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.Axel Staftmutfen: JtliS

Gewöhnlich ist da« L»b«n genau so schwer, wie man«» sich macht. Und da» bedeutet, daß ein Mann wie Heinrich Gnade, der gewöhnt ist, durch eine unglückliche, fast möchte man sagen, patho- logisch« Anlage oller Lorgänge und Geschehnisse des Daseins bis ins Letzte zu zerdenten und zu zergrübeln, nie zu einer rechten Freuds an eben diesem Dasein kommt. Er hatte fast fünfzig Jahre gewartet, ehe er sich entschloß, zu heiraten. Und nach weiteren drei Jahren begann er bereits dar» über nachzudenken, warum er geheiratet hatte. Gewiß," dachte er,Helga ist schön, jung, nicht über ein er- trägliches Maß hinaus dumm. Sie besitzt was sehr selten ist Takt des Herzens und Takt der Seele. Sie drängt sich mir nicht auf, sie hat Achtung vor meinem Wunsch meinem häufigen Wunsch nach Einsamkeit. Aber lieb ich sie denn?" Ost beobachtete er sie mit der verstohlenen Heimlichkeit eines schlechten Gewissens. Heiter und fröhlich wie ein schönes Tier ging sie durch sein Haus, in jenem vollkommenen inneren Gleichgewicht, das nur solche Menschen besitzen, bis. von Skrupeln und Bedenken nicht belastet sind. Sie spendete Ihm jene wohl abgewogene kühle Zärtlichkeit, die dem vorzeitig verbrauchten Gelehrten, dem leiden- schaftlichen Denker und müden Träumer genügte. Und wenn das, was er noch zu bieten vermochte, in seinen späteren Jahren, nämlich väterliche Zuneigung zu der jungen, kameradschaftlichen Anteilnahme, gutmütige» Gewährlassen, ihr nicht genügte, so zeigte sie es doch nicht. Viele andere Männer an Gnades Stelle wären sehr glücklich ge- wesen. Gnade war es nicht. Zum Glücklichsein muß man eine Ver- onlagung mit in» Leben bringen, die diesem Manne vollkommen abging. Aber er war natürlich auch nicht unglücklich. Er war überzeugt, daß Helga die beste Frau für ihn war. Sie hatte ihr« Mängel, gewiß. Aber sicher weniger al» jede ander« Frau, die irgendwie in Betracht kam. Sie stellte keine Ansprüche an ihren Mann, die Gnade nicht hätte befriedigen können. Aber da sie nun einmal so eng mit seinem Leben verbunden war, hielt der Mann es für nötig, sein Verhältnis zu dieser schönen Frau zu überdenken. Er war überzeugt, noch wenigen Jahren schon, I daß er sie nicht aus Liebe geheiratet hotte. Das Problem beschäftigte den Mann um so mehr, als es von jeher sein Stolz und sein Ziel gewesen war, nichts zu tun ohne einen hinreichenden Grund. Diesem Grunde kam er nahe, als eine Krankheit ihn, den Zarten, immer Anfälligen und zu Ertrankungen geneigten, auf» Lager warf. In den langen Nächten, wenn die rote Ampel ihr mattes. warmes Licht verstreute, wenn Helga unermüdlich, freundlich, mit gütigem Zuspruch auf und nieder ging, ihm die tausend kleinen Handreichungen gewährte, die eine Krankenpflege notwendigerweise mit sich bringt, in diesen Nächten, wo das Fieber ihn nicht schlafen ließ, kam Gnade endlich zu der Erkenntnis:Ich habe sie ou« Angst geheiratet." - Er lächelte getröstet und ein bißchen verworren.Ja aus Angst", dachte er. Die Angst vor diesem einen, Ungeheuerlichen, da» sich aller Erkenntnis so hartnäckig widersetzte, und durch da« doch seder auch der Schwächste, der Armseligste, der Mutloseste noch hindurch mußte? Unweigerlich hindurch mußte? Ja, die Ueberzeugung, es müßte gut sein, in der Stunde de« Tode » jemanden bei sich zu haben, der einem die Hand hält, den Schweiß van der Stirn trocknet, ihm sagt: was dir auch geschieht du bist nicht ollein, diese Ueberzeugung war e» wohl, die ihn in die Ehe getrieben hatte, die ihn z« diesem jungen Mädchen ge- trieben hatte, das jetzt sein« Frau war. Sie war dreißig Jahre jünger sie würde, nach menschlicher Voraussicht, ihn überleben. Sie würde bei ihm sein, wenn es galt zu sterben. Vorläustg zwar, vorläufig dachte er noch nicht daran. Es sah anfänglich bös« genug aus mit ihm: er hatte keinen sehr Widerstands- fähigen Körper doch dann erholte er sich überraschend schnell. Er war schon wieder aufgestanden er war heiterer und aufge-

schlössen«? al» je vordem, al« ein unerwarteter Rückfall ihn wieder niederwarf. Dieses Mal ging es zu Ende. Gnade spürte es. Er brauchte nicht das Gesicht de» Arztes, nicht das Antlitz seiner Frau zu studieren, um es zu wissen. Er spürte den Griff de» Todes an seiner Kehle, er spürte ihn an dem Herzen, da» in wahnsinniger Angst alle Kraft zu letztem tobenden Widerstand zusammenraffte. Aber er wollt« die Angst überwinden. Er würde nicht einsam sterben und das war gut. Fast vermochte er zu lächeln vor Be- friedigung darüber, daß er nicht so ganz allein dem Tode Auge in Augen gegenüberstehen würde. In einer Nacht durch das offene Fenster des Kranken- zimmers kam ein süßer Duft von Gräsern und Blumen und da« leise, selige endlose Zirpen der Grillen, die im Garten ihre Lieder probierten, in dieser Nacht rief Gnade seine Frau an sein Lager, nahm ihre Hand in seine feuchten, schweißbedeckten Finger und sah sie lange und ernsthaft und gütig an. Helga", flüsterte er mit röchelnder Stimme.Jetzt geht es zu Ende.. Die Frau wollte widersprechen. Aber er schnitt ihr das Wort ab.Bemühe dich nicht", sagte er.Ich weiß, daß es zu Ende geht. Ich täusche mich nicht. Es wird bald keine Brücke mehr sein von dir zu mir ich gehe fort, dorthin, wo es keine Wiederkehr gibt. Haft du... willst du mir noch irgend etwas sagen?" Er wußte wohl, warum er diese Frage stellt«. Er wollte sie bestätigt sehen, er wollte hören, daß sie ihn liebe, ihn bemitleide, daß sie Schmerz trage um ihn. Cr wollt« sich ihres Herzens ver- sichern, wollte die Gewißheit haben, sie würde ganz bei ihm sein in dieser letzten schweren Stunde. Auch mit ihrer Seele, auch mit ihrem Herzen. Denn er hatte große Angst. Aber die Frau deutete den ernsten dringenden Blick seiner Augen anders.Er ist ein guter", dachte sie mit innerlichem Schluchzen.Immer war er gut zu mir. Gewiß hat er mich auch geliebt, auf seine Art. Warum betrog ich ihn? Er weiß, daß ich ihn betrog. Seinen Augen sehe ich an, daß er es weiß. Nun will er, daß ich es gestehe daß nicht die Lüge zwischen uns stehen soll in dem Augenblick, da wir für immer voneinander scheiden. Er wird mir verzeihen." Und sie gestand. Getrieben von ihrem Gewissen, mit stockender,� lallender Zunge, in Pausen, nach Worten suchend, sagte sie ihm alles.' Der Mann sank bei jedem Satz, den sie sprach, tiefer in seine Kisten zurück. Seine Augen quollen heraus, er ächzte dumpf. Nein das hatte er nicht erwartet. Er, der seine Liebe abgeleugnet hatte, in der Tiefe seines Herzens hatte er fest auf ihre Liebe zu ihm ver- traut. Sie hatte ihn betrogen und er hatte es nicht gewußt. Sie war neben ihm hergegangen und hatte zu ihm gesprochen, hatte ihn angelächelt, und zuweilen zärtlich gestreichelt. Aber Worte und Lächeln und Zärtlichkeit galten einem anderen und er hatte es nicht gewußt. Sie hatte sein Vertrauen getäuscht und noch jetzt, in dieser Stunde, senkte sie den Stachel schmerzender Eifersucht tief, tief in die Brust de« Sterbenden. Hinaus", stöhnte der Mann mit röchelnder Stimme, als die Frau endlich, endlich I geendet hatte, und wies mit bebender Hand nach der Tür.Hinaus!"... Erschrocken, betroffen, zitternd sah die Frau ihn an. Sie wollte sprechen, betteln, erklären. Aber vor den drohenden Augen des Mannes bekam sie Angst. Langsam, Schritt für Schritt, das Gesicht dem Kranken zugewendet, ein vpn Tränen überschüttetes, nasses Gesicht, näherte sich der Tür, verließ das Zimmer. Und dann fiel der Mann, erschöpft von den Erregungen der letzten Minuten, zurück in die Kissen. Fester preßte die unsichtbare Hand seine Gurgel, größer und größer wuchs die letzte Angst in seinem Herzen. Er warf sich hin und her. Schweiß perlte über feine Stirn, in die Augen trat ein seltsam brennender Glanz. Und dann starb er. Ganz allein starb er seinen einsamen Tod...

S)er£eih baut die Seele

Dem Wort Schillers:Es ist der Geist, der sich den Körper baut" stellt die moderne Pfychologie den Ausspruch Nietzsches ent- gegen:Stele ist nur ein Wort für ein Etwas am Leibe." In einer soeben im Morrte-Berlag zu Hannover erschienenen SchriftDie Seele ist Leib" führt der bekannte Arzt und Psychologe Dr. Paul Cohn eine Fülle von Tatsachen dafür an, daß olles Seelische nur Ausdruck leiblicher Vorgänge ist, und gewährt uns damit einen über- raschenden Einblick in die Zusammenhänge unseres Befindens mit unserer Stimmung. Sa ist da» S e l b st b e w u ß t s e i n meist eine Folge des Ge- fühls«ine« kräftigen Körpers. DiesesStaturgefühl" verleiht einer wuchtigen Erscheinung auchGewichtigkeit" de« Auftretens.Hinden- burgs mächtiger Körper allein," sagt der Verfasser,würde da» massive Selbstbewußtsein und damit die robuste körperliche Unterlage auch seiner seelischen Person mit sich bringen. Bismarck « Selbst- bewußtsein ist ohne seinen starken Körper nicht zu denken." Ein weiterer Faktor de» körperlichen Selbstgefühls ist da« H a l t u n g s- g« f ü h l des Menschen. Von der Haltung gehen stärkste Ströme rückwärt» zum Gehirn aufwärts, die Kraft geben und Kraft nehmen. Besonder« wichtig ist die Kopfhaltung: ein zurückgeworfener Kopf allein erzeugt ein Gefühl von Stolz, während der nach vorn hängende Kopf auch seelischkopfhängerisch" wirkt. Stärker noch wirkt das Zurückwerfen des Körpers, und schon das senkrechte Aufrichten des Rückens, das Zurückbeugen des Ober- körpers beim Bergsteigen, das bloße Zurückgedrücktwerden durch «inen- starken Wind von vorn ruft Gefühle von Kraft und Selbst- sicherheit hervor. Diese seelische Wirkung der Haltung wird sodann durch die S i tz m ö b e l bedingt. Steife, hohe, schmale Stühle, die zu fenkrechter Rückenhaltung zwingen, machen steif, reserviert, aristokratisch". Breite niedrige Sitzgelegenheiten, in denen man sich bequem zurücklegen kann, verleihen Behaglichkeit und innere Ruhe. Lehnsessel noch ein Gefühl der Sicherheit. Beim Thronsesiel gibt die Erhöhung de» Sitzes das Empfinden derErhabenheit". Ein Sofa macht auch seelischbequem", und noch mehr ein Diwan, auf dem man sich immer weiter zurücklehnt. Sehr wichtig für die Seelenstimmung ist der Gang,«in Pro- bukt au» Körperbau, Muskelkraft und Nervenkraft: auch von ihm strahlen rückwärt» stärkste Empfindungen in da» Gehirn hinein. Schwere» Gehen macht schwer, leichtes leicht. Selbst dl« Unterschiede de« Lustdruck« nach oben oder unten wirken merklich auf diese Geh- gefühl««in. Einem schwebenden Gang entspricht ein« schwebende Seele. Beim Schreiten, von dem so viel für da» Seelisch« des Menschen abhängt, tritt das Mustelgefühl in Tätigkeit, und der Schritt" unserer Gedanken wird durch unsere Sangart bestimmt, dt« sehr verschieden ist. je nachdem e» sich um«inen yreilustmenschen oder um einen Stubenhocker handelt. Stach stärker stud die stelisthen Erregung«, die vom Tanz aus-

strahlen, weil es einstmals die stärksten Luftgefühle des menschlichen Gehirns waren, die zumTanz der Glieder führten". Neben dem Muekelbewußtsein wirkt als feinste Feder des Organismus das Neroenselbstbewußtsein mit, das den Grad der Ausdauer oder Ermüdbarkeit bestimmt und dem Menschen das Gefühl der Sicherheit oder der Schwäche verleiht. Das Gefühl der Schwere oder Leichtigkeit, das vom Körper aus- geht, kann durch die Kleidung weitgehend beeinflußt werden. Schwere Kleidung macht nicht nur den Körper, sondern auch die Seele schwer. Leichte leicht. Der Panzer gab einst das Gefühl der gesicherten Kraft: die steife Offizier»unisorm mit ihrem hochgeschlosse- nen Kragen zwang zur steifen Haltung de« Rückens und des Kopfe», oerlieh ihrem Träger eine Stimmung der Strenge, derAutorität". Der lange Rednerrock, der hochgeschlossene Rock de» Geistlichen wirken in ähnlicher Weise. Da» den Körper wohlig umfließende griechische Kostüm bestimmte die Leichtigkeit de» griechischen Wesens, der griechischen Kunst. Der Schlafrock stimmt nichtleicht", sondern salopp. Ob man Pantoffeln oder eng anliegende Stiefel trägt, ist für da» Allgemeingefühl von Bequemlichkeit oder Straffheit schon wichtig. Da» enge Schnüren der Stiesel wird mit von dem unbe- wußten Trieb geleitet, von den Füßen her ein Spannungsgefühl zu bewahren. Art und Sitz des Hutes wirken in ähnlichem Sinne. Der Zylinder gibt dem Kopf einsteiferes" Gefühl als der weiche Hut und wird daher bei ernsteren Gelegenheiten gewählt. Beim Hut kommt auch sehr wesentlich mit in Betracht, wie weit«»"die Stirn beschattet, bedrückt oder sie frei läßt. Die freie Stirn macht auch die Seele frei, während der Druck über den Augen als Hemmung empfunden wird. Da» frei« Bergvolk der Tiroler trägt nicht nur das kleine leichte Lodenhütchen, sondern auch dieses noch so hoch und schräg, daß die frei« Stirn ein Gefühl der Leichtigkeit und Unter- nehmungslust verleiht. ITläufe Jlrmeen auf Wanderung Eine in Eharbin erscheinende russische Zeitung weih von dem seltsamen Abenteuer einiger amerikanischen Jäger zu berichten. Mehrere Amerikaner begaben sich in da» westliche Gebiet der oft- chinesischen Eisenbahn, um dort Tiger zu sagen. Unweit der Station Archan trafen die Jäger ungeheure Scharen von Mäusen, die aus der Mongolei in der Richtung nach Chingan wanderten. Dieses unheimliche Mäuseheer bewegt« sich auf einer Front von etwa 40 Kilometern. Es waren unendliche Reihen kleiner grauer Mäuse. Alles, was den Nagetieren im Weg« stand, wurde vertilgt. Die Jäger wurden von einem panischen Schrecken ergriffen und liefen kopslo» vor dem Ansturm der Mäuse davon. Sie tonnten nicht schlafen und liefen zwei Tag« lang, ehe sie sich au« dem Bereich der Mäuseoffevpve retten könnt«».

.Kurl Ulielhke

Sottkonirone

Sieh mal rasch hin", sagte James und deutete mit den Augen nach dem Herrn, der aus dem Abteilfenster lehnte. Uno?" fragte Betty. Aehnelt er nicht sehr dem verdammten Lewis?" Keine Spur". Was tut er? Ah. er kauft Kirschen. Hm, hm, Lewis würde keine Kirschen kaufen, höchstens Schnaps. Wenn das Lewis wäre. weißt du, Betty, das wäre mir verflucht unerwünscht. Bor dessen Rochgier habe ich doch so wo» wie Angst." Ich weiß nicht. James, aber ich habe so ein dummes Vor- gefühl, als ob die Geschichte schief gehen würoe. Die Zollrevision soll doch so unglaublich streng sein an dieser Grenze". James steckte sich grinsend eine Zigarette an.Das einzige was man von deinem sogenannten Vorgefühl sagen kann, ist, daß es wirNich dumm ist. wie du es selbst genanrn hast. Du kennst meine Frechheit doch eigentlich zur Genüge!" Was nützt dir die ganze Frechheit, wenn sie das Paketchen mit oen Diamante finden!" jammerte Betty. James gähnte und würdigte Betty keiner Antwort mehr. sondern streckte sich auf den Polstern des Abteils aus, das er mit Besto zusammen inne hotte, und schloß die Augen, als sich der Zug langsam in Bewegung setzie. Er schlies auch totsächlich ein, und erst, als ver Zug an der Grenze hielt, wachte er wieder auf. Betty saß ihm nervös gegenüber und slüfterte:Sie müssen xileich kommen". Wer?" gähnte James.Wer muß kommen?" Die Zollbeamten". James sprang auf und steckte die Hand in die rechte Hosen- tasche. Dann begab er sich an die Tür des Abteils und spähte hin- aus. Aha, da kamen sie, gleich zu viert.Pässe, bitte" James reichte seinen Paß hin. der aus den Namen Ted Charleatown nebst Frau Mary lautete."Tut nur leid. Mister Charlestown," sagte der Beamte,aber wir müssen Sie bitten, uns zu folgen. Das gleiche gilt für ihre Gattin". Wohin?" feixte James. In den Durchsuchungsraum. Wir haben behördliche An- Weisung, das Gepäck eines Reisenden Ted Charlestown genau zu durchsuchen. Well die Gefahr besteht, daß ein bekannter Hochstapler. der sich unter diesem Namen verbirgt, versuchen wird. Diamanten einzuschmuggeln." Betty stieß«inen gut gemachten Entrüstungsschrei aus.Soll ich etwa auch untersucht werden?" Bedaure, gnädige Frau, aber ich muß tun, nxis meine vorge- setzte Behörde von mir verlangt. Sie iveroen überdies von einer Beamtin visitiert werden." Also, Kind, nun rege dich nicht auf," sagte James mit schmal- ziger Stimme.Du weißt, daß wir der Disitation mit größter Ruhe entgegensehen können, aus dem furchtbar einfachen Grunde, weil ich außer ein paar Zigarren nichts Zollpflichtiges Habel" Lächelnd und den neuesten Tonfilmschlager trällernd, folgte er zwei Beamten, während die beiden anderen die weitrre Kantrolle des Zuges übernahmen. Man führte ihn in einen hellen Raum mit hohen Fenstern. Das gleiche geschah mit Betty. Beide mußten sich bis aus» Hemd ausziehen und bei beiden wurde nicht», aber auch nicht der geringst« Diamantsplitter gefunden. Das gesamte Gepäck des Ehepaares Charlestown vmrde ourchwühlt. Gefunden wurde nichts. Ein besonders pfiffiger Zollbeamter nahm sich die fünf Zigarren vor, die James ironisch als einzige« zollpflichtiges Gut bezeichnet hatte, drückte sie, knautschte st«, schnitt sogar probe- weise eine davon auf, um nachzusehen, ob vielleicht etwa« Zollpflich­tiges darin säße alles mit negativem Ergebnis. Man wußte James und Betty mit Entschuldigungen entlassen. Betty war selbst sprachlos.Wo hast du die Diamanten bloß hingesteckt?" fragte sie. Mein Geheimnis." lachte James.Aber ich will es dir trotz. dem sagen." Und er flüsterte ihr in» Ohr:Es kamen doch vier Zollbeamte in unser Abteil, nicht wahr? Well, die beiden, die uns begleiteten, kamen nicht in Frage. Aber einer von den beiden anderen, die für die Zugkonttolle zurückblieben, kam t» Frage. Siehst du ihn? Dort steht er; es ist der Mann mit dem blonden Schnauzbart." Was meinst du eigentlich?" flüsterte Betty. Na also, dem habe ich die Diamanten in die Tasche gesteckt." »Du bist wahnsinnig l" Ablosut nicht! Was willst du da sind sie am sichersten Und jetzt werde ich sie mir wiederholen. Paß auf, wie ich das machen werde. Schatzl" James holte die vier Zigarren au» seiner Tasche und ging auf den Mann mit dem blonden Schnauzbart zu.Hallo, lieber Freund, bin so ziemlich malträtiert worden von dieser Zoll- station. Da Sie unbeteiligt dabei waren, darf ich Ihnen und Ihrem Kollegen wohl diese paar Zigarren zukommen lassen. Es ist eine gute, teure Sorte, aber mir macht es doch keinen Spaß mehr, sie zu rauchen, nachdem man sie derartig betastet und untersucht hat!" Da- mit schob er dem Mann mit dem Schnauzbart die vier Zigarren in die recht« Rocktasche. Grüßte leicht, indem er die Hand an den Hut legte und ging nach dem Zuge zurück. Er zwinkerte unauffällig zweimal mit dem linken Auge, und da wußte Betty, daß der Streich geglückt war. James hattt das Päckchen wieder! Hatte es sich zurückgestohlen, während er dem Beamten die Zigarren oedizierte. Pfeifend kam er ins Abteil, setzte sich und lachte.»All«? klapp'. prima, prmw. Sogar der beunruhigte Herr, den ich für dtejoa verdammten Lewis gehalten hatte, ist ausgestiegen. Nun kann uns nichts mehr passieren!" Nein," freute sich Betty und fiel ihm um den Hals,nun kann uns nichts mehr passieren!" Damit hatte sie auch recht. Denn dos Schlimmste, das ihnen hätte, passieren können, war ihnen schon passiert. Sie wußten es bloß noch nicht. Der Zug setzte sich wieder in Bewegung. Die Grenze w.rr überschrilten. Draußen tauchten Schilder und Tafeln mit fremden Ausschriften auf. Man war gerettet. Man konnte etwas riskieren. James erhob sich strahlend, holte das Päckchen aus der Tasche. öffnete die Schnur, wickelte das Papier auseinander. Dann setzte er sich wieder hin Käsebleich. Denn was war in dem Päckchen? Diamanten? Kirschkerne, neugieriger Leser, waren darin. Feuchte Kirsckz- kern« und nichts anderes. Und ein paar Worte waren mit Tinten- stift auf die innere Seite des Papiers geschrieben:Aus solche alten Tricks fallen Zollbeamte herein, aber nicht dein dich liebender Lewis." Seit dieser Stunde neigt James begreiflicherweise zu Tobsuchti- anfallen Xiehhaberf ender in Jimerika Die Rundfunkabteilung des Handelsministeriums der Berel- nigten Staaten von Nordamerika berichtet, daß über 80 Prozent aller genehmigten amerikanischen Sender Liebhabersender sind. Ins- gesamt sind 22 972 Sender im Betrieb. Von diesen sind 612 Rund- sunksender. 18994 Liebhabcrsender, 2172 Schiffsvertehrsscnder, 4Ü8 Handelssender. 291 Versuchs- und Bildfuntseader, 215 Flugverkehrs- jeudar und IIS geophysikalische Sender.