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Aus dem neuen Bücke �Regierung" vo» B. Traden, ji bei der BücherAildeGutenberq. Berlin� erscheint, Minzen wir diese Erzählung vom Abschied eines Indianers, der in Gefangenschaft geführt wird. Das neue Traven-Buch wird nur an Mitglieder der Büchergilde Gutenberg abgegeben. Gregorw, der Indianer, nahm seinen schweren Pocken auf und machte sich auf den Marsch voraus. Seine Frau war mit den Kindern weit auf dem Wege voran- gegangen, um dort, wo der Pfad in den Busch einbog, von ihm Abschied zu nehmen. chier hockte die Frau, mit ihrem Säugling an der Brust, ihren Mann erwartend. Di« übrigen Kinder, drei waren es, herumtollend in ihrer Näh«. Die Frau, noch Jndionerart auf den Boden gehockt, weinte still vor sich hin. dabei den Oberkörper hin und her wiegend in einem Nhythmus, der gewiß im Einklang stand mit der schmerzlichen Bewegung in ihrem Gemüt. Sie preßte und herzte ihren Säugling an sich und ließ ihn wieder ein wenig frei im gleichen Rhythmus. Es war, als ob all ihr Schmerz sich nur auf das Kleine bezog. An dem Kinde äußerte sie ihre körperliche Empfindung, die sie ihrem Manne gegenüber nicht zeigen wollte, vielleicht nicht zeigen konnte. Da kam Gregorio seines Weges, in einem wiegenden Schritt, reichlich gebückt unter der Last seines Packens. Weil er nicht aufsah, sondern infolge des Traggurtes, der über feiner Stirn lag, nur einige Schritte weit vor sich sehen tonnte. ohne weit nach rechts oder links blicken zu können, halte er seine Frau nicht bemerkt. Als er. nur gerade noch drei Schritte von ihr entfernt war und aufruckte, um die Last bester verteilen zu können, sah er seine Frau am Pfade hocken. „chuj" rief er kurz aus. Er war erstaunt, sie hier zu sehen. Er hieU seinen Schritt an, tat jedoch nur eine halbe Wendung zu ihr hin, als ob er andeuten wolle, daß er nicht die Absicht habe, stehenzubleiben oder gar zu rasten. Die Frau hielt ihren Säugling hoch, als wolle sie ihn ihrem Manne zureichen, damit er ihn noch einmal sehen möchte. Ihre Brust war bloß. Sie bemerkte es und nestelte ihr Jäckchen zu. ohne es aber zu schließen, weil sie es zu hastig tat in ihrer Bewegung. Sie richtete sich nun ein wenig auf und kniete, immer noch ihr Kind ihrem Manne hinhaltend. Dann begann sie zu schreien wie«in Tier. Ihr Gesicht, nicht gewaschen und dick aufgedunsen von nächtelangem Weinen, verzog sich zu einer Unbestimmtheit, die nur noch die Form eines weit geöffneten, bläulichroten Mundes mit kräftigen Zähnen hatte. Ihre schwarzen Augen waren nur zwei dünne Striche, aus denen sich dicke Tränen drängten. Ihr dickes schwarzes Haar war zerzaust und zerrauft und stand in ver- filzten Strähnen nach allen Richtungen hin auseinander wie die dünnen Aestchen eines unentwirrbaren Strauches im Dschungel.' Ihre kleine kurze Nase zog sich breit auseinander, und die an sich schon sehr weiten gesunden Oeffnungen erschienen wie Höhlengänge zu den Mysterien einer unbekannten Welt, die hinter der brau» roten wetterharten Haut ihres Gesichts begann. In langen gezogenen Strömen schrie sie den Klagsschrei der indianischen Frau hinaus in die Unerbitttichkest einer Umwelt, in die der Mensch gefetzt wird, zu seiner ewigen Not, behaftet mit körperlichen und seelischen Gefühlen, beklagenswerter als ein stumpfes Tier, das beneidenswert ist, keine Gefühle gegenüber der Zukunft zu haben. Es brauchte ihr niemand zu sagen: Ihr Mann wurde ihr genommen, um nie wieder zu ihr zurückzukehren. Wie ein Schaf, das vom Viehhändler aus dem Orte geführt wird, nie mehr zurückkommt. Ein Tier, das sprechen und lachen konnte, aber keine Seele hatte nach der Meinung derer, die über ihm zu Gericht saßen und es regierten. Dreckig, verlaust, katholisch getauft, aber dennoch Heide, ungebildeter als ein Hund, gierig nach Branntwein, arbeitsgewohnte Hände hart wie Ebenholz, das Haar auf dem Kopfe durchgescheuert von den rohen Tragriemen schwerer Lasten, durchgescheuert und kahl wie die Druckstellen auf dem Rücken eines Laftmules. Eine Ziffer im Schlachthaus der Launen derer, die Land und Rast« beherrschten. Die Frau kannte die Zusammenhäng«, die ihr Schicksal bc- stimmten, so wenig, wie ihr Mann sie kannte. Und so wenig wie eine Kuh, die von dem Händler über Land getrieben wird, um im Fleischladen zu landen, daran denkt, an geeigneter Stelle fort- zulaufen, so wenig denkt die Frau daran, daß ihr Mann zurück- kommen könnte. Sie sieht, wie Vieh fortgebracht wird, und weil fie aus hundert Erfahrungen weiß, daß die großen Patroncitos, die Herrchen mit dem Revolver im Gürtel, keinen Unterschied kennen oder machen zwischen Vieh und Indianer, darum weiß sie, daß sie ihren Mann zum letzten Male hier sieht. In ihrem gellenden Jammer ist kein Gedanke verborgen, der sich egoistisch auf st« selbst bezieht, was aus ihr und aus den Kindern werden soll. Das berührt sie nicht. Die Kinder wurden ihr geboren, und die Kinder werden essen und leben. Das Morgen ist weit, und wenn es kommt, wird sich der Tisch decken. Ihr Jammer Ist jetzt in seiner vulkanischen Kraft nur auf das «Schicksal ihres Mannes gerichtet. Ihr Mann ist chr in ihrem Herze» leid weder Bettgenoste noch der Versorger ihrer Kinder. Das ist wenig. Dorum würde sie keinen Schrei ausstoßen, vielleicht kaum die Mundwinkel oerziehen. Aber chr Mann ist der Vater ihrer Kinder, die ihr Herzblut sind. Ihren Kindern wird die Gottheit genommen in ihm. Den Kindern wird der Altar zerstört, an dem sie beten. Und für sie selbst, die Frau, wird der Mittelpunkt des Lebens zerstört. Ibr Mann mag ein Trunkenbold sein, er mag sie schlagen, er mag sie arbeiten lasten bis an das End« ihrer Kräfte; aber trotz alledem, er ist der Kernpunkt ihres Seins. All ihr Denken, Handeln und Sorgen sammelt sich auf ihn, er ist ihre Religion, ihr Herr, ihr einziger Freund und ihr treuester Kamerad. Er stt ihre wahr« Heimat. Er ist das einzige Baterland, das sie kennt. Mit ihm und durch ihn Ist die Welt um sie herum belebt. Ohne ihn bricht die Welt in Stücke. Nicht ihre wirtschaftlichen Probleme sind mit ihm verknüpft. Diese Probleme vermag sie mit Hilse der Sippe zu lösen, schwer vielleicht, aber doch mit gewisser Sicherheit. Es sind ihre seelischen Probleme, die ohne ihn leer und verschwommen werden. So wie unpersönliche Menschen in ihrer Seele leer werden, wenn ihnen ihr Gott oder ihr Götze oder ihr« Heiligen genommen werden. Sie jammert nicht um sich, sie bemitleidet sich nicht. Ihr er- schulternder Jammer ist der Ausdruck ihres Schmerzes ihres körper- lichen Schmerze» beinahe, well sie ausetnandergeristen wird, und ein Stück ihes Seins, das größere Stück ihres Seins und Wesens. oon ihr geschnitten wird. Ihr Schreien brachte ihre herumtollenden Kinder herbei, die sich nah« an sie drängten und zu weinen begannen, als st« ihr« Mutter in Trauer sahen. Gregorio, der stehengeblieben war und sich ihr lzalb zugewandt hotte, sie anblickend, als ob st« schon nicht mehr zu ihm gehör», hatte weitergehen wollen,
Als er aber feine Frau in dieser wilden Verzweiflung sah, und mehr noch vielleicht durch den zappelnden Säugling, den ihm seine Frau wie eine Opfergabe entgegenstreckte, kam er dicht zu ihr heran, ließ sich auf ein Knie nieder und zog seinen Kopf aus dem Troggurt hervor. „Täte, Täte*, riefen die Kinder und krabbelte» an ihm herum. Ihr Weinen oersiegte sofort, als sie sahen, daß ihre Müller sich beruhigte im Augenblick, als sie ihren Mann an ihrer Seite hatte. Es waren nur wenige Minuten, die er hier verweilen konnte. Aber mit allen Sinnen und Gefühlen iin Augenblick lebend, waren diese eilenden Minuten für die Frau gleich Jahrhunderten im Er- lebnis. Auch nicht einer dieser wenigen Minuten wurde eine Sekunde geraubt, um sie an einen einzigen Gedanken an die Zukunft zu vergeuden. Keine dieser Minuten kam je wieder; und was in ihr nicht empfunden und erlebt wurde, konnten Ewigkeiten nicht erzeugen. Gregorio zeigte keine Bewegung in feinem Gesicht oon dem, was in ihm vorging. Er bewegte die Lippen, als wären sie am Vertrocknen. Er nahm den Säugling aus den vorgestreckten Armen seiner Frau, schaukelte ihn, hielt ihn ein wenig auf seinen Knien, berührt« sein Gesicht zart und kosend mit den runden braunen Bocken des Kindes. Aber er sagte nicht ein Wort. Die Frau schluchzte leise in sich hinein und rückt« ganz nahe, um ihren Mann zu fühlen. Einige Male sagte sie:„Gregorio, Gregorio.* Es waren die einzigen Worte, in denen sie alle ihre gegenwärtigen Gefühle aus- zudrücken vermochte. Er gab ihr keine Ratschläge, was sie tun sollte, wenn er fort sei. Sie fragte ihn auch nicht darum. Das waren Dinge, die zu behandeln genug Zeit war, wenn sie drängten. Die Kinder hatten wieder begonnen herumzutollen. Der Mann und die Frau saßen still beieinander, ohne sich anzusehen. Beide sahen vor sich aus den schmalen Pfad, als ob sie die verwischten Hufspurcn der Pferde und Mules, die da gegangen waren, auf ihr Aller prüfen wollten. Es ist gewiß, daß die beiden nichts dachten, daß die Umwelt vor ihnen oerschwand, und daß sie sich ausgelöscht fühlten aus ihrem bewußten Dasein wie in einem tiefen Schlafe. Aber plötzlich wurden.sie aus diesem Schlafe aufgerissen, hart und unerbittlich. „Ollah, Gregorio, voran, voran!* Don Gabriel kam angerillen mft seiner Frau. Die Frau ritt voran, das Tragmule folgte, und hinten rill Don Gabriel. „Orito, Patroncito, mein Herrchen*, antwortete Gregorio, „ya me voy, ich komme schon.*
9r richtet» sich auf bot Mefn Worte» mä 9a Säugling zurück. Don Gabriel, ohne auch nur ein« Sekunde zu halle «, ritt unbekümmert weller. Er wußte, Gregorw kommt nach. Die Frau preßte das Kleine sofort wild und verzweifell an sich mit llberhasligen und wirren Bewegungen ihrer Arme und Hände. Da sie ihren Mann nicht umarmen und an sich pressen kannte, weil das gegen ihre Sille verstieß, sie sich aber gedrängt fühlte, körperlich auszudrücken, was sie in diesem Äugenblick empfand, um sich zu befreien, darum überlud sie ihr Meines mll den Umarmungen, die in ihrem Herzen ihrem Manne galten. Sie blieb hocken auf ihrem Platze. Sie preßte ihre Lippen fest zusammen und sah mit großen Augen aus zu ihrem Manne, alle sein« Bewegungen des Aufbruchs verfolgend, so, als wolle si« jene Bewegungen lernen. Mehrere Male schüttelte sie heftig den Kopf, als wolle fie etwas verneinen, well es nicht möglich fein könne. Während sie ihrem Manne zusah, wie er aufpackte, ergriff fie hin und wieder ein Händchen des Kleinen, preßte es wie im Krampf zwischen ihre Finger und schob e» In ihren Mund, leicht, aber doch völlig unbewußt ihrer Handlung, daran kauend und saugend. Gregorio halle seinen Packen geordnet Er setzte sich nieder, legte den Gurt über den Kops, warf den Oberkörper mit einem kurzen sprungartigen Ruck nach vorn und stand dabei auf. Mit der Last auf dem Rücken wandte er sich nun seiner Frau zu. Er reichte chr die Hand und sie berührten, nach der Weise ihrer Rasse, die ersten Glieder ihrer Finger, ohne die Hand zu drücken. Aber ehe sie die Hände voneinander trennten, grifs die Frau fest zu. nahm die Hand ihres Mannes und küßte sie. Sein Gesicht wurde trübe, als zöge ein dünner Schleier dar» über hin. Er preßte die Augen halb zu, schluckte einmal gurgelnd in der Kehle und grifs mit der linken Hand zu dem Gurt über der Stirn, als müsse er ihn bequemer rücken. Für den Hauch einer Sekunde preßte er sein« Hand gegen die Lippen seiner Frau. Dann zog er die Hand heftig zurück. Die Frau hielt chm den Säugling zu. er legt« seine Finger» spitzen auf das Haar des Kindes. Ihre Stimme in Gewalt nehmend, rief die Frau:„Muchachos, Täte geht* Die Kinder kamen herbei. Jedes, auch das Allerkleinst«, ergrifl die Hand des Vaters und küßte sie. Er berührte da» Haar jedes Kindes als Gegengruß. Die Kinder schlängelten sich wieder von dannen. Er stand eine Weile vor seiner Frau, sah sie an in der un- gewaschenen und verdrcckten Kümmerlichkell chres stillen Jammers, den Säugling an der nackten Brust hängeich, chr« Augen ver- quollen und mit großen kugeligen Tropfen durchschwemmt auf ihn gerichtet, chre nackten Beine mit den krustigen bloßen Füßen vor- gestreckt aus dem schwarzen zerlöcherten Wollkillel, den Inbegrisf seiner Heimat und seiner Well. Dann drehte er sich rasch halb um uich ging seines Weges, ohne noch etwas zu sagen, ohne sich umzublicken, ohne anzuhalten. Nach zehn Schritten hatte ihn der Busch verschlungen.
3>uck: SMrm unter 3sland
Di« Backbordseite des Dampfers verschwindet unter einem Brecher— das ist nun einmal so- bei � einem Fischdampfer. Der Koch legt zwischen die Schlingerleisten um den Tisch Querleisten, die jeden Teller, jeden Naps in ein besonderes Fach zwängen— auch nichts Neues. Die Schlafenden in den Kojen rollen mit dumpsem Stoß gegen die Laden, die die Kojen vom Eßraum abschließen— den bleiernen Schlaf der Uebermüdung sprengt der Stoß nicht. Erst als die Schraube in atemlosem Heulen durch die Lust wirbelt, fahren die Schläfer auf. Und schon brüllt es den Treppenschacht hinunter:„Hieven! Alle Mann und der Koch!* In die steifen Filzhosen kann man mit dem Schwung des über- holenden Schiffes hineinfahren. Die schenkellangen Gummistiefel zerrt ein Ruck bis zu den Hüsten hinauf. Das Oelzeug knittert und knarrt beim Umnehmen. Mal steht die Trepp« senkrecht, mal liegt si- so flach, daß ihre Stufen überflüssig sind, mal Holl sie so über, daß man nur noch an den Haltetauen hängt. Der Maschinen- telegraph schlägt an. Der zweite Steuermann brüllt zum Maschi- nisten hinunter:.Lienen , Damp an de Winsäft* Sturm ist aufgekommen. Der Fischdampfer muß das Schlepp- netz einholen, um nicht durch fein Gewicht unter die immer größer werdenden Brecher, in die Tiefe, gezogen zu werden. Mensch und Maschine, Armkraft und Dampskraft gegen Wellen und Netzgewicht. Wird die rechte Zeit oerpaßt, sind Welle und Strömung schon zu stark, dann muß gekappt werden. Lieber das Netz für eineinhall» tausend Mark zum Teufel als das Schiff und seine dreizehn Mann. Sturm unter Island , Sturm gegen Island . Aus Südost führt der Wind die Riesenwasser des Atlantik heran gegen die Südküste mll ihren Klippen und Sümpsen. Er jagt die zerschrundenen weißen Totenarme der Gletscher hinaus bis zu den erstarrten Kratern des Batna Iökull. Er peitscht haushohe Brandung über den Strich, an dem sich Wasser und Land berühren. Wehe dem Segler, der in der Nähe der Küste ist! Die Dampfwinde pufft und rattert. Liegt der Dampfer gut, so fliegen die armdicken Stahltrossen, an denen das Netz hängt, geradezu auf die Trommeln. Die Rollen, durch die sie laufen, werden im Nu so glühend heiß, daß das Seewasser zischend aus ihnen verdampst. Dann aber legt sich eine neu« Welle zwischen Schiff und Netz. Die Leinen stehen, zum Zerreißen gespannt. Die 30 Pferdekräfte der Winde drücken sie um keinen Zoll weiter. Sprungbereit lauert in den Nischen uicd Ecken des Ausbaues der Reeling die Mannschaft. Wenn die Scherbreller am Vordcrende des Netzes hochkommen, setzen ihre Arme ein. Doppelte, dreifache Zeit braucht es diesmal, eh« die 200 Meter Stahltrossen emkommen. Minutenlang scheint es, als wenn alle Mühe vergebens fei, als wäre das Netz von eisernen Händen aus dem Meeresboden fest- gehalten. Aber hartnäckig stößt und rasselt die Winde: ihr heißer Wasserdampfatem zischt aus den Kolbenzylindern, Ruck und Hall. Zug und Stoß— es glückt. Die Zähiakeit der Winde siegt Polternd prallen di« Scherbretter aus dem Wasser hoch an die beiden hohen eisernen Galgen über die Reeling. an Ihnen dos schwarze, auf den Wellen tanzende Netz. Mann an Mann hockt die Bemannung an der Reeling: das Netz muß eingsschökelt. eingeholt werden. Weit beugt sich der Leichtmatrose über Bord: eine Welle jchlSg, Ihn an, will ihn, abzurgelnd. über Bord reißen— im letzten Augenblick packt ihn der Netzmacher, reißt ihn zurück. Ein» neue Wells: die Leute dncken sich, aber die obere Netzseite haben sie gepackt und lassen sie nicht mehr lo». ,Li«o op— zu— gleich— ruck. zuck—*. Als nach zwei Stunden die Männer in die Kojen hinunter- torkeln, mffchen sich Schweiß und Seewasser auf den Körpern und die Hände sind rot und rissig, vom kalten Meer und scharfen Netz Sechzig Zentner Fische waren im Netze; sechzig Zentner Fische hat man wieder üb« Lord geworfen. Wer sollt« s» schlachten und
wegpacken auf dem Verdeck, über das ein Brecher nach dem andern geht? Es prasselt, hämmert, klatscht gegen die Bordwände, als koche die See. Luken und Türen sind dicht.(Durch den drei Meter hohen Ventilator ist ein Brecher ins Schiffslogis geklatscht und hat die Notlampe in Stücke geschlagen.) Auf der Brücke hängen zwei Mann am Ruderrade. Die Maschine dampft vorsichtig, mit halber Kraft, gegen die Wellen auf. Der Sturm hat zugenommen. Schräg von vorn toben die Brecher heran, steilen sich an der Bordwand. stürzen aufs Deck hinunter. Ein Zittern geht dann durch den Schiffsrumpf, ein Stocken, wie ein banges Atemoerhallen. Dann heben sich Back- und Stcuerbordseite langsam ans dem grünlich- weißen Glast der gestrandeten Welle; die Reelingsklappen kommen hoch: gurgelnd, widerwillig fließt das Wasser ab. Draußen stellt sich die neue Welle. Ein hartes, gefährliches Muß. das Aufdampsen. Die Schraube, so langsam sie geht, dreht den Rumpf ins Wasser, unterstützt die hinabdrückende Wucht der Wellen. Aber es muß sein, denn hinten droht di« Küste. Aus der englischen Seelart« im Kartenhaus ist Wrack neben Wrack an dieser Küste verzeichnet. Fünf Schutzhüllen, mit Teerfässern, Petrolemnöfen, Decken und Proviant für zwanzig Mann hat Island vorsorglich an die gefähr- lichsten Kaps gestellt. Der Käpten läßt die 5)and nicht vom Maschinentelegraphon. Holl ein besonders furchtbarer Brecher zum Prankenschlag aus. dann reißt er den Hebe! auf ,LaIt*. Wehe, wenn das Manöver versagt, das Deck nicht hoch ist, ehe der zweite Brecher sich zum Ueberstürzen neigt! Und immer noch steigert sich das Rasen des Wassere. Es scheint, als träfen erst jetzt die Reserven aus dem weiten Atlantik auf dem Kampfplatz ein. Das Meer ist ein brodelndes, tobendes Gebirge tiefgrüncr Klüfte und schaumrveißer Kämme, einer hinter dem anderen, soweit das Auge reicht. Dichter und dichter scharen sich die Schaumkämme, tiefer und steiler werden die Wellenschluchten. Immer höher hinaus lecken die Brecher. Schon fliegen Schaum- flocken und Spritzer über dir Brücke hinweg: schon langt der erste Brecher über den Dom, die erhöhte Maschinenkuppel über dem Mitteldeck. Backbord taumelt ein losgerissenes Netzende ins Wasser. Eine Sekunde später fließen zehn Meter Netz über Bord. Als die Matrosen zupacken, sind's zwanzig Meter. Der zweite Steuermann geht fast über Bord; das Netz will nicht zurückkommen, im Zerren und Stürze-, der Brecher. Eine Kanne Oel heran; Oel aufs Wasser, Zerren, Balancieren Festkleniiiier. Anhievcn... Das Einholen und Festzurren hat zwei Kannen Oel , eine zer- schundene Hand und eine blaugeschlagene Schuller gekostet. Das nennt man gut abgelaufen! Eine halbe Stunde danach splittert das Steuerbordfenster des Kartenhauses in tausend Trümmer unter dem Schlag eines be- sonders hohen Brechers. Das Wasser sprüht durch Tür. und Feifftersugen über die Brücke, als regne es. Nichts ist vom Bordeck zu sehen. Es geht nicht weiter mll dem Abdampfen. Stoppen! Und Treiben! Korkenspielen, solange der Spielraum zur Küste reicht. Wenn's gut gehl, flaut der Sturm bald ab: wenn's schlecht geht, muß unter der Küste wieder aufgedampft werden. Treiben und Ausdampfen, Begrabenlein unter den Brechern und Hochgeschleudertwßrden oon drunterweg lausenden Wellen, vier Stunden, sechs Stunden, acht Stunden. Dann weben dunkle, graue Schleier um die weißen Krater der Berge. Nebel und Regen kommen auf. Nebel und Regen schlagen den Sturm nieder. Und dann-- -- tsa, dann muß weitergesischt werden. Die zehn Stunden Sturm, die 00 Zentner über Bord geworfener Fische sind wieder einzuholen. Hochseefischerei ist Industrie, und ein Fischdompser ljt mm mal zum Fijcheu da.