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BERLIN Freitag 8. Mai

1931

Der Abend

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48. Jahrgang

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Theater in Moabit

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Hitler als Zeuge: Legalität nur aus Notwendigkeit!

,, Großer Tag" in Moabit . Vor dem neuen Kriminalgerichts­gebäude fünf Polizeilastautos; vor dem Eingang mächtiges Schupoaufgebot, das mehrere Hundert Einlaß begehrende Zuhörer in Schach hält; im Gebäude selbst und vor der Tür zum Gerichtssaal schärffte kontrolle von einem Duhend Justiz­und Schupowachtmeistern. Hitler , Stennes und Wehel follen im Prozeß Stief und Genoffen als 3e ugen vernommen werden. Die Angeklagten haben am 22. November beim Sturm auf den Eden"-Palast drei Kommunisten verletzt.

Stennes und Wetzel find pünktlich zur Stelle. Hitler verspätet fich um zehn Minuten. Er wird beim Eintritt in den Gerichtssaal - die Sigung ist bereits eröffnet von den Angeklagten mit überlautem Heilruf und Faschistengruß begrüßt. Der

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Vorsitzende schlägt mit der Faust auf den Tisch: Ich habe das doch verboten, Wenn das noch einmal geschieht, so nehme ich Sie in Ordnungsstrafe. Ich habe am wenigsten er­wartet, daß dies die Angeklagten tun." Während der ganzen Bernehmung Hitlers stehen die Angeklagten ftramm vielleicht hätte der Vorsitzende sie zum Sigen auffordern sollen; daß es ein demonstratives Strammstehen war, fiel einem jeden auf, nur nicht dem Gericht.

Hitlers neuester Eid.

Bors.: Herr Hitler , Sie sind als Zeuge zum Beweis dafür ge­laden, daß der Sturm 33, wie dies vom Nebenfläger behauptet wird, ein sogenanntes Rolltommando gewesen sei, daß das Töten von Menschen von ihm systematisch geplant worden und daß Ihnen dieser Plan zu Ohren gekommen und von Ihnen gut­geheißen worden sei. Ist Ihnen bekannt, daß am 22. November eben in Ausführung solch eines Planes beim Sturm des Eden"= Balastes geschossen wurde?

Hitler : Ich erkläre, daß die SA. niemals mit derartigen Missionen betraut worden ist und auch nicht betraut werden fonnte. 2. tennt feine Rollkommandos. So etwas

mürde gegen die Partei verstoßen und hätte ohne weiteres den Ausschluß zur Folge. Die SA. - Formationen sind von mir ins Leben gerufen als Schutz unserer Bewegung, zum Kampfe gegen der Terror und zum propagandistischen Erscheinen diszi plinierter Massen auf der Straße. Die SA. hatte die Aufgabe, die Straße, die bis jetzt bloß von der internationalen Organisation beherrscht wurde, nun auch für die nationalen Organisationen zu erobern. Die

Bildung von sogenannten Rollkommandos

zu dem ihnen hier unterschobenen Zwecke wäre auch vollkommen unmöglich gewesen. Eine derartige Formation wäre sofort nicht nur der Parteileitung, sondern auch den Behörden ver raten worden. Ich habe in der Zeitung gelesen, daß ich in einem Artikel selbst das Borhandensein derartiger Kommandos zuge­geben hätte. Das ist nicht richtig. Ich habe stets erklärt, daß die Nationalsozialistische Partei nur den legalen Weg fennt. Diese Legalität ist nicht der Ausdruck meines Herzenswunsches, sondern ein Notwendigkeit.

Nicht ich habe die Verfassung geschaffen, ich halte sie für falsch und schlecht. Die Verfassung ist aber eine Begebenheit und sie umgehen hieße Blutvergießen herbeiführen. Die Maffen der S2. gehorchen blindlings der politischen Führung, es hieße daher unverantwortlich handeln, sie in einen illegalen Kampf hineinzutreiben. Ich gehe den legalen Beg aus innerfter Ueberzeugung, weil dieser Weg eine Notwendigkeit ist. Gerade weil ich den legalen Weg als notwendigen Weg anerkenne, wird die Partei von gewissen Kreisen, die keinerlei Bedeutung innerhalb der Partei haben, als verspießert und verbonzt bezeichnet. Dagegen setze ich mich zur Wehr. Diese angeblich verbonzte Tätigkeit der Partei hat zu der grandiosen Bewegung geführt, während zum Beispiel Stennes, der die Partei bekämpft, es nur zur Schaffung einiger Heiner Gruppen gebracht hat. Diese Gruppen habe ich als Roll­tommandos bezeichnet; ich habe aber nicht sagen wollen, daß Stennes innerhalb der SA. Rollkommandos gehabt hätte. Stennes unterstanden 20 000 S2- Ceute, das ist ein Fünftel der deutschen Wehrmacht. Es wäre lächerlich zu behaupten, daß es sich hier um Rollkommandos handle. Die Tätigkeit der Partei, die ich für richtig halte, hat zu einer halben Million Mitglieder geführt und Millionen Deutscher auf die Beine gebracht.

Bors: In welchem Sinne haben Sie nun in Ihrem Artikel Das Wort Rolltommando gebraucht?

Sitler: Ih wiederhole, ich habe nur jagen wollen, daß

Kein Fluchtverdacht.

Untersuchungs­

later

Gegen den Biderspruch des Untersuchungsrichters entließ die Straffammer den Mörder Rollag aus der Untersuchungshaft.

Strat

Kammer Haft

entlassung

Arbeiterpartei gesammelt. Wenn irgend ein Subjekt vielleicht ein Duzend Menschen um sich sammeln würde, um durch irgendwelche Handlung die Partei zu diskreditieren, so wäre das natürlich möglich. Dafür würde ich aber keine Verantwortung tragen. Ich kann nichts anderes tun, als Parolen herausgeben und scharf dafür sorgen, daß sie befolgt werden. Es ist vollkommen

ausgeschlossen, daß Sturm 33 ein Rollkommando war und den 3wed, Menschen zu beseitigen, verfolgt hat.

Es gibt Hundertschaften, die nie Zusammenstöße haben, und es gibt andere, wo alle verwundet sind. Sobald der Leitung irgendwelche

Material für Hitler- Eide.

Die Legalität" von Eisleben .

Eisleben , 8. Mai. ( Eigenbericht.)

Dom

Am Donerstag fand hier eine vom Reichsausschuß für Bolts­auftlärung einberufene Versammlung statt, in der Kapitän­Teutnant a. D. von Müde sprach. Gleich zu Beginn der von etwa 1000 Personen besuchten Versammlung provozierte der nationalsozialistische Kreisleiter von Aldensleben, so Die mit ihm daß er an die frische Luft gesetzt werden mußte. das Versammlungslotal verlassenden Nazi warfen dann Landbundhaus Drähte über die Lichtleitung, so daß Kurzschluß entstand und das ganze Stadtviertel in Dunkel gehüllt wurde. Müde sprach trog der Dunkel. heit weiter, um die erregten Gemüter der Versammlungs­besucher zu beruhigen. Abgesandte des Gastwirts, die fortgeschickt nalsozialisten überfallen und der Kerzen be. raubt. Ein Monteur des Elektrizitätsmertes, der die zerstörte Lichtleitung reparieren wollte, wurde vom Landbundhaus aus mit Steinen beworfen und an seiner Arbeit gehindert. Durch das Einschreiten der Polizei, die das ganze in Dunkel gehüllte mieden werden. Stadtviertel absperrten, fonnten weitere Zusammenstöße

Sie sind frei. Der Weg nach Kufstein ist Ihnen ohnehin waren, um Kerzen zu holen, wurden von etwa 20 Natio.

bekannt."

Stennes vor seinem Eintritt in die Nationalsozialistische Bartei es bloß zu einem paar Rollkommandos gebracht, während tausende vereinigt hat. Das Wort Rollkommando stammt aus dem die legale Tätigkeit der Nationalsozialistischen Partei Hundert Kriege. Damals bezeichneten sich so Kommandos von 10 bis 20 Sol­daten, die die Aufgabe hatten. die eigentlichen Schüßengräben auf­zuräumen. Später verstand man unter Rollkommandos

Kommandos zu besonderen Verwendungszweden.

Sie hatten aber nie mit Menschenbeseitigung zu tun. Ich muß hier ganz im allgemeinen sagen: In der SA. ist aufs strengste ver boten, Angriffshandlungen vorzunehmen. In einer Not­lage ist es aber schwer, die Grenze zwischen Notwehr und Angriff zu unterscheiden. Wenn die SA. - Leute jeden Tag Gefahr laufen, von roten Mördern überfallen zu werden( der Vorsitzende rügt den Ausdrud rote Mörder), so ist es selbstverständlich, wenn fie fich zur Wehr setzen. Da kann auch die Grenze der Notwehr einmal überschritten werden. Wir ziehen aber die Leute in diesen Fällen zur Verantwortung. Die Parole Schlagt die Hunde tot" oder Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft" ist nicht von uns, sondern von den Gegnern ausgegeben worden. Wenn die Grenze der Notwehr einmal überschritten worden ist, so läßt sich das vom grünen Tisch aus leicht gut feststellen. Wenn aber mancher Richter in derselben Situation sich befunden hätte, so brächte er mehr Verständnis auf. Die Leute fönnen gar nicht verantwortlich gemacht werden. Jedenfalls war es nie der Wille der Organisation und auch nie der Wille des einzelnen SA. - Mannes, anzugreifen. Wenn es der Wille des einzelnen SA. - Mannes gewesen wäre, dann hätten Sie jetzt feinen Terror mehr.

Der Vertreter der Nebenkläger, Rechtsanwalt Dr. Litten, stellt nunmehr einige Fragen. Hitler gibt zum Teil

sehr aufgeregte Antworten

und wiederholt im großen und ganzen, was er bereits einmal gesagt hat. Unter anderem meint er: Ich bin überzeugt, daß, wenn wir den Weg beschreiten würden, den Stennes in seiner Zeitung propagiert, die Nationalsozialistische Arbeiterpartei von dem Weg der Legalität zwangsweise abgehen müßte. Ich habe bereits vor sieben Jahren in meinem Buch geschrieben, daß die Geschichte nicht durch Dolch und Bombe, sondern durch die Massen gemacht wird. Ich wiederhole noch einmal, daß illegale Dr. ganisationen mit dem Zred, der ihnen hier unterschoben wird, schon allein wegen der Bespizzelung nicht möglich sind. Ich weiß, es werden ungeheure Summe gegen die Nationalsozialistische

Exzesse der Organisationen bekannt werden, so wird sofort durch die SA. - Inspektion eine Untersuchung eingeleitet. Eine illegale Tätigkeit ist nie beabsichtigt, und es geschieht alles, um eine folche zu verhindern."

Auf eine Frage des Nebenklägers Dr. Litten, der auf Dan­ziger Ereignisse anspielt, erklärt Hitler : Ja, es sind in Danzig Waffen gefunden worden. Wenn ich aber darüber weiter reden sollte, so müßte ich im Interesse der Landesverteidigung um Ausschluß der Oeffentlichkeit bitten."

Zwischen dem Borsigenden und dem Nebenkläger fommt es verschiedentlich zu Differenzen, da Dr. Litten Fragen all gemeiner Natur stellt, während die Ladung des Zeugen Hitler in der Hauptsache wegen des Sturms 33 erfolgt ist.

Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Beder will wissen, ob Hitler

Stennes als einen Polizeispiel bezeichnet hat. Auf diese Frage und auf einige weitere Fragen erklärt Hitler : Ich habe nie behauptet, daß Stennes ein Polizeispizzel sei. Ich habe nur behauptet, daß er Polizeioffizier gewesen sei und sich nun in Radikalismus nicht genug tun könne. Es ist ein großer Unterschied, ob ich überzeugt bin, daß jemand Polizeispiel ist, oder ob ich den Auftrag erteile, festzustellen, ob jemand Polizeispizel ist. Wir hatten z. B. einen Fall, da

ein SA.- Führer im Westen, der äußerst radikal war, jahrelang von der Polizei bezahlt wurde. Es ist auch richtig, daß ich bei einer Besprechung mit den Standartenführern im Herbst vorigen Jahres den Verdacht aus­gesprochen habe, ob wir nicht in Berlin mit einer 2odspigel fätigkeit zu tun haben. Denn die Aktion der Berliner

den Wahlen war allen Parteigenossen voll. tommen unverständlich. Ich muß mich fragen, ob diese Aktion einem inneren 3wange entsprungen oder von außen herein­getragen war. Ich habe später den

Verdacht gegen Stennes fallengelaji und ihm nach wie vor mein Vertrauen geschenkt. Jo) hatte mich überzeugt, daß die Aktion der Berliner SA. durch deren traftloſe