werkstudenten- tums beginnt... Die Augen werden unnatürlich groß, die Brust bleibt un- natürlich schmal. Der Kopf ist immer gesenkt, hängt schwer in den zarten Gelenken der vornüber geneigten Schlüsselbeine In der Lunge röchelt es; der Arzt würde wohl sehr Böses feststellen: aber der Junge konsuttiert keinen Arzt, kann gar keinen konsul- tieren, hat auch keinen Freund unter den Medizinstudenten: für Freundschaften bleibt ihm keine Zeit. Flüchtig nur drückt er denen die Hände, die dran sind wie er, die an der Armut und dem Ehr- geiz leiden: tief aber begreift er, wie viele so leiden, und daß es Unschuldige sind, und daß es schön sein müßte, denen zu helfen, die unschuldig gestraft sind. Langsam, halb unterbewußt wird sein Vater ihm zum Symbol: sein Handeln aber bleibt fest auf sein nächstes und ursprünglich einziges Ziel gerichtet... Die Staatsexamina kommen. Er besteht sie. Das Doktorat kann er sich nicht leisten: es kostet zu viel. Nicht nötig vorerst. nicht nötig. Anderes ist nötiger: zum Beispiel die Suche nach Entlastungszeugen oder nach Formfehlern. Und dies Nötigste ge- schieht nebenbei. * Dann aber, nach über acht Jahren, wird es doch zur Haupt- fache. Denn nun ist es geschehen: nun ist er Rechtsanwalt. Ge- wih: er hat keinen Pfennig Geld, um eine Praxis zu gründen: er hat ja nicht einmal Geld, um zu essen. Aber das kümmert ihn nicht. Er braucht keine Praxis und keine Klienten: denn er weiß, welchen Prozeß er führen, welchen Klienten er rechtfertigen will. Und als dieser Prozeß jetzt, im Frühling 1931, nach sast zehn Jahren, stattsindet da finden sich an fünf Beweisstücke auf dem Richtertisch, an zwanzig Zeugen davor.

Der Richter ruft den ersten der zwanzig auf, Hill! ihm das erste der fünf Beweisstücke vor:Ist dies das Wertpaket, Herr Zeuge, das Sie damals abschickten?" Der Zeuge betrachtet es genau.Nein. Ich hatte es anders verpackt. Ich pflege nie dies Papier, nie dies Siegel zu verwenden." Der zweite von den zwanzig wird vernommen: der Empfänger. Ist dies der Umschlag des Wertpaketes, das Sie damals in, wie Sie meinten, beraubtem Zustande erhielten?" Ja." Also müßte der Angeklagte ein anderes Paket weitergegeben haben als das, welches er entgegennahm. Konnte er diesen Um- tausch vornehmen?" Zwei Sachverständige treten vor:Nein. Dieser Umtausch konnte nur in der Bahn vorgenommen werden." Und dann findet sich ein Chemiker, welcher beweist, daß die Vermerke aus dem falschen Paket nicht mit den dem Angeklagten zur Verfügung stehenden Stempeln und Stiften gemacht worden sein können. Und dann ein Bekannter des Angeklagten, der ihn vor Jahren einmal beim Ueberzählen des heimlich zurückgelegten Geldes beobachtet hatte. Und dann sogar ein Staatsanwalt, der Freisprechung beantragt... Das Plädoyer des jungen Anwalts ist ganz kurz, ganz fach- sich. Der Tatsache, daß es sich um seinen Vater handelt, geschieht kaum Erwähnung. Nur einmal sagt er, um etwaigen Angrifsen von vornherein zu begegnen:Ich stehe hier nicht als Anwalt meines Vaters: ich stehe hier nur als Anwalt des Rechts." Das Urteil wird gefällt: Freispruch aus Kosten der Staats- lasse: Wiederzubilligung der Pension: und ein Schadenersatz von 120 000 Kronen. Der Angeklagte und sein Anwalt: der Vater und sein Sohn: der Verlorene und sein Erretter verlassen das Gerichtsgebäude. Wie sie durch all die langen, hohen, hallenden und drohenden Gänge gehen, an all den Türen vorbei, vor denen erregte Kläger und bedrückte Klagende warten, hinter denen die blinde Majestät der Gerechtigkeit die schwarzen Fahnen entfaltet, an die viel Verzweif- lung und wenig Hoffnung pocht: da hat sich der Angeklagte auf den Anwalt, der Vater auf den Sohn, der Verlorene aus seinen Retter gestürzt: und da weiß dieser Anwalt, dieser Sohn, dieser Retter zum ersten Male ganz klar, daß in diesem seinem zitternden alten Vater sich gleichnishaft die ganze armselige Menschheit ver- körpert, die bebend und benommen steht vor den schwarzen Ge- wändern des Schicksals, das fein hartesSchuldig!" spricht; und daß dies vermeintliche Ziel nur ein Anfang war, und dieses An- waltsein für den Vater nur ein erster Schritt aus dem Weg, eine Stütze und ein Anwalt zu werden für alle.

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FÜR DEN KLEINGÄRTNER wiyiiuiiiiiiiiimiiiuiiiiiiuuiiMijiininiiiiiiiiininiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuuiiiiuiiiitiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiii>iiiiiiniiiiiiiiiiiiiii(iiiiiiiiiiHiiiuiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiuiiuiiii

Ein Kleingarten Der Pachtvertrag ist geschloffen und der Zins in Erwartung der kommenden Ernten freudig lezahlt. Nun steht der ncugeb.'ckene Klesiigärtner siegreich mit seinem eben gekauften Spaten aus seiner eigenen Scholle voller Tötend, ang und Unternehmungelust. Die lieben Nachbarn überschütten ihn hilfreich und gutgemeim mit Rat- schfägen aller Art, und zuletzt sieht er vor seinem geistigen Auge ab- wechselnd einen Park a la Sanssouci und«ine kalifornische Obst- plantage entstehen., Jedenfalls merkt er tiefbekümmert, daß der Au s b a feines Kleingartens gar nicht so einfach ist, wie es ihm anfänglich erschien. Denn unzählige Wünsche und Fragen stürmen aus ihn

ein, jeder Fußbreit Bodens muß sinnreich ausgenützt werden, alles will gründlich überlegt sein. Der nebenstehend abgebildete KU in- garten soll dem noch unerfahrenen Kolonisten einen Anhalt g.ben, wie er sein Gelände am zweckmäßigsten austeilen kann. Es kommt dabei weniger darauf an, die vorgeschlagenen Bepslanzungen zu befolgen oder gar den Plan zu kopieren, zumal ja Lag« und G:öbe der Gärten oerschieden sind, als das Prinzip der Gestaltung eines Gaitens zu erfassen. Dieses ist in wenigen Worten erklärt. Die Laube oder das Gartenhaus soll stet- dort erbaut werden, wo es die Besonnung am wenigsten stört, die Eingangstür darf wegen der regenreichen Wind« nicht nach Westen gelegen sein. Die Fläche selbst zerteil« man nicht durch einen Mittelweg mtt Weg n soll überhaupt gespart werden. denn sie zerkleinern optisch den Garten. aum. In unserer Skizze ist der H a u p t z u g a n gs w« g. der auf das Gartenhaus- bezogen ist sinks von einer Stauden. rebatte begleitet, in der in regelmäßigen Abständen Beerenobst- hochstämmchen stehen(ebensogut könnten es natürlich hoch- stämmig« und niedrige Rosen sein), während'sich rechts ein Beet mit Beerenobst st r ä u ch e r n, aus dem in den ersten Jahren noch Untertulturen betuebeu werden können, hinzieht. Der Nordsüdzaun

l ist als Obstfpasier ausgenützt, die übrigen Grenzen sind mit v-r - schiedenen Nugsträuchern bepflanzt. Selbstverständlich könnte man den Zaun, im Einoernehmen mit dem Nachbar, auch mit Schsii g- pflanzen aller Art lekleiden. wie es in der vorigen Woche an dieser Stelle beschrieben worden ist. Wesentlich ist nur, giundsätz'ich an eine Abpflanzung zu denken, denn eben diese gibt dem Gait n eine intime Note und macht ihn erst wirklich zu einem Wohnraum ; in der Natur. Die kleine Rasenfläche am Kartenhaus nte wiederum zu einem Planschbecken für die Kinder ausgebaut oder zur Errichtung eines K l e i n t i e r st a lt e s mit abgegrenztem Auslauf benutzt weiden. Die übrige Fläche ist in einzelne Beete gegliedert, die ganz nach den Wünschen des Besitzers bestellt werden können. Wichtig wird dabei sein, ob der Garten vornehmlich zum Erwerb bzw. Ver- Minderung der Kosten des Lebensunterhalts für die Famllie oker zur Erholung und zum Ausruhen dienen soll. Wah scheinlich wird auch hier, wie in allen Dinges des Lebens, der golden« Mittelweg hier sei er gepriesen! der richtige sein. Dem Anfänger aber wünschen wir, daß er sich von etwaigen Enttäuschungen und Miß- erfo'gen im ersten Jahre nicht unterkriegen läßt: Rom ist auch nicht an einem Tage erbaut worden. H. Fr. Pohlenz. Der Obstbaumzweig vom Nachbargarten «Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben", wenn aus­gerechnet ein mit saftigen Früchten behangener Ob st baumzweig vom Nachbargarten in den eigenen Garten herüberhängt. Die Früchte gehören dem Nachbar, solange sie am Baum hängen, während die heruntergefallenen als eigene zu betrachten sind. Würde man aber etwas nachhelfen, so macht man sich strafbar. Wenn es nun wirklich ein böser Nachbar ist, so braucht man ihm das Betreten des Grundstücks nicht zu gestatten, wenn er nämlich seine über- hängenden Zweige abernten wollte, er soll es nur von seinem Garten aus versuchen. Vielmehr kann man ihn auffordern, innerhalb einer bestimmten Frist die Zweige zu beseitigen. Hilft das nicht, dann sägt man sie selbst ab, darf sie aber nicht behalten und begibt sich außerdem durch die Selbsthilfe des Klagrechtes. Jedoch ist man dazu nur berechtigt, wenn durch die überhängenden Zweige den eigenen, in der Nähe stehenden Pflanzen Licht und Lust oder Regen entzogen wird, anderenfalls ist man schadenersatzpflichtig. Aehnlich verhält es sich mit den Wurzeln eines Strauches oder Baumes, die vom Nachbargarten eingedrungen sind: Man kann sie, ohne zu fragen, abschneiden, sofern die fremden Wurzeln den eigenen Kulturen Feuchtigkeit und Nahrung entziehen. Anders ver- hält es sich mit einem Baum, der wohl im Nachbargarten steht, aber schief in das eigene Gelände hineinwächst: in diesem Falle darf man nicht zur Selbsthilfe schreiten, sondern muß den Eigentümer des Baumes auf Beseitigung verklagen. Wenn ein Baum genau aus der Grenze steht bzw. von derselben durchschnitten wird, kann jeder der Nachbarn die Beseitigung des Baumes ver- langen: die Kosten müssen zu gleichen Teilen getragen werden, wie ihnen auch der gefällte Baum je zur Hälfte gehört. Verzichtet der«ine Nachbar auf die Ansprüche an dem Baum, so hat der andere die Beseitigung verlangende Nachbar die Kosten allein zu tragen: dafür hat er mit der Entfernung des Baumes das Allein- eigentumsrecht an demselben erworben. Wenn der Baum aber fried- lich weiterwachsen darf, dann müssen die Früchte ebenso friedlich ge- teilt werden. Soviel vom Nachbarrecht, und der Zweifler lese im BGB. die 88 903, 905, 910, 911, 923 und 1004 nach, allwo sie dem einen, zur Pein, dem anderen zur Freude in unserem geliebten Amtsdeutsch ver- zeichnet sind.' H. Fr. Pohlens.