24. November
10 Pf.
Nr. 550 B 275 48. Jahrgang
= Der Abend=
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Spätausgabe des„ Vorwärts
2 med sic
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Unternehmer sind entrüstet
Weil der„ Vorwärts" die Wahrheit sagt
Der Borstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion fagt heute nachmittag. Zum Dienstag nächster Woche sind der Parteiausschuß und die Reichstagsfraktion einberufen. Der Bundesausschuß des ADGB. iff zu morgen, Mittwoch, nach Berlin einberufen. Er wird sich in erster Linie mit den neuen lohn- und wirtschaftspolitischen Leitfäßen der Reichsregierung befassen.
Die besondere Stellung, die der Vorwärts" im öffentlichen Leben einnimmt, zwingt zu einer Eraktheit der Berichterstattung, die in der heutigen Zeit, wo der Inhalt mancher Blätter fast nur noch aus Falschmeldungen besteht, beinahe unbekannt ist. Gestern fonnten wir erleben, welchen Sturm es hervorruft, wenn der Vorwärts" einmal eine Meldung veröffentlicht, die in Einzelheiten nicht ganz genau stimmt.
Wir erklären also nochmals, daß wir gestern in den legten zwei Minuten vor Redaktionsschluß einem doppelten Mißverständnis unterlegen sind: Erstens hat Genosse Graß mann die von uns wiedergegebenen Ausführungen nicht am Montag, sondern am Sonntag gemacht. Und zweitens hat er nicht zugleich für die chriftlichen und die HirschDunderschen Gewerkschaften gesprochen, sondern diese haben besondere Erklärungen abgegeben, die allerdings im sachlichen Inhalt jener des Genossen Graßmann sehr nahe kamen.
Nach dieser Entlastung unseres redaktionellen Gewissens wird es uns erlaubt sein, auf den Kern der Sache einzugehen. Uns scheint, daß die Unternehmerpresse über unsere Meldung in so große Erregung geraten ist, nicht weil Nebensächliches an ihr falsch war, sondern weil sie in der Hauptsache richtig war. Gar zu gerne hätten die Unternehmer den falschen Anschein erregt, als ob die Gemertschaften mit der These von der Unvermeidbarkeit weiterer Lohnsenkungen einverstanden gewesen wären. Da diese These am Montag veröffentlicht wurde, die zuvor abgegebenen Gegenerklärungen aber formell unter die Vertraulichkeit fielen, konnte in der Tat sehr leicht ein falsches Bild
konstruiert werden, das eine nicht vorhandene Einigkeit zeigte. Dieser feine Plan ist durch unsere Meldung zerstört
worden. Darum die Wut!
Durch unsere Veröffentlichung und die ihr folgende Intervention Breitscheids beim Reichskanzler sind die Fronten aufgehellt worden. Es ist festgestellt worden, daß die freien Gewerkschaften und die Sozialdemokratische Partei gegen die These von den unvermeidlichen" weiteren Gehalts- und Lohnsenkungen den schärfsten Einspruch erheben und daß sie sich jedem Versuch, sie anzuwenden, auf das entschiedenste widersetzen.
„ Einheitsfront!!??"
Das unten wiedergegebene Bild zeigt verkleinert einen Ausschnitt aus der Roten Fahne" von heute. Darin wird behauptet, die Gewerkschaftsführer hätten ,, gemeinsam mit den Vertretern des Monopolfapitals gefnobelt und geschachert, wie die neue Offensive zum Lohn- und Gehaltsabbau durch geführt werden kann".
Strom darf nicht teurer werden!
Städtische Vertreter gegen verhängnisvolle Tarifpläne.
Seit längerer Zeit beschäftigen sich leitende Kreise der Ber liner kraft- und Lichtwerke mit dem Plan, den jetzt beftehenden Stromtarif einer grundlegenden Umgestaltung zu unterziehen. Nicht etwa, wie die Stromabnehmer annehmen werden, um den Tarif zu verbilligen, sondern um höhere Einnahmen aus dem Berliner Versorgungsgebiet zu erhalten. Eine Berliner Mittagszeitung bringt in diesem Zusammenhang heute die Alarmwerden müffe. Diese Befürchtung fann nach unseren Informationen als unbegründet bezeichnet werden, weil es den städtischen Vertretern gelungen ist, die verhängnisvollen Pläne der Kraft- und Lichtwerke zu durchkreuzen.
Gewertschaftsführer in der Front des Lohnabbaus meldung, daß mit der Elektrizitätsverlenerung beſtimmt gerechnet
Mitoerantmortung für die arbeiterfeinblichen Befchfülle der Kapitalistenvertreter im Wirtschaftsbeirat Derhüllen. Sie wollen fich ein Alibi verschaffen. Unter dem Drud- ber 3uipigung der Alaffengegensätze madhen sie ihr Manöver, mit ein paar Protestworten abzulenten, daß sie nicht daran denten, mit der Waffe des Streifs acgen den Lohn- und Gebaltsabbau anzufämpfen.
Jn den Betrieben und Gewerkschaften macht mobil!
Die Gewerkschaftsführer geltehen in ihrer Erflärung, daß fie an dem Wirt Tchaftsbeirat teilnahmen, um. a. bie Produktionsfosten der beut Then Rapitalile j vere ringern. Eie fritikeren nur, das der Wirtschaftsbeirat fich nicht für die 40- Stunden- Woche ohne Lohnauss gleich und mit Einstellungszwang anse geiprochen habe. In der Frage der, Sandhebung des Schlichtungsvejens und der Berbindlichkeitserklärung hät ten Sie beiondere Bedenlen Brü nings Erflärung bitte weber bie Die Arbeiter und Angestellten find verraten und verfauft, Möglichkeit, die Lebenshaltungsfoiten menn fie die geringite Seffnung auf die Gemertshaftsführer legen in ausreichenbem Make tu jeulen, nach Diele Lente haben im falaijafthen ittihaitebeitot gemeinsam fonne dadurch die Belebung der Wirt mit den Bertretern des Monopalfapitals gefnobelt und geimachert, Thaft herbeigejährt werden. Ga jei ru wie die neue Offensive sum Lohne und Gehaltsabbau burdgeführt befürchten, dah die Seutung der Gestehungsfóften intelligetben fann. Sie wollen als erste des franten, verfaulenden zu Laiten der Löhne und Gehälter erfolge und die Rawilzeit Kapitelismus ihm helfen, feine Krije auf Raften der wetttätigen bez breiten allen each meiter lowägen würde. Massen zu überwinden. Die Ertlärung Brünings Mit dieser Eiflärung wollen die Gewerkschaftsführer ihre Wortlegung fiche Seife.)
Graßmonta
So unterrichtet das Zentralorgan der KPD. seine Leser! So führt es den Kampf gegen den Faschismus!
So fördert es die antifaschistische Einheitsfront"!
finden. Auch diese Hoffnung könnte sich einmal als trügerisch
ermeisen...
Der Einfluß der Stadt auf die Tarifgestaltung der Elektrizi tätsmerke ist durchaus nicht so gering, wie es in der Meldung der Mittagszeitung dargestellt wird. Nach dem Konfortialvertrag dürfen nämlich alle B Konsorten, das sind die Reichselektromerke, die preußischen Elektrizitätswerke und die Stadt Berlin , einer Stromverteuerung nur zustimmen, wenn die städtischen Vertreter damit einverstanden sind. Zudem haben auch Vertreter der Privatindustrie im Aufsichtsrat der BKL. erklärt, daß sie im Augenblick einer Berteuerung des elektrischen Stromes ihre Zustimmung nicht erteilen würden. Das aber bedeutet, daß im Aufsichtsrat der Elektrizitätswerke, der in den nächsten Tagen zusammentritt, die für eine Tarifumänderung notwendige Dreiviertelmehrheit unter feinen Umständen zusammenzubringen ist.
Die Hoffnung, aus dem Berliner Versorgungsgebiet höhere Ge= minne als bisher herauszuziehen, wird mit diesem Mißerfolg von den Kraft- und Lichtwerken kaum gänzlich aufgegeben sein. Es ist die Pflicht der städtischen Vertreter, auch die weitere Tarifpolitik der Elektrizitätswerke genauestens zu überwachen. Die StromSelbstver- preise müssen herunter, eine Berteuerung ist
Wir aber warnen die Regierung noch einmal, einen Weg zu beschreiten, der nach unserer Ueberzeugung ein Weg der wirtschaftlichen und politischen Selbstver= nichtung ist!
Die Arbeit des Reichstages.
Aeltestenrat am Donnerstag.
Der Aeltestenrat des Reichstags lift auf nächsten
Donnerstag einberufen worden. Er wird sich mit Rücksicht auf das Fernbleiben der Nationalsozialisten u. a. mit der anderweitigen Berteilung der Ausschußsize auf die anderen Parteien befassen. Ferner soll der Aeltestenrat zu Anregungen über eine Herabjegung der Diäten für die Abgeordneten Stellung nehmen.
Landtagspräsident Leinert.
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Borschlag der sozialdemokratischen Landtagsfraktion. Die sozialdemokratische Fraktion des Preußischen Landtags hat sich heute vor der Plenarsizung mit der notwendigen Neubesetzung des Landtagspräsidiums befaßt. Da fie nach dem bisherigen Der Hinweis auf den gesunkenen Kurs des Pfundes und parlamentarischen Brauch als stärkste Fraktion den ersten Prä die neuen englischen Zölle kann nicht verfangen. Die Sozial- fidenten zu stellen hat, faßte sie den Beschluß, als Nachfolger des demokratische Partei verkennt keineswegs die Bedeutung des verstorbenen Genossen Bartels den Genossen Robert Leinert = Erports, aber sie hält es nicht für möglich, einen wirtschaftlich Hannover vorzuschlagen, der früher bereits eine Reihe von zweckmäßigen Export auf einem total zerstörten Jahren als Präsident des Landtags amtiert hat. Innenmarkt aufzubauen. Ein Volk, das in seiner Masse nicht mehr Kleider und Schuhe, nicht mehr Teller und Töpfe faufen kann, ja, das nicht mehr genug verdient, um seine Arbeitskraft zu reproduzieren, verliert schließlich auch die Fähigkeit zur Arbeit für den Export. Die furchtbarsten Opfer, die für die Förderung der Ausfuhr gebracht werden, sind mit einem Schlage mertlos gemacht, wenn das Pfund weiter sinkt, wenn die Auslandszölle weiter erhöht werden. Wie oft soll dieses Spiel wiederholt, zu welchem Ende soll dieses Wett rennen geführt werden? Schließlich müssen dabei alle auf
der Strecke bleiben!
Wenn die Unternehmerpresse der Regierung rät, die Warnungen der Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei nicht zu beachten, so liegt in einem solchen Rat eine ungeheure Frivolität. Sie wundert uns nicht von Leuten, die seit je mit Katastrophen zu spielen gewohnt sind und die sich der Hoffnung hingeben, wenigstens für sie würde fich nach jedem Sturm noch ein angenehmer Ruheposten
Es ist damit zu rechnen, daß Genosse Leinert in der Mittwochfizung fomell gewählt wird.
Demokratie oder Faschismus? Republikanische Kundgebung in München . München , 24. November.
Im überfüllten Bürgerbräusaale sprach bei einer republiund des fanischen Kundgebung des Reichsbanners Sozialistischen Deutschen Studentenverbandes der Führer des öfterreichischen republikanischen Schußbundes, Nationalrat Julius Deutsch , über Demokratie oder Faschismus". Der Redner schilderte die Entwicklung des Faschismus in Italien , Ungarn , Lesterreich und Deutschland und erklärte, daß gegenüber der faschistischen Ideologie die Sozialisten die Demokratie verteidigen. Ohne gleichzeitige wirtschaftliche Befreiung der arbeitenden Mensch heit sei aber die Demokratie nicht denkbar. Der Rebner fam auch auf den deutsch österreichischen Anschlußgedanten zu sprechen und betonte, daß die Sozialdemokratie Desterreichs stols darauf fet, zu den Borfämpfern des Anschlußgedankens zu gehören.
untragbar!
Dachstuhlbrand in Wilmersdorf .
Zwei Feuerwehrleute schwer zu Schaden gekommen. Kurz vor Mitternacht brach im Dachstuhl des Borderhauses
Wei marische Straße 5 in Wilmersdorf ein Feuer aus, das mit großer Schnelligkeit um sich griff. Die Feuerwehr rückte mit drei Löschzügen an die Brandstelle und trat unter Einsatz von vier Schlauchleitungen in Aftion. Die Löscharbeiten gestalteten fich wegen der außerordentlich heftigen Berqualmung sehr schwierig. Der Feuerwehrmann Schuster erlitt eine Rauchvergiftung; bewußtlos mußte er von Kameraden ins Freie getragen werden. Bald darauf ereignete sich ein zweiter bedauerlicher Unfall. Von niederstürzenden verkohlten Dachsparren wurde der Feuerwehrmann Welling am Kopf und an der Schulterschwer verletzt. Die beiden Berunglückten wurden in das nahegelegene Wilmersdorfer Krankenhaus in der Achenbachstraße gebracht. gekämpft werden. Die Schaden ist erheblich, die Entstehungsursache Der Brand konnte verhältnismäßig schnell eingefreist und niedertonnte noch nicht geklärt werden.
Richter in eigener Sache?
Eine Anfrage über Sölling.
Ueber das Verhalten des Landgerichtspräsidenten Sölling hat Genosse Kuttner eine parlamentarische Anfrage an den Justizminister gerichtet. In dieser Anfrage wird Sölling zum Vorwurf gemacht, in eigener Angelegenheit den Richter ge= spielt zu haben. Es handelt sich um den Fall des von Sölling entlassenen Betriebsratsvorsitzenden Ernecke. Dieser hatte gegen Sölling bestimmte Anschuldigungen erhoben, deren Prüfung von einer höheren Stelle vermutlich vom Kammergerichtspräsiden ten angeordnet worden war.
Diese Nachprüfung hat sich nach der erwähnten Anfrage- in der Weise vollzogen, daß der Landgerichtspräsident Sölling sich persönlich die von Ernede als Zeugen benannten Beamten des Landgerichts I fommen ließ und an sie, seine Untergebenen, die Frage richtete, ob sie gegen ihn- Sölling- Nachteiliges zu befunden hätten. Daß diese Art der Befragung durch den angeschuldigten Vorgesetzten selber nicht gerade geeignet war. den betreffenden Zeugen den Mund zu öffnen, bedarf wohl keiner Darlegungen.
Bielleicht benutzt das Ministerium einmal die Gelegenheit, um