Nr. 345* 45. Jahrgang
2. Beilage des Vorwärts
Sonntag, 26. Juli 4934
Vankenaufficht- Kapitalkontrolle. „Wer öss trägt/ muH auch die Au�Hcht führen."/ Von Fritz Naphtaii.
„Wer das Risiko trägt, muß auch die Wirtschaft sichren." Dos ist von jeher der beliebteste Einwand bürgerlicher Kreise gegen den Ausbau staatlicher Kontrollen und staatlichen Einflusses auf die Wirtschaftsführung und gegen olle Bestrebungen zur Demokratisierung der Wirtschast, zur Teilnahme der Vertreter der organisierten Arbeiter und Angestellten an der Wirtschaftsfiihrung gewesen. Das Argument war niemals stichhaltig, weil das Risiko, das die Arbeiter tragen, die bei wirtschaftlichem Mißerfolg ihre Arbeitsplätze und damit ihre Existenzmöglichkeiten verlieren, gewiß nicht geringer zu schätzen ist als das Kopitalrisiko eines Unternehmers oder gar das beschränkte Kapitalristko eines Aktionärs. Aber lassen wir das einmal im Augenblick beiseite und stellen wir uns auf den Standpunkt, daß es nur aus das Kapitalristko ankommt.. Wer trägt bei den deutschen Großbanken das Kapitalrisiko? Die letzten Wochen haben die Frag« eindeutig beantwortet auch für diejenigen, die sich der Erkenntnis, daß das Wirtschaften in unserer Periode des Hochkapitalismus, in der Zeit der Großunter» nehmungen, keine Privatsache sein kann, sondern Sache der G e» meinschast werden muß, hartnäckig verschlossen haben. Sind vielleicht die Aktionäre der Danat-Bank , deren Haftung aus ihre Kopitaleinlage beschränkt ist, die wahren Risiko- träger? Oder sind es die Herren Direktoren und Geschäfts- inhaber, die zwar Millionensummen im Laufe der Jahre aus den Erträgen des Unternehmens bezogen hoben, deren Haftung aber, abgesehen von der Unzulänglichkeit der Summen, die von ihnen zu holen sein werden, meistens von dem Nachweis eines schuldhaften oder fahrlässigen Handelns abhängig ist? Oder ist es die Gemeinschaft der anderen privaten Banken, deren Handeln nach egoistischen Sonderinteressen die Verhütung der schweren Wirtschafts- erschütterung verhindert hat? Die Fragen aufwerfen, heißt sie verneinen. Wenn es ernst kommt, wie in diesem Falle, dann verschwindet plötzlich die Wirksam- kcit des Msikotragens des kapitalistischen Privateigentums. Dann müssen wir alle, jeder Steuerzahler, das Risiko übernehmen. Denn dann muß der Staat mit seiner Haf- tung einspringen, um noch schlimmere Erschütterungen der Gesamt- Wirtschaft abzuwehren. So war es in Oesterreich bei der Kreditanstalt, so war es in Deutschland bei der D a n at- B a n k und so wird es in jedem anderen Falle sein, in dem es sich um das Risiko bei Unter- nehmungen handelt, deren gesamtwirtschaftliche Funktion so groß ist, daß Hunderttausende von Existenzen, daß das Funktionieren des ganzen Wirtschaftsapparates von dem Einspringen für ihre Risiken mehr oder minder abhängig ist. !lnd was leisten die Kührer der Nanken? So steht es mft dem Risiko. Wie aber steht es mit der Lei- stung der Führer unseres Bankwesens? Ist sie viel- leicht so imponierend und überzeugend, daß sich auf dieser Tatsache der Einwand gegen öffentliche Kontrolle und Einflußnahme auf diesem Gebiete stützen könnte? Wir wollen nicht von den Sünden der Vergangen» h e i t sprechen, bei denen es in der Fehlleitung von Kapital, in der Tolerierung von Mißwirtschaft zwischen den einzelnen Bonken höchstens Gradunterschiede, aber keinen grundsätzlichen Unterschied gegeben hat. Die Dinge sind bekannt, ob man nun von den Ufa - Geschäften des Herrn Stauß, von der Nordwolle der Danat- Bank , von der Favag, an der fast all« Banken beteiligt waren, von der O st h a nd e l s- G« s e l l s ch a s t der DD.-Bank usw. Einzel- Heiken anführen wollte. Aber wir wollen von der Leistung unserer Bankherren zur Ueberwindung der gegenwärtigen Zahlungs- stockung ein paar Worte sagen. Nachdem einmal, zum mindesten nicht ohne Misschuld der Bankenfllhrer, es zu der allgemeinen Stockung vor 14 Tagen ge- kommen ist, war die entscheidende Ausgabe, so schnell wie mög- lich den Zahlungs- und damit den K r e d i t v er k e h r wieder in Gang zu bringen, um die katastrophalen Wir- klingen, die dies« Stockung auf die Wirtschaft und in der weiteren Folge aus die össentlichen Finanzen ausüben muß, so sehr wie irgend möglich einzuschränken. Was haben unsere Bonkensührcr in diesen 14 Tagen dafür geleistet? Herzlich wenig. Daß sie die Reichsbank schlecht be- raten hoben und sie im falschesten Augenblick in der Politik der Kreditrestriktion an Stelle der reichlichen Notenausgabe zu hohem Diskontsatz bestärkt haben, entspricht der unseligen Tradition der Herren, die in einer anderen Lag« ja auch die Berater des Inflations- reichsbankpräsidenten Häven st ein gewesen sind. Doch aus diesem Gebiet« ist es schwer, den Schuldanteil zwischen Reichsbankleitung und privaten Bankdirektoren abzuwägen. Wir müssen nur bei dieser Gelegenheit noch einmal, so vorgerückt die Zeit sein mag. a n d i e Reichsbank appellieren, daß sie durch großzügige Kredit- gewährung bei hohem Diskont so schnell wie möglich den Zahlungs- verkehr zu normalem Funktionieren bringen möge. War man m der Zahlungsmitteloersorgung immerhin von der Reichsbank abhängig, so hing die schleunige Wiederherstellung eines funktionierenden UeberweisungsvcrkeHrs unter den Banken, der vor allen Dingen für die Grohumsätze in der Wirtschaft, aber auch für die unbedingt notwendigen Steuerzahlungen von ent- scheidender Bedeutung ist, allein von der schnellen Ent- schlußkraft der großen Banken ob. Wie ober sah es auf diesem Gebiete aus? Zuerst geschah gar nichts. Dann allmählich kam die Gründung eines Ueberweisungsocrbandes zustande, ober immer noch fehlt« es an dem großzügigen Entschluß in einer Krisenlage wie der gegenwärtigen, die Solidarhaftung zu übernehmen, und so blieb bis heute auch der Ueberweisungsverkehr auf die SO QM-Mark- Grenze beschränkt, was für den Gesamtumlauf in der Wirtschaft unerträglich ist. Und was ist kennzeichnender für unsere freien kapi talistischen Bankenführer als die Tatsache, daß schon der Ruf er- schollt, auch ein« volle Funktion des Uebcrweifungs- verkehr» könne nur dann erreicht werden, wenn das R e i ch d i e Ausfallsbürgschaft übernehme! Also wiederum: wer ist der Risikoträger? Wir oll«, das Reich. Die Organisation der Äankenaufsicht. wer da» Risiko trägt, hat aber selbst nach kapitalistischen Grund- sähen da» Recht der Aussicht und der Milbesiimmung. Deshalb
fordern wir als notwendige Aolgerung aus den Erfahrungen der letzten Wochen die sofortige Errichtung eines Bank- auffichtsamtes durch das Reich, an dessen Leitung die Vertreter aller kreise der wirlschasl demokratisch teilnehmen müssen. Dieses Aufsichtsamt muß Richtlinien sürdas handeln der Banken feststellen. Es muß die Möglichkeit hoben, die Ein- Haltung dieser Richtlinien zu überwachen, sei es durch einzelne Re- Visionen, sei es, was bei den Großbanken unerläßlich ist. durch die Einsetzung vom Kommissaren, die dem Amt für die Auskunftserteilung verantwortlich sind. Das Bankenaml muß auch die Möglichkeit haben, die wirk- liche Vermögenslage der einzelnen Banken, die Art ihrer Verflechtung mit Auslands krediten durch seiue Organe zu prüfen, denn es geht nicht an. daß auf die Dauer Regierungshandlungen gestützt werden auf die A u s k ü n f k e von Bankdirektoren. von denen die Erfahrung gelehrt hat. daß sie jederzeit bereit sind, ihre geschäft- lichen Sonderinleressen in höherem Grade zur Richtschnur zu nehmen als das Gesamlinleresse der Volkswirtschaft. Volkswirtschaftliche Kapitallenkung. Aber mil diesen konlrollsunklionen, die gerade der Augenblick in den Vordergrund gerückt hat, kann die Zielsetzung des Bankamtes nicht erschöpft sein. Von der Baokenaufsicht. die in hohem Grade Ziele des privatwirtschaftllchen Schuhes der Gläubiger und der Sundeu der Bank betrifft, muß der weg führen zur Kapital- kontrolle. zur Leukuug des Kapital st roms. Um zu zeigen, daß es sich hier nicht um eine aus dem Augenblick der Erregung geborene Forderung han- delt, fei es mir gestattet, ein paar Sätze zu zitieren, die aus einem Beitrag stammen, den ich im vorigen Jahre zu dem Sammel- werk„Kapital und Kapitalismus " geliefert habe, daß im Namen des Vorstandes der Deutschen Vereinigung für staatswissenschaftliche Fortbildung von Professor Bernhard Harms herausgegeben wurde. Dort hieß es u. a.: „Die Sammelbecken oder Durchgangsstellcn des Kapitalstroms sind die Kreditinstitute aller Art. bei denen Einladungen gemacht werden und die ihrerseits den Kapitalstrom durch Kreditgewährung weiterleiten. Eine wesentliche Voraussetzung für eine gemeinwirt- schaftliche Lenkung des Kapitolstroms ist also die Beherrschung dieser Durchgangs stellen. Die Idee einer planmäßigen Kapitallenkung wird um so leichter zu verwirklichen sein, je größer der Teil des Kapitalstromes ist, der nicht mehr durch rein privat- wirtschaftliche Bonken, sondern durch öffentliche, staatliche oder ge- meindliche Kreditinstitute flieht... Jede Beeinflussung der Richtung der Kapitalverwendung an den Durchgangsstellen, zu denen übrigens neben den Kreditinstituten auch die Versicherungsgesellschaften gehören, durch eine öffentliche Instanz, setzt natürlich eine genaue Kenntnis der Richtung der Kapitalbewegung voraus. Mau muß vor allen Dingen auch in der Lage sein, die einzelnen Gewerbe- und Handelszweige zu über- blicken, in die das Kapital von den verschiedensten Durchgangs- stellen aus gelenkt wird, um sich ein Urteil über die Zweckmäßigkeit in der Gesamtverteilung bilden zu können. Auf der Grundloge eines solchen Ueberblicks über die Gesamtheit der Sammelbecken des Kapi- tals wäre dann dos Ideal die Erteilung von Direktiven für seine Verwendungsrichtung auf Grund einer Art volkswirtschafllicher Dringlichkeitsliste. Wäre dieses Ideal zu verwirklichen, so wäre es möglich, eine Fülle von Fehlleitungen, die heute aus dem individualistischen Nebeneinander der Kapitalinvestitionen ohne ein Wissen voneinander entstehen, zu verhüten. Damit würde nicht nur der Kapitalverschwendung an vielen Stellen gesteuert und damit die Möglichkeit gegeben werden, das Kapital dort bereitzustellen. wo es volkswirtschaftlich zweckmäßig eingesetzt werden könnte, sondern es würde auch eine Quelle der periodisch wiederkehrenden Wirtschafts- krifen oder wenigstens eine Quelle der Krisenverschärfung verstopft werden können..." �. Die Erschütterung des deutschen Kreditsystems in den letzten Wochen, die Notwendigkeit, in Zukunft mit der verknappten Decke der Kapitalmittel volkswirtschaftlich viel sorgsamer umzugehen als bisher, macht diese Forderungen einer gesellschastlichen Kapital- lenkungspolitik im höchsten Grade zum Gebot der Gegen- wart. Man sollte meinen, daß diese Erfahrungen, die Zerstörung
des Bankführernimbus eingeschlossen, auch in den weitesteiMKreisen das Verständnis für die Notwendigkeit der Erfüllung unserer Forde- rungen schaffen müßte. Die Forderung einer sofortigen Durchführung einer scharfen Bankenaufsicht mit dem Ziele der künftigen Lenkung des Kapital- stroms hält sich bewußt frei von einer sprunghaften und radi- kalen Wandlung des W i r t s ch a f t s a p p a r a t e s in einem Augenblick, in dem alles darauf ankommt, die festgefahrene Maschine wieder in Gang zu bringen. Sie weist aber einen praktischen Weg, um an einer wichtigen Stelle von der kapitalistischen Wirtschoftsanarchie zur planmäßigen Wirt- schaftsführung vorzustoßen. Daß dieses Bedürfnis auch in weiten Kreisen, die nicht unserer Partei angehören, heute schon erkannt wird, beweisen die Aus- führungen von Professor Wagcmann im Wochenbericht des „Instituts für Konjunkturforschung" vom 20. Juli. Dort heißt es: „Der Mobiliarkredit(d. h. der Kredit, der von den Kreditbanken, also den Banken mit Ausnahme der Hypothekeninstitute, gewährt wird— F. N.) ist durch diese Entwicklung eine öffentliche Angelegenheit geworden, ebenso wie im vorigen Jahr- hundert dos Notenbankwesen und wie es schon seit langem zum größten Teil der Immobiliarkredit ist. Auch der Mobiliarkredit ver- langt eine zentralisierte Kontrolle und jedenfalls eine weit stärkere Beherrschung durch das Zentrolnoteninstitut, als es bisher der Fall ist." Wir begrüßen diese Erkenntnis einer wissenschaftlichen Stelle und bemerken unsererseits, daß auch wir die enge Zusammenarbeit zwischen dem Bankenaufsichts- und Kapitallenkungsorgan und der Zentralnotenbank als der Bank der Banken für unbedingt notwendig halten.. Widerstände, die überwunden werden müssen. Selbstverständlich fehlt es auch jetzt nickst an Kreisen, die sich, genau so wie sie Gegner der im Interesse der Gesamtwirtschaft dringend notwendigen Kontrolle der Kartelle und Mo- n o p o l e sind, der Forderung der Bankenkontrolle ent- gegen stemmen. Es überrascht uns nicht, das publizistische Organ der Schwer- industrie, die„R u h r u n d R h e i n", in der vordersten Reihe dieser Gegner zu finden. Von den drei Forderungen, die am l*i. Juli hier vertreten wurden: Banken- und Kapitalkontrolle, Monopol- kontrolle und Aktienrechtsreform, schreibt dieses Organ, daß die Privatwirtschaft, wenn sie sich nicht selbst aufgeben will, diese Vor- schlüge„mit oller Schärfe und Konsequenz ablehnen müsse". Wenn die„Privatwirtschaft" gleichzusetzen ist mit den Großbank» direktoren und Schwerindustriellen, die bisher die Nutznießer eines falschen Systems auf Kosten der Massen des Volkes gewesen sind, dann ist es uns allerdings nicht zweifelhaft, daß unsere Vorschläge nur gegen sie zu verwirklichen sind. Eine Regierung aber, die nicht kleinen Jnteressentcnhaufen dienen will, sondern die deutsche Wirtschaft aus schwerer Not retten will, darf auch den Kampf gegen diese Interessenten nicht scheuen. „Rhein und Ruhr " nennen unsere Vorschläge zur organischen, Zerstörungen vermeidenden Umgestaltung des Wirtschaftssystems eine„lauwarme S o z i a l i s i e r u n g". Sie werden mit dieser Bezeichnung sicherlich die Zustimmung ihrer neuen Stahlhelm- verbündeten, der Kommunisten, finden. Wir selbst aber, die wir wollen, daß praktisch etwas für die Umgestaltung der Wirtschaft geschieht, denen der„lauwarme" Schritt vorwärts mehr gilt als das Auf-der-Stelle-treten mit der heiße st en Phrase/ werden uns in unserem Kampf ftür die Beseitigung der Mißstände der anarchischen Privatwirtschaft durch diese spöttische Bezeichnung nicht beirren lassen. Die Herren von den Banken und von der Schwerindustrie, noch mehr ober die verantwortlichen Männer der Regierung und aller Voltskreise, die ernsthaft an der Ueberwindung der wirlschaftsnot mitarbeiten wollen, mögen sich die Frage vorlegen, ob es nicht besser ist, die dringlichen Gebote der Stunde ohne Verzug zu verwirklichen, als sich einer notwendigen Entwicklung entgegenzustemmcu und ab- zuwarten, bis soviel Hitze erzeugt wird, daß der Sessel platzt.
Auslandsmn im Bankenspiegel. Die Vankenübersichien vom 30. Luni.
Die Bankbilanzen für den kritischsten Monats- und Halbjohresjchluß, der in Deutschland bisher vorkam, nöm» lich für den 30. Juni 1931, liegen jetzt vor. Die endgültigen Er» gebnisse des Auslandsruns und des Jnlandsruns auf die Banken werden sich erst in der Uebersicht von End« Juli zeigen. Ende Juni war die Log- so, daß die Reich-bank in außergewöhnlich starker Weise in Anspruch genommen m.iirde, weil der AusIonSsrun schon sehr stark war und der Geldmarkt längst nicht mehr her- geben konnte, was die Banken brauchten. Die Banken kamen da- mals in erheblichem Umfang auch schon mit Finanzwechseln zur Reichsbank. Diese Ding« zeigen sich sehr deutlich in den Bilanz- Übersichten. Bei sechs Berliner Großbanken war die Gesamtsumme der fremden Gelder gegenüber Ende Mai von 10 39S auf 9277, also um gute 10 Prozent zurückgegangen: bei samt- lichen berichtenden Kreditbanken von 12 8t»2 aus 11389 Millionen. Diese zehn Prozent Kreditorenrückgänge mußten natürlich eine außerordentlich verknappende Wirkung in Deutschland haben. So sieht man denn auch bei den von den Banken gegebenen A k z e p- t e n(Bankwechsel zur Geldbeschaffung) eine bisher noch nie verzeichnete Steigerung bei den Großbanken von 582 auf 816 und bei sämtlichen Bonken von 703 auf 942 Millionen. Besonders die Großbanken haben also, da diese Akzepte mehr oder wmiger von der Reich-bouk ausgenommen werden mußten, die Reichsbank in Anspruch genommen, während die Provinz von der Reichsbant vernachlässigt wurde. Auch bei den Aktiven der Banken zeigen sich ent- sprechende Erscheinungen. Der Abzug der Auslands- gelder ließ die Banken vo.ll auf. die Reichsbank zurückfallen. (Daß die Reichsbank sich nicht dagegen wehrte und die Banken
nicht stärker zur Heranziehung ihrer eigenen Auslandsguthaben zwang, daß sie ferner damals noch keine neue Kreditverteuerung vornahm, das sind die schwersten Fehler, die die Reichs» bankleitung bis zum 30. Juni begongen hat.) Die Wechsel» b e st ä n d e der Großbanken sind gegen Ende Mai von 2548 auf 1914, also um fast 30 Proz. gesunken, diejenigen sämtlicher Banken von 3136 auf 2410 Millionen oder um etwa 25 Prozent. Auch hier zeigt sich, da diese Wechsel zum größten Teil an die Reichs- dank geflossen sind, wie sehr die Großbanken als e r st e L i q u i» ditätsware statt als letzte die Reichsbank in An- spruch genommen hoben. Die Vorschüsse aus lagernde und schwimmende Waren blieben gegen Mai mit 1748 statt 1781 bei den Großbanken und 2043 statt 2094 Millionen bei sämtlichen Banken nur wenig hinter Mai zu- rück. Die Bestände an eigenen Wertpapieren verminderten sich bei den Großbanken um 11 Millionen: ebenfalls ein seltener Borgang, der zeigt, daß auch Wertpapiere bei der Geldmarkt» klemme verkauft worden sind. Am wenigsten konnten sich die Banken durch Flüssigmachung ausstehender Ford«, rungen helfen: bei den Großbanken zeigt sich ein Rückgang der Debitoren von 5734 aus 5668, bei sämtlichen Banken ein Rückgang von 7387 auf 7260 Millionen. Die Provinzbanken konnten offenbar viel mehr Kredite lockern ol? die Berliner Großbanken, was wiederum erkennen läßt, daß in der Großindustrie, mit der die Großbanken viel stärker arbeilen, erheblich mehr eingefroren ist. Die Fehler der Reichsbankpolitik im Juni zeigen sich auch darin. daß die AbmelkungderReichsbank in erster Linie von dev Banken zur Verstärkung ihrer Kassenhaltung benutzt wurde. Die Kasse allein ist bei den Großbanken um 50 Proz., von 105 auf 154 Millionen, bei sämtlichen Banken von 139 aus 197 Mil-