Dimitrios Vutyras: Nichts Gutest
Die Feilen arbeiteten, schrille Töne von sich gebend, die Räder drehten sich, die Riemen schnellten auf und ab, und der dumpfe Schlag des großen Eisenhammers dröhnte wuchtig in die hellen Schläge der fleineren Hammer hinein.
Mamulis, der eiserne Keile für Betten verfertigte, war gar nicht mehr so recht bei seiner Arbeit, denn die Worte seines Nachbars mit den frausen Haaren, der ihm von dem Prinzipal erzählte, wirbelten ihm im Kopf herum, und es war ihm, als ob ihm in den nächsten Tagen nichts Gutes bevorstände.
„ Siehst du?" sprach es plötzlich in ihm ,,, die Not! Die treibt dich, Eide, Feindschaften und alles mit Füßen zu treten. Bist du nicht auch von demselben Schlage wie der da?"
Und er dachte daran, wie vor einigen Tagen, als Landas, der Brinzipal, bei ihm in seiner Wohnung vorsprach und ihm sagte, er tönnte Arbeit befomunen, seine Frau so freundlich zu ihm mar und wie er trop feiner Eifersucht gar nicht böse wurde, wenn beide miteinander sprachen und lachten.
Troß aller Feindschaft gegen ihn famft du gleich herbei gesprungen", fuhr die innere Stimme fort ,,, als er dich aufforderte, und zum Teufel waren alle Schwüre. Bloß Arbeit und Ruhe! Aber weißt du noch, wie er dich auf die Straße gesetzt hatte? Ja, wie fam er denn dazu, ihn zum Werkführer machen zu wollen? Bielleicht gefiel ihm deine Frau, und deshalb hat er dir Arbeit gegeben?"
,, Nein!" wollte er laut ausrufen, als suchte er etwas, das er zertrümmern müßte, doch die Gegenwart des fraushaarigen Arbeiters und der übrigen hielt ihn zurück. Er stellte sich das Gesicht seiner Frau vor, und sah wie sie war, vor der Zeit verwelkt, durch das Elend, mit bekümmerten Augen, aber trotzdem traute er ihr nicht. ,, Ich schlage sie tot", dachte er.
,, Das haben schon viele gesagt", sprach die Stimme.
Und weiter ging das eisenfressende schrille Geräusch der Feilen, es flang wie eine wilde Befriedigung, und weiter redeten die Arbeiter verstohlen miteinander. Nur Mamulis, über seine Arbeit gebeugt, schien ihr ganz hingegeben; er sprach fein Wort, nur in feinem Innern tobte ein wutschnaubendes Gespräch mit sich selbst; das sagte ihm allerlei und lauter Böses, nichts Gutes.
Da mitten in der Hize der Arbeit ertönte ein Pfiff: Mittag. Die Feilen hörten auf zu summen, der große Eisenhammer stand still. Mamulis nahm Brot und Käse aus einem Stück Papier , warf das Papier weg, setzte sich dann wie verstört auf einen Bock, der halb eingesunken auf dem schwarzen schlammigen Boden stand, und aß, mit einem schnellen nervösen Kauen, als wollte er seine Gedanten nicht mehr hören. Er hörte nur die Gasmaschine frei laufen und die Stimmen von Kindern. Plötzlich fuhr er zusammen. In der Luft, ihm gegenüber, sah er ein Bild.
,, Auch das noch", stieß er hervor und stand auf. Aber wieder fah er das Bild, seine Frau in Landas' Armen.
,, Auch das noch, ja, auch das noch!" sprach er, schnell den Raum durchmessend. Doch das Bild war dort, dort schwebte es, wohin er sich auch wandte, wohin er auch den Blick warf.
,, Mein Gott, was ist das?" sagte er und blieb in der Mitte bes Arbeitsraumes stehen. Er war wie schwindlig und wußte nicht, wohin er blicken sollte. Doch er merkte wohl, daß er selber das Bild hervorgerufen hatte, daß er ihm keinen Einhalt gebieten fonnte. Eine düstere Ahnung bemächtigte sich seiner.
,, Da, da. brachte er rot vor But hervor.
Sie, fein Weib, lag ohnmächtig vor Wollust in Landas Armen und bot ihm ihre Lippen bar..
,, Wirst dich schon dran gewöhnen!" hörte er in seinem Innern die Stimme. Er stieß ein Gebrüll aus, ergriff eine Feile und stürzte
auf beide los.
Sein fraushaariger Nachbar erschien am Eingang. ,, Was ist denn das? Was hast du?" fragte er.
Da tam er zur Besinnung und entschuldigte sich. Er mußte an etwas denken, und da habe ihn die Wut gepackt...
Der Arbeiter ging fauend, mit dem Brot in der Hand, weg. Mamulis blieb zitternd stehen und wußte nicht, wohin er die Augen wenden sollte.
Was ist das? Was ist denn das nur mit mir? O mein Gott!" Bis zum Abend, wo er Feierabend machte, quälte ihn das Bild. Und er arbeitete und arbeitete, während das Bild überall da stand, wohin sein Auge fiel, auf der Hobelbant, auf der Wand, auf den Werkzeugen, in dem Arbeitsraum, überall.
Er hatte wohl lichte Momente, aber nur sehr kurze, und gleich
Erich Krug:
war dann das Bild wieder da, in den verschiedensten Stellungen, und alle lüstern und wollüftig. Er fand kein anderes Heilmittel, als sich davonzumachen, sobald die Löhnung fam, aus Landas' Werkstatt auszutreten, und mochte er vor Hunger umfommen. Er glaubte, das, was ihm widerfuhr, sei die Strafe für den Schwur, den er mit Füßen getreten; daß er sich nicht gerächt hatte an dem Feinde seines Vaters, an seinem eigenen Beiniger.
Am nächsten Morgen verließ er früher als sonst seine Behausung. Und er verließ fie völlig ruhig. Das Bild hatte ihn zu Hause nicht belästigt.
Es war ein schöner Frühlingsmorgen mit flarem Himmel, ohne ein Wölkchen und mit einer Sonne, die leuchtend hinter dem fried lichen Berge aufging. Die Schwalben schossen vorüber, als ob sie in die Luft eintauchten, und nur das Meer bewegte sich, unruhig schäumend.
haben. Der bekannte Mondforscher Philipp Fauth claubt jedoch diese hellen Strahlen als Eisbildungen auf dem Monde ansprechen zu müssen. Diese Ansicht wird von den meisten Fachgelehrten nicht geteilt, weil infolge des Mangels an Luft auf unserem Begleiter große Temperaturunterschiede. herrschen. Seine Oberfläche mag, nach den Untersuchungen verschiedener Physiker, während der Nichtbeleuchtung durch die Sonne ungefähr die Temperatur des Weltraumes von minus 273 Grad Celsius annehmen
Eine andere Frage, die ebenfalls noch nicht befriedigend beantwortet werden konnte, ist die nach der Ursache der Veränderung einiger Mondgebilde. Der obenerwähnte hervorragende Mondbeobachter Schmidt hat im Jahre 1866 darauf aufmerksam gemacht, daß mit dem kleinen Krater Linné, der sich im sogenannten Mar Serenitatis( Meer der Heiterkeit) befindet, eine Veränderung vorgegangen zu sein scheine. Statt des verschiedentlich gesehenen und gezeichneten Kraters jei jezt nur noch ein wenig vertiefter weißer Fleck vorhanden. Diese Beobachtung hat sich in der Tat als richtig erwiesen. Allerdings besteht nun wieder die Möglichkeit, daß ältere Beobachter dieses Gebilde ungenau geschildert oder gezeichnet haben.
Er langte in der Fabrik an, als eben ein Webstuhl heiser zu furren begann und seine Arbeiter heranrief. Er grüßte und trat in seinen Arbeitsraum. Aus dem Ofen sah er eine Flamme heraus. schlagen, die schnell ein langer Eisenstab des Heizers mit Rohlen bedeckte. Ein qualmiger Rauch quoll hervor, dann wieder eine kleine Flamme, wie ein feines blaues Zünglein, das sich von der Last der Kohle zu befreien strebte. Der Amboß ließ unter den Hammerschlägen rhythmische Töne erflingen, wenn sie auf das glühende Joachim Steinbacher ( Helgoland ): Eisen niedersauſten.
Jedenfalls sind trop der Nähe des„ guten Mondes" noch heute viele Erscheinungen seiner Oberfläche seltsam und geheimnisvoll, und noch langer, unermüdlicher Forschungsarbeit wird es bedürfen, um die Geheimnisse unseres so nahen Trabanten zu entschleiern und die vielen Rätsel der Mondlandschaft zu lösen.
Mamulis arbeitete ruhig. Die schrillen Töne der Feile des Kraushaarigen erinnerten ihn an eine hysterische Nachbarin. Da plöglich hörte er seinen Namen rufen. Er blickte auf. ,, Der Prinzipal will dich sprechen."
Er ließ seine Arbeit in Stich und ging ärgerlich hinaus. An der Tür sah er Landas' kleinen Wagen mit einem Rappen davor, der mit den Vorderfüßen im Boden wühlte, so daß ihn Bubros, der Vorarbeiter, nur mit Mühe halten konnte. Der Prinzipal stand in einiger Entfernung, mit verbundenem Arm.
Komm' mal her, lieber Freund", sagte er zu Mamulis ,,, ich hab' mir den Arm verstaucht und fann nicht fahren. Komm' mal schnell her und fahr los!"
Nachdem Landas eingestiegen war, fletterte Mamulis auf den Bod und ergriff die Zügel.
,, Halt es fest im 3aum!" rief ihm zubros zu.
Zu Berdopulos!" rief Landas. Er hat etwas zur Reparatur. Du kennst ja das Haus. Das allerlegte am Abhang.
Mamulis hatte sich zu dem Prinzipal hingewandt, um besser zu hören und sah nun hoch in der flaren Luft eine Wolke, die tief herabhing, als ob sie sie anblickte.
Der Wagen setzte sich in Bewegung. Wieder blickte er verstohlen hinter sich.
Die Wolke folgte dem Wagen. Da erschrat er und schlug auf das Pferd ein. Das bäumte sich und setzte sich in schnellen Lauf.
,, So ift's recht!" hörte er den Brinzipal sagen. Nach einer Beile, als er sich umblickte, war es ihm, als sei die Wolke stehengeblieben und blicke ihnen nach.
,, Aber was gudst du denn?" fragte Landas und sah sich auch um. Mamulis war ruhiger geworden und hatte bald die Wolke vergessen. Er dachte gar nichts. Dann und wann nur trieb er das Pferd an, das so aus seinem schläfrigen Trab herausgerissen wurde.
Hoch oben stand leuchtend hell die Sonne, und drüben sah man das wogende Meer sich wälzen. Eine Möwe flog über die schäumenden Fluten und eine andere stieg empor.
In Mamulis Hirn war es feer, und er blickte vor sich hin, als wäre er blind. Die Möwen, die Sonne, die Woge, die sich unruhig bewegte, alles rief ihm mit tausend Stimmen zu. Er aber sah nichts. Er vernahm nicht, wie das Meer gegen die Felsen brandete, sich aufrichtete wie ein junges Ungeheuer und wütend die Bande zu zersprengen suchte, die es eingeschlossen hielten.
Da wandte er sich plöglich um; das Bild von seiner Wertstätte war wieder plöglich vor ihm aufgetaucht... und hinter ihm, neben Landas, saß seine Frau, seine Frau..
,, Ah!" stieß er wild hervor und hieb auf das Pferd ein, so sehr er konnte. Das aber sprang hoch auf und begann dann wie rasend
zu rennen
,, Heda! Was machst du denn?" rief ihm Landas zu und wollte aufspringen, fiel aber zurück in den Wagen.
Brüllend peitscht Mamulis indessen auf das Pferd ein, daß es pfeilschnell dahinfliegt, immer dem Abgrund entgegen, an deffen Fuß wie ein hungriger Drache das Meer brüllt!.
( Aus dem Neugriechischen von Dr. A. Steinmez.)
Rätsel der Mondlandschaft
Ein unruhiger, heißer Tag ist zu Ende gegangen. Langsam| seine so eigenartige Landschaft doch noch viele Erscheinungen, die steigt, wie eine Botin des Friedens und der Ruhe, die Nacht herauf, um all das ruhelose Treiben, um Stadt und Land in ihren dunklen Mantel zu hülfen. Ueber der unruhigen Erdenwelt wird jetzt eine andere Welt sichtbar, die Welt der Sterne, die seit undenklichen Zeiten dort droben den nächtlichen Himmel schmückt. Am Horizont aber tommt als Beherrscher des Himmels der Mond empor, der schweigend wie das Sternenheer durch die Stille der Nacht wandelt. Wie viele Volkslieder haben ihn schon verherrlicht, wie viele Sagen find um sein Dasein gewoben worden. Wie viele sehnsüchtige Augen, die sich nach besseren Welten sehnten, haben schon zu ihm aufgeblickt. und freundlich fandte er jahrein jahraus sein filbernes Licht auf Städte und Dörfer, auf Wälder und Felder.
Eine seltsame, rätselhafte Landschaft wird aber sichtbar, wenn man durch ein Fernrohr das freundliche Mondgesicht betrachtet. Wie mit Narben übersät erscheint dann die Oberfläche unseres Tras banten, als wenn er früher einmal eine schwere Krankheit durch gemacht hätte. Schon ein guter Feldstecher läßt bei Halbmond die narbenübersäte Oberfläche ganz gut erkennen. Ein Fernrohr mit stärkerer Vergrößerung macht deutlich, daß die narbenartigen Gebilde zahlreiche Berge und Krater find. Gewaltige Feismassen und Gebirge ragen scharf und zacię empor. Eine für uns seltsame, tote und schaurige Welt bietet sich durch die modernen Riefeninstrument: der Astronomen dem Auge dar. Durch die große Nähe des Mondes ist man in der Lage, seine Oberfläche auf das genaueste zu studieren. " Nur" 384 000 Kilometer trennen uns von ihm. Das ist im astronomischen Sinne eine„ Ragensprung", den ein moderner Schnellzug in 6 Monaten überbrücken könnte. Die Astronomen fönnen mit Hilfe der großen Fernrohre auf der Oberfläche des Mondes rrch Geçenstände erkennen, die einen Durchmesser von etwa 200 Metern haben. Wie gut, man im allgemeinen über das Ausiehen unseres Nachbarn im Weltall unterrichtet ist, mag auch daraus hervorgehen, daß man vom sichtbaren Teile des Mondes schon beffere uno genauere Karten angefertigt hat als von manchen wenig erforschten Teilen der Erde.
bisher rätselhaft und ungeklärt sind. Da haben wir 3. B. die vielen merkwürdigen Krater und Ringgebirge, die dem Antlik des Mondes ein so eigentümliches, der Erde unähnliches Aussehen geben. Man erhäft von der Anzahl dieser Krater einen Begriff aus der vorzüglichen Mondkarte des Astronomen 3. F. Schmidt, des ehemaligen Direktors der Sternwarte in Athen , die ungefähr 33 000 derartige Gebilde aufweist. Ueber die Entstehung dieser Krater find sich die Gelehrten auch heute noch nicht recht im flaren. Während ein Teil der Astronomen glaubt, daß diese Ringgebirge vulfanischen Ursprungs seien, vertritt ein anderer die Auffassung, daß das Aufstürzen eines großen Schwarmes riesiger Meteore die Entstehung der Krater verursacht habe. Man fann einen den Mondfratern ähnlichen Krater sehr leicht selbst erzeugen, wenn man in halberstarrten Gips aus einer bestimmten Höhe einen Stein hineinfallen läßt. Durch den Aufsturz des Steines entsteht in dieser zähen, treiaztigen Masse ein Gebilde, das nit einem Mondkrater e: ne täuschende Aehnlichkeit hat. Es bleibt nun aber die große Frage übrig, warum von dem gewaltigen Meteorhagel, der vor undentlichen Zeiten auf den Mond herniedergepraffelt fein mag, noch feine Spur auf unserer Erde aufzufinden gewesen sind, die doch durch die große Nähe ihres Trabanten bestimmt davon hätte mit betroffen werden müssen.
Noch seltsamer ist es mit den leuchtenden Streifen, die von verschiedenen Ringgebirgen des Mondes ausgehen und strahlenförmig nach allen Seiten über Höhen und Tiefen hinwegziehen. Mehr als 2000 Kilometer find manche dieser Strahlen lang. Man hat bei diesen hellen Streifen an glasartige Bavaasche gedacht, die das Sonnenlicht besonders start reflektiert und früher einmal von den einst tötigen Mondvulkanen ausgeworfen wurde. Da angenommen wird, daß unser Trabant früher einmal eine Atmosphäre besessen hat, so soll der Wind die Asche gradlinig auf meite Strecken davengetragen haben, bis sie allmählich zu Boden fiel und dadurch die hellen Streifen bildete. Weit wahrscheinlicher als diese ziemlich fadenscheinige Ansicht ist die Auffassung, daß große Risse im Mond
Aber trog der Erdnähe des guten, alten Nachtwandlers ze gt boden sich mit hervorquellender glänzender Lavamaffe gefüllt
Wandernde Fische
Die Lust zum Wandern ist nicht allein eine uralte, tief eingewurzelte Eigenschaft des Menschengeschlechts, sondern fie fritt in noch höherem Maße in der Tierwelt auf.
Alljährlich im Frühjahr und Herbst begeben sich unsere Zugvögel auf die Wanderschaft, auf der z. T. selbst für menschliche Begriffe gewaltige Strecken zurückgelegt werden. Ueberfliegt doch beispielsweise die Küstenseeschwalbe zweimal jährlich den ganzen Erdfreis, von ihrem Brutgebiet im nördlichen bis zur Winterherberge im südlichen Eismeer. Der Vogelzug, eins der interessantestem, weil schwierigsten und umfangreichsten Probleme der Naturwissenschaft, ist trop eifrigster Forschung bis heute keineswegs auch nur als an= nähernd geklärt zu betrachten. Man möchte sogar fast sagen, daß, je mehr Rätsel gelöst werden, was die Auswirkungen und Grenzen des Zuges der Bögel betrifft, die letzte Ursache, der Anfangsgrund des Phänomene um so dichter verschleiert erscheint. Jedenfalls ist Tatsache, daß namhafte Wissenschaftler heute schon offen refignieren und die Möglichkeit einer Lösung der kausalen Zusammenhänge des großen Naturwunders verneinen.
Gleich den Zugvögeln unternehmen auch eine Anzahl Fische gefeßmäßige und regelmäßig wiederkehrende Wanderungen, von denen sie, genau wie die Gefiederten, immer wieder in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren, an den Ort, wo sie das Licht der Welt erblickten. Einige Fische, wie Lachs, Aal und Scholle wandern zum Zwecke der Fortpflanzung, andere, wie der Hering, Heil- und Steinbutt, der Nahrung wegen. Die Wanderzüge der Lachse, die zum Laichen aus dem Meere die Flüsse hinaufziehen, sind mit denfelben Hilfsmitteln, wie man sie zur Vogelzugforschung verwendet, bedruckten Metallringen, erforscht. Es ergab sich eine Fülle interessanter Einzelheiten aus dem Leben dieser geschätzten Speisefische, daß auch die kleinen Nebenflüsse unserer Ströme immer wieder von denselben Fischen besucht werden, daß diese nicht nur Stromschnellen, sondern sogar Wasserfälle und Wehre, bant ihrer Fähig teit zu springen, überwinden, u. a. m.
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Im Gegensatz zu den Lachsen verlassen die Aale zum Laichen die Flüsse und wandern ins Meer, mitten in den Atlantischen Ozean . hier wachsen in reiner Tiefe von zirka 1000 Meter die weidenblattförmigen Aallarven heran, um nach zwei Jahren als„ Glasaale" die Flüsse heraufzusteigen, selbst großer Hindernisse nicht. achtend. Nach 6 bis 8 Jahren beginnt die Rückwanderung der geschlechtsreifen Tiere zum Meer, zum Laichplatz, von dem es teine Rückkehr gibt. Denn das fortpflanzungsfähige Tier ist dem Hungertode preisgegeben, da Magen und Darm außer Funktion treten. Der Aal braucht etwa dreiviertel Jahr, um seinen Laichplatz zu erreichen, bei einer Tagesleistung von 15 Kilometern.
Auf die gleiche Art spielt sich das Fortpflanzungsgeschäft der Schollen ab. Diese bevorzugen zum Laichen Meeresstellen, die hohen Salzgehalt mit warmer Temperatur und geringer Tiefe vereinigen, wie wir sie in der Doggerbant und in der Ostsee nördlich von Born holm finden. Die jungen Schollen haben absolut feine Aehnlichkeit mit den erwachsenen Tieren; sie sind nicht platt, sondern haben normale Fischgestalt. Ihre charakteristische Figur bildet sich erst ¡ auf der Wanderung vom Laichplatz zur Küste aus, von der die ausgewachsene sofort wieder in größere Meerestiefen zieht, und zwar ältere Tiere tiefer als jüngere und fleinere. Hieraus ergibt sich nicht nur ein Zusammenhang der Wanderung mit der Fortpflanzung, sondern auch mit dem Wachstum.
Für den Menschen von größter Bedeutung ein volkswirtschaftlich wichtiger Faktor find die Wanderzüge des Herings, die schon früh im Mittelalter, im 14. Jahrhundert, die Heringsfischerei ins Leben riefen. So dankte die seebeherrschende Hansa ihren Reichtum und Macht indirekt nicht zum geringsten Teil diesem schmackhaften Fisch. Von Schweden breitete sich der Heringsfang in Norwegen , Holland , England und Deutschland aus. Die ungeheure wirtschaftliche Bedeutung dieses Erwerbszweiges erhellt aus der Tatsache, daß in Deutschland jährlich 1 bis 1,5 Millionen Tonnen Salzheringe verbraucht werden. Im Gegensatz zu den erwähnten Fischen entstehen die gewaltigen Wanderzüge des Herings dadurch, daß der Fisch seiner bevorzugten Nahrung, dem Plankton des Meeres, folgt. In dicht gedrängten Massen, wie ein glitzernder Strom, der durch die unabläffige Verfolgung von Seehunden und Delphinen, Möwen und anderen Seevögeln immer dichter sich zusammenschließt, schwimmen die Fische nahe am Wasserspiegel dahin, und die Geschlossenheit solcher Züge läßt nicht selten Fischerboote, die in fie geraten, fentern.
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Die Frage der Orientierung auf den Wanderungen ist bei den Heringen leicht zu lösen; fie folgen eben nur der Nahrung. Die anderen Wanderfische" orientieren sich durch den Geschmack, den bei den Fischen am höchsten entwickelten Sinn, und das Gefühl, durch besondere Organzellen, die ganz verschiedenen Sitz haben und wohl mit dem Geruchsfinn in Berbindung stehen. Ein hoch= entwickelter Ortsfinn dürfte auch zu den Faktoren gehören, die für den Berlauf der Wanderungen wichtig sind. Das Gedächtnis löst durch Einwirkung auf die spezifischen Nerven das Streben nach einem Gewässer mit bestimmtem Geruch und Geschmad aus, wonach die Orientierung im Unterbewußtsein erfolgt.
Den größten Kohlenreichtum der Erde haben wir in China . Ueber den Umfang der dortigen Kohlenlager fann man sich jetzt überhaupt noch keine Vorstellung machen, da sie bisher so gut wie gar nicht abgebaut wurden. In Oberschlesien , Saargebiet, Ruhr gebiet und in Belgien wird man noch 800 bis 1000 Jahre Kohlen haben, in Frankreich und England nur noch 350 Jahre, in einzelnen Gegenden von Cngland( z. B. Durham) und in Sachsen nur noch 100 Jahre.