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Morgenausgabe

Nr. 379

A 191

48.Jahrgang

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Vorwärts

Berliner Boltsblatt

Sonnabend 15. August 1931

Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf.

Die einfpalt. Nonpareillezeile 80 1. Reflamezeile 5,- RM. Kleine An. zeigen" das fettgebrudte Wort 25 Pf. ( zulässig zwet fettgedruckte Worte), jedes weitere Bort 12 Pf. Rabatt It. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwet Worte. Urbeitsmarkt Beile 60 Pf. Familien. anzeigen Zeile 40 Bf. Anzeigenannahme Im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochen täglich von 8 bis 17 Uhr. Der Berlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

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Aufmarsch für den Sozialismus

Machtvolle Kundgebung der Berliner Arbeiterschaft

Der Hieb ist die beste Parade! Dieser Lehrsatz aus den| wird.( Heitere Zustimmung.) Die kommunistische Zentralleitung alten Kriegsspielen hat auch für die anders gearteten politischen Kämpfe der Gegenwart seine volle Gültigkeit. Die rüden Methoden der Hakenkreuzler wie die eisenstirnige Verlogenheit der Moskaujünger haben die sozialdemo­fratische Bewegung lange genug berannt. Die Sozial demokratie geht wieder zum Angriff über, sie denkt nicht daran, das Kampffeld den Hasardeuren und Falschspielern

zu überlassen.

Nachdem durch die eiserne Disziplin der sozialdemokra­tischen Wähler der Volksbetrug abgeschlagen wurde, der mit dem sogenannten Wolfsentscheid gegen Preußen beabsichtigt war, mögen andere vom Burgfrieden träumen. Die Sozialdemokratie ist sich ihrer historischen Mission bewußt, der deutschen Arbeiterklasse auf demokratischen Wegen den Sozialismus zu erkämpfen. Kein Bürgerkriegsgeschrei, feine organisierte Gewaltanwendung kann sie von dem rechten Wege abbringen. Sie ruft die Massen, sie zeigt ihnen, daß nur bewußtes und einheitliches Wollen, nur bewußtes und einheitliches Handeln sie vorwärts führen

fann.

In diesem Zeichen stand auch die gewaltige

ist der Judas Ischariot an der deutschen Arbeiter laffe. Den kommunistischen Arbeitern muß unsere ganze Auf­merksamkeit gewidmet sein, auf daß sie erkennen: nur durch die Sozialdemokratie sind Erfolg und Aufstieg der Arbeiterklasse gewähr leistet. Den verantwortlichen Männern im Reich aber sei gesagt: Den berechtigten Forderungen der Arbeiterklasse, die arbeitslos und hungernd ein so hervorragendes Beispiel von Selbstdisziplin und politischer Beratwortung gegeben hat, darf man nicht länger Wider­stand entgegenseßen.( Begeisterte Zustimmung.) alles daran zu setzen, daß im neuen Preußischen Landtag die Sozial­demokratie stärker und mächtiger einziehen wird als zuvor. Das ist unser Gelöbnis und unser Dant."

Wir geloben,

Dann nimmt, wiederum mit anhaltendem Beifall empfangen Otto Braun

und Barteimitgliedern für die heroische Arbeit, die sie in den letzten das Wort. Er dantt zunächst allen sozialdemokratischen Funktionären Wochen im Kampfe gegen die Reaktion geleistet haben. Diese Arbeit diente nicht nur Preußen, sondern dem ganzen Reich. Ihm mußte eine weitere ruhige republikanische Entwicklung gesichert merden. Ich soll hier über den Bolfsentscheid sprechen. Es ist schwer über eine Sache zu sprechen, die gewesen ist. Von dieser Stelle aus habe ich am 14. April gesagt, daß der Boltsentscheid eine verlorene Sache sei. Ich bin sonst kein Freund von politischen Prophezeiungen, diesmal aber habe ich recht gehabt.

Für die preußische Regierung bestand feinerlei Beranlaffung, auf den Volksentscheid durch ein kompromiß zu verzichten. So standen die Dinge für die Volksentscheidler. Da tam als Retter in der Not der Reitergeneral à la suite der russischen Armee, Thäl= entscheides. Im Lokal- Anzeiger" verkündete man: Der Landtag mann, und nun hoffte man auf einen positiven Erfolg des Volks­wird aufgelöst werden." Wir kennen den Ausgang des heroischen

Kampfes dieser seltsamen Bundesgenossen, sie glaubten an eine fort­gehende stürmische Entwicklung nach rechts und links. Diese stür­mische Entwicklung zu den Radikalen ist aber nicht mehr vor, sondern rüd märts gegangen. Als man dann die Bescherung fah, suchte man nach den Gründen des Mißerfolges, und man sprach von einer beispiellosen Einwirkung der preußischen Regierung.

Die preußische Regierung hat sich, wie immer bei Wahl­bewegungen, sehr zurückgehalten, obwohl der Bolfsentscheid feine eigentliche Wahl, sondern ein Mißtrauensantrag ist, der durch die Wähler ausgetragen wird.

Wie im Parlament, so hat auch gegenüber dem Volk die Regierung das Recht, sich zu wehren. Sie hat das mit ihrer Kund­gebung, die auf Grund der Pressenotverordnung veröffentlicht wurde, getan. Aus den weitesten Boltstreifen sind an die preußische Regierung Anregungen und Anfragen gebracht worden: Wie steht

Massenfundgebung, die gestern abend von der Nachdem, beim Bolksbegehren, unter Druck und Expreffung, Flugzeug auf der Wohnlaube.

Berliner Sozialdemokratie im Riesenjaal des Sportpalastes veranstaltet wurde. Zehntausende waren dem Rufe gefolgt. Tausende warteten draußen, da kein Eintritt mehr möglich Die Versammlung wurde zu einer begeisterten Ver­trauensfundgebung für den meistbefehdeten Führer der Preußenregierung, Otto Braun , und für den Führer der

war.

namentlich im östlichen Preußen, fnappe 6 Millionen Stimmen in 14 Tagen erreicht worden waren, war die Hoffnung gering, zum Boltsentscheid weitere 7 bis 8 Millionen Stimmen zu erlangen. Es war verständlich, daß der Gedanke erwogen wurde, an die preußische Regierung mit einem Rompromiß heranzutreten: wir sollten den Landtag im September oder Oktober auflösen, dann würde man auf den Boltsentscheid verzichten. Offiziell ist diese Anregung nicht an mich herangetreten, aber die Antwort, die ich an Streise, Sache weiter nachzugehen.

Eine Frau schwer verletzt.

ein Flugzeug der Lufthansa bei Notlandung auf eine In der Trippsteinstraße in Lankwik ist gestern abend Wohnlaube abgestürzt. Eine Frau in der Wohn­laube wurde schwer verletzt und nach dem Krankenhaus Lantwit gebracht. Die Insassen des Flugzeugs wurden stelle.

Sozialdemokratie Otto Wels . Sie war ein rauschendes die sie mir übermittelten, gab, hat wohl die Lust vertrieben, der nicht verlegt. Zur Zeit weilt die Polizei an der Unfall­

Bekenntnis für die planvolle Arbeit der Sozialdemokratie, ein Bekenntnis zum Kampf für den Frieden, für Demokratie und Sozialismus! Sie war der Beginn des Kampfes um Preußen!

Der Beginn der Kundgebung war auf 20 Uhr fest­gesetzt. Schon um 17% Uhr standen Hunderte vor dem Sportpalast an, um Einlaß zu finden. Von 18 Uhr ab füllte sich der weite Raum, und immer neue Massen strömten mit der Straßenbahn, dem Omnibus und der Untergrundbahn herbei. So war schon um 20 Uhr der Sportpalast überfüllt. Als dann pünktlich um 20 Uhr der preußische Ministerpräsident, Genosse Otto Braun , vorfuhr, brach ein Jubel aus, wie ihn das Haus noch nicht erlebt hat. Tausende fanden keinen Einlaß, aber sie harrten geduldig aus, um durch den Lautsprecher die Reden der beiden sozialdemokratischen Führer zu

hören.

"

Eine Reichsbannerkapelle spielt die Kampflieder der Republik . Beim Einmarsch der Fahnen erhebt sich die Versammlung, um die Banner der Partei mit stürmischem Beifall zu begrüßen. Der Chor der Sozialistischen Arbeiter- Jugend singt begeisternd Wir sind die junge Garde des Proletariats" und Jung Volt, Kameraden". Theo Maret rezitiert hinreißend Karl Brögers ,, Die Freiheit spricht". Dann nimmt der Berliner Parteis vorsitzende

Franz Künstler

zur Eröffnungssprache das Wort:

,, Am vergangenen Sonntag hat der faschistisch- kommunistische ,, Am vergangenen Sonntag hat der faschistisch- kommunistische Block eine schwere Schlappe erlitten. Für die Sozialdemokratie gibt es aber auch nach dem Volksentscheid keine Ruhepause. Unser Angriff muß weiter vorgetragen werden. Wir setzen uns das Ziel: Faschisten und Kommunisten müssen aus der deutschen Republik als politische Faktoren verschwinden. Die Sozialdemo­fraten und alle überzeugten Republikaner müssen den Erfolg vom 9. August für die Republik und die Arbeiterschaft zu einem End fieg über die Konterrevolution und ihre fommuni. stischen Helfershelfer gestalten. Man soll sich ernstlich einmal die Frage vorlegen, wie lange Hitler in Deutschland noch sein Unwesen treiben soll. Vielleicht ist es angebracht, daß bei einer zweiten Arktisfahrt des Zeppelins der deutsche Faschistenhäuptling mit seinem bolivianischen Stabschef Röhm auf Franz- Josephs- Land oder einem anderen noch unerforschten Gebiete um den Nordpol herum ausgesezt

Laval telephoniert mit Brüning .

Der Besuch verschoben.- Briand noch immer frank.

Paris , 14. August.

Ministerpräsident Laval hat sich heute abend telephonisch mit Reichskanzler Dr. Brüning in Verbindung gesetzt. Er hat ihm nochmals sein Bedauern zum Ausdruck gebracht, wie zuvor dem deutschen Botschafter v. Hoesch, sich wegen des Ge­fundheitszustandes des Außenministers Briand nicht zum ursprünglich vorgesehenen Datum nach Berlin begeben zu können. Er hat hinzugefügt, daß er nach wie vor den dringenden Wunsch habe, die in Paris im vorigen Monat eingeleiteten Besprechun­gen sobald wie möglich wieder aufzunehmen.

Paris , 14. Auguſt.

Ministerpräsident Laval hat das folgende mit dem deutschen Botschafter v. Hoesch vereinbarte Kommunique der Presse übergeben:

Man weiß, daß Ministerpräsident Laval gestern den Besuch des wie Außenminister Briand im Auftrage der deutschen Regierung deutschen Botschafters von Hoesch empfangen hat, der ihn sowohl offiziell eingeladen hatte, nach Berlin zu kommen. offiziell eingeladen hatte, nach Berlin zu kommen. Das für die Reise vorgeschlagene Datum war der 26. und 27. August. Ministerpräsident Laval, der Herrn v. Hoesch für die Einladung dankte und sie annahm, hatte ihm gesagt, daß er, soweit es das Datum angehe, teine endgültige Entscheidung treffen könne, weil Außenminister Briand gegenwärtig nicht in Paris sei.

Der Ministerpräsident hat heute nachmittag von neuem Herrn v. Hoesch empfangen. Er hat ihm mitgeteilt, daß die Aerzte, Prof. Baquez und Dr. Marg, die beauftragt worden waren, sich über den Gesundheitszustand des Außenministers Briand aus­ aufprechen , zwar mit der lebhaftesten Befriedigung die Fort­schritte festgestellt hätten, die jeder Tag zur vollständigen Wieber­

herstellung des Außenministers bringe, sie haben jedoch zum Auss brud gebracht, daß sie ihm vor seiner Abreise nach Genf eine

Unterbrechung in der Ruhekur auf dem Lande nicht gestatten könnten, die ihm für einen Monat verordnet sei, und deren Nuzen nach einer so kurzen Frist durch die Anstrengungen einer offiziellen Reise nach Berlin aufgehoben werden könnte.

Unter diesen Umständen sind Ministerpräsident Laval und Bot­schafter v. Hoesch, in der Erwägung, daß die Teilnahme des Außen­ministers Briand bei diesem Besuch unerläßlich sei, sich darüber einig, daß die Reise der französischen Minister nach Berlin auf ein Datum verschoben wird, das so nahe wie möglich nach dem Ende der Völkerbundstagung liegt.

Zwei Monate Schlaflosigkeit.

Paris , 14. Auguft.( Eigenbericht.) Der ärztliche Untersuchungsbefund Briands kann zwar über­raschend erscheinen, zumal in den letzten Tagen mitgeteilt worden war, daß Briand fast wieder vollkommen auf dem Posten sei. Tat­doch noch nicht so gefestigt zu sein, daß Briand sich schon größere fächlich aber scheint dieses Allgemeinbefinden des Außenministers Anstrengungen zumuten darf. Nach der Londoner Konferenz hat der Außenminister einen völligen Zusammenbruch erlitten, der auf eine zwei Monate lange Schlaflosigkeit zurückzuführen ist. Die Nächte hindurch lag er lesend im Bett; erst in den Morgen­

stunden konnte er bisweilen einen furzen Schlaf finden. Wohl oder übel mußte sich Briand aber Ende Juli den Anordnungen der Aerzte fügen und sich zu einem längeren Erholungsurlaub auf sein Landgut begeben. Dort trat nach kurzer Zeit eine merkliche Befferung ein, die aber nach der Ansicht der Aerzte einen Rückschlag noch nicht aus schließt, zumal wenn die Erholung unterbrochen wird. Unter diesen umständen ist es auch fraglich, ob Briand zu der Tagung des

Völkerbundes nach Genf fährt. Es ist möglich, daß er nur an der Bollversammlung des Bölterbundes teilnehmen wird, die am 7. September beginnt.