Der Skandal
von
Scheuen
Blick auf die Gerichtsverhandlung in der Turnhalle zu Lüneburg mit den Fürsorgezöglingen. Oben links: Der Hauptangeklagte Direktor Straube.
Die Sensation der heutigen Verhandlung im Prozeß gegen den früheren Direktor des städtischen Erziehungsheims Scheuen, Straube, und die mitangeklagten Zöglinge ist die Bernehmung des früheren Leiters der Anstalt, Straube. Man wirft ihm vor, sich der schweren Körperverlegung schuldig gemacht und die groben, zum Tode eines Zöglings führenden Mißhandlungen der Jugendlichen durch andere Zöglinge geduldet und begünstigt zu haben. Ueber seine Person sagt Straube aus, daß er seminaristisch vorgebildeter Lehrer sei. Er wurde vor 33 Jahren in den Staatsdienst übernommen und war zunächst in der Umgebung von Elbing als Lehrer beschäftigt. Später wurde er nach Berlin berufen. Schon frühzeitig interessierte er sich für das Fürsorgeerziehungswesen, 1908 war er von der damaligen Sport- und Badedeputation mit dem Ausbau der Spiel- und Sportpläge Berlins beauftragt. Nach seiner Rückkehr aus dem Felde bekleidete er mehrere Jahre lang den gleichen Posten, um dann zur Leitung DON Schul erholungsheimen berufen zu werden. Hier hatte er durch
schnittlich 1000 Kinder zu betreuen, es find in jener Zeit keinerlei Klagen über ihn laut geworden. Das Heim Nest bei Küstrin , das auf dem Prinzip der Selbstverwaltung aufgebaut war, unterdas auf dem Prinzip der Selbstverwaltung aufgebaut war, unterstand ihm, und auch in dieser Stellung gab es feinen Anlaß zu Beschwerden über Straube. Erst in Scheuen erwies es sich, daß Straube einer ihm gestellten Aufgabe nicht gewachsen war. Wie weit ihn die Schuld an den empörenden Zuständen, die in Scheuen herrschten, trifft, wird sich in der Verhandlung herausstellen müssen. Vor allem wird geklärt werden müssen, ob Straube sich nur unfähig zeigte, oder ob er, wie man zu vermuten versucht ist, böswillig gehandelt hat.
Die Haftentlassung aller Angeklagten, die gestern vom Gericht beschlossen und von uns im Morgenblatt mitgeteilt wurde, ist inzwischen durchgeführt worden. Man erinnert sich an das peinliche Aufsehen, das der Umstand hervorrief, daß alle Angeklagten, die Zöglinge, die mißhandelt wurden, ebenso wie die Zöglinge, die mißhandelt haben, in Haft waren, während nur der Hauptverantwortliche Direktor Straube sich der Freiheit erfreutc.
Die Aerzte warnen
Notverordnung und Volksgesundheit
In Köln war dieser Tage die Hauptversammlung des Verbandes der Aerzte Deutschland s. Der Aerztetag wurde eingeleitet mit einem Appell an die Weltöffent Lidh feit, worin mit Ernst und Nachdrud hingewiefen wird auf. die Berwüstungen der Bolts gesundheit durch die mit der. Reparations last und der Wirtschaftskrise verbundene Maffennot. Durch die Auswirkungen der neuen Notverordnung, so betonte der Beauftragte der ärztlichen ärztlichen Spizenverbände Dr. Ha eden tamp= Berlin in seinem Ueberblick über die Fragen der Sozialpolitik, werde der allergrößte Teil des Volkes mit Sicherheit der wirtschaftlichen und sozialen Berelendung entgegengeführt. Gegen die unmittelbare Bedrohung der Arbeitsund Leistungskraft des deutschen Volles erhebe die deutsche Aerzteschaft ihre warnende Stimme. Am Krantenbett ihres Volkes appellierten die deutschen Aerzte an die Tatkraft der deutschen Regierung und an die Einsicht der Reparationsgläubiger. Die auf den Bestimmungen des Versailler Vertrages begründete internationale Sozialpolitik, die sich den Schutz der Arbeitskraft und die allgemeine Berbreitung der sozialen Versicherungseinrichtungen zur Aufgabe gemacht habe, müsse jeden Sinn und jede Wirkung verlieren, wenn die Reparationslaften zum fortschreitenden Wirtschaftszerfall der Völker und zu einer unabsehbaren Steigerung der Arbeitslosenziffern führten.
Der Warnung der deutschen Aerzteschaft vor den unheimlichen Folgen der Massennot für die Volksgesundheit müssen vor allem die in ihrer Lebenskraft am meisten gefährdeten werktätigen Massen beipflichten. Den von oben her unter Druck gesezten Krankentassen bleibt nichts anderes übrig, als schließlich um jeden Preis auch die Kosten für die Heilbehandlung einzuschränken. Unter dem 3wang der Berhältnisse haben sie schon vor längerer Zeit die Regierung darauf aufmerksam gemacht, daß die Kosten für ärztliche Behandlung im Verhältnis zur allgemeinen Einschränkung der Kassenausgaben zu hoch sind. Diese Mahnung blieb jedoch bei der Ausarbeitung der Notverordnung unberücksichtigt. Das dem Kassenvorstand eingeräumte Recht, für den Schluß eines Kalendervierteljahres unter Umständen, wenn die Ausgaben für ärztliche Behandlung oder für die Arznei- und Heilmittel das erträgliche Maß überschreiten bisher mußte beides der Fall sein durch Kündigung der Verträge einen Druck auf die Kassenärzte zweds Senkung der Ausgaben auszuüben, ist mit soviel Sicherungen zugunsten der Aerzte umfleidet, daß praktisch dabei so gut wie nichts herauskommt.
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Die Leidtragenden werden also die Versicherten sein, und die Versicherten haben auch die Folgen der Einschrän tung des Selbstverwaltungsrechts der Krankenkassen durch die Notverordnung zu tragen. Die Aufsicht über die Finanzgebarung der Krankenkassen ist durch die Notverordnung nur zu dem Zweck verschärft worden, um einem weiteren Leistungsabbau den Weg zu ebnen. Dem Reichsarbeitsminister wird das Recht gegeben, allgemein vorzuschreiben, daß jede Beitragserhöhung bei Krankenkassen der Zustimmung des Oberversicherungsamtes bedarf. Dazu kommt, daß der Reichsarbeitsminister die Befugnis erhält, die Oberversicherungsämter zur Anordnung einer Aende rung des Beitragssages einer Krankenkasse zu bevol= mächtigen. Das alles bedeutet praktisch, daß den Kassen das Recht der freien und selbständigen Beitragsfestsetzung auch innerhalb des durch die RVD. gezogenen Rahmens genommen wird.
Den Rassen bleibt, wie die Deutsche Krankenkasse", die Zeitschrift des Hauptverbandes deutscher Krankenkassen, betont, nur noch das Recht übrig, sich so unpopulär zu machen wie nur möglich. Das Organ des Hauptverbandes appelliert an den Reichsarbeitsminister. daß nur dort von ihm und den Oberversicherungsämtern zugegriffen werde, wo offensichtlich Rassenorgane fich ihrer Aufgabe nicht gewachsen zeigen. Jedenfalls dürften die berechtigten
Der Butab in der Krise. Proteft gegen die Notverordnung.
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Vor den Funktionären der technischen Angestellten und Beamten ( Butab) sprach am Freitag in den Germaniajälen der Bundesvorsigende Genosse Schweizer über das Thema: ,, Der Butab im Sturm der Krise".
Die Techniker werden von der Rationalisierung, zu deren Durchführung sich die Unternehmer in erster Linie der Arbeitskraft der Techniker bedienten, am stärksten betroffen. Vom 1. Juli 1929 bis Ende Mai dieses Jahres ist die Zahl der stellungslosen Mitglieder von 2607 auf 11 147 gestiegen. Diese fatastrophale Zunahme der Arbeitslosigkeit fonnte auf die Finanzen des Butab natürlich nicht ohne Einfluß bleiben. Wurden zum Beispiel in dem gleichfalls schweren Krisenjahr 1926 insgesamt 614 000 Mart an Stellungslosenunterstützung ausgezahlt und im Konjunkturjahr 1927 nur 146 000 Mart, so waren es allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres rund 528 000 Mart.
Dieser Entwicklung mußte der Bundesvorstand begegnen, da sich sonst bis zum Jahresschluß eine Unterbilanz von etwa 558 000 Mark ergeben hätte bei einem Vermögensbestand des Bundes von etwas mehr als 1½ Millionen Mart. Der Bundesvorstand mußte daher die Erhebung eines Sonderbeitrags der noch in
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Arbeit stehenden Bundesmitglieder von 25 Pf. bis 1 Mark monatlich beschließen und gleichzeitig neben anderen Ausgabendrosselungen in geringem Umfange auch eine der Einschränkung Stellungslosenunterstügung. Nach dem Voranschlag für das Jahr 1931 bleibt dann immer noch ein Fehlbetrag von über 4 Million Mark, der aus dem Bundesvermögen gedeckt werden muß. Die Bundesleitung war der Ansicht, daß die Mitglieder, die noch Beschäftigung haben, dieses Opfer im Interesse der Erhaltung des Bundes und aus Solidarität mit ihren stellungslosen Verbandsfollegen ohne Murren auf sich nehmen werden.
Genosse Echweiger ging dann noch ausführlich auf die Not verordnung vom 5. Juni ein. Dabei unterließ er es nicht, den Ernst der politischen Lage, der auch in der Stellungnahme der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zu der Notverordnung zum Ausdruck gekommen ist, frei von jeder Illusion aufzuzeigen. Seine mit zwingender Logik gerade zu diesem hochpolitischen Thema vorgetragenen Ausführungen stimmten auch die Wortrevolutionäre nachdenklich, die sonst mit Paientlösungen immer schnell zur Hand sind. Bon wenigen Ausnahmen abgesehen, billigten in der Diskussion die Funktionäre die Maßnahmen des Bundesvorstandes zur Erhaltung der Schlagkraft ihrer Organisation. Gegen wenige Stimmen nahm die Versammlung eine Entschließung an, in der sie gegen die sozialen Härten der Notverordnung protestiert und die Erwartung ausspricht, daß die freigewerkschaftlichen Spizenorganisationen den Kampf gegen den unsozialen Inhalt der Notverordnung mit allem Nachdruck so lange fortsezen, bis die. Beseitigung des schweren Unrechts, das der deutschen Arbeitnehmerschaft in ihr zugefügt wurde, erreicht ist.
Schlichtungsversuche in Nordfrankreich.
Der Arbeitsminister hat heute mit Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer des nordfranzösischen Tegtilgewerbes verhandelt, um zu versuchen, in dem seit Wochen dauernden Streif eine Einigung herbeizuführen. Seine Bemühungen sind zwar ergebnislos geblieben, er beabsichtigt aber, die Schlichtungsversuche demnächst fortzusetzen.
Wetter für Berlin : Wechselnd bewölkt, ohne erhebliche NiederFür schläge. Am Tage mäßig warm, nordwestliche Winde. Deutschland : In der südwestlichen Hälfte ziemlich heiter und troden, in der nordöstlichen Hälfte leicht veränderlich mit Abfühlung.
Theater der Woche.
Bom 21. bis 29. Juni Volksbühne.
Theater am Bülowplay: Lumpazivagabundus. Staatstheater.
I Staatsoper Unter den Linden: 21. Die ägyptische Helena. 22. Fürst Igor. 23. Intermezzo. 24. Eine Nacht in Benedig. 25. Das Rheingold . 25. Die Waltüre. 27. Die Macht des Schicksals. 28. Der Zigeunerbaron, 29. Siegfried. Staatsoper am Blag der Republit: 21. und 28. Carmen. 22. und 24. Aus einem Totenhaus. 23. Pericole. 25. Rigoletto . 26. Madame Butterfin. 27. und 29. Falstaff.
Stäbtische Oper, Charlottenburg : 21. Madame Butterfly . 22. Zauberflöte . 23. Hoffmanns Erzählungen. 24. Tannhäuser. 25. Carmen. 26. und 28. Das Spigentuch der Rönigin. 27. Die lustigen Weiber von Windsor ( legte Vorstellung vor den Ferien).
Staatliches Schauspielhaus: 21. und 29. Cecil Rhodes . 22. und 27. Gök von Berlichingen. 23. Portugalesische Schlacht. 24. Nora. 25. Prinz Friedrich von Homburg. 28. Das nürnbergische Ei.
Staatliches Schiller- Theater: 21., 22., 27 und 29. Haus Herzenstod. 23. und 26. Liebe auf dem Lande. 33 Minuten in Grüneberg, 24. Die Journalisten. 28. Der Richter von Zalamea.
Theater mit festem Spielplan: Kurfürstendamm- Theater: Die schöne Helena. Deutsches Theater : Der Hauptmann von Röpenid. Die Komödie: Dienst am Kunden, Theater in ber Stresemannstraße: Gestern und heute. Komödienhaus: Schwengels. Komische Oper: Frauen haben das gerne Deutsches Künstlertheater: Jntimitäten. Metropol- Theater: Die Toni aus Wien . Rose- Theater: Bis 25. Der wahre Jatob. Ab 26. Der Herr mit dem Fragezeichen. Rose- Theater ( Gartenbühne): Der Hutmacher Gr. Durchlaucht. Theater in der Klosterstraße: Die Hole. Wintergarten, Plaza, Stala: Internationales Barieté. Reichs. hallen- Theater: Stettiner Sänger. Theater am Rottbuffer Tor: Elite- Sänger. Nachmittagsveranstaltungen:
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Rose Theater: 28. Der Herr mit dem Fragezeichen. Rose- Theater ( Garten. bithne): Ronzert und Varieté. Theater in der Klosterstraße: 21. 16 Uhr. Kleine Stlavin. 28. 15% Uhr. Erdgeist. 17 Uhr. Büchse der Pandora. Wintergarten: 21., 27., 28. Internationales Barieté. Plaza, Stala: Inter . nationales Varieté.
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Erstaufführungen der Woche:
Donnerstag. Schiller Theater: Der Richter von Salamea. Freitag. Schauspielhaus: Das nürnbergische Ei.- Rose Theater: Der Herr mit dem Fragezeichen.
Verantwortl.. für die Redaktion: Herbert Lepere, Berlin ; Anzeigen: Th. Glode, Berlin . Berlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S., Berlin . Drud: Borwärts Buch druckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage.
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