Morgenausgabe
Rr. 1 A 1
49.Jahrgang
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Der Vorwärts" erscheint wochentäg lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abendausgabe flir Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der bend". Juftrierte Gonntagsbeilage Bolt und Zeit".
Freitag
1. Januar 1932
Groß- Berlin 10 Pf.
Auswärts 15 Pf.
Die einspalt. Nonpareillezeile 80 f. Reklamezeile 5,- Rin. Kleine An zeigen" das fettgebrudte Bort 25 Pf. ( zuläffig zwei fettgedruckte Worte), jebes weitere Bort 12 Pf. Rabatt It. Tarif. Stellengefuche das erste Wort 15 Pf jebes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochen täglich von 8 bis 17 Uhr. Der Berlag behält sich das Recht ber Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor!
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Eiserne Front 1932!
Hier ist die Einheitsfront!
3wischen Sozialdemo
kratie undNationalsozialismus fällt im Jahre
1932 die Entscheidung.
Siegt der Nationalsozialismus, so wird die deutsche Arbeiterbewegung mit einem Schlage bis weit hinter die Kaiserzeit zurückgeworfen. Ungeheure Opfer werden dann nötig sein, um die Positionen zurückzuerobern, die wir heute halten.
Siegt der National sozialismus im kommenden Jahr nicht, dann hat die kapitalistische Reaktion ihre lehte politische Karte ausgespielt und das Spiel verloren. Dann steht die Arbeiterbewegung vor einem neuen gewaltigen Aufschmung. Aufgaben von ungeheurer Bedeutung werden an die Partei herantreten.
Wie stehen die Aussichten?
Der Nationalsozialismus kann nicht warten. Dieses Heer von Landsknechten hat der Wind der Wirtschaftskrise zusammengeblasen. Der nächste Windstoß wird es wieder auseinandertreiben, wenn ihm nicht zuvor ein beutereicher Sieg inneren Halt und Festigkeit verleiht.
Die Nationalsozialisten können nicht warten.
Wir
können es. Wir haben diese schwerste Kunst politischer Das Jahr muß unser sein! Strategie in harter Schule gelernt. Mögen von denen, die am Rande der Partei stehen, manche ungeduldig werden und davonlaufen. Unsere politisch geschulten Kerntruppen wissen, daß nur, wer warten, ja, vorübergehende Mißerfolge ertragen kann, den endgültigen Sieg gewinnt.
Das Jahr 1932 wird vorübergehen, ohne daß es dem Faschismus gelingt, die Macht zu ergreifen. Seine enttäuschten Massen werden ebenso rasch die Propheten von heute verlassen, wie sie ihnen zugelaufen sind. Das wissen die nationalsozialistischen Führer, und darum heißt es für sie: Jezt oder nie! Ausbleiben des entscheidenden Sieges ist gleich bedeutend mit entscheidender Niederlage.
Diese Niederlage werden wir dem Nationalsozialismus im neuen Jahr bereiten. Wir, die eiserne Front der Arbeiterorganisationen. Hier ist die proletarische Einheitsfront, nicht bei den Kommunisten, die im August mit den Nationalsozialisten und Deutschnationalen ihre Einheitsfront im Dolksentscheid bildeten, die noch heute die Sozialdemokratie für den Hauptfeind erklären.
Das Jahr 1932 muß unser sein! Unser Aufmarsch gegen den Faschismus ist in vollem Gange. Dorwärts zum Kampf gegen den Faschismus, vorwärts zum Kampf für Freiheit und Recht in Deutsch land , das ist die parole, nach der wir im kommenden Jahre kämpfen werden.
Wir müssen das deutsche Dolk vor der politischen Katastrophe bewahren. Wir werden verhindern, daß die Re publik und ihre Derfassung, daß die Freiheit und das Recht im Chaos der Krise untergehen. Wir wollen nicht nur verteidigen, wir greifen an! Was wir wollen, ist nicht Gewalt, vielmehr die Abwehr der Gewalt! Was wir wollen, ist die Front aller demokratisch und freiheitlich gesinnten Deutschen gegen die Feinde 1932, das Jahr des Sieges! Hinein in den Kampf! Her der Republik . Was wir wollen, ist Begeisterung wecken für den Kampf gegen die Feinde der Freiheit.
Hauptfeind der Arbeiterklasse ist, wer jetzt den Bruderkampf schürt. Diese Zeit duldet keine 3ersplitterung! Sie fordert eisernen 3usammenhalt! Uur, wo die Front gegen den Faschismus steht, wehen in Wahrheit die Fahnen des Sozialismus.
zu uns!
In den politischen Kämpfen des Jahres 1932 wird sich das Schicksal nicht nur der Demokratie, sondern der gesamten deutschen Arbeiterbewegung entscheiden. Wir wissen, daß in faschistisch regierten Staatswesen. für Ge
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ganzen Machtapparat mit fester Entschlossenheit bis zum letzten einzusehen.
Der Fatalismus gewisser Krcise beruht auf einer falschen Einschätzung der gegebenen Kräfteverteilung. Er nimmt das großsprecherische Treiben der Nationalsozialisten für ein Zeichen von Stärke und verkennt die Bedeutung der Gegenkräfte, die mehr auf ruhiges Handeln eingestellt sind. Diese Kräfte sind stark genug, dafür zu sorgen, daß die Bäume des Nationalsozialismus nicht in den Himmel wachsen. Unsere parole für 1932 heißt Einigkeit und
Th. Leipart,
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Was wir wollen, ist die Sicherung der staatlichen Grundlage für ein freiheitliebendes, schwer kämpfendes Dolk, dessen arbeitende massen das Elend der Krise mannhaft getragen haben, ohne sich dem poliitschen Wahnsinn in die Arme zu werfen, wie große Teile des Bürgertums!
Wir werden von Januar bis mai alle Kräfte darauf konzentrieren, den politischen Sieg zu erringen über die Bürgerkriegspsychose, über die Großmäuligkeit der Diktaturanbeter, über die Parteien der Gewalt und der Unfreiheit. unsere Offensive soll wie ein frischer Märzensturm in die geistige Derworrenheit und den Untertanenstumpffinn hineinblasen, der breiteste Kreise des Bürgertums erfaßt hat.
Unsere Front steht! Wir reihen uns ein in die eiserne Front! Wir sind der Hort der Freiheit in Deutschland !
Unser 3iel: Das Jahr 1931, dies Jahr des politischen Wahnsinns, des Uebermuts der Feinde der Republik , des Gehirnkrampfs des deutschen Bürgertums, auszulöschen und den Kräften der Freiheit Bresche zu schlagen zu neuem Aufstieg! Karl Höltermann ,
Dorsitzender des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes . geschäftsführender Dors. des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold
werkschaften als Selbstvertrauen! unabhängige Dertretungen von Arbeitnehmerinteressen kein Play bleibt. Kampf gegen den Faschismus ift darum für die Gewerkschaften cin notwendiger Akt der
Kampfjahr 1932 Arbeitersport in Front!
Selbstbehauptung. Jeder Die geistige Waffe des Arbeiters ist
Arbeitnehmer muß sich
der ,, Vorwärts"
eine Vorstellung davon machen, was eine Unterdrückung der Arbeiterorganisationen und ein Verschwinden der gewerk- Im neuen Jahr beginnen die großen Ausschaftlichen Errungenschaften bedeuten würde. Die Egi- einandersetzungen um die Zukunft der deutenz der Gewerkschaften ist keine Ange- schen Republik. Die Reichspräsidentenwahl legenheit, die nur die gewerkschaftlich Grganisierten angeht. Ein jeder Arbeitnehmer ist und die Wahl zum preußischen Landtag werden Teilnehmer an den Erfolgen der Gewerkschaften, und für alle zu Brennpunkten der Auseinandersetzung mit würde ein Aufhören des Schußes, den ihnen die Macht der den Feinden der demokratischen Verfassung Gewerkschaften gewährt, ein hinabsinken in furchtbare werden! Knechtschaft bedeuten.
Wer die Front der Gewerkschaften stärkt, der stärkt in der wirksamsten Weise die Front gegen den Faschismus, für die Demokratie, für die bedrohten Arbeiterrechte.
Wer aber die Gewerkschaften schwächen, ihren inneren 3usammenhalt stören will, leistet der faschistisch verkleideten Sozialreaktion Helferdienste.
In diesem Kampf gegen den Faschismus steht der ,, Vorwärts" an führender Stelle!
Lest den Vorwärts"! Stärkt die Arbeiterpresse für die bevorstehenden Kämpfe. Es liegt den Gewerkschaften nicht, große Worte zu Der ,, Vorwärts" ist ab 1. Januar machen. Ruhige Abschätzung der gegnerischen Kräfte und der cigenen dünkt ihnen wichtiger. Uebercilie Kraftproben zu billiger. Abonnementspreis beträgt peranstalten, ist nicht ihre Sache. Wo es aber um eine große geschichtliche Entscheidung geht, werden sie nicht zögern, ihren monatlich 3,25 M., wöchentlich 75 Pf.
Für die deutsche Arbeiterschaft wäre es sehr einfach, wenn eines Tages eine verfassungsmäßige Rechtsregierung das Erbe Brünings antreten würde. Danu wäre die Stellung ihrer politischen Dertretung als einer streng legalen Opposition von selbst gegeben, und alle politischen Kämpfe würden sich in Formen abspielen, die eines Kulturvolkes würdig sind. Die Grganisationen des Arbeitersports, deren Aufgabe es normalerweise nicht ist, in
den politischen Tageskampf einzugreifen, dürften sich dann mit der Rolle eines interessierten Zuschauers begnügen.
Aber der deutsche Faschismus, hinter dem noch ganz
andere Kräfte stehen als der operettenhafte Besiger des