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Hugenbergs Landbant Kür �60 Goldmar? 9V0V Morgen gekaust

Der Untersuchungsausschuh zur Nachprüfung der Finanzgeschäfte der Preuhenkasse setzte gestern und heute die Beweisaufnahme fort. Als Zeuge wird Dr. Erich K e u p, führendes Vorstands­mitglied der Neuland-A.-G., seit deren Gründung im Jahre 1919 bis 192S. vernommen. Nach der Ueberzeugung des Zeugen hat der Staat durchaus kein Verlustgeschäft gemacht, die Landbank stehe heute durchaus gut da. Geheimrat Hugenberg, damals stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats, war an der Neuland-Gesellschaft nicht beteiligt, wohl aber Freunde von ihm. Wenn man sagt, daß man für 150 Goldmark damals 9000 Morgen gekauft habe, so ist das bei dem Charakter der Inflationszeit durchaus möglich. Freiwillige Landabgeber gab es ja überhaupt nicht, es handelte sich fast ausschließlich um enteignetes Land. Man muh an die damalige Sachwertpsychose denken. In der Inflationszeit sind übrigens die wahnsinnigsten Dinge geschehen, die man heute nicht für möglich hält. Das Wesentliche der Transaktion war allerdings die Be- Zahlung der holländischen Guldenschuld. Daß die Aktien der Landbank sozusagen umsonst erworben seien, kann man nicht sagen: die Landbank erhielt auf der anderen Seite den wertvollen Schuh einer sicheren persönlichkeit. einer starken Gruppe. Wenn von einem Mißverhältnis zwischen Schulden und Eigenkapital die Rede ist, daß nämlich die ersteren 93 Proz., das letztere nur 7 Proz. betrug, so war die Landbank da in sehr guter Gesellschaft: Es ging allen Siedlungsgesellschaftcn ganz ähnlich. Den Wert der Saarow-Vieskow-Aktien hat der Zeuge sehr gering eingeschätzt. Es handelte sich im wesentlichen nur noch um chintergelände. Die Stücke am Scharmützelsee selbst waren alle ver- kauft. Der Zeuge verneint die Frage, ob der Staat einen Schaden dadurch erlitten habe, daß vorher Werte aus dem Vermögen der Landbank herausgenommen worden sind. Er erklärt, der Staat würde andernfalls die alten Aktionäre übervorteilt haben. Der Staat Habs noch immer ein gutes Geschäft gemacht. Der jetzige Generaldirektor der Landbank, Roderwald, wird als Zeuge gehört. Roderwald ist Vorstandsmitglied der Landbank seit dem 20. März 192k, als die Aktienmehrheit auf die öffentliche Hand überging. Der Zeuge hatte voiher eine Prüfung der Ge° schäftsvorgänge in der Landbank auf Ersuchen der Staatsregierung vorgenommen und ein Gutachten erstattet, wonach die Voraus- setzungen für eine Geschäftsaufsicht nicht gegeben waren, weil es an genügend verfügbaren Werten sehfte und die bedrängte Lage der

Landbank nicht auf die Folgen des Krieges zurückzuführen wären. sondern auf V e r l u st g e s ch ä f t«, die im Jahre 1924 entstanden waren. Das Gutachten führte aus, daß die Möglichkeit der Durch- führung des Konkursverfahrens nicht gegeben sei, weil es an Masse fehlte. Irgendwelche flüssigen Mittel seien nicht vor- Händen gewesen. Die Landbank hätte u. a. einen großen Posten Hypotheken in dem an Polen abgetretenen Gebiet, ferner Auf- wertungshypotheken in Ostpreußen , die nicht zu mobilisieren wären. Der Grundbesitz sei mit Hypotheken belastet gewesen. Der Zeuge übernahm dann die Leitung der Landbank nach Uebernahme der Aktien durch den Staat. Tatsächlich seien die in der Bilanz des alten Vorstandes vom 31. Dezember 192ö aufgeführten Werte nicht in vollem Umfange oorhanven gewesen. Ende 1925 hätten sich die katastrophalen Auswirkungen der Fälle Gamp und Möllhufen ergeben. Das fei der Keim zum Zu« fammenbruch der Landbank gewesen. Dem Hofkammer- rat Paschke habe die'feste Hand gefehlt, um die unglücklichen Ge- schäfte des Direktors Ullrich zu oerhindern. Dem Staat sei durch den Ankauf der Landbank-Aktien ein Schaden nicht entstanden. Auch an den Krediten habe der Staat nichts verloren. Die Mehrheit der Kredite fei bereits abgewickelt, auch die Vorschüsse aus Hauszins- steuermitteln feien abgelöst. Die Landbank sei heute durchaus gesund. Berichterstatter Kuttner(Soz.): Es ist behauptet worden, daß Sie für die ganze Siedlungsfrage nicht die genügende Sach- Verständnis besäßen. Zeuge: Hierfür sollte lichten Endes der Erfolg entscheidend sein. Die Herren, die 20 Jahre die Landbank geleitet haben, haben das Unternehmen bankerott gemacht, ich habe es wieder in die Höhe gebracht. Berichterstatter Kuttner: Es wird gesagt, Herr Roderwald habe leicht wirtschaften, wenn er vom Staat sofort die erforderlichen Kredite bekommt, die der Landbank früher oorenthallen wurden. Zeuge: Wenn man Geschäfte wie Gamp und Möllhufen macht, kann man das vom Staat auch nicht erwarten. Die Frage, ob die öffentlichen Kredite von 10 Ml- livnen Mark bei einem Konkurs der Landbank gesichert gewesen wären, bejahte der Zeuge. Ungesichert waren lediglich«in Kredit des R-ichsentschädigungsamts zur Ansetzung von Ylüchtlingssiedlern und vielleicht der Kredit der Provinzialbank von 2S0 000 Mark. Der Berichterstatter suchte weiter festzustellen, wie der vom Staat für die Landbank gezahlte Kaufpreis tassächlich zu be­werten sei. Der Zeuge gab zu. daß die hier vorgenommenen Transaktionen bedenklich seien. Auffällig sei besonder-, daß die im Januar 192S in einer Aufstellung für das Amtsgericht mit 800000 Goldmark angegebenen Saarow-pieskow-Aktien wenige Tage später für 30 000 Mark herausgegeben wurden.

schnell hintereinanderfolgende Serie von Bankzusammenbrüchen hat in den letzten Monaten die Geldhamsterei des Publikums sehr stark gefördert und damit die Illiquidität entsprechend gesteigert. Der Hoover-Plan sieht vor, daß, in Mark ausgedrückt, mchr als zwei Milliarden für eine sogenannte Akzeptbank aufge- bracht werden, die den Banken durch Wechfeldistontie- ru» g flüssige Mittel verschaffen soll, um auf diese Art die notwendig gewordenen Exekutionen der Banken gegen ihr« Schuldner zu verhindern. Außerdem soll der Auftauungs- prozeß dadurch gefördert werden, daß die sehr strengen Bor- schriften für die amerikanischen Notenbanken in der Frag« des Wechsel-Rediskonts erleichtert und damit die Kreditmög- lichkeiten erweitert werden. Für Deutschland und Europa erfordert dieser �Plan insofern größtes Interesse als jeder amerikanischen Hilfe für Europa eine Bereinigung der inneramerikanischen Krisenoerhältnisse voran- gehen muß. Deutschland geht dieses amerikanische Programm in- sofern noch besonders an, da in ihm klar ausgesprochen wird, daß Hoover mit dem französischen Ministerpräsidenten Laval bei dessen Besuch in Washington auch die Frage der internationalen Schulden und damit auch das Reparationsproblem anschneiden wird. Auch die gemeinsame Inangriffnahme dieses Problems von Frankreich und USA . setzt zu seiner Lösung eine wesentliche Klärung der wirsschaftlichen Situation in Amerika voraus. Keine deutsch -französische Zollunion. Zu den Unterredungen Lord Readings mit den französischen Ministern schreibt derPetit Parisien*, Laval und Briand hätten den englischen Außenminister über ihre Berliner Reise unterrichtet und ihm erklärt, daß diese keineswegs den Zweck verfolgt habe, eine Zollunion zwischen Deutschland und Frank- reich vorzubereiten, um etwa auf eine Aktion dritter Mächt« und vor allem Englands zu antworten, falls dieses Schutzzölle für seine Industrie einführen sollte. Der englische Außenminister habe keinen neuen Kredit zur Stützung des englischen Pfundes»er- langt, es sei jedoch klar, daß Frankreich , wenn die Zeit für eine Stabilisierung des Pfundes gekommen sei, mit Unterstützung Amerikas bereit sein würde, seinem früheren Verbündeten zu helfen.

Professor preyer soll zahlen. Die Gowjetgeschafie des deutschnationalen Reichstags- abgeordneten. Ueber die Sowjetgeschäfte des ehemaligen deutschnationalen Reichstagsabgeordncten, des Königsberger Prof. Preyer, an dessen angebliche Konzession in Sowjetrußland der Wiener Kam- merzienrat Klein das hübsche Sümmchen von 49 000 M. verloren hat, hatten wir vor wenigen Tagen ausführlich berichtet Die 40. Strafkammer des Landgerichts I hat nun in dein Prozeß des Kommerzienrats Klein gegen Professor Preyer einen Beschluß verkündet, der eine Rehabilitievung des Professors dar­stellen soll, in Wirklichkeit jedoch eine schlimme Schlappe für ihn ist. Die Kammer empfiehlt den Partelen einen Vergleich unter Berücksichtigung folgender Punkte: Prof. Preyer sollan Klein 13 000 Mark zahlen, in Raten von 300 M. monatlich: damit sollen sämtliche Forderungen des Herrn Klein an Preyer erledigt sein: die Forderungen an den Ingenieur Walter(Prcyers Faktotum) sollen aber aufrechterhalten bleiben. In der Begründung dieses Beschlusses führte der Vorsitzends u. a. aus: Es sei ganz ausgeschlossen, daß Preyer die Absicht gehabt habe, Klein zu täuschen. Es sei auch zweifelhaft, ob Preyer der Vorwurf treffen könne, er habe durch fahrlässiges Verhalten Klein zu dem ihn schädigenden Vertrage veranlaßt. Es spreche aber alle Wahrscheinlichkeit dasür, daß Preyer die 13 000 M., die er von Klein als Ersatz ftir die Auslagen erhalten habe, zurtickzahlen müßte. Schließlich habe auch Prof. Preyer, der an dem Gewinn beteiligt sein wollte, nach dem Scheitern der Sache auch an den Verlusten zu partizipieren.

Gklarek vor Großer Giraskammer. Ueberweisung auf Grund der Nowerordnung beantragt. Aus Grund der§8 1 und 19 des 6. Teil« der gestrigen Not­verordnung wird von der Staatsanwaltschaft der An­trag gestellt, das vor dem Amtsgericht bereits eröffnete Haupt- verfahren in der Strafsache gegen S k l a r e k und Genossen an die Große Strafkammer des Landgerichts 1 zu verweisen. Nach Z 19 Abs. 2 der Notoerordnung treten die Richter, die als Vorsitzender oder Mitglied des Schöffengerichts oder deren Stell- Vertreter berufen waren, für diese Strafsache in der gleichen Eigen- schaft zur Großen Strafkammer über, da sie bereits mit der Vorbereitung der Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht befaßt waren. Das Präsidium des Landgerichts 1 wird bestimmen, wer von den ständigen Mitgliedern der Großen Strafkammer und deren reget- mäßigen Vertretern auszuscheiden hat.

Bezahlte Kensterstürmer. Für jede eingeschlagene Fensterscheibe zwei Marl . Ein. einziger von den kommunistischen Fensterstürmern auf Zeitungsfilialen die Drahtzieher bleiben natürlich im Hinter- grund stand jetzt vor dem Schnellschöffengericht unter der Anklage der Sachbeschädigung. Nach der berühmten Methode, die in gleicher Weise von Kommunisten wie Nationalsozialisten an- gewendet wird, versuchte sich der Angeklagte vor der Verantwortung zu drücken. Das Interessanteste war, daß der 23jährige arbeitslose Stellmacher Albert Post für seine revolutionäre Tat zwei Mark erhalten hatte. Bei der Verhaftung wurde das Geld auch bei ihm gefunden. Dem Gericht tischte er folgendes Märchen auf: Er fei am Montagabend in Spandau gewesen, hielt sich längere Zeit im Tiergarten auf ru-d jrmrde auf dem Nachhausewege zu Rad von einem anderen Radler in der Flottwellstrah« angesprochen, der ihn fragte, ob er sich 2 Mark verdienen wolle. Aber natür- lich. Dann solle er eine Fensterscheibe in der Zeitung«- f i l i a l e an der Potsdamer Brücke einschlagen. Nun, weshalb auch nicht. Man suchte gemeinsam einen entsprechenden Stein, begab sich zu der Zeitungssiliale und während er. Post, den Stein in das Fenster schleuderte, fuhr der andere Rodler davon. Ein Polizeibeamter fuhr hinter Post her und stellt« den Flüchtigen. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob ex einer politischen Partei angehöre oder mit einer bestimmten Partei sympathisier«, antwortete der Angeklagte mit N e i n. Die Feststellungen aus den Akten er- gaben aber, daß der Angeklagt« in einem Schöneberger kam- munistischen Lokal verkehre, dort bereits einmal fest- genommen sei, als Polizeibeamte mit Bierseideln beworfen wurden, daß er einmal wegen Ankleben kommunistischer Plakate eine Geld- strafe von 30 M. erhalten habe; auch damals will er 2 M. be­

kommen haben. Dem Beamten, der ihn zwongsstellte, versetzte er eilten Schlag mir dem Kleisterpinsel ins Gesicht: daß er in zwei an« deren Fällen gleichfalls wegen Anklebens von Plakaten festgenommen worden sei und daß er auch im Verdacht gestanden habe, an einem Ueberfall ans Nationalsozialisten teilgenommen zu haben. Ein Zeuge, Inspektor der Filiale, konnte nur hinzufügen, daß verschiedene Steine, die in den Ullstein- Filialen aufgefunden wurden, in Papier gehüllt waren, die unter anderem die In- schrift Rotfront lebt und dergleichen mehr enthielten. Nach längerer Beratung verkündet« Amtsgerichtsrat Rosenthal das Urteil, 6 Monat« Gefängnis. Ueber die Gründe der Strafzumessung führte er unter anderem aus: Derartigen Ausschrei- tungen müsse mit der ganzen Strenge des Gesetzes entgegengetreten werden; es sei zu berücksichtigen, daß hier Ruhe und Ordnung emp- findlich gestört worden sei und daß man die Staatsauwrität unter solchen Umständen nur durch empfindliche Strafen wahren könne. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten Hastbefehl, das Gericht behielt sich eine Entscheidung darüber vor.

Nächtlicher Beutezug. Für 10 000 M. Radioapparate erbeutet. Reiche Leute machte in der vergangenen Nacht eine Diebes- bände, die nach einer beschwerlichen Kletterlour in die Räume der Radio- und Grammophon-Exportfirma S ch S n in der R I t t e r- straße 90 eindrangen. Obgleich der ganz« Geschäftshauskomplex unter ständiger Be- wachung steht, konnten die Einbrecher unbemerkt eindringen und unter den Apparaten reiche Auswahl treffen. Die Täter verschafften sich zunächst in das Nachbargrundstück Ritterstraße 88/89 Einlaß. Von hier überkletterten sie eine über zwei Meter hohe Mauer und durchschnitten mit Stahlscheeren den Stacheldraht. Für die Ver-

3)08 MalapuUflugxeug nett yorh", das der AoyddampferBremen " mitführt« und da« die Post dem Schiff« Hunderte von Kilometern vorauszubringen pflegt, stürzte in nebligem Wetter in der Nähe der Küste von Neuschottland ins Meer und ging unter. Pilot Simon(unten links) und Bord- funker Wagentnecht(rechts) sind ertrunken.

brecher war es dann leicht, die hinter« Tür zu den Lagerräumen der Exportfirma aufzustemmen. Sie entwendeten nur die t« u» r st« n Radio- und Kofserapparate sowie«ine größere Anzahl von Schallplatten. Die Beute muß die Kolonne zweifellos mit einem Wagen fortgeschafft haben, der in der Nähe, vermutlich in einer Seitenstraße, gehalten hat. Bisher fehlt von den Tätern jede Spur. Die gestohlene Ware hat einen Wert von über 10 000 Mark.

Trauerfeier für Vrof. Grotjahn. Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer A e r z t e veranstaltete zum Andenken an den unlängst verstorbenen Genossen Professor Alfred Grotjahn im Landtazsgeväud« eine Trauerseier. Der Vorsitzende, Genosse Dr. K o r a ch, begrüßte neben den Angehörigen des Verstorbenen die Vertreter der Parteiorgam- sation, verschiedener Ministerien, der medizinischen Fakultät und der Aerztekommer. Seine einleitenden Worte galten dem Lehrer, dem Forscher, dem väterliche� Freund, der ein« ganz« Schar von Slerzten zu Sozialhygienikern herangebildet hat. Die Gedächtnisrede hatte Genosse Professor C Hajes übernommen, der Grotjahns Werdegang, seine wissenschaftlichen Leistungen, seine Beziehungen zum polltischen Leben und seinen Einfluß auf die Gestaltung des öffentlichen Gesundheitswesens schildert«. Vorträge eines Streichquartetts umrahmten die würdig ver- laufen« Feier.

Neues USA. -Gold für Frankreich . Die Guarontee Trust Eom- pany von New Port hat Gold im Werte von 22 550009 Dollar nach Frankreich verschickt. Englisches U-Boot in Sowjetmarine. Das englische U-Boot ,,?7. 53", das im Jahre 1919 in der Nähe von Kronstadt gesunken ist, wurde am Montag gehoben und der Roten Marine einverleibt.