Die Beifetzung des erschossenen Polizeiwachtmeisters
Polizeivizepräsident Dr. Weiß hält am Grabe die Gedenkrede
Die Golddiskontbank.
( Fortsetzung von der 1. Seite.)
witterten in der durch die Notverordnung umgestellten Golddiskontbank einen neuen Konkurrenten und forderten mit Unterstügung des Reichswirtschaftsrates, daß der Bank einzig und allein Geschäfte gestattet werden dürften, die mit der Finanzierung der Ausfuhr zusammenhingen. Die Regierung gab aber den Forderungen des Bankkapitals nicht nach. Die Erinnerung an diese Konkurrenzmanöver des Banffapitals ist heute um so notwendiger. als das Privatfapital bereits jetzt versucht, seine Selbsterhaltungsattion politisch auszumünzen.
Der Scharfmacherfonzern. 3m Kampfe gegen die Textilarbeiterschaft.
Der großen Konzernbildung unter Führung der Norddeutschen Wolltämmerei", die mit einem Aktienkapital von 32,2 Millionen Mart im Jahre 1927 arbeitete und von 24 Millionen Kammgarnspindeln etwa 550 000 Kammgarnspindeln beherrschte, folgte im Jahre 1927 der Versuch, die deutsche Textilarbeiterschaft auf die Knie zu zwingen.
Die Norddeutsche legte einen großen Streifabwehrfonds an und ging mit Einstweiligen Verfügungen und Schadenersagflagen gegen den Deutschen Textilarbeiter verband vor. Von den 23 000 Arbeitern der Norddeutschen ſtanden 23.000 im Mai 1927 35 Proz, im Streit. Nach Beendigung des großen Textilarbeiterkampfes erhöhte der Konzern am 23. Juni seine Dividende von 6 auf 10 Pro 3, trotzdem ihm der Streik erhebliche Ausfälle gebracht hatte. Die ,, Norddeutsche" verklagte den Berband wegen unfittlicher Handlung, weil der Textilarbeiterverband trog der später aufgehobenen einstweiligen Verfügung die streifenden Textilarbeiter mit Brot und Effenmarten unterstützt
habe.
Die von dem Norddeutschen Wollkonzern mit so großem Aplomb eingeleitete Echarfmacherei zur Bernichtung der Tertilarbeiter organisation scheiterte an der Geschloffenheit der Tertilarbeiter. Der ,, Norddeutsche" ift in Grund und Boden gewirtschaftet, der Deutsche Tertilarbeiterverband ist unerschüttert aus dem ihm aufgezwungenen Kampfe auf der ganzen Linie hervorgegangen.
Nordwolle 2% Prozent.
Börse sehr schwach- stärkere Kurseinbrüche. Eine Auswirkung der Selbstrettungsaktion der Wirtschaft auf die heutige Börje war nicht zu verspüren. Im Gegenteil waren heute auf den verschiedensten Aktienmärkten schwere Kurseinbrüche zu verzeichnen. Den Anlaß zu den Kursverlusten gaben Gerüchte über umfangreiche ausländische Effettenverkäufe und Schwierigkeiten einer deutschen Großbank. Die Aktien des Norddeutschen Wollkonzerns, die Ende Mai noch über 40 Pro 3. nofierlen, sind auf Grund des fatastrophalen Zujammenbruchs und der Veröffentlichungen über die verheerende Geschäftsleitung der Konzernmagnaten bis auf 2% Pro3. gcfunten.
Kind ermordet!
Einem 10jährigen Mädchen die Kehle durchschnitten.
Wolded( Medl.), 8. Juli. ( Eigenbericht.)
Am Dienstagnachmittag wurde in dem zwischen Friedland und Wolded gelegenen Siedlerdorf Pasenow die zehnjährige Tochter Hildegard des Siedlers Schmidt in der Wohnung ihrer Eltern ermordet. Das Verbrechen erfolgte, während die Eltern auf dem Felde waren. Als der Verbrecher von dem zehnjährigen Mädchen, das mit seiner jüngeren Schwester allein in der Wohnung war, eine Hoje verlangte und dieser Forderung nicht entsprochen wurde, nahm er das Kind und schnitt ihm mit dem Küchenmesser die kehle durch. Der Täter, der bald nach der Tat verhaftet werden konnte, ist ein Landstreicher, der verschiedene Namen angibt, so daß seine Personalien bisher noch nicht endgültig feffgestellt werden konnten.
Personalien bisher noch nicht e
Franzen stellt sich.
Unter öffentlichem Druck.
Der braunschweigische Naziminifter Franzen, der wiederum im Begriffe stand, fich der gegen ihn gerichteten Anklage wegen Begünstigung durch eine nochmalige Bertagung feines Prozesses bis auf weiteres zu entziehen, hat sich am Dienstag gegen abend unter dem Druck der öffentlichen& rifit an feinem Ber. halfen gegenüber den Berliner Gerichtsbehörden bereit erklärt, a m Sonnabend vor Gericht zu erscheinen.
Postflugzeug in der Mongolei notgelandet.
Nach einer in Berlin eingegangenen Meldung der Deutsch - chinefischen Luftverkehrsgesellschaft Eurasia hat am 2. Juli ein Post. flugzeug dieser Gesellschaft auf der Strecke Nanting- Mandschuria m der äußeren Mongolei aus Witterungsgründen eine Zwischenlandung vornehmen müssen. Die entsprechenden Schritte zur Frei gabe des Flugzeugs sind nach Mitteilung der Eurasia eingeleitet
worden.
Nach einer anderen Meldung aus Shanghai soll das Postflugzeug von einem mongolischen Stamm in Besitz genommen worden sein. Das Schicksal der beiden deutschen Piloten ist unbekannt. Ein. Hilfsflugzeug entdeckte das Poftflugzeug, von mongolischen Soldaten umgeben, die auf die zur Hilfe eilende Maschine Schüsse. abgaben.
Schönwetter in Sicht.
Temperaturen um 15 Grad gesunken.- Morgen aber wieder Sonne!
Das gestrige heftige Abend gewitter hat einen erheblichen Temperaturrüdgang zur Folge gehabt. Heute mittag wurden nur 15 Grad Wärme gegen 30 Grad um dieselbe Zeit am Vortage ge= messen.
Ein weiterer Temperaturrüdgang ist jedoch nicht mehr wahrscheinlich, vielmehr steht mit der zu erwartenden Wetterbesserung ein langsamer Temperaturanstieg in Aussicht. Die starken Regenfälle werden vermutlich schon in den nächsten Stunden gänzlich aufhören. Morgen wird der Himmel zwar noch meist bewölkt sein, mit Niederschlägen ist aber kaum zu rechnen.
Das Tiefdruckgebiet, das gestern über Mitteldeutschland lagerte, ist nordwärts abgezogen und liegt mit seinem Kern heute über der Pommerschen Bucht. An der Südseite dieses Tiefs strömten gestern falte Luftmassen entlang, die auch die Ursache des gestrigen Unwetters waren. In vielen Teilen Deutschlands , außer dem Westen, Süden und dem äußersten Norden, sind gestern erhebliche Regenmengen niedergegangen, die zum Teil zu Ueberschwemmungen geführt haben.
Die Haussuchungen in Kiel . Nazigeschäftsstelle wieder freigegeben.
Die Haussuchung in der Geschäftsstelle der Kieler National sozialisten ist am Dienstagnachmittag beendet worden, so daß die Polizei die anfänglich versiegelte Geschäftsstelle wieder frei gab. Außer dem Ortsgruppenleiter der Kieler Nazis ist auch der Kieler Geschäftsführer der NSDAP . verhaftet worden.
99 Stalins Schwenfung
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STALIN
Jeff
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sva
: Wie wäre es, Towaritsch Stalin, wenn Sie mich von jekt ab richtig herum lesen wollten?!"
Auf der Tagesordnung der heutigen Landtagsfigung steht das Boltsbegehren des Stahlhelms auf Landtagsauf Ben den großen Werten verloren 3. G. Farben acht Punkte fung. Damit perbunden sind die kommunistischen Anträge zum und stellten sich auf 127 gegen 135 Pro3., faliwerte- Wesler- Verbot der Spartakiade und die deutschnationale Anfrage wegen des egeln gingen von 126 bis auf 119 und Salz deth furt, die bis Verbots der Uebertragung der Stahlhelmfeier in Breslau auf den auf 182 Proz. janten, verloren gegenüber dem geftrigen Schlußlurs Rundfunk. fogar 14 Pnutte. Julius Berger Tiefbau war mit 184 gegen 190 Pro3. gleichfalls außerordentlich schwach.
Auch auf dem Wentenmarkt herrschte Angebot vor. Die Säge für Tagesgeld blieben mit 8 bis 10 Proz. und die Säße für Monatsgeld mit 7% bis 9% Proz. unverändert hoch.
Die Devisenforderungen, die nach den Abflüssen am Montag mit etwa 80 Millionen Mark gestern auf etwa die Hälfte jurüdgegangen waren, haben sich auch heute weiter verringert. Nähere Angaben waren bis zum Redaktionsschluß noch
nicht zu erhalten.
noch
Der Stadtverordnetenversammlung wird heute eine Dringlichkeitsvorlage des Magifirats zugehen, in der die Bersammlung ersucht wird, falls bei den Prolongationsverhandlungen über den BBG.- kredit die Bürgschaft der Stadt Berlin gefordert werden sollte, diese zu gewähren.d
Gelbstmord im Verkehrsministerium.
Amtmann im Büro erschossen aufgefunden. die erst jetzt bekannt wird, hat gestern abend ber 41jährige Ministerialamtmann Karl Kagel aus der Breitestraße 58 in Botsdam in feinem Bürozimmer im Reichsverkehrsministerium Selbstmord durch Erschießen verübt. Die Tat wurde gegen 19 Uhr entdeckt. K. hatte sich einen Kopfschuß beigebracht, der den sofortigen Tod herbeigeführt haben muß. Wie es heißt, ist Kagel, der offenbar fiber feine Berhältnisse gelebt hat, megen wirtschaftlicher SchwierigTeiten aus dem Leben geschieden.
Minifterialrat Strunden vom preußischen Staatsministerium erklärt, daß das Berbot der Uebertragung der Stahlhelmkundgebung auf den Rundfunk auf Weisung der preußischen Staatsregierung erfolgt sei.( Großer Lärm rechts.) Der Stahlhelm habe sich in den parteipolitischen Kampf gestürzt, und der Rundfunt diene nach seinen Richtlinien leiner Partei. Die preußische Staatsregierung halte den Stahlhelm für um so weniger geeignet, nationale Einigkeit zu fördern, als er sich demonstrativ von der Einweihung des Ehrenmals für die Kriegsgefallenen ferngehalten hätte.( Hört, hört! links, großer Lärm rechts.)
Zunächst ein paar Worte zu den verbundenen Gegenständen. Wir billigen das Verbot der Spartakiade.( Lärm- und Wutausbrüche bei den Kommunisten.) Schuld an diesem Berbot sind lediglich die Kommunisten selbst.( Erneuter Lärm.)
Dig fyftematische Gewalthehe der kommunistischen Presse hat in Berlin zu schweren Bluttaten geführt und müßte, wenn sie geduldet würde, Explosionen mit unabsehbaren Folgen herbeiführen. ( Sehr wahr bei den Sozialdemokraten.) Die Staatsregierung tut politischen Rampfes energisch entgegentritt. Die beiden in Berlin er nur ihre Pflicht, wenn sie diefer Berrohung und Demoralisierung des mordeten Schutzpolizeibeamten waren organisierte Sozialdemokraten, waren unsere Barteigenoffen. Wir würden uns selbst aufgeben, wenn wir nicht mit aller Bestimmtheit erklärten:
Die Toleranz der Demokratie hat da ihre Grenze, wo die Freiheit zu blutigen Gewalttaten mißbraucht wird.( Lebhafter Beifall bei den S03.)
Ebenso billigen wir das Berbot der Rundfuntübertragung der Stahlheimfeier. Die Heizbotschaften des Stahlhelms und feine Demonftrationen mit dem Ertronprinzen an der Spize haben schon zuviel außenpolitisches Porzellan zerschlagen. Das antinationale Wirken des Stahlhelms noch durch offiziöse Einrichtungen wie den Rundfunk zu fördern, fann einer vernünftigen Regierung gar nicht in den Sinn kommen!( Sehr richtig! bei den S03.) Der Redner spricht weiter.
Bolkspartei will Ministeraussagen erzwingen.
Der Rechtsausschuß des Preußischen Land. tages beschäftigte sich mit der Großen Anfrage der Volkspartei, die davon ausging, daß das preußische Staatsministerium den Ministerpräsidenten Dr. Braun, den Justizminister Dr. Schmidt und den ehemaligen Innenminister Grzesinsti die Genehmigung zur Zeugenaussage vor dem Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages untersagte, der feststellen sollte, inwieweit Beamte ihre Anstellung zur Beeinflussung des Ergebnisses des„ Boltsbegehrens" Freiheitsgesetzes mißbraucht hätten. ds
Es wurde Auskunft verlangt, welche Nachteile nach Ansicht des Staatsministeriums bei Beantwortung der einzelnen, den drei Ministern vorgelegten Fragen für das Wohl des Reiches oder eines deutschen Landes zu erwarten gewesen seien. Ein Regierungsvertreter erflärte, er fönne nur die Ausführungen des Ministerpräsidenten im Plenum wiederholen, daß die Regierung die Anfrage nicht beantworten könne. weil sonit Staatsintereffen verlegt Frage kommenden gesetzlichen Bestimmungen für zu weitführend würden. Abg. Dr. Kriege( D. Bp.) hielt die Auslegung der in und beantragte einen Beschluß, wonach die Regierung us. tunft erteilen solle.
Dieser Antrag wurde abgelehnt und die Große Anfrage mit den Stimmen der Regierungsparteien durch die von der Res gierung gegebenen Erflärungen für erledigt erflärt.