Abendausgabe
Nr. 452
B 226
48. Jahrgang
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Der„ Borwärts" erscheint wochentäg lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel Der Abend", Juustrierte Sonntagsbeilage Bolt und Zeit".
Vorwärts
Beeliner Boltsblatt
Sonnabend 26. September 1931
10 Pfennig
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Bor kurzem fonnte auf Grund von Briefen und Berichten mitgeteilt werden, daß sich die Auflage der kommunistischen Presse in tatastrophalem Rückgange befindet. Allein im ersten Halbjahr 1930 ist die Abonnentenziffer von 240 000 auf etwas mehr als 200 000 gefallen. In einigen tommunistischen Blättern war nun behauptet worden, daß unsere Mitteilungen erfunden seien. Davon ist keine Rede. Sie wurden den Berichten entnommen, die in den zahllosen Sekretariaten des Zentralfomitees und seiner Unterinstanzen entstanden sind.
In den Berichten wird der Rückgang der Leserzahl begründet mit dem Einfluß der Krise, mit wiederholtem Berbot kommunistischer Zeitungen, mit der Passivität der Funktionäre, vor allem aber mit der Konkurrenz der Münzenberg - Blätter.
Der fleine Sugenberg.
Er
Der Herr Reichstagsabgeordnete illi Münzenberg ist von dem Ehrgeiz beseffen, einen Pressefonzern nach dem Vorbilde des deutschnationalen Parteiführers Hugenberg aufzuziehen. hai es stets verstanden, Politik und Geschäft in das richtige Berhält nis zueinander zu bringen. Mit der Internationalen Ar beiterhilfe", der Jah, fing es an. Es gelang ihm, einige gutgläubige Intellektuelle zu gewinnen, die dem Unternehmen ein neutrales Gesicht zu geben hatten. Es wurden Gelder gesammelt und Bettelsuppen verteilt; inzwischen fonnten fleinere Geschäfte mit Rußland gemacht und größere Geschäfte in Deutschland eingeleitet werden. Es sind häufig glänzende Berichte über die Tätigkeit der JAH. veröffentlicht worden; eine wirkliche objektive Kontrolle hat es hier niemals gegeben.
Was bei der JAH. scheinbar gelungen war: das Unternehmen mit dem Schleier parteiloser Wohltätigkeit zu bedecken, das übertrug Herr Münzenberg dann auf einen anderen Geschäftszweig, die Presse. Er ließ sich um ein Butterbrot ein ,, radifgles" Abend blatt in die Hände spielen, steckte Geld hinein und wandelte das Blatt in ein inoffizielles Organ der Kommunistischen Partei um. Daran schloß sich die Gründung einer illustrierten Zeitung, eines Morgenblattes und zuletzt auch einer Montagszeitung an. Zwischendurch wurde ein Filmunternehmen gegründet, ein verkrachtes russisches Filmgeschäft übernommen, es wurden Zeitschriften herausgegeben, neutrale" Kongresse veranstaltet und Kampfausschüsse" gebildet. Kurzum: aus Wohltätigkeit, Politik und Geschäft entstand ein Konzern, der seine Leute nährt.
Parteiinstanzen werden beiseite geschoben.
Ursprünglich war das Unternehmen des Herrn Münzenberg von der Parteileitung warm begrüßt worden. Man glaubte dadurch besser an die Schichten an der Peripherie" herankommen zu fönnen. Mit der Zeit aber stellte sich der Münzenberg - Konzern nicht mehr neben, sondern über die Parteiinstanzen. Die Lefer der Münzenberg - Presse wurden nicht für die Kommunistische Partei ge= wonnen. sondern sie verfielen einem sich radikal gebärdenden Indifferentis mus. Unaufhörlich ist in dem Bericht an die Zentrale über diesen Zustand geflagt worden, aber es fonnte nichts Ernsthaftes gegen Herrn Münzenberg unternommen werden. Noch am 30. April d. J. schrieb die Verlagszentrale 2.-G. an die Geschäfts- und Finanztommission der KPD.:
Unseres Erachtens ist es ein unmöglicher Standpunkt, daß bei Streitigkeiten, welche zwischen der A3. und den Vereinigten Zeitungsverlagen bestehen, die JAH. und nicht die Parteiinftanzen zuständig fein follen. Wir bitten, in diesem Punkte der A3. auf keinen Fall nachzugeben. Ebenso halten wir die Forderung der monatlichen Uebergabe einer wirklich realen Bilanz für unbedingt notwendig. Mit dem Standpunkt der RF., daß dies auch aus juristischen Gründen nicht gut zu verlangen sei und wir uns mit der Bilanz, welche Herr Gohlke als Gesellschafter der A3. erhält, begnügen müssen, sind wir auf keinen Fall einverstanden. Für uns ist das nicht eine Frage des Kuhhandels, sondern eine geschäftliche und parteiorganisatorische Selbstverständlichkeit, daß die Bilanz monatlich von der A3. gegeben wird..."
Ein Blick in die fommunistischen„ Massenorganisationen". Außerordentlich stark ist der Einfluß der Münzenberg - Presse auf die sogenannten Massenorganisationen der Kommunistischen Partei. Wie es dort aussieht, ergibt sich aus folgendem:
Am 7. Juli 1931 schreibt die Verlagszentrale A. G.
in einem Bericht über den Rückgang der Zeitungsauflagen:
Der Dampfer Neumark" der Hamburg- Amerika Linie wurde in der Nacht zum Sonnabend von einem Großfeuer heimgesucht. Kurz vor Mitternacht bemerkte die Wache an Bord das Feuer, das sich schon einige Zeit unter Deck verbreitet haben mußte. Die Feuerwehr fam kurz nach dem Alarm mit den Feuerlöschbooten und fünf Zügen an und ging dem Brand mit acht Schlauchleitungen zu Leibe. Nach halbstündiger Arbeit konnte ein lebergreifen auf bisher unbetroffene Teile des Schiffes verhindert werden.
Der Dampfer Neumart" ist ein Schiff von 7851 Bruttoregistertonnen, 1930 erbaut. Es hat am Donnerstag gelöscht und mar von einer Dstafienreise zurückgekehrt. Ueber die Brandursache liegen offizielle Berichte noch nicht vor, es steht jedoch fest, daß am Freitag im Laufe des Tages das Schiff zum Zwecke der Un gezieferbernichtung unter Blausäure stand. Inwieweit dieses Vergasen des Schiffes mit Blausäure mit dem Brand im Zu
Die neue Mittelpartei.
REMHSBURGER PARTE
Der Wähler: Man fragt doch wenigstens erst..."
In einem Bericht aus Stuttgart heißt es:
,, Unser Verlag teilt uns aber mit, daß der internationale Bund, die Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit , die Interessengemeinschaft für Arbeiterkultur, die Freidenker und der Erwerbs lofenausschuß fich bis heute noch paffiv verhielten. Ebenfo reagiert auch die RGO. noch ziemlich schwach. Diese Beobachtung, daß die Massenorganisationen bei den Werbekampagnen nicht reagieren, müssen wir fast überall machen. Diese Bassivität ist aber außerordentlich bedentlich, um so mehr, als in den Reihen der Mitglieder dieser Organisationen noch der große Teil bürgerliche Zeitungen lieft. Unser Verlag in Stuttgart bittet uns deshalb mit Recht, an Sie mit der Bitte heranzutreten, an die vorerwähnten Organisaitonen ein Schreiben zu richten, in dem ihre Paffivität gerügt und von Ihnen energische Mit arbeit an der von der Partei geführten Kampagne gefordert wird. Der schädliche Einfluß der Münzenbergpresse auf die Peripherie. schichten und die Massenorganisationen steigerte sich im Laufe der Seit sogar noch zu direkter Feindseligkeit
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sammenhang steht, kann natürlich noch nicht gesagt werden. Jedenfalls hat die Verwendung der Blausäure die Löscharbeiten ganz ere heblich erschwert, da es den Feuerlöschmannschaften vollkommen unmöglich war, in das Schiff vorzudringen. Der Schaden ist im Augenblid noch nicht zu übersehen, dürfte aber sehr erheblich sein, da neben dem eigentlichen Brandschaden der Wasserschaden sehr groß ist.
Die Flammen haben am meisten im Mittelteil des Schiffes gewütet und sich von hier aus mit großer Gewalt über die Aufbauten des Oberdeds ausgebreitet. Die Flammen fanden hier in den Holzteilen reiche Nahrung und konnten sich zu heller Glut entwickeln, ehe die Feuerwehr eintraf. Aber schon nach halbstündiger Löscharbeit mar die größte Gefahr norüber und drei Züge tonnten abrüden. Den übrigen Mannschaften gelang es. die Flammen immer mehr einzudämmen und schließlich gänzlich abzulöschen. Der Schaden dürfte nicht unerheblich sein.
Das nächtliche Schauspiel hatte trotz der vorgerückten Stunde viele Menschen angelodt. Die Besatzung des Dampfers beteiligte fich gleichfalls an den Löscharbeiten. Soweit bekannt, ist durch den Brand niemand verlegt worden.
Erklärung Lavals.
Die deutsch - französische Konferenz.
Paris , 26. September. ( Eigenbericht.) Ministerpräsident Laval hat heute mittag den Pressevertretern folgende Erklärung abgegeben:
,, Die Berliner Reise, die der Außenminister und ich zu unternehmen im Begriffe sind, darf nicht als eine einfache Höflichkeitsgeste angesehen werden. Die neue Zusammenkunft, die wir mit den deutschen Ministern haben werden, muß zu einer Tat führen. Wenn die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland verbessert find, wenn eine attive Politik der Zusammenarbeit zwischen unseren beiden großen Bölfern eingeleitet wird, bin ich sicher, daß es leichter sein wird, das Vertrauen wieder herzustellen. Dieser notwendigen Aufgabe müssen die beiden Regierungen ihre Tätigkeit widmen. Das Werk ist delikat und schwierig. Es darf nicht unmöglich sein, es zu verwirklichen. Unsere Unterhaltungen in Paris und London haben es schon erleichtert.
Wenn es Probleme gibt, die wir unter den gegenwärtigen Umständen nicht besprechen können, so können andere Probleme im Geifte gegenseitigen Berstehens gelöst werden. Wir müssen vor allem eine Methode für die Regelung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern festlegen. Diese Zusammenarbeit, die von den beiden Regierungen organisiert, angetrieben und kontrolliert werden muß und die qualifizierten Bertreter der Hauptzweige einander gegenüberstellt, muß zu günstigen Ergebnissen führen und durch konkrete Berwirklichungen zum Ausdrud fommen.
Sie wird auch einen wirksamen psychologischen Faktor darftellen. Wenn wir unsere öffentlichen Meinungen daran gewöhnen, diese Beharrlichkeit bei der Bemühung wirtschaftlicher zufammenarbeit festzustellen, bereiten wir in einer, wie ich wünsche, nahen Zukunft die Atmosphäre der Ruhe und des Ver trauens vor, ohne die die ernsten Probleme, welche die Welt bewegen, nicht gelöst werden können. Indem Briand und ich in diesem Geiste nach Berlin abreisen, sind wir sicher, dem tiefen Gefüh unseres Landes zu entsprechen."
Am morgigen Sonntag treffen Laval und Briand in Berlin ein. Die nächste Station dieser Serie von Ministerbesuchen wird Washington sein. Die offizielle Einlabung dahin ist aval überbracht worden. Der französische Ministerpräsident dürfte am 16. Oktober in der Bundeshauptstadt der USA . eintreffen. Gerüchte, daß auch Brüning nach Washington eingeladen
Ein besonderes Rapitel ist in diesem Zusammenhang die Frage der Massenorganisationen, mie Freidenfer, Sportler, Rote Hilfe, JAH., RGO. wsw. In diesen Kreisen sind die bürgerlichen gegen die kommunistische Parteipreffe. Am 16. Juni berichteten sei, merden dort zwar dementiert, aber man fügt hinzu, daß sein Zeitungen à la Morgenpoft noch sehr verbreitet.“
( Fortsetzung auf der 2. Seite.)
Befuch äußerst willtommen sein würde.