Einzelbild herunterladen
 

Nr. 453 48. Jahrgang

1. Beilage des Vorwärts

www ww

Sonntag. 27. September 1931

Rumisamin& Brapf

Stadtküche

Sladikücht

Linsen und Wellfleisch für 60 Pfennig. Als vor einiger Zeit die Eifengießerei von Kenling 11 Thomas ihre Pforten für immer schloß, übernahm die Heilsarmee den Bau und machte ein Männerheim aus der Eisengießerei. Man geht über den heute stillen Hof, ein Pfeil an der Mauer weist in den Reller. Dort ist der Speisesaal. Mit Stühlen, Tifchen und Männern, die ihren Topf Kaffee trinken und die Stullen, die sie irgendwo her haben, verzehren. Nach hinten durch liegt das eigent liche Restaurant. Gededte Tische, fpiegelblant gewichster Linoleumbelag am Boden und auf jedem Tisch zwei, drei rote oder blaue Aftern. Ein nobler Eindruck. Das Gedec kostet 60 Pfennig. Zaterst bringt der junge Kellner einen Teller mit Linfensuppe. Ein geweihte fagen vorher: den Teller nur halb voll. Wer zum ersten Male bei der Heilsarmee ißt, bekommt einen tiefen Teller voll Linfen , in denen der Löffel steden bleibt. Wer fein Bielfraß ist, wird allein von den Linsen satt. Merkwürdigerweise sinds die Linsen mit Kopffleisch gefocht sindus an Gleich danach tommt der Ober mit einem Tablett und beginnt aufzubauen: einen Teller mit Wellfleisch, zwei große Stücke und nicht etwa dünn wie eine Briefmarte, dazu ein gehäufter Berg Kartoffeln. Gehäuffer Berg Kartoffeln" ist natürlich sprachlich ein Unfug, aber die Berliner sagen nun einmal zu einem

930

Bazen Effen, es wäre ein gehäufter Berg". Dann weiß jeder, wieviel Kartoffeln geineint find. Die Kartoffeln sind mit gewiegter Petersilie bestreut. Hierzu tommt noch ein zweiter Teller, der ist voll Kohlrüben. Das Wellfleisch wird vorher in den Kohlrüben gefocht und nachher mit ein paar Kellen Brühe eine Tunte genmacht, in der dann das Wellfleisch auf dem ersten Teller liegt. Nur 60 Pfennig sind reichlich viel Geld, aber die Heilsarmee nimmt ja 60 Pfennig sind reichlich viel Geld, aber die Heilsarmee nimmt ja auch schon an Schlafgeld 65 Pfennig.

Weißfohl mit Rindfleisch 50 Pfennig.

Dann auf zum Roten Kreuz. Da ist in der Besselstraße, neben dem Arbeitsnachweis, eine der Roten- Kreuz- Küchen. Born im zweiten Stod. Eine ehemalige Großwohnung mit Parkettfußboden, auf den gedeckten Tischen stehen Wasserfaraffen. An der Wand hängen Bilder, auf denen die verflossene Kaiserfamilie zu sehen ist. Auch Sprüche zum Beten: Komm Herr Jesu, sei unser Gast und fegne, was Du uns bescheret hast. Das Rote Kreuz ist frömmer als die Heilsarmee. Die hatten nichts an die Wand geschrieben. Aber abgesehen davones foll jeder nach seiner Fasson felig werden- fizt am Eingang eine betagte Dame, die verfaust jedem für 50 Pfennig eine rotlackierte Blechmarke. Dann kommt ein Mädchen und baut auf: Messer, Gabel, großen Löffel. Kleinen Löffel. Darauf fragt fie: ,, Schokoladen oder Tomatensuppe?" Donnermetter, dentt man und bittet um Tomaten suppe. Die ist mit Reis gekocht. Man löffelt fie aus, und schon tommt das Mädchen wieder um die Ede. Mit einem Teller voll Weißkohl und Rindfleisch. Richtige Hausmannstoft, dick eingefocht und schmackhaft, das Fleisch ist in fleine Würfel geschnitten, man braucht sie nicht gerade zu suchen,

Aus dem Gartentor des stillen Fran­ziskanerklosters kommen zwei alte Männ­lein und wischen sich den Bart. Dann knöpfen sie sich den Rock fester; es ist Herbst und die Raben schreien bald. ,, Na, hat es geschmeckt?" fragen wir. ,, Was soll an Brühreis schon schmecken",

meinen sie und stecken die beiden langen Scheiben Bauernbrot, die es dazu gibt, etwas tiefer in die Tasche. Diese Frage braucht nicht notwendigerweise vor dem Tor eines Franziskaner- oder Ursulinenklosters gestellt zu werden. Das kann auch geschehen vor einem Quartier der Heils­ armee , vor einer Küche des Roten Kreuzes oder vor einem Eẞsaal der Städtischen Volksspeisung. Nur die Antworten werden gleich sein: mas soll an Kohlrüben schon schmecken. Bisweilen setzen sich Männer hin und schreiben Briefe. Diese Briefe beginnen mit dem Wort ,, Schlangenfraẞ" und enden mit dem Wort Schweinefutter". Die Unterschrift heißt dann oft, es könnte auch ein Stempel sein: ,, Einer von den 60 Millionen Unzufriedenen." Als ob ganz Deutschland mittags in die Volksküche geht. Demgegenüber sieht die Wirklichkeit folgendermaßen aus:

es ist genügend drin, aber ein halbes Pfund Rindfleisch fann natür lich auch nicht auf dem Teller liegen. Nachher tommt noch ein Teller mit Apfelmus. Wer fein Suppentasper ist und auf diese edle Speisenart verzichtet, bekommt für das Apfelmus einen Mittel­teller Budding , der gut zubereitet ist, aber leider nicht mit Saft, sondern mit geschmorten Pflaumen übergossen ist. Nun, das ist Geschmackssache. Getrüffelten Rebrüden mit Gänseleberpastete und Spargelspitzen auf Artischockenböden kann selbstverständlich keiner für einen Fünfziger verlangen. Am Tage vorher gab es beim Roten Kreuz als Hauptgericht Königsberger Klops. Und wenn schon im ganzen gegen das Menü nichts weiter einzuwenden ist, dann ist noch das besonders Angenehme dabei, daß derjenige, der noch Hunger hat, genau denselben Teller Weißlohl mit Rindfleisch noch einmal umsonst nacherhält.

Buletten mit Rotfohl für 35 Pfennig. Neuerdings haben auch verfchiedene große Arbeitsnachweise Küchen. Ruche fann man im Grunde genommen bazu nicht sagen, denn da stehen auf dem großen Metallarbeiternachweis in der Chausseestraße am Fenster entlang die Kochtöpfe und die Braipfannen, und davor ist eine Art Ladentisch , also ähnlich wie in einer Bufferbude, wo jeder zusehen kann, was gebraten wird. So auch hier, und das soll beileibe fein Manko sein. Im übrigen muß man sich ranhalten, wenn man schnell abgefertigt sein will, die Buletten nämlich für 15 Bfennig gehen noch besser weg als die berühmten, marmen Semmeln". Und dann gibt es da für 35 Pfennig einen tiefen Teller voll Kohlrüben mit einem annehm­baren Stüd Fleisch oder zu der Bulette kommt noch Rotkohl und 35 Pfennig, und niemand wird sagen können, daß die Bulette nur Kartoffeln, wieder der gehäufte Berg", das Ganze loftet ebenfalls

|

so groß ist wie eine Murmel. Mit der Portion frischer Burst samt Sauerkohl und Kartoffeln ist es allerdings nicht so weit her, die Leberwurft ist etwas flein. Schließlich gibt es noch eine Tafſe Fleischbrühe für 7 Pfennig, eine Tasse Kafao für 8 und eine Taffe Bohnentaffee für 10 Pfennig. Wie gefagt, die Küche kann sich über mangelnde Frequenz nicht beklagen.

Kartoffelsuppe mit Würstchen für 20 Pfennig.

35 Pfennig auf den Nachweisküchen zu essen, sie brauchten nur zu Nun hätten es allerdings die Arbeitslosen nicht nötig, für Eßkarte geben lassen. Dann hätten sie täglich 20 Pfennig zu zahlen den Volksküchen zu gehen, ihre Karte vorzeigen und sich eine und bekämen dafür ein Cifer Effen. Am letzten Freitag gab es in der Neuköllner Volksküche Kartoffelsuppe mit einem Paar Würstchen für 20 Pfennig. Ein anständiges Essen. Und ganz Mittel­lofe erhalten ja bekanntlich das städtische Essen völlig umsonst. Das Städtische Obdach gibt zum Beispiel solche Marken für die Alleräriften auszam

Gin Wochenspeisezettel bei der Städtischen Boltsspeisung ficht folgendermaßen aus:

Montag: Erbsbrei, Sauerfohl, Spedtunte. Dienstag: Wirsingtohl mit Rindfleisch. Mittwoch: Lungenhaschee und Salzkartoffeln. Donnerstag: Grüne Bohnen mit Rindfleich. Freitag: Saure Heringe, Gurfen, Salzfartoffeln. Sonnabend: Schoten, Mohrrüben, Schweinefleisch. Sonntag: Pichelsteiner Fleisch mit Salzkartoffeln. unterstützungsarten erhält, um es ganz einfach auszudrücken. Früher Das kann sich für 20 Pfennig jeder holen, der irgendeine unserer

Mondfinsternis unter Wolkenschleiern

Das von den Aftronomen angefagte Schauspiel der totalen Berfinsterung des Mondes trat gestern abend, wie immer, mit selbstverständlicher Pünktlichkeit ein, doch das Wetter war der Beobachtung nicht ganz so günstig wie vor einem halben Jahr.

schobenen freisrunden Rand des Erdschattens sehen und sein Fort­schreiten verfolgen. Als der Mond fast völlig bedeckt war, war auch deutlich die rotbraune Farbe des Erdschattens zu erkennen. Die Totalität sollte sechs Minuten nach 20 Uhr eintreten, aber dauernd zogen Wolfenschleier über den Mond, so daß der Zeitpunkt nicht gut zu beobachten war. Wenn dann der Mond zwischen den Wolkenschleiern einmal deutlich hervortrat, war außer der rotbraunen Scheibe noch ein gelblicher Rand zu beob­geäußert wurde, die Totalität sei ja noch gar nicht eingetreten, die Astronomen müßten sich in der Zeitangabe geirrt haben. Auch als der Schatten vom Monde zu weichen begann, um 21% Uhr, dauerte das Vorüberziehen der Wolken noch an. Ganz beendet war die Erscheinung um 22.42 Uhr.

Am südöstlichen Himmel verdeckten Wolken zeitweise den Mond sehr start, minutenweise sogar gänzlich, aber wenige Minuten vor 19 Uhr trat er in voller Klarheit hervor, so daß der Beginn der Finsternis recht deutlich beobachtet werden konnte. Sechs Minuten vor 19 Uhr zeigte sich die erste leichte, vom Erdachten, so daß in dem zum Himmel blidenden Publikum mehrfach schatten hervorgerufene Einferbung an der hellen Vollmondscheibe links oberhalb der Mitte, die rasch an Größe zu nahm. Immer nur auf wenige Minuten verdeckten Wolken die Mondscheibe ganz, und so oft nur ein leichter Wolfenschleier über ihr lag, fonnte man deutlich den weiter und weiter vorge

Stand Betten Fertiges Oberbett

graurot Inlett, mit grauen Federn,

1 Oberbett, 1 Unter­

bett, 1 Kissen, zu­

sammen

Bettfedern Graue Federn.... 60 Pf.

Weiße Federn

Halbdaunen Schleißfedern.

Daunen

1.­380

185

530

Reklame

1275

feinfarbiges Köperinlett, gold, indanthren u. feder­dicht, m. chinesisch. Halb­daunen, 130X 200.... Kissen passend,

80 × 80.

Fertige Inlette

graurot ge

streift.

rot oder

rocross..

echt türkisch­

rot

Garnierte Kissenbezüge

mie Klöppeleinsatz mit handgezogenen Hohl­

säumen...

68 Pf.

Bettlaken

2850 990

125

ungebl. Nessel,

Oberbett Kissen

ca. 140 × 210

125

365

120

kräftiger Dowlas,

ca. 140 × 210

220

750

185

1150 345

weiß, mit farbiger Kante, 140 × 190.

170

45 PL.

Ueberlaken

m. Klöppel- und Säumchen- 375 garnierung, ca. 150x250. mit handgezogenen Hohl- 575 säumen, ca. 150x250.

Oberbettbezug

feinfädiger Linon, zum 255 Knöpfen, ca. 130 x 200

Barchentlaken

Handtücher

Reinleinen, graurot ge­streift, 45x100

Jacquard, Reinleinen, 46x100

...

78 PL.

Divandecke

Schlafdecke weich, mollig, moderne Ka- 295 ros, mit Bandeinfassung.

Steppdecke rein kunstseldener Damast, 1225 Rückseite Satin, 150x200 Daunendecke

rein kunstseidener Damast,

Rückseite Daunensatin, mit 4750

prima Daunen, 150x200 Metallbettstelle

Bogenform, m. Zugfeder­matratze, 33 mm Bügel- 1490 stärke, weiß, 80x190

Messingbettstelle

Bogenform, m. Zugfeder. matratze , 33 mm Bügel­stärke, moderne niedrige 3975

Form, 90x190

Versand- Abt.:

Woll- Mokett, In moder 2875 Prinzenstr.

nen Mustern, 140 x 280..

Fabrik

Bettvorleger Bouclé, gestreift, rein 155 Haargarn, 50X100 Bouclé, Jacquard, rein 250 Haargarn, 50X100... Axminster, reine Kammgarnwolle, 60x120

Brücke Bouclé, Jacquard, 90X165

625

650

Bettumrandung

Frisé, Jacquard, mo­derne Muster u. Farben,

1 Läufer 67x340,

2 Vorlagen 67x140..

1975

Läuferstoffe

enorm preiswert!

potteder Lustig

Verkauf Bettfedern­

Gustav

Garderobenschrank

dene Muster.

90 cm breit, 2 türig, mit Hutboden u. Stange, bügel- 4950 tief, weiß lackiert Ruhe bett bunter Bezug, verschie- 2375 Ohne besondere Berechnung: Bettfedern- Reinigung beim entsprechenden Kauf von Inletten oder Bettfedern. Einsticken des Mono­gramms in bei mir ge­kaufte Wäsche.

Prinzen- Str. Ecke Sebastian- Str. Wilmersdorfer- Str Ecke Bismarck- Str. Frankfurter Allee

304