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Morgenausgabe

Nr. 473

A 238

48.Jahrgang

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Der Borwärts" erscheint mochentäg­lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel Der Abend", Juustrierte Gonntagsbeilage Bolt und Zeit".

Vorwärts

Berliner Boltsblatt

Freitag

9. Oftober 1931

Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf.

Die einspalt. Nonpareillezeile 80 231. Reklamezeile 5,- RM. ,, Kleine An­zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. ( zuläffig amei fettgedruckte Borte), jedes meitere Bort 12 Pf. Rabatt It. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Bf., jebes meitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pf. Familien. anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochen. täglich von 8 bis 17 Uhr. Der Berlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor!

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Bartei Deutschlands

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Brüning sucht Minister.

Halber Rückzug vor der ganzen Sozialreaktion.

Für den Fall, daß Brüning nicht zu Rande fommt, er­wartet man entweder eine Regierung Hugenberg oder ein Kabinett der vier Retter Luther, Geßler, Cuno, v. Gaŋl.

Das zweite Kabinett Brüning ist am Donnerstag noch| höchstens 3 bis 8 noch für die Regierung Brüning stimmen nicht zustande gekommen. Manche wurden gefragt, die ab- wollen, die anderen zählen sich schon zur ,, nationalen Oppo­lehnten. Einige stellten Bedingungen, die der Reichskanzler sition". nicht annehmen fonnte. Andere wurden genannt und gerieten bald wieder außer Sicht, weil sich aus diesen oder jenen Gründen ihre Berufung als unmöglich erwies. Man sprach Don Silverberg, Schmit, Bögler, Warmbold für das Wirtschafts- oder das Verkehrsministerium, von Geßler, Kardorff, Treviranus , Bracht als| fünftigen Innenministern. Der Name Geßler erregte bei der Sozialdemokratie besonders unangenehmes Aufsehen, womit natürlich nicht gesagt sein soll, daß einer von den drei anderen erwünscht sei.

Im Vordergrund blieben schließlich Warmbold für die Wirtschaft und Treviranus für das Innere.

Warmbold war einmal Ministerialdirektor im preußis schen Landwirtschaftsministerium. Stegerwald machte ihn in seinem furzlebigen Preußenkabinett zum Landwirt­fchaftsminister aus dem Ministerium sprang er mit beiden Füßen in die Privatwirtschaft zur Badischen Anilin, jetzt ist er ebenso wie Schmißim Vorstand der JG.- Farben.

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Treviranus , Seeoffizier, deutschnationaler Reichs­tagsabgeordneter, Adjutant Westarps, dann mit diesem aus der Hugenberg - Partei entfernt, 1930 unter Brüning Minister der besetzten Gebiete deren Räumung schon im Gange ivar, dann Reichskommissar für Osthilfe und für Siedlungs­wesen, an Redeeifer und Geschicklichkeit zeitweilig Wilhelm II. nachstrebend. Jest soll er Wirths Nachfolger werden.

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Offen steht noch die Frage, wer Berkehrsminister werden foll-falls man Herrn von Guérard nicht etwa doch noch das Bleiben erlaubt. An eine Beseßung des Außen­ministeriums wird, wie es scheint, da von Solf und von Neurath nicht mehr geredet wird, auch nicht mehr gedacht. Brüning will es selber übernehmen.

Ob das zweite Kabinett Brüning überhaupt auf die Beine kommt, ist noch mehr die Frage. Ebenso ob es den Reichstag überleben kann. Von den 30 Volksparteilern sollen

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Es bestätigt sich, daß der überraschende Entschluß Brünings, zwei seiner Zentrumskollegen auszuschiffen und eine Totalrekonstruktion des Kabinetts zu versuchen, auf den übermächtigen Einfluß einer Scharfmacher Kama rilla zurückzuführen ist, die Brüning stürzen und einen Mann der offenen Sozialreaktion an seine Stelle fezen will. Die erstrebte neue Regierung soll ein Werkzeug in der Hand der Wirtschaftsführer" sein und durch Zerstörung des Tarifwesens das alte Herr- im- Hause- Wesen wieder zur Geltung bringen.

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Diesen übermächtig gewordenen Einflüssen gegenüber versucht Brüning sich zu behaupten, in dem er ihnen- Kon­zeffionen macht. Es sieht aber fast so aus, als ob die Herr schaften sich ihrer Sache schon sehr sicher fühlten, als ob sie fleine Abschlagszahlungen ablehnten und aufs Ganze gingen. In der Darstellung dieser Leute, die freilich nur auf naive Gemüter Eindrud machen fann, ist Brüning ,, ein Gewerf schaftssekretär", der den Sozialdemokraten ein Zugeständnis nach dem anderen macht. Die Aufsicht über die Banken, die Beseitigung des Rechts, Aufsichtsratsposten in beliebiger Menge anzunehmen, die Beseitigung einiger Härten aus der Notverordnung vom 5. Juni all das, so unzureichend es all das, so unzureichend es auch ist, hat ihren Zorn erregt.

Herr Brüning ist alles eher als ein Führer des Klassen­tampfes von unten. Aber der Angriff auf ihn ist ein Stück Klassenfampf von oben, wie er schärfer und auf reizender gar nicht gedacht werden kann. Wenn es in dieser Notzeit zu schwersten politischen Kämpfen kommt, so tragen diese Klassenfämpfer von oben die Ver­antwortung dafür.

4355000 Erwerbslose.

Fünfjahresplan.

Wirtschaftsgesetze wider Parteibefehle/ Fünfjahres: plan von der Hüttenindustrie her gefährdet.

Von A. Jugow.

Einst wird der Geschichtsschreiber bei der Würdigung unserer Zeitläufte interessiert die widerspruchsvolle Erschei­nung vermerken, daß in der Sowjetunion , dem Lande, in dem die auf hundertprozentigen Margismus Anspruch erhebenden Kommunisten regierten, die Erforschung der objektiven Ur­fachen wirtschaftlicher Schwierigkeiten für schädlich gegolten und die regierende Partei alle die, so sich einer solchen Be­schäftigung hinzugeben wagten, für sozial gefährliche Elemente angesehen hat. Oberstes Gesetz und der Weisheit höchster Rat­schluß sind im Lande der Sowjets die individualistischen Grundsätze: Objektive Ursachen gibt es nicht!" ,,, Willensstärke entscheidet und überwindet alle Hindernisse!" Zeichen ist die Aufstellung des Fünfjahresplanes er­folgt, in diesem Zeichen hat man auch die Aufstellung des Fünfjahresplans in vier Jahren" und des Jahresplans für 1931 vorgenommen.

In diesem

der

Im Mittelpunkt aller Industrialisierungspläne Sowjetregierung stand die Steigerung der Metall­produttion. In dem Maße, wie die utopistischen Strö­mungen im Rahmen der KPDSU. an Einfluß gewannen, nahm das Programm der Metallerzeugung an Umfang zu. Der erste Plan des Obersten Bolkswirtschaftsrates( März 1928) plante für 1932/33 als das legte Jahr des Blanjahrfünfts eine Roheisenerzeugung von 5,8 Millionen Tonnen; der zweite Blan, aufgestellt im August 1928 nach einer Reihe sorgfältiger Berechnungen und Untersuchungen, sah für 1932/33 eine Roheisenproduktion von 7 Millionen Tonnen vor; aber schon Anfang 1929 haben die Verfasser des Fünf­jahresplanes das Programm der Roheisenerzeugung für 1932/33 auf 8 Millionen Tonnen in der Ausgangsvariante und 10 Millionen Tonnen in der Optimalvariante des Planes hinaufgeschraubt. Der Rätekongreß und die Konferenz der KPDSU.( Mai 1929) setzten dies Programm weiter bis auf 10,2 Millionen Tonnen herauf. Aber auch dieser gewaltige Plan hat dem kommunistischen Rekordeifer nicht genügt. Im Jahre 1931 hat der 16. Parteitag der KPdSU. einen neuen Plan genehmigt, der als Mindestprogramm für das Jahr 1932/33 eine Roheisenerzeugung von 17 Millionen Tonnen verlangt.

Schlechterdings alles scheint im Rahmen dieser Pro­gramme möglich zu sein.

Seit fast drei Jahren wird nun die Sowjetunion nach Die den Richtlinien des Fünfjahresplanes industrialisiert.

Hackfruchternte stützt Arbeitsmarkt. - Neue Entlaffungen in der Schwerindustrie. Schwerindustrie wird bevorzugt finanziert, die verarbeitende

Die zweite Septemberhälfte hat, wie gewöhnlich, dem Arbeits­markt durch das Einsehen der Hadfruchtern fe eine gewisse Erleichterung gebracht. Leider war diese Entlastung des Arbeitsmarktes im ganzen Reichsgebiet nicht start genug, um ein Absinken der Arbeitslosenzahl zu bewirken. Immerhin aber ist der Zuwachs in der zweiten Septemberhälfte gegenüber den ersten beiden Wochen des vergangenen Monats ganz beträchtlich zurück­

gegangen.

Nach den vorläufigen Meldungen der Arbeitsämter hat die Zahl der Erwerbslosen vom 15. bis 30. September um rund 31000 Berfonen zugenommen, während in der Zeit vom 1. bis 15. September ein Zuftrom von 109 000 neuen Erwerbslofen zu verzeichnen war. Die Gesamtzahl der Arbeitsuchenden erreichte Ende September rund 4355000 Personen. Die schweren Hochwirkungen der Julifrise kommen darin zum Ausdrud, daß seit Rochwirkungen der Julikrise kommen darin zum Ausdruck, daß seit dem tiefsten Stand des Sommers die Erwerbslosigkeit um 401 000 Personen zugenommen hat gegen rund 369 000 Personen im Bor­jahre, obwohl der Ausgangspunkt in diesem Jahr um 1,3 Millionen

Arbeitslose höher war als 1930.

fleidungsgewerbe und der Spinnstoffindustrie. Hier fonnten in größerem Umfange Neueinstellungen porgenommen werden. In diesem Gewerbe setzt sich immer mehr die lleberzeugung durch, daß die Umstellung auf billige Massenware Voraussetzung einer Absatzbelebung ist. Bei den Spinnereien und Webereien lagen große furzfristige Aufträge vor, die zur Beseitigung der Kurzarbeit und sogar zur Mehrschichtenarbeit führten. Die Reichs bahn stellte in allen Bezirken Arbeitskräfte für ihr zusätzliches Programm ein.

Leichte Befferung in Berlin und Brandenburg .

Wie das Landesarbeitsami Brandenburg( Berlin , Branden. burg und Grenzmart) meldet, hat sich der Arbeitsmarkt in der zweiten Septemberhälfte etwas gebessert. Die Zahl der Arbeit­suchenden verringerte sich insgesamt um 17127 auf ins­gesamt 620 267 Perfonen. Hiervon entfielen auf Berlin 479 946. auf die Provinz Brandenburg 139 297 und auf die Grenzmark

9024 Personen.

Die Besserung des besonders schwer belasteten Arbeitsmarktes in Berlin und Brandenburg ist allerdings nur jaisonmäßig durch die Hackfruchternte bedingt. Dies zeigt sich besonders in den landwirtschaftlichen Arbeitsamtsbezirken. So verringerte sich die 3ahl der Erwerbslofen im Arbeitsamtsbezirt Schloch au um 55 Pro3. von 2101 auf 935 Personen, in Küstrin um 31 Broz. von 6199 auf 4293 und in Landsberg a. d. Barthe um 18 Proz. Don 8674 auf 7123 Personen.

Nach den Berichten der einzelnen Arbeitsämter hat in vielen Bezirken die landwirtschaftliche Saisonarbeit in stärterem Umfange Arbeitskräfte benötigt. Im Steinkohlenbergbau hat fich die Lage durch nerschärfte Konkurrenz im bestrittenen Gebiet meiter zugespitzt. Das Ruhrgebiet entließ 3000 Bergarbeiter und für den Ottober liegen meitere 5000 Kündigungen vor. Günstiger ist die In der Industrie hat sich die Lage nicht mesentlich verändert. Lage im Brauntohlenbergbau. Auch in den Eisenbetrieben In der Metallindustrie lagen mur Einzelanforderungen für des Westens und im oberschlesischen Revier nahmen die Entlassungen die Radiofabrifen vor, und auch im Braunfohlenbergbau herrschte ihren Fortgang. Das Baugewerbe und die Nebenindustrien nur geringe Nachfrage nach Arbeitskräften. Textilindustrie und liegen völlig danieder, nur die Steinbrüche werden durch größere Bekleidungsgewerbe waren nach wie vor befriedigend be Im Verkehrsgewerbe erforderten die zusätzlichen Aufträge der Reichsbahn gestützt. Nach wie vor ruinös ist die schäftigt. Lage in der metallverarbeitenden Industrie, also im Arbeiten der Reichsbahn und die starke Umzugstätigkeit Neu­gesamten Maschinenbau und der Eisen- und Stahlmarenindustrie, einstellungen. Die neuesten Abbaumaßnahmen haben einen starten mo der Beschäftigungsgrad meiter gesunken ist. Den einzigen Licht 3ugang von Lehrkräften auf dem Arbeitsmarkt mit sich bid bildet die ausgesprochen günstige Enimidlung im Begebracht.

Industrie vernachlässigt, die Massen haben nicht genug zu effen, aber es sind zahlenmäßig in der Tat gewaltige Erfolge auf dem Gebiete der Metallerzeugung erzielt worden. Es murden im Jahre 1930 erzeugt an Roheisen 5,3 Millionen Tonnen an Rohstahl 6 Millionen Tonnen, an Walzwerks­Die Borkriegs­erzeugnissen 4,9 Millionen Tonnen. produktion war somit um 30 bis 40 Prozent überschritten, wenn die Mehrerzeugung in der Haupt­fache auch nur durch Höchstbelastung der alten Hochöfen und Martinöfen erreicht werden konnte.

Dennoch ist nicht nur das Produktionsprogramm der Generallinie", sondern auch das des Fünfjahresplanes un­verwirklicht geblieben. Bereits 1930 feite eine Verlang­fa mung der Entwicklung ein, die im 1. Halbjahr 1931 vollends mit großer Deutlichkeit in die Erscheinung ge= treten ist. Amtlich wird mitgeteilt, daß das Produktions­programm für Eisenmetalle in der ersten Hälfte 1931 nur zu 53 bis 61 Proz. erfüllt werden konnte. Die wirt­schaftsamtliche ,, Ekonomitscheskaja Shisni" veröffentlichte am 16. August Berichtsangaben über die Ergebnisse der Produk­tion der Nichteisenmetalle im ersten Halbjahr, die in der fol­genden Aufstellung mit den Ergebnissen des ersten Halb­jahres 1930 verglichen werden( wodurch Saisonschwankungen ausgeschaltet sind):

Produktion im 1. Salbjahr 1930 1931 ( in 1000 Tonnen) 2559

2350

. 2874

2609 1917

Roheisen Rohstahl Walzwerkserzeugn. 2295

Zunahme(+-) bezw. Abnahme(-) gegenüber dem Vorjahr in Broz Boranschlag Tatsächl. Ergebnis +60 8,1 43 +28

-

-

9,2 -16,5

In allen Zweigen der Metallerzeugung ist das tatsäch liche Produktionsergebnis in diesem Jahre niedriger als in der gleichen Zeit des Vorjahres! Wenn dies verlangsomte Produktionstempo beibehalten wird, müßte die Roheisen­