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BERLIN Freitag 5. Februar

1932

Der Abend

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Nr. 60

B 30

49. Jahrgang

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Luftkampf über Schanghai

China setzt sich im Nichtkrieg" zur Wehr

Schanghai , 5. Februar.

In der Nacht auf heute kam es zu einem chinesisch­japanischen Luftkampf. Während das Feuer der schweren Artillerie der Japaner auf Schapei andauerte, unter­nahmen

zwei chinesische Flugzeuge einen Angriff auf sechs japanische Bombenflugzeuge und über­schütteten sie mit heftigem Maschinengewehr­feuer.

Auch die chinesische Infanterie beschoß die feindlichen Flugzeuge mit Maschinengewehren. Die Japaner entfernten sich in Richtung auf den Jangtse . Aber es wurde beobachtet, daß eins von den japanischen Flug zeugen bei Schapei a b stürzte. Gegenwärtig kreisen die awei chinesischen Flugzeuge über Schanghai in der Nähe des Westrandes der internationalen Niederlassung. Bis her hatten die Chinesen den japanischen Luftangriffen beinahe wehrlos gegenübergestanden. Dieser erste Zu­sammenstoß in der Luft wird sich vielleicht als Einleitung großer Luftgefechte über der Nieder lassung herausstellen; denn es wird berichtet, daß heute vormittag aus Nanking 18 chinesische Flugzeuge eingetroffen sind.

Sinnlose Zerstörung.

Schanghai über London , 5. Februar. Die neuen japanischen Artillerie- und Bombenangriffe auf Tschapei haben zu nichts weiter geführt, als zu neuen großen Feuersbrünsten. Vom militärischen Standpunkt aus betrachtet ist die ganze japanische Aktion gegen das Stadtviertel ein Fehler gewesen. Die chinesischen Streitkräfte um Schanghai herum sollen ungefähr 25 000 Mann zählen, von denen aber nur ein kleiner Teil gegen die Japaner gefämpft hat. Es wird schwierig für die Chinesen sein, Verstärkungen heranzubringen, da viele japanische Kriegsschiffe den Jangtse abpatrouillieren.

Trommelfeuer!

Schanghai , 5. Februar.

Die japanische schwere Artillerie begann heute um 0.40 Drts­zeit( ME3. 17.30 Uhr am 4. Februar) die chinesischen Stellungen mit Trommelfeuer zu belegen, das aber allmählich schwächer wurde und von 5 Uhr Ortszeit( ME3. etwa 22 Uhr am 4. Februar) ab nur noch mit Unterbrechungen vernehmbar war. Troß dieses heftigen Artillerieangriffs haben die Japaner feinen Fort schritt erzielt.

Neuer internationaler Protest.

Schanghai , 5. Februar. Der Gemeinderat der Fremdenstadt ersuchte den amerikanischen Konsul als Senior der Konsularvertreter die eindringlichsten Vor­stellungen bei den japanischen Behörden wegen der Behinde= rung der Gemeindepolizei, der Feuerwehr usw. an ihrer Tätigkeit durch japanische Truppen zu erheben, da dies zu einer vollständigen Unterbrechung der öffentlichen Dienste geführt habe.

Flugkatastrophen.

Acht Tote bei Los Angeles.- In der Sahara verschollen. Los Angeles , 5. Februar.

In den Bergen nördlich der Stadt wurden heute die Ueber­reffe eines feit einer Woche vermißten Paffagierflugzeuges entdeckt. Der Pilot und die sieben Passagiere wurden als ver­tohlte Leichen vorgefunden.

Paris , 5. Februar.

Vor einigen Tagen hatte sich ein franzöfifches Flugzeug in der Sahara verirrt Sämtliche bisher unternommenen Ber­fuche, das Flugzeug und seine drei Infaffen ausfindig zu machen, find bisher vergeblich gewesen. Nachdem zunächst das ver­mißte Flugzeug auf Funkfprüche geantwortet hatte, sind gestern die Antworten völlig ausgeblieben.

Der Tod auf der Richterfahrt

Ein Staatsanwalt getötet- Der gefährliche Sommerweg

Um 16 Uhr wurde zur Heimfahrt gestartet. Am Steuer saß Oberamtsanwalt Brehm. Etwa 20 bis 25 Kilometer vor Nauen wollte Brehm in nicht übermäßig schnellem Tempo ein anderes Fahrzeug überholen.

Auf der Chauffee zwischen Rathenow und Nauen er-| 3wischenfall. eignete sich am Donnerstagnachmittag, wie erst jetzt bekannt wird, ein folgenschweres Autounglüd. Ein Wagen der Polizei­fahrschule Berlin , der sich auf einer Uebungsfahrt befand, an der mehrere Berkehrsrichter des Amtsgerichts Berlin­Mitte und die Verkehrsdezernenten der Staatsanwaltschaft I Berlin teilnahmen, überschlug sich und wurde völlig zertrümmert. Staats­anwaltsschaftsrat Lettner von der Staatsanwaltschaft I war sofort tot, die übrigen Insassen des Wagens erlitten zum Teil lebensgefährliche Verlegungen.

Der Wagen geriet dabei auf den Sommerweg und kam ins Schleudern. Brehm verlor die Herrschaft über die Lenkung

und der Wagen überschlug sich mehrmals.

Die Insassen wurden größtenteils unter den Trümmern be­graben. Staatsanwaltschaftsrat Lettner wurde auf der Stelle getötet. Die übrigen Mitfahrenden famen mit mehr oder minder schweren Verlegungen davon.

Zu dem Unglüd erfahren wir folgende Einzelheiten: Für die gestrigen frühen Nachmittagsstunden war zwischen den Verkehrs. richtern des Amtsgerichts Berlin- Mitte und den Dezernenten für Autounfälle der Staatsanwaltschaft I eine lebungsfahrt nach Rathenow vereinbart worden. An der Fahrt nahmen teil Staats­Rathenow vereinbart worden. An der Fahrt nahmen teil Staats­anwaltschaftsrat Lettner, Staatsanwalt Dr. Wolff. Ober­amtsanwalt Brehm, Amtsgerichtsrat Forster, Amtsgerichtsrat Dr. Kronheim und der Fahrmeister Wengler der Polizei- nahme. fahrschule Berlin . Die Hinfahrt nach Rathenom verlief ohne jeden

Auf Schleichwegen STAATS­ANGEHÖRIGKEIT HINTEREINGANG

Adolf von Hildburghausen : Als echter Gendarm müßte ich hier einschreiten. Aber- gottlob ich bin ja nur ein nachgemachter!"

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Die Schiebung um Rappelsdorf. Erklärung des Ministerpräsidenten Baum.

Weimar , 5. Februar.( Eigenbericht.)

Zu der Ernennung Hitlers zum Gendarm erklärte Staatsminister Baum auf eine Anfrage, daß die Oeffentlichkeit am Freitag durch eine Erklärung der Regierung aufs genaueste informiert werde. Das kabinett werde besonders zu dem Vorgehen des Ministers Frid Stellung nehmen und die Frage erörtern, ob das Berhalten der beiden Ministerial räte mit den beamtenrechtlichen Bestimmungen zu vereinbaren fei. Der Minister erklärte, er habe, nachdem die Angelegenheit in der Deffentlichkeit erörtert worden sei, es für seine Pflicht gehalten, der Reichsregierung von den Vorgängen in Thüringen im Jahre 1930 Kenntnis zu geben.

an.

Borüberkommende Automobilisten nahmen sich der Verunglückten Einer der Schwerverletzten, Amtsgerichtsrat Kronheim, wurde in bewußtlosem Zustande in eine Berliner Klinik übergeführt. Die übrigen Verunglückten fanden in der Universitätsklinik Auf­Am glimpflichsten ist der Polizeifahrmeister davon­gekommen, der einige Abschürfungen erlitt.

Zustände in Klaggeftan.

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Nächtlicher Straßenkampf der GA. gegen Polizei. Polizeis beamter wird gemaßregelt.

Braunschweig , 5. Februar.( Eigenbericht.) In der letzten Nacht hat in Braunschweig ein Polizeibeamten Straßenkampf zwischen

und Nationalsozialisten stattgefunden. Im Arbeiterviertel wurden Polizeibeamte von SA. ­Leuten angegriffen. Ein SA.- Mann wurde im Kampf verletzt und mußte in das Landeskrankenhaus geschafft werden. Den SA.- Leuten wurden durch das schnell herbeigerufene Ueberfallkommando zwei Re­volver abgenommen. Eine dritte Waffe wurde durch einen Straßenfeger auf der Polizeiwache ab­geliefert. Sie war von einem SA.- Mann im Augenblick seiner Festnahme fortgeworfen worden.

Der Bereitschaftsführer, der die Fest= nahme der Nationalsozialisten veranlaßte, wurde schon am nächsten Morgen zum Innendienst tommandiert. Durch derartige Schikanen sollen die Polizeibeamten anscheinend mürbe und unsicher gemacht werden.

Die verhafteten SA.- Leute werden sich wegen Wider­standes gegen die Staatsgewalt, Beamtenbeleidigung und Vergehens gegen die Notverordnung des Reichs­präsidenten zu verantworten haben. Sie werden dem Schnellrichter vorgeführt.

Bürgschaften des Reiches. Vertrauliche Beratungen im Haushaltsausschuß. Der Haushaltsausschuß des Deutschen Reichstages beriet heute wiederum in vertraulicher Sigung die Zusammen­stellung der vom Reich übernommenen Bürgschaften, nachdem er gestern den Bericht über die Reichsbeteiligungen besprochen hatte. Ferner steht zur Beratung der Bericht des Reichsfinanz­ministers über die Darlehen des Reiches.

Nach Abschluß dieser vertraulichen Beratung wurde der Ein­spruch des Reichsrats gegen das vom Reichstag beschlossene Gesez über die Einfuhr von Gefrierfleisch erörtert. Dazu gab der Vertreter des Ernährungsministeriums einen eingehenden Bericht über die derzeitige Lage des deutschen Fleischmarktes.

Als Nachfolger Mellons, der zum amerikanischen Botschafter in London ernannt worden ist, wurde der bisherige Unterstaats­sekretär Mills zum Staatssekretär befördert.