1931
Der Abend
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Spalausgabe des„ Vorwärts"
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Nr. 484
B 242 48. Jahrgang
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Volkspartei unter Druck
Die Krisenmacher fürchten sich- Wachsende Aussichten für Brüning
Die heutige Sigung des Reichstags dürfte eine Klärung über das Schicksal der Regierung Brüning bringen. Denn in der Fortsetzung der Debatte fommen nun jene Parteien zu Wort, deren Haltung bisher unbestimmt war. Der Beschluß des Zentrums, unter feinen Umständen das in Harz burg in Aussicht genommene Rechtskabinett zu tolerieren, hat insbesondere in der Deutschen Volkspartei ernüchternd gemirft, zumal die ,, Germania " verschärfend hinzufügt:„ daß sich das Zentrum zu feinen Experimenten hergibt und daß etwa in dieser Richtung gehegte Hoffnungen vollfommen fehlgehen“.
Das ist eine unverhüllte Drohung mit der Auflösung des Reichstags, die nirgends so uns angenehm empfunden wird, wie bei den Freunden des Herrn Dingelden. Um das Auseinanderfallen in drei Gruppen zu verhindern, wird daher die Absicht, sich allgemein der Stimme zu enthalten, ermogen. Der Beschluß der Landvoltpartei gegen das Kabinett Brüning wird faum restlos befolgt werden. Schon bei früheren Abstimmungen gegen die Regierung gab es bei der Landvolkpartei Stimmenthaltungen. Die Wirtschaftspartei, dieser üble Interessentenhaufen, macht seine Haltung von der Sanierung der Genossenschaftsbanken, insbesondere der perfrachten Mittelstandsbank des Herrn Drewiß, abhängig.
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Besprechungen über die weiteren Arbeiten des Reichstags dürften erst im Laufe des heutigen Tages stattfinden. Man rechnet damit, daß der Reichstag etwa bis zum Februar vertagt wird, damit die Regierung in der Zwischenzeit die Möglichkeit hat, Verhandlungen über die Reparationsfrage und die Verlängerung des Abtommens über die Stillhaltung der ausländischen Kredite zu führen. Von den Parteien liegen etwa 200 An träge vor, die mit der Beratung der Regierungserklärung verbunden sind. Die sofortige Erledigung aller Anträge ist faum möglich. Andererseits ist eine Reihe von Anträgen überaus dringlich und ihre sofortige Erledigung notwendig. Das gilt zum Beispiel von dem sozialdemokratischen Antrag auf Einstellung der Entschädigungen an die Fürsten und von dem Antrag zur Schaffung einer zusätzlichen Winterhilfe für Erwerbslose und sonstige Bedürftige. Es wird deshalb angestrebt, diese Anträge sofort zu erledigen.
Zur Erledigung der übrigen Anträge, die den Ausschüssen überwiesen werden, müßte die Reichsregierung, abweichend von ihrem bisher eingenommenen Standpunkt, sich mit dem zusammentritt der Ausschüsse einverstanden erklären.
War Matuschka Weißgardist?
Enthüllungen der Wiener Arbeiter Beitung".
Wien , 15. Oftober.( Eigenbericht.)
Die Wiener Arbeiter- Zeitung " behauptet, daß Matuschta, der dringend verdächtig ist, die Eisenbahnattentate von Jüterbog und Bia Torbagy begangen zu haben, ein weißgardistischer Offizier der berüchtigten Hejjas- Banden in Budapest gewesen sei, die nach dem Sturz der Bela Khunschen Räteregierung die fürchterlichsten Bluftaten in Ungarn begangen haben. Matuschka hat es im Krieg bis zum Oberleutnant gebracht. Zur Zeit der Räteregierung wurde er roter Offizier, lief aber fofort zu den weißen Banden über, als Horthy vorrückte. Er trat dann in das Mörder. detachement des Oberleutnant Hejjas ein. 3m Oftober 1921 fommandierte er eine der Abteilungen, die im Auffrage von Horthy den Putschverfuch Karls von Habsburg bei Bia Torbagy niederschlugen
Die verschiedentlich in der Preffe genannten Namen über die angeblichen Mittäter Matuschtas haben teine Bestätigung gefunden. Matuschta gibt an, daß er sich bei seinem Berliner Aufenthalt im April in einem Wochenendhaus bei Botsdam aufgehalten habe. Ueber die Lage des Grundstücs fann er angeblich keine genauen
Mitteilungen machen.
Die Berliner Polizei geht jetzt allen Attentatsversuchen nach, die im April verübt worden sind, da die Möglichkeit besteht, daß auch hierbei Matuschta seine Hand im Spiele gehabt hat.
Wollt ihr das noch einmal?
Reichsbanknote
thundert
Wallionen Mart
REICHSBANKUIREKTORIUM
78-198051
500
Das Muster
für Hugenbergs Binnenmark.
Die ertappten Harzburger leugnen jetzt ihre Wirtschaft eine unabhängige Grundlage der EntInflationspläne. Vor wenigen Tagen erst hat wicklung gibt." Sugenberg in einer Programmrede im Berliner Sportpalast erklärt:
,, Aber es gibt einen anderen Weg, der unser Volk aus dem Elend herausführen kann. Nur die nationale Opposition kann ihn weisen und gehen. Kurz fönnte man ihn mit dem Worte bezeichnen: zurück zur Helfferich Mark! Zurück zu einem inneren Umlaufmittel, das unserer
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Hakenkreuz- Aengste.
Die Schaffung eines Binnengeldes, für die sich Hugenberg einsekt, bedeutet die Zerstörung der Währung, Binnenmark ist nur ein anderes Wort für Inflationsgeld, Binnenmark ist mörderisches Gift fürs Volk.
Hugenbergs Binnenmark ist dasselbe wie der
oben abgebildete, uns allen wohlbekannte Schein! Wer will das noch einmal?
Noch eine Inflationspartei!
Kommunistischer Milliardenzauber.
Wird ihr fommunistischer Verbündeter die Treue halten? Der ,, Bölkische Beobachter" bringt einen eigenen Drahtbericht" aus Berlin , worin man die interessante Mitteilung lesen kann ,,, daß es der SPD. gelungen ist, auf die KPD. dahingehend einzuwirken, Die Rechnung der Harzburger Kapitalisten ist einfach, einen Sturz des Kabinetts Brüning als zur Zeit unerwünscht"| denn mit Reaktion und Inflation, mag sie nach der ,, Deutschen zu verhindern". Die KPD. habe sich bereitertlärt, Bergwerkszeitung" als Zerstörung der Gewerkschaften, oder durch provozierte Tumulte im Reichstag soviele als Hugenbergs Binnenmart fommen, muß den UnterMitglieder der Frattion ausschließen zu lassen. Die Zeche hätten die Verkäufer von Arbeitskraft, die nehmern und den Schuldnern das Leben leichter werden. als zur Sicherung Brünings nötig seien. Daß dieser ,, Drahtbericht" eine der üblichen nationalsozialistischen Gläubiger von Lohn und Gehalt mitsamt den Besitzern von
Lügen ist, braucht nicht besonders betont zu werden. Es spricht aus ihr die Angst der Hakenkreuzler davor, die kommunistische Fraktion könnte sich doch noch zu der Erkenntnis durchringen, daß das Zusammenstimmen mit den Nationalsozialisten und Deutschnationalen gegen die Regierung nach der Harzburger Tagung Berrat am Proletariat und Hilfsdienst für die brutalfte Reaktion
bedeutet.
Die Deutsche Allgemeine Zeitung", das Organ der den Nationalsozialisten verbündeten Schwerindustrie, berichtet in ihrer Ausgabe vom Donnerstagmorgen über Berhandlungen der Rechtsparteien miteinander. Es heißt dort: So hatte der Vertreter der Wirtschaftspartei Mittwochvormittag eine Besprechung mit Geheimrat Hugenberg, Mittwochnachmittag mit Adolf Hitler , der wieder in Berlin eingetroffen ist und im Raiserhof" refidiert." Der große Adolf hat also seine Residenz, wie es sich für den Führer der nationalistischen Arbeiter" partet gebührt, im feudalsten Hotel der Reichshauptstadt aufgeschlagen. Er wohnt nicht wie jeder gewöhn liche Sterbliche, sondern er refidiert. Hitler wartet jetzt nur noch darauf, daß die kommunistische Reichstagsfraktion ausreichende Hilfe zum Sturze der jetzigen Regierung stellt. Denn dann fann er nom Kaiserhof" in das Kaiserschloß umziehen. Das Residieren" hat er schon gelernt, und Schwägen fann er mindestens so gut wie Wilhelm der Lette!
Sparkassenbüchern zu zahlen.
Die kommunistische Bilanzgebarung ist komplizierter. Wie sieht ihre Neuordnung der Reichs-, Länder- und Kommunalfinanzen, ihre Reform der Wirtschaft aus?
Als urkundliches Material stehen uns einige Dußend Anträge zur Verfügung, die von den Kommunisten eben im Reichstag eingebracht wurden. Sie sind bei den nachfolgenden Berechnungen und Zusammenstellungen die aftenmäßige Grundlage.
Was bringen die Kommunisten den Arbeitern, Angestellten und Beamten, den Postlern, Eisenbahnern, in der Lohnfrage für Vorschläge? Sie beantragten:
am
Reichstagsdrucksache
7. Oftober 1931
Nr. 1132
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1119
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Rüdversetzung der Löhne usw. in den Stand vom 1. Juli 1929 1. April 1930 10. 1. März 1931 Wenn nach dem 17. Oktober mit Hilfe der Kommunisten die Rapitalnationalisten ans Ruder kommen, nach welchem Stand werden dann die Lohn- und Gehaltsempfänger bezahlt? Jeder frage in Betrieb und Werkstatt die Berehrer russischer Märchen...
Bei der folgenden Berechnung der kommunistischen Reichstagsanträge gehen wir grundsätzlich davon aus, daß sie, soweit es sich um Streichungen handelt, nur die