Der Abend
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Nr. 126
B 63 49. Jahrgang
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Litauische Herausforderung
Rein litauische Landesregierung im Memelgebiet!
Unter Bruch der Memelkonvention hat Litauen den Großlitauer Simmat zum Präsidenten des Landesdirektoriums gemacht. Die Mehrheitsparteien des Landtages haben darum in Wahrung ihrer international verbürgten Rechte abgelehnt, mit Simmat über die Besehung der Landesdirektoren( Regierungsmitglieder) Stellen zu verhandeln. Obwohl der der litauische Außenminister
Heulende Selbstanklage der KPD .
Sie kann sich vor Schmerz nicht fassen, weil Hitler nicht gesiegt hat Zaunius noch Ende voriger Woche dem Völkerbunds: Die Kommunistische Partei hat das Ziel, soviel Stimmen von Bartei unten ein fürchterliches Aufräumen verHitlers Niederlage ist zugleich die Niederlage der KPD. | bolschewistischen Selbstkritik ist völlig klar. Man will in der rat versichert hat, es werde nur eine Memelregierung Hindenburg abzuziehen, daß Hitlers Sieg gesichert war, nicht anstalten, um die Spigen vor dem drohenden Zorn Moskaus gebildet werden, die das Vertrauen der Landtagsmehrheit erreicht. Sie hat gerade noch ihren alten Stand. Sie hat zu retten. besitze, hat Simmat nun ausschließlich Groß. geglaubt, sozialdemokratische Arbeiter zu ihrer Politik der Ittauer in die Regierung berufen. Unterstützung des Faschismus verleiten zu können, aber fein einziger sozialdemokratischer Arbeiter ist ihren Locktönen gefolgt.
Es ist nun vor allem Sache der Garantiemächte der Memelkonvention, diese neue Vergewaltigung der weit überwiegenden Volksmehrheit nicht zu dulden; sie würden sich und das internationale Recht lächerlich machen, wenn sie litanischem Uebermut gestatteten, sich über den Willen der Großmächte hinwegzusehen!
Familientragödie in Neukölln. Klempnermeister veraiftet sich und seine Frau mit Blausäure.
In den heutigen Mittagsstunden wurde im Hause Treptower Straße 91 in Neukölln eine schreckliche Familientragödie entdeckt. In ihrer Wohnung wurden die Eheleute Langner mit Blausäure vergiftet tot aufgefunden. Der 62 Jahre alte Klempnermeister£. hafte in den Nachtftunden infolge zerrütteter Familienverhältniffe erst seine gleichaltrige Frau und dann sich selbst
getötet.
Die alten Leute lebten seit einer Reihe von Jahren in dem genannten Hause und erfreuten sich eines sehr guten Rufes. Langner bezog eine fleine Pension. Seine Frau war schwerkrank und erlitt fürzlich einen Schlaganfall. Während der Nacht hatte sie die Gewohnheit, auf ihrem Nachttisch eine Tasse Kaffee stehen zu haben. In der Nacht zu heute stand der alte Mann heimlich auf, ichüttete feiner Frau Blausäure in den Kaffee and nahm dann selbst Gift.
Als heute gegen 10 Uhr die Tochter der Leute ihre Eltern in der Wohnung aufsuchen wollte, fand fie feinen Einlaß. Sie ließ die Wohnung gewaltfam öffnen und entdeckte nun den tragischen Borfall. Der Klempnermeister lag tot in der Küche, während feine Frau im Beft tot aufgefunden wurde. Die schwere Krankheit der Frau und zerrüttete Berhältnisse sollen den alten Mann dazu veranlaßt haben, den Tod zu suchen. Ein hinterlassener Brief weist darauf hin.
Vier Opfer der Arbeitslosigkeit. Bater geht mit seinen 3 Töchtern in den Tod. Waldheim( Sachfen), 15. März. Ein erschütterndes Familiendrama, das vier Todesopfer forderte, spielte sich am Montag in Waldheim ab. Als am Nachmittag die Frau des Handarbeiters Ulbricht nach Hause zurüdtehrte, drang ihr aus der verschlossenen Küche starter Gasgeruch entgegen. Als die Polizei die Tür öffnete, fand man Ulbricht mit feinen drei Töchtern im Alter von 2, 7 und 9 Jahren gasvergiftet to auf. Jahrelange Arbeitslosigkeit dürften den Beweggrund zu der Tat bilden.
Strafantrag gegen Schmiergelder Rauh
Verwendung für Stahlhelm nicht strafmildernd.
Der Staatsanwalt beantragte im Potsdamer Be= ftechungsprozeß gegen den Stadtbauinspektor Rauh wegen schwerer und einfacher Bestechung ein Jahr neun Monate Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, gegen die mitangeklagten Brüder der Baufirma Lili lautete der Antrag auf je fünf Monate Gefängnis. Die Tatsache, daß der Angeklagte Rauh die Bestechungsgelder zum Teil für seine politische Partei, den Stahlhelm, verwendet hat, tann der Staatsanwalt nicht als strafmildernd anfehen. Er geißelte in scharfen Worten das Vorgehen von Rauh, bar seit 1921 Bestechungsgelder angenommen hat.
Bis zum 13. März hatte die KPD . so getan, als ob die sozialdemokratischen Arbeiter in hellen Haufen ihr zuftrömten. Jeden Tag meldete ihre Presse Rebellionen in der Sozial demokratischen Partei und Massenübertritte zur KPD . Nun stellt sich heraus, daß das alles geschwindelt war, selbst die ,, Rote Fahne " muß das jetzt eingestehen, indem sie in einem Artikel
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titel voll heulender Selbſtanklagen schreibt, es sei der KPD . nicht gelungen, die sozialdemokratischen Arbeiter von dem Einfluß des sogenannten„ Sozialfaschismus" loszureißen.
Die Rote Fahne " stellt mit ,, bolschewistischer Selbstkritik" fest, daß das Wahlergebnis für die RBD. un befriedigend ist. Böllig unbefriedigend seien die Er gebnisse von Berlin , Hamburg , Oberschlesien und Halle- Merseburg. Man habe, so sagt sie weiter, nicht mit genügender prinzipieller Schonungslosigkeit" den Kampf gegen die Sozialdemokratie geführt. Jezt müsse man gegen die mangelhafte Arbeit in den Betrieben das Feuer der schärfsten Selbstkritik richten. Hier müsse ,, unverzüglich eine entschiedene bis in die tiefsten Tiefen der Partei der RGD. und aller Massenorganisationen eingreifende Wendung vorgenommen" werden.
Daß die ,, Rote Fahne " nur von den ,, tiefsten Tiefen" der Partei, aber nicht von ihren höchsten höhen spricht, ist durchaus kennzeichnend. Denn der Sinn dieser sogenannten
Nach der Keile...
Silla
HUGENBERG
Hugenberg: Au, au, halt... ich wollte noch meine Bedingungen formulieren!"
Daß der Fisch vom Kopf stinkt, daß die ganze sogenannte Politik der KPD. ein einziger ungeheurer verbrecherischer Blödsinn ist, das fann natürlich nicht zugestanden werden.
Die Rote Fahne " schwazt von einem roten Sturm auf die Betriebe und von einem roten Trommelfeuer auf die Stempelstellen. Dreimal sollen die Anhänger der KBD. wegen des schlechten Wahlergebnisses vom 13. März im Lustgarten für ein freies sozialistisches Rätedeutschland strafegerzieren. Die Kraft des Hauptstoßes gegen den Haupt
feind, die Sozialdemokratie, und gegen Severing, der bekanntlich die größte Gefahr ist, soll verdoppelt, verdreifacht, ver
zehnfacht, verhundertfacht werden.
Unsere Genossen in den Betrieben und auf den Stempelstellen werden um die Antwort nicht verlegen sein!
Begräbnis eines Nichts.
Die Spalter um Rosenfeld und Seydewiß find verschwunden.
Eine Prüfung der Wahlergebnisse im einzelnen zeigt, daß die Kommunisten in allen Induſtrieſtädten Stimmen verloren haben. Ihre Betroffenheit ist deshalb verständlich. Sie hatten bestimmt auf einen großen Einbruch ins sozialdemokratische Lager gerechnet aber sie haben sich glänzend verrechnet!
In ihrer Rechnung war neben allen anderen Fehlern noch ein Fehler, der beachtet werden muß. Sie hatten auf Zuwachs aus dem Lager der SA P., der Seydewiße und Rosenfelde, der von der Sozialdemokratischen Partei abgesplitterten Spaltpilze, gerechnet. Haben doch Seydewiß und Rosenfeld die Parole für Thälmann ausgegeben und in ihrem Blättchen Reklame für die verbrecherische kommunistische Politit gemacht. Und trotzdem 54 000 Stimmen Verlust in Berlin ! Troß Rosenfeld , Seydewiß, Zweiling und Kompanie! Die völlige Bedeutungslosigkeit der Spalter konnte nicht besser bewiesen werden!
Zum Trost berufen sich Seydewiß und Genossen auf das Ergebnis im Wahlkreise Chemniz- 3widau, wo die KPD. um 31 000 Stimmen zugenommen hat. Diese Zunahme kommt zum größten Teil auf das Konto der größeren Wahlbeteiligung. So sind in Plauen die kommunistischen Stimmen zwar von 15 334 auf 16 826 gestiegen, aber der kommunistische Stimmenanteil ist von 23,3 Pro3. bei der Reichstagswahl auf 23,05 Proz. bei der Präsidentenwahl zurückgegangen. Aehnlich steht es in 3 widau. Wo ist also die Spaltergruppe geblieben? Sie ist ein Nichts!
Eins aber ist sichtbar: in dem Wahlkreis, in dem die Seydewige jahrelang verrückt gespielt haben, marschiert Hitler mit 487 000 Stimmen vor Hindenburg , der 410 000 Stimmen erhielt. 223 000 Stimmen haben die Nazis in diesem Kreise gewonnen, und fast die
in Plauen erhielt von 71 620 Stimmen Hitler 35 225 Mehrheit!
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gegen 16 800 Thälmann - Stimemn und 15 600 Hinden burg
- Stimmen! Wo gespalten wird, freuen sich die Naziz!
Die Kammer hat in einer Nachtsigung den Budgetentwurf mit 386 gegen 133 Stimmen angenommen. Die Radikalen stimmten für die Vorlage, Sozialisten und Kommunisten dagegen.
Das Budget balanciert mit etwa 41 Milliarden Franken. Auf dem Papier ergibt sich ein geringer Einnahmenüberschuß von 4% Millionen Franken. Die schon im vorigen Jahr von der Regierung beantragte, aber von der Kammer abgelehnte Erhöhung der Einfuhr steuer ist jetzt gebilligt worden; fie beträgt jetzt für Rohstoffe 2 Broz, für Halbfertigfabritate 4 Proz. und für Fertigfabrifoe 6 Broz, während sie früher 2 Proz. betrug.