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Beilage

Montag, 25. Januar 1932

Baraber vom Walchensee

Ein Buch der Namenlosen

Von 1918 bis 1924 dauerte der Bau des Walchensee­fraftmerts am Kochelsee in Bayern , das durch 168 000 Pferde­stärken in acht Turbinen eine Marimaljahresleistung von 160 Mil­lionen Kilowattstunden erzeugen tann. An die 800 Meter über dem Meeresspiegel liegt der Walchensee , auf dem Hochplateau des Kesselberges eingebettet, und dieser See ist an manchen Stellen fast 200 Meter tief. Der Spiegel des Kochelsees aber liegt nicht weit von ihm entfernt und fast ebenso hoch über dem Meeresspiegel wie der Grund vom Walchensee . Schon in der Urzeit haben die vorchristlichen Umwohner der beiden Seen ihren Göttern Opfer dargebracht, damit die verhinderten, daß der Walch, das ungeheure Untier auf dem Grund des schwarzen Sees vom Kesselberg, mit feinem Schwanz die Bergwand durchschlüge. Wehe dann den Be­wohnern des Loisach - und Isartales, über die die riesigen Wasser massen hereinbrächen! Damals hat noch niemand geahnt, daß Menschen jemals so fühn werden könnten, daß Menschentechnik es jemals wagen würde, das Gefälle der dunklen Walchenseewasser in ihren Dienst zu pressen. Drei Jahre lang wühlte der Menschen wurm mit Stahl und Dynamit im Innern des Kesselberges, dann war 16 Meter unter dem Seespiegel jener Stollen durch den Fels gebohrt, durch den sich das gefürchtete Element auf die andere Seite des Berges zwängen mußte, um hier, in große Eisenrohre gepreßt, seine gefesselte Kraft in jene geheimnisvolle Energie zu verwandeln, die mit dünnen Drähten überall dorthin geleitet werden kann, wo der Mensch ihrer bedarf.

Jene Menschen aber, die das Märchen in die Wirklichkeit zwangen, sind nichts weniger als mit Reichtum begabte Zauberer. Die Männer, die in den bitteren ersten Nachkriegsjahren bei schmaler Kost und Lohn in Papierwährung den Wunderbau errichteten, das sind die Baraber vom Walchensee , zu deren Andenken, Ehre und gerechter Würdigung Josef Rambed- selbst einer von ihnen sein Buch schrieb: Die Baraber vom Walchensee ." ( Berlag des Deutschen Baugewerksbundes, Berlin SW 68, 300 Seiten, für Gewerkschaftsmitglieder 3,- Mt. in Leinen gebunden.)

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Baraber nennt man in Süddeutschland und Desterreich nicht nur Den Tiefbauarbeiter, sondern alle jene, die ihren seßhaften Handwerker oder Bauernberuf aufgegeben haben, und nun von Ort zu Ort ziehend, je nach Gelegenheit und Jahreszeit als Erd­arbeiter, beim Hopfenzupfen, bei der Kartoffel-, Wein- oder Obst­ernte ihren schmalen Lebensunterhalt verdienen. Zu dem Wort Baraber stellt sich ganz wie von selbst als Gedankenverbindung die Borstellung von einem Menschen ein, der in Heustädeln nächtigt, das Sparen für eine Untugend hält, viel Alkohol und Schnupftabat fonsumiert, schimpft und flucht, was er nur aus der Kehle bekommt, und an irdischen Gütern nichts sonst besitzt, als was er am Leibe trägt. Aus alledem geht schon hervor, daß ,, Baraber" ursprünglich nicht gerade als Rosewort gemeint war und empfunden wurde. Woher das Wort stammt, weiß allerdings niemand. Ein echter Baraber, nach dem Sinn feiner Standesbezeichnung gefragt, wird in 99 von 100 Fällen nur die Antwort wissen: A B araber is hoit a Baraber!" Leute mit gründlicherem Forschertrieb wollen wissen, daß das Wort Baraber von Barabbas, dem Räuber aus dem Evangelium, abgeleitet jei oder aus Barfüßler entstanden wäre. Die meiste Wahrscheinlichkeit hat allerdings jene Vermutung für sich, die annimmt, das Wort Baraber sei auf den Tiefbauten selbst entstanden, wo früher Italiener, Slomaten, Polen und noch mehr landfremde Leute mit Deutschen zusammen arbeiteten und wo aus dem Sprachgewirr sich schließlich eine sozusagen internationale Benennung heraustristallisiert habe. Immerhin, die Tiefbauarbeiter selbst haben heute das zuerst nur als Scherz- und Schimpfwort gebräuchliche Wort für sich akzeptiert. Wieviel Galgen humor über das zwangsläufige Herabsinten auf den allgemein als niedrig angesehenen Beruf des Erdarbeiters, dabeigewesen sein mag, fann man dahingestellt sein lassen.

Nur aus der Perspektive eben dieser Baraber schildert Rambed den Bau des Walchenseekraftwerkes, und das ist das Neue und Erschütternde an seinem Buch. Endlich einmal bekommen

die durch die Jahrtausende stummen Namenlosen mit Schaufel und Spizhade Stimme und Ausdrud, das Milliardenheer der un bekannten Heloten, die mit ihrer Lebenskraft jene Bauten mörteln, die reinlich gekleidete Reifende als Wunder der Technik zu bezeichnen pflegen. Sachlich und ohne Auslehnung erzählt Rambed von Hihe und Kälte, Rauchvergiftungen und Hunger, Näffe und Staub, Müdig feit und Stumpffinn, Roheit und Rummer, Tod und Vermundung, die erduldet werden mußten, um die gewaltige Stauanlage zu errichten. Der schlichte Bericht, durch den klar wird, daß diese Heroen der Technik in ihrem Heldentum nur von Lohnfürzungen und völliger Unsicherheit ihrer Eristenz angefeuert wurden, macht die Klassenlage besser flar, als flammende Anklagen es vermöchten. Und wenn im Schlußkapitel drei von den Männern, die gute Lebensjahre in das Bert hineinverbaut haben, die Steine, die sie geschleppt und gesetzt, nur durch ein eisernes Gitter wiedererkennen dürfen, während elegante Fremde das Bau­wunder in aller Ruhe besichtigen, dann hat Rambed es wieder nur ber harten Wirklichkeit überlassen, die soziale Anklage zu formulieren. Aber auch noch in anderer Hinsicht ist Rambecks Arbeit be­merkenswert. Sie unterrichtet über die Politisierung einer Arbeiterschicht, die eher zu der Nachhut als zu der Spigen gruppe der kämpfenden Proletarier gerechnet werden muß. Diese Leute sind gewerkschaftlich und politisch unzuverlässig, weil sie immer wieder aufs neue bunt zusammengewürfelt werden, und in ihren Reihen auch viele deklassierte Bauern und Kleinbürger Zuflucht finden. Das alles, mit dem Alkoholzwang zusammen, den die elenden Wohnungsverhältnisse und gewissenlose Kantinenwirte ausüben, erschwert die Entwidlung einer Berufstradition und proletarischen Klassenbewußtseins.

am

blago

Der Abend

Spalausgabe des Vorwärts

Zwischenfall in Transjordanien

Ein Parlamentsbericht

An einer politisch besonders windigen Ede, an der unsicheren Madshed Pascha( aufspringend): Was, du sagst, ich englischen Landbrücke nach Indien , tagt in Transjordanien ein lüge? Wir sind hier doch nicht in einem europäischen Parlament!"( 3ieht seinen Krummjäbel aus der schweren, Pseudo- Parlament unter englischer Oberhoheit, filberbeschlagenen Scheide und geht mit erhobener Waffe auf Saleh Pascha zu.)

In diesem Parlament figen die Beduinenscheichs bis an die Zähne bewaffnet; damit sie sich selbst wichtig vorkommen und die In Anbetracht der Erinne­Freiheit ihres Volkes repräsentieren. rung an früheren türkischen Glanz verleiht der Emir von Trans­jordanien mit Leidenschaft Pascha- und Bey- Titel an die Parlaments mitglieder. Diese Titel verleiht er erstens, um seine völlige Unab hängigkeit( mit Ausnahme von England) zu beweisen, und zweitens, um eine nie versiegende Quelle für einen ansehnlichen Nebenverdienst zu haben, Die Titel fosten nämlich Geld, Pferde oder Getreide.

Ein Parlamentsmitglied springt geistesgegenwärtig hinzu, er­greift Madsched Pascha beim Handgelenk und wendet den Hieb ab, so daß bloß der Mantel und nicht der Kopf des Gegners halbiert wird.

Darauf vertagt sich das Parlament. Der Emir von Trans jordanien muß den Streit schlichten und wird hier einmal wirklich seine politischen Fähigkeiten spielen laffen müssen, um einen Krieg zwischen den Stämmen der beiden Paschas zu verhindern...

*

Die regierungstreuen Häuptlinge also fizzen im Parlament und dürfen sich um vielerlei Dinge fümmern, nur nicht um die Politik... Die Moral von der Geschicht'? Freiligrath war es wohl, ein Zustand übrigens, der auch in Europa nicht mehr ganz unbe fannt sein soll, wie auch den Beduinenscheichs Europa nicht mehr der Anno dazumal einem Indianer die Worte in den Mund legte: ganz unbekannt ist. Der Beweis? Eine fleine Parlamentsszene ,,, Wir Wilden sind doch bessere Leute." Ob die Wilden von damals die wir, so gut es geht, wortgetreu einem arabischen Parlaments wirklich den Eindruck hatten, ist nicht festzustellen, daß es heute so ist, dafür liefert der ehrenwerte Scheich Madsched Pascha einen bericht entnehmen, mag ihn erbringen. nicht gerade von der Hand zu weisenden Beweis.

Saleh Pascha erhebt sich und befürwortet die Einführung des palästinischen Bjundes in Transjordanien.

Immerhin, ein Krieg würde bei uns wohl faum ausbrechen, menn ein Scheich von Europa einen anderen Scheich von Europa einen Lügner scheiten würde. Darin sind wir zivilisierter. Aber ob nicht ein größeres für uns alle nicht unwichtiges Stück Weltgeschichte Saleh Pascha( mit der Faust auf den Tisch schlagend): Du anders verlaufen wäre, wenn große europäische Scheichs es ver­mieden hätten, sich selbst und andere zu befügen?

Madsched Pascha( sehr erregt): Der Antrag steht aus schließlich im Interesse des Antragstellers. Ich bin ganz energisch dagegen!"

fügst!"

Berlin verschlingt...

Ergebnisse einer Hafenwanderung

fanals sich noch weiter heben wird.

Neben die beiden großen Hafenanlagen im Westen und Osten treten eine Reihe von kleineren Häfen im Innern, von größeren an der Peripherie( Spandau , Neukölln) und Ladestraßen, die zu der schnelleren Versorgung der Großstadt beitragen.

Die rapide Entwicklung, die Berlin in furzer Zeit zur größten| Westhafens, die bei der Fertigstellung des Mittelland­Stadt Deutschlands gemacht hat, hat naturgemäß auch einen be­sonderen Aufschwung des Wirtschaftslebens zur Folge gehabt. Dieser Aufschwung ist in erster Linie möglich gewesen durch die Gunst der Lage, die Berlin an das System der Elbe schließt und es außer dem zur nahen Oder weist. Dadurch ist seit langem Binnenschiffahrt ein wesentlicher Faktor für die Stadt gewesen, und durch den Bau von Kanälen, durch Ausbau der natürlichen Wasserstraßen und Schaffung von Hafenanlagen sind die gegebenen Bedingungen so gut genutzt, daß Berlin heute der größte Binnenhafen neben Duisburg- Ruhrort ist. So pulft auch vielleicht das Wirtschaftsleben Berlins nirgends fo lebhaft wie in den Zentren des Schiffsverkehrs, vor allem bekommen wir nirgends einen, fo guten Ein- und leber­bhid, wie hier.

Sehen wir uns die jüngste, erst 1923 vollendete Hafenanlage, den Westhafen am Ringbahnhof Beusselstraße, an, und besteigen wir etwa den Turm des großen Getreidespeichers im Hafen II. Da breiten sich unter uns die drei großen Hafenbecken, die bei einer Breite von je 55. Metern eine Länge von 525, 633 und 323 Meter haben und 100 Schiffe mit je 600 Tonnen aufnehmen können. Große Krananlagen bewältigen den Umschlag von den Rähnen in die Eisenbahnwaggons oder Fuhrwerke und umgekehrt, oder bringen erst die Güter zum längeren oder fürzeren Lagern in die großen Hallen und Speicher, die die Kais flantieren Eingang und Umschlag der Waren sind seit Eröffnung des Westhafens äußerst start gewachsen. Sehr wichtig ist bei dem lleberwiegen des Eingangs über den sofortigen Umschlag die Schaffung großzügiger Speicheranlagen und Lagerräume.

Nicht einbeschloffen in den Ring von Wasserstraßen ist nur der Teltomtanal, der im Bogen von Briz bis Nowawes südlich um Berlin herumgeht. Er ist zwar auch mit den anderen Kanälen verbunden, dient aber nicht der Versorgung Berlins , sondern ist Umgehungsstraße. Er erspart einen Weg von 16 Kilometern, ver­meidet den lebhaften Verkehr und die Schleusen innerhalb der Stadt und ist so eine schnellere, direktere Verbindung von Oder und Elbe . Haben wir so das wirtschaftliche Leben Berlins an einem feiner Brennpunkte fennengelernt, so wollen wir nun noch einen Blick auf die gesamte wirtschaftliche Verflechtung Berlins mit dem übrigen Deutschland werfen. Die Riesenstadt ver­schludt eine Unmenge von Gütern aller Art, die Ausfuhr ist dagegen verhältnismäßig gering und eigentlich nur für die nächste Umgebung, die Mart Brandenburg, von einiger Bedeutung. Für die Aus­fuhr fommen nur in Frage Alteisen, das in einer Großstadt reich­lich abfällt, tierischer Dünger, Kunstdünger und Chemikalien, für die feine oder nur eine beschränkte Verwendung in Berlin selbst testeht, und schließlich die Industrieprodukte, die größtenteils über die Unter­elbe nach Ueberfee gehen.

Die Einfuhr Berlins erstreckt sich naturgemäß auf alle nur

Aus diesem ungleichen Verhältnis von Einfuhr und Ausfuhr er­Rückfrachten zu bekommen, und oft der Zwang, geladen an­gibt sich notwendig ein Verkehrsproblem, nämlich die Schwierigkeit, Woher mun alle die Güter fommen, wohin sie verschifft werden, kommende Verkehrsmittel leer zurüdlaufen zu lassen. eigt uns ein Blick in die weitere Umgebung des Hafens, die von so möglichen Produkte. Dabei liefert jede Landschaft Deutschlands die hohem Standpunkt weithin zu übersehen ist. Da laufen nach Nord­westen zwei sich bald vereinigende Kanalarme, die als Groß ihr eigentümlichen Erzeugnisse. Da tritt hervor das durch die Kohle schiffahrtsweg über die obere Havel und durch die Sente, die einseitig bestimmte Oberschlesien , das ähnliche Ruhrgebiet , da Mecklenburgs, Schleswig- Holsteins ( mit Betonung auch der alte, unzureichende Finowtanal benutzt, den Verkehr stehen andererseits die rein landwirtschaftlichen Landschaften zur Oder und damit nach Stettin leiten. Nach Südwesten und dann scharf nach Süden umbiegend läuft eine Kanalftrede zur Einmündung Fleisch) und Ost preußens( mit Betonung Holz). Bielseitiger des Bandwehrkanals( Hallesches Tor, Potsdamer Brücke) in find die Gebiete Hannover - Oldenburg und Magdeburg­die Spree bei Charlottenburg . Damit wird einmal eine südlichenhalt( mit den Hauptprodukten Zucker und Kali), am buntesten Berbindung zum zweiten großen Umschlagplatz Berlins , zum Osthafen schließlich die Warenmengen, die von der Unterelbe und ( Warschauer Brücke) hergestellt, der den Verkehr der oberen Spree, Pommern Grenzmart( Stettin !) herkommen, und die in des Oder- Spreekanals und damit der oberen Oder einfängt. Außer der Fülle der Produkte in dem Vorkommen landfremder Waren den dem ergibt sich dann aber nach Westen über Spree , Havel und die Einfluß der deutschen Großhäfen verraten. mannigfachen Berkürzungsstrecken eine Ausfallſtraße nach Magde burg und zur Elbe.

Aus dieser Verknüpfung der Wasserwege und aus der modernen, zweckmäßigen Einrichtung der Gleis- und Krananlagen, der Fahr Straßen und Speicherräume ergibt sich die bedeutende Stellung des

reidt Rambeck so dem schlichten Helden der Arbeiterbewegung den Ehrenkranz dichterisch gestalteter Menschlichkeit. Hier wird einmal gefagt, wieviel Treue und Anständigkeit, wieviel Glaube und Selbst­kontrolle zur zähen unermüdlichen Arbeit im Betrieb, zum immer währenden Organisieren, zur ständigen Agitation von Mund zu Ohr, zum Markenverkaufen, zum Zeitungsverteilen gehört. Und wo bliebe der gesetzliche Arbeiterschutz und das Tarifrecht ohne diese Auf opferung?

Hier hat einer aus der Masse ein durchaus nützliches Buch Der Verfasser zeigt auch die Aufgaben, die ein Betriebsgeschrieben, eine Menge wertvoller Erkenntnisse niedergelegt und dazu ein unbekanntes Milieu gegenständlich gemacht. Das Buch obmann und Gewerkschaftsvertrauensmann Walchensee - Kraftwerkbau in den wildbewegten Jahren nach dem bleibt nicht im Oberflächlichen, Reportagehaften stecken; die ver­Kriege zu leisten hatte. Sein Held aber entwickelt gerade daran schiedenen Organisationsformen und politischen Systeme der Ar­seinen politischen Sinn und wird zum eifrigen Agitator für die oft beiterklasse werden vom Dialog her angeleuchtet und aus der ökono­umfämpften und umstrittenen Gewerkschaften. Es fällt ihm nicht mischen Situation ihrer Vertreter flargemacht. leicht, während der Münchener Rätezeit und in den Jahren der Inflation die einmal als richtig erkannte Politik der Gewerk­schaften und der Sozialdemokratie vor Menschen zu vertreten, die verantwortungsloser Phraseologie geneigter sein mußten als regel mäßiger Beitragszahlung.

In unserer Zeit, wo es in gewissen Kreisen fast zum guten Ton gehört, sich über die mühselige und schmunglose Kleinarbeit Des Gewertsaftsfunktionärs hoch erhaben zu dünten,

Wenn Rambed auch noch den letzten Rest ornamentalen lite­rarischen Balastes von sich abstreift, wenn er die manchen Rätsel, die ihm die deutsche Sprache noch aufgibt, gelöst haben wird, dann wird dieses Erstlingswert eines Arbeiters die Laufbahn eines guten proletarischen Schriftstellers eröffnet haben. Heute schon fönnen wir Rambeck begrüßen als cinen Sprecher für den Neubau der gesellschaftlichen Ordnung durch die Arbeiterklasse, der es verdient, Georg Schwarz . gehört zu werden.

ist

Es ist klar, daß diese wirtschaftliche Berbundenheit am größten mit den industriellen Gebieten, besonders mit denen, die die Roh­stoffe liefern. Gegen die räumlich fleinen Landschaften wie Ober­ schlesien oder das Ruhrgebiet treten die ausgedehnten, aber rein landwirtschaftlichen, Ostpreußen , Mecklenburg , mehr zurück. Wichtig ist aber auch die Verkehrslage, die Möglichkeit zu billigen Frachten,

d. h. zum Transport zu Wasser. Darum wird aus Süddeutschland außerordentlich wenig eingeführt, darum ist Oberschlesien ein meit wichtigerer Lieferant als das ferne Ruhrgebiet , und so erklärt sich besonders der krasse Einfuhrunterschied zwischen Unterelbe und Unterweser. Ist doch, solange der Mittellandkanal noch nicht fertig ist, feine ununterbrochene Binnenschiffahrt zur Unterweser möglich.

Bei allen Erwägungen haben wir bisher Brandenburg beiseite gelaffen. Man ist überrascht, aus der Statistik zu sehen, daß die Provinz Brandenburg mengenmäßig die größte Einfuhr

nach Berlin hat! Es zeigt sich hieraus, eine wie große Bedeutung die arme" Mark für ihr Zentrum besitzt. Wenn es auch keine hoch­wertigen Erzeugnisse sind, die Brandenburg liefert, so sind es doch mit die wichtigsten für eine Großstadt, wie z. B. die Erden, Kalk, 3ement und Steine. Es sind auch die, die einen großen Laderaum verlangen und deshalb möglichst zu Schiff transportiert werden müssen. Und so erweist sich auch hier wieder die Wichtigkeit von Wasserstraßen, einmal für die Großstadt, die die Güter möglichst billig bekommen muß, und dann für die Mark Brandenburg selbst, für die eine Erschließung durch Flüsse und Kanäle lebensnotwendig ist. Trotz der guten Eisenbahnverbindungen, trotz des immer wachsenden Kraftwagenverkehrs find die natürlichen und fünftlichen Wasserstraßen mit eine Hauptgrundlage für das wirtschaftliche Sein und Wachsen Berlins .

wt.

( Aus Joh. Matz, Geographische Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Verlag Dietrich Reimer, Berlin .)