Gerhart Hermann Mostar: Die Geschichte der Woche:
Was ist Wahrheit?
Bor fünf Jahren wurde in das italienische Irrenhaus Collegno ein Mann eingeliefert, welcher angab, seinen Namen vergessen und jede Erinnerung an seine Vergangenheit verloren zu haben. Seine Photographie wurde in allen italienischen Zeitungen veröffentlicht, und die Frau des im Kriege verschollenen Beronefer Profeffors Canella glaubte in ihm ihren Mann zu erkennen. Beide lebten nun jahrelang glücklich miteinander, und sie gebar ihm zwei Kinder. Da wurde der Mann auf Grund eines Steckbriefes als ein betrügerischer Buchdrucker aus Turin namens Bruneri erkannt und verhaftet.
Julia Canella kann das nicht ernst nehmen. Gie lacht die beiden Kriminalbeamten an; lacht sie aus. Aber meine Herren: Sie
müssen doch einsehen, daß das ein Irrtum ist. Ein unbegreiflicher, ein tomischer Irrtum. Ich habe vor dem Kriege mit meinem Mann zusammengelebt, jahrelang, und ich lebe jetzt seit bald fünf Jahren mit ihm zusammen: glauben Sie denn wirklich, daß man eine Frau so betrügen könnte? Also lassen Sie mir meinen Mann hier, suchen Sie Ihren Turiner Buchdrucker anderswo und gehen Sie Ihrer Wege!"
"
Wir haben den strikten Befehl, gnädige Frau Glauben Sie mir etwa nicht...?!"
"
,, Wir glauben Ihnen durchaus, gnädige Frau. Aber wir müssen unseren Instruktionen gemäß verfahren."
,, Ja
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wie fönnen Sie nur ernst bleiben? Müssen Sie denn richt felbft lachen? Warum warum lachen Sie denn nicht...? Sie können ihn doch nicht im Ernst Sie können mir doch meinen Mann nicht einfach wegschleppen, nur Ihres Irrtums wegen? Wir haben doch zwei Kinder, meine Herren, tommen Sie, ich will Ihnen die Kinder zeigen, Sie werden dann selbst sehen, daß das nicht geht.. Sie ja, was tun Sie denn warum läßt du dir denn das gefallen, warum wehrst du dich denn nicht, warum gehst du denn.. was sollen die Kinder denken... bleib, bleib'..!"
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Er ist nicht geblieben; er konnte nicht bleiben. Er ist abgeführt worden, ist vernommen worden, hat darauf bestanden, daß er jede Erinnerung an alles, was vor seiner Einlieferung ins Irrenhaus geschah, vergessen habe.
,, Sie waren schon vor dem Kriege ein Simulantengenie, Mario Bruneri!" sagt der Kommissar. All Ihre fleinen Diebstähle und Betrügereien haben Sie mit Hilfe Ihrer Verstellungskunst ausgeführt. Dies ist Ihr ganz großer Schlag. Aber Ihre phänomenale Aehnlichkeit mit Professor Canella täuscht uns nicht. Bruneri: sagen Sie uns die Wahrheit. Professor Canella ist im Felde verschollen. Sie, Bruneri: Sie und nur Sie müssen wissen, wo er geblieben ist!"
Der Kommissar tritt dicht an den Mann vor ihm heran. Er sucht den Blick der Augen hinter den Brillengläsern. Dieser Blid weicht aus, aber er zittert nicht. Nur die Haut der Backen hat irgend etwas bleich gemacht. Irgend etwas: ist das der Verdacht, der furchtbare Verdacht, der hinter den Worten des Kommissars ist? Der Verhaftete schüttelt den Kopf. Ich weiß nichts mehr von damals, Herr Kommissar. Quälen Sie mich nicht länger. Quälen Sie mich nicht länger. Entlaffen Sie mich. Ich habe zu tun."
Aber der Kommissar entläßt ihn nicht.
Der Staatsanwalt sagt:
Man suchte sie, aber man fand sie nicht.
Manche hatten sie gesehen, wie sie hart am Rande der Fußwege stand, den zitternden Fuß erhoben zum Sprung auf die Fahrstraße, über welche die Autobusse stampften, hinlauschend mit gestrecktem Kopf auf das dumpf sausende Heranrollen der großen Räder, gewiß, Kopf auf das dumpf sausende Heranrollen der großen Räder, gewiß. daß ihr Schrei in diesem Dröhnen fast ungehört verfladern würde, und doch weiterschreitend, weiterschwankend..
Andere wußten zu sagen, daß sie hingeeilt war an die Ufer des Arno, den Blick in die Glätte der Flut gesenkt, welche die sanftschimmernde, verfließende Grenze war zwischen dem schmerzgejagten
Sie antwortete nicht.
seer is.es potion?
,, Du darfst nicht verzweifeln!" sagten ihre Verwandten. Es wird Wege zur Wiederaufnahme geben. Die Wahrheit--"
Sie schüttelte lächelnd den Kopf. Die Wahrheit ist dort nicht. Sie tann dort nicht sein. Sie fann nur hier sein." Und sie zeigte auf ihre Kinder.
Man verstand sie nicht.
,, Daß ich ihn liebe, daß ich die Kinder von ihm habe, daß diese fünf Glücksjahre da sind und gemeinsam waren, das ist die Wahr
Hinflüchten hier oben und dem weichen Getragenwerden ins stumme heit. Das ist so schön, das ist so groß, daß es gleichgültig wird, ob nichts da unten; man suchte in den Wellen, aber sie brachten nichts
mit auf ihrem wankenden Wege zum Meer.
Sie blieb diesen ganzen Tag und die Nacht, die ihm folgte; am Morgen aber jagte sie die marmornen Treppen der alten Paläste hinauf, bis sie an ein Fenster tam. Sie lehnte den armen Kopf an die kühlen Scheiben und sah hinab in das wirre, unrhythmische Treiben der Straßen, und als sie so bis zum höchsten Stock des Justizgebäudes gefommen war, tat sie das Fenster auf... Aber unten, vor dem Portal, spielten Kinder. Kinder da löste sich das verzerrte Geficht, das aus dem Fenster sah, in ein Lächeln; es schien flüchtig zuerst, aber dann blieb Sie schloß behutsam das Fenster wieder zu, als könnte das Klirren der Scheiben die Kinder da tief unten im Spiele stören.
es.
er Bruneri heißt oder Canella."
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,, Du willst du willst doch nicht den Kampf aufgeben..?" ,, Ich will bei ihm bleiben. Auch wenn er ins Gefängnis geht. Er ist mein Mann, wie er auch heißen möge, ich liebe ihn, was er was er auch getan haben möge. Unser Gefühl ist größer als wir selbst, und das ist gut so. Ich will zu ihm und mit ihm sprechen; er wird mich verstehen, wer und wie er auch sei. Das ist die Wirklichkeit, und das ist die Wahrheit."
auch
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Das höchste Gericht Italiens , der Rasfationshof in Rom , wird im Prozeß Bruneri ein legtes Urteil sprechen. Wahrscheinlich wird es verurteilen. Vielleicht wird man begnadigen. Die rechte Entscheidung aber haben nicht die Richter: die rechte Entscheidung hat Julia Canella gefällt. Denn die Liebe ist größer denn die Ge
,, Rind", sagte ihre alte Mutter, als sie zu Hause anfam ,,, Rind, rechtigkeit. wo warst du..?"
Das neile Buch
Die Wahrheit über Serajervo?
Die Bedeutung des Buches von Bruno Adler:„ Der Schuß in den Weltfrieden, die Wahrheit über Serajewo"( Verlag: Died u. Co., Stuttgart , 1931) steht im umgekehrten Verhältnis zu den Anfprüchen, mit denen es auftritt. Neue wesentliche Tatsachen über das Attentat, das 1914 den Weltkrieg einleitete, werden nicht mit geteilt. Der Verfasser hat das vorhandene Material über die Vorbereitung des Attentats, über die Ermordung Franz Ferdinands , über den Prozeß gegen die Attentäter und über deren Schicksal ganz geschickt, aber mit wenig Kritik zusammengestellt. Die Quellen seiner Darstellung nennt Adler nicht. Das ganze ist im Stil einer senfationellen Detektivgeschichte gehalten. Der Verlag bemerkt ausbrüdlich auf der Rückseite des Titelblatts: ,, Alle Rechte, insbesondere das der Uebersetzung in andere Sprachen, der Uebertragung im Radio und der Bearbeitung für Film und Theater, vorbehalten." Der
Das ist Wahrheit.
Andrang der Radio- und Kinointeressenten auf dieses Buch wird, faum sehr groß sein, denn die bekannten Tatsachen über die Ereignisse von 1914 braucht man nicht gerade von Bruno Adler ab= zuschreiben. Ein herzlich überflüffiges Buch! Arthur Rosenberg .
Ollo München: Reise ins asiatische Turva") Tuwa liegt auf der geographischen Breite von Thüringen , aber im Herzen von Asien , zwischen Rußland , Mongolei und Tsungarei. Ein Land, gleich dem dritten Teil von Deutschland , reichlich unbekannt und seit einem Jahrzehnt ruffischer Gliedstaat, oder wenn man will, eine russische Kolonie mit Eingeborenenparlament als Atrappe. Mänchen- Helfen hatte Gelegenheit, mit einer russischen Regierungskommission dorthin zu reifen. In Tuwa sind zahlreiche Reste einer alten Kultur vorhanden, es gibt riesige Bewässerungs anlagen aus der Zeit um 600 n. Chr. Blonde Kirgisen waren die Erbauer dieser Anlagen. Viele interessante Fragen tauchen hier auf Heimat der Germanen, Heimat der Weißen überhaupt. Der Berfasser schildert alles recht bunt und anschaulich.
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Dr. R. Lämmel.
wFÜR DEN KLEINGÄRTNER
Frau Canella ist unseres Mitgefühls sicher. Sie ist nach mie vor überzeugt, mit Leidenschaft überzeugt, daß Bruneri nicht Bruneri, sondern Canella ist. Die übrigen Mitglieder ihrer Familie neigen zum größeren Teil zu derselben Ansicht. Das ist psychologisch verständlich. Es erscheint fast unmöglich, daß ein Buchdrucker jahre
lang einen Professor spielen kann. Und doch ist dem so. Wir haben untrügliche Beweise. Gewiß: für die Familie Canella ist es schwer, an solche Täuschung zu glauben; für Frau Canella aber ist es über menschlich. Sie will nicht an einen Betrug glauben; fie darf es gar nicht wollen; sie muß fich belügen, muß es um ihrer an diesen Mann gewandten Liebe, um der fünf Chejahre, um ihrer Kinder willen. Aber das darf Sie, meine Herren Geschworenen , in Ihrem Spruch nicht beeinflussen. Es geht hier nicht um Julia Canella, es geht um Mario Bruneri; es geht nicht um das Ergreifende dieses Lügen nüffens, es geht um die unerbittliche Wahrheit. Sie haben die Wahrheit zu finden, meine Herren Geschworenen !"
groß geworden sind von Leid und Liebe, zu dem Mann auf der
Arbeitskalender für Juni
Die heißen Tage brachten dem Kleingartenbefizer ein beträchtliches Maß an Arbeit, denn wenn bei diesem warmen Wetter nicht fleißig und ausgiebig gewässert wird, verbrennt die Sonne unbarmherzig alle die zarten Neupflanzungen. Auch den Rafen fann man nur durch regelmäßige, gründliche Bewässerung in seinem frischen Grün erhalten, sonst gibt es tahle Stellen und häßliche Brandflecken. Wird der Schnitt an solchen Tagen ausgeführt, so läßt man das geschnittene Gras zum Schutze zur Schattierung würde der Großgärtner fachmännisch sagen bis zum Abend liegen, fegt es dann zusammen und wässert die Rasenfläche gründlich. Auch im
Gemüsegarten
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gibt es in diesem Monat viel Arbeit durch fleißiges Ausjäten des gibt es in diesem Monat viel Arbeit durch fleißiges Ausjäten des Intrauts, Behacken, Behäuseln und Berdünnen. Besonders die Bertilgung des Untrauts ist von großer Wichtigkeit; läßt man die Unkräuter erst zum Samentragen fommen, dann wird man später überhaupt nicht mehr damit fertig. Heute vernichtet man mit einer
Im Juni marschiert im Gemüsegarten ein Heer ungebetener Gäste auf: Schnecken, die man in geteilten, ausgehöhlten Kartoffeln oder Rüben fängt; Engerlinge, Drahtwürmer und Erdraupen, die beim Umgraben forgfältig aufgelesen und ver der Rohlweißling( Pieris nichtet werden; Kohlraupen, wie brassicae), ber kleine Kohl- oder Rübenweißling( P. rapac), deren gelbe Gierhäufchen oder junge, noch zusammenfißende Räupchen an der Unterseite der Kohlblätter abgesucht und zerdrückt werden. Auch im
Obstgarten
heimsen wir die ersten Erträgnisse ein. Es reifen Kirschen, Brombeeren, Himbeeren, Stachel- und Johannisbeeren, Erdbeeren. Vor der Fruchtreife der Erdbeeren, deren Ranten nach wie vor entfernt werden müssen, bedeckt man den Boden zwischen den Pflanzen mit Torfmull oder Holzwolle, damit die Früchte bei Regengüssen nicht mit Erde beschmutzt werden und vor allem dem Boden die nötige Feuchtigkeit erhalten bleibt. Auf die jetzt bei den Stachelund Johannisbeeren überhand nehmenden Spannerraupen, die in wenigen Tagen alles fahl fressen, ist aufmerksam zu achten; ein wenig Ralfftaub vernichtet diese gefräßigen Schädlinge. Nach A prifofenbäume werden die Zweige, soweit es sich um Formobft handelt, wieder durchgesehen und entsprechend angeheftet. weige mit Früchten werden auf etwa drei Augen über der letzten
Die Geschworenen ziehen sich zurück. Frau Canella bleibt auf ihrem Plaz in der Zeugenbant, sie blickt mit Augen, die unnatürlich Anklagebank hinüber; aber das zarte Lächeln ihrer Lippen ist das Lächeln einer Vertrauenden. Wenn hier die Wahrheit gefunden werden soll, dann hat sie keine Furcht. Dann muß man ihr den Mann wiedergeben. Sie denkt an die Kinder, sie schmeckt die Freude Mühe und Arbeit liefert der Garten in diesem Monat für die Küche der Vollendung des ersten Triebes der Pfirsich und
daheim voraus.
Das Gericht kommt zurück. Das Urteil wird verkündet. Die Geschworenen haben den Angeklagten Mario Bruneri zu Gefängnis
verurteilt.
Frau Canella springt auf, manft, faßt sich aber, ehe man hinzuSpringt, lacht gellend, und schreit hinüber zu ihrem Mann: Wir appellieren! Wir appellieren nach Florenz !"
so
In diesen Frühlingstagen versammelte sich das Berufungsgericht in Florenz , um Recht zu sprechen, um Wahrheit zu finden. Hier wollen beide nur dies eine, höchste, nur Wahrheit: beide, Julia
Canella und das Gericht.
An ebensolchem Frühlingstage, fast zwei Jahrtausende zuvor, auch da war solch eine Gerichtsverhandlung, bei der es beiden Parteien um nichts ging als um Wahrheit. Die Menschheit hat diese Verhandlung nicht vergessen fönnen, zwei Jahrtausende lang. Da fragte der römische Richter den, der dornengetrönt vor ihm stand: ,, Warum tatest du das alles?" Und da antwortete der andere:„ Um gealterten Bolte, fragte zurüd: Was ist Wahrheit?" Und der große Mensch, der größte Mensch antwortete nicht, senkte das Haupt und schwieg
der Wahrheit willen." Der Richter aber, müder Skeptiker aus einem
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Als aber hier, in Florenz , der Staatsanwalt wiederum nach Wahrheit verlangte da schrie Julia Canella mit zerrissener, zerquälter Stimme die müden Worte des römischen Steptifers an agend dem Gericht zu:
,, Wahrheit! Was ist Wahrheit?" Und die Richter neigten den Kopf, wie sollten sie Antwort lisen, da selbst jener Wissendste geschwiegen hatte vor zwei tausend Jahren?
Und sie zogen sich zurück und kamen wieder und sprachen Mario Bruneri schuldig. Zum zweitenmal, zum vorerst endgültigen Male. Julia Canella aber weinte, wimmerte auf, riß die zitternden Hände an die hämmernden Schläfen und lief aus dem Saal, ein armes Wild, gehezt von dem unerbittlichen Jäger Gerechtigkeit, und war untergetaucht im steinernen Didicht der Stadt, ehe mitleidige Hände sie halten konnten.
schon reiche Ernten, aus dem Mistbeet und aus dem Freien: Blumenfchl, Glaskohlrabi, frühen Kopffohl und Wirsing , Kartoffeln, Spinat und Salat, Karotten, Bohnen, Erbsen, Rhabarber, Gurten, Gewürz
Beim Spargel fann man auf älteren Beeten mit dem damit aufhören, um die Pflanzen nicht zu sehr zu schwächen; die Stechen der Pfeifen bis Johanni fortfahren, dann aber sollte man hügelig aufgeworfene Erde wird nun wieder gleichmäßig auf die Beetfläche verteilt. Junge Spargelbeete und die mit Sämlingen bepflanzten Anzuchtsbeete werden gelegentlich bei trüber Witterung gejaucht. Gewürzfräuter werden in voller Blüte stehend abdanach in Kisten oder Schachteln bis zum Gebrauch trocken aufgeschnitten, an einer luftigen, schattigen Stelle gut getrocknet und bewahrt.
fräuter und Spargel, gu
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bieten
and Der Kleingärtner sollte sich auf einmal intensiver mit dem Anbau von Heilpflanzen beschäftigen, der viel zu sehr vernach lässigt wird. Derartige Heilkräuter in erster Linie ist an Pfefferminz, römische Kamillen, Melissen usw. gedacht, für deren Einfuhr jährlich Millionen deutschen Geldes ins Ausland wandern eine sehr willkommene und aussichtsreiche, in jedem Falle rentabie Erwerbsmöglichkeit. Eine besonders günstige Voraussetzung für die angeratenen Kulturen ist der ertragreiche Moorboden, den man sich gegebenenfalls mit Hilfe von Torfmull selbst schaffen tann. Speisetürbisse fletternder Sorten müssen fortwährend an ihren Geländerftäben nachgebunden werden, ohne daß dabei die Ranten verdreht werden dürfen. Auch die Erbsen müssen mit starken Stüßreisern gestiefelt werden, zu den Stangenbohnen Stangen gestellt werden. Neue Aussaaten von Binterendivien, Herbstrettichen, Radies( im Halbschatten) und Blätter- und Rosenkohl merden vorgenommen, dgl. von Kopfsalat, Sommerrettichen, Erbsen, 3werg- und Stangenbohnen, Rüben. Die früher erfolgten Saaten von Möhren, Paftinaten, Zichorien, Wurzelpetersilie usw. werden behadt und verdünnt, so daß sie auf 15 bis 25 Zentimeter zu stehen fommen. Monatsradieschen und Sommerrettiche werden zur Samenzucht auf 30 Zentimeter verzogen und bei trockener Witterung gründlich gegossen, um das Abfallen der Blüten zu verhindern und den Samenanjaz zu fördern,
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Frucht zurückgeschnitten, wodurch nun der Saft den fräftig wachsenden Früchten zuströmt. Gleichzeitig wird auch das Ausdünnen der Früchte, sobald diese die Größe einer Erbse erreicht haben, vor= genommen. Zuerst nimmt man nur da etliche weg, wo sie gehäuft beisammen stehen, später, wenn sie die Größe von Stachelbeeren
erreicht haben, verdünnt man sie nochmals und zum dritten Male vor Abschluß der Steinbildung. Bei Busch- und Formbäumen des Kernobſtes beginnt man mit dem Ausdünnen des überflüssigen Fruchtansages, sobald die Früchte etwa firschgroß sind; sie sitzen in Dolden zu 4 bis 6 Stück zusammen, von denen schließlich, wenn man feines Tafelobst ziehen will, nur 1 bis 2 bleiben dürfen.
Die Pflege des Ziergartens
ist von der im vorigen Monat nicht verschieden. Die Gehölzgruppen müssen, sobald sich wieder Unkraut zeigt, behackt werden, verpflanzte Bäume und Sträucher des Abends gegossen werden. Feinere Koniferen find an heißen Tagen für eine Brause sehr dankbar. Knollen und Zwiebeln verblühter und verweltter Ranunkeln, Anemonen, Hyazinthen und Tulpen werden aus den Beeten genommen, zum Nachreifen eingeschlagen, und nachdem sie eingezogen sind, zum Abtrocknen in einer, trockenen, luftigen Kammer ausgebreitet. Rosen find gegen Meltau und Rost bei Windstille, warmem, sonnigen Wetter mit Schwefelblüte einzupudern oder mit einer Lösung der verschiedenen Schwefelpräparate zu bespritzen, gegen Läuse mit Tabakbrühe.ss
Es beginnt jegt im Garten ein reicher, herrlicher Blütenflor. zahlreiche Stauden und fast alle Sonnenblumen wetteifern in Farben- und Formenpracht; für die stolzen Gartengehölze ift der Juni der Hauptblütemonat. Rosen, Flieder, Schneeball, Weigelien, Spiraeen, Robinien, Alpenrosen, Roßkastanien u. a. m. entfalten jetzt ihren ganzen Blütenreichtum.
So ist im Juni Mühe und Arbeit, Freude und Lohn gerecht verteilt. Erinnern wir uns aber noch einmal an die Stadtmenschen, die am Sonntag hungrig in die Natur hinausfahren, so bleibt uns der Garten als Quell reinster Freuden.
H. Fr. Pohlenz.