Rr. 99 49. Jahrgang
5. Beilage des Vorwärts
Sonntag, 28. Februar 1932
Jugend in vorderster Front. Das Haus zur ,, Grauen Laus"
Kundgebung aller republikanisch- proletarischen Jugend
Die republikanische Jugend hat die Forderung der Stunde noch Konzentration aller Abmehrkräfte gegen den Faschismus erkannt. Sie reiht sich geschlossen ein in die Eiserne Front, um gemeinfam, Schulter an Schulter, mit den Aelteren für ein freiheitliches, foziales Deutschland zu fämpfen. In Köpenid hatten sich die Jungbannerformationen des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold, die Jungen und Mädel der Sozialistischen Arbeiterjugend und der freien Gewerkschaftsjugend sowie die Jugendmitglieder des Arbeiterturnvereins„ Eiche" zu einer Jugendfundgebung gegen den Faschismus im Stadttheater Köpenick zusammengeschlossen. Die ganze Veranstaltung war allein von der Jugend für die Jugend gestaltet worden. Die Zusammenstellung und die Abwicklung des Programms zeugten von der Hingabe und dem leidenschaftlichen Eifer, mit denen alle ans Werk gegangen waren. Die Leitung der Rundgebung hatte der Jungbannermann Paul Hasche in Händen. Darbietungen des Reichsbannertambourforps unter Leitung seines Dirigenten Schöz au wechselten ab mit Rezitationen, Sprechchorvorträgen und gymnastischen Darbietungen, die von den Jugendmitgliedern des Turnvereins ,, Eiche" ausgeführt wurden.
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Der Gaujugendführer des Reichsbanners, Rudolf Brende mühl, begann feine Rede mit der Feststellung, daß Josef Goebbels , der am Tage vorher in dem gleichen Saal wieder einmal von den vernichtenden Schlägen gegen das System" gesprochen hatte, im Reichstage eine neue parlamentarische Schlappe hat einsteden müssen. Durch die Entscheidung der sozialdemokratischen Reichstags fraktion sei für die nächste Schlacht gegen den Faschismus, für den Reichspräsidentenwahlkampf die Parole der großen Arbeiterpartei gegeben. Sie heiße: Wir wählen Hindenburg, um hitler zu schlagen Goebbels habe in seiner zynischen Frechheit gemagt, die sozialdemokratischen Kriegsteilnehmer, deren Leiber in den Schüßengräben verbíuteten, als er ruhig und sicher in seinem Studierzimmer faß und die Hunderttausende, die, wie der sozial demokratische Reichstagsabgeordnete Frant, im Felde gefallen sind, als Deferteure zu beschimpfen.( Stürmische Pfui!-Rufe.) Wir jungen Menschen find frühzeitig vom Leben hart angefaßt worden, und haben sehr bald lernen müssen, die Dinge real zu sehen. Wir wollen die eifrigsten Trommler der Republif in dem großen Ent
Die Geschichte einer Mietkaserne
Es gibt Häuser, die ihren besonderen Namen haben. Wir| ,, Grauen Laus ein ständiges Kommen und Gehen, menngleich wollen eines besuchen, das den Namen ,, Graue aus führt. gerade hier der Hauswirt so lange mie möglich ein Auge zudrückt. Hier ist unschwer zu erraten, was es mit diesem Spiznamen für ber mas zu viel ist und zu lange währt, das muß eben mal Hier ist unschwer zu erraten, was es mit diesem Spitznamen für geändert werden, und so trat der Mann eines schönen Sprechtages eine Bewandtnis hat. Eine jener Mietfasernen der Millionenstadt, mit einer fiebenföpfigen Schuldnergruppe an der mo die Häuser am didtesten stehen und die Straßen am engsten Wohlfahrtsstelle an und schüttete sein hauswirtliches Herz aus: find, wo Staub und Dreck und Lärm die Stelle von Licht, Luft und Sonne vertreten. Hier wohnen die Menschen beinahe aufstatt nebeneinander, hier ist der Begriff„ Arbeit" lange zum Fremdwort geworden, denn da ist nicht nur einer, sondern da gibt es eine ganze Reihe, die seit 1928 die Hände in den Schoß legten.
Ein Haus mit 60 Mietparteien.
Die Graue Laus", ein Haus in einer der Seitenstraßen des Berliner Ostens, tönnte für den Hauswirt eine wahre Gold grube sein, wem... Da hausen also in zwei vierstöckigen Quer gebäuden pro Stockwert sechs Barteien, insgesamt 48 Familien. Dazu kommen die Bewohner des vierstödigen Borderhauses, das find noch einmal an die zehn oder zwölf Parteien. Alles in allem 60 Mietparteien, die Untermieter und Kinder nicht mit eingerechnet. Bei aller gefchickten Raummugung auf sechs Par auf fechs Parteien kommen beispielsweise bloß zwei Klosetts, und es gibt im Haus weder Boden noch Kellerräume- fehlt fortwährend irgend mo eine Monatsmiete und abwechselnd müssen Haupt- oder Untermieter räumen; nach dem unerbittlichen Gang der Dinge zahlt naturgemäß erst mal der Untermieter dem Hauptmieter feine miete, fo daß es mit der von diesem beabsichtigten Mietentlastung wieder pon einmal Effig ist. Es ist ein unlösbares Rechenerempel, wie stets im Sinten begriffenen Unterstützung der selbst zu bestreitende Mieteanteil herausgewirtschaftet werden soll, und so ist auch in der
Frauen im Kampf!
der
Gegen Faschismus und Bürgerkrieg!
Stühle, die nachts aus dem Fenster hängen.
Das, was sich hier Wohnung nennt, besteht aus einem großen und einem kleinen Zimmer, wovon das fleine vermietet wird und das große nebst Rüche der zahlreichen Familie als Bohn, Eßund Schlafzimmer dient. Nun ist die Bettenfrage hinsichtlich Anzahl und Aufstellungsmöglichkeit ein unlösbares Problem; daß einer für sich allein ein Bett besäße, kommt natürlich überhaupt nicht in Frage; es teilen sich zwei, drei und noch mehr in den Besitz einer Bettstatt. Dann müssen zur Nacht die Möbel vollkommnen umge räumt werden, und es bleibt vielfach nichts anderes übrig, als die Stühle wegen Raummangels nachts aus dem Fenster zu hängen.
Da liegt jetzt ein Antrag von Paul K. aus dem dritten Stoc im Quergebäude vor, auf dem zu lesen steht: Meine Frau erwartet jetzt in diesen Tagen das fünfte Kind, mir haben keine Bettstelle und feine Bettwäsche, nicht ein Stück Kinderzeug, nichts." Und als der Prüfer hinkommt, da ist alles noch viel ärger, als er es sich vorgestellt hat, und es muß schleunigst geholfen merden. Der Mann ist zwei Jahre arbeitslos, förperlich elend, wiegt, ganze 90 Pfund, die Frau noch elender. Nicht Freude, Jondern Bergmeiflung herrscht über den reichlichen Kindersegen. Der Mann tobt und schreit: Komm mir man ja nich wieder mit solch nem Jöhr." Der Zehnjährige freischt: ,, Dem fleen Aas wolln ma man jleich den Hals umdrehn, Bota, wir ham ja selbst nicht zu freffen." Die Frau und Mutter, Trägerin aller Sorge und allen Leides, ist verzweifelt; sie ist nicht nur feelisch, sondern auch förperlich vollkommen herunter, Schutzmittel versagen bei ihr schon... Wenn der Frühling fommt..
Jeder Mensch hat seinen eigenen Frühling, und in der Grauen so
fcheidungskampf für die Erhaltung der demokratifinen Staatsform. Für die ,, Eiserne Front" aus fiebt er jo ants: Da zieht in den Februartagen der Gänse
vormärts
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hinan, und
für die Schaffung des sozialen Boltsstaats sein. Einer für alle, alle für einen, ist die Losung! Hinan das große, das Wert ist getan!
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Das von der Versammlung begeistert angestimmte Kampflied von der jungen Garde des Proletariats beschloß die Kundgebung.
Berlins Sommerschau entsteht. „ Gonne, Luft und Haus für Alle!" im Werden.
In aller Stille bereitet sich am Kaiserdamm eine weiteste Kreise der öffarung in hohem Maße interessierende Veranstaltung, die große Berliner Sommerschau 1932„ Sonne, Luft und Haus für Alle vor. Diese Ausstellung wird in der Zeit vom 14. Mai bis 7. August Themen behandeln, die gerade im gegenwärtigen Zeitpuntt von weitgehender Bedeutung find. So zeigt zunächst die Gruppe„ Das wachsende Haus" den Interessenten, wie man fich für 2500 mart ein Sommer und Winter bemohnbares fleines Kernhaus schaffen kann, un später nach Bedürfnis und Vermögen um eine oder zwei Anbauten organisch hinzuzufügen. Nicht weniger als 30 fig und fertige, bewohnbare Anbauhäuser werden in den Stadien ihrer Entwicklung auf dem Ausstellungs
Freigelände errichtet.
Am Donnerstag, dem 3 März, um 19% Uhr, im großen Saal des ,, Lehrervereinshauses" am Alexanderplatz
fchlächter aus dem Laden unten und überläßt ein Revier dem Eisfrigen, der wiederum seine Eristenz durch fräftiges Bemalen der Schaufensterscheibe dem werten Bublifum
Ceffentl. Frauenkundgebung und und zu wissen tut; dies allerdings in einer Zeit, wo uns das
Es sprechen: Für die Sozialdemokratie Genossin Johanna Reitze, MdR. Für die fre'en Gewerkschaften Genossin Frida Gladosch- Fürdle Freien Arbeitersportierinnen Genossin Aenne Wolter Fahneneinmarsch der Genossinnen Rezitationen: Genossin Martha John Musik: Freie Sport- und Musikvereinigung
Severing bei den Polizeioffizieren.
In der„ Gesellschaft der Freunde " in der Potsdamer Straße hielt die Bereinigung der Polizeioffiziere Preußens in Anwesenheit zahlreicher Delegierter ihren diesjährigen Vertretertag ab, zu dem auch der preußische Innenminister Severing mit zahlreichen Herren des Ministeriums erschienen war.
Der Vorsitzende der Vereinigung, Oberst a. D. Dillenburg, beschäftigte sich in seiner Begrüßungsansprache zunächst kurz mit den außenpolitischen Tagesfragen, um dann bei der Behandlung der innerpolitischen Problemie auf die Stellung der Schuspolizei einzugehen. Das Handeln der Polizei als der Hüterin der Verfassung sei unverbrüchlich festgelegt, sie weise alle verfaffungswidrigen Einflüsterungen, woher fie auch tämen, ab, und an ihrer Berfassungstreue fönne fem Zweifel bestehen. Der Vorfizende gedachte dann der am Bülomplag erschossenen Polizeihauptleute Anlauf und Lenk, zu deren Ehren sich die Versammlung von den Pläzen erhob. Innenminister Severing betonte, daß das letzte Jahr zwar zwischen ihm und der Vereinigung Meinungsverschiedenheiten gebracht habe, daß aber über diese internen Unstimmigkeiten hirmeg erfreulicherweise Einigkeit zwischen dem Ministerium und der Polizei herrsche. Auf die außenpolitischen Aeußerungen des Vorsitzenden eingehend, erklärte der Minister, es herrschen wohl feine Meinungsverschiedenheiten darüber, daßz Deutschland die Tributverpflichtungen in den nächsten Jahren nicht erfüllen fönne. Was die Kriegsschuldlüge betreffe, so sei es not wendig, erst einmal den anderen beizubringen, daß Deutschland nicht die Alleinschuld am Kriege trage. Was die von dem Vorfizenden vorgebrachten Wünsche und Anregungen betreffe, fo fagte der Minister eine Prüfung der einzelnen Borschläge zu.
In einer zweiten Gruppe wird die ebenso zeitgemäße wie wich fige Frage des Kleingartens behandelt. Auch hier begnügt man fich nicht mit Darstellungen, Tafeln oder Bildern. Man führt 22 Kleingärten, einen jeden rund 300 Quadrat meter groß, aus. Jeder Garten birgt außerdem das dem Charakter der Anlage entsprechende Gartenhaus. Hier wird man zum Teil völlig neue Typen von Gartenhäusern sehen, deren montagefertigen Einzelteile schon von 140 Mark an zu laufen find. Die Kleingärten, deren beste Pflege nach Beendigung der Ausstellung prämiiert wird, werden von Mitgliedern der Kleingarten- Bereine bewirtschaftet. So wird man sehen Gemüsegärten, Obstgärten, Blumengärten, Gärten für Kinderreiche, Gärten für Tierliebhaber usw. Diese Gärten werden sich um eine große Spielwiese gruppieren, auf der die Kleingarten- Bereine und Jugendorganisationen während der Dauer der Ausstellung Spiele und Bewegungsvorführungen zeigen. In den sechs Hallen den Funkturm endlich wird die Abteilung Gruppen Wochen ber Frau" und ,, Barzelle und Haus" untergebracht sein. In dieser letzten Gruppe werden neben 6 ausgeführten Barzellen- Häusern( Wochenendhäusern) die Besucher prattische Vorschläge zur Errichtung von Wochen endhäusern unter Verwendung vorhandener, normalisierter Konstruktionsteile finden. Wesentlich ist, daß man bei allen Dars Berzeichnis der Postichedfunden. Die Berzeichnisse der Post hietungen der großen Berliner Sommerschau neben dem eigentlichen sched tunden im Deutschen Reich werden in nächster Zeit nga Ausstellungsobjekt den genauen Preis und die Beschaffungsmöglichem Stande vom 1. Januar 1982 erscheinen. Bestellungen nehmen alle Bostanstalten entgegen, die mich über die Preise Auskunft er. feit verzeichnet finden wird.
rund ,, Das Wochenende". mit en de
den
Barometer noch allerlei leberraschungen unter dem Gefrierpünft zu bieten hat. Dann macht sich in den wärmer werdenden Tagen die Gegenwart des Heringshändlers bzw. seiner Ware redyt unangenehm bemerkbar, meil die im Hof aufgestellten Tonnen mit der Heringslafe einen penetranten Geruch verbreiten. Einfach nicht auszuhalten" würden die Menschen aus Berlin WW. ftöhnen, aber Grauer Die Sinnes- und sonstigen Organe der Bewohner der Laus" find widerstandsfähiger!
teilen. Postschecktunden erhalten die Berzeichnisse auf Wunsch von ihrem Postscheckami unter Abbuchung des Preises von ihrem Konto; fie tönnen sich auch den regelmäßigen Bezug durch einmalige Be stellung bei ihrem Postschecamt sichern.
Mit den acht Musikkorps des Standortes Groß- Berlin findet dem 6. März, vormittags 11.15 Uhr, im Zirtus Busch ein großes unter Leitung des Heeresmusitinspizienten Schmidt am Sonntag, Militärkonzert statt. Es kommen Werfe von Mendelssohn , Haydu und Strauß zum Vortrag.
Briefkasten der Redaktion.
3. B. 20. Wenn fein Chevertrag geschlossen wird, so bleiben Mann und Frau Eigentümer ihres Vermögens. Dem Mann sicht jedoch die Verwaltung und Rugnießung des Vermögens der Frau zu. Parteigeroffe 1987. 1. Der Rest der Strafe ist ebenfalls zu verbüßen. 2. In Ihrem Falle wird vom, Bohi fahrtsamt ein eheähnliches Verhältnis angenommen. Aus diesem Grunde ist die Unterstügung herabgesezt worden. Gegen die Kürzung fönnen Sie Eino spruch erheben. Der Einspruch ist an das Bohlfahrtsamt zu richten..
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