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Nr. 361 48. Jahrgang

2. Beilage des Vorwärts

Kampf dem neuen Brotwucher.

Mittwoch, 5. August 1931

Rechnen wir nur, daß der gegenwärtige Sonderprofit der Bäcker, Brotfabriken usw. 3 Pfennig pro Kilogramm im Durchschnitt für das ganze Reich ausmacht, so ergibt sich pro Monat für Deutschland ein Wuchergewinn von 750 000 000 Pfennig. Das heißt mit anderen Worten: der gegenwärtige überhöhte Brotpreis bedeutet für das

Stürzende Getreidepreise- hohe Brotpreise.- Kommunisten in der Wucherfront. Bäckergewerbe einen Extraprofit von monatlich 7,5 Millionen Mart.

Ueber den Pleiten in der Industrie und der Bankwelt, über| Kreise an einer polifischen Unruhe größtes Interesse haben, um die Devisen und Kapitalfluchtnotverordnungen und über dem kommu- Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit nicht auf diese Dinge hinzulenten. nistischen Theater gelegentlich des Volksentscheids in Preußen, hat Machen wir uns mal ein Bild von den Profit en, die die breite Deffentlichkeit offenbar vergessen, daß man erst vor der neue Brotwucher erbringt. Man kann annehmen, daß der cinigen Monaten einen hartnädigen Rampf um den städtische Verbrauch an Brot monatlich etwa 250 000 Tonnen beträgt. Brotpreis führte. Manch einer wird, jetzt daran erinnert, fragen: Was ist denn eigentlich aus diesem Brotpreiskampf ge= worden? Die Antwort lautet kurz und bündig:

Die Getreidepreise sind um 50 bis 60 Mark pro Tonne ge­fallen, der Brotpreis aber steht dort, wo er stand, und das ehrfame Bädergewerbe stedt Sonderprofite ein, die monatlich in die Millionen gehen.

Jedesmal gehen in der zweiten Hälfte des Getreidejahres, also in der Zeit von Januar bis etwa Juli, die Getreidepreise in die Höhe. Die Vorräte gehen zur Neige und das sich verknappende Angebot bedingt eben höhere Preise. Dieses Mal fletterten die Preise ganz besonders in die Höhe, weil der Reichs ernährungsminister Schiele, der Vertrauensmann der Großagrarier, die ganze Bewegung mit pofitischen Mitteln förderte. So hintertrieb Schiele die Getreidezollermäßigung und wehrte sich gegen eine genügende Einfuhr von Brotgetreide. Das ging bis in den Monat Juni hinein gut.

Dann trat ein starkes Fallen der Getreidepreise ein. Sicherlich hat die Finanzkatastrophe in Deutschland die Dinge auf den Getreidemärkten beeinflußt. Die Mühlen fönnen fich nicht mit größeren Vorräten eindecken, weil der Zinsfuß, was sich aus der ganzen finanziellen Misere ja erklärt, zu hoch, und weil die Lage an den Getreidebörsen zu unübersichtlich ist. Zum ande­ren stockt das Mehlgeschäft.

Die Tatsache, daß infolge Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und Lohnkürzung der Leibriemen in Deutschland enger geschnallt wer den muß, wirkt sich auf den Mehl- und Getreideabsatz aus.

Man soll gerade die Landwirtschaft einmal an diese Dinge erinnern. Selbstverständlich ist der Getreidepreissturz in Deutschland feine Sondererscheinung. Die Getreide­preise auf den Weltmärkten sind noch mehr gefallen. Der Juli­weizen wurde in Chikago so niedrig notiert, wie noch nie seit dem Jahre 1894. Das Reichsernährungsministerium mag mit politi­schen Mitteln in diese Entwicklung eingreifen wollen; es wird sich zeigen, daß

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sich das Getreide der Preiskatastrophe auf den Weltmärkten ebensowenig entziehen kann, wie die Baumwolle, wie Kupfer, Zutter, Gummi und andere Rohstoffe.

Die politischen Mittel werden nur zur Folge haben, daß die not­wendige Anpassung an das Weltpreisniveau später erfolgt und die daraus resultierende Krise verlängert wird. Vor allem soll sich der Reichs ernährungsminister einmal darüber klar werden, daß angesichts einer solchen Entwicklung seine überhöhten Getreide richtpreise einfach Unfug und Popanz fin.

Ueber die Entwicklung der Getreidepreise an der Berliner Börse geben wir folgende Uebersicht:

Weizen.

Roggen

Weizenmehl*) Roggenmehl*)

*) 100 kg frei Berlin inkl. Sad

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30. Mai 1931 4. August 1931 ( Notierungen für eine Tonne in Reichsmart an der Berliner Börse an märkischer Station) 272-274

198-200

·

33,00-38,25 26,05-28,05

188-190 139-140

25,50-35,00 20,50-24,00

Der Preissturz ist gewaltig. Das mag daraus hervor. gehen, daß wir gegenwärtig seit 1924 den niedrigsten Roggenpreis haben. Hier müssen aber die Preise auf den Weltmärkten berücksichtigt werden. Nehmen wir z. B. die Preise für amerikanische Weizenmittelsorten, so ergibt sich ein Preis ab Hamburg ohne Zoll, der noch unter 90 Mart liegt. Südrussischer Roggen, der in der Qualität besser ist als der deutsche Roggen, wird, immer pro Tonne, für nicht ganz 63 Mark angeboten. Wir können also feststellen,

daß die deutschen Getreidepreise infolge der Zölle immer noch doppelt so hoch find als die Weltmarktpreise.

Wie haben nun die Mehl- und die Brotpreise auf diese gewaltige Erschütterung reagiert? Wie unsere Aufstellung ergibt, ist der Mehlpreis im Begriff, sich den Getreidepreisen anzupassen. Wir können heute nur sagen, daß, trotzdem genügend Zeit für die Anpassung vorhanden war, mir z. B. einen Roggenmehlpreis haben, der einem Getreidepreis von etwa 150 Mart entspricht. Man hat die Preisbewegung ganz genau zu verfolgen, um hier einem drohenden Wucher Einhalt zu tun, und mancher Mann und manche Frau in Dorf und Stadt, die nun einmal radi­talen Anwandlungen huldigen, täten beffer, wenn sie am nächsten Sonntag, dem Tag des kommunistisch- nationalsozia= listischen Voltsentscheids, einmal gründlich die Getreide­und Brotpreise studieren wollten, anstatt mit ihrem Stimmzettel den Brotwucher zu fördern.

Denn der Brotpreiswucher blüht wie nie zuvor. In Berlin kostet das Brot gegenwärtig 38,5 Pfennig pro Kilo­gramm. Nach den gegenwärtigen Mehlpreisen, die sich aber noch nicht den Getreidepreisen angepaßt haben, dürfte das Brot pro Kilo­gramm höchstens nur 35 Pfennig foften. Das Kilogramm Brot wird gegenwärtig mindestens mit 3,5 Pfennig zu teuer bezahlt. Das ist eine Ungeheuerlichkeit, und man kann sich schon vorstellen, daß gewisse

Daß die Regierung hier mit allen Mitteln einschreiten muß, ist selbstverständlich, und die Kommunisten, die sich jetzt für die Ideale der alten wilhelminischen Zeit einspannen lassen und mit Hakenkreuz und Stahlhelm gemeinsam gehen, täten gut, sich wieder daran zu erinnern, was der Brotpreis für die Arbeiter= familie in Deutschland bedeutet.

Französisches Kapital in Osteuropa .

Der

Der Rüstungskonzern Schneider- Creusot als Schrittmacher.

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französische Schneider Creusot Konzern, Europas größtes Rüstungsunternehmen, hat in den letzten Tagen seine industriellen Machtstellungen in Osteuropa aufs neue erweitert. Bemerkenswert ist sein Eindringen in die Wirtschaft Lettlands , denn bisher waren die Einflüsse des französischen Kapitals in den eigentlichen Randstaaten im allgemeinen nur gering. Das lettische Parlament hat dieser Tage die Rigaer Regierung er­mächtigt, eine Anleihe von 30 Millionen Lat ( etwa 24 Millionen Mark) aufzunehmen, wovon ein Drittel in bar und die restlichen zwei Drittel in Form von Warenlieferungen gegeben werden sollen. Kreditgeber ist die Gruppe Schneider- Creusot, zu der die französische Großbank Union Parisienne" gehört, woraus zu schließen ist, daß es sich in der Hauptsache um Lieferungen dieses Konzerns handeln wird.

Eine zweite wichtige Eroberung wird aus Polen gemeldet. Bekanntlich hat Schneider- Creusot gemeinsam mit der Union Barisienne" und einer Reihe weiterer französischer Banken vor einigen Monaten die französisch polnische Bahngesell schaft gegründet, die die große polnische Nordsüdbahn von der Ostküste bis nach dem oberschlesischen Industriegebiet fertigstellen und betreiben soll. Da nun die Lieferungen für den restlichen Bahn­bau von polnischen Unternehmungen geleitet werden sollen, so hat Schneider- Creusot dieser Tage auf die ehemals deutsche Friedenshütte( Ballestrem ) Einfluß genommen.

Die französische Einflußnahme geschieht nun zunächst in der Form, daß die Schneider- Gruppe der Friedenshütte einen Kredit in Höhe von 20 Millionen 3loty einräumt. Möglicherweise wird später dieser Betrag in Aktien umgewandelt, so daß dann eine unmittelbare Kapitalbeteiligung stattfinden wird.

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Uebrigens mar Schneider schon früher an einem polnischen Montanunternehmen beteiligt, nämlich an der Huta Bankowa, deren Aktienkapital von der ,, Union Européenne" fontrolliert wird, einer Dachgesellschaft, an der neben Schneider auch die ,, Union Parisienne" beteiligt ist. Diese Gesellschaft kontrolliert bekanntlich in der Tschechoslowakei die Skoda - Werke.

Es gehört auch in die Reihe dieser Eroberungen, daß sich die Union Parisienne" dieser Tage in Ungarn stärfer feſt= gesezt hat. Ihr dortiger Einfluß beschränkte sich darauf, daß die erwähnte ,, Union Européenne" an der größten ungarischen Bank, der Ungarischen Allgemeinen Creditbant, beteiligt ist. Wie jetzt gemeldet wird, hat sich diese Bant jetzt an der von Ungarn aufgenommenen Schabwechselanleihe im Gesamt­betrage von 140 Millionen Mart mit 56 Millionen Mark beteiligt; den Rest( 84 Millionen Mark) hat das Londoner Bankhaus M. N. Rothschild übernommen. Die Mitwirkung der französischen Gruppe an dieser Anleihe ist von politischen Konzessio nen Ungarns abhängig gemacht worden, über die bisher Einzel­heiten noch nicht vorliegen.

Diese Gesellschaft, die ihren Sitz in Kattowiz hat und mit einem Die große Attivität der Gruppe Schneider- Creusot und ,, Union Aktienkapital von 70 millionen 3loty( knapp 35 Mil- Parisienne" gerade in der gegenwärtigen Zeit ist auf alle Fälle ein lionen Mark) arbeitet, besitzt in der Nähe der deutschen Grenze sehr beachtlicher Vorgang, denn das weitere Eindringen Hochöfen, Stahlwerke, Walzwerke, Radsahfabriken, auch Kohlen- dieser wichtigen französischen Unternehmungen verstärkt natürlich die gruben, Kokereianlagen und hat insgesamt etwa 15 000 Bewirtschaftliche und politische Abhängigkeit der osteuropäischen Länder schäftigte. Außerdem ist die Friedenshütte an einigen weiteren vom französischen Kapital. Diese Expansionsmaßnahmen sind freilich Unternehmungen beteiligt, u. a. zu 50 Proz. am Kapital der weit entfernt von jenem Kapitalerport, der die mittel- und oft­Ferrum Gesellschaft, die ihrerseits die Maschinen europäische Wirtschaft von der heute so gewaltigen Kapitalkraft fabrit 3ielmenski kontrolliert. 30 Proz. des Aktienkapitals Frankreichs erwarten könnte: denn sie stehen im Zeichen der franzö sind in deutschen Händen, und zwar bei der mit 28 Millionen Mark| fischen Bündnispolitik mit einzelnen Osteuropastaaten und tragen, Aktienkapital ausgestatteten Oberschlesischen Eisenbahnbedarfs- 2.- G. folange sich die französische Kapitalbergabe in dieser Richtung Die restlichen 70 Broz. befinden sich bei der Gräflich- von- Balle- fonzentriert, zur politischen Beruhigung Europas faum bei. stremschen Verwaltung.

Der Devaheim- Skandal.

Die Innere Mission hat die Verantwortung!

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Der Zentralausschuß für Innere Mission machte der Presse Angaben über den Stand der Devaheim- Angelegenheit. Wenn der Zentralausschuß eine Trennung von Devaheim und Devaheim- Konzern vorzunehmen suchte in der Weise, daß er die Verantwortung zwar für Devaheim, aber nicht für die Konzerngesellschaften von Devaheim- Baugenossenschaft des Deutschen Evangelischen Volksbundes, Mülheim und Deutsche Entschuldungs­und 3medspar A.-G.( Deuzag)- trage, so ist das vielleicht formal­juristisch richtig. Moralisch trägt der 3entralausschuß auch die Verantwortung für die Geschäfte dieser Gesellschaften, zumal dieselben Mitglieder des 3entralausschusses in den Aufsichtsräten aller Gesellschaften faßen( wenn auch nur bei Devaheim ,, ais Vertreter des Zentralausschusses").

hohen Summen bevorzugt wurden. Dabei scheinen auch prominente Vertreter der Inneren Mission die Devaheim- Deuzag für allerlei 3mede( wenn auch nicht für ihren eigenen Vorteil), als Finanzierungsinstitut benutzt zu haben.

Kupferpreis nochmals herabgesetzt.

Das Internationale Kupferfartell hat den Preis für ein eng Tisches Pfund Kupfer auf 8 Dollar- Cents herabsetzen müssen. Das ist der niedrigste Kupferpreis, der je notiert wurde. ist der niedrigste Kupferpreis, der je notiert wurde.

Diskonterhöhung in Prag . Die tschechoslowakische Nationalbank. hat den Diskontsag mit Gültigkeit vom 5. August von 4 auf 5 Pro­zent erhöht.

Abänderung des Handelsgesetzbuches durch Notverordnung. Durch Notverordnung vom 1. August ist der§ 240 des Handelsgesetz­buchs, Abs. 2 Sah 1 abgeändert worden. Attiengesell­

gleichsverfahrens binnen drei Wochen nach Eintritt der Zahlungs­unfähigkeit oder nach Feststellung der Unterbilanz zu beantragen.

Wie weit die Vertreter im Aufsichtsrat ihre Pflichten verletzt haben, wie weit sie getäuscht wurden, wird hoffentlich die Unterschaften haben danach die Eröffnung des Konkurs- oder Ver­suchung des Staatsanwalts ergeben. Von etwa 20 000 Sparern wurden 16,5 Millionen Marf Spargelder eingezahlt; davon sind nur 10,37 Millionen Mark als Baugelder zugeteilt worden. Die fehlenden 6 Millionen Mark sind der Baugenossen schaft als Kredite zugeflossen, die damit eine große Bautätig feit entfaltete. Auch 3 Millionen Mart Banttredite, die Devaheim aufnahm, sind zur Finanzierung von Bauausführungen der Baugenossenschaft verwandt worden. Was von diesen Geldern zurückfließen wird, ist außerordentlich zweifelhaft.

Zur Aufbringung der verbauten 6 Millionen Mark Spargelder hat die Innere Mission eine Notgemeinschaft" gegründet, in der sich die 4000 Anstalten und Vereine der Inneren Mission zu­sammengeschlossen haben. Die Geschäfte der Devaheim- Deuzag foll die Zentralbauspartasse weiterführen. Die Verluste wurden auf etwa 1,5 bis 2 Millionen Mark beziffert. Der einmalige Un­fostenbeitrag ist auf 2 Proz. erhöht worden, den man von den eingezahlten Beträgen abbuchen will. Diese Erhöhung macht bei einer Gesamtsparsumme von 150 bis 200 Millionen Mark einen Millionenbetrag aus; ohne die Erhöhung wären also die Verluste entsprechend höher.

Es scheint sich zu bestätigen, daß die wenigen Sparer mit

Die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten . Die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten wird für den Monat Juli auf 5,2 Millionen geschäßt, was gegenüber dem Stand vom 22. Juni eine Zunahme von 175 000 bedeutet. Der Präsident der ameri fanischen Federation of Labour, Green, ist der Ansicht, daß sich die Zahl der Arbeitslosen auf 7 Millionen erhöhen würde, wenn die Wirtschaftslage sich nicht bald bessere.

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