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BERLIN Freitag 23. Oktober

1931

Der Abend

Erfdetatt& glidezte: Sonnteg& Zugleich Abenbausgabe des Vorwärts. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Vi. pro Woche, 3,60. pro Monat Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr.3 Fernfprecher: Donhoff( A 7) 292-297

Spätausgabe des Vorwärts

10 Pf.

Kr. 498

B 249

48. Jahrgang

ujetgenereis: Die einfaltige Sonparellezeile

80 Vf. Reklamezeile 5 M. Ermäßigun en nach Eart Botfchedtonto: Borwarts Berlag G. m. b... Berlin Nr. 87 536. Der Verlag behält sich das Recht der Ablebnung nicht genehmer Anzeigen vor!

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4 Opfer einer Hungertragödie

Bater erschlägt seine Familie und tötet sich selbst

mehed paid ne

Trotz der Wirtschaftskrise für die Belitrile nur in internationaler Zuſammenarbeit beſtehe,

De Bain strane wurde heute ver­Eutsehliche Familientragödie im Berliner Often. In der Kabiner Straße bor mittag eine vierköpfige Familie tot aufge funden. Der Vater des 25jährigen Arbeiters& urt 20ge wollte heute vormittag seinen Sohn, der im Hause Kadiner Straße 6, Hof 2 Treppen, wohnt, besuchen und fand trok mehrfachen Klopfens keinen Einlaß. Er schöpfte Verdacht und benachrichtigte die Polizei, die mit Unterstützung der Feuerwehr die Wohnung gewaltsam 61 267 Männer und 21 163 Frauen. öffnete. Hier bot sich ihnen ein schreckliches Bild. Man fand die 27 Jahre alte Frau Martha und ihre beiden Kinder im Alter von 4 Jahren und 7 Mo­natentot auf, während der Ehemann sich erhängt hatte. Die Ehefrau und der älteste Sohn wiesen schwere

und Spaltung, trotz Trommelfeuer der Lüge und Berleumdung von rechts und links, hat unsere Organisation in Berlin nach Ab­fchluß des 3. Quartals und nach geprüften Angaben der Abteilungs­taffierer feinen Rüdgang, fondern eine Zunahme von 355 zahlenden Mitgliedern zu verzeichnen.

Kopfwunden auf. Nach dem ersten Befund der Leichen ist anzunehmen, daß sie schon am bergange. nen Dienstag ermordet sein mußten. Das sieben Monate alte Söhnchen Willi hatte teine Verlegung, und es ist wahrscheinlich, daß das Kind verhungert ist.

in der Nacht von gesten auf heute erhängt haben muh. Arbeitslosigkeit scheint die Ursache zu dieser grauenvollen Tat zu sein. si las got

Die Mitgliederzahl beträgt jekt 82 430, und zwar

Wieviel zahlende Mitglieder haben wohl die Kommuniffen? Wie­viel die Nazis? Und wieviel die SAPeure?

Wir fönnen uns dieses Erfolges unferer zuverläffigen Funt fionäre freuen und rufen ihnen mit Dant erneut zu: Wo bleibt der zweite Mann?

Bezirksvorstand der SPD . Berlin LA: Alex Pagels.

die aber in einem bewaffneten Europa nicht durchgeführt merden fönne. Ho

Nazi- Mordbuben vor Gericht

Hitler stellt den Mördern einen Verteidiger

Hamburg , 23. Oktober. Das tommunistische Bürgerschaftsmitglied Henning wurde in der Nacht zum 15. März in einem Autobus, der von Zollen­fpieter nach Hamburg fuhr, furz hinter Ochfenwärder erschossen.

Wahrheit über Braunschweig

Heule Bericht und Bilder in der Beilage

In Fünfhausen haten brei Männer den Autobus bestiegen, die zu Außerdem wurde festgestellt, daß sich der Ehemann erst Die Konferenz von Washington nacht ruhig Bias mahmen, plöglich aber Bistolen zogen nächst Gold/ Soovers ſet und ben Fahrgästen Hände hoch!" zuriefen. Dann fragten fie merita schickt Gold/ Hoovers Absichten noch unbekannt Henning, ob er bas tommunistische Bürgerschaftsmitglied André fei Während Laval nach Amerika fuhr, haben die Ogeau und forderten ihn auf, feine Bapiere zu zeigen. Als Henning darauf feinen Stamen nannte, erwiderten fic: Dich suchen wir ge dampfer ,, Deutschland und President Roosevelt " Gold rabe!" Im gleichen Augenblid gaben sie mehrere bon wo es an Bariser Banken befördert wird. Ueber die Besprechungen Hoovers und Stimsons mit 2a bal, bei denen zwei Dolmetscher mitwirkten, melden Pariser Blätter:

Schüsse

Wieder Mord an einer Greifin. für 800 Millionen Franken nach Cherbourg gebracht, Shiffe auf ihn ab, sprangen aus dem Bagen und ſchoffen

Bom Untermieter erschlagen und beraubt. Während die Mordtommiffion in Basdorf in später Nachtftunde gerade mit der ersten Etappe zur Klärung des Berbrechens an der 20 Jahre alten Frau des pensionierten Eisenbahners Faltin fertig war, tam aus dem Norden Berlins , aus der Angermünder Straße 6, ein zweiter Mordalarm. Auch in diesem Falle wat das Opfer eine 76jährige Frau, die auf bestalische Weise er mordet worden war. Die Unglüdliche, eine Wilwe Cuife abgemisser nik, ist nach den bisherigen Feststellungen von einem ihrer Untermieter, einen etwa 18 bis 20 Jahre alten Menschen, um gebracht und beraubt worden.

Frau Babnik befigt im Hause Angermünder Straße 6 eine aus drei Zimmern und Küche bestehende Wohnung. 3mei Zimmer hatte fie banon abvermietef. Das hintere Zimmer bewohnte feit längerer zimmer der Greifin gegenüberliegt, stand eine Zeitlang frei, wurde Zeit ein Kaufmann Marmor; das vordere Zimmer, das dem Wohn. aber am Dienstag von einem jungen Mann bezogen. Der neue Mieter wurde dem Kaufmann Marmor von der Wirtin auch vorgestellt; M. hat aber auf den Namen nicht recht geachtet und tann sich daher auf ihn nicht mehr erinnern. Als der Kaufmann in der vergangenen Nacht furz nach 1 Uhr heimkehrte und den Schlüssel zu seinem Zimmer vom Schlüsselbrett abnehmen wollte, fand er ihn nicht vor. M. ging darauf in die Stüche, um Frau Babnik zu weden.

Als er die Tür geöffnet und Cicht gemacht hatte, jah er seine greife Wirtin in einer Blutlache fot auf dem Boden liegen.

M. alarmierte sofort die Polizei. Da es schon auf den ersten An blid feinen Zweifel gab, daß die alte Frau einem Verbrechen zum Opfer gefallen war, wurde unverzüglich die Mordkommission ge­rufen. Die nähere Untersuchung der Leiche ergab dann, daß Frau Babnik auf bestialische Weise getötet worden war. Der Kopf und das Gesicht wiesen unzählige schwere Berlegungen auf; die Schädel bede war völlig zertrümmert. Um den Hals der Frau war ein Handtuch geschlungen und fest zugefnotet. Neben dem linken Arm der Ermordeten lag ein mit Leber ummidelter Totschläger. Die nächsten Ermittlungen bezogen fich darauf, was in der Wohnung geraubt murde. Die Behältniffe im 3immer der Greifin waren sämtlich durchmühlt, alle Schubladen aufgezogen, und Der Inhalt lag zum Teil zerstreut auf dem Fußboden umher. Ob­gleich Frau B. in bescheidenen Berhältnissen lebte, hat fie vermut lich eine Ersparnisse gehabt, die dem Täter in die Hände gefallen fein dürften. Als ber Untermieter in feinem Aleiderschrant nachfah, entbedte er, daß ein guter blauer Anzug fehlte. Diesen hat der Mörder zweifellos an sich genommen. Es besteht nach den bisherigen Feststellungen taum ein 3weifel, daß sich der Täter mur zu bem 3ped eingemietet hat, um ben Morb an der Greifin aus zuführen.

Der Bursche ist etwa 18 bis 20 Jahre alt, 1.68 Meter groß und hatte buntelblondes Haar. Er trug einen bunkelgrauen inzug; es mird aber vermutet, daß er jegt den gestohlenen blauen Anzug trägt

Paris , 23. Oftober.( Eigenbericht.)

Laval und Stimson vor allem das Brogramm der Verhandlungen Auf der Fahrt von Nem Vort nach Washington besprachen mit Hoover. Stimson äußerte seine Besorgnis über die Attivität gewiffer Deutschameritaner, die versuchten, die fran­öfifch- amerikanischen Verhandlungen zu erschmeren; besonders die auf die Sicherheit bezügliche Stelle der New- Yorfer Rede Lavals werde von deutschland freundlichen Bankiers für ihre 3mede aus­gebeutet werden. Laval habe darauf erklärt, daß er in den Fragen der Sicherheit nicht nach geben würde.

Stimson sei für eine mehr frankreich freundliche Politit Ameritas. ftigen Eindrud gemacht, aber Entsprechende Neußerungen Stimsons hätten auf Laval einen gün­

es frage fich, ob es Sfimjon gelingen werde, Hoover zu über­zeugen und von seinen Borurteilen abzubringen.

Ein gut unterrichteter Amerikaner habe erklärt, daß die USA . Regierung auf dem Gebiet der Sicherheit Frankreichs nichts an bieten werde, nicht einmal einen einfachen Konsultativpalt, und daß Frankreich eine Herablegung feiner Schulben nur gegen umfangreiche brüstungsmaßnahmen gewährt würde. Der Senat würde sich meigern, eine andere Kombination zu billigen.

Nach seiner Ankunft in Washington hat Laval in dem Privat haus des Botschafters Edge( als Bertreters der USA . in Paris ), mo er mohnt, Bertreter der amerikanischen Preffe empfangen. Auf die Aeußerung, man hätte den Eindruck, daß vor allem vier Fragen Gegenstand der Berhandlungen bilden würden, nämlich Ber stär= fung des Kellogg Battes, Borbereitung der Ab­rüstungstonferen3. Kriegsschulden und wirtschaftlich- finan­zielle Stabilisierung, antwortete aval: Warum soll die Zahl der Weltprobleme auf vier beschränkt werden? Frankreich ist bereit, über alles zu sprechen, was nicht bedeuten foll, daß die Prüfung aller dieser Fragen zu einer endgültigen Lösung führt. Die Frage, ob Frankreich nichts zu fordern habe, beantwortete Zaval mit der Ertlärung: Absolut nichts. Es ist im Gegenteil bereit, sich unter Wahrung feiner wesentlichen Rechte und Interessen ben anderen Bölfern zur Verfügung zu stellen." pooled Die Ausführungen Lapals über die Sicherheit in feiner Nem Dorter Rede merden in Paris auch von der radikalen Breffe in vollem Umfange gebilligt.

"

Léon Blum vergleicht im Bopulaire" die Reise Lavals mit der Reise Bivianis zur Washingtoner Abrüftungsfonferenz 1922, auf ber es Frantreich gelungen ist, die Banbabrüstung vom Ron­ferensprogramm auszuschalten. mas

einer der größten und verderblichsten Fehler der französischen Bollfit gewejen

fei Jegt beherrsche die Abrüstung mie por 10 Jahren miaber die Washingtoner Unterhaltung. Die Abrüftung sei ohne Zustimmung

noch von draußen in den Wagen. Henning wurde ge. to tet, und eine im Wagen fizende 2ehrerin erhielt zwei Bein­Schüffe. Die Täter enttamen im Dunkel. Der Fahrer des Wagens gab an, daß er turz hinter Dchfenwärder plöglich, von einem Fahr gaft aufgefordert wurde, zu halten. Der Chauffeur fuhr zunächst ruhig meiter, da er diese Aufforderung für einen Scherz hielt; als dem die Täter den Wagen verlassen hatten, fuhr der Fahrer in er aber drei Revolver auf sich gerichtet sah, habe er gehalten. Nach­schnellstem Tempo nach Hamburg und verständigte in Rotenburgs ort die Bolizei, die fofort ein Ueberfalltommando zum Tatort fandte. Bon den Tätern mar nichts zu sehen. In der Nacht zum 16. März stellten sich, die Nationalsozialisten Jansen und Baumel als Täter. Ihr Kumpan Hödmeyer wurde am Bormittag des 16. März auf offener Straße feit genommen. Alle drei find Nationalsozialisten. Alle drei Täter wurden im Verfolg dieser Tat formeil aus der Partei ausgefchloffen, indeffen stellte sic ihnen auf Weisung Hitlers den Rechtsanwalt Frant II als Berteidiger!

Alle drei haben sich nun am 3. November vor dem Ham burger Schwurgericht unter der Antlage des Mordes zu ver. antworten.

Bersammlungsfreiheit.

Kommunisten rufen nach ihr...!

Die ,, Rote Fahne " fpeit Flammen der Entrüstung, weil der Bo­lizeipräsident eine tommunistische Massenfundgebung im Lustgarten verboten hat. Sie tut fo, als ob es in Deutschland gar teine Ber fammlungsfreiheit mehr gäbe. In der Spalte nebenan aber berichtet auf die sie offenbar sehr stolz ist, obwohl nur ein Drittel des Raumes fie über eine Riefenfundgebung" im Sportpalast, befest mar.( Als Rebnerin war Frau Torhorst angekündigt, aber Renegaten ziehen offenbar bei der Berliner Arbeiterschaft nicht.) Immerhin ist bewiesen, daß die Kommunisten mehr Bersamm­lungen veranstalten als füllen fönnen. Andererseits freilich ist es nicht verständlich, warum Herrn Erich Weinert das Rezitieren im Sportpalast verboten murde; seine Verse werden die Republik be­stimmt nicht umwerfen.

Die Kommunisten würden mit ihrem Ruf nach noch mehr Ber­fammlungsfreiheit mehr Erfolg haben, wenn sie ihre Anhänger dazu erziehen fönnten, die Bersammlungsfreiheit anderer zu respektieren und auf ben Holztomment zu verzichten. Solange sie überall port, mo fie fich dazu start genug fühlen, die Bersammlungsfreiheit onderer unterbinden, werden sie als Bundesgenoffer in Kampf für eine volllommene Verjammlungsfreiheit schlecht zu brauchen sein. KPD . Pleite im Sportpalast. Uns mirb geschrieben:

Am Donnerstag veranstalteten die Kommunisten im Sportpolaft eine ihrer Waffenfundgebungen. Trog tagelanger Zeitungs- und Saulenpropaganda blieben die Waffen jedoch aus. Es war den Ein­berufern mit Dieler Mühe nur gerade gelungen, ben Sportpalast his zur Hälfte zu füllen. So machte die ,, Maffenfundgebung" einen mehr