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Beilage

Dienstag, 12. Mai 1931

obrɔmmol hau aus Der Abend

Shalausgabe des Vorwärt

Arbeitersänger/ Kultur/ Sozialismus

Grimmes Ansprache an die Arbeitersänger

Die Ansprache, die Rultusminifter Genosse Grimme am Sonntag vor den Arbeitersängern in der Bhilharmonic hielt, hat folgenden Wortlaut:

Als ich die Aufforderung erhielt, heute zu Ihnen zu sprechen, habe ich mich gefragt, ob es richtig sei, zuzusagen, denn, um gleidh mit einem Bekenntnis zu beginnen: ich bin ein Nichtsänger. Das aber heißt, daß ich mich, befänden wir uns hier mitten in einer Diskussion, auf die Frage gefaßt machen müßte, wieso dieser Saul unter die Propheten fomme. Mit der bloßen Versicherung, daß ich mich, auch ohne selbst Musik zu treiben, gleichwohl hierher und zu Ihnen gehörig empfinde, wäre darauf gewiß noch feine ausreichende Antwort gegeben. Die Antwort bedarf vielmehr der Begründung. Und da sehe ich den Grund einmal gleich darin, daß ich Gelegenheit habe, Shnen heute im Namen aller derer zu danken, denen Sie hier im Gau und Ihre Sangesfreunde im ganzen Lande durch Ihren Gesang bei Festen und Kundgebungen der Partei Freude geschenkt haben.

Ueber dieses Dantesgefühl hinaus aber dente ich an die Ber­bundenheit, die jeder Sozialist mit der Arbeiterfängerbewegung hat, und die er flar empfinden sollte, menn er sich erinnert, daß die Arbeiterfängerbewegung entstanden ist aus jener Tiefe und Ursprüng lichkeit, die den Kern unserer gesamten sozialistischen Bewegung bildet, aus einem uns alle verbindenden Lebensgefühl, das in gleicher Weise die Arbeiterbewegung geboren hat wie die Arbeiterfängerbewegung, und das sich einen musikalischen Ausdrud gegeben hat in dem Gesang der Massen: im Arbeiterlieb. Nicht überflüssig deshalb, an diesent Ort zu unterstreichen, daß somit an der Wiege der deutschen Arbeitersängerbemegung bereits das bleibende Ziel alles Arbeitersanges gestanden hat: der Gesang der Massen, das Arbeiterlied.

Diese Bewegung ist dann freilich über die bloße Pflege des gemeinsamen Kampfgefanges hinausgewachsen, und in Ihrer Fests schrift steht zu lesen, wie ein unaufhaltsomer und starter Kultur mille in den vier ersten Jahrzehnten Ihres Bestehens die Anfangs idee weiter geformt und geprägt hat. Es hat sich in Ihren Reihen der Wille durchgesezt, die Gesinnungsgenossen über die Pflege des Arbeiterliedes hinaus empfänglich zu machen dafür, daß sie heute, wie wieder diese Festtage gezeigt haben, mit eigener Leistung an den Gütern hoher musikalischer Kultur überhaupt teil­nehmen fönnen. Es verdient den höchsten Respekt auch des Richt­fängers und um diesem Respekt Ausdrud zu geben, habe ich die Ansprache übernommen, wie Sie mit Energie und Zähigkeit aus den kleinen Chören von Sangesfreunden im Laufe dieses Menschen alters große leistungsfähige Chorvereinigungen geschaffen haben, für die

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das Gebiet des einfachen Tendenzliedes zu eng

geworden

war und die dann den Boden abgaben für ein fünstlerisches Arbeiten auch auf anderen Gebieten eines meit um sich greifenden Lebens­gefühls, das freilich, mochte und mag es auch gegenüber der Anfangs­zeit verbreitert sein, dabei doch immer seine Bärme und seine Farbe bekommen hat durch den alle sozialistischen Sänger mit allen fozia listischen Nichtfängern verbindenden Glauben an den Sieg fozialistischer Ideen. Hier ist in der Tat ein Gebiet, auf dem die deutsche Arbeiterschaft den Beweis hat dafür antreten können und angetreten hat, daß sie Kraft und Sinn und seelisches Auf­geschlossensein besitzt für die Teilnahme an den Gütern der Ge­samtkultur unseres Boltes. Sie haben selbständig und und ohne Unterstützung von freinder Seite den Weg gefunden zu den großen Chorwerfen unserer Meister, eine Behauptung, die sich durch unzählige Konzerte Ihrer Chöre beweisen läßt. Und wenn Sie so den Anschluß an die besten künstlerischen Traditionen unseres Bolfes gefunden haben, dann haben Sie und das zeigt, wie echt diese Bewegung ist doch zugleich die beste Tradition der Arbeiter: bemegung rein und hoch gehalten, indem Sie sich freigehalten haben von all den Auswüchsen und Gefahren, die vom Konzert­podium mit seiner Atmosphäre der Eitelkeit und der Aeußerlichkeit

brohen.

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Die bloße Sprache als Instrument der Mitteilung ist niemals frei, von der Gefahr des Misverstanden werdens. Das Wort wirft felten jo unmittelbar von Mensch zu Mensch, wie es die melodie kann. Die Worte stehen zwischen uns und unserem eigenen Erleben. Das Wort fann zwar die Sache objektiver wieder­geben. In jeder objektiven Wiedergabe durchs Wort steckt aber ein Losgelöstsein vom ursprünglichen Erleben; denn ein Erleben, das sich in Worte umjeht, wird, eben weil es sich erst umsetzt, notwendig ferner, notwendig kälter. Vergleichen Sie die Worte: Die Freude hat den Menschen ein Gott geschenkt" mit dem Sturmgefühl, das wie ein Mensch die Menschen packt, wenn die Musik denselben Sinn zum Ausdruck bringt im Rhythmus der Hymne An die Freude" in der Neunten. Wer auf die Menschen mirfen will, braucht darum mehr als Borte, mehr als Begriffe. Er sieht in der Mufit viel mehr als eine bloße Zutat zu dem Leben. Er sieht in ihr un­mittelbaren Ausdrud des Erlebens, der auch da noch wirkt und da noch Seelen zwingt und da noch Köpfe heiß macht, wo Begriffe fehlen. Und eben, weil so das Gemeinsamkeitserlebnis, das den Menschen zum Sozialisten macht, sich Ausdrud im Gesang der Maffen schaft, bedeutet dieser mehr als einen bloßen Schmud. Der

Ausdruck des gemeinsamen Erlebens in der Kunstform ist ein Erfor dernis und ist Ergänzung im selben Kampfe, dem sonst die Diskussion mit Borten und Begriffen dient. Man tommt an den Menschen in feiner Ganzheit heran, wo dieses Mittel ungenutzt liegt.

Wir feiern darum heute den Gesang als eine Macht, die über die Kraft des rationalen Wortes hinaus den ganzen Menschen an­greift, und wir sehen so die Arbeitersängerbewegung als einen Strom inmitten der allgemeinen Arbeiterbewegung, weil viel mehr als durch die Nüchternheit und Kälte der Begriffe, viel mehr als durch Programme und noch so flare Borte im Gesang das So. lidaritätsgefühl der Menschen und damit der eigentliche und der letzte Sinn des sozialistischen Erlebens zur Offenbarung fommt.

Wer so die Dinge sieht, den freut es, daß er heute einmal in Ihrem Kreise sagen darf, wie sehr der Arbeiter- Sänger- Bund für die sozialistische Bewegung eine Hoffnung und ein Aktivposten ist.

Ich kann deshalb mit feinem besseren Wunsche schließen, als daß Ihnen die Freudigkeit, mit der Sie 40 Jahre lang dies Stück deutscher Kulturarbeit geleistet haben, erhalten bleibt, damit die Berte, die Sie schaffen, sich weiter mehren für Partei und Volk.

Den Kindern mehr Schutz!

Maßnahmen zur Erhaltung der jugendlichen Arbeitskraft

durch den jetzt wirksam werdenden Geburtenausfall erklären, nicht gulegt aber auch dadurch, daß die landwirtschaftlichen Betriebe, aus Furcht vor einer gesetzlichen Beschränkung der Kinderlandarbeit, bei Umfragen die Kinderarbeit nicht voll angegeben haben.

In diesem Monat, am 28. Mai 1931, beginnt in Genf die hebungen zeigen, daß sich die Lage der arbeitenden Kinder um 15. Internationale Arbeitsfanferenz. Zum ersten Male wird vor nichts gebessert hat, wenn vielleicht auch die Zahl der Be­diesem Forum die Frage der Festsegung eines Mindestfchäftigten zurüdgegangen ist. Der Rüdgang fann fich teilweise alters für die Zulassung von Rindern zur Arbeit in nichtgewerblichen Berufen besprochen. Das Genfer Internationale Arbeitsamt hat sich wiederholt mit Fragen des Jugendschutzes be schäftigt. Von den 30 Arbeitsübereinkommen, die die Vertreter der dem Völkerbund und damit dem Internationalen Arbeitsamt ange= schlossenen Länder getroffen haben, beziehen sich allein sechs auf direkte Jugendschuh- Uebereinkommen. Daß es fich dabei nicht nur um Wünsche handelt, die bei der Gesezgebungstätigkeit der Regierun gen und der Parlamente berüdsichtigt werden möchten, geht daraus hervor, daß von den 415 Ratifitationen diefer Ueber einkommen durch die einzelnen Staaten insgesamt 120 auf die Jugendschuh- Uebereintommen entfallen.

Deutschland und die Genfer Uebereinkommen.

Borauf beziehen sich mun die internationalen Maßnahmen zur Abschaffung der Kinderarbeit? Nach den Grundfäßen, die im Artikel 427 des Vertrages von Bersailles für die Tätigkeit der Internationalen Arbeitsorganisation ausgesprochen sind, ist die Beseitigung der Kinderarbeit und die. Verpflichtung, die Arbeit Jugendlicher der beiden Geschlechter so einzuschränken, wie es notwendig ist, um ihnen die Fortsetzung der Ausbildung zu ermöglichen und ihre förperliche Entwicklung sicherzustellen", eines der wesentlichen Ziele des Arbeitsamts. Die Internationalen Arbeits­fonferenzen haben die Entwürfe von Uebereinkommen aufgestellt, die diesen Absichten entsprechen. So bestehen Uebereinkommen, nach denen Kinder unter 14 Jahren nicht zur gewerblichen Arbeit, nicht zur Arbeit auf See und nicht zur Arbeit in der Landwirtschaft während der Schulzeit beschäftigt werden dürfen. Die übrigen beziehen sich auf jugendliche Personen unter 18 Jahren und wollen sicherstellen, daß junge Menschen vor ihrem 18. Lebensjahre nicht zur Nachtarbeit im Gewerbe, nicht zur Arbeit als Kohienzieher und Heizer auf Schiffen herangezogen werden und daß sie, wenn sie unter 18 Jahren in der Seeschiffahrt arbeiten, diese Beschäftigung nur ausüben dürfen bei pflichtmäßiger periodischer ärztlicher Untersuchung. Mit der Rati­fizierung verpflichten sich die Länder, wenigstens den durch die Uebereinkommen festgelegten Mindest standard zu sichern. Bon Deutschland liegen drei Ratifikationen vor; nicht rati fiziert sind von uns die Bestimmungen über das Berbot der landwirtschaftlichen Arbeit während der Schulzeit und der gewerblichen Arbeit von Kindern unter 14 Jahren und das Verbot der Nachtarbeit Jugendlicher unter 18 Jahren in gewerblichen Be­trieben. Im zweiten Teil dieses Auffages werden die deutschen Kinder- und Jugendschußbestimmungen näher angeführt, soviel ist ja jetzt schon erkenntlich, daß von einer übertriebenen Sozialpolitit Deutschlands wirklich nicht die Rede sein kann.

Es ist das Gesunde und Kraftgebende und die musi­talische Tradition Bereichernde Ihres Wollens, daß sich Ihre Programme bewußt freihalten von aller spielerischen, lediglich unterhaltsamen Kunst. Sie haben es stets als Ihrer Arbeit Bestes empfunden, daß Sie trotz der Teilnahme an einer nicht aus dem Proletariat heraus­gemachsenen Kultur, Arbeiterfänger geblieben sind und da mit zugleich geblieben sind Träger einer in die Zukunft vorstoßenden Miffion, Kämpfer für eine Idee, für die sozialistische Idee. Aber Sie haben nicht nur übernommen und haben sich nicht nur hineingelebt in diesen Zweig einer vorgefundenen Kultur. Gerade aus dieser klaren und stolzen, des eigenen Wertes bewußten Haltung find Sie schöpferisch geworden. Sie haben unsere Gesamtfultur Es ist bezeichnend, daß sich unter den von Deutschland nicht bereichert um Formen des Chorfingens, auf die der Blid früherer ratifizierten internationalen fozialpolitischen Uebereinkommen auch Geschlechter noch nicht gefallen war. Wenn es eines Beweises bedas des Berbots der Kinderarbeit in der Landwirt. dürfte, daß eigene schöpferische Kräfte in der deutschen Arbeiterschaft fchaft befindet, gleichfalls hat die Empfehlung der Konferenz, die lebendig sind und nach Entfaltung drängen, dann wäre er damit das Verbot von Nachtarbeit der Kinder in der Landwirtschaft be= geliefert, daß die Arbeiterchorgesangsbewegung bedeutenden Tan trifft, in der deutschen Sozialpoliti? Peine legislative Form gefunden. künstlern der letzten Zeit Impulse zu neuen Schöpfungen und gerade in der Landwirtschaft und ihren Nebenberufen ist die Ausnutung findlicher Arbeitskraft am stärksten und auch am offen­gegeben hat. fichtlichsten. Die Feststellungen, die Selene Simon vor Jahren getroffen hat, bestehen noch immer zu Recht. Ja, alle neueren Er­

Ist das alles nicht bereits Anlaß genug, auch für einen Nicht. fänger, hier einmal auszusprechen, daß jeder, dem die Gesamtkultur unferes Boltes am Herzen liegt, Respekt besigt vor solcher Leistung? Darüber hinaus aber hat mich noch ein anderer, ein mehr im Hintergrund liegender und doch sehr wesentlicher Gedanke bestimmt, mit dieser Festansprache vor Sie hinzutreten. Auch wer die Kunst nicht ausübt, fann sie doch sehen, in dem, was sie bedeutet. Sie ift ja doch viel mehr als Rantenwert des Lebens; sie ist viel mehr als eine Arabeste, sie ist nicht etwas, das da ist, aber ebenso auch entbehrlich wäre.

Gerade der Sozialist erlebt in dem gemeinsamen Ge fang die ureigenste Idee des Sozialismus: das Be­wußtsein der Verbundenheit des Menschen mit dem Menschen, und er erlebt es im Liede wie in jeder fünstlerischen Offenbarung viel stärker als durch bloke noch so schön geformte und noch so flar gejagte Worte.

Das Elend auf dem Lande.

Alkohol schädigt die Erbmasse!

Wir erhalten folgende Zuschrift: In der Nummer vom 21. 4. 31 des., Abend" veröffentlicht Dr. B. Fernte einen Aufsatz, in dem er Bezug nimmt auf eine Arbeit von mir. Er nennt die Arbeit nicht; gemeint ist offenbar eine Arbeit, die in den Sozialhygienischen Mit teilungen" erschienen ist Dr. F. gibt den Inhalt meiner Arbeit im ganzen richtig wieder, er verschweigt aber etwas, was das ganze Er gebnis in fein Gegenteil verfehrt: nämlich die Ergebnisse der Ber­fuche von Dr. Agnes Bluhm. Aus diesen geht mit aller Deutlich feit hervor, daß der Altohol die Erbmasseschädigt, daß er also dauernde Schädigungen hervorruft. Diese Tatsache habe ich ameimal in Sperrbrud ermähnt!

Prof. Dr. G. Klatt, Detmold .

Welches Elend verbirgt sich hinter dem Tatbestand ,, Hütekind", welche wirtschaftliche, seelische, aber auch schulische Not hinter den Anträgen auf Urlaub zu landwirtschaftlichen Arbeiten! Wer fennt die schematische Verschickung von Waisen und Pflege­findern und von Fürsorgezöglingen aufs Land und sucht nicht auf eine wirklich fürsorgerische Aenderung dieser Ber­hältnisse hinzuwirken! Eigentliche Schutzbestimmungen, entsprechend dem Gesezze zum Schuße der Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben, fennt die Landwirtschaft nicht. Eine Reform des Kinderschutzgesetzes, insbesondere eine Ausdehnung seiner Bestimmungen auf die Land­wirtschaft, ift dringend erforderlich.

Der Hauptausschuß für Arbeiterwohlfeh ( Berlin SW. 61, Belle- Alliance- Platz 8) hat vor zwei Jahren einen begrüßenswerten Vorstoß in dieser Hinsicht unternommen, als er in einer gufbegründeten Petition den Reichstag bat, daß den Land­findern wenigstens der geringe Schutz zuteil werde, der für die Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben nach dem Gesetz vom 30. März 1903( Fassung vom 31. Juli 1925) gilt. Dabei betont der Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt ausdrücklich, daß er gegen jede Kinderarbeit in der Landwirtschaft ist und daß einer geseglichen Regelung, die darauf abzielt, teine unüberwindbaren Schwierigteiten entgegenständen. Um aber die Kinder auf dem Lande unter den obwaltenden Verhältnissen nicht völlig schutzlos zu lassen, hält der Hauptausschuß eine jezige Einschränkung der Kinderarbeit für erforderlich, die die Arbeit jüngerer Kinder verhindert und die arbeitenden Kinder vor Ueberarbeit und Unterernährung, vor Unfallgefahren und sittlicher Gefährdung schützt und die einen geregelten Schulbesuch sicherstellt. Darum sollen nach­stehende Bestimmungen über Beschränkung der landwirtschaftlichen Kinderarbeit in das dem Reichstage vorliegende Arbeitsschuß gefeß oder in ein besonderes Gesetz auf­

genommen werden:

1. Die Arbeit von eigenen und fremden Kindern unter 12 Jahre ist verboten. 2. Eine und fremde Kinder über 12 Jahre dürfen nur beschäftigt werden, wenn von der Beschäftigung feine gesundheitliche oder fittliche Gefährdung zu befürchten ist.

3. Eigene und fremde Kinder über 12 Jahre dürfen während der Schulzeit 3, in den Ferien 4 Stunden arbeiten, aber nicht vor dem Vormittagsunterricht. Es müssen ihnen zwei Stunden Mittags­pause und eine Freistunde nach dem Nachmittagsunterricht gewährt werden. Nachtarbeit von 20 Uhr bis 8 Uhr und Sonntagsarbeit sind verboten.

4. Der Weg zu und von der Arbeit wird in die Arbeitszeit eingerechnet.

5. Für eigene Kinder kann die Aufsichtsbehörde, wenn die ge­fundheitliche, geistige und fittliche Entwidlung nicht gefährdet wird und nach Anhören des Jugendamts und der Schulaufsichtsbehörde über diese Gefährdung, Ausnahmen gestatten.

6. Eigene Kinder, die für Dritte arbeiten, Pflegefinder und Fürsorgezöglinge, die in fremden Familien oder Anstalten unter­gebracht sind, sind wie fremde Kinder zu behandeln.

7. Für fremde Kinder werden Arbeitskarten ausgestellt. Auch diesen eingeschränkten Forderungen der Arbeiterwohlfahrt war bisher fein Erfolg beschieden. Dabei sind Bestim mungen zum Schuße der Arbeitstraft von Kindern und Jugend­lichen nie mehr nonnöten, als in Zeiten großer Arbeitslosig. teit. Ueberall ist jetzt eine Ausdehnung der Kinder-( und Frauen-) Arbeit festzustellen, die ihre Ursache im Lohndruck der Unternehmer, noch mehr aber in der verschärften Notlage der durch Arbeitslosigkeit betroffenen Familien hat. Aus allgemeinen sozialpolitischen als auch aus bejonberen jugendfürsorgerischen Gründen ist darum heute auf stärkste Beachtung der bis jetzt schon geltenden Jugendschutzbestim mungen, aber auch auf Durchfeßung weiterer, unbedingt notwendiger Maßnahmen zum Schuße der findlichen Arbeitskraft hinzuwirken.

In den gewerblichen Betrieben...

Seit dem 1. Januar 1904 ist nach dem Gesetz vom 30. März 1903, dem auch die Forderungen des Hauptausschusses für Arbeiter wohlfahrt in bezug auf die Einführung von gefeßlichem Schuß der Kinderarbeit in der Landwirtschaft angepaßt find, bei der Kinder.