„ Das Leben ist nicht nur Not!" S- Bahntarife viel zu hoch!
Im riesigen Saalbau Friedrichshain ist nicht ein Blaschen frei; die Bezirksämter Prenzlauer Berg und Friedrichshain haben im Rahmen der Boltsbildungsabende das Berliner Philharmonische Orchester engagiert und für ganze vierzig Pfennige es Hunderten von Menschen ermöglicht, einen ge. nußreichen tünstlerisch wertvollen Abend zu perleben.
,, Es kommt ja gar nicht so unbedingt darauf an, daß der zu hörer das rein Formale der gebotenen Mufit beherrscht", meint Professor Genosse Leo Kestenberg in seinem einführenden Bortrag.„ Es kommt vor allem darauf an, daß wir durch die Musif, als einem überaus wertvollen und lebendigen Kulturfattor, für ein paar Stunden herausgeriffen werden aus der Misere des trostlosen Alltags mit der beschwingenden Erkenntnis, das Leben bestehe nicht einzig aus Not, Elend und Kummer. Es gibt der wertvollen Genüffe viele, die nicht dem wirtschaftlich Starken erreichbar sind." Dann erklärte der Vortragende in furzen Worten die Psyche der einzelnen Komponisten; den Wiener Schubert in feiner romantischen Verträumtheit, die mit der heiteren Beschwingt heit des österreichischen Temperamentes wechselt, dann den Russen Ischaikowsky, den Lohn einer Landschaft endloser, trostloser Steppen, die ihren Kindern den Stempel tiefer Melancholie in die Miege legt. Das Programm brachte Schuberts ,, Symphonie C- Dur" in vollender Wiedergabe; mie fangen die Geigen, wie flüsterte das Cello im Aandante, um in ein fröhliches Jubilieren des Allegro Bivace überzuleiten. Es folgte Tschaikowskys prächtige Ouvertüre ,, Romeo und Julia" und die Ouvertüre zu ,, Ruslan und Ludmilla" von Glinfo. Der Solist des Abends, Karl Fedniz, sang mit schönem marmem Bariton Russenlieder. ,, Eugen Onegin " von Tschaikowsky , „ Fürst Igor " von Borodin und Mussorgsfis„ Boris Godunow ". Reicher, nicht endenmollenber Beifall belohnte Sänger und Mufiter unter ihrem feinfühligen Dirigenten Ostar Schumann.
Bielleicht war die volksbildnerische Arbeit nody nie wertvoller als in unserer jetzigen Zeit völliger innerer und äußerer Zerriffen heit, vielleicht war es nie so ungeheuer wichtig, all den zermürbien, verzweifelten Menschen ein kurzes befreiendes Aufatmen zu vermitteln.
Der erschwindelte Gand.
Korruptionsstandal vor dem Potsdamer Stadtpartament. Anfrage der Sozialdemokraten.
In der gestrigen Potsdamer Stadtverordneten. sizung wurben die Neuwahlen des Stadtverordnetennorstehers, ber beiben ftellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher, des Sorist führers und des Beisitzers vorgenommen. Mit großer Mehrheit murde der bisherige Stadtverordnetenvorsteher Rechtsanwalt Dr. Rosbund wiedergewählt. Bei der Besetzung des stellvertratenben Stadtverordnetenvorstehers unterlag der sozialdemokratische Randidat, Rechtsanwalt Dr. Levy. Gewählt wurde der Bolfs parteiler Regierungsbaurat Ostmann mit 25 Stimmen gegen
15 Gtimmen.
Nach der Wahl folgte die Behandlung der Anfrage der fozlatbemotratifchen Fration über die Beslechungsfälle im Hoch- und Tiefbauamt. Oberbürgermeister Rauscher nahm dazu das Wort. Er erflärte, daß er nur das sagen könne, was ihm die Staatsanwaltschaft über die bisherigen Ergebnisse in der Beftechungsaffäre mitgeteilt habe. Danach richtet sich die Untersuchung gegen ben Stadtbauamtmann Riesling, Stadibaninfpettor Rauh und den Techniker Gerbracht. Kießling hat zugestanden, 12 000 Mart erhalten zu haben. Er bestreitet auch nicht, die Unrichtigfeit der Abrechnungen gefannt zu haben. Etwa 60 000 kubikmeter Sandmassen beim Durchstich des Brauhausberges wären mehr berechnet worden. Rauh scheint überführt, 8000 Mart von einem Botsdanter Baunternehmer für pflichtwidrige Handlungen erhalten zu haben. Die Anllage gegen Rauh stehe demnächst bevor. In bezug auf den Fall Beneris erklärt der Oberbürgermeister, daß der Fall Beyerts mit dem Brauhausberg absolut nichts zu tun habe. Auf der Pressetribüne sah man den Staatsanwaltschaftsrat Herzog, der die Ermittlungen in der Bestechungsaffäre Icitet.
Für Volfs: und Heimatskunde.
Ein Ostpreußen - Museum in Berlin .
Wir haben in Berlin in der Klosterstraße bas staatliche Museum für deutsche Bottstunde, das einzigartige Schäße an Rolfstrachten und anderen heimatfundlichen Gegen ständen beherbergt. Leiber aber ist dies Museum in Räumen untergebracht, die, da sie piel zu flein sind, der in ihm aufbewahrten Schäße nicht würdig sind. In diesem Zusammenhang ist uns eine Nachricht von Interesse, die der Reichsverband der helmattreuen Oft und Westpreußen , der in 430 Vereinen die im Reiche lebenden gebürtigen Ost- und Westpreußen erfaßt, veröffentlicht. Er trägt sich mit dem Plan, in Berlin ein Ost- und Bestpreußen Museum einzurichten. Das neue Museum soll, möglichst unter Mitarbeit aller an der Ostpreußenwerbung interessierten Stellen in der Provinz Ostpreußen , in Danzig und in den Resten der ehe maligen Provinz Westpreußen selbst, einen lieberblick über alles das geben, was Ostpreußen bietet und was es historisch, tulturell und wirtschaftlich in Bergangenheit und Gegenwart für Deutschland bedeutet. In diesem Rahmen soll auch der Osten als ein Reiseland", das immer größere Beachtung findet, Berücksich tigung erhalten. Ueber Ort und Zeit der Eröffnung des Museums lassen sich zur Zeit noch keine Angaben machen, da sich der Plan bisher noch im Stadium der ersten Vorarbeiten befindet.
Sollte dieses begrüßenswerte Vorhaben Wirklichkeit werden, fo wäre zu erwägen, ob nicht das Museum für Ost- und West preußen mit dem Museum, das bisher in der Klosterstraße feine Heimstatt hatte, in einem eigenen würdigen Gebäude zusammen gelegt werden fönnte. Gewiß sind die Zeiten nicht dazu angetan,
Per
Wann kommt die längst fällige Verbilligung?
Wir erhalten aus Angestelltenkreisen folgende Buschrift:
Bei der Senfung der Frachttarife der Reichsbahn erhoffien viele auch eine Tariffentung bei der Berliner S- Bahn. Leider haben sich bisher diese Wünsche nicht verwirklicht. Die Reichs bahn übergeht hierin die zehnprozentige Senkung der Preise, als gehöre sie nicht zu dem in Frage kommenden Kreis. Und doch ist gerade bei diesem Berkehrsmittel, das viele Tausende täglich bes nußen müssen, eine Sentung der Fahrpreise notwendig. Durch die Schaffung großer Stadtrandsiedlungen, die sich bis Bernau , Oranienburg , Belten, Fürstenwalde, Königswusterhausen , Werder usw. erstrecken, ist ein Heer von Benuzern enistanden, deren Fahrkosten zur Arbeitsstätte erhebliche Beträge des Lohnes oder Gehalts verschlingen. Tausende Angestellte benötigen sogar zwei Monatsfarten im Verkehr zum Stadtinnern. Die Monatstarte Bernau- Stettiner Bahnhof z. B. fostet 15 M., U- Bahn- Monatstarte 12 Mt., ins gesamt 27 M. Fahrkosten. Auf anderen Vorortstrecken erreichen diese Doppelfahrkosten sogar die Höhe von 30 m. Viele der Beschäftigten haben nach mehrmaligem Abbau nur noch ein Bruttogehalt von 120 bis 150. monatlich( weibliche Arbeitskräfte oft nur die Hälfte der angegebenen Säge). Demnach
befragen die Fahrkosten zur Arbeitsstätte oft 20 bis 40 Pro3. des Gesamtverdienstes.
Ein auf die Dauer unmöglich zu tragender Zustand. Es wäre sehr erwünscht, wenn der Herr Reichskommissar Bördeler eine Preis: fenfung veranlassen würde, gegebenenfalls durch die Schaffung einer Uebergangszeittarte von der Reichsbahn zu den städtischen Verkehrsmitteln. 2ößt sich diese alte Forderung heute nicht ver mirtlichen, dann herunter mit den Zeitfartenfahrpreisen der S- Bahn um 10 Proz.! Mir, die wir aus den Mietfasernen zurüd zur Natur
,, Einblick in das Dritte Reich."
Die nächste Kundgebung des Reichsbanners.
Die nächste Kundgebung des Reichsbanners, die tur Rahmen einer politischen Aktion am Dienstag, dem 12. Jannar 1932, 20 Uhr, im Saalbau Friedrichs. hain stattfindet, steht unter dem Stichport ,, Einblid in das Dritte Reich".
In dieser Kundgebung behandet der von Frid gema regelte Gauvorsitzende des Thüringer Reichsvanuers, Kamerad Seele Weimar, die Aera Frid, Reichstags. abgeordneter Kamerad Dr. Mierendorff. Darmstadt wird sich mit dem Borheimer Mord- und Hungerplan aus einandersehen, Kamerad Lehnich Braunschweig berichtet über die Bürgerkriegsübungen der Nazis in Braunschweig und der Gauvorsitzende des SchleswigSolsteinischen Reichsbanners, Kamerad Sansen- Miel, wird zu dem Hakenkreuz- Terror in Eutin Stellung nehmen. Unfostenbeitrag 20 Pf. Erwerbslose mit Aus weis einer republikanischen Organisation( Gewerkschaft) haben freien Eintritt.
mit Projekten zu spielen und zu Ausgaben anzuregen. Ohne 3meifel aber würde ein Museum für die Bolts unb Seimatskunde des Deutschtums innerhalb und außerhalb der Grenzen der Deutschen Republif an geeignetem Plage mehr Beachtung finden als die Räume in der Klosterstraße, die das Dasein eines Aschenbrödels führen. Berbundenheit mit Seimat und Bolt hat nichts mit engstirnigem Nationalismus zu tun, und es würde gewiß von weitesten Kreisen willkommen ge heißen werden, wenn unsere Anregung trotz der Nöte der Zeit Be achtung fände.
Afrikanische Giudenten in Berlin .
Mit dem fahrplanmäßigen Zuge um 17.30 Uhr trafen heute auf dem Botsdamer Bahnhof eine Gruppe afrikanischer Stu denten in Berlin ein. Schon am 15. Dezember begaben sich die 20 Damen und 15 Herren auf die Reise und haben sich inzwischen Ste vier Tage in London und drei Tage in Paris aufgehalten. werden bis Dienstag in Berlin bleiben und sich unter Führung des Deutschen Atabemischen Austauschdienstes die verschiedenen Sehenswütbigfeifen anschauen.
Wer sich unter den afrikanischen Gästen studierende Söhne und Töchter der Negerhäuptlinge unb eingeborenen Raufleute vorgestellt hat, tit im Irrtum. Die Südafrikanische Studenten- Union", die diese Reisen in den Ferien unternimmt, hat feine farbigen Mitglieder, und mir murde versichert, daß auf allen afritanischen Untversitäten? a um ein paar Neger studieren. Diese müssen dazu nach Europa oder Amerita gehen. Die jungen Menschen aus den Häusern der weißen Stolonisten sehen also hier eigentlich zum ersten mal igre mahre Heimat. Aus dieser Tatfurte beraus ist auch die starte Beteiligung zu verstehen, trogeem die Stosten jeder einzelne selbst tragen muß.
Eine Bekanntmachung betreffend Ablieferung der EinkommenSteuermarken von den Finanzämtern Berlins findet man im Anzeigenteil der heutigen Nummer des„ Borwärts".
Seinen 70. Geburtstag begeht am 11. Januar in geistiger und törperlicher Frische unser alter Bartet und Gewerkschaftsgenosse Carl 2ohm, Berlin W. 57, Steinmetzstraße 43. Dem Jubilar, der seit 44 Jahren den Vorwärts" lieft, unseren herzlichsten Glückwunsch.
"
Grünfeld Inventur sverka
Beginn: 4. Jannar 1932
Auf Wunsch c leichterte Zahlungs bedingungen ( Monatoraten)
Landeshuter Leinen- und Gebildweberei
FrGrünfelt
Größtes Sonderhaus für Leinen und Wäsche Leipziger Str. 20-22 Kurfürstendamm 227
in die Stadtrandsiedlungen zogen, dürfen nicht dafür bestraft merden, daß wir der Steinwüste entflohen sind.
Auf eine weitere Ungerechtigkeit im Reichsbahntarif fei in diesem Zusammenhange hingewiesen. Um einen be fonderen Gewinn zu erzielen, macht die Reichsbahn immer noch den unmöglichen Unterschied zwischen Arbeiler- und Angefielltenfahrern.
Wir Angestellte sind auch Arbeiter, haben aber nach Auffassung der Bahnbehörde keinen Anspruch auf die billigeren Arbeiterwochenferten, sondern müssen die höheren Monatstarienpreise zahlen. Wir wünschen feine Sonderrechte; ob Kopf- oder Handarbeiter, mir zählen zur Arbeiterschaft und können darum billigerweise auch den Arbeiterwochenkartentarif für uns verlangen!
Erleichterung des Arbeiterberufsverkehrs. Die bisher längstens fieben Lage betragende Gültigkeit der Arbeiterrüdfahrkarten ist bei der Reichsbahn jetzt auf längstens zehn Tage perlängert worden. Durch diese Barlängerung soll die Benutzung der Arbeiterrückfahrkarten auch dann ermöglicht werden, wenn Arbeitnehmer z. B. wegen Arbeitsmangel eine volle Woche beurlaubt sind. Die Arbeiterrückfahrkarten gelten nach wie vor zur Fahrt nach dem Wohnort der Angehörigen am Tage vor Sonn- und Festtagen oder an diesen Tagen selbst, zur Rückfahrt an Sonn- und Festtagen oder am darauffolgenden Tage. Die Karten fönnen nunmehr am Sonnabend für die Fahrt nach dem Wohnungsort gelöst und noch am Montag der übernächsten Woche zur Rüdfahrt benutzt werden.
Allgemeine Wetterlage.
9.Jan. 1932, abds.
755
750
T
737
730
1730
765 H
8
745
10
01 Len -201
160
753
Owolkanlas. O hairer, halb bedeck wakig, bedeckt, Regen, Greupan Schnee, Nebel, Bewittec@ Winder Ke
Der größte Tell Mitteleuropas lag am Sonnabend innerhalb eines Hochdruckausläufers. Infolgedessen war das Wetter in Deutsch land ruhig und, abgesehen von ganz unbedeutenden Niederschlägen, auch traden. Verschiedentlich herrschte am Abend in Deutschland wottenhofer Himmel. Die Wittagstemperaturen stiegen allgemein über Stuff; fanten over zum Abend vielfach unter den Gefrierpunft. Ueber Mittel und Nordeuropa sett fich der fräftige Luftdrucanstieg fort. Daher wird auch die neue atlantische Depression, deren Kern zur Zeit zwischen Island und den Britischen Inseln liegt, nicht mehr wesentlich nach Osten vorbringen. Das beständige Better wird also am Sonntag im größten Teile Deutschlands fortdauern.
Für
Wetteraussichten für Berlin : Zeitweise heiter, aber meist wollig oder nebelig, Temperaturen nahe bei Null, füdliche Winde. Deutschland : Sm Nordwesten meist hemöitt mit zunehmender Regenneigung und wieder ansteigenden Temperaturen, auffrischende füdliche Winde; im übrigen Reiche Fortdauer des beständigen, meist frockenen Wetters bei um Null schwankenden Temperaturen.
jetzt 90 u. 45 Pi.
Pflege Deinen Hals täglich... gurgle trocken mit
Wybused
es gehört das zur Hygiene wie das Putzen Deiner Zähnel
geht weiter! Tiefpreise!
In vielen Warengruppen: und mehr unter dem regulären Preis!
50%