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Morgenausgabe

Mr. 200

A 101

49. Jahrgang

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Der Borwärts erscheint wochentäge lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel Dez Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage Bolf und Zeit"

Vorwärts

Berliner Bolksblatt

Freitag

29. Apríl 1932

Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf.

Die einipalt. Millimetergeile 30 pt. Reklamezetle 2. M. Kleine An zeigen" das fettgedruckte Wort 20 Bf. zulässig zwei fettgebrudte Worte, jedes weitere Bort 10 Bf. Rabatt It. Tarif. Borte über 15 Buchstaben zählen füir zwei Worte Arbeitsmartt Millimeter. zeile 25 Pf. Familienanzeigen Milli. meterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, mochentäglich von 8 bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ab. lehnung nicht genehmer Anzeigen vor!

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Brüning hofft auf Erfolg

Schluß mit der Mittelstufe zwischen Krieg und Frieden"

Genf , 28. April. ( Eigenbericht.)

Der Reichskanzler führte am Donnerstag wieder zahl­reiche Besprechungen mit dem amerikanischen Staatssekretär Stimson und dem englischen Ministerpräsidenten. Am Abend verabschiedete er sich von der internationalen Preise mit einer programmatischen Darstellung der vorläufig abgebrochenen Berständigungsverhandlungen, in der es heißt:

Bon allem Anfang an habe er nicht die Absicht gehabt, aktiv in die Debatte der Generalfommission cinzugreifen. Er habe vicl­mehr die Gelegenheit der Anwesenheit einer Reihe führender Staats­männer benutzen wollen, um das Terrain für die unbe= dingt notwendigen 2ösungen der nächsten Zeit.

porzubereiten.

Deutschlands Stellung in der Abrüstungsfrage fei unverändert. Es müsse unerschütterlich festhalten an der Gleichberechtigung und an der Durchführung einer mirtlichen Ab­rüstung. Alle Fragen der Reparationen, des Aufbaues der Wirt­fchaft und der Abrüstung gehörten unbedingt zusammen. Es seien nicht nur technische Fragen, sondern insgesamt müsse durch gründ­hche Vorbereitung die psychologische Grundlage für das Vertrauen geschaffen werden, das allein die Voraussetzung für eine Erholung Europas und der Welt sei. Deswegen dürfe man sich nicht ent­mutigen lassen, wenn der Fortschritt dieser Arbeiten nicht so schnell gehe, wie alle Völker mit Recht erwarten. Es handle sich eben um ungeheuer schwierige Probleme.

Die Tatsachen hätten in ihrer Entwidlung ein äußerst schnelles Tempo angenommen in der ganzen Welt, daher sei es ein gutes,

daß das Tempo der Verhandlungen und Lösungen sich nunmehr dieser Entmidlung radikal anpassen müssen, wenn die Lösungen nicht zu spät kommen sollten. Deutschland wisse und darin feien - daß diese Probleme nicht allein von sich alle Deutschen einig Deutschland gelöst werden könnten. Es sei die allgemeine leber­zeugung des deutschen Volkes, daß es zu einer Zusammenarbeit aller Mächte kommen müsse, und die Zusammenarbeit engster Art zwischen Deutschland und Frankreich sei nötiger denn je

Er selbst sei persönlich überzeugt, daß die Dinge zu meistern seien, wenn man den Tatsachen frei ins Auge sehe. Es müsse endgültig Schluß gemacht werden mit der Mittelstufe zwischen Krieg und Frieden, man müsse zu einem wirklichen Frieden kommen, der kein Diktat und zu einer freiwilligen Verständigung, durch die der Aufbau für Europa und die Welt allein gesichert werde. Mit diesem Standpunkt werde Deutschland sicher Berständnis finden, auch bei dem gesamten deutschen Volke, denn man dürfe nicht ver­gessen, daß die Erregung und Nervosität des deutschen Volkes durch die Krise, die Not und ebenfalls durch die ungünstigen Behandlungen von außen her bestimmt werden.

Der Reichskanzler schloß mit der festen Ueberzeugung, daß er in Uebereinstimmung mit dem ganzen Volke spreche, wenn er erkläre: Deutschland sei ein friedliebendes Bolk und zu jeder Zu sammenarbeit bereit, sobald es sehe, daß ihm Gerechtigkeit zuteil. werde, für die es kämpfe, um ein entschiedener Garant des Friedens und der Zusamemnarbeit zu werden.

Nationalsozialistischer Fememord.

Der Steglitzer Mord aufgeklärt.- Drei GA.- Leute schlagen einen angeblichen Spitzel tot. Die Täter verhaftet und geständig.

Das Verbrechen an dem 39 Jahre alten Bautechniker Sugo Freeck, der in den frühen Morgenstunden des 24. April in der Fronhoferstraße in Steglit erschlagen aufgefunden wurde, hat sich als ein vorbedachter politi fcher Mord herausgestellt. Freeck, cin politisch völlig un­beschriebenes Blatt, war bei den Stegliter National­fozialisten in den Verdacht geraten, kommunistischer Spikel zu sein. Von einer Art Nazi- Tscheka wurde er beobachtet, und als man genügend ,, Beweismaterial" gegen den ahnungslosen Unglücklichen in Händen zu haben glaubte, wurde er einfach ,, umgelegt". Drei SA.- Leute sind als Täter verhaftet worden. Sie sind geständig.

Freed wohnte in der Eosanderstraße in Charlottenburg . Lange Zeit war er arbeitslos, dann fand er auf einem Bau als Maurer Anstellung. Schon am dritten Tage hatte F. Pech. Er verstauchte sich die rechte Hand und mußte arbeitsunfähig und frank geschrieben merden. Als er zum Wochenende sein Krankengeld erhalten hatte, fuhr er nach Steglitz , wo er von Kneipe zu Kneipe ging und nach und nach sein Geld vertrant. In den Tagen vor der Land­tagswahl hatte F. mehrmals eine ausgesprochene Razi Eneipe aufgesucht. Der fremde Gast war den anwesenden SA.­Leuten gleich aufgefallen.

Fwurde beobachtet und da er auf seinen Kneiptouren nicht danach fragte, ob er sein Bier in einem tommunistisch en oder nationalsozialistischen Lokal ausgeschenkt erhielt, müssen feine Beobachter gesehen haben, wie er gelegentlich auch ein kommu­nistisches Lokal betrat und dort einige Zeit verweilte. Nun stand es für die verhetzten Hitlergardisten fest: Freed war ein kommunisti­scher Spizel, also mußte er unschädlich gemacht werden.

Frankreich wählt.

Gute Aussichten für die Linksparteien.

Wo immer in der Welt in der gegenwärtigen Zeit der Wirtschaftstrije das Bolf an die Urnen gerufen wird, da macht sich am Wahltag die Unzufriedenheit und die Ver­zweiflung Luft. Auch das französische Bolt ist von der Welt­wirtschaftsfrise erfaßt worden, wenn auch später und noch nicht so hart wie in den meisten übrigen Ländern. Die grauenhaften Ziffern der Erwerbslosigkeit, die das Wirt­schaffsleben in Deutschland , in England und in fast allen übrigen Ländern der Welt kennzeichnen, find in Frankreich bisher unbekannt. Das liegt erstens daran, daß Frankreich noch immer vorwiegend ein Bauernland ist, und zweitens, daß es nach dem Kriege ein in die Millionen gehendes ausländisches Industrieproletariat aufge­nommen hatte, das bei sinkender Konjunktur zum Teil all­mählich abgeschoben wurde, bevor die eigenen Arbeitskräfte aus dem Produktionsprozeß ausgeschaltet wurden. Dennoch wachsen auch drüben die Zahlen der Arbeitslosen und vor allem der Kurzarbeiter in bedenklichem Maße. Auch der Mittelstand leidet infolgedessen, und die Bauernschaft ist trotz aller protektionistischen Maßnahmen von der Welt­agrarfrise nicht verschont geblieben.

Während aber bei uns die extremen Parteien die politi­schen Nußnießer der wirtschaftlichen Not sind, dürfte in Frankreich weder der Faschismus noch der Kom= munismus an den beiden nächsten Sonntagen eine beson­dere Rolle spielen. In einem Lande mit alter politischer und parlamentarischer Tradition, das obendrein die bitteren Er­fahrungen zweimaliger napoleonischer Herrschaft hinter sich hat, besteht keine Neigung für neue Diktaturexperimente nach faschistischem Muster. Die Reaktion findet ihre natürlichen und traditionellen Ausdrucksformen im Militarismus, Nationalismus und Klerikalismus, alip in den Kräften, seit vier Jahren die Regie­rungspolitik maßgebend beeinflussen. Bersuche, wie sie vor allem der Zeitungsmagnat François Coin unternahm, für eine gesteigerte, ausgesprochen faschistische Form der Re­attion Stimmung zu machen, sind nicht zuletzt daran ge­scheitert, daß der italienische Faschismus durch seine aggressive Politik gegen Frankreich fast das gesamte französische Volk in eine instinktive Abwehrfront gegen Mussolini und das von Bürgertum, das seine antisozialen Instinkte abreagieren will, genügt einstweilen die reaktionäre Regierungsmehrheit in ihren verschiedenen Schattierungen von Tardieu und Flandin als Exponenten der großkapitalistischen Bour geoisie bis Marin und Franklin Bouillon als Ver­förperung der nationalistischen und militaristischen Haß­gefühle des Kleinbürgers.

folgten ihm heimlich drei Nationalsozialisten, sämtlich SA.- Leute ihm verkörperte System gedrängt hat. Für das französische aus Steglitz , und zwar

der 21 Jahre alte Kaufmann Eugen Scibel der 28 Jahre alte Akademiker Erwin Soldan und der 21 Jahre alte Schmied Hans 3 wiklinski.

An der Bahnunterführung der Birkbuschstraße legten sich die drei Hakenkreuzler auf die Lauer. Als Freed herangekommen mar, fielen sie hinterrücks über ihn her und schlugen so lange auf ihn ein, bis er bemuẞtlos zu Boden sant. Um die Tat möglichst lange zu verwischen, um Zeit zur Flucht zu bekommen, marfen sie den leblosen Körper über das anderthalb Meter hohe Ge­länder der Eisenbahnööschung und entfernten sich fluchtartig. Es scheint, daß sich die Mörder unmittelbar nach der Tat wieder in ihre Kneipe zurüdbegeben haben und dort ihre Untat genügend begoffen" haben. Die Ermittlungen darüber find noch nicht abgeschlossen.

Als die Mörder nacheinander ermittelt und festgenommen mur­den, leugneten sie zunächst, erst unter der Wucht des gegen sie vor­getragenen Beweismaterials legten sie ein Geständnis ab. Sie gaben zu, in Freed einen fommunistischen Spizzel vermutet zu haben

und durch einige unvorsichtige Bemerkungen des Mannes sind die Burschen in ihrem Glauben offenbar noch bestärkt worden. Es wurde beschlossen, gegen F. vorzugehen, eine Tötungsabficht bestreiten jedoch alle drei. Es scheint, daß noch weitere Steg­lier SA.- Leute an dem Fememord beteiligt sind, und es ist anzunehmen, daß es der Politischen Polizei, die in die Angelegen heit eingreifen wird, nun auch gelingt, die übrigen Mittäter fest.

Nachdem Freed in der Nacht zum Sonntag wieder einige Zeit in dem Razilokal geweilt hatte und sich nach Mitternacht entfernte, zunehmen.

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Auch der Kommunismus, der dem französischeit Grundcharakter fast ebenso wesensfremd ist wie dem englischen und der nur vorübergehend in der revolutionären Gärung der ersten Nachkriegszeit eine gewisse Bedeutung erlangt hatte, ist kein nennenswerter Faktor mehr in der französischen Politik. Selbst die Wirtschaftskrise mit allen ihren für das Proletariat so bitteren Begleiterscheinungen hot der kommunistischen Bewegung in Frankreich feinen wirklich neuen Auftrieb zu geben vermocht. Moskau hat das Grab des Kommunismus in Frankreich selbst geschaufelt, als es vor vier Jahren einen Befehl erteilte, der so sinnlos und selbst= mörderisch war, daß der gesunde Menschenverstand des französischen Arbeiters sich dagegen auflehnte. Auf ausdrück­liche Anweisung der kommunistischen Internationale mußten nämlich im April 1928 die kommunistischen Kandidaturen bei der Stichwahl überall aufrechterhalten werden, obwohl damit offenkundig nur den ärgsten Feinden der Arbeiterschaft ge= dient war. Mag auch ein erheblicher Teil der kommunistischen Wählerschaft damals schon von sich aus gegen diesen Wahn­finn rebelliert haben, der Moskauer Ukas wirkte sich doch in zahlreichen Wahlkreisen dahin aus, daß die reaktionären Kandidaten einen knappen Sieg über die Vertreter der Linken, insbesondere über die Sozialisten, davontrugen. Das

Sonntag im Lustgarten!

Alle demonstrieren am 1. Mai für den Sozialismus!