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Bewaffnete Nazi-Stoßtrupps Enthüllungen im Prozeß gegen Sturm 33.

Der weitere Verlaus des Prozesses gegen die alionalsozialiskische Sondengruppe des S l u r m s 3 Z vor dem Schwurgericht III in Serlin-Moabit ergab ungemein interessante Einzelheiten darüber, was es mit der feierlich beschworenen Legalität Hillers und der Seilten auf sich hat. Der 18jährige, bereits erheblich vorbestrafte Konditor e u b e r t muhte vor Gericht zugestehen, daß er im Besitz einer mit 10 Schuß Munition geladenen Armeepistole, Modell 08, war, die er von irgendeinem geheimnisvollenUnbekannten" erstanden haben will. Dieser Unbekannte entpuppte sich später als ein organisierter Nationalsozialist, der anscheinend in den Verkehrslokalcn der SA. die Straßenkampfkrieger der NSDAP , mit dennotwendigen Waffen" versieht. Es ist ungeheuerlich, daß auf diese Weise Achtzehnjährige in den Besitz von Waffen gelangen. Ihm genügte anscheinend diese eine Waffe noch nicht, denn er besaß, wie der Staatsanwalt seststeUt, noch eine kleine NG.-Pistole, die er seinem Kameraden P i n t. seinem jetzigen Mitangeklagten, schenkte. Neubert leugnet den Besitz dieser zweiten Wasfe allerdings. Wie sich aus den polizeilichen Protokollen ergibt, hatte Neubert von einem weiteren rätselhaftenUnbekannten" die Aufforderung erhalten, sichz u seiner eigenen Sicherheit" eine Waffe zu beschaffen. IDenn man diese Stichproben zurückhaltend auf die gesamte SA. ausdehnt, so muß man zu der Jestslellung kommen, daß höchst­wahrscheinlich 75 bis 80 Pro;, der SA.-Sürgcrkrieger bewaffnet herumlaufen und so eine ständige Gefahr für die Oeffentlichkeit darstellen.

Dem Angeklagten wurden vom Vorsitzenden und auch dem Bei- sitzcr schließlich die Aussagen vor der Polizei vorgehalten, die kraß von den Bekundungen im Gerichtssaal abweichen. Neubcrt versucht sich auf außergewöhnlich plumpe Weise herauszuschwindeln und be- hauptet u. a., der Vorlesung des von ihm später unterzeichneten Protokolls geistig nicht gewachsen gewesen zu sein. Als die Situation für den Angeklagten immer brenzliger wird, da sowohl Staatsanwalt wie Vorsitzender ihm innerhalb zehn Minuten etwa 15 schwere Widersprüche nachweisen, erhebt sich der Hitler - Anwalt K a m e ck e, eine Prominenz aus dem Umkreis des Braunen Palastes, und erklärt zur allgemeinen Belustigung, daß sich dann eben höchstwahrscheinlich die protokollführenden Beamten geirrt und den Zlngcklagten falsch verstanden hätten. Wie kann man auch nur auf den Gedanken kommen, daß ein nationalsozialistischer Tot- schlägcr es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt! Als Neubsrt dann angeben soll, wer ihm die Bekanntschaft des geheimnisvollen Parteigenossen mit der Armecpistole vermittelt habe, verläßt den Angeklagten einen Augenblick die Beherrschung, und er spricht laut und deutlich von einemKameraden Gebert". Obwohl Vor- sitzender und Berichterstatter, beides Juristen, die knapp drei Meter von dem Angeklagten entfernt sitzen, diese Bekundung genau gehört haben, bestreitet der Angeklagte plötzlich, von einemKameraden Gebert" gesprochen zu haben. Angeblich hat er nichtGebert", sondernjemand" gesagt. Auch die Verteidiger wollen nichts ge- hört haben. Schließlich gehen Vorsitzender und Berichterstatter über den bezeichnenden Zwischenfall hinweg. Der Prozeß wird am Freitag fortgesetzt.

Erste Liebe. Die Tragödie eines verführten Jungen. Essen, 13. August. Rudolf war erwerbslos, seit er die Schule verlassen hotte. Mit 19 Jahren konnte er noch immer keine Arbeit finden, und seine Eltern, gute solide Leute, sorgten zwar treu für ihren Jungen und machten ihm seine Arbeitslosigkeit niemals zum Vorwurf. Aber Rudolf litt schwer unter seiner erzwungenen Untätigkeit; er war ein ehrgeiziger unternehmungslustiger Bursche. Eine vierunddreihigjährige lebenslustige Nachbarssrau hatte schon seit langem heimlich ein Auge auf den frischen netten Jungen geworfen. Eines Tages verwickelte sie Rudolf in ein sehr ein- deutiges Gespräch und lud ihn schließlich unter irgendeinem Vor- wand in ihre Wohnung ein. So begann das Liebesverhält- n i s zwischen dem unerfahrenen jungen Mann und der reifen Frau. Rudolf weilte ständig bei seiner Freundin, nahm sie in Wirtschaften und Kinos mit und gab viel mehr Geld aus als fein armseliges monatliches Taschengeld betrug. Cr geriet nach und nach in Schulden. Klagte er einmal der Geliebten sein Leid, so lachte sie ihn aus, strich ihm über das Haar, und Rudolf war in seiner Hörig- kcit glücklich, daß sie ihn überhaupt neben sich duldete. Rudolf konnte von seiner schönen Nachbarin nicht mehr loskommen. Er ließ sich auch dcchurch nicht abschrecken, daß die Frau auch weiterhin skrupel- los ihre Ansprüche stellte und mach wie vor Wert darauf legte, von ihm ausgeführt zu werden. In seiner Verzweiflung tat Rudolf das Dümmste was er machen konnte: er beschloß, sich die Mittel, die er auf ehrlichem Wege unmöglich aufbringen konnte, auf unredliche Weise zu verschossen. Eines Nachts brach er in eine Villa ein, deren Besitzer verreist war. Dort stahl er zwölf Flaschen Sekt, Zigaretten, Delikatessen und eine ganze Handkarre voll seiner Sachen, die er schnurstracks zu seiner Geliebten brachte. Dort wurde nun eifrig pokuliert und gegessen. Nach dieser Feier verlangte die Geliebte, noch ausgeführt zu werden. Rudolf hatte nicht einen Pfennig in der Tasche. Alles hatte er für diese Frau riskiert noch immer war sie nicht zufrieden! Um sie nicht zu verlieren, glaubte er, ihr jeden Wunsch erfüllen zu müssen. An diesem Abend"beging Rudolf seine zweite große Dummheit: er stahl seiner Freundin aus der Handtasche einen Zehnmarkschein um mit ihr ausgehen zu können. Zu seinem Unglück bemerkte die Frau kurz darauf den Diebstahl und erstattete gegen Rudolf rücksichtslos die Anzeige. So kam Rudolf ins Untersuchungsgefängnis. Er beichtete alles und als mau den Haftbefehl gegen ihn aushob, weil kein Flucht- verdacht mehr vorlag, blieb er freiwillig im Gefängnis Aus Angst und Scham vor der Welt und seinen ehrlichen Eltern. Das Gericht verurteilte Rudolf wegen schweren und einfachen Diebstahl zu einem Jahr Gefängnis, wobei es seine Un- reife und seine Hörigkeit der raffinierteren Frau gegenüber als strafmildernd annahm. Motorradfahrer und Fußgänger. Ein Urteil, das Bedenken hervorruft. In einer Verhandlung vor dem verkehrsschäffen. g e r i ch l wurde gesleru der Laoarbeiler V. wegen fahrlässiger Tötung zu4Monalen Gefängnis verurteilt. B. hatte am 15. Mai in der Clbinger Straße einen 62jährigen Schlächtermeister, der schräg über den Fahrdamm kam und trotz aller Signale von seinem Wege nicht abwich, mit seinem Motorrad über- fahren. Bei dem Zusammenstoß, der für den Fußgänger tödlich ver- lief, wurde das Motorrad weit fortgeschleudert und der Fahrer selbst so schwer verletzt, daß er 6 Monate im Krankenhaus liegen inußte. Jetzt wurde er wegen fahrlässiger Tötung des Schlächtermeisters angeklagt. Er verteidigte sich in der Verhandlung damit, daß der Schlächtermeister selbst durch sein allen Verkehrsoor- schriften widersprechendes Verhalten den Zusammenstoß hervor- gerufen habe. Trotzdem der Sachbefund der Darstellung des Motor- radfahrers recht gab, beantragte der Vertreter der Anklagebehörde 3 Monate Gefängnis. Das Gericht ist über diesen Antrag noch hinausgegangen, es Hot auf 4 Monate Gefängnis erkannt und sein Urteil damit bc- gründet, daß jeder Motorradfahrer auf seinem Weg und bei seiner Geschwindigkeit mit verkehrswidrigen Handlungen des Publikums rechnen müsse. Er müsse dies unter allen Umständen tun. Deshalb mußte er äls Motorradfahrer vorzeitig vor dem Fußgänger, den allerdings, wie das Gericht zugäbe, ein großes Verschul- den träfe, bremsen. Wir haben imVorwärts" immer wieder mit besonderer Absicht die Ziffern der Unfälle registriert, die nach den Statistiken durch leichtfertiges Fahren mit dem Motorrad hervor- gerufen werden. Ebenso wie die Verkehrsvorschriften nach unsereik Ansicht aber vom Motorradfahrer unter allen Umständen eingehalten werden müssen und wir stehen aus dem Standpunkt, daß Spiel

mit Menschenleben durch leichtsinniges Fahren nicht scharf ge- nug geahndet werden kann, ebenso muß auch der Fußgänger sich nach den Verkehrsvorschriften richten. Das überaus strenge Urteil des Verkehrsschöffengerichts muß Bedenken hervorrufen, weil klar erwiesen ist, daß sich in diesem Falle der Fußgänger weder noch den Vorschriften gerichtet, noch auch die Signale des Fahrers be- achtet hat. Leichenfund im Fahrländer See. Von Fischern wurde auf dem Fahrländer See bei Pots- dam die Leiche eines etwa 28jährigen Mannes, die nur mit einer Badehose bekleidet war, gesunden. Gleichzeitig fand man an der Mole des Sees ein herrenloses Paddelboot mit zwei Doppelpaddeln, von denen eine zerbrochen war. Papiere oder andere Hinweise über die Person des Toten wurden nicht gefunden.

Wochenendfahrt nach Rügen am kommenden Sonnabend/Sonn­tag ab Berlin und zurück zu dem außergewöhnlich billigen Fahr- preis von 14 Mark(Bahn und Schiff). Teilnehmerkarten bei den bekannten Stellen oder beim Reichsausschuß für sozialistische Bil­dungsarbeit, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3.

Flugzeugunglück in der Alb. Zwei Personen schwer verletzt. Göppingen . 13. August. Ein Verkehrsflugzeug INünchcn Böblingen, das heute auf der Schwäbischen Alb bei A u e n d o r s wegen Regens und Rcbel eine Landung vornehmen wollte, streifte an einen Baum und st ü r z t e. als es den Boden bereits berührt halle, einen Steinbruch hinunter. Verletzt wurden die beiden Piloten, darunter der Flugzeug­führer Kraftschwer, von den Fluggästen Direktor Fritz Wied- m e r aus Starnberg bei München schwer und drei weitere Personen leicht. Die beiden Schwerverletzten wurden in das Göppingcr Krankenhaus eingeliefert. Der Flugzeugführer erlitt einen Schädelbruch und Quetschungen. Direktor Wiedmer soll einen Beckenbruch davongetragen haben.

Hakenkreuze im Schwurgerichtssaal. Im großen Schwurgerichtssaal in Berlin-Moabit kann man zur Zeit eine merkwürdige Entdeckung machen. In die Tische der Journa- listen sind Hakenkreuze und Wolfsangeln(SA.-Abzeichen) eingeritzt. die wahrscheinlich für dasDritte Reich" Propaganda machen sollen. Da diese Tische nur den Vertretern der Presse zugänglich sind, muß gefolgert werden, daß die tüchtigen Reporter der Hakenkreuzpubli- zistik mit derart kindlichen Streichen ihre staunenswerte Unkultur und Unreife demonstrieren wollen. Ist man darüber im Bilde, so wundert man sich auch über die stilistischen Exerzitien nicht mehr, denAngrifs" undVölkischen Beobachter" zieren. Vielleicht mach-n ober die Moabiter Behörden den Inhabern der gesinnungstüchtigen Narrenhände klar, daß ein Gerichtssaal und eine hakenkreuztragsähig« Abortwand nicht ein und dasselbe sind!

Das Unwesen des Generalpächtertums. In eigenartige Zustände der privaten Marktbewirtschastung leuchtete eine Versammlung der Händler des Marktes Travemünder Straße hinein, die sich im Roseiühaler Hof zusammengefunden hatten, um gegen die Praktiken des Markt- inhabers zu protestieren. Da der Pachtvertrag des Marktinhabcrs demnächst abläuft, will ein Herr H. feine alte Händlerschaft auf einen neuen Markt verpflanzen, der unweit des großen städtischen Marktes Boxhagener Platz in der Kopernikusstraße liegt. Eine ganz aussichtslose Geschäftsgegend für die Händler. Er l)at aber 60 Kündigungen ausgesprochen und feinen Händlern geschrieben, daß er sich nur auf dem Markt in der Kopernikusstraße sprechen läßt. Vielfach soll er sich auch schonBaukostenzuschüsse" für den neuen Marktplatz haben zahlen lassen. Wer nicht so will, der ver- liert seinen alten Stand und ist ohne Erwerb und Brot. Dabei weiß H. sehr anständige Preise für die Stände zu nehmen: bis 35 Mk. für einen Dreimeterstand. Wird ein solcher Stand einmal von dem Besitzer nicht benutzt, so vermietet ihn H. am gleichen Tage als Tagesstand zum Preise bis 5 Mk. pro Tag weiter, läßt sich also zweimal bezahlen. Dem Händler, dem es nicht gelingt, die teuren Standkosten hereinzubringen, werden rücksichtslos die Waren einbehalten. Mehrfach hat das Publikum gegen diese Praktiken Stellung genommen und die kleinen Händler geschützt.

Abfchied von Großmutter. Berlins Ferienkinder kehren heim. Scheiden tut weh.

Sechs Wochen der Erholung, der Freude und Kräftigung im Wald, an der See. oder im Gebirge, die die Stadt Berlin einem leider allzukleinen Teil ihrer erholungsbedürftigen Großstadtjugend während der Schulferien ermöglichen konnte, sind allzubald vorbei! Und der Spruchnichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reih von schönen Tagen" fällt einem unwillkürlich ein, wenn man die merk­würdig einsilbig gewordene kleine llrlauberschar bei ihren Reise- Vorbereitungen beobachtet. In den Ferienheimen, wo vielfach Hunderte kleiner Gäste Auf- nähme fanden, ist schon Tage vorher Hochbetrieb. Schwestern, Hort- nerinnen und auch die kleinen Urlauber selbst haben alle Sjände voll zu tun, um die nötigen Reiscvorbereitungen zu treffen. Hun- derte von Koffern, Rucksäcken, Pappkartons und Taschen zu packen, dabei nichts zu vergessen und nichts zu verwechseln ist gar nicht so einfach; es können natürlich nicht alle gleichzeitig packen, sonst gäbe es einen ganz unheimlichen Wirrwarr. Was alles erobert wurde. Was den vergrößerten Kofferinhalt anbelangt, so leisten darin jene Fcricnkinder, die auf Verwandtenbesuch waren, oft Erstaun- liches. Was Großmutter da an guten und nahrhaften Gaben mit- gibt, das sind garschwerwiegende" Dinge. Große Einmachegläscr voll süßer Früchte, wo noch Speckseiten gedeihen, wandern diese nach der mageren Großstadtküche und dann gibt es aber für die kleinen Reisenden selbst noch Freuden ideeller Art. Einer rückt auf dem Bahnhof mit einem Riesenkattus von Manneshöhe an, der andere schleift schwitzend, aber freudestrahlend ein Paar Skier hinter sich her und der dritte schaukelt ein heftig trillerndes Piep- mätzchen im funkelnagelneuen Bauer; von dem mehr als reich- lichen R e i s e p r o v i a n t gar nicht zu sprechen. Braungebrannt sind sie alle und die Augen leuchten, stolz berichten welche von Gewichtszunahme von 4, 5 und auch noch mehr Pfund. Auf das Zuhause, auf Eltern und Geschwister freuen sie sich wohl alle, aber die schöne Gegend samt guter Lust und reichlichem Essen möchten sie doch gar zu gerne mit in den Koffer packen. Sine kurzweilige 3tose. Die kurzweiligste Reise ist unbedingt die Fahrt mit einem Kindersonderzug, weil es da auf jeder, noch so kleinen Station, Betrieb, Leben, Abwechslung gibt. Die Zusammenstellung der Ferien-Kindersondcrzüge ist eine außerordentlich komplizierte Arbeit, mit der beim L a ndes j u g e n da m t Berlin bereits im Oktober begonnen wird. Wenn man bedenkt, daß solch ein Rück- transport mit einer Zahl von hundert kleinen Leuten den Ausgangs- punkt der Reise verläßt und mit 1100 Kindern in Berlin ankommt. dann kann man sich ungefähr ein Bild von dem lebhaften Betrieb machen. Ausgangspunkt der Rückreise ist diesinal ein kleiner Ort in Schlesien . Der allgemein« Reiseverkehr ist hier ein ganz schwacher und der kleine Bahnhof liegt still und friedlich in, morgendlichen Sonnenschein, Ein paar Buhnarbeiter gehen hin und her, ein Mann schultert eine Kiepe mit Kartoffeln, das ist alles. Auf einmal tauchen ein halbes Dutzend armbebtndete Männer und Frauen auf und fassen vor dem Bohnhofseingang Posten; dos sind

die vom Berliner Landesjilgendamt entsandten Tranzportbegleiter samt dem Transportlciter, die die ersten hier zu sammelnden kleinen Reisenden in Empfang zu nehmen undach Berlin zu bringen haben; eine Krankenschwester ist außerdem mit dabei. Jeder Begleiter hat die Lifte der ihm anvertrauten Kinder in Händen imd wartet nun aus ihr Erscheinen. Hier kommen die Kinder einzeln, da es sich auf dieser Station ausschließlich»m Ferienkinder handelt, die auf Verwandtenbesuch waren. Dreiviertel Stunden vor Abfahrt hoben sich die Kinder aus dem Bahnhof einzufinden: sie kommen aus den. Ort selbst und seiner näheren Umgebung, zu Fuß oder mit der Straßenbahn, in Begleitung von Großmüttern, Onkeln und Tanten, wobei die Großmütter das Hauptkontingent stellen; nun rücken sie nach und nach an, reichlichst mit Gepäckstücken bepackt. Jetzt werden sie namentlich aufgerufen, zu jeder Gruppe gesellt sich der Begleiter, sie werden gezählt und siehe da es fehlen einige. Das kommt vor, entweder find die Kinder krank, oder, weim sie sich verspätet haben, werden sie mit dem nächsten Zuge nachgesandt. Biete, viele Tränenströme gibt es... Nun geht's rein in den Zug, Plätze werden gesucht, das Gepäch nerstaut und noch die Abschicdswortc mit den Angehörigen gewechselt. Dann folgen die Abschiedsszenen, wobei der großnüitterliche Tränen ström am reichlichsten flleßt; ängstlich besorgt umfassen die Augen der guten Allen noch ein letztes Mal den kleinen Reifenden, fragen und roten und warnen und geben mit dem Abschieds kuß so ein Stückchen Herz mit auf den Weg. Signalpfiff, der Stations- vorstcher hebt den Stock, es wird Ernst; Winken und Tranen, dann macht es sich alles bequem, es ist gesorgt, daß jedes Kind einen richtigen Ätzplatz hat und kaum sitzt mau, dann wird der erste Griff nach oben in den P r o v i a n t b e h ä l t e r getan. Die Resse sst oft lang und so wird auch der reichlichste Vtundvorrat geschafft. Bei der Spessensolge hat der Zugbegleiter es kommen etwa 15 Kinder auf einen Begleiter ein wachsames Auge auf die Schar der Esser. damit sie sich nicht durch allzu kunterbunt« Reihenfolg« den Magen verdirbt. Der größeren Sicherheit halber werden die Türen von innen mit Schnüren zugebunden, die Fenster auf halber Höhe geschlossen und des Begleiters Hauptaugenmerk ist immer darauf gerichtet, die Kinder genau zu beobachten, daß sie sich nicht aus den Fenstern neigen, oder an den Türklinken petern. Der Onkel, oder die Tante, die die kleine Gesellschaft betreut, ist mit dieser bald gut Freund, oft kennt man sich ja auch schon von der Schule, vom Jugendamt oder sonstwie: es finden sich unter den Begleitern ausschließlich Menschen, die, aus der Kinder- oder Jugendpflege hervorgegangen, in engstem Kontakt mit der ihnen anvertrauten Jugend stehen. Im übrigen ist die Reisegesellschaft aber auch wirklich recht brav, so daß hie und da ein kleiner Verweis meist das einzige Merkmal des ihnen übergeordneten Onkels oder der Tante ist. Die Krankenschwester ist Gott lob arbeitslos geblieben und am Bahnhof in Berlin stehen Hunderte und aber Hunderte freudig erregter Eltern und Geschwister, die glückstrahlend ihren kleinen Urlauber in Empfang nehmen. Wenn man all die körperliche und seelische Kräftigung der neuen Generation sieht und miterlebt, dann muß man voll Bedauern derer gedenken, die an der großen Freud« nicht teilnehmen konnten.