Beilage 380 Dienstag, 7. Juli 1931
Professor d. soz. Hygiene a. d. Universität Berlin:
Der Abend
Wohnen im Flachbau
Im ,, Abend" vom 30. Juni 1931 hat Walter Gropius , einer unserer führenden Baumeister und deshalb sehr ernst zu nehmen, sich für den Bau von zehnstöckigen Wohn hochhäusern ausgesprochen. Wenn er sich dabei auf die bessere Rentabilität stüßt, so mag dem nicht widersprochen werden, obgleich sie nicht hinreichend erwiesen ist. Wenn er jedoch die gesundheitlichen Vorzüge dieser Turmbauten für kleine Wohnungen preist, so fordert das denn doch den Widerspruch des Hygienifers heraus, der dazu nicht schweigen darf. Licht und Luft bietet auch der Flachbau. Die von Gropius in den Vordergrund seines Lobes gestellten Grünflächen, die der Turmhausbau gewähren soll, nützen gesundheit lich dem wenig, der aus einer käfigartigen Kleinwohnung im so und so vielten Stockwerk durch Doppelfenster auf sie herniederschaut. Der Mietsfasernentypus, den wir leider und im Gegensatz zu England vor dem Kriege der schnellen Wandlung Deutschlands vom reinen Agrarftaat zum überwiegenden Industriestaate in unseren Groß- und Mittelstädten vorherrschend haben werden lassen, hat den für die Zukunft wertvollsten Teil unserer städtischen Bevölkerung, nämlich die Kinder und die heranwachsende Jugend von der frischen Luft, der Sonne und den übrigen für die kräftige Entwicklung des Körpers unerfeßlichen Lebensreizen, welche die Natur und nur dieſe bietet, in steigendem Maße abgedrängt. Die Verbreitung der Rachitis und der Blut armut , die unsere gesamte städtische Kinderwelt und einen großen Teil auch der Erwachsenen schon äußerlich kennzeichnet, ist auf die Absperrung von der Natur zurückzuführen. Sie wird nicht eher meichen, als bis wir gelernt haben werden, auch die Bewohner der Städte wieder in eine selbstverständliche, ungefünftelte Berbindung
Man hat sich dadurch zu helfen gesucht, daß man im Untergeschoß des Baublocks Räume mit anschließenden Spielplätzen für einen Kindergarten vorsah, dessen Benuzung den Familien, die den Baublock bewohnen, zur Verfügung steht. Aber auch dieser Ausweg befriedigt den Hygienifer nicht, ganz abgesehen von den mit ihm verbundenen großen Kosten und Umständlichkeiten. Eine Massenansammlung von Kindern in Krippen und Kindergärten ist weder vom gesundheitlichen Standpunkte bedenkenlos wegen der damit verbundenen Gefahr der Ansteckung mit Masern, Scharlach, Diphtherie und Keuchhusten, sondern auch vom erzieherischen. Denn erfahrungsgemäß entwickeln sich Kinder, die von frühester Jugend on während des ganzen Tages unter einer Aufsicht stehen, welche immer etwas Schulmeisterliches an sich hat, nicht annähernd so selbständig, fröhlich und nervengefund, wie das für solche selbst verständlich ist, die sich im selbstgewählten Spiel oder in sorgloser Masse ihrer Freiheit hingeben dürfen.
Das Anrecht der Erwachsenen
Auch die Erwachsenen haben ein Recht darauf, nach einer einförmigen und deshalb besonders ermüdenden Tagesarbeit und einem in der Regel langen stumpfsinnigen Weg zur und von der Arbeitsstelle spärliche Mußestunden nicht bloß in den wenigen Quadratmetern zubringen zu müssen, die ihnen die käfigartig abgeschlossene kleine Korridorwohnung einer Mietstaserne bietet. Man sollte nicht außer acht lassen, daß die Wohnung gegenwärtig nicht mehr wie in den Zeiten, als der Großvater die Großmutter nahm,
mit Natur und frischer Luft zu bringen. Jede Stadterweiterung Professor Dr. Chajes, M. d. L.:
sollte dazu benutzt werden. Denn die Lebensreize, die der Aufenthult in frischer, bewegter, abwechsenld feuchter oder trockener Luft gewährt, sind für die Gesundheit des Menschen und namentlich die vollkräftige Entwicklung des Kindes und Jugendlichen ganz unersetzlich.
Die Nachkriegssituation
Bereits im letzten Jahrzehnt vor dem Kriege machten sich Bestrebungen bemerkbar, den infolge verfehlter Bauordnungen entstandenen Mietsfasernentypus wenigstens bei den Stadterweiterungen durch den weiträumigen Wohnungsbau abzulösen. Nach dem Kriege schien es sogar, als ob die enorme Verteuerung des Baumaterials den Hochbau für Wohnungen überhaupt und das Kleinhaus zwangsläufig zur Gelbſtverſtändlichkeit werden würde. Tatsächlich find auch viele
seit dem Kriege gebauten städtischen Wohnungen als Siedlungen in Gestalt von Reihenhäusern, Eigenheimen oder fleinen Doppelhäusern gebaut worden. Aber leider machen sich gerade in den letzten Jahren wieder Bestrebungen bemerkbar, den alten Wohnfajernenbau, menn auch in der verbesserten Form der Randbebauung eines Bloces mit großem Innenhof, wieder in Aufnahme zu bringen. Es ist deshalb die Pflicht des Hygienikers, auf das nachdrücklichste zu betonen, daß die gesundheitlichen Borzüge des Flachbaues ganz unerfeßlich sind.
Die Architekten haben den begreiflichen, aber nicht ungefährlichen Wunsch, an großen Objekten ihre Kunst zu zeigen. Die Abwandlung des Kleinhauses bietet höchstens in der Raumverteilung, faum aber in der Fassade noch irgendwelche Aufgaben, die den nach Neuem, Eigenartigem, Nochniedagewesenem lechzenden Baufünstler zu reizen vermöchten. Ganz anders das Hochhaus. Hier kann man sich bereits beim Entwerfen, Zeichnen und Modellieren künstlerisch ausleben und schon auf dem Reißbrett Maßen gegenüberstellen, Fassaden entfalten und Fenster, Türen und Balkone zu einer Sinfonie gestalten. Daran, daß in dem schließlich vollendeten Gebäude jahrhundertelang Familien wohnen, Kinder aufwachsen und Greise, Kranke, Ermüdete sich erholen sollen, wird der Baufünstler, wenn überhaupt, doch nur ganz flüchtig
denken.
Gar zu wenig wird von allen, die am Städtebau verantwortlich mitzuwirken haben, an die große Lebensdauer eines Hauses gedacht. In unseren alten westelbischen Städten wohnen noch heute unzählige Familien in dünnen Fachwerkhäusern, die schon zu Luthers Zeiten standen. Gar unsere neueren, aus Stein, Eisen und Beton gebauten Häuser haben eine so gut wie unbegrenzte Dauer. Wenn es wirklich wahr ist, was bisher noch nicht bewiesen wurde, sondern von zahlreichen Sachverständigen bestritten wird, daß der Bau von Mietstafernen 15 oder 20 Broz. billiger ist als die Erstellung von zweistöckigen Reihenhäusern, Eigenheimen und Doppelhäusern, so würde diese Ersparnis sich doch nur für die un= mittelbare Gegenwart auswirken, allen tommenden Gnerationen aber zum Unsegen werden. Ist nicht mit der geringen Ersparnis von 10 bis 20 Proz. der Baukosten die Aussperrung der Bewohner eines Hochhauses von den Reizen der frischen Luft für 10 bis 20 Generationen gar zu teuer erkauft? Die typische Familie, für die 95 Proz. der fehlenden Wohnungen bestimmt sind, ist doch die minderbemittelte städtische Familie, in der Kinder ohne Hilfe von Dienstboten
aufgezogen werden sollten.
Um den Auslauf der Kinder
Gern soll von hygienischer Seite zugestanden werden, daß der Wohnungshochbau von den führenden Architekten, die zur Zeit für ihn eintreten, anders geplant und stellenweise auch bereits ausgeführt worden ist, als das in den Jahrzehnten vor dem Kriege geschah. Namentlich die großen gemeinnüßigen Baugesellschaften haben dort, wo sie glaubten, nur im Hochbau rationell bauen zu können, den Typus einer Blockbebauung ausgebildet, bei dem unter Fortfall aller Seiten- und Hintergebäude nur der Rand des Grundstückes fünfstöckig bebaut ist, während die Mitte einem großen gemeinsamen Hof überlassen bleibt. Aber auch dort, wo diese Fläche nicht, wie das häufig zu beobachten ist, aus unfeligem Schmuckbedürfnis mit Anlagen und Rasenflächen, die von Kindern nicht betreten werden dürfen, bedeckt ist, sondern wirklich den Kindern als Spielplatz preisgegeben wird, fann ein solcher großer Innenhof doch niemals den Kindern den freien, aufsichtslosen Auslauf ersetzen, den ein wenn auch noch so kleiner Hausgarten gewährt.
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Shalausgabe des Vorwants
der Arbeit und dem Beruf dient, sondern für die rüstig Arbeitenden beiderlei Geschlechts der Erholungsort ist oder doch sein sollte. Diesen Zweck erfüllt sie in einem ungleich höheren Maße, wenn sie dem Bewohner gestattet, vor die Tür zu treten, sich mit den Nachbarn zu unterhalten, bei gutem Wetter im Freien zu fizen und Bekannte im eigenen fleinen Garten zu empfangen.
Zu den wenigen Freuden, die das Greisen alter noch kennt, gehört gewiß die Möglichkeit, sich an Sommerabenden mit einem Stuhl vor die Haustür sehen zu können oder sich bei gutem Wetter im Garten zu beschäftigen. Das gleiche gilt von den an chronischen Krankheiten leidenden Personen, die man auch nicht dauernd in den engen abgeschlossenen Korridorwohnungen hinter Schloß und Riegel sizen lassen kann, und gilt nicht weniger von den schwangeren Frauen und den stillenden Müttern wie überhaupt von den Hausfrauen im allgemeinen.
Gerade weil wir heute nicht imftande sind, wirklich geräumige, ihren Bedürfnissen entsprechende Wohnungen den minderbemittelten Wohnungsuchern zur Verfügung zu stellen, sollte wenigstens das einzig wertvolle Ausgleichsmittel der Engräumigkeit, nämlich die Erdnähe der Kleinwohnung, unter allen Umständen gewahrt werden. Mit welch großem Aufwand von Scharfsinn und Forscherfleiß auch Raumtiefe, Raumhöhe, Belichtung und Raum
verteilung erforscht und umstritten werden, man sollte darüber nicht vergessen, daß ihre Wichtigkeit verschwindet gegenüber der Forderung der Erdnähe.
Frauenärzte/ Geburtenregelung
schaffung der Schuhmittel und deren Einsegung auf einfache Notwendigkeitsbescheinigung des Arztes auf ihre Kosten übernehmen. Es muß ferner die Kenntnis der Schutzmaßnahmen Fürsorgerinnen und Sozialbeamten theoretisch, Studierenden und Aerzten theoretisch und praktisch gelehrt werden". Prof. Fränkel richtete gerade an die Leiter der Frauenkliniken und Entbindungsanstalten die Mahnung, daß sie ihre Schüler mit der aktiven Schuhtherapie vertraut machten. Man kann heute nicht mehr an
Als vor wenigen Monaten zwei Stuttgarter Aerzte wegen Ab-| nis der Aufsichtsbehörden für die Krankenkassen, daß sie die Bes treibung angeflagt wurden, erhob sich in Deutschland ein Proteststurm gegen dieses Vorgehen und in zahllosen Versammlungen und Aufsätzen in der Presse der verschiedensten Barteien wurde eine den modernen Anschauungen entsprechende Aenderung des berüchtigten§ 218 verlangt. Diesem Protest schlossen sich auch Kreise an, denen man beim besten Willen eine ,, margistische Weltanschauung" nicht zum Vorwurf machen kann. Gelehrte mie der Jurist Professor Mittermaier Gießen und Geheimrat Mar Fischer- Dahlem forbett Deber leistischen 18 henkist eine grün fordern in der Deutschen Wochenschrift" liche Aenderung des§ 218, anfehnliche Aerztegruppenes sei nur an Hamburg und die Berliner Aerztinnen erinnert propagieren noch viel weitergehende Forderungen. Während der internationalen Frauenwochen im April dieses Jahres haben die Genossinnen in Hunderten von Versammlungen nachstehende Resolution über die ärztlich gebotene Unterbrechung der Schwanger schaft und die Geburtenregelung angenommen:
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,, Eine Abtreibung liegt nicht vor, wenn ein Arzt eine Schwangerschaft unterbricht, wenn es nach den Regeln der ärztlichen Kunst zur Abwendung einer Gefahr für das Leben oder die Gesundheit der Mutter erforderlich ist, und wenn es nach den Regeln der ärztlichen Kunst notwendig ist, um die Geburt eines fiechen oder geistig minderwertigen Kindes zu verhindern, wenn es notwendig ist, um einem schweren wirtschaftlichen Notstand für das zu erwartende Kind vorzubeugen, oder wenn die Schwängerung bei Verübung von Notzucht, Schändung, Blutschande oder Unzucht mit Kindern eingetreten ist." Es wird ferner im Interesse einer vernünftigen Geburtenregelung ohne Gefahr für Freiheit, Leben und Gesundheit die weiteste Verbreitung der Kenntnis der Technik des präventiven( empfängnisverhütenden) Geschlechtsverkehrs durch Ausbau der Ehe und Serualberatungsstellen" gefordert. alten Reichstage ähnliche Anträge eingebracht hat, wird auch von neuem entsprechende Anträge im Reichstage stellen.
Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, welche bereits im
Man sollte nun meinen, daß gerade die Kreise, welche sich in besonderem Maße mit den Fragen der Bevölkerungspolitik und Bolksgesundheit zu befassen haben, vor allem die Aerzte, an all diesen Fragen nicht achtlos vorübergehen und ihren rückschrittlichen ablehnenden Standpunkt gegen jede Revision des§ 218 aufgeben
würden.
Weit gefehlt! In einer Ansprache anläßlich des 50. Aerztetages in Köln betonte der ständige Beauftragte der ärztlichen Spizenorganisationen, der frühere deutschnationale Reichstagsabgeordnete Dr. Ha e dentamp, vor den Pressever tretern die bekannte ablehnende Haltung in der Frage der Schwangerschaftsunterbrechung aus wirtschaftlichen oder eugenischen Gründen, wobei er auf die Gefahr der Bergreifung" des deutschen Volkes hinwies.
Professor Fränkel vor den Gynäkologen Während hier der offizielle Vertreter der deutschen Aerzteschaft im Gegensatz zu einzelnen Aerztegruppen den reaktionären ablehnenden Standpunkt gegen eine Milderung des§ 218 zum Ausdruck bringt, zeigte sich in Frankfurt a. M. auf der„ 22. Tagung der deutschen Gynäkologen" vom 27. bis 30. Mai d. J. ein noch schlimmeres Bild. Der Breslauer Frauenarzt und Direktor der Universitätsfrauenklinik Professor 2. Fränkel war aufgefordert worden, ein Referat über das Thema„ Sterilisierung und Konzeptionsverhütung" zu erstatten. Er ging von der Tatsache aus, daß in Anbetracht der jetzigen Lebensbedingungen weiter Boltsschichten ein theoretisch und praktisch gleichmäßig anzuerkennender Schutz gegen zu starke Fortpflanzung mit allen Mitteln der Wissenschaft eifrig gesucht werden muß, weil sonst die Abtreibung sofort in Kraft tritt. Das ist die furchtbare Gefahr, in der wir leben, und in der wir lieber das fleinere Uebel, die Vorbeugung, in Kauf nehmen müssen, als den künstlichen Abort und die Zunahme von Geschlechtsfrankheiten und Minderwertigkeit oder Sterblichkeit der Kin= der." In richtiger Konsequenz tritt Prof. Fränkel für die Vermendung von unschädlichen Schuhmitteln ein und wendet sich gegen die vom Gesez vorläufig noch verbotene Anpreisung derselben als 3um unzüchtigen Gebrauch bestimmt". Er verlangt den Ausbau von Einrichtungen für Schwangerschaftsverhütung und die Erlaub
bieſen Dingen vorbeiſehen und sie möglichst zu ignorieren versuchen.
Es genügt aber auch nicht, der Frau zu sagen, sie solle zusehen, daß fie fobald nicht wieder schwanger werde, sondern man muß überlegen, welches Schutzmittel das geeignetste iſt."
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Wie berechtigt diese Mahnung Fränkels ist, zeigt eine Arbeit von Frau Dr. Goldmann Bollnhals, der früheren Leiterin der Schwangerenfürsorge des Verbandes Berliner Krankenkassen, die an fünf geradezu erschütternden Beispielen zeigt, wie zwar in Entbindungsanstalten und Kliniken den Frauen der Rat erteilt murde ,,, feine Kinder mehr zu bekommen", ihnen aber keinerlei Anweisung zur Schwangerschaftsverhütung ge= geben wurde.
Das Echo
Selten ist auf einem wissenschaftlichen Kongreß ein Referent so angegriffen worden, wie Prof. Fräntel von seinen engsten Fachfollegen, den Universitätslehrern. Der Bonner Professor für Frauenheilkunde von Franqué erklärte( nach dem Bericht des Deutschen Aerzteblattes"), in Zeiten der Wirtschaftsnot müsse sich der ethische Hochstand eines Volkes durch Beherrschung des Trieblebens" offenbaren; Enthaltsamteit sei die Parole, sie sei das Ideal, das auch durch den Arzt gefördert werden müsse. Durch Geburtenverhütung ohne ärztliche Indikation gebe man dem Volk das Mittel zum langsamen Selbstmord in die Hand. Die Gesellschaft für Gynäkologie dürfe nicht die Verantwortung übernehmen, die Konzeptionsverhütung aus anderen als rein ärztlichen Indikationen genau wie bei der Schwangerschaftsunterbrechung zu empfehlen.
Der Würzburger Direktor der Frauenklinik Prof. Gauß hielt eine Kapuzinerpredigt unter dem Motto„ Wohin steuern wir" gegen die herrschende Sittenverderbnis an der Hand einer im Bild vorgeführten Sammlung erotisch- pornographischer Titel von Film- und Theaterstücken. Er scheint recht aufklärend unter den versammelten Frauenärzten gewirkt zu haben, denn der Redakteur des Aerzteblattes schreibt, daß das Material den meisten Anwesenden wohl bisher unbekannt geblieben war! In flammenden Worten wies Prof. Gauß auf die Auswüchse der feruellen Revolution, der zügellosen Genußsucht auf allen Lebensgebieten hin. Gegenüber diesen Berfallserscheinungen müsse der Arzt die Unwandelbarkeit der Sittlichkeitsanschauungen betonen. Die Geburtenprävention als das kleinere Uebel zu erklären, sei eine abwegige lebens fremde Deduktion.
Als dritter im Bunde gesellte sich der Tübinger Ordinarius Prof. Mayer hinzu. Er wetterte gegen die wachsende Lockerung der Sittlichkeitsbegriffe; hiergegen müsse angegangen, und nicht den Forderungen der Masse nachgegeben werden. Die Riesenzahl der Abtreibungen, mit der man agitiere, sei nur geschäßt, nicht erwiesen. leber ber erschütternden Not vieler Menschen dürfe nicht vergessen werden, daß die Wirtschaftswissenschaft einen gegen früher gehobenen Standard festgestellt habe. Die Aerzte müßten, wenn sie nicht zu Totengräbern unserer Zukunft werden sollen, der auf Konzeptionsverhütung gerichteten Zeitströmung entgegen treten, denn diese sei nur ein Teil des Prozesses, der auf die Auflösung von Familie und Staat hinzielt. Die Aerzte müßten Führer bleiben im Kampf um die Erhaltung der sittlichen Güter. Auch der Berliner Ordinarius Prof. Stödel, der sich immerhin vorteilhaft von seinen genannten Kollegen unterscheidet, indem er menn auch sehr ungern die Zulässigkeit der Schwangerfchaftsverhütung wegen sozialer Notlage anerkennt, will dem Druck der Deffentlichkeit gegenüber Front machen.
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Im Gegensatz zu diesen ihren Kollegen betonten die Professoren Pantom Freiburg, Füth Köln und Hennemann- Ham burg , daß die Frauenärzte die Berater der Frauen seien, die ihnen
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