Mans OUo Sienel: SEwei mätm ora hatten ihm da eine Einladung ins Haus geschickt, die snn+ Aufdruck zugleich Programm und Einlaßkarte war. Auf der Vorder» feite stand schön oeljchuorkelt das Wort„Einladung", links und rechts oon einer umfangreichen Lyra flankiert, auf der Rückseite unter der Ileberschrift..Konzertfolge" eine Reihe von llwmmern und Namen, die Matzke auf den ersten Anblick hin unverständlich erschienen. Er hätte die Karte sicherlich beiseite gelegt, wenn ihm nicht recht deutlich in die Augen gesprungen wäre: Ü'.Nach dem.Konzert Ball!:' Die Ehre der Einladung gab sich„der endesunterfertigte Gesangverein Amselschlag". Konzert hatte Btayke noch nie interessiert. Weder im Lotterie- ftamm..Grüne Niete", den er selbst mst gegründet hatte, noch in semem Äthleteirklub hatte es je Konzert gegeben. Aber nach dem Konzert Ball, das ließ sich hören. Ball ist immer was Feines, Ball gibt die Möglichkeit, auf billigst« Art mit fremden Mädchen hemm- zutanzen, und schon darum soll man einen Ball nicht auslasten. In Erwartung der fremden Mädchen zog Matzke sich sorgfältiger an, als er es für die„Grüne Niete" oder den Athletenbund getan hätte. Der Scheitel glänzt« und roch ebenso gut nach Pomade wie der Schnurrbart. Die Schlipsnadel wurde solange über dem strammen Hosenboden gerieben, bis sie wirklich wie echtes Gold aussah. Und zum Waschen hatte Matzke ausnahmsweise sogar einmal die Hemd- ärmel aufgestreift. Noch ein tüchtiger Spritzer Parfüm auf die Jacke, und Matzke stellte befriedigt fest, daß er als konzertreif angesehen werden mußte. Der erste Eindruck, den Dkatzke voni Gesangverein..Amselschlag" cinpsing, war nicht sehr günstig. Er schob sich etwas geräuschvoll durch die Tür, was ihm eine Rüge des Mannes eintrug, der dort am Eingang die Karten kontrollierte. Matzke fand die Mahnung zur Ruhe übertrieben, denn die Männer oben auf dem Podium, die unter Anführung eines quecksilbrig beweglichen Mannes melodisch be- haupteten, sie trügen wo sie gehen ein« Uhr bei sich— die überschrien doch das Getriebe im Saal. Dieser Saal, das stellte Matzke gleich fest, war lange nicht so sein aufgemacht, wie Matzke das von den Festlichkeiten des Athletenbundes gewöhnt war. Aber der Ball hatte noch nicht begonnen und das freute Motzte. Er spähte nach einem Platze aus. Plätze waren noch genug frei und Matzke schob sich an einen heran, an dem außer«n paar hübsch aufgemachten Fräuleins nur«in einsamer Mann saß. Dieser Mann hatte merk- würdigerweise die Augen geschlosten. was Matzke unpassend fand. Seiner Meinung nach war ein Konzert mit anschließenden! Ball doch teine Gelegenheit zum Ausschlafen. Der Mann riß unwillig die Augen aus, als Matzke bei dem Beinühen. am Tische Platz zu nehmen, einen Stuhl umriß. Auch »an einigen anderen Stellen der Umgebung her zischelte man um Ruhe. Matzke fand das lächerlich, denn die begehrockton Männer auf dem Podium brüllten immer nach am lautesten im Saal, waren also gar nicht zu überHörem Der einsame Mann schloß die Augen wieder, Matzke vertiefte sich in das Programm und erriet, daß man wahr- scheinlich gerade„Die Uhr von Löwe" singe. Das sollte eine Ballade sein, aber Matzke vermißte daran das Ball mäßige gänzlich Auf einen besonders lebhaften Wink ihres Anführers hin schwiegen die Sänger, und nun konnte man auch ungestörter den anderen Lärm im Saal vernehmen, Di« Leute klatschten wie besessen. ganz besonders toll aber der Mann, der die Augen zugehabt hatte. '.Natzkes Gefühl empört« sich dagegem Er fand es unredlich, wenn einer, der gefchlafen hat, den Interessierten markiert. Biel besser als dieser Mann gefielen Matzke die Mädchen am anderen Ende des Tisches, die fast wie vornehm« Damen auesahen und jetzt gerade«in mächtiges Paket belegter Brot« in Angriff nahmen. Er wollte ihnen gerade„Guten Appetit!" zurufen, da aber begannen die schwarzen Männer aus dem Podium wieder das Uebergewicht über den anderen Lärm zu bekommen. Sie hatten ein neue» Lied an- gestimmt, und der einsame Mann gegenüber von Matzke schloß wieder die Augem Ja, zum Kuckuck, dieses Lied kannte Matzke, aber im Athletenklub sangen sie das ganz anders. Er stieß den Mann. der die Augen zu hatte, au und teilte ihm inst, daß die da vorn bestimmt falsch sängen. Der Mann fuhr ziemlich unhöflich auf, als hätte er ein böses Gewissen, und diese Schußligkeit bestärkt« Matzke in seiner Meinung, daß der da süßer Ruhe gepflogen hast«. Nein, das war kein feiner Mann. Um so netter« Kerl« erschienen Matzke die Mädchen, die aus dem knisternden Pergamsntpapier die Brote hcrausgrabschten und sich fröhlich daraus ausmerksam mochten, daß Salamiwurst besser zum Konzert passe als Käse. Matzke konnte den Blick gar nicht von ihnen wenden und empfand es störend, wenn der..Amselschlag" im mächtigen Forte der Bässe doherraufchte. Dieses laute Singen erschwerte ihm die Herbeirusung des Kellners. Aber schließlich gelang es ihm doch, mit seiner Stimme durchzudringen, unh � bekam das gewünschte Bier. Der versunkene Mann riß wieder die Augen mächtig aus, als Matzke den Mäd6)en mst der lauten Stimme eines aufrechten Mannes die Blum« des Bi«r«s zu- prostete. Die bösen Blicke, die der Mann zu Matzke hinüberwarf, animierten den noch mehr, das einmal eingeleitete Geplänkel mit den Mädchen fortzusetzen. Das konnten«in paar flotte Tänzerinnen werden, nachher, wenn der Ball begann. Bis hierher halle Matzke verhältnismäßig wenig gegen das Konzert einzuwenden.. Aber jetzt verschwanden die schwarzen Männer vom Podium und ein einziger bemächtigte sich desselben. Er strich sich das Haar, nahm vor einem Klavier Platz und schlug darauf los. Schon in den eisten Minuten solchen Beginnens wundert Matzke sich, wie man hier überhaupt von Konzert reden rönne. Das war doch keine Musik. Weder tonnte man nach ihr fingen, noch ließ sich nach ihr tanzen Matzke versuchte sie nachzu- pfeifen. Leise natürlich. Aber das ging nicht so leicht, denn die Musik«llte seinem Pfeifen immer«n Stückchen voraus. Und der verschlafene Kerl regte sich wieder und regt« sich sogar aus. Heber Matzke. Ob der sich denn nicht endlich einmal anständig benehmen wolle? Matzke fühlte sich oersucht, einen Spezialgriff seines Äthletenklub« anzuwenden, aber er dachte noch rechtzeitig an die beiden Mädchen. Hauen vor Damen schickt sich nicht, und er blieb widerwillig friedlich. Aber da ein Ehrenmann keine Kränkung un- widersprochen läßt, so rief er wenigstens dem Duckmäuser über den Tisch weg zu, daß er den Rand halten solle. Mit einem ungebild«. ten Menschen, dem beim Konzert die Augen zusielen. wolle er. Matzke, nichts zu tun haben. Aber der da drüben hatte die Augen schon wieder geschlossen. Dafür schaut« der Klavierspieler einige Mvmeut« ganz verstört dorthin, wo Matzke saß. Aber der merkte das nicht, denn im Vollgefühl seiner Ueberlegenhest hatte er schon wickier das Glas gehoben und den Mädchen zugetrunken. Di« warfen ihm zum Aeichen ihrer freundlichen Gessnnung das zu- fammengeknautschte Papier ihrer Brote über den Tisch weg zu. Der Duckmäuser war doch«in Schwindler! Matzke stellt« es mit Befriedigung fest. Wieder hatte er das ganze Konzertstück verschlafen und doch klatschte er am meisten, lieber was klaff cht« er denn so? Matzke buchstablerte auf dem Programm B— e— e— i« Hoven—«in sonderbarer Name sür ei» Lied, da« mau«cht ew-
er im Oionmeri mal singen konnte. War das überhaupt«in Lied? Im„Eichen- kränz froher Lieder für Deutschlands Athleten" stand es jedensalls nicht. Bon dem Gesinge und Gespiele abgesehen fand Matzke so ein Konzert eigentlich gar nicht langweilig. Man saß da. trank sein Bier, guckte den vorbeigehenden Mädchen nach der unteren Per» längerung des Rückens und tonnte außerdem noch einen so faden und oerschlafenen Kerl ärgern, wie den da drüben. Dieser Mensch hatte sich nicht einmal ein Getränk bestellt. Ein Nassauer, der Wirt und Kellnern nichts zu verdienen gibt, stellte Matzke fest. Aber so sind die Kerle, die beim schönsten Konzert schlafen. Solche Brüder gab es im Athletenklub nicht. Nun gröhllen die da vorn wieder los. Mein Gott, wie die sich hatten. Süß zirpten sie wie die Jungfern und ölig wie die Kirchenmusikonten. Sie knieten sich ordentlich rein in ihr Gesinge Aber die Leute im Saale sielen nicht darauf herein, abgesehen von der Schlafmütze und ein paar anderen Duckmäusern, die immer gleich Pst! Pst! machten, wenn man sich wie ein natürlicher Mensch bewegte. Denen mußte man zeigen, wie wenig man sich aus ihrem Getue macht. Matzke bestellte sich laut eine Portion Schweinsknochen. Er ist doch nicht zum Hungern hergekommen und will Kräfte für den Ball nachher haben. Prost, meine Damen! Matzke bestellte sich wieder«in Bier und warf nach der anderen Seit« des Tisches die anzügllche Bemerkung hin, daß Männer nicht schliefen, sondern tränken, wenn es ein Konzert gäbe. Prost, meine Damen! Noch einmal! Die Damen kicherten geschmeichelt. Matzke wollte denen da vorn beweisen, daß lauter als ein flüsternder Säuselgesang immer noch die Stimme eines gesunden Mannes klingt, und darum fragt« er starken Tones über den langen Tisch hinweg die Dame im Schwänzelfieide, ob er dann beim Boll den ersten Tanz haben dürfe. Ein vernünfttgez Weib, denn si« antwortete laut und deut- lich: Ja! Der Anführer der Sänger dreht sich mitten während seiner zappe- ligen Freiübungen nach dem Saale um und blickte grollend zu Matzke hin. Der aber ließ sich nicht stören und kaut« fein? Schweinsknochen mit gutem Gewissen weiter. Ms ihm das Messer
Menry MeUffen:, Wenn Leute früher„geschanghaii" wurden, geschah das fast nie in Schanghai ..., sondern in San Franziska, in Buenos Aires oder an der Westküste Südamerikas , da, wo die großen eura- päischen Segelschiffe auf der Reede lagen und Mannschaft sür die Rückreise haben mußten. Die Besatzung war ja oft infolge der Behandlung aus der Ausreise ausgerissen: Sie gingen an Land. und der Hunger schlug ihnen— sagte man— wie eine blaue Flamme aus dem Halse! Man erzählt an Bord viele Geschichten von Eharlie Brown, einem berüchtigten Heuerbas im Hafenviertel von Buenos Aires , der ein wahrer Meister darin war, Seeleute in Whisky und Gin zu betäuben und. wenn sie erst jeden Verstand verloren hatten, an Bord eines Segelschiffes zu schaffen, das gerade den Anker aufholen wollte. Es kmn vor. daß Eharlie nicht gründlich genug vorgegangen war und daß.die Matrosen einiger- maßen nüchtern in der fremden Koje wieder zu sich kamen, eh« das Schiff abging. Dany hatte der Heuerbas einen Agenten draußen, der ihnen ins Ohr flüsterte: Charlie der hat euch verkauft..., geh an Land und schlage ihn kaputt! Keine Macht der Erde, auch nicht der Bootsmann, konnte sie dann zurückhatten. Und si« gaben nicht nach, bis sie wieder in Charlies Wirtschaft standen, er begrüßt« sie grinsend, trank sie noch einmal voll und verkaufte sie zum zwetten- mal an ein anderes Schiff. Geschanghait war allmählich eine internationale Vokabel ge- worden: aber in den letzten Jahren haben die großen europäischen Segesschisf« fast alle aufgelegt— es macht sich nicht mehr bezahttl — Charlie Brown lebt nur noch in Geschichten, und jetzt muß man wirklich nach Schanghai fahren, wenn man cittsührt werden will. Die Stadt am Whangpoo hat das Wort wieder als ihr Eigentum zurückverlangt. In Schanghai kommt es fast täglich vor. daß mitten auf den belebtesten Straßen Menschen gestohlen werden. Nur nennt man das au» lokalpatriotischen Gründen nicht schanghaien, sondern kidnappen. Und die gesuchten Objekte find nicht mehr Seeleute— was sind die schon unter Brüdern wert? Nichts!— Nein, man nimmt lieber reiche Chinesen. Oder noch lieber die Söhne reicher Chinesen! Europäer und Amerikaner sind merkwürdigerweise bis- her verschont geblieben, aber sie kommen eines schönen Tages auch noch heran. Die Banden bringen die gestohlenen Personen in irgendeinen sicheren Schlupfwinkel auf chinesischem Gebiet und setzen sich dann mtt den Verwandten in Verbindung, um ihnen die Höhe des Lösegeldes zu diktieren. Oft zeigen die Verwandten die Sache gar nicht der Polizei an— entweder, weil sie es aus Angst vor der Rache der Bande nicht wagen, oder well sie glauben, es hat doch keinen Aweck!— Sie zahlen lieber. Reich« Chinesen ver- wandeln allmählich ihre Häuser in kleine Festungen, Koufleute und Bankier» lassen sich aus dem Wege zum und vom Geschäft durch Bewaffnete— oft landsluckitige Russen, die entzückt sind, ein Job zu haben— begleiten, die Kompradoren nehmen Unterricht im Re- volverschleßen, und wenn man jetzt in einem Antiquitätenladen auf Nanking Read eine Mingvase ansehen will, wird man in ein Bauer eingeschlossen. Das 6hikago des Offens. Früher nannte man Schanghai das Babylon des Ostens..., heute sagt man lieber: da» Chikago des Ostens. Anschläge in den Hotels warnen Damen davor, sich außerhalb der Hauptstraßen zu bewegen: Männer, deren große Passion es»st, auf klagt» zu gehen. können sie nicht mehr befriedigen.... sie können sich einfach nicht außerhalb des Settlements wagen. Beretts in den chinesischen Borstödten kömien sie riskieren, auf Räuberbanden zu stoßen. Ein chinesischer Kaufmann erzählte unlängst seinen europäischen Freun- den. er habe stets mindestens 100 Dollars in der Tasche: „Sie zu verlieren, macht Mick nicht arm", sagte er,„und ich riskiere jedenfalls nicht, daß die Räuber bösartig werden, well sie die Mühe gehabt haben, mich vergeblich anzuhalten!" Selbstverständlich bespricht man die Ursachen dieser ständig zu- nehmenden Kriminalität, und The Police Devartment behauptet, das Chinese Provisional Court sei zu mild« in seinen Urteilen. Die Chinesen verteidigen sich mit dem Hinweis darauf, daß unlängst an einem Tage 27 Verbrecher hingerichtet wurden, darunter«in« Frau. Sie machen außerdem geltend, daß die Polizei des Settle- ments sich in großem Umfange aus Ausländem rekrutiert, und daß zwischen den Fremden und der Polizei der Chinesenstadt keine rich- tig« Zusammenarbeit besteht. Taffächlich siebt man nirgendwo sonst so viel« Polizisten auf der Straße wie in Schanghai . Auf
direkt aUs dem Munde siel, jchlugen die Mädchen ein fröhliches Gelächter an. Matzke lachte gutmütig mtt ihnen. Aber der ver- schlafen« August, so hatte Matzke für sich den stillen Mann getauft, führte stöhnend ein Taschentuch an die Stirn. Matzke hatte gehofft, daß die Singerei und Konzerterei nun endlich ein Ende habe. Und er enrpfand es als ein« starke Zu- mutung an tn« Geduld der Zuhörer und der Kellner, als der Klavierbändiger sich noch einmal aus dos Podium und an das Klavier wagte. Wieder taten«ine ganze Anzahl Leute so, als ob das für sie ein interessanter und begehrter Genuß sei. Ballade von Chopin , so stand aus dem Programm. Schon wieder eine Ballade? Hat das denn überhaupt etwas mtt Ball zu tun? Was heißt Ballode? Matzke merkte nicht das geringste von Ball und fühlte sich geschädigt. Das grenzte ja an Hochstapelei. Eine Ballade wiro angesagt und keiner tanzt? Das Zeug war ja überhaupt nicht zu tanzen Erst versuchte er mttzusummen, Mitzupseifen. Das war unmöglich nach diesem verrückten Zeug. Dann unternahm«r es, den Takt mit dem Fuße iiachzustampfen. Aber da regten sich wieder etliche Iaköbe darüber auf, natürlich cm meisten dieser schlafmützige Kerl am Tische, der nicht eimnas am Ballabend di: Augen richtig aufkriegte. Jaköppe! Das mußte Matzke sich vom Herzen sprechen, unü er sagte dieses Wort, seiner Meinung nach die einzig richtige Kennzeichnung der Leute, die keine Ahnung von Konzert und Ball haben, mit dem harten Mute des Bekenners. Vom Klavierspieler auf dem Podium bis zu der Garderobefrau draußen im Vorraum war es für jedermann unmihv«'. ständlich vernehmbar. Der stille Mann aber sprang wie ein Wilder empor und schrie ohne alle Rücksicht auf Chopin : Nu aber raus! Raus! So schrien auch auf einmal noch viele andere Leute, und sie' drangen auf Matzke ein. Der Klavierspieler legte die Hände in den Schoß und starrte angstvoll noch dem Knäuel, der sich um Matzke bildete und sich türwärts in Bewegung setzte. Ms der Pianist Chopins �s-Dur-Ballad« von neuem begann. herrschte Ruh« auf Matzkes Platz. Denn er saß nicht mehr dort und die zurückgebliebenen Schweinsknochenreste waren stumm. Auch die beiden Mädchen waren mtt dem Verzehren ihrer Brote fertig und hatten kein Papier zum Rascheln mehr. Matzke aber wird sich auf dem Heimwege entschlossen haben, den Besuch eine? Konzerts endgültig als eine kulturtose Angelegenheit künstig zu unterlassen.
,@efckanghaH" der Garden Bridge, einer Stahlbrücke über den Soochow, der zwischen dem Zentralbezirk und dem nördlichen Teil des intccnatio- nalen Settlements fließt, stehen stets Wachtposten in Khaki— entweder englische Soldaten oder Mitglieder des freiwilligen Korps— und machen alle Augenblicke eine Stichprobe: Ein Omnibus wird angehalten und alle Chinesen darin müssen sich körperlich unter suchen lassen,«in Mann wird aus einem Rickfcha herausgeholt und die Pakete, die er trägt, werden aufgerissen und untersucht, ob sie Waffen oder Munition enthalten, ein Passant wird an den Rippen gekitzelt, um festzustellen, ob er eine Panzerweste trägt oder nicht. Und wenn ja, dann die Erlaubnis vorgezeigt! Alle Polizisten tragen selbst schutzsichere Westen, aber allmählich haben v auch die Stäubet begonnen, diese praktische Mode mitzumachen, die Revolverkugeln prallen daran ad, deshalb muß man nun innerhalb des Settlements eins Lizenz' haben, sei es, daß, man nur ein« schußsichere Weste trägt oder Waffen fabriziert und verkauft Die Erlattbnis, sie zu tragen, kostet jährlich S Dollar. Urjprüug lich wurden die Westen von einem Schweizer . Elly Widler, her- gestellt: man sollte annehmen, es wäre ein ausgezeichnetes Ge- schüft gewesen, aber Herr Widler wurde nichtsdestoweniger in eine Angelegeichett mtt Straßenraub verwickelt und gab daher gezwungen seine gesegnete Wirksamkeit auf, Neulich fing mm» aus Tibet Road. wo die großen chiiiesischen Hotels liegen, den größten Teil der„Gesellschaft der Biehlöter", einer örtlichen Räuberbande, deren einzelne Mttgliedcr mit 30 Dol lar monatlich besoldet wurden plus Ausgaben für Rickjchas, Für diesen bescheidenen Betrog mußten sie bereit sein, jedes beliebige Derbrechen, vom Mord an abwärts, auszuführen. Wenn sie ei» Haus plünderten, wandten sie den Trick an, draußen auf der Straße Raketen abzubrennen: Nichts erschien natürlicher: denn die Chinesen liehen alles, was knallt, und machen Feuerwerk ans Freude und Traner, gleichzettig hinderte es aber die Passanten zu hören, daß drinnen mtt Revolvern geschossen wurde. Ehlnesische Dentwcise. Man darf nicht vergessen, daß die Rechtsbegrisse der Chineseii ganz andere sind als die unseren: Viele Kriegsherren des Landes haben eine ganz offizielle Vergangenhett als Räuber und Wege- lagerer, in allen Einzelheiten in„Who is who in China " ausge- führt. Tschang Tso-lin und Lu Nung-tmg, um nur zwei zu nennen, hätten eigentlich den, Henker übergeben werden müsse». wenn sie nicht zufällig dafpr gesorgt hätten, zu Feldmarschälle» ernannt und mtt dem Schwert der Acht Löwen dekoriert zu werden. Wie sollen die Leute also im Rauben und Morden etwas Unrechtes sehen! Am bezeichnendsten für den Gedanken- gang eines einfachen Kidnappers ist folgende Aeußerung, die in dem Prozeß gegen Siao Koko vor Gericht fiel. Eines der ge- wohnlichen Mttglieder der Bande sagt« zum Richter, nachdem er gehört hatte, daß er sterben sollt«: „Sie glauben, ich bin ein schlechter Mensch, aber ich bin nicht schlechter als einer dieser Detektive hier.... ich bin nur auf der falschen Seite. Die Detektive dürfen einen Menschen erschießen, well st« auf der richtigen Seite sind. Aber iverrn ich schieße, werde ich verhastet und hingerichtet." Der Anführer einer Kidnapping-Band« hatte sich in große Unkosten gestürzt, um«inen reichen chinesischen Kaufmann ein jähren zu können. Die Polizei kam jedoch der Bande zuvor und befreite den Kaufmann, bevor seine Familie da« Lösegeld bezahlt hatte. Daraus schrieb der Anführer einen rührenden Brief an sein ent schlüpstes Opfer: Der mißlungene Streich, von dem er soviel erwartet hätte, hätte ihn ganz ruiniert, und er bäte den Kaufmann, ihm wenigstens einen Teil der Ausgaben zu ersetzen, die er seinel- wegen gehabt habe. Die bescheidene Summe von lOOllg Dollar würde ungefähr den Verlust decken und ihn instand setzen, wieder anzufangen.... Der Kaufmann hatte wirklich Mitleid mit ihm, doch nickst so- viel, um ihm 10 000 Dollar zu zahlen. Ein anderer Kaufmann hatte ein« Art Freundschaft nnt seinem Kidnapper geschlossen, und als dieser hingerichtet werden sollte, fand er sich auf dem Exekutionsplatz mtt einer großen Flrlch- Unttm-B>«r(Iber norwegischen Brauerei) ein. als letzte Aufmerk famfett für den zum Tode Verurteilten. Der Kidnapper trank das Bier, rülpst« anerkennend— ein Akt der Höflichkeit in China —, wttttte seinem Opfer Lebewohl zu und fiel.