Roland Marwitz:
Ritt um
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Leben und Tod
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Bir saßen in dem kleinen russischen Emigrantenrestaurant im, Petersburg fommft, nimm die Kofarde runter und die Epauletten! Berliner Westen. Die Balalaitafapelle machte gerade eine Pause. Die Bolschewiten halten das Zeug für Schießscheiben." Auch an unserm Tische war es still. Schließlich sagte einer:„ Niti, erzählen Sie doch die Geschichte Ihrer Rettung!" Niti, der Leutnant, drückte feine Zigarette aus. Das lange Hohlmundstüc ragte über den Rand des Aschenbechers. Es sah aus, als blidte man vom Flugzeug auf das Rohr eines Festungsgeschützes. Wir hatten auch schon allerlei getrunken an dem Abend. ,, Die tennt ihr doch alle", antwortete Niki müde. ,, Ich kenne sie nicht." ,, Ich auch nicht."- Ich höre fie immer wieder gern, Niki." Der Leutnant fuchte in seiner Tasche nach Zigaretten. Er sah übrigens feineswegs mehr wie ein Leutnant aus. Sein dunkles Haar war angegraut und start gelichtet. Der Mund, der vielleicht einmal schön und fühn geschwungen gewesen war, zeigte einen schlaffen und fast verdroffenen Zug. Wir schoben Niti Zigaretten hin. Einer hob die Hand gegen den Kellner, der an der Tür lehnte, und spreizte die Finger. Als dann die fünf Karaffen mit Wodta gebracht worden waren, begann Niki zu erzählen.
,, Schon unter Kerenski hatten wir Soldatenräte bei der Truppe. Immerhin, man hörte noch auf die Offiziere. Später hörte man nicht mehr. Aber man duldete uns. Es war im November 1917. Kerensli stürzte, die Bolschewifen tamen, doch bei uns an der Front merkte man es faum. Noch war ja Krieg, und wir lagen ganz vorn. Freilich, wir mußten täglich zurück. Die Deutschen machten gerade den Vorstoß im Norden. Am 3. September war Riga von euch genommen." Nifi blickte auf. Er hatte die letzten Worte nur zu den paar deutschen Freunden gesprochen, die mit ihm am Tische saßen. ,, Da oben sind auch Wälder. Die Wälder waren unser einziger Schuh. Ihr triebt uns zwar weiter, aber es ging nicht mehr so schnell. Wo ihr hintamt, machtet ihr erst Ordnung. Ihr legtet eure Eisenbahnen bis in die Waldschneisen, ihr hängtet Telephondrähte von Baum zu Baum und warst den Dred aus unseren Unterſtänden.
Eines Abends ließ mich der Soldatenrat zu fich tommen. Leutnant", sagte er ,,, dein Vater ist erkrankt in Petersburg . Man hat an dich telegraphiert. Du sollst heimkommen. Aber du weist, für Offiziere gibt es feinen Urlaub."
Ich weiß", antwortete ich. Und da du es auch weißt, hättest du mich ungeschoren lassen sollen. Der Bater stirbt, und der Sohn darf nicht zu ihm. Das wäre unter dem Zaren nicht möglich gewefen."
war."
,, Allerdings, für Offiziere nicht, Genosse Leutnant, aber mir wollen nicht darüber sprechen, was unter dem Bäterchen möglich Dann sieht er mich eine Weile lächelnd an.„ Hast du noch niemals davon gehört, daß man auch ohne Urlaub reisen fann? Du bist ein braves Vieh gewesen, soweit das bei einem möglich ist, der die filberne Kofarde trägt. Wir werden dir nicht nachsezen, wenn du Schluß machst mit dem Krieg."
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Nun, ich wollte nicht Schluß machen mit dem Krieg. Ich wollte nur zu meinem Vater und dann zurück zur Front. Ich sagte ihm das. Er lächelte.„ Ehe du wieder hier bist, ist es aus. Also, weißt du die Eisenbahn?" Ich zeigte es ihm auf der Karte. Er schhüttelte den Kopf. Längst nicht mehr. Die Schienen laufen jest hier. Er martierte eine Waldstelle mit dem Bleistift. Es ist fein Bahnhof dort, Leutnant, nicht einmal ein Wartesaal erster Klaffe, in dem du soupieren fannst. Es ist eine Lichtung im Walde. Dort stehen ein paar Wagen. Jede Nacht werden sie abgeholt von der Maschine und auf das Hauptgleis gefahren. Steig ein, marte, und nachher frag dich zurecht! Siehst du, hier liegen Fahrscheine. Ich hab' sie schon unterzeichnet. Wenn du jetzt rausgehst, brauchst du nur einen einzustecken. Hast du Geld? Hast du eine Karte?" Er schob mir ein Bündel Rubel zu. Ich quittierte über empfangene Löhnung und steckte die Karte ein. Dant, Kamerad!" Er reichte mir die Hand. Nichts zu danken, Genosse Leutnant. Ehe du nach i
Eine halbe Stunde später reite ich ab. Wir hatten viele Pferde, obgleich wir zur Infanterie gehörten. Doch an jedem Abend liefen uns die Tiere aus dem Dunkel der Wälder zu. Einmal war ein deutscher Offiziersgaul darunter. Wir sahen es am Sattelzeug und an dem geputzten Riemen. Als ich im Bügel bin, merke ich, daß es der Deutsche " ist. Aber das Tier geht gut, ist brav und gleitet ohne Furcht durch die dunklen Stämme. Ein paarmal stoße ich auf unsere Feldwachen. Einige rufen mir freche Wize zu, andere salutieren, stramm wie in Friedenszeit beim Manöver. Auskunft fann feiner geben. Ich hab' nur die Karte und weiß ungefähr die Himmelsrichtungen. Nord und Süd und Ost und West. Ich halte ostwärts. Brüder, es ist schrecklich, durch einen dunklen Wald zu reiten, wenn es Herbst ist und Krieg, und wenn man das Ziel werden fann für den Feind und für die aus dem eigenen Lager. Nach drei Stunden halte ich an. Selbst wenn ich im Schritt geritten wäre, hätte ich nun am Ziele sein müssen. Ich sehe nichts; ich weiß nicht mehr, wo ich bin. Mein Deutscher " zudt mit den Ohren, schnaubt, tänzelt unruhig. Vielleicht wittert er Wölfe. Ich nehme den Revolver heraus, greife zugleich eine Bigarette aus der Tasche und brenne sie mir an. Im gleichen Augenblick ertönt ein Ruf. Noch ehe ich ihn verstanden habe, neben mir, und nun bricht der Gaul los. Er jagt quer durch den frachen Schüsse. Es schlägt hart und splitternd in die Stämme Wald. Zweige peitschen mein Gesicht; ein Ast reißt die Müze fort; es geht in toller Karriere durch die Nacht.
Endlich wird das Pferd ruhiger. Als sich die Stämme lichten und eine weite Rodung auftaucht, geht es im Schritt. Und da blinkt es im Gras. Der Huf schlägt auf Eisen. Es sind die Schienen. Ich sehe ein Blockhaus: nein, es ist fein Blockhaus, es ist ein Eisenbahnwaggon. Ich bin am Ziel. Langsam stede ich den Revolver ein, wische mir den Schweiß von der Stirn, reite bis zum Waggon und steige todmüde aus dem Sattel. Einmal höre ich Stimmen, aber sie verlöschen schnell. An einem Baume lehnt ein Mann, das Gewehr unter dem Arm. Ein Posten. Ich will ihn fragen, aber es ist zu weit bis dorthin. Ich klopfe dem ,, Deutschen " auf den Hals. Er weiß, daß er entlassen ist und trabt nach einer Grasnarbe nahe den Stämmen. Ich flettere in den Wagen. Es ist stockdunkel und falt. Aber besser als draußen ist es doch. Ich werfe mich auf das Polster, decke mich mit dem Mantel zu, will eine letzte Zigarette nehmen, greife aber das Bündel Rubelnoten und ziehe es hervor. Ich zähle und glätte die Scheine. Ein wenig Mondlicht fällt durchs Fenster. Plötzlich habe ich einen merkwürdigen fremden Schein zwischen den Fingern. Es war ein deutscher Tausender. Weiß der Teufel, wie er dazwischen geraten ist! Ich schiebe ihn in die Brieftasche, da, wo das Telegramm meines Vaters ist. Dann schlafe ich ein.
Als ich aufmache, ist es Tag. Der Wagen rollt. Noch immer fliegen draußen Stämme vorüber. Die Abteiltür öffnet sich. Ich blide auf den Eintretenden und glaube zu träumen. Ein deutscher Feldwebel steht vor mir. Er salutiert:„ Bitte Fahrschein und Ausweis!" Ich starre ihn an. Was dann kam, weiß ich nicht mehr. Erst später weiß ich: Wir sitzen beide im Abteil; meine Waffen sind mir abgenommen. Ich bin Gefangener. Aber der Feldwebel lacht, niat mir zu und hat sogar einen Schnaps für mich in seiner Flasche. Der Teufel mag wissen, wie und wo ich in diesen Waggon getemmen bin?" Ich hatte es deutsch gesagt, und der Feldwebel grinst, antwortet, während er mir eine braune 3igarrentasche unter die Nase hält:„ Vermutlich auf dem Endpunkt unserer Feldbahn."
Den Tausender hab' ich übrigens erst wechseln müssen, als ich ein Jahr später aus dem Gefangenenlager fam. Ohne ihn säße ich nicht hier." ,, Aber auch nicht ohne deinen ,, Deutschen "," sagte iemand.
Martyrium amerikanischer Indianer
Der amerikanische Schriftsteller Dr. Robert Gessner hat die Ver-| nierungsbüro zugestanden werden, und zwar in der Hauptsache hältnisse der Indianer in den Vereinigten Staaten eingehend studiert und sagt, daß die Indianer des heutigen Amerita bedauernswerter seien als die Neger. Das schlimmste Unglück, das dem In dianer widerfahren konnte, ist wohl, daß er seine Freiheit verloren hat. Der Häuptling der Menominee- Indianer, Oshkosh, sagt:
,, Wir Menominee - Indianer waren noch 1732, als wir von Fran zosen und Engländern entdeckt wurden, ein freies Volt. Wir hatten unser Lager am Kesbena- Fall, und wir blieben dort, auch als andere Stämme vom Staat schon in abgegrenzte Gebiete verwiesen murden, wo achtzig Prozent von ihnen ihr heim verloren. Unsere Nachbarn, die Binibago- Indianer und die Pottawatomi- Indianer, wurden nach Kansas und Nebraska gebracht. Wir hatten feine Luft, nach Westen zu ziehen und weißen Männern und Indianern aus dem Osten Platz zu machen. Man sagt, daß der Indianer faul sei. Aber wer trägt die Verantwortung? Ehe der weiße Mann tam, war der Indianer nicht faul. Er wußte, daß er verhungern mußte, wenn er der Faulheit verfiel. So lange das Indianerbüro in Washington ihn beschüßt, wird es ihm schaden."
Der Häuptling der Winnibago- Indianer in Wisconsin , Mite White Eagle, ist ein Häuptling ohne Stamm. Er ernährt sich als Maler. Er fagt:„ Mein Bolt ist in alle Windrichtungen zerstreut. Ehe der weiße Mann fam, waren wir reich, jezt sind wir die ärmsten von allen Indianerstämmen. Wir haben tein Schußgebiet, und die Alten wissen nicht, monon sie leben sollen. Im Winter müssen alle hungern. Die Staatsunterstützung von drei Dollar monatlich, die jede Person bekommt, reicht nicht weit."
Als die Vereinigten Staaten Kalifornien annettierten, gab es dort nach Gessner zwischen einhundert bis einhundertfünfzigtausend Indianer. Die Weißen wollten das Land haben, und 119 Indianerstämme unterzeichneten eine Abmachung, durch die festgesetzt wurde, daß fie 7 500 000 Morgen Land behalten sollten. Aber der Staat weigerte sich, die Abmachung für gültig zu erflären, und die Indianer bekamen fein Land, sondern mußten sich ohne jede Entschädigung in die Berge zurückziehen.
Die Wohnungsverhältniffe der Indianer find elend. In den Reservationen leben sie wie in einem Gefängnis. Sie sind Gefangene und Bettler, die ihre Selbstachtung, ihren Ehrgeiz, ihre Initiative verloren haben, und find Fremdlinge in ihrem eigenen Lande. In den Wohnungen sind oft bis zu zwanzig Personen in einem einzigen Raum zusammengepfercht. Daß ein Bolt, das viele Jahrhunderte lang in der freien Natur gelebt hat, durch diese Lebensweise ruiniert wird, ist verständlich.
Die Kränklichkeit unter den Indianern ist groß Dazu trägt auch der halbverhungerte Zustand bei, in dem sie sich dauernd befinden. Die Indianer müssen oft jede Boche fünfzig Meilen weit reiten, um sich die Lebensmittel zu holen, die ihnen von dem Ratio
Sped, der so gelb und übelriechend ist, daß sie ihn faum essen tönnen. Außerdem essen fie getrocknetes Pferdefleisch, das sehr häufig von verendeten Tieren stammt. Die Kinder sind in der Mehrzahl infolge der mangelhaften Rost unterernährt und die Erwach senen so geschwächt, daß sie für Krankheiten sehr anfällig sind. Man sieht überall gelbe Gefichter, schmale, fräntliche Züge und willen lose, schlappe Körper.
Die Missionare versuchen die Indianer durch Predigten von der Hölle einzuschüchtern. Es wird zwar kein Indianer direkt seines Glaubens wegen verfolgt, aber es ist ihnen verboten, ihre religiösen Feiern zu begehen und den Großen Geist anzubeten.
Die amerikanische Regierung hat Volksschulen für etwa 25 000 Indianerkinder eingerichtet. Mit sechs Jahren werden sie ihren Eltern fortgenommen und in entlegene Schulen geschickt, wo sie bis zum vollendeten achtzehnten Jahr bleiben müssen. In diesen Schulen müssen sie bei Wasser und Brot hungern und werden brutal behandelt. Es tommt vor, daß Knaben, die etwa versuchen, aus der Schule zu fliehen, an ihr Bett angefettet oder in einen Keller geworfen werden.
Sie müffen in überfüllten Schlafsälen schlafen. Epidemien find in diesen Schulen nichts Seltenes. Den halben Tag werden sie mit Arbeiten beschäftigt, die oft ihre Kräfte übersteigen. Ein Besucher einer solchen Indianerschule inspizierte die Küche und fand dort alles mit Fliegen und Fliegenschmuz bedeckt. Ein Arzt berichtet von einer anderen Indianerschule, daß die Kinder dort weder Milch noch Butter, Eier, frisches Obst oder Gemüse befämen.
Als das amerikanische Rote Kreuz im Jahre 1924 die Volksschulen der Indianer und den Gesundheitszustand unter den dort befindlichen Kindern prüfte, wurde der erstattete Bericht lange unterdrückt und erst 1928 dem Kongreß vorgelegt. Dann wurde eine Million Dollar verlangt, um der Hungersnot unter den Indianern zu steuern. Im folgenden Jahre verlangte Präsident Hoover weitere 500 000 Dollar. Damit wurden dann die Schulkinder etwas besser ernährt.
Trost der Millionäre
Die schwere Wirtschaftsnot zeitigt gelegentlich auch recht mertwürdige Folgeerscheinungen. So hat sie Conney Island , dem größten Vergnügungspark der Welt, zu einer Hochblüte verholfen, auf die man am allerwenigsten gefaßt sein konnte. Dieses Mekka des Lichterglanzes und des Lärms, zu dem früher nur das Volk und das kleine Bürgertum pilgerten, hat sich über Nacht in eine mondäne Unterhaltungsstätte verwandelt und ist der Treffpunkt der besten New- Yorker Gesellschaft geworden, die sich unter der wirtschaftlichen Depression äußerster Sparsamkeit befleißigen muß. Wohl oder übel müssen die Herrschaften auf ihre fostspieligen Wochenendfahrten und. den Besuch der Lupuslokale verzichten, um ihr Unterhaltungsbedürfnis auf wohlfeilere Art zu befriedigen. Auch Rer Billings , der Besizer einer großen Zahl von„ Attraktionen" Conney Islands, hat einem Berichterstatter gegenüber die Umschichtung, die sich bei dem Publikum des Vergnügungsparfes vollzogen hat, bestätigt. Conney Island hilft seit einem Jahre mit, die Millionäre und ihre Familien über ihre schweren Sorgen hinwegzutrösten. Natürlich hat dieser Zuzug des eleganten Publikums dazu beigetragen, Gattung und Ton der Attraktionen" von Conney Island auf ein höheres Niveau zu heben. Das gilt besonders für die Ballokale, in denen man heute Tanzpaaren begegnet, die früher niemals daran gedacht hätten, ihren Fuß in ein solches Lokal zu setzen. Ueberdies hat man die lärmendsten und vulgärsten Unterhaltungsnummern unterdrückt, um keinen Anstoß zu erregen. Nur für ein Uebel hat man fein Heilmittel finden können, für den Mangel an alkoholischen Getränken denn doch zu gefährlich wäre. So müssen sich denn all diejenigen, nämlich, deren Genuß an einem öffentlichen Ort wie Conney Island die daran gewöhnt waren, Liköre und teure Weine in den Nachtlokalen des Broadway in Mengen zu konsumieren, an Selterwasser und Mineralwässern genug sein lassen, die zwar dem verwöhnten Geschmack nicht sonderlich behagen, aber den Vorteil haben, den Geldbeutel zu schonen.
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Der Talisman
Ein Bekannter nahm mich kürzlich mit in seinen Klub, der sich in einer Privatwohnung befand. Ich wußte, daß er ein„ Jocker" war, und wunderte mich deshalb auch nicht, als die Herren sich schon nach wenigen Minuten der Begrüßung und des Beisammenseins an fleine Tische verteilten und zu spielen begannen. Dazu schenkte der Klubinhaber einen Wein aus.
Ich nahm am Tische meines Bekannten Platz. Spielte auch mit. Efarté. Es ging aber anständig zu. Die Einsätze waren auch nicht hoch. Wohl meinetwegen nicht. Um mich von der Harmlosigkeit des Rublebens zu überzeugen.
Gegen 12 Uhr bekam ich es aber doch satt. Ich stand auf. An einem Nebentisch saßen ein Russe und ein... ja, weiß Gott , welcher Nationalität der andere angehören mochte! Jedenfalls hatte er ein interessantes Geficht: schmale fantige Form, fluge Augen, scharf gebogene Nase, starke Augenbrauen, hohe Stirn und glattes, nadh hinten gefämmtes, eisengraues Haar. Alter vielleicht 50 Jahre. wie ich später hörte, wurde er Herr Professor" angeredet. Aber das war wohl nur ein Spizname.
Der Herr Professor verlor. Der Ruffe häufte mit phlegmatischer Ruhe Schein auf Schein, Taler auf Taler. Und auf das oberste Geldſtüd jetzte er einen kleinen goldenen Buddha. Die beiden spielten ziemlich hoch; 17 und 4. Der Professor verlor verlor; der Thron des Buddha wuchs höher und höher, und sein Lächeln erschien immer fatter und zufriedener.
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Schon wieder hatte der Professor bezahlen müssen. Zehn, sieben, Dame besaß er; zehn, Bube, König. Dame, Bube zeigte der Russe . Lässig und schweigend strich er den Einsatz ein. Die Lippen des Professors wurden schmaler und strenger. Seine grauen Augen sahen den Russen hart an. Ein merkwürdiges Glück heut' Abend für Sie!" betonte er.
,, Das macht mein Talisman," versetzte der glückliche Gewinner, ,, mein kleiner Buddha! Der steht mir bei!" Und seine Hand strich liebevoll über den hockenden Gott.
Sie spielten weiter. Auch von den Narbartischen hatten sich einige Spieler eingefunden und sahen neugierig zu. Hören Sie auf, Herr Professor; Sie zwingen es heut' Abend nicht!" riet einer. Der Professor antwortete nicht; seine Augen aber nahmen einen harten und bösen Glanz an. Sie stachen auf seinen Gegner. Er wölbte die Brauen und schob den Kopf etwas vor. Es nuht nichts," sagte er dann. Ich werde mir auch einen Talisman zulegen müssen!" Er lächelte dünn, griff in die Tasche, zog einen Browning hervor und legte ihn auf sein letztes Geld. Schach dem Buddha! drohte er. Die Spieler rundum stuzten und lachten dann wie über einen guten Wiz. Der hat mir schon mehr als einmal gute Dienste getan," versicherte der Profeffor bedeutungsvoll. Im übrigen verlangt mein Talisman aber auch ein neues Spiel. Sie haben das erste gegeben," nickte der dem Russen zu, so opfere ich das zweite!" Damit entnahm er seiner Brusttasche ein neues Kartenspiel, entfernte die Umhüllungen der Fabrik und warf es auf den Tisch.
"
Die
Sie spielten weiter. Und wirklich erwies sich der Browning stärker als der Buddha. Der Professor gewann auffallend. Macht des Buddha war gebrochen. Der unheimlich auf ihn ge= richtete Browning riß Stufe um Stufe von seinem hohen Thron. Und er übte grausame Rache; um 1 Uhr war der Ruffe völlig ausgeplündert. Gelassen steckte der Professor Geld und Browning in die Tasche.
"
Der Zufall wollte es, daß ich auf dem Heimweg eine Strecke mit dem Professor allein ging. Der Moskowiter spielte mit ge= zinkten Karten," wetterte er ,,, da wurde es höchste Zeit, meinen Talisman einzusehen!"
,, Ja, Ihr Browning hat ihn aus dem Gleise geworfen!" wunderte ich mich.
"
.Der Professor lachte. Mein Browning! Meine Karten aber auch!"
,, Wie soll ich das verstehen?" fragte ich naiv.
,, Sie sind ein Säugling; das brauchen Sie auch nicht zu verstehen!" lachte der Professor. Dann hielt er mir einen längeren und flugen Vortrag über die neueste Phase des Kommunismus.
Eine zeitgenössische Einsiedlerin Die Gräfin Vitalesci, ein bekanntes Mitglied der ersten Gesellschaft von Rom , faßte aus unbekannten Gründen den ehrenwerten Entschluß, sich von der lärmenden Welt zunächst auf ein halbes
Minister Mostard stellte seinerzeit fest, daß die Regierung den Bottawatomi- Indianern eine halbe Million Dollar schuldete. Zwan- Jahrzehnt zurückzuziehen. Um recht gemütlich und vor allem zig Jahre lang weigerte sich aber das Indianerbüro, diese Schuld anzuerkennen, und als das schließlich gefchah, wurde das Geld der Indianer mit dem Ankauf wertlosen Bodens und schlechter Gebäude vertan. Der Indianerhäuptling, der dech das beste Stück Land bekommen hatte, konnte von seinen vierzig Morgen nur fünf bebauen, und sein Haus war so schlecht gebaut, daß es faft lebensgefährlich war, darin zu wohnen.
Eine
standesgemäß" Einfehr halten zu können, ließ sich die Dame eine einfache Einsiedlerhütte in 2400 Meter Höhe erbauen. Auf dem Monte Generoso , an der schweizerisch- italienischen Grenze. Drahtseilbahn verbindet die Hütte" mit dem Lurushotel im Tale, und die Gräfin Vitalesci mit Speis und Trank zu versorgen. Zentralheizung, Warmwasser, elektrische Anlagen und sonstige Bestandteile des zivilisierten Komfort" ergänzen die schlichte Aus= Das Martyrium einer aussterbenden Rasse wird durch diese Bestattung. Die Spesen verschlangen 56 000 Lire. Eine Weltrichte aufs neue in erschütternder Deutlichkeit gezeigt. abgefchiedenheit in solchem Milieu muß eigentlich ganz erträglich
H. G. Werth jein