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Nr. 127.

Erscheint täglich außer Montags. Preis präuumerando: Biertel­jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Bfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Duartal. Unter Kreuzs band: Deutschland u. Desterreich­Ungarn a M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post Beitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277.

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Vorwärts

13. Jahrg.

Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Numiner müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr abends, an Sonne und Festtagen bis 9 1hr vormittags geöffnet.

Fernsprecher: Xmt 1, Nr. 1508 Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin ".

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Benth- Straße 2.

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Mittwoch, den 3. Juni 1896.

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Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

das

Die deutsche Lehrerversammlung Gesellschaft, die sie durch ihre eigene Ent- Bedürfnissen der Gegenwart" und das in dieser Fassung wicklung mit umgestalten und besseren Zuständen der prinzipiellen Erörterung weit größeren Spielraum in Hamburg . entgegenführen wird. Daher ist es denn auch ebenso bot, auf die endgiltige Fassung verengt hat. Was nüßt die Die in der vergangenen Pfingstwoche in Hamburg statt- falsch wie unüß, der gewaltigen politischen und Stellungnahme zu den Einzelheiten, zu den unter gefundene, überaus zahlreich besuchte deutsche Lehrerversamm- sozialen Bewegungen der heutigen Arbeiterschaft durch geordneten Gegenständen, zum Lehrplan, wenn nicht vorher lung stand unter dem Zeichen Pestalozzi's . Wenigstens die Echule oder durch die Erziehung überhaupt Herr werden die größeren, prinzipiellen Gesichtspunkte follte sie dies nach der Absicht der Veranstalter, und rein zu wollen. Gern unterschreiben wir die Forderung festgestellt sind! Allerdings dürften hierbei die Meinungen äußerlich hatte man es ja auch erreicht. Die grünumrahmte Mahraun's, daß der Lehrer nach Pestalozzi 'schem sehr auseinandergehen, allerdings dürften die Geister kräftig Büste Pestalozzi's thronte hinter der Rednertribüne, die Er- Vorbilde es mit dem armen und unterdrückten Volfe, zu aufeinanderplazen; doch das wäre nur von Vortheil. In öffner der Versammlung wiesen theilweise in ihren Ansprachen dem ja der Lehrer durch seine berufliche wie materielle einer Zeit wie der heutigen, in der in faft noch größerem auf Pestalozzi hin und der erste Hauptvortrag, den der Stellung gehört, halten soll; ob er aber dann durch Umfange wie vor 100 Jahren alles Bestehende wackelt und Hamburger Schulrath Ma hraun hielt, behandelte Die religiös- sittliche Bildung, wie Mahraun es weiter auf seine Lebensfähigkeit hin kritisch geprüft wird, ist es gerade Bedeutung Pestalozzi's für die Erziehungs- verlangt, hier viel ausrichten wird, ob er ferner durch Ein- an der Zeit, die Wege der Zukunft auszukundschaften und aufgaben unserer Zeit." wirkung auf Familie und Wohnung zwei Begriffe, die nach bestimmten Grundsätzen abzustecken. Weniger dagegen war vom Geist e Pestalozzi's in der die moderne großkapitalistische Produktion für die Arbeiter Tews selbst hat in einem früheren Aufsatz einmal Lehrerversammlung zu spüren. Wer in Pestalozzi einen so ziemlich aufgehoben hat etwas zur Linderung der die Volksschule mit einem Haus verglichen, in jener starkgeistigen Revolutionäre sieht, die in der großen Klassengegensätze erzielen wird, das muß dann doch sehr nothwendigerweise Fuhren nenen Mobiliars( nämlich Wellenwende vor hundert Jahren in rücksichtsloser und start bezweifelt werden. neue Unterrichtsgegenstände) hineingetragen werden müßten. traftvoller Weise für die Emanzipation ihrer eigenen unter Es giebt bereits einen Weg, den die Lehrer einschlagen Man darf nun aber nicht übersehen, daß dies Haus drückten Klasse eintraten, dem fällt es schwer, den Verlauf müßten, wenn sie thatkräftig an der Befreiung der Mensch- der Volksschule schon ein sehr alter, wackeliger und der Lehrerversammlung, sowie die gefaßten Beschlüsse als heit und damit an der gründlichen Umgestaltung der baufälliger Kasten ist, der es wahrlich verdient, abgerissen von Pestalozzi 'schem Geiste durchtränkt anzusehen. Jene Bildungsziele mitwirken wollten. Sie sollten sich die und durch ein neues und schönes Gebäude ersetzt zu werden. weise Mäßigung", jene Halbheit und Unentschiedenheit, Großthaten des bürgerlichen Liberalismus" von denen Weit davon entfernt, dies anzustreben, brüten die Volks. jene Furcht, irgendwo unliebsam anzustoßen, Eigenschaften, die letzte die Ablehnung des Besoldungsgesetzes durch die schullehrer anhaltend darüber nach, wie sie in die mit die heute die deutschen Volksschullehrer für ihre größten Oberbürgermeister im Herrenhause war- zur Lehre dienen Spinnweben überzogenen, muffigen Räume des alten Hauses Tugenden halten, fie passen herzlich schlecht zu der Kampfes- lassen und mit einer kräftigen Wendung dessen alte, aus- neues, theils gutes, theils unnüßes Mobiliar hineins natur eines Pestalozzi. getretene Geleise, in denen der vollgepackte Wagen der zwängen können, ohne dabei zu bedenken, daß einmal Volksbildung fagtäglich entgleist, verlassen; sie sollten nicht schließlich kein Mensch sich mehr bewegen kann, daß ferner Männer aus ihren eigenen Reihen, die andere Bahnen ein die mannigfachen Holz- und Bohrwürmer, die in den alten schlagen wollen wie u. a. der Egidy- Anhänger Langer- Möbeln sizen, sich mit Gier auf die neuen stürzen würden. mann- Barmen, mitleidig und von oben herab belächeln, sie follten das Wort eines Redners: Wer erschöpft Geduld und Bähigkeit der deutschen Lehrer" zu Schanden machen; fie sollten in klarer Erkenntniß der schul- und lehrerfeindlichen Schulrath Mahraun schilderte in nicht übler Weise die Grundlage der heutigen Gesellschaft, des kapitalistischen Wirth- Damit sind für uns die langausgedehnten Verhand Wirkungen der modernen Produktion auf die heutige Geschaftssystems, zunächst auf Beseitigung dieser Grundlage lungen über diese Frage im allgemeinen erledigt. Es soll sellschaft, besonders soweit dadurch die Erziehung in Mit Hand in Hand mit der klassenbewußten Arbeiterschaft hin- gern zugestanden werden, daß im einzelnen manch guter Ge­leidenschaft gezogen wird. Dem vielfach sich breitmachenden wirken. danke ausgesprochen worden ist, so besonders vom Re­Streben unserer Zeit, die Kinder einfach nach bestimmten Daß die Volksschullehrer jedoch hiervon noch weit ent- ferenten Tews, sowie auch von dem Hamburger Berufs oder Standesinteressen zu erziehen, hielt er die fernt sind, zeigt ein Blick auf die weiteren Verhandlungen. Lehrer und Dichter Otto Ernst Schmidt . Wenn Pestalozzi 'sche Forderung der allseitigen harmoIm Vordergrunde des Interesses stand die Frage, welche beide Männer energisch auf die innige Verbindung, nischen Ausbildung entgegen. Wenn er aber Stoffe dem Lehrplane der Volksschule die zwischen Lehrer und Volk bestehen müßte, hinwiesen, so andererseits die heutige Parteizersplitterung beklagt und nen einzufügen, resp. welche aus dem sind wir bei ihnen, die als vorurtheilsfreie und flarblickende hierbei die heutige Arbeiterfrage auf dieselbe Stufe mit der selben zu entfernen seien. Der Referent, Männer bekannt sind, von der Wahrhaftigkeit dieser Ge Handwerker, Antisemiten und Agrarierfrage stellt, so be- Lehrer J. Tews Berlin , betonte, daß er selbstverständ- sinnung überzeugt. Nicht so jedoch bei den Bielen , die zwar findet sich der Herr Schulrath damit in einem großen Irrlich nur die prinzipiellen Gesichtspunkte erörtern Bravo klaschten, die aber durch die That leider nur zu thum. Die moderne Arbeiterbewegung ist denn doch wohl könne und andere Redner pflichteten ihm hierin bei. Gut! häufig einen lächerlichen Dünkel und Stolz dem Arbeiter­etwas mehr, wie eine einseitige und kleinliche nach augen- Danu aber will es uns gar nicht recht einleuchten, stande gegenüber beweisen. blicklichen Vortheilen geizende Standesfrage; in ihren End- weshalb man das Thema, das anfänglich lautete: Als ein gelungenes Kuriosum, das bei den Verhand zielen umfaßt sie im Gegentheil die gesammte Umgestaltung der Bildungsziele der Volksschule nach den lungen der Lehrerversammlung zu tage trat, mag erwähnt

Und dabei wäre gerade die heutige Zeit für die deutschen Lehrer im allgemeinen, für die preußischen durch die rücksichtslose Ablehnung des Besoldungsgesetzes im besonderen eine energische Aufforderung, den alten mäßigen" Adam endlich einmal auszuziehen und sich dafür eine möglichst große Portion der ebenso berechtigten wie Besserung bringenden Unzufriedenheit zuzulegen.

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Tene.

( Nachdruck verboten.)

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Der Bauer gab seiner Mutter einen Stoß, daß sie wieder in das Haus zurückflog, stürzte sich auf den Warner und schlug ihm die Faust ins Gesicht.

Roman von Nicolaus Krauß. Im dritten Sommer, den Lene im Streicher- Hof ver- Da hast! Du... Du... Taglöhner... Was hast brachte, kam die langverhaltene Wuth zum Ausbruche. Im Du Deinem Bauern dreinz'reden?!!.. Taglöhnerhäusl lagen drei Kinder krant, und die alte Der Geschlagene sagte kein Wort. Mit beiden Händen Bäuerin trug jeden Abend einen Topf voll von ihrem packte er den Sinnlosen und drückte ihn auf die Hundshütte Essen hinüber, damit sie wieder zu Kräften tämen. Schon nieder, daß ihm die Rippen krachten. Dann riß er ihn mehrere Male hatte der Bauer darüber gebrummt. An wieder empor, gab ihm zwei Dhrfeigen, daß das Feuer aus einem Samstag saß Lene im Stall beim Melken. Die den Augen flog und warf ihn wie ein Bund Stroh auf den Thür stand offen, so daß man den vorderen Theil des Hof Mist hinunter. raumes überblicken konnte. Ein Schrei, der vom Hause Der Bauer stand sofort wieder auf den Füßen und hertam, machte Lene aufsehen. Vor der Hausthüre stand lief gegen das Hofthor. die alte Bäuerin, ihr Schurz bauschte sich von dem Gefäß, Lump! Aussi aus mein Hof.. Aussi aus mein Hof!..." das sie mit der Rechten darunter hielt.

Der Bauer kam das Pflöt herauf. Lene sah es ganz deutlich. Er faßte seine Mutter am Arme und schrie ihr mit seiner rauben Saufstimme ins Gesicht:

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Was hast da? Beig!

Nig... Dös geht D'r nig an. Dös is meine

Sach! Was da haft, will i wissen!" brüllte der Bauer. Sein Gesicht war tirschbraun.

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Dös geht D'r nir an, hab i schon einmal g'sagt Geh' weg und laß mi außi!" Die alte Frau machte eine Bewegung mit der Linken. Geh', geh' und leg' Di nieder, Du hast ja schon wieder z'viel trunken... Na? Na?..." Mit beiden Händen faßte der Sohn die Mutter an den Schultern und schüttelte sie, daß sie hin und her taumelte. Wart! Dir werd i das Verschleppen eingseien. Hundertmal hab i schon g'sagt, daß ich's net leid'... Heut muß' 3 a End nehma Herr bin i!.

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Die alte Frau ließ den Topf mit der Hühnersuppe fallen und freischte, als ginge es ihr ans Leben. Leut'! Leut'! Lene! Helft mir! Der Bauer will mi nmbringa. Umbringa will er mi!

Lene zitterte so, daß ihr der Milchtopf entglitt. Aus dem Ochsenstall tam der Taglöhner.

Bauer, schämt's ent denn net?' 3 ist doch d'Mutter!"

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" Daß' s aus ist mit uns Zweien, weiß ich," teuchte der Taglöhner. Zum Neujahr zieh ich... " Heut! Sofort!... Auf der Stell! I laß' Dich aus'm Häust schmeißen! Du.. Du Taglöhner, elendiger! Probirt's! Mir scheint, da hab' i a no a Mörtl

mitz'reden.

Der Taglöhner wischte sich den Mund, holte aus dem Stall seine Müge und verließ den Hof durch die Hinterthür. Nach dem Abendessen der Bauer war nach seiner Heldenthat in all seinem Dreck und Speck gleich wieder fort­gegangen wurde Lene von der alten Bäuerin in's Neben­ftübel gerufen.

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Nur eine gründliche, rabitale Umgeftal­tung, natürlich nicht von heute zu morgen, sondern nach langer und allseitiger Vorberathung, führt in dieser Beziehung zum Biele.

einer kleinen Petroleumlampe, die ohne Brenner und Zylinder zwischen ihnen qualmte. In dem einzigen Bette rasselte und ächzte eines der franken Kinder. Die Fenster waren geschlossen, und in der Stube, die einen Estrich aus geschlagenem Lehm besaß, herrschte eine Hiße zum Umfallen. Die Magd legte das Geld auf den Tisch und sagte von wem es komme. Sofort schob die Tagelöhnerin die Hand darauf, sie hatte ein Gesicht, bleich und eingefallen, wie eine Todte. Der Taglöhner begann zu reden. Seine Stimme klang lautlos, wie erloschen.

,, Aus ist's mit' m Streicher Hof. Und mit' m Bauer auch... Aber hinausschmeißen kann er mi jetzt net. Ich tomm ihm nimmer auf'n Hof... Nein, nur das net. Die Erdäpfel, die von mir auf Staub" sind, wird er mir jetzt net aussageben... Und mit' m versprochenen Korn wird's a nix sein... Aber mein Verdient's muß er mir zahl'n, mein Lohn... Oder ich verklag' ihn Jetzt heißt's halt wieda in's Taglohn geh'n! A Herbing, wo wir hausten könna, wer'n wir schon finden."

Er drehte sein Gesicht vom Lichte weg und fuhr fort: Siehst D's, Eva, ich hab's ja gleich g'sagt, daß nig is, wie i die Hundshütten da g'sehn hab, wo ma rein haben sollen. Aber g'heirath't hat müssen wer'n."

Die Frau legte die Hand auf ihres Mannes Knie. Lorenz!.... Wir hätten ja sonst ewig Dienstboten bleiben müssen..... Du hast's ja selber g'wollt. Und wir haben doch unsere eigene Heimath g'habt

"

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" Da hast Geld, dös trägst D' dem Taglöhner' nüber, und daß sie sich was faufen tönna... Und das da, dös g'hört Und Noth und Plag' und Elend. A Hund hat's Dir... Weilst gut zu mir warst, die Jahre her.. Ich besser zieh' morgen zu meiner großen Tochter. In dem Haus Die Augen der Frau füllten sich mit Thränen. da halt's ich's nimmer aus. Net amal als Todter möcht' i Sei stad, Eva!" begütigte der Mann und fuhr ihr da mehr sein... Dem Franz wird's schon komma liebkosend über die Finger, die auf dem Gelde lagen. Ja, fomma muß' s ihm, wenn's noch a Gerechtigkeit Sei nur stad, ich sag' ja nicht's Wir müssen's giebt Moidl, schau, daß D' aus dem Hof aussi halt tragen, wie's tommt.' s wird schon gehen, wenn tommst... Gott verzeih ma die Sünd, aber der Bauer is wir all' Leibskräften 3'sammnehmen... ' s wird schon ärger wie a Räubershauptmann. Den holt nu der Teufel. gehen!..." .. Dent an mi, Moidl, daß ich Dir's g'sagt hab.

Er stand auf, ging zum Bette und neigte sich über Lene erschrat, als sie beim Tagelöhner eintrat. Die seine Kinder. Lene hatte sich geräuschlos entfernt. beiden Leute saßen am Tische und starrten in das Licht ( Fortsetzung folgt.)