Beilage
Donnerstag, 5. November 1931
Der Abend
Shalausgabe des Vorward
Um die Pädagogischen Akademien
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1.
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Was soll der Erzieher der großen Volksmassen, der Lehrer in der Volksschule, sein? Welche Bindung soll er haben? Soll er einfach drillen, Rechnen, Schreiben, Lesen, mechanisch beibringen? Soll er ein Verständnis des Lebens, des Staates, der Gesellschaft, das ihm autoritativ eingebläut worden war, mechanisch, mit gewaltfamer Autorität weitergeben?
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Oder soll er wissen, was er tut? Soll er die über= schauende Kenntnis der Gesellschaft, der geistigen Werte, das selbständige Urteil haben, das ihn zum Pflegen und Erziehen jener Gesamtheit von Menschentum und Menschenkräften befähigt, jener Gesamtheit von Menschentum und Menschenkräften befähigt,
die zu ganzem und vollem Menschentum gehört?
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schaftlichen Geistes find, sein müssen. Es sind pädagogische Akade-| Sozialismus fann den Pädagogischen Akademien ruhig jagen:" mien, Anstalten, in deren Mittelpunkt die Frage steht, wie erziehen wir die Kinder des Volkes zu vollem Menschentum. Der Zwang dieser Frage erzwingt eine Einstellung, die allem Aristokratismus anderer Bildungsideale tödlich ist.
IV.
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Arbeitet ganz fachlich, ganz wissenschaftlich, aber wirklich fachlich und wissenschaftlich auf eurem Gebiet! Je mehr er sie so arbeiten läßt und darin fördert, desto mehr werden sie seine Bundesgenossen sein. Sie werden um so wirkungsvollere Bundesgenossen sein, je deutlicher ist, daß sie es nicht aus irgendwelcher Parteinahme heraus find, sondern eben weil sie fachlich und nüchtern pädagogisch arbeiten und um des Kindes und der Familie Lebensintereffen tämpfen.
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Man fragt oft, was aber nügten oder nüßen diese Akademien unserer sozialistischen Bewegung? Für wissenschaftliche ArbeitsDer Sozialismus foll aber auch wissen, daß er mie mit jedem fiätten gibt es nur die Frage der Wahrheit und Wirklichfeit, nicht die Frage der Partei oder dieser oder jener wirtschaft- Abbau der Volksschule und ihrer Arbeit, so auch mit dem Abbau lichen Bewegung. Wer aber weiß, wie gewissenhaft die Päda der Akademien eine der entscheidenden Positionen gogischen Akademien auch das verfolgen, was im gesellschaftlichen aufgeben würde, in denen um die Zukunft der Gesellschaft geFür ein Volk, das um seine Zukunft wirklich kämpfen will, Leken für das Kind förderlich oder gefährlich ist, wie gewissenhaft rungen wird. Es sind noch wenig Stätten da, an denen um die das sich nicht einfach willenlos den Gewalten der Entwicklung unterfie fragen, wozu wird das Kind erzogen und was erwartet es Gestaltung neuer Geistigkeit gerungen wird Man unterschätze nicht werfen will, follte diese Frage beantwortet sein. Während in draußen im Leben, welche Lebensmöglichkeiten hat die Familie, wie diese, die arbeiten unter der Leitung der Frage, wie erziehen wir allen Bölkern der Welt bis nach Indien , China und Japan die wird sie gefördert und was zerstört sie, der weiß, wie sehr alle die Kinder der Volksmassen zu ganzen, wirklich ganzen, unzer Förderung der Volfserziehung eines der wichtigsten Probleme gerein wissenschaftlich sachlich arbeitende Pädagogif Bundesgenoffin drückten Menschen. Wo diese Frage brennt, ist man worden ist, sollte das Volf, in dem die Boltsbildung eigentlich ihre derer ist, die sich über die Schäden dieser heutigen Wirtschaftsweise Bundesgenosse derer, die die ganze Gesellschaft Heimat hat, sie gleichgültig zu einem wirkungslosen Drili feine Illusionen machen können, die rücksichtslos um eine Umge- zu einer Heimat unzerdrückter Menschen gestalten wieder absinken lassen? Es gibt ja Menschen, die sich das so ftaltung fämpfen müssen. Nirgends ist es so deutlich wie hier: Der vorstellen: Einige führende Familien, deren Glieder gut ausgebildet werden. Unter ihrer Leitung ehrfürchtig aufschauend zum Glanz dieser industriellen Herrscher die großen Massen- möglichst dumpf, möglichst willig sich führen zu lassen. So wird ein großes Volk und eine große Zukunft. Daß dies Zukunftsbild selbst vom tapitalistischen Standpunkt aus eine Torheit ist, sollte jeder wissen, der weiß, wie sehr die komplizierte Maschine und das fomplizierte Rechenwesen und Betriebssystem immerhin geistige Kräfte nötig hat, sollte aber auch jeder wissen, der aus der GeVor dem Kriege hatte die Schule nur das politische Vorschichte weiß, wie rasch führende" Herrscherfamilien ihr bißchen Verstand verbraucht haben. Was soll aus Völkern werden, die auf Zeichen der Kaiſertreue. Und das war so eindeutig und selbstversie angewiesen sind und das Werden geistiger Kraft und Selbſtändlich, daß geschäftstüchtige Politiker darüber das Mäntelchen der Neutralität hängen konnten, ohne daß die Mehrheit der Erzieher ständigkeit aus den Massen abstoppen? das merkte. Die heutige Schule wird erst jetzt langsam von der Revolutionierung der Geister erfaßt. Und da reißen vielerorts chaotische Zustände ein, die sich kennzeichnen durch Syſtemlosigkeit
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Für die Sozialisten aber ist Zentrum alles feines Denkens dies, daß man nicht genug geistige Regjamkeit, Entwicklung aller Kräfte, Bildung des ganzen Menschentums den Volksmassen bringen kann. Daß dies da ist, dies geweckt wird, ist ein entscheidendes Stück der Zukunft. Der Sozialismus muß damit rechnen können, daß der Zukunft. Der Sozialismus muß damit rechnen können, daß geistige Kraft und eigener Wille in den Massen lebt. Er hat den Volkserzieher nötig, der selbständig denkt und urteilt und Selbständigkeit wedt. Kampf um die geistige Höhenlage der Volksschulfehrerbildung ist Kampf um den Sozialismus.
II.
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Man hat nach der Revolution die Pädagogischen Akademien gegründet. Man wollte damit die Lehrerbildung frei machen von jener Erziehung des Lehrerseminars. Mechanisch und innerlich gebunden lehrte diese vor allem eine geschickte Methode des Unterrichts und gab Stoff und Gedankenwelt, die ebenso einfach und geschlossen weiter zu unterrichten waren. Das Lehrerseminar mar die echteste Erziehungsanstalt der königlich preußischen und taiserlich deutschen Kulturanschauung
Nun schuf man Anstalten, deren Grundgedanke war eine Er ziehung des zufünftigen Lehrers zu selbständigem Urteil, selbst ständiger pädagogischer Erkenntnis von Ziel, Wesen und Aufgabe, von Kräften in Kind, Familie, Gesellschaft und Erziehung, mit denen zu rechnen mit denen zu kämpfen set. In allen Dingen sollte der zukünftige Lehrer mit eigenem Verstehen und Urteil, mit eigenem feltständigen pädagogischen und wissenschaftlichen Gewissen seine
Arbeit tun können.
Lehrerverein und Sozialdemokratie standen auf dem Standpunkt, daß man um dieses eigenen selbständigen Urteils willen die Lehrerbildung auf die Universität legen müsse. Es war ein Kompromiß, daß man das nicht tat, sondern eigene, Anstalten gründete. In der gegebenen Sachlage aber hatte das Kompromiß sein Gutes. Es stellte die Aufgabe neben den in den Standesnorurteilen der vergangenen Zeit start befangenen und in einem abstrakt wissenschaftlichen Betrieb schwer gehemmten Universitäten eine neue gleichwertige Methode der Einführung in wissenschaftlich vollwertige Bildung zu schaffen, frei von diesen Hemmungen und Beschwerden, ganz eingestellt auf die Vorbereitung zur wichtigsten Arbeit, die es auf geistigem Gebiet geben kann, der Erziehung der Kinder des Volkes.
Es wäre sicher zuviel gesagt, wenn man behaupten wollte, den Pädagogischen Akademien ist es gelungen, dies Ziel zu erreichen. Eie arbeiten an diesem Ziel und arbeiten mit verschiedenem Erfolg daran. Aber das muß gesagt werden, fie arbeiten ei frig, mit der Energie neuer, junger Anstalten, in denen große Hoffnungen und Ziele lebendig sind. Sie sind im Begriff, sich als ein neuer, lebensvoller Typ der Hochschule neben die anderen zu stellen. Und das Geschlecht junger Lehrer, das sie aussenden, darf sich in seiner menschlichen und wissenschaftlichen Haltung und seinem Arbeitseifer, seinem Zukunftswillen sehen lassen. Ganz große 5off nungen sind da- und es besteht die Gefahr, daß man sie erstidt.
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III.
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Kinder erobern die Welt
Ein halbes Jahr Arbeitsschule/ Bon Adolf Hauert
und eine vollkommen falsch verstandene politische Er
ziehung. Biele verstehen darunter nur das bequeme Mittel des parteipalitischen Bauernfanges über den Weg der weltanschaulichen
Beeinflussung. Und ihre Erziehungskunst ist so billig wie nur möglich: die Seele der Jugend wird durch Anwendung von Terror oder rauschhaften Geschwafels unter Drud gesetzt, um gläubig oder romantisch begeistert das Ideal des Erziehers für das einzig richtige ( 0: 0) zu halten.
Solche Jugend muß asozial, unduldsam und der aufbauenden Arbeit abgeneigt sein. Solche Schule ist nicht modern, sondern ist die Dogmenschule des finstersten Mittelalters, nur mit der frischen
Farbe eines neuen Volksbeglückungsideals" übertüncht.
Die moderne Schule, die den Gehalt der heutigen Zeit mit neuen Unterrichtsformen erarbeitet, sieht anders aus. Sie ist nüchtern, arbeitsam, ohne Phrasen, wissenschaftlich, fie leistet Aufbautern, arbeitsam, ohne Phrasen, wissenschaftlich, sie leistet Aufbauarbeit für die Gemeinschaft, sie ist furz gejagt Erziehungs. funktion der Gesellschaft. Und sie ist dabei eine frohe Arbeitsstätte der Jugend, die in ihrer Organisation sich ganz den findlichen Lebenäußerungen anpassen muß.
Die politische Erziehung der neuen Schule besteht in einer gegenwartsbetonten, lebensnahen Unterrichtsarbeit. Den ganzen Ballast einer überalterten Kultur mit ihren lebensfremden Weltanschauungsdogmen, ihren Wunschbildern und blutigen Idealen wirft sie über Bord und stellt die Erziehungsarbeit bewußt in die Gegenwart. Das gesellschaftliche Leben wird grundlegend von der Wirtschaft gestaltet, deshalb ist Wirtschaftskunde das Zentralfach des gesamten Unterrichts. Und da die kapitalistische Wirtschaft eine flaffengespaltene Gesellschaft geschaffen hat, ist die dialettische Betrachtungsweise ausschlaggebend für die Gestaltung der Unterrichtsform.
Solche Schularbeit übermittelt gediegene Kenntnisse, die der junge Mensch im Leben später gut gebrauchen kann. Sie beschwert das Gedächtnis nicht mit unnötigem Kram, sondern schafft die notwendigen Grundlagen für die spätere Weiterbildung. Sie will den fozialen Menschen erziehen helfen, der sich für die Aufwärtsentwicklung der Menschheit einsehen wird.
Ueberraschungen im Spreewald.
Wie sieht die eigentliche Unterrichtsarbeit dieser Schulen aus? Ein Beispiel aus einer Berliner weltlichen Schule: In den Osterferien waren viele Kinder von den Wohnhöhlen der Stadt in die luftigen Lauben der Schrebergärten übergefiedelt und hatten sich dort bei der Bearbeitung des Feldes" betätigt. Andere halfen auch in den Ferien bei dem Gemüsehändler oder waren sonstwie an falifornischen Aepfeln und holländischen Gurken interessiert. So gruppierte sich bei Besprechung des neuen Arbeitsplanes das Interesse müsehandel. Als Hauptthema wurde gewählt: Wie wird um die drei Schlagwörter: Bauern, Landwirtschaft, Gedie Großstadt ernährt?
Die Kinder sammelten Beobachtungsmaterial in der Zentralmarkthalle, auf dem Wochenmarkt, in den Obstgeschäften. Die Klasse wanderte nach dem Rieselgut Boddinsfelde, sah sich die Landwirtschaft und die Gemüsetreiberei in der nächsten Umgebung Berlins an, arbeitete im Schulgarten.
Gewiß, die Akademien selbst werden an manchem Punkt froh sein, wenn man ihnen noch weitere und größere Arbeitsmöglichteiten schaffen möchte. Aber ist daran im jezigen Augenblick zu Die Diskussion über die einzelnen Arbeiten der Kinder riß die denken? Jetzt geht es darum, zu erhalten, was geschaffen ist, diese Problematik des ganzen landwirtschaftlichen Fragenkreises auf: EinForm wissenschaftlicher Arbeit und Erziehung zu erhalten, die im fuhr an Obst und Gemüse und der deutsche Geldmarkt, die enge Geiste der Republik gebildet, den Weg zu neuen, zukunftstarken Verbindung von Industrie und Landwirtschaft auf Grund der Möglichkeiten zeigt. Man denkt an Dorübergehende natürlichen Teilung der Produktivkräfte, ihre notwendige ZusammenSchließung der Akademien. Wissenschaftliche Ararbeit in der Herstellung gesellschaftlicher Warenwerte, Hebung der beit aber fann feine Unterbrechung vertragen, fie landwirtschaftlichen Produktion durch Einschaltung industrieller muß weitergehen, sich weiterentwickeln können. Wird heute abge Warenwerte, Intensivierung der Bodenbearbeitung, Zuchtwahl und brochen, so muß später ganz von Anfang an wieder alles aufgebaut bessere Pflege der Pflanzen, Rationalisierung der landwirtschaftlichen werden und viele Jahre von Arbeit und Leistung sind völlig verloren. Man könnte den Gewalten, die alle wissenschaftliche Arbeit irgendwie in den Dienst vergangener Geistesart und aristokratischer Lebensauffassung stellen wollen, teinen größeren Gefallen tun, als menn man die wissenschaftlichen Arbeitsstätten beseitigte, die ihrer Entstehung nach und ihrer Arbeit nach Träger eines anderen wissen
j
Arbeit.
Die Probleme wurden in ihrer einfachsten Form erkannt. Zu ihrer weiteren Bearbeitung unternahm die Klasse eine acht tägige Studienfahrt nach dem Spreewald.
Das Erlebnis war ein 3usammenbruch der Bilder bogenromantit vom Spreewald:„ Das ist ja gar tein rich
| tiger Wald. Und die Fließe sind so klein und dreckig. Die Leute gehen gar nicht in Tracht und sehen so abgearbeitet aus. Die müssen schwer arbeiten. Und dabei sind sie so arm, daß sie nicht einmal die Pferde beschlagen lassen können."
Die Armut der Bauern, das war das Stichwort für die nächsten Untersuchungen. Berechnungen ergaben, daß der vom Erzeuger erzielte Preis so gering ist, daß der Stundenlohn des Bauern unter 10 Pf. liegt. Der 3 wischenhandel drückt den Markt
preis der landwirtschaftlichen Produkte und erzielt auf Kosten der unterbezahlten bäuerlichen Arbeit einen Mehrwert.
Jm nächsten Standquartier fam eine neue Entdeckung hinzu. Nicht alle Bauern waren arm. In jedem Dorf gab es wohlhabende Süfner und arme Kofsäten und Büdner. Fast das ganze Wiesengebiet des Oberspreewaldes gehört dem Grafen von Lübbea nau. Und die Bauern erklärten, daß sie in manchen Jahren nicht soniel ernten wie die Pacht ausmacht. Das ist moderne Leibeigenschaft, die wir noch besser kennen lernten an der Deputatarbeit auf den großen Gütern.
Am anderen Tage eine neue Ueberraschung. Ein Junge hatte die Ergebnisse des Dorfes bei der letzten Reichstagswahl festgestellt: 121 Nazis, 23 Sozialdemokraten, 1 Kommunist. Und nun erhob sich aus der Perspektive des Bauerntrieges von 1525 die Frage: Warum wenden sich die Bauern nicht gegen den Agrarfapitalismus, statt noch seine Partei zu wählen? Die Volfsfundler gaben aus ihren Beobachtungen die Erklärung: der poli tische Konservativismus erklärt sich aus der verzögerten Kulturentwicklung. Die landwirtschaftliche Produktionsform ist nochy fast die gleiche wie vor 200 Jahren. Der 14- Stunden- Tag und Kinderarbeit sind an der Tagesordnung. Wir fanden Bauernhäuser ohne Brunnen. Wir sahen Schnitter, die bäuchlings das Wasser aus dem Fließ tranten, in das vorher die Abwässer geleitet wurden. Typhus und Tuberkulose sind im Spreewald zu Hause. Und so erschien der ganze Tamtam, der um die Wendenfultur von einer bestimmten Bresse gemacht wird, als Geschaftlhuberei einer reklamesüchtigen Fremdenindustrie. Die alte Trochi gehört als serviler Abklatsch einer hösischen Kultur mit ihren Marterinstrumenten ins Museum.
Bei Webern und Spinnern.
In Kottbus gingen die Kinder mit den Arbeitern in die Webereien. Beim Portier standen sie an der Kontrolluhr, die auf die Minute anzeigt, wann der Arbeiter den Fabriksaal betritt oder verläßt. Am Webstuhl verfolgten sie den Zähler, der jeden Schuß notiert. Sie erkannten, wie das Risiko der Produktion auf den Arbeiter abgewälzt wird; denn notwendige Reparaturen bei der Arbeit bekommt er nicht bezahlt, weil dann der Zähler still steht. In der Spinnerei bedient ein Mädchen die Riesenmaschine von 500 Spulen. Das sind 500 Spinnräder; das bedeutet 1 für 500 Spinnerinnen. Die Kinder wußten nun, was Rationalisierung durch Maschinen heißt, sie erkannten nun die Quelle der Arbeitslosigkeit. Für 1000 Knoten bekommen die wendischen Teppichknüpferinnen 13 bis 18 Pf. Welcher Fremdenführer spricht von dieser Wendenkultur im Dienste amerikanischer Millionäre?
Was wir nach Hause brachten.
Mit gefüllten Notizbüchern famen die Kinder wieder zu Hause an. Jeder war von seinem eigenen Interessenfreis vorgedrungen in die sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhänge des Spreewaldes. Es wurde keine bestimmte Meinung eines Lehrbuches auswendig gelernt, sondern jeder beobachtete selbst den Pulsschlag der zentralen Zelle, der Produktion. Die Kinder sahen, wie mit dem Produktionsprozeß der Reichtum der tapitalistischen Führerschicht, die knappe Lebenshaltung der Arbeiter und Bauern, die Arbeitslosigkeit und die reaktionäre Wendenkultur zusammenhingen. Sie haben mit neuen Menschen gesprochen und gefühlt und so ein neues Stück Schicksal der arbeitenden Klasse erlebt. Leider fehlten Zeit, Geld und die organisatorischen Möglichkeiten, um die Kinder auch einmal mitarbeiten zu lassen. Dieses Erlebnis der durch die Produktionsverhältnisse gegebenen inneren Verbundenheit mit der Arbeiterklasse eines anderen deutschen Landstriches ist zugleich ernste vaterländische Erziehung. Diese auf der Grundlage des Studiums der Wirklichkeit gelöste Spannung zwischen Kind und Welt gibt dem Einzelnen durch das Erlebnis der Gemeinschaft diejenigen ethischen Werte, durch die er fähig mird, an der Höherentwicklung der Menschheit kollektiv mi zuarbeiten.