Heinrich Hemmer:
Nachdenkliche Geschichten
Blondinen bevorzugt.
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Sie trat topfschüttelnd aus dem Ledergeschäft, mo schon das Frühjahrsfrische der Novitäten das„ Niedagewesene" der Inventur preise wieder zu übertrumpfen bereit lag nichts zu machen. Einige( von den Aushilfskräften) waren ja behalten worden, aber nicht sie: die Fachmännin, die im Ledergewerbe Großgewordene, die mur infolge der hohen erflommenen Tariffproffe, wie es die Zeit verlangte, postenlos Gemorbene, übrigens willens herabzusteigen war. natürlich, natürlich. Nicht sie: trotzdem sie mit Engelsgeduld dem Ewig- Nörgelnden( im Berfaufsjargon„ Klafften" genannten) Berge von Ware heranzuschleppen nie müde wurde und auf all deren Stichel- und Stachelreden sie immer wieder eine sanft einlenkende Antwort hatte und trotzdem sie pünktlich und ordentlich und wohladjustiert und richtig gedreht und fir wie der Teufel ist, alles mur: blond ist sie nicht, sondern im Gegenteil,
fohlrabenschwarz.
Der stellvertretende Herr Chef aber, der ein feines Auge für die passende äußere Form besitzt und zu Hause in seinem Lesezimmer lange, schnurgerade Reihen der herrlichsten Bücherrüden stehen hat( alle zusammenhängend und ohne jeglichen Inhalt), der Herr Stellvertretende wünscht lauter goloblonde Berkäuferinnen in seiner Lederdomäne sich umher bewegen zu sehen; das ist eine Stilfrage und da kann man nichts machen.
" Doch", sagte ich.„ Barum lassen Sie sich denn die Haare nicht färben? Für ein paar Mart sind Sie so goldblond wie die Venus von Boticelli." Weil", sagte die Abgewiesene, mein Bräutigam, der bevorzugt Brünette. Und die Anita Loos meint doch auch, daß die Brünetten diejenigen sind, die heiraten."
Die Hochflut der Horoskope.
hatte ihn der Direktor angefahren:„ Wo bleibt die ewig hinaus geschobene Abrechnung?" Der Filialleiter rannte erschroden zur Wahrsagerin:„ Mein Chef weiß alles, ich bin verloren." Dic Wahrsagerin befragte die Sterne, aber es begann ihr um ihr Schönes Honorar zu bangen; sie brachte feinen rechten Optimismus auf( so schien mir), um ihn verkaufen zu können. Also konnte sie ihren Kunden auch nicht beruhigen. Der rannte zur Polizei, um durch Selbstanzeige wenigstens Strafmilderung zu erlangen. Soeben hatte der Direttor der Wahrsagerin die bittersten Vorwürfe gemacht., Nicht wegen des defraudierten Geldes. Darum war ihm nicht bange Es war das einzige Attivum in der Bant. Es war Pleite. Aber noch durfte es niemand merken; dazu hatte er die Alrechnung gebraucht. Allen dreien das ist die Moral der Geschichte Moral der Geschichte- fehlte wegen schlechten Gewissens der Optimismus und feiner fonnte ihn dem andern abgeben. Jetzt faßen alle drei in der Tunke. Die Sterne aber blinzelten hoch oben: uninteressiert wie immer.
Die Belastungsprobe.
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fräftiges Samel fann nämlich aller Baften tragen. Und and fein Bolt.
Sput im Antiquitätenladen.
,, Bielleicht finden Sie, was Sie fuchen, auf den 50- Pfennige Tischen", sagte der Buchhändler, mich ausnahmsweise mal Ein faufenden verdugt ansehend und auf zwei wüste Bücherhaufen weifend, in denen ein paar unentschlossene Kunden wie auf Abfall Blatten nach einem etwa noch genießlaren happen herumumühlten, Ich besah mir diese Bücherhügel näher: es war ein Autoren friedhof, ein graufiges Massengrab. Man hat sich den Kopf zerbrochen, das Herz zerrissen, da lagen sie jetzt alle, verachtet, faum daß sich heute ein Mensch die Mühe nimmt, einen der wohlab gewogenen, vielfach hin und her gedrehten Gähe zu überfliegen. Romantische Romanschriftsteller ruhen, funterbunt zusammengeworfen mit veralteten Bollbruchlŋrifern, Saloneffanisten, nicht mehr aufgeführten Bühnenrealisten, vergessenen Befennern und Aufklärern und mit unnüßer Vorsicht entschleiernden Erotikern.. oder vielmehr sie ruhen nicht, sie werden respektlos im Grabe her: umgedreht, diese Autorenleichen, und vielleicht gerade auf ihre verhaßtesten Gegner geworfen.
Aus dem Hinterzimmer dringt die Stimme des Antiquars, der einem auf sächsisch protestierenden Händler feine teuren Preise vorwirft.. auf den Wagen vor der Universität verkauft man schon mit 10 Pfennigen.. ,, tja, wenn einmal der Martt versaut ist...“ Ich suchte ein Buch über den Selbstmord, hielt aber plöglich den Novellenband eines Freundes in der Hand: Paul Busson .
Das ist eine alte arabische Geschichte, und doch ist sie so attuell, Bummelten wir nicht einmal auf dem Wiener Graben auf und ab. daß man sie dem Völkerbund vortragen könnte.
Ein Kamel, auf das ein Araber sein ganzes Hab und Gut auf gepackt, steht unbeweglich wie eine Sphing in der Wüste; seit Pharaos Zeiten ist seinesgleichen gewohnt, die Lasten der Menschen auf seinem Rücken zu tragen, und nimmt es geduldig hin. Kommt ein zweiter Araber hinzu und lädt auch noch Kisten und Ballen auf, daß man glaubt, das arme Kamel müsse jeden Augenblick zusammen brechen; aber es rührt sich nicht, es mucft nicht, es bockt nicht, das Tier scheint nichts zu spüren. Da kommt, ist's möglich, ein dritter Araber mit seinen Habseligkeiten an, als gäb's nur ein einziges Kamel auf der Welt und als fönne dieses alle ihre Basten tragen; mahrhaftig, das Wundertier hält noch immer unerschütterlich stand, feine Kraft und Geduld scheinen keine Grenzen zu kennen. Ach Himmel, ein vierter Araber erscheint, aber der ist wohl ein Habenichts oder ein Idealist oder wahrscheinlich beides; er hält nur ein Rosenblatt in der Hand. Als der Idealist das wie eine ganze Karawane bepackte Kamel gewahrt, legt er, warum soll gerade er seine Last selber tragen, sein Rosenblatt noch oben auf. Das minimale Gewicht dieser geringsten Bürde überschreitet die TragRein noch so fähigkeit. Jetzt bricht das Kamel zusammen.
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und du mein moderner, mein mondäner Freund erklärtest mir Staunendem die Perversitäten der vorübergehenden Damen der Gesellschaft, mußtest zu sagen, worin einer jeden ihre Seligkeit bestünde. Und als ich nach Jahren der Abwesenheit die Treppen des Wiener Tageblatts hinaufgetrampelt tam, standest du da nicht in bourgeoiser Würde als vorsichtiger Feuilleton- Redakteur vor mir abermals Staunenden? Aber ich schrieb erst, als ich vom anderen Ende der Welt zurückkam und, das weißt du mun nicht, mit der Manuskriptrolle die olle Treppe hinaufstürmte.„ Was? Paul Busson wollen Sie sprechen?" rief entgeistert der alte Redaktionsdiener, er liegt seit drei Jahren begraben."
Ich blätterte in dem Novellenband. Auch das, was non meinem literarischen Freunde weiterleben sollte, ift dem Tode nahe. Dies heitere Wien eristiert nicht mehr, aber auch diese geruhsame Betrachungsweise ist überlebt. lleberlebt dieser Humor und diese | Metaphern, diese Sazperioden und diese Rompositionstechnik. Dies hätten wir beide nicht gedacht, mein Freund, daß du, tot, noch einmal sterten würdest. Mich fröstelte; ich schlug den Rockfragen hoch und eilte auf die Straße.
Der Detektiv im Haushalt
Die zu interviemende Astrologin" gab gerade eine Konsultation und ich hatte Zeit und Muße, darüber nachzubenfen, warum heute mohlinstruierte Leute, die, che sie einen Pfennig zahlen, sich genau Dergewiffern, ob ein Auto, ein Radioapparat richtig funktioniert, irgend jemandem ihr Geld hinwerfen, nein, aufdrängen, der ihnen Auskunft zu geben verspricht, wenn sie, nicht nach der irdischen, sondern der himmlischen Konstellation( stella Stern) Aktien Stern) Attien kaufen oder verkaufen, wann sie heiraten, wann sich scheiden, wann fie ein Haus bauen und sich versichern lassen jollen. Im Jieben Amerifa, dem wir nacheifern, ist es jetzt someit, daß Horoskope per Post und Radio Verbreitung finden; eine gewisse Dolores( deren Bankkonto ich wenigstens sehen möchte) hatte 1½ Millionen brief, licher Anfragen( zirfa 2-5 Dollar: eingeschlossen) nachzuweisen. Eine gewisse Mistreß Adams war in jedem größeren New- Yorter Ehescheidungsprozeß der legten 30 Jahre fonsultiert worden, hat Wallstreetbankiers und sogar einen Staatsgouverneur auf fic; hören lassen, die mur nach der Stellung gewisser Planeten unterschreiben oder nicht. Letenslängliche"( Buchthäusler) fragen an, ob sie begnadigt werden, Millionärinnen, ob sie den Richtigen finden; Mütter, was sie mit den Kindern, und Geistliche, was sie mit der Gicht anfangen sollen.. und die Tage und Nächte der irgendwie bekanntgewordenen Seherinnen" reichen nicht aus, die Hochflut der Anfragen trog Sekretärinnen und Tippdamen zu bemältigen. Warum ist das so in der sachlichen heutigen Welt? Will man das Schicksal betrügen? Einen Optimismus, den man selbst nicht mehr aufbringt, für Geld erlaufen?.. Die Tür geht aufeinander: erſt jaugen sie den Teppich ab und dann wird er oben Zu meinem Erstaunen fand ich die Wahrsagerin schluchzens auf ihrem Thronsessel vor. Sie hatte ihren besten Kunden verloren. Einen Banffilialleiter. Seit zwei Jahren blickte sie für ihn nach den Sternen, zu sehen, ob Gefahr für ihn im Anzug fei. Er hatte sich, um seiner Frau ein Geschäft einzurichten, ein fleines Rapitälden heimlich geborgt" und wollte es von den Geschäftserträgnissen wieder zurückerstatten. Ging das, ehe man den Abgang entdeckte? Es war eine Art Wettrennen. Und der Mann fam alle paar Tage für Tips.. und zahlte, zahlte gut. Unlängst
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Allwöchentlich gibt es in den meisten Haushalten ein eifriges Klopfen und Bürsten, ein Schrubben und Wischen. Die Läufer merden geflopft, die Teppiche gefäubert. 3mar hat der Staubsauger schon vielfach Eingang gefunden, aber ganz sorgsame Hausfrauen haben herausgefunden, daß nicht aller Schmutz durch das Saugen entfernt wird, und so hängen sie lieber den Teppich über die Klopfstange und sind befriedigt, wenn eine mehr oder weniger dichte Staubmolte sich erhebt. Andere Hausfrauen verbinden beides mitdrein geklopft und gebürstet. Zum Schluß wird der Teppich noch mit Sauerkraut nach Kräften gerieben, da das angeblich die alten Farben in früherer Schönheit hervorzaubert, und dann kann die Hausfrau mit Befriedigung ihre erfolgreiche Arbeit überblicken. Viel weniger befriedigt allerdings würde sie sein, wenn sie Gelegenheit hätte, in einer Prüfungs- oder Hausfrauenberatungs. stelle ihren mißhandelten Teppich genau, am besten mit einem guten Mitroftop, das die Fäden flar erkennen läßt, betrachten zu tönnen. Das Auge braucht etmas Zeit, um sich an den Anblick zu
Gerdland: Die Schreckenskammer
Sie begegnen mir jeden Tag, die zwei. Sie sind das seltsamste Liebespaar, das ich je gesehen habe.
Sie sind nicht mehr jung. Es ist späte Liebe, die sie eint. Bunit halb sechs nachmittags treffen sie sich vor dem großen Buttergeschäft on der Ede. Es ist die Zeit, in der ich mich mit Zigaretten für die nächtliche Arbeit eindecke und bei dem Zeitungsverfäufer an der nämlichen Ecke die Abendzeitungen faufe.
Sie kommen offenbar aus verschiedenen Richtungen. Ich ersehe das aus den Haltestellen der Straßenbahn, an denen fie aussteigen. Manchmal ist sie ein paar Minuten früher da, zuweilen auch er. Wie sie sich dann schön macht, heimlich und ver stohlen vor einer Spiegelscheibe die angegrauten Lödchen zupfend, wie er sich dann in Bofitur wirft, den Schnurrbart zwirbelt!!! Es wäre fomisch, wenn es nicht so rührend märe...
Heute bin ich ihnen gefolgt.
Nun weiß ich jeden Abend gehen die Liebenden in eine fleine Konditorei, die ein tüchtiger Bädermeister an den Laden angegliedert hat. Hier sizen sie bei schummeriger Beleuchtung eine halbe Stimmbe etma. Sigen tändelnd mie perspielte Kinder, eingefunten in den roten Blijdy des Sofas, sprechen nur selten ein Wort, schauen sich zärtlich in die Augen. Spät ist die Liebe über fie gekommen!
Meine Erwartungen wurden enttäuscht. Meine Erwartungen, eine plüscherne, verstaubte, nippesüberladene Einrichtung von
dunnemals zu sehen! Statt dessen: modern, behaglich eingerichtete 3immer...
Beim Tee wird die Alte plöhlich unruhig. Diese Unruhe beginnt sich auf eigenartige Weise auf ihren Mann zu übertragen. ,, Wir wollen Ihnen unsere Schreckenstammer nicht vorent halten, junger Herr!"
,, Ihre Schre...?... Wa... Ihre Schreckenstammer!?!" Ich bin wahrhaftig tein furchtsamer Mensch. War in den verrufensten Berbrechertneipen.. Aber vor diesem Kichern, das tnisternd aus den verrosteten Kehlen dringt, angesichts dieser fladernden Augen und dieses Wort„ Schreckenstammer" noch, im Ohr, wird mir doch etmas bänglich!
Bir erheben uns. Blitzschnell vergegenwärtige ich mir die Lage der Wohnung. Sie hat drei Zimmer. 3mei davon fenne ich. Das dritte foll ich jetzt wahrscheinlich kennenlernen: die Schre..., die Schredenstammer!
Ich werde durch eine Tür geschoben. Ich bin allein.
Das Zimmer ist erhellt. Eine meiße Birne, darüber ein graujeidener, verschliffener Lampenschirm verbreiten eine ungemütliche Stimmung. Ich sehe mid) um. Das ist ja ein möbliertes Zimmer, gutbürgerlich, Morgenkaffee influfive" schießt es mir durch den Sinn!!!
"
Und wieder bin ich um die Dämmerstunde in der fleinen Konditorei gewesen. Sie haben mich nicht bemerkt. Das DrumDie Wände sind mit kitschigen Deldrucken überladen. Die geherum verfintt für sie. Sie haben nurr sich! bliimte Tapete, die geschmacklose Tischdecke, die Nippesfiguren auf Beim Herausgehen ergab sich ein Zufall, der unsere Bekannt der Kommode, das alles steht in einem seltsamen Kontrast zu den schaft vermittelte. beiden anderen Zimmern der Wehmung.
Die beiden sind ein Ehepaar. Nun möchte ich nur missen, mie lange sie dies Turteltanbengepläntel schon führen und ob sie fich im trauten Heim vielleicht täglich begeifern, um hier Versöhnung zu feiern. Das alles fommt mir eigenartig, ja, gespenstisch vor. Wenn diese Zusammenfünfte noch heimliche wären, ich würde mich nicht mundern! Aber dies legitime Gebaren erfüllt mich fast mit Angst...
Heute haben sie mich eingeladen, die angejahrten, verliebten Cheleute! Soll ich dieser Einladung zum Tee" Folge leisten? Ich werde mohl gehen!
Die Tür wird geöffnet. Das späte Liebespaar steht vor mir. Das ist Ihre Schredenstammer?" frage id) mir.
,, Ja, das ist unsere Schredenstammer! Hier haben mir alle Geschmadlosigkeiten angehäuft, die uns während der Jahrzehnte begegnet find, in benen mir als möblierter Herr" und als allein stehende, beschäftigte Dame" gemütlich möblierte Zimmer" bewohnt haben..
Jeden Tag verbringen mir zmei halbe Stunden in diesem Raum. und jeden Tag verbringen mir eine halbe Stunde in der Konditorei, in der mir uns tennen und lieben gelernt haben! Jst das nicht Grund genug, unsere Liebe zueinander immer wieder entbrennen Glauben Sie uns, mir sind glüdlich, sehr glinnicklich!"
Ich mill mich bemühen, die Vorgänge folgerichtig zu schildern zu lassen, junger Herr!?! Jch tlingle. Der alte Herr öffnet selbst.
gewöhnen, das Bild genau unterscheiden zu fönnen und sich mit den so seltsam veränderten Größenverhältnissen vertraut zu machen. Aber dann erkennt man treite, dice Streifen, nämlich die Teppichwolle, und auf ihnen lagern Staub, Sand, Bollreste, Haare und dergleichen, so daß die Hausfrau zu der Annahme geneigt sein wird, der Teppich sei ja ganz schmußig und müsse sofort geflopft werden. Dabei vergißt sie jedoch, daß es sich hier um winzige Bruchteile von Staub auf einem sauberen Teppich handelt, die nur unter dem Mitroffop in diesen Größenverhältnissen erscheinen. Auch der fauberste Fußboden, der eben gerade aus Leibeskräften getlopfte und gebürstete Läufer wird, unter dem Mikroskop gesehen, solche Staubteilchen aufweisen. Das ist einfach nicht zu vermeiden. Darüber also ist keine Entrüstung angebracht. Wohl aber muß man über etwas anderes erschrecken: menn man nämlich Teppiche oder Läufer, die häufig geflopft werden, unter dem Mikroskop betrachtet, dann sieht man, wie furchtbar das ganze Gewebe unter dieser Mißhandlung gelitten hat. Es ist gelockert, an manchen Stellen jogar zerrissen, und man muß damit rechnen, daß die schadhaften Stellen in absehbarer Zeit auch äußerlich erkennbar merden. Denn wenn diese Lockerung des Gewebes einmal begonnen hat, dann ist das bereits der Anfang vom Ende. Aus den Lockerungsstellen merden bald Bruchstellen; die Bindungen und Verflechtungen gehen völlig auseinander, und damit ist der Teppich natürlich unbrauchbar gemorden. Die Schuld aber trägt allein das übermäßige Klopfen, das auch den folidesten Teppich mit der Zeit zerstören muß, ebenso der nachfolgende rücksichtslose Gebrauch der harten, groben Teppichbürste, die in feinem Verhältnis zur Feinheit der Bindungen steht. pische Untersuchungen von Mänteln und Bollkleidern, von ChaiseAehnliche Erfahrungen macht die Hausfrau, wenn sie mikrostolonguedecken und anderem beiwohnen kann. Auch hier hat das allzu fräftige Klopjen böse Spuren hinterlassen. Ueberall find schaphafte Stellen 311 sehen. Interessant und lehrreich ist es ferner, die Ergebnisse genauer Untersuchungen von Wäsche kennenzulernen. Das Mikroskop läßt sofort erfennen, ob die Wäsche sorgsam und pileglich behandelt oder auf grobem Waschbrett gerieben und ge; bürstet worden ist. Am widerstandsfähigsten ist noch solide Leinenwäsche. Sie erträgt Bürsten und nachfolgendes heißes Bügeln der trockenen Wäsche verhältnismäßig am besten, was jedoch natürlic nicht heißen soll, daß man Beinen in dieser Weise behandeln dürfte. Bollends Baumwolle, Batist, Kunstseide werden bei einer solchen
Behandlung in furzer Zeit nöllig untrauchbar gemacht. Das Mikrostop, das man auch hier zu Untersuchungen permendet hat, zeigt erriebene Stellen, an denen das Gewebe brüchig geworden ist und die Fasern völlig zerrissen sind. Baumwollfufern sehen bei guter, neuer Baumwolle unter dem Mitrostop in etwa 150facher Bergrößerung mie Nerven des Menschen aus, elastisch und in regelmäßiger Anordnung.
Es ist nicht schwer, aus jolchen Ergebnissen prattische Folgerun gen zu ziehen. In erster Linie für die Behandlung der Teppiche und Läufer. Gewiß fönnen sich heute nur sehr wenige Hausfrauen einen Staubsauger anschaffen. Aber dann besteht trotzdem für jede Frau auch im einfachsten Haushalt die Möglichkeit, den Teppich zu fchonen. Zunächst darf ein neuer Teppich erst nach etwa einem halben Jahre, nachdem er verfilzt ist, wirklich gründlich gereinigt merden. Borher muß man sich auf vorsichtiges Kehren beschränken. ( Weicher Reisstrobbesen.) Der Teppich darf beim Reinigen nur ouf der Rückseite geklopit merden; die Borderseite wird nur leidi abgebürstet. Im Winter tann man den Teppich mit der Oberseite auf trodenen, frischen Schnee legen und von links facht flopfen. Das Auffrischen mit Sauerkohl schadet ebenfalls dem Gemebe. Statt Säure verwendet man reines Benzin oder Seifenfpiritus, den man vorsichtig mit mollenem Tuch einreibt, ohne das Grundgewebe zu benegen. Werden diese einfachen Regeln beachtet, und wird auch beim Baschen und Blätten genügend Borsicht angewandt( weiche Bürste, feine scharfe Lauge, nicht zu heißes Blätteisen!), dann werden Untersuchungen des" Detektivs im Haushalt", des Mikroskops, sicherlich günstiger ausfallen, und die Hausfrau kann auf diese Weise schonen und bewahren, was sie sich sonst unter großen wirtschaftlichen Opfern neu anschaffen müßte. Auch das gehört zur Spare famfeit im Haushalt. M.