Andreas Xaimko:
Einem Säugling ins Tagebuch
Die Fäustchen emporgereckt wie ein antiker Heerführer, der seine Mannen herbeiruft in der Schlacht, das kleine Gesichtchen ge- rötet vor zorniger Ungeduld, läßt du deine spitze Stimme durch das Haus gellen, so oft du Nahrung oder Reinlichkeit entbehrst. Win- ziges, kaum vier Wochen altes Menschlein, weißt du schon gebiete- risch zu fordern, und ein Beiklang von Vorwurf und Empörung schwingt mit in deinen hellen Fanfarenstößen, wenn man dich warten läßt. Wir haben dich ja daran gewöhnt, daß deine Be- dürfnisse sofort befriedigt werden— mußt du nicht glauben, es ge- nüge immer, sein Verlangen nach Nahrung und Sauberkeit kund zu geben, damit diese angeborenen Bedürfnisse, natürlich und selbstverständlich wie sie sind, auch natürlich und selbstverständlich befriedigt werden in dieser Welt?... Du liegst weich im niedlichen weißen Bett, bändchengeschmückt, deine Gliederchen rekeln sich wonnig im warmen Bad, reine Wäsche liegt bereit, das alles nimmst du als Tribut, genau wie deine hart gefallenen Altersgenossen den Mangel hinnehmen lernen. Von allem Unglück, das dich häte treffen können, ahnst du nichts, und selbstverständlich, wie Sättigung und Reinigung heute, wird es dir lange noch scheinen, daß für jedes ausgewachsene Wams, für jedes durchscheuerte Beinkleid, stets ein neues bei der Hand sei... Du wirst Fragen stellen, und dein Wissensdurst wird gestillt werden, du wirst klagen, und jede geringste Störung deiner Gesundheit wird Sorgfalt und Mitleiden wecken. Wie für eine Pflanze im Glas- haus wird Licht, Wärme, schwarzes Erdreich für dich herbeigeschafft, —. so wirst du wachsen und dich stählen dürfen, um später, wenn das Glashaus deiner Kindheit' abgetragen wird, deinen Vorzugs- platz behaupten zu können auf der Sonnenseite des steilen Daseins- berges, dessen karstigen Nordabhang die verkümmerten Zwerg- pflanzen bedecken, die nie ein voller Sonnenstrahl streift. Für diese Stunde, da du, der Obhut entwachsen, hinaustreten wjrst in die Wirklichkeit, selbst eine Stimme zu werden im großen Ehor der Lebenden, für diese Stunde schreibe ich dir heute diese Zeilen in das Tagebuch, das ich für dich führe, bis du reif geworden bist, es selbst zu übernehmen. Vor dem Eingänge in dein Mannes- alter sollen diese Seiten ausragen als Warnungstafel, und dich er- mahnen, die Schuld tilgen, die dein Vater auf sich nahm, als er für dich zusammentrug, was er erraffen konnte an Wärme und Wisien, Muße und Nahrung. Denn wisse mein Kind, es kann keiner in der Sonne stehen, ohne Schatten zu werfen hinter sich. In derselben Stunde, die mir geheiligt wurde durch deinen ersten Schrei, wurde rings um den Erdball zehn- tausend unseligen Menschenwürmchen ein Leben„geschenkt", das heute schon in Schmutz verkommt, und die Qualen ungestillten Hungers leidet. Selbstverständlich, wie dir dein Wohlergehen, muß jenen auf der Schattenseite die verdorrte Mutterbrust sein, oder die halbgefüllte Flasche, die vorzestig dem gierigen Mündchen entrissen wird, um noch einmal den Hunger des Säuglings zu täuschen. Schritt haltend mit ihrem Wachstum wächst die Härte der Umwelt, wächst ihre Unwissenheit, um sie einzuliefern der Fron, die sie ernährt und verzehrt zugleich. Dir aber mein Sohn, weil du im Glashaus auferzogen bist, darf nie dein eigenes Ich so zum Sinn, dein enges Geschick so zum Inhalte werden, soll nicht die Sorgfalt, die ich auf dich verwende, durch deine Schuld sich in Vergehen wandeln. Wisse: man wird es dir weis machen wollen, es sei alles, was deine geschützte Jugend dir beschied, ein Recht, das immer neue Sonderrechte gebärt. Viel Schlimmes und Hartes wird man dich lehren wollen!... Rings um dich wird der Wald der Starken rauschen, die auf der Südseite ge- wachsen, wie du. ihre Wurzeln immer noch näher an die Sonne zu rücken suchen, ohne Rückficht aus den ollzubreiten Schatten, den sie werfen, ohne Schonung der kargen Lebenssäfte, die sie aus der Srein- schicht der Darbenden saugen. Glaube ihnen nicht, wenn die dir sagen: die auf der Schatten- seite wären nur bestimmt, der dürre Reisig zu sein in dem Kamin,
der dich, verwöhntes Sonncnkind, vor Kühle schützt. Glaube aber auch den anderen nicht. Verschließe deine Ohren auch der ge- hässigen Melodie, die der Nordwind, drüben im Schatten, durch den verkümmerten Seelenwald der ewig Fröstelnden pfeift. Es kann nicht deines Amtes fein, dich selbst aus der Sonne zu verbannen, weil nicht alles, was lebt, blühen darf wie du. Zum Menschen bist du geboren, nur Menschenwerk kannst du tun, nicht aber Richter sein der Krait, die alles um dich und in dir erschuf. Könnten Rasende die Berge wenden— immer fiele ein Abhang nach Norden ab, und nur Frevler werden die ganze Menschheit in die Eisnacht des Eskimos verbannen wollen, damit eine Gleichheit herrsche, die nicht der Wille der Schöpfung war.... Dort, wohin das Schicksal dich gesät, darfst du stehen und ge- deihen, mein Kind, als ein M e n s ch e n b a u m, der aus den Säften und den Sonnenstrahlen, die er trinken durfte, Früchte baut in den Tagen der Reife... Lasse sie hinüberrollen auf die Seite, die sich bescheiden mußte, daß sie Nahrung oder Erquickung werden jenen. die sich emportragen mußten mit ihren Entbehrungen. Lasse dich von diesen Seiten deines Tagebuches zurückführen in deine Kind- heit, in diese Stube, die nur wärmend dein Gedeihen beschützen kann, weil Menschen wie Maulwürfe blind, die lufthungrigen Lungen init Kohlenstaub füllen, mit Gefährdung ihrer Glieder die Baumstämme über verschneite Abhänge schleifen. Jede Spanne deines ireien Wachsens wird so mit der Unfreiheit anderer erkauft, und dein Vater darf dir nur Gärtner sein, deine Wurzeln nur mit dem Schweiße anderer gießen, in der Erwartung, einen Nutzbaum zu ziehen. Mitten aus. dem Dickicht der Selbstsucht, aus dem breitwuchernden Gewirr der Schlingpflanzen, die von fremder Kraft sich mästen, ragen Bäume auf, recken ihre Kronen über den kantigen Grat, der Nord von Süden trennt. Spender sind sie, jeder nach seiner Art und Kraft, erfreuen sie die Sinne aller mit Duft und Forbenpracht ihrer Blüte — beugen trächtig ihre Zweige, um Hunger und Durst zu stillen— oder geben sich hin als tragende Balken und Fachwerk, zum Hütten- bau im Tal. Solch ein Schuldentilgner sollst du mir werden, mein Kind, unbeirrt auch vom Hasse der Gierigen, unbeirrt endlich von eigenem Kleinmut, der dir einflüstern könnte:. dein einziges Ich sei zu schwach eine Nacht zu lichten, die schöpfende Allgewalt Millionen zum Schicksal bestimmte. Schaffender Mensch zu sein ist dir vergönnt, in das umcrtige Wunherwerk der Schöpfung bist du gestellt, es fortzuwirken. Die Allmacht streute uns aus in den gesegneten Schatten der Dattelpalmen und Bananensträucher die einen/ die anderen in die nackte Traner der Polargegend. Menschengeist und Menschenhände aber haben den Dampf unterjocht und Schiffe gebaut, und in die tranige Armut der Fischerhütte im Norden bringen heute schon Kaffeebohnen und Teeblätter eine Ahnung von dem Duft und der Glut der Tropen- weit.... An den Anfang nur dieses Weges sind wir herangelangt. Alle Pracht und aller Reichtum der Erde ist zur Verteilung uns anvertraut. Der Blitz leiht uns seine Kraft, der Aether trägt unsere Stimme durch die Welt. Wir verbieten der Nacht ihr Dunkel, keine Ferne kann uns mehr'trennen. Unsere vertausendsachten Kräfte reichen aus, das Glück zu mehren, als Mittler zwischen den Schätzen der Natur und ihren Stiefkindern. In diesem Menschenwerke ein Handlanger zu sein, schickt dich mein Segen, mein Kind. Wohin dein Blick auch fallen wird/ überall wirst du gehäuft die Gaben der Erde sehen, und dicht doneben das Darben und Sichzerfleifchen. Alle Entbehrungen, die ich dir ersparen, olle Förderungen, die ich dir zuteil werden lassen durfte, sollen dann zu Kraft und Willen in dir werden! So stehe auf meinem Grabe Rechtfertigung meiner Naterliebe, Menschenbaum der Zukunft du, den Sinn dieser in die Herzrinde geschnitten, als Wegmarkierung der ewigen Bahn, die unserem Aufstieg von der Schöpfung gewiesen ist.
Jlnaben als fflaushaUsfclmler
Es mag zunächst scheinen, als ob die Forderung, den Hauswirt- schastlichen Unterricht auch aus die Knaben auszudehnen, von einer fanatischen Prinzipienreitern der Frauen inspiriert sei, als ob sie, die nunmehr die gleichen Rechte wie die Männer haben, die These verfechten wollten, auch die Männer müßten ihr Teil zu der mehr oder minder angenehmen hauswirtschaftlichen Arbeit beitragen. Dem ist nicht so. Das zeigt sich schon darin, daß die Forderung des hauswirtschastlichen Unterrichts für Knaben zunächst in den Ländern verwirklicht wurde, die die Gleichberechtigung der Frauen durchaus noch nicht restlos durchgeführt haben. So wird in Amerika in 42 von 48 Staaten für Knaben hauswirtschaftlicher Unterricht erteilt, auch England und die Schweiz sind dieser Anregung weitgehend gefolgt. Doch nun bricht sich auch in Deutschland die Erkenntnis allmählich Bahn, wie segensreich sich eine solche Einrichtung aus- wirken. könnte. Was wissen die Knaben, die heute aus der Schule. kommen, von der Hauswirtschaft und ihrer Verflechtung mit der Volks- Wirtschaft, was wissen sie von den Lasten, die der Mutter und Haus- frau auferlegt sind, und für deren Bewältigung sie bisher allenfalls die Töchter heranziehen konnte? Wie segensreich kann es für den schulentlassenen Knaben sein, der dös Glück einer regelmäßigen Berufsarbeit nicht verspüren darf, weil er kein Unterkommen im Wirtschastsprozeß findet, weim er wenigstens durch eine Mithilfe im Haushalt für ein paar Stunden beschäftigt und an die Familie gebunden ist. Dazu kommt die heute so häusige Erscheinung, daß in einer Famllie der Mann arbeitslos ist, aber die Frau wenigstens einen Verdienst hat. Wieviel leichter gestaltet sich dann der Haus- halt, wenn in Zukunft, durch hauswirtschaftlichen Unterricht in der Schule vorgebildet, der Familienvater in die Räder des Hauswirt- schaftlichen Betriebes eingreifen kann und durch systematische Er- Ziehung dos Vorurteil verloren hat, als ob die Mithilfe im Haus- halt den Mann entehre. Auch die Entwicklung unserer Arbeitszeit- Politik, die in Zukunft wohl den Mann länger als bisher der Familie zurückgeben will, fordert eine geistige und praktische Um- stellung auf diesem Gebiet«. Man wird noch weiter gehen müssen! Man betlagt es heute sehr, daß der Familienvater sich heute relativ wenig um die Erziehung seiner Kinder kümmert, daß die Pädagogik der Familie fast nur der Mutter überlasten ist. Man wird also konsequenterweise fordern müssen, daß die ganzen Fragen der Er- ziehungslehre dem Manne in ganz anderem Maße als bfsher nahe- gedracht werden. Das wird weniger im Rahmen der Schul« und der Fortbildungsschule geschehen können, als im Rahmen der Volks- Hochschulen und ähnlicher Einrichtung«n. Schaut man in die Praxis, so zeigt sich, daß die Entwicklung
schon in dieser Richtung geht. In einer Arbeit über„den Rhythmus des Familienlebens", die im Rahmen der Forschungen der Deutschen Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit über Bestand und Erschütterung der Familie erschien«» ist, weist Dr. Alix Wester- komp nach, wie groß die Mitarbeit erwerbstätiger Familien- Mitglieder heute in den einzelnen Familien ist. Die Mutter vieler kleiner Kinder, die die Last des Haushalts auf sich hat, rechnet mit der Hilfe der aus de? Arbeit Heimkehrenden.„Und was das Er- staunliche ist, diese Hilfe wird geleistet. Nicht in allen Fällen aus einer wirklichen Hilfsbereitschaft heraus, sondern oft genug mit innerem Widerstreben." So haben in 32 von Dr. Westerkamp unter- suchten Familien mit 23 Vätern 12 Väter im Haushalt mitgeholfen, und von 28 Söhnen sind IS der Mutter bei der Arbeit behilflich gewesen. Das ist eine ganz beträchtliche Anzahl, die sich vermehren wird, wenn die Knaben schon in der Schule auf diese Notwendigkeit hingewiesen und praktisch auf sie vorbereitet werden. Lt,
Stationelle Fußpflege Mit einer guten Fußpflege kann man gor nicht früh genug an- fangen. Jede Mutter sollte, sobald das Kind die ersten Schuhchen bekommt, darauf achten, daß sie auch der Form des Fußes ent- sprechen und weder zu groß noch zu klein sind. Es gibt heute breite Kinderschuhe, und wenn man alle unzweckmäßigen Formen ablehnt, dann erzieht man die Schuhfabriken am sichersten zu einer richtigen Einstellung, die mit der sachlichen Kritik des Publikums so rechnet, daß eben nur noch gesunde Paßformen hergestellt werden und die anderen vom Markte verschwinden! Sobald eine Anlage zum Senk- fuß bei Kindern besteht oder die Knöchel heraustreten, sollen keine flachen, absatzlosen Sandalen getragen werden, sondern ein fester Schuh, der Hält bietet und einen entsprechenden Absatz hat. Die Nägel an den Füßen müssen genau wie an den Händen gepflegt und beschnitten werden, damit man dem Einwachsen der Nägel in? Fleisch keinen Vorschub leistet. An Stellen, wo die Haut durch Druck belastet wird, besonders unter dem Fuß und auf den Zehen, bildet sich eine Hornhaut: drückende Schuhe erzeugen die weit und breit so bekannten.Hühneraugen", die uns oft das Leben zur Hölle machen. Die Elastizität eines Menschen kann ganz er- heblich durch solche Folgen mangelhafter Fußpflege gestört werden. Menschen, denen Fußschmerzen das Gehen erschweren, werden leicht phlegmatisch und dick, wodurch noch andere schwere Gesundheits- ftörungeu hervorgerufen werden können; denn mangelhafte Be-
«egung kann die Verdauung verschlechtern und auf diesem Z�egß zu schweren Störungen des ganzen Blutkreislaufs führen. Zu einer rationellen Fußpfleg« gehört in erster Linie das Fußbad! So oft wie möglich, mindestens jeden zweiten Tag, bade man die Füße(sofern man nicht die Möglichkett hat, mindestens zweimal wöchentlich ein Vollbad zu nehmen). Jeden Tag aber seife man die Füße ab, genau wie man es mit den Händen auch tut. Dadurch wird der Fuß bester durchblutet, die Haut wird weicher und neigt weniger zur Verhornung. Nach dem Fußbad, das in warmem Seifenwasser mindestens S bis 10 Minuten lang vorge- nommen wird, reibe man die Füße mit einer reizlosen Vaseline, Bor- salbe oder auch mit Lanolin ein. Danach ist es auch leicht, die Hornhaut mit einem Messer abzuschneiden. Doch muß man damtt sehr sorgfältig sein, um Verletzungen zu vermeiden. Denn gerade Wunden an den Füßen werden naturgemäß viel leichter verunreinigt und infiziert. Ist wirklich einmal eine kleine Verletzung vor- gekommen, so mache man einen sorgfältigen Verband, indem man Gaze in 1 Zentimeter breite Streifen schneidet und um den oerletzten Zehen wickelt. Damit der Verband hält, wird ein ebenso schmales Streifchen von Heftpflaster umgeklebt. Dieser Verband kann bis zur Heilung sitzen bleiben. Er stört auch nicht bei weiteren Fuß- bädern, die an den nächsten Tagen vorgenommen werden. Wer an Krampfadern leidet, der tut gut, den Fuß und Wade mit einer elastischen Binde zu wickeln. Doch muß so gewickelt werden, daß sich am Knie das Blut nicht staut: das Wickeln soll ja gerade die Stauung verhindern. Es muß daher möglichst hoch gewickelt werden, und es darf nicht Fleisch über die Binde hinaus- quellen. Auch für Krampfadergeschwüre gibt es heute einen Ver- band, der feucht um den Fuß gelegt wird, dann erstarrt und einen überraschenden Heilerfolg hat. Bei Schweißfuß empfiehlt es sich, morgens und abends kalte Waschungen(vor oder nach den warmen Fußbädern) zu machen. Dann sind die Füße gut zu pudern. Die Strümpfe sind, wenn es irgend geht, täglich zu wechseln. Ratsam ist es, nach Möglichkeit nur wollene Strümpfe zu tragen, die nicht so hart und unansehnlich werden wie baumwollene, und die das Wundwerden der Füße durch Reiben(an verhärteten Stellen der Strümpfe) verhindern! Dr. B. Heues von den XehensHrahlen Seitdem im Jahre 1323 von dem russischen Biologen Gurwitsch eine Strahlung entdeckt wurde, die zwischen Lebewesen sich vollzieht, hat man di«se Aussehen erregenden Behauptungen in den vcrschie- denen Ländern i»achgeprüft, und aus diesen Untersuchungen geht heute zweifelsfrei hervor, daß es eine solche nachweisbare Fern- Wirkung zwischen den Organismen gibt. In seinem b«reits klassisch gewordenen Grundversuch bracht« Gurwitsch die Spitze einer Zwiebelwurzel in die Nähe der Flanke einer zweiten Wurzel, die also unter dem einseitigen Einfluß der Spitze stand: auf der der Spitze zugewandten Seite fanden bedeutend zahlreichere Zell - tcilungen statt als auf der abgewandten. In letzter Zeit sind nun weitere neue Beobachtungen auf diesem Gebiet gemacht worden, über die in der Leipziger „Illirstrirten Zeitung" berichtet wird. Man hat zahlreiche ander« Sttahlungsquellen entdeckt, so noch wachsende Lebewesen, wie Kaulquappen oder Pflanzenkeimlinge, Bakterien und Hefepilze, Brei aus tätigen Muskeln, Gehirn und besonders das Blut: sie alle senden diese lebenanregenden Strahlen aus,, und man glaubt, daß überhaupt jedes lebende Gewebe solche Strahlen abgibt. Sorgfältige Untersuchungen ergaben, daß es sich dabei um ultraviolette Strahlen handelt. Man hat mtt Ultrastrahlen aus Quarzlampen die gleichen Er- gebniste erzielt. Mit unseren Augen ist das„Leuchten" natürlich nicht wahrzunehmen: auch die beste phötographische Platte ist daz» nicht empfindlich genug. Aber der physikalische Nachweis der Strahlennatur dieser Fernwirkung ist erbracht, und genaue Messun- gen, bei denen eine sechshundert», al größere Empfindlichkeit de» lebenden Gewebes als die«iner Photoplatte festgestellt wurde,(r= öffnen einen Einblick in das Feingetriebe der neuentbeckten Lebens- Vorgänge. Diese Strahlen sind— ähnlich wie die Hormone— Regler, Ordner und Leiter des Wachstums und der Entwicklung. Die zahllosen Teilungen, in denen die Entstehung eines Lebewesens vor sich geht, werden durch vorangehende Strahlung hervorgerufen. Zuerst strahlt meistens die Dotterfubstanz: ist dann der Blutkreis- lauf ausgebildet, so übernimmt das Blut die Strahlung und wird nun zum Träger des gesamten Entwicklungsverlauses. Wird ein pflanzliches oder tierisches Gewebestück bestrahtt, so wird es selbst zum Sender, auch wenn es vorher nicht„leuchtete". Die Aufgabe des Blutes besteht in der Vermittlung einer solchen Strahlung aus zweiter Hand, durch die sämtliche Teile unseres Körpers ihrer Wirkung ausgesetzt werden, selbst wem, sie nicht un- mittelbar mit dem Blut in Berührung kommen. Solange ein Organismus lebt, bildet er durch Teilung immer neue Zellen: die An- regung zu diesen Teilungen geht von der Strahlung des Blutes oder der von ihm bestrahlten Teile aus. Daher findet man be- sonders starke Strahlung überall da, wo lebhafte Neubildung vor sich geht, so z. B. in der Milz , in den Lymph- und Keimdrüsen. Durch diese Entdeckungen wird auch der schon lange bekannte Einfluß des ultravioletten Lichtes erklärt. Die künsttiche Höhen- sonne, die für Heilzwecke so große Bedeutung besitzt, ist nichts anderes als Unterstützung oder Ersatz der biologischen Strahlung. Auch die Wirkung mancher Heilwässer wird dadurch verständlich, daß Salzwasser, das eine Zeitlang von einem Sender bestrahlt wurde, selbst solche Strahlen aussendet.
die SpeiSelorchel giftig? lieber dieses Thema gehen die Ansichten im Publikum weit auseinander. In der„Medizinischen Welt" gibt Professor Dr. Stahr- Danzig zu, daß die Giftigkeit der Lorchel stark umstritten ist, daß man allerdings auch berücksichtigen müste, daß sich die Widerstands- fähigkeit gegen dieses Lorchelgift bei den einzelnen Menschen ganz verschieden äußert. Es gibt Leute, die der Giftwirkung überhaupt nicht ausgesetzt zu sein scheinen, während andere wieder stark empfänglich sind. Der Autor hat bereits vor zwei Iahren über mehrere Todesfälle nach Lorchelgenuß berichtet und bezieht sich auf Arbeiten, in denen gleichfalls von Todesfällen geschrieben wird. Die Lorchel kommt immer in riesigen Mengen auf den Markt und wird auch sehr billig abgegeben. Durch Abkochen und Weggießen des Kochwasfers wird bisweilen eine natürlich« Entgiftung erzielt, aber diese Maßnahme wird nicht überall getroffen. Zum Schluß bemerkt Stahr, alle Lorcheln seien im Gegensatz zu den Morcheln giftig, doch seien die Gifte schwach und gingen größtenteils in dos Kochwasser über. Dennoch soll der Erwachsene auch bei sachgemäßer Vorbereitung und Abgießen des Kochwasfers keine allzu großen Mengen genießen, zumal der Nährwert dieser Pilzarten nicht sehr doch ist. Die lebenswichtigen Vitamine sind in allen anderen Pilzen mindestens ebenso stark enthalten. Von einem strikten Verbot, die Lorcheln überhaupt auf den Markt zu bringen, kann nach Ansicht des Verfassers abgesehen werden. Ein unbedenklicher Genuß da- gegen ist keineswegs zu gestatten, da bei besonders empfindlichen Personen abgekochte Lorcheln auch ohne Kochwasser giftig wirken.>. i l i