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Loucheur gestorben.

Ein Borkämpfer der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

Nach einer kurzen Krankheit ist der französische   Abgeordnete Louis Loucheur   im Alter von 59 Jahren in Paris   gestorben Während in Deutschland   gerade in den lezten Jahren der Tod eine unheimliche Ernte unter den führenden Politikern im besten Mannesalter gehalten hat, zeichnen sich im allgemeinen die französi ichen Staatsmänner durch eine oft erstaunliche Lebensfrische aus. Vielleicht ist dies in Deutschland   eine nachträgliche Folge der Kriegs­blodade, sowie auch der übermenschlichen Anforderungen, die die Nachkriegsjahre an die führenden Männer stellen, die es übernom men haben, Deutschland   aus dem Zusammenbruch von 1918 mieder emporzuführen. Sicher ist es aber auch der vor feiner Gehäffigkeit und persönlichen Verleumdung zurückschredende Kampf, wie ihn bei uns die extremen Parteien zu führen pflegen, der duzendmeiſe führende deutsche Politiker in ihrer Gesundheit erschüttert und vor. zeitig ins Grab sinten läßt. Es muß jedenfalls auffallen, daß während bei uns zahllose Politiker unter 55 Jahren, zum Teil sogar meit unter 50 Jahren, dahingerafft wurden, in unserem westlichen Nachbarlande solche Fälle viel seltener vorkommen. Man könnte fo­gar meinen, daß die durchschnittliche Lebensdauer französischer Staatsmänner um zehn Jahre länger ist als bei uns.

Louis Loucheur  , der vor der Erreichung des 60. Lebensjahres gestorben ist, bildet insofern eine Ausnahme. Gerade bei diesem stattlichen, taum ergrauten, lebenssprühenden Mann hätte man am allerwenigsten vermutet, daß er so schnell von der politischen Bühne verschwinden würde, auf der er zweifellos immer größere Rollen, im eigenen Lande ebenso wie international, zu spielen berufen war. Seine politische Laufbahn war verhältnismäßig furz, denn der

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Bankdirektor von heute.

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chemalige Eisenbahningenieur und spätere Fabrikbefizer in Nord- Großartig, daß Gie fommen, meine Herren! Zu holen ist hier nichts, aber geben Sie

frankreich   trat erst während des Kriegs in der Deffentlichkeit hervor, als er durch sein Talent. als technischer Organisator die Aufmerksamkeit der höchsten Stellen auf sich lentte. Sein eigentlicher Entdecker war Albert Thomas  , dessen Nachfolger er als Munitions­minister wurde. Dann war er Mitglied der französischen   Delegation in Versailles   unter Clemenceau  . Aber im Gegensatz zu seinem greifen und engstirnigen Chef war er fein verbohrter Nationalist,

mir mal Auskunft: Wie stellen Sie es an, von der Polizei nicht gefriegt zu werden?" T

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Die Krise des Baumarkts.

vielmehr wandte er fich frühzeitig den Möglichkeiten wirtschaft Wohnungsnot, aber kein Wohnungsbau.- Von der Hauszinssteuer bleibt nichts

licher Zusammenarbeit mit Deutschland   zu. Er galt in Parlament von 1919, in das er felber zum erstenmal als 2bgeord reter des Nordens gewählt wurde, als ein Finanzgenie, was start übertrieben war. Er verstand es jedenfalls, mit Zahlen und Fach­ausdrücken zu jonglieren und imponierte damit den meisten. Parlamen­tariern. Ueber Deutschlands   Leistungsfähigkeit hat er dabei zunächst furchtbaren Unsinn geredet, aber sich als einer der ersten wieder auf den Boden der Tatsachen gestellt und im Jahre 1921 mit Walther Rathenau   das Wiesbadener Sachlieferungsabtom in en abgeschloffen, das beiden Ländern seither zum Vorteil gereichte. Bon dieser Zeit an war Loucheur   ein Borkämpfer der deutsch­französischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit und er bemühte fich auch um die politische Annäherung, freilich mit starken Vor­behalten. Er gehörte jedenfalls zu dem engeren Kreis um Briand  , der sich in wirtschaftlichen Dingen hauptsächlich durch in beraten ließ. Er war der eigentliche Bater des Gedankens der Internationalen Wirtschaftskonferenz und auch der Genfer   Europa  tommiffion; dort spielte er eine führende Rolle, wie überhaupt die Genfer   Tagungen ohne ihn faft undentbar waren. Er besaß einen maßgebenden Einfluß auf das noch immer start verbreitete Petit Sournal", das seit Jahren allgemein als sein persönliches Sprach rohr galt.

Innerpolitisch stand er im Lager der bürgerlichen Linken und mar, obwohl Fabrifbefizer im nordfranzöfifchen Industrierevier, bei aller tapitalistischen Grundtendenz durchaus tein verbohrter Reat­tionär. Die Fortschritte der Sozialgefeggebung in Frank­ reich   während der letzten Jahre find zum guten Teil sein eigenes Bert. Er gehörte als Handels, Post, Finanz- und Arbeitsminister verschiedenen Linksregierungen an, und half manche Rechtsregierung stürzen. Nach dem erwarteten Linksrud bei den kommenden Neu­wahlen wäre Loucheur über furz oder lang zweifellos Minister­

präsident geworden. Sein früher Tod ist um so beklagenswerter als mit ihm einer der wenigen Staatsmänner verschwindet, die wirt­schaftlich bewandert sind ohne zugleich fozialreaktionär zu sein.

mann.

Frick will sabotieren.

Aus dem Reichstag geflohen- aber trotzdem Diktaturgelüfte Die Kommunisten hatten fürzlich wegen des Konflikts in der Mandschurei   den Zusammentritt des Auswärtigen Aus­schusses des Reichstags beantragt. Borfizender des Auswärtigen Ausschusses war bisher der nationalsozialistische Abgeordnete Frid, fein Stellvertreter ist der sozialdemokratische Abgeordnete Scheibe Als der Abgeordnete Frid tagelang zu einer Stellung: nahme zu dem fommunistischen Antrag nicht zu bewegen war, hat sein Stellvertreter Scheidemann   die Fraktionen aufgefordert, ihm mitzuteilen, wie sie zu dem kommunistischen   Antrag ständen. Erst daraufhin hat Frid dem Reichstagspräsidenten mitgeteilt, daß er die verlangte Einberufung des Ausschusses ablehne, weil er ein dringliches deutsches Interesse daran nicht zu erkennen vermöge. Außerdem hat aber Frid bagegen Berwahrung eingelegt, daß etwa an seiner Stelle der stellvertretende Vorsitzende den Ausschuß ein­beruft, weil dieser nur bei Behinderung des Borfizenden tätig werden könne. Eine solche Behinderung liege nicht vor, auch be= stche nach der Geschäftsordnung feine Berpflichtung zur Einbe­rufung des Ausschusses.

Die Rechtsauffassung des Herrn Frid ist in jeder Beziehung falsch. Die Nationalsozialisten haben am 16. Oktober das Berlassen dieses Hauses", also des Reichstags, an­gekündigt. Sie haben zugleich die Arbeit in allen Ausschüssen des Reichstags eingestellt. Es geht selbstverständlich nicht an, daß die Nationalsozialistische Partei nun einfach die Arbeit derjenigen Ausschüsse lahmlegt, in denen sie den Vorsitzenden stellt. Nichtbeteiligung an der Arbeit der Ausschüsse ist selbstverständlich zugleich Verzicht auf die Funktion in den Ausschüssen. Abgesehen davon kann auch ein Vorsitzender das Zusammentreten eines Aus schusses nicht verhindern, wenn der Zusammentritt von großen Parteien gefordert wird, zumal, wenn das zuständige Ressort der Reichsregierung mit ihm einverstanden ist.

Die fozialdemokratische Frattion hat jedenfalls auf die Anfrage des Abgeordneten Scheidemann   geantwortet, daß fte für die Einberufung des Ausschulfes ist, um die mandschurische Frage zu befprechen, und daß sie zugleich wünsche, daß zur Ver hinderung weiterer Sabotageversuche der Ausmärtige Ausschuß einen neuen Borfigenben on Stelle des Herrn Frid wählt

für den Wohnungsbau übrig.

Der Wohnungsausschuß des Reichstags begann am Montag mit der Beratung der sozialdemokratischen Anträge zur Wiederingangsetzung des Wohnungsbaues und zur Behebung der Arbeitslosigkeit.

Krise des Baumarktes. Abg. Bernhard( Soz.) äußerte sich eingehend über die gemertschaftsbundes betrug die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe Nach den Unterlagen des Bau 1928: 6,5 Prozent, 1929: 12,5 Prozent, 1930: 47,1 Prozent, bis Oktober 1931: 65 Prozent und jezt 73 Prozent. Das bedeutet bei einem Umsatz im Baugewerbe von normal 8-9 Milliarden Mart je Jahr einen Lohnausfall von 3,76 Milliarden 1930 und 5,2 mil liarden Mart 1931. Dazu komme, daß nach den Feststellungen des Bundes 270 000 Bauarbeiter mehr als ein Jahr, und 180 000 Bauarbeiter jegt im Jahre überhaupt nur 17 Wochen beschäftigt mehr als ein halbes Jahr arbeitslos feien, mährend der werde. Der Ausfall an Löhnen, Sozialbeiträgen und Steuern fei so erheblich, daß sich hieraus schon die Berkehrtheit der bisherigen Berordnungspolitif ergebe. Auch die Behauptung, daß der Woh nungsbau eingestellt werben tönne, meil angeblich fein Wohnbedarf mehr bestehe und viele Wohnungen leer stünden, sei falsch und übertrieben. Nach Feststellungen des Baugewertsbundes standen in Neubauwohnungen, darunter allein in Berlin   1800, leer, gleich 174 Groß, Mittel- und fleineren Gemeinden Anfang 1931 6000

Bolschewistische Geistesfreiheit.

Am Ariom darf nicht gezweifelt werden- fagt Stalin  .

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Die Kommunisten behaupten, in Rußland   gebe es zwar feine bürgerliche", aber eine proletarische" Geistesfreiheit. Wie die aus­sieht, dafür liefert die Rote Fahne  " vom 22. November einen schönen Beleg, indem sie einen höchst eigenhändigen Brief ihres Papstes Stalin   an die Redaktion der Zeitschrift Proletarische Revolution"( Proletarskaja Revoluzija) abbrudt. Was war ge schehen? Die Proletarische Revolution" ist die offizielle Zeitschrift einer angeblich wissenschaftlichen" russischen Akademie zur Er­Artikel eines gewissen Glugti abgebrudt, der nachmies, daß forschung der Geschichte des Kommunismus. Als solche hatte sie den Lenin in der Vorkriegszeit die Gefahr des versteckten Opportunis mus in der deutschen   Sozialdemokratie( vom Standpunkt des Kom­munismus aus), namentlich den Opportunismus Kautstys und feiner Richtung unterschätzt habe. Derartiges zu behaupten ist in Ruß­land Keßerei, denn es verstößt gegen die offizielle Heiligen­legende, wonach der heilige Lenin von Anfang an alles richtig ge­mußt und vorausgesehen habe. Infolgedeffen bekommt die Zeit­schrift von Stalin   folgenden Rüffel:

1% Prozent der Neubauwohnungen in diesen Orten. Der Be darf an fleinen Wohnungen bestehe nach wie vor, Da dies nicht aus Privatmitteln geschehen könne, müsse die öffent­er müsse gedeckt werden, um den Arbeitsmarkt wieder zu beleben. liche Hand eingreifen und die Hauszinssteuer wieder dem Woh­nungsbau zur Verfügung gestellt werden.

rung um Auskunft, was aus der Hauszinssteuer nach den vielen Der Vorsitzende Abg. Lipinski( Soz.) ersuchte die Regie­Notverordnungen noch für den Wohnungsbau übrig bleibe und wieviel Mittel der Hauszinssteuer, die für den Wohnungsbau be­stimmt gewesen seien, von den Ländern und Gemeinden für andere 3wede verwendet worden seien.

Ministerialrat Paasche vom Reichsfinanzministreium schäßte das Aufkommen der Hauszinssteuer, nach Abzug der 20 Prozent, gebilligt morden seien, für 1932 auf 900-1000 Millionen Marf. die den Hausbefizern für Erhöhung der Aufwertungszinsen- Dapon gingen 120 Millionen für die Umschuldung der Gemeinden ab, 700 DiDionen würden die Gemeinden für ihren Bedarf be anspruchen, dann feien die Gelder für die Siedlungen und die Zins zuschüsse der Gemeinden für Sentung der Mieten bereitzustellen, so daß tatsächlich nichts für den Wohnungsbau übrig bleibe. Ueber die Summe der nicht für den Wohnungs bau von den Ländern verwendeten Hauszinssteuermitteln vermochte

die Regierung feine Auskunft zu geben.

daß man ihnen den Mund verstopft? Ein recht merkwürdiger Liberalismus, der verwirklicht wird auf Kosten der lebens= michtigen Interessen(!) des Bolschewismus."

Und weiter heißt es dann in dem Schreiben Stalins, daß die Thefe Slugtis einfach eine Verleumdung Lenins   fei: Die Ber Ieumbung muß man anprangern, nicht aber zum Gegenstand einer Distussion machen."

Die ,, Rote Fahne  " brudt das alles gehorsam ab. Auch die Be­hauptung, Rosa Luxemburg   habe im Jahre 1905,, ein halb­menschemistisches Schema der permanenten Revolution aufgestellt". Gie magt es nicht, ihre Begründerin gegen den Vorwurf des ,, Halb­menschhemismus" auch nur mit einem Wort zu verteidigen.

Forschung! Die Ketzerinquifition des Mittelalters fönnte neidisch werden.

Eine herrliche Art der Geistesfreiheit und der wissenschaftlichen

Preußischer Richterverein. Abschluß der Jahrestagung.

Halle, 23. November. Landgerichtsdirefior Buczek erstattete Bericht über die Arbeiten zur fleinen Justizreform, die nunmehr abge­,, Anstatt, daß ihr diesen neugesalbten Historifer" als Berfchloffen find. Der Preußische Richterverein wird eine Denkschrift leumder und Fälscher anprangert, laßt ihr euch mit ihm in herausgeben, die eine Gesetzesvorlage zur Heinen Justizreform ent­eine Diskussion ein, stellt ihm eine Tribüne zur Verfügung. halten wird. Der Vertreter des preußischen Justizministeriums, Ich kann nicht umhin, gegen die Veröffentlichung des Artitels von Ministerialrat Willers, begrüßte diese Absicht aufs wärmste. Bei Slugti in eurer Zeitschrift als Distuffionsartitel zu protestieren, den Neuwahlen wurde Landgerichtsdirektor Dr. Albert Schmidt­denn man darf nicht die die Frage des Bolichemismus Lenins  , die Frage, ob Lenin   gegen den Zentrismus als eine be Berlin   zum Vorfizenden wiedergewählt. stimmte Spielart des Opportunismus einen grundsäglichen uns verföhnlichen Kampf führte oder ihn nicht führte, ob Lenin   ein echter Bolschemit war oder es nicht war, in ein Diskussions­objekt verwandeln."

Die tödlich erschrockene Redaktion hatte zuvor eine Erflärung abgegeben, worin fie reuig die Zulassung des Artikels Clubkis als einen Fehler bedauerte. Sie wolle jedoch diesen Fehler durch wissenschaftliche Erforschung der ganzen in Frage kom­menden Materie wieder gut machen. Damit aber hat die Redaktion nur Del in die lodernden Zornesflammen des aufgebrachten Partei­papstes gegoffen. Dieser fährt die unglückselige Zeitschrift folgender­maßen an:

Dies bedeutet, daß ihr beabsichtigt, von neuem eine Dis fussion über Fragen aufzurollen, die für den Bolfchemismus 2rio me find... Allen ist bekannt daß der Leninismus im rüdsichtslosen Kampf gegen den Opportunismus aller Färbungen, darunter gegen den Zentrismus im Westen( Kautsky  ) und den Bentrismus bei uns( Trogti und andere) entstand, wuchs und er startte. Das ist ein Agiom. Ihr aber zerrt uns zurüd, indem ihr versucht, das Ariom zu einem Problem zu machen, das der weiteren Bearbeitung" bedarf. Warum? Aus welchem Grunde? Vielleicht um des faulen Liberalismus willen, damit Sluzki und die sonstigen Schüler Trogtis nicht sagen fönnen,

Strammstehen Hauptsache!

Wie sich die Deutschnationalen einen Finanzminiffer vorstellen

Einem schrecklichen Verbrechen des neuen preußischen Finanz­ministers Dr. Klepper find die Deutschnationalen auf die Spur gekommen, weswegen fie im Landtag folgende parlamen­tarische Anfrage eingebracht haben:

Der neue Finanzminister, Herr Klepper, hat sich im Juni d. I. auf dem Genossenschaftstag in Sminemünde badurch bemerkbar gemacht, daß er demonstrativ figen blieb, als sich die Versammlung zu Ehren des greisen General: feldmarschalls von Madensen erhob.

Hält das Staatsministerium das Berhalten des Herrn Klepper vereinbar mit dem Maß von Taft, das von einem preußischen Finanzminister erwartet werden muß?

Im alten Militärstaat erwartete man allerdings von einem Finanzminister, daß er vor jeder Uniform Männchen machte und vor einem leibhaftigen General in Ehrfurcht erstarb. Heute gibt es für einen Minister allerdings wichtigeres zu tun. Das Staats­ministerium hat den Anfragern mitgeteilt, daß es die Haltung Kleppers billige.