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Deutsch -iialismsches Zusammengehen, j Französische Enthüllung oder Wahlbombe? Vsris. ZS. April.(Cigcnfacridjt) Dörtinax mclbct dem ,.)o de Paris" aus Genf , daß nach 'Angabe kompetenter Persönlichkeiten während des Ausenchalts von Brüning und Curtius in Rom im Leptemder v. I. eine Art Ab­kommen über eine deutsch -italienifchc Zusammen- arbeit abgeschlossen worden sei. Dieses Abkommen, das Brüning in einem Memorandum festgelegt habe, bestimme: Austausch von Informationen und gemeinsames Lorgehen der beiden Regierungen in S ü d o st e u r o p a. um der französisch - südslawischen Jreundschast entgegenzuarbeiten; Verständigung darüber, daß Frankreich den Artikel 8 des Völkerbundspaktss durch- führen und bis zu einem möglichst niedrigen Niveau abrüsten soll; Verständigung über den Platz, der Nußland in sedem Profskt einer europäischen Union eingeräumt werden soll. Pertinax fügt hinzu, er zweifle nicht daran, daß diese Meldung ein Dementi hervorrufen werde, ober die chaltung Deutschlands und Italiens in Genf und anderswo sei derart, daß man an die Existenz eines Ad- kommens dieser Art glauben müsse. Mit diesem Abkommen will Pertinax auch die kühle Haltung Mussolinis gegenüber Laval begründen, der im Dezember v. I. nach Rom fahren wollte, um die französisch-italienischen Meinungsverschiedenheiten zu be­reinigen. Wussolini habe damals auf die Anregung Lavals in einer 'Weife geantwortet, die man in Poris nicht erwartet hatte und eine Liste von Forderungen übersandt, in der die Flottenparität einen hervorragenden Platz eingenommen habe. Lavol habe darauf seinen Besuch linterlassen. sVon zuständiger deutscher Seite wird erklärt, daß an dieser Meldung kein wah- res Wort sei. Red. d.V.")

Wahlierwr in Memelland . Was nützt der Dreimächteschritt? Mnnel, 29. April. Die Memelländische Landwirtschastspartei hatte in Prökuls eine Wahlversammlung anberaumt, auf der der Spitzenkandidat der Partei, Gubba, und eine Reihe anderer Redner sprechen sollten. Schon lange vor Beginn der Bersammlung sammelten sich S t ö- rungstrupps vor dem Lokal an; der Bruder des Landesdirek- tors R e i s g y s aus Stragna führte sie. Die litauisch« Bahn- Verwaltung soll ihre Arbeiter von der Strecke Äuioresten Memel zu diesen Störungen hinbeordcrt und ihnen hefohlen hoben, dies« Versammlung auf alle Fälle zu stören; im Falle eines Miß- lingens soll den Arbeitern mit sri st loser Entlassung gedroht worden sein. Grenzpolizei und Postbeamte waren eigens dazu b e- Urlaub t, um an der Versammlung teilzunehmen. Die Bersmnm- lung eröffnete der bisherige Landtagsabgeordnete Ru gel lies, der die Behauptungen des Führers der Großlitaner im Memelgebiet, Borchert. zurückwies, wonach die Landwirtschaftspartei ihre stets überfüllten Vorsammlungen nur dem Umstaiid zu verdauten habe, daß sie Freibier gebe. Als der Redner Borchert«inen Lügner nannte, nahm die Versammlung eine drohende Haltung gegen den anwesenden Borchert ein, so daß dieser«s vorzog, wegzugehen. Hierauf sollte Gubba sprechen. Er wurde von den Litauern nie- der gebrüllt. Da weder die Bersaminlungsteilnehmer noch die Redner sich durch die Schreier beeinflussen ließen, wurden Tränengas- und Sliukbombeu in den Saal geworfen, und zwar von Müglledcra der..Schavlu Sajunga". den Zungschühen. Gubba sagte dazu:.töch glaub«, wenn ich zwei Stunden geredet hätte, hätt« ich nicht so viel klarmachen können, worum es jetzt geht, als Reisgys es durch sein Benehmen getan Hot." Von der Landespolizei waren wohl mehrere Beamte erschienen, in den Saal trauten sich aber mar zwei Wachtmeister. Trotz wieder- Holter Aussorderung, den Ruhestörer Reiszps aus dem Saal zu entfernen, tat es die Polizei nicht. Alles nur Verteidigungswaffen! Sogar Linienschiffe dienen nicht zum Zfogriff. Genf . 29. April.(Eigenbericht.) Ln der technischen Kommission für Seeabrüstung bestreiten England, Amerika , Frankreich und Japan neuerdings den Offen- s i v ch a r a k t e r der Linienschiffe, die sie als Verteidigungs­waffe bezeichnet haben wollen. Die Hinweise auf den Bau des deutschen PanzerkreuzersDeutschland " beantwortete v. Rheinbaben mit dem Hinweis auf die Erlaubnis durch den Versailler Vortrag. Trotz der hohen Kosten für diesen Bau sei Deutschland aber bereit, ihn aus dem Altar der Abrüstung zu opfern, wenn die anderen Seemächte bereit seien, das gleiche mit ihren Linienschiffen zu tun. Die Land- und Luftkommissin haben bisher ebenfalls noch nicht zu einer Einigung über irgendein« Bestimmung von Angriffs- waffen kommen können. Die unterbrochenen Besprechungen. Geas. 29. April. (Eigenbenchi.) Auf Anregung des englischen Ministerpräsidenten fand am Frei- tag in der Wohnung des amerikanischen Staatssekretärs Stimson eine Besprechung der Führer der Abrüstungsdele- gationcn von Deuischland, Amerika , England, Frankreich und Italien statt. Man kam überein. die aussichtsvollen Berhandluugen zwischen den Führern der Delegationen, die durch die Krankheit Tardieus unterbrochen wurden, sobald als möglich fort- zusetzen. Die Vorhandlungen sollen möglichst bcrests in vierzehn Tagen wieder aufgenommen werden.. Das genaue Datum soll schnellstens festgesetzt werden. Zwei Landtage von Anhalt . Der neugewählte Landtag zum Tl. Mai einberufen. Dessau . 29.. April. Dar oichaliische Staatsminisieriwn hat beschlossen, den neuen Landtag innerhalb der verfassungsmäßig oorgsschriebenen Frist e i rrz u b e r u f e n. sobald di« Zustinnnungserklärung der neu- gewählten Abgeordneten über die Annahme der Wahl vorliegt. Der späteste Termin der Einberusunz ist die 17. Mai, Bis zum Zu- lammentritt des neugewählten Landtages wird das Staatsministe- riurn Entscheidungen von grundsätzlicher odor finanzieller erhÄilicher Drag weite nicht mehr trefken, sondern sich lediglich auf die Be» qrbeitung der lauserchsn'Angelegenheiten beschränken. Die staatsrechtliche?lnoinali«, die darin liegt, daß die Wahl» period« des alten Landtag« noch bis zum 19. Mai sinWießlich läuft für einig« Tage also tatsächlich iwch zwei Landtag« nebeneinander bestehen kann nach Ansicht des MinstiemmsPaHurch l'shoben werden, daß der neue Landtag nach seinem Zusammentritt sich bis zum 20. Mai vertagt, wamst aber etwaigen wiierwitiügen Entscheidungen des neuen Landtags «j keiner Weif« vorgegriffen werdek fall.

Vassekunde.

»Hier zeige ich Ihnen auf dereinen Seite das raffende Kapital. Beachten Sie die habgierige Fratze des Juden! Auf der anderen Seite dagegen das schaffende Kapital, vertreten durch den blondhaarigen Schweden Ivar Kreuger . Beachten Sie, meine Herren, den sittUchen Ernst dieser Züge. Solch eine Erscheinung lügt nicht..." 4200 Parteibuchbeamte! Worauf die Nazis spekuliert haben.

Mit welcher Sicherheit die Nationalsozialisten bei den Land- tagswohlen auf einen völligen Wahlsieg gerechnet und wie sie bereits an die Einrichtung des Verwaltungsapparates für daskommende Dritte Reich" gedacht haben, geht aus einem Doku- meist hervor, das derRheinischen Zeitung " von einem bisherige» Anhänger der NSDAP , zugegangen Ist. Es lautet: Das für das kommend« Dritte Reich vorgesehen« Arbeits- d i e nst p fl ich t h e c r braucht einen ständigen Beamtenstand zwischen dem 23. und 55. Lebensjahr als Ve rwaltungsapparat. Der Gau Küln-Slochen stellt zu diesem Beamtenapparat 420 0 Per- s 0 n e n. Die Gliederung erfolgt je nach Vorwendungsfähigkeit. Die Bezahlung erfolgt nach dem Einkommen der übrigen Staatsbeamten.,...... Die Entscheiduhgsstund.« rückt naher und wir müssen unser Programm auf Machtübernahme auch in diesen Einzelheiten fertig norliegen haben. Es ergeht deshalb an alle diejenigen, die sich für Aufnahme m diesen Beamtenapparat interessieren, die Aufforde- rung, einen handschriftlich verfaßten Lebenslauf, der alle Wissens- werten Angaben anchallen muß. unverzüglich bei dem Ortsgruppen- führer der Ortsgruppe Zülpicher Platz. Königsplatz 24, einzureichen. Es ist selbstverständlich, daß außer dem Orisgruppansührer niemand Einblick in diesen eingereichten Lebanslauf erhalten wird. In ab- sehbarer Zcst wird alsdann ein emsprechender Fragebogen zugestellt. Ich erwarte d!« Einreichung der Lebensläuse bis zum 20. d. Mts." Die Liste derer, die im Dritten Reich als Parteibuch- beamte angestellt werden möchten und sollen, liegt leider nicht vor. Die SA. wird finanziert. Ein feudaler Detteisack. Für die aufgelöste SA. haben sich feudal« Freunde ge- sunden, die sich um ihre Finanzierung bemühen. Frau Viktoria! van D i r k s e n in Berlin schwingt für sie den B c t t a l s a ck. Sic Hai Herrn Goebbels in ihren Salon gezogen und hat Frau Goebbels der Exkronprinzessin Eäcilie vorgestellt, und nun hoffen die feudalen Herrschaften alle, daß demnächst in Preußen

wieder das wilhelminische System ans Ruder kommen werde. Dafür kann man schon einmal betteln gehen. Also schreibt Frau von Dirksen: Exzellenz Frau Viktoria von Dirksen . Mitglied der Kaiser- Wilhelm-Gesellschast, b i t t e t u m eine Gabe zwecks Ilnier- stütz img der Wohliaiigkeitseiizrichtungen der aufgelösten SA- und SS.-Vsrbänds wie Küchen, Lazarette. Unterkunfisräume für Er- werbslose, Hauspflege... Quittungen gehen direkt durch das NE.-Hilfswerk zu." Da ist die Finanzierung einer ausgeiösien Organisation geschickt als Wohlfahrtssürsorge getarnt. Der Kundige aber schaut hinter die Kulissen! Welche Ehre für die SA.-Mltglieder, daß Exzellenz Viktoria von Dirksen mit guten Beziehungen zum Exkronprinzen sich um sie bemüht! Man weißt daß mehr als die Hälfte der SA < Mitgiieder aus Rot-Front rekrutiert worden ist. Welches Glück für ehemalige Rotfron t-KSmpfer, aus der Umgebung von Friedrich Wilhelm und Eätllio milde Gaben entgegennehmen zu dürfen! Nazis provozieren GrenzzwifchenfaU. Mit französischen Zollbeamten an der Saargrenze. Wie aus Metz gemeldet wird, hat sich vor einigen Togen eine Hitler-Bande in dem an der Grenze zwischen Soargebiet und der Rheinpsalz gelegenen Ortschaft Brenchelbach eine unglaub­liche Frechheit geleistet. Die französischen Zollbeamten in Brenchal- dach hatten einen Deutschen verhaftet, der Fahrradtelle über die Grenze schmuggeln wollte. Während ein Zollbeamter sein Pro­tokoll aufsetzte, drangen etwa 150 aus der Rheinpsalz gekommene Nazis unter dem RufHeil Hitler!" in da« Zollgeböude ein und befreiten den verhafteten Schmuggler. Ztngesichts der drohenden Haltung der Nazis mußten die Zollbeamten das Gebäude räumen und sich auf französisches Gebiet flüchten. Am Montag hat der Vorsteher des deutschen Zollamts von Brenchelbach die fran- zösischen Zollbeamten zurückrusen lassen, ihnen sein Bedauern über den Borsall ausgesprochen und erklärt, doh er sie unter scin-'i Schutz nehmen werde.

Ist da auch dasSystem" schuld? Lleber 400000 Reichsmark Kehlbetrag bei der metklenburg» schwerinfchen Landeskirche. Schwerin . 29. April. Di« mecklenburgische Landessynod« behwedelte den Haushalts- plan der Landeskirch« in zweiter Lesung. Im Hinblick aus die gegen» wartig« Notlage und in der Absicht, die finanziell« Leistungsfähig kett der Kirche sicherzustellen, wurde beschlossen, daß von den Ein- künften der Emeritierten 10 Prozent gestrichen werden sollen; desgleichen 2li Prozent von den Ein- künften derjenigen Pastoren und Kirchenbeamten, die keine Kinder zu versorgen hoben. Ferner soll für die Witwenbezsig« ein Höchst- betrag des Grundgehalts festgesetzt werben. Bei der Durchführung dieser Kürzungen soll aber auf die individuelle Lage der Betroffenen Rücksicht genommen werden. Lellier war es wich nicht möglich, die Kirchensteueranteile der Gemeinden unangetastet zu lassen. Währeno die. Gemeinden bis dahin 5 bis 10 Prozent aus dem Steuereintommen ihres Bereiches erhallen konnten, zur Zlufrechterhallung ihrer lokalen Arbeiten, wird dieser Anteil setz tauf 3 bis 8 Prozent be- schränkt. Trotz aller dieser Kürzungen wird der Haushalts- fehlbetrag in Höhe von über lOOOOO Mark noch be­stehen bleiben.

Deutsches Künfllertheater. Die Braut von Torozko. Das ungarisch.jüdische. in Wien und Budapest beretts erprobte Volksstück von Otto Indiz, das im nunmehr rumänischen Sieben« bürgen spielt, arbeitet mit allgewohnten Mfttbln. und lebhafter Toleranztendenz, Im Mittelpunkt stehen die junge Braut, die in- folge amilicheii Irrtums für«ine Jüdin erklart wird, und der alte weise jüdisch« Wirt, der sich als der bessere Mensch erweist. Sllbert Hörbig« und vor allem Luis« Ulbrich sichern tun Erfolg D.

100 Tage und 10000 Klugzeiiel. Antifaschistische Demonstration in Warschau . DasTeatr Narodowy"(Nationalihcater) in Warschau hatte als große Sensation die Ersioufsührung des Schauspiels100 Tage" von Benito Mussolini angekündigt. Trotz aller Pressereklame waren Parkett und sonstige besseren Plätze fast nur von geladenen Gästen, wie Regierungvertreiern, hohen Militärs und Diplomaten. mit dem italienischen Boischafier an der Spitze, besetzt. Dos halbe Parkett war leer. Dagegen war besonders gut die Galerie be­setzt, und zwar von der sozialistischen Arbeiterjugend desBund". Was für ein Interesse die Arbeiiersugend an Mussolinis Pro- bukt hatte, zeigte sich bald. Kaum hatte die Aufführung begonnen. flog von der Galerie eine Lawine von Flugblättern. Der Text ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Nieder mit dem Verfasser der|00 Tage"! Rieder mit dem Henker der italienischen Arbeiterklasse! Nieder mit dem Mörder von Matieotti! Nieder mit dem Faschismus! Es lebe die Freiheit! Es lebe der Sozialismus! Warschauer Organisation desBund". Polizeiageitten sperrten die Galerie und nahmen einige Ver- Haftungen vor. Die Demonstration hotte einen starken Eindruck hinterlofsen. Die polnische Presse durste nichts darüber berichten.

Das Vombenaltcutak am wahlnorabend dem der greis« Bürger- meister und ein gleichfalls chiistlichspzialer Gemcinöerat von Antriiz (Steiermark ) zum Opfer fielen, ist nicht aufgeklärt. Es würde nirgends auch nur ein wtück ein«« Sprengkörpers gesunden, wes- halb man vermutet, daß e« eine Gasbombe war. die nur«ine ganz leichte Umhüllung bot. Min fand lediglich eine Papierdiä,- iuna, einige Ecken von Meffingllech und eine Drahtlitze, die zur elektrischen" Zündung g-dicnt haben kann. Die Gasbombe dürft« denen ganz ähnlich gewesen sein, die im Atelier des H e i m w e h r> bambeufabrilanteu Dr. Rößler gefunden worden sind.