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Vauuniernehmer fordern Arbeit. Außerdem befchlevoigte Aufhebung der Zwangswirtschafi. Di« gösamien Verbände der deutschen Bauwirtschaft, die Fachgruppen Bauindustrie, Baustoffindustrie, holzverarbeitende Industrie, Sägeindustrie und Holzhandel des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, das Bauhandwerk, vertreten durch den Reichs- verband des Deutschen Handwerks, Baustoffhandel und Baustoff- erzeuger, die Daumaschinenindustrie. Architekten und Ingenieure haben an die Reichsregeerung eine Eingabe gerichtet, in der auf die Gefahren der gegenwärtigen amtlichen Bau- Politik und auf die Schäden hingewiesen wird, die hi«rous der deutschen Wirtschast erwachsen müßten. In der Eingab« wird unter anderem festgestellt, daß

der Produktionsrückgang bei der Bauwirtschast seit Zahre 1323 etwa 55 bis vo proz. betrage.

dem

Papas Liebling. 5ch/el6

während bei den anderen Produktionsgütermdustrien der Rückgang etwa 26,3 Proz. und bei den Derbrauchsgüterindustrien etwa 13,8 Proz. ausmache. Hier liege der eigentlich« Herd der Wirtschaftskrise zumal, wenn man bedenke, daß rund 76 bis 86 Proz. des Wertes der errichteten Bauwerke auf Löhne und Gehälter entfielen. Jede Milliarde Produklionsausfall bei der Bauwirkschaft mach« rund 350 000 Arbeiter arbeitslos. Gleichwohl fetze sich der Prozeß tödllcher Erstarrung in be- fchleunigtem Tempo fort. Man wolle den Zufluß auch der letzten öffentlichen Mittel abschneiden. Heber eine Million Arbeitslose in 5er Bauwirtschast bedeuteten beinahe eine Milliarde jährlicher Umerstützungsbeträge. Sie bedingten einen gewattigen Steuer- aussall und bedrohten den Bestand der Sozialversicherung. In der Bauwirtschast selbst, die unter ihren insgesamt etwa 360 000 Betrieben besonders zahlreich« selbständig«, mittler« und kleinere Betriebe aufweise, bedeute es das Erliegen von Tausenden von Existenzen des selbständigen Mittelstandes, unüber- fehbares Elend in den Kreisen der Arbeitnehmer und wiederum umfangreiche Steuerausfälle. Eine grundsätzliche Wendung der amtlichen Baupolttik sei daher unbedingt erforderlich. Bei der Abfassung ihrer besonderen Forderungen sind die Der- bände in einige Bedrängnis geraten. Natürlich müssen sie als UnternehmeroertreterFreiheit" in jeder Hinsicht verlangen. Es wundert niemand, wenn sie gegen Bauausführungen, die öffsnt» Stellen in eigener Regie vornehmen, sich aussprechen, obwohl doch solche Bauten den Baumarkt ebenso beleben, wie die von Unter» nehmern ausgeführten. Polemisiert wird gegen die Systemänderung in der Dauwirt- schast des Jahres 1930 aber warum hat man damals nicht gegen die Realsteuerfentung protestiert, um derent­willen die Hauszinssteuermittel für die Bauwirtschaft gekürzt werden-. mußten? Dann fordert man die Aufhebung der Wohnungszwangs- Wirtschaft; eine Ausgestaltung der Mietoorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches hall man für schädlich(nämlich für die höchstpersönlichen Interessen der Bauunternehmer!). Und die Hauszinssteuer? Der Abbau ist erforderlich, aber unter Festlegung der einzelnen Stadien! Doch die Mittel für den Wohnungsbau für 1331 und 1332(und 1332!) dürfen auf keinen Fall gekürzt werden. Das heißt also, daß für 1332 wenigstens die Hauszins st euer erhalten bleiben muß! Damit spricht sich die Bauwirtschast gegen die vom H a u s b e s i tz erhoben« Forderung, die Hauszinssteue? ab 1. Januar 1332 in Fortfall kommen zu lassen, aus. Frsilicki, der Unverschämtheit der Hausbesitzer wird nur das Eigen- interesi« der Bauunternehmer entgegengesetzt. Wertvoll bleibt das Zugeständnis, daß ohne öffentliche Mittel der Wohnungsbau völlig lahmgelegt wäre._ Razis feuern aus dem Quartier. Ein Arbeiter verletzt. Wuppertal . 27. August. Das Ueberfallkommando der Schutzpolizei wurde am Mittwoch- abend zur Luisenstrah« gerufen, wo aus einem Haufe, in dem sich ein Quartier der Sturmabteittmg der NSDAP , befindet, etwa zehn, Schüsse abgegeben worden waren. Ein Arbeiter erhielt einen Schutz in die rechte Hand und wurde von Zivilpersonen ins Krankenhaus gebracht. Ein National- sozialist, der nach Angabe von Zeugen der Täter fein soll, wurde vorläufig festgenommen.' Der Festgenommene war im Besitz eines Gummiknüppels. In dem Lokal wurde ein Totschläger, und vor dem Hause wurden drei Patronenhülsen gefunden.

Das Aiieniai gegen �afsen-Günther. Täter zu 2« Jahren Gefängnis verurteilt. Weimar . 27. August.(Eigenbericht.) Nach nichtöffentlicher Verhandlung wurde am Donnerstag» nachmittag vom großen Jugendgericht Weimar Karl Dann- b a ü e r, der am 10, Mai d. I. den Rassenforscher Pro» fefsor Günther in Jena durch Schüsse verletzte, wegen ver- suchten Totschlages zu einer Gefängnisstrafe von 2 Iahren 6 Monaten, wegen unerlaubten Waffenbesitze» zu einer Geld- strafe von 10 Mark verurteilt. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, daß�annbauer als Buchdruckerlehrling sich mit wissenschaftlichen Studien beschäf- tigte, die weit über das Maß des für fein Alter und seine Ner- Hältnisse Ueblichen hinausgingen. Sozialdemokrat ist er nie ge- wesen. Allmählich setzte sich bei ihm die Ueberzeugung fest, daß der Nationalsozialismus der schlimmst« Feind der Arbeiterschaft sei. Er wollte diesen Feind vernichten, dabei aber nicht einen politischen, sondern einen wissenschaftlichen Be- gründer des Nationalismus treffen. Politisch kann seine Tat auf keinen Fall gewertet werden. Das Gericht hat einen Totschlag angenommen, außerdem berücksichtigt e» al» strafmildernd, daß Dannbauer kein gemeiner Verbrecher, sondern ein U e b e r- zeugungstäter ist Die Verhandlung sowie das Urteil ergeben, daß die von natio» nalsozialistischer Seite aufgestellten Behauptungen, daß der Täter Marxist, das Attentat die Folg« derMordhetze des Marxismus" sei, absolut falsch und als gemeine Verleumdungen zu brandmarken sind._ Frankreich / Rußland/ polen. Polemik statt Nichtangriffspakt. Die französtsch-rusiischen Verhandlungen in Paris , die nach einer offiziellen Mostauer Erklärung auf Anregung Frankreichs begonnen wurden, sind bis zum Ottober unterbrochen. Man schien sich bereits ziemlich nah« gekommen zu fein. Aber nun heißt es von

Die andern können von mir aus ruhig hungern. Die Hauptsache ist, ' daß es meinem Lungen gut geht.. Das Geficht der neuen Jugend. Eine Rückschau auf den Frankfurter Arbeiter-Lugendtag.

Streng, beinahe hart ist das Gesicht, das uns heute auf ihren i großen, repräsentativen Kundgebungen die proletarische Iu-, gend zeigt. Die Not der Zeit hat es umgeformt. Alles Weiche, Träumerisch«, Romantische hat ihr Meißel brutal entfernt. Was bleibt ist ein Ausdruck, der fast unjugendlich herb und entschlossen der Welt den Kamps der jungen Generation ansagt. Nicht mehr mit Geigen und Klampfen wie«inst in Weimar grüßt diese Jugend das Volt. Fanfaren klirren durch die Villen- viertel, Fanfaren mit rotem Behang. Trommeln und Pauken dröhnen in den Strahanschluchten. Man schrellet nicht mehr Hand in Hand in lockeren Reihen. Man singt nicht mehr Wanderlieder und Reigen. Straff, im Gleichschritt, in geschlossenen Achterreihen paradieren die Formattonen. Jedes Lied ist Rebellwn, ist Anklage. Was in Frankfurt in stundenlangem Heerbann über das Pflaster marschierte, war bewußt und gewollt eine Demonfiratioa wahrhafter Arbeiterjugend, Wir schreiben eben heute 1331, nicht mehr das Weimarjahr 1320. Die neue Jugend will nichts mehr wissen von Sentimen- talltät. Als die Berliner TAI. die Frankfurter Kaiserstraß« passiert, kommt es zu schweren Tätlichkeiten mit unsisor- m irrten Jungkommunisten, die aus Hausfluren heraus von älteren Leuten vorgeschickt werden. Die Frantsurter Schupo, soweit wir selbst beobachten und von anderen hören konnten, vor» bildlich höflich und fast gemütlich, packt mit fester Faust zu und: transportiert die Krakeeler im Polizeiauto ab. Dabei muß sie einen großen Teil de» Zuges entlang fahren. Die Jugend läßt sich nicht, einen Augenblick beirren. Stürmisch brandet ihr Pfui immer wieder zu den Moskowitern empor. Nicht umsonst trägt die Leipziger SAJ. ihre Trauerflore. Eben sind daheim zwei ihrer besten von verhetzten Jungkommunisten erstochen worden. Auch das Publikum, die Frankfurter Arbeiterschaft, bejaht stürmisch den neuen Charakter der Iugendkundgebung. Je straffer. je militärischer die Bezirk« in da» riesig« Oval de» Stadion» ein- marschieren, um so lauter braust der Beifall der Zehntausende auf, die die steinernen Ränge bi» oben hinauf Kopf an Kopf füllen. Als über dem wundervollen Farbenakkord der roten Banner, der blauen Blusen und des grünen Rasengrunde» alle drei durch ihre Masse in» Riesenhafte gesteigert-- Paul Löbe die wahrhaftRote Front " grüßt, tobt die Zustimmung der Fünfzigtausend die Ränge wie eine Brandung enttang.(£ic Romantik ist tot. Es lebe der Kampf! Ehern ist die Zeit, in der diese Jugend zum Bewußtsein ihres Sein» kommt. Zwanzigtausend junge Arbeiter demonstrieren in Frankfurt . Das ist fast jeder dritte Mann aus, der Arme« der SAJ. Mehr al» die HSlste davon ist ohne Arbeit, ohne Einkommen. Fast all« haben Groschen um Groschen am Munde sich absparen müssen. Tausend« find zu Fuß oder per Rad aus allen Ecken Deutschlands nach Frankfurt gewandert, und das Wandern, das

Tippeln ist heute weniger als je ein freundliches Abenteuer, sondern ein verflucht bitteres Stück Brot. Vor allem für jene, die.aus» gesteuert" sind und vor dem Nichts stehen. Als auf der Straßenbahn ein« ganze Anzahl junger Friesen, die aus allen Städten ihrer Heimat zum Iugendtag gettppell waren, vom Stadion ins Quartier zurückfährt, ist der Krösus unter ihnen ein langer Norderneyer, der wöchentlich acht Mark an Unterstützung zu oerzehren hat. Dreißig Pfennig für Uebernachten in der Jugend- Herberge, selber abkochen, da kommt man mtt acht Mark schon«in Stück weiter, meint er, von den anderen beneidet. Wind und Detter haben die Haut der jungen Menschen gegerbt. Ihre Gesichter sind hager und von gespannter Wachsamkeit. Die menschlich« Gesellschaft will ihre Kraft, ihr« Intelligenz nicht gebrauchen. Ist eS ttn Wunder, wenn sie dieser Gesellschaft Krieg ansagen? Auch sie habe» nur«ine einzig« Jugend zu leben. Sie sehen sich darum bestohlen. Ihr Gefühl treibt sie heute nicht zu Scherz und Roigen. Ihr Gr- lebnis heißt tagtäglich: Kampf um» Dasein! Deshalb mußt« der Frankfurter Iugendtag so aussehen, so und nicht ander». Viel Volk stand an den Straßen. Diel armes, arbeitsloses Volk. das ebenso ohne Hoffnung in den kommenden Winter hineingeht wie jene Jugend, die vorüberzog. Echt und wahrhast brüderlich hallen die Grüß « hinüber und herüber. Bewußtsein der Derbundenhett in gleichem Schicksal und gleichem Wollen. Bor dem Trommlerkorps einer Bielefelder Gruppe schwingt- ein herzerstischender Anblick Karl Schreck, Bezirkssekretär und Reichstagsabgeordneter seines Wahlkreises, wie ein Junger den Tambourstab. Ein lebendiges Symbol. Die Alten und die Junge« wissen, was die Stunde geschlagen hat. Bataillone des Widerstandes sind mobllistext. Sie werden sich nicht unterkriegen lassen. Trotzig singt ihr rotes Blut:Wir sind die junge Garde des Proletariats! Hermann T«np«!. Eine vergebliche Zwecklüge. Frankfurt a. HL, 27. August(Eigenbericht.) Ein Frankfurter deutschnationales Blatt hatte gemeldet, daß sich Anhänger der sozialistischen Arbeiterjugend anläßlich de» Reichsjugendtages insbesondere im Dom ungebührlich be- tragen hätten. Ein Geistlicher habe sich beim Gottesdienst gegen da» Verhalten der roten Jugend ausgesprochen. Diese Lüg« r» Meldung ist von der deutschnationalen Presse im Reich sofort aufgegriffen und, groß aufgemacht, oerbreitet worden. Der sozialdemokratischenV o l t s st t m m e" ist jetzt zu her deutschnationalen Lüge folgende Erklärung der Frankfurter Domverwaltung zugegangen:Das Benehmen der Dom- befucher der sozialistischen Arbeiterjugend während de» Arbeiter- jugendtages bot uns zu keiner �ei Beanstandungen Anlaß. Es kann ihnen das allerbe st e Zeugnis ausgestellt weichen. Die Jugendlichen verhielten sich in einer der Würde de« Hanse » entsprechenden Weis«. Die Behauptungen derFrankfurter Post" sind unwahr."

Pari« her, man wolle aar keinen ausdrücklichen Nichtangriffsoer- trag, sondern einen.Lersöhnungspakt" schließen. Hinzu- gesetzt wird, daß die Handelsvertrags Verhandlungen zwischen Frankreich und Rußland nicht zum Erfolg führen könnten, solange die politischen Verhandlungen ruhen. Da Deutschland über diese Ver- Handlungen in jedem Stadium genau unterrichtet worden ist, wird man deutscheu Mitteilungen glauben können, daß von der Notwen- digkeit eine» polnisch- russischen Nichtangrisssverttages in Paris nicht gesprochen wurde, und daß«in derartiger Vertrags- obschluß noch weniger zu einer Bedingung gemacht worden ist Ob sich da» etwa durch den Besuch de» polnischen Außenministers Z a l« f k I in Paris ändern wird, der, wie gewöhnlich, diesen Umweg auf der Reise Warschau Gens macht, bleibt abzuwarten. Die Aussichten auf einen solchen polnisch-russischen Nichtangriffs- verttag find äußerst gering. Frühere Verhandlungen darüber sind vor allem daran gescheitert, daß Polen einen solchen Pakt nicht nur für sich allein beantragte, sondern für einen unter Führung Polens stehenden Bund aller westlichen Nachbarstaaten der Sowjet-

union. Moskau lehnt einen solchen Plan ab und will nur«tt de» einzelnen Staaten solche Gegenseitigkeitsverträge schließen. Ein« neue Moskauer Erklärung dementiert mtsdrücklich die Havas-Meldung, daß Rußland im Oktober 1830 Polen einen Nicht- angriffspakt vorgeschlagen habe: seit 1326/27 seien derarttg« Be » Handlungen nicht mehr geführt worden. Aus Polen wiederum kann man hören, daß nur die Bindung durch Frankreich Polen verhindert hätte, Rußland einen Nicht» angriffspakt vorzuschlagen, der sich lediglich auf dies« beiden Sünder bezogen hätte, also den Moskatnr Hauptablehnungsgrund nicht mehr enthalten hätte. Jedenfalls scheint dies« ganze Angelegenheit dahin zu treiben, daß das polnisch-russische, vielleicht aber auch da« fran» zösisch-russlsch« Verhältnis keineswegs verbessert wird. Die deutsche Außenpolitik läßt keinen Zweifel darüber b»> stehen, daß ihr ein französisch-russischer Nichtangriffspakt will» kommen sein und sie auch gegen einen solchen polnisch-russischen Vertrag nichts haben würde, weil sse darin eine weitere Sicherung de» Friedens und ungestörten Wirtschaftslebens erbkickt.