Arbeiter Solidarität im Rundfunk.
Ein erhebendes Gefühl war es, am Sonntag am Radioapparat burch den Nether Europas zu streifen. Bon allen Wellen freuz und quer durch den Kontinent flangen Rundfunkprogramme, die dem großen Feiertag der internationalen Arbeiterschaft gewidmet waren. Es schien, als hätten sich die Feinde der Menschheit auch am Mikrophon nertrochen vor der Bucht dieses großen Tages des Sozialismus. Im Aether hörte man Ansprachen in allen Tonarten der Welt, überall standen Genossen am Mikrophon und überall war besonders dieser 1. Mai dem Friedenswillen der Arbeitermassen gewidmet.
Schon um 6 Uhr morgens flang die erste Internationale durch den Aether . Der belgische Sender Brüssel war es, der mit einer Ansprache des Genossen Vandervelde den Maitag für die ganze Welt eröffnete. Genosse Vandervelde sprach zu den Arbeitern der ganzen Welt und fandte brüderliche Grüße der Internationale. Dann folgte eine Riesenreportage von Lüttich und Antwerpen . Durch die Straßen der beiden Städte flang der Schritt der demonstrierenden Massen.
Während des Tages famen die deutschen Sender mit ihren Maiveranstaltungen.
Konzerte, gewidmet dem Arbeiterfeiertag, flangen aber auch von den anderen Wellen der Welt. Um 4½ 1hr nachmittags ergriff am Sender Wien Genosse Kautsky das Wort und sofort unterbrachen auch die holländischen Sender ihr Programm, um die Rede Kautskys aufzunehmen und für die eigenen Hörer zu übertragen. So flang die Rde des Genossen Kautsky von verschiedenen Wellen. Millionen Arbeiter saßen lauschend an ihren Radioapparaten, Millionen Werftätige horchten auf.
Gegend abend setzten wieder die Maifeiern überall ein. Der Arbeiter Radioklub Hollands im Sender Hilversum fandte ein Hörspiel ,, Karl Marr", das das Leben des großen Führers schilderte. Zum Schluß folgte ein Appell im Namen des internationalen Sozialismus.... ,, Die Reaktion versucht wieder ihren Kopf zu heben, kämpft sie nieder im Geiste des Marrismus, verteidigt bis zum Letzten eure erworbenen Rechte und fämpft für neue!"
Um 20 Uhr fandte auch Kopenhagen ein sozialisti- sches Hörspiel, geschrieben von den Genossen Noergaard und Bomholt. Das Hörspiel Neue Signale" schildert in sehr eindrucks vollen Formen 50 Jahre Entwicklung der Arbeiterbewegung. Ein Friedensappell an die Völker der Erde schloß hier die Feier.
Im französischen Sender Toulouse sprach ein Genosse zum Maitag und sandte brüderliche Grüße an die Genossen in Deutschland . In Norwegen , von den nördlichsten Rundfunkfendern Europas , flang auch eine Maifeier. Und es war ein unvergeßlicher Augenblick, am Radio sigend von der Tschechoslowakei , von Desterreich, von Holland , von Belgien und bis hinauf nach Normegen im selben Augenblicke dasselbe Lied zu hören in ganz verschiedenen Sprachen, aber im selben Taft, gesungen mit demselben Pulsschlag des Herzens: Die Internationale! So streifte man erfreut durch ganz Europa , nur die Sender der geknechteten Länder Bolens, Ungarns , Italiens usw. schwiegen zum Maitag. Für
die Arbeiter dieser Länder tönte feine Internationale.
Der Rundfunk der spanischen Republik aber bewies hier den Solidaritätsgeist des internationalen Proletariats. Spät abends trat ein Genosse an das Madrider Mitrophon und sagte:„ Während wir, das freigewordene Spanien , in Freude unsere Maifeier begehen, gedenken wir der Genossen, die diesen Feiertag nicht fennen dürfen. Brüderlicher Gruß nach Italien , für euch spielen wir jegt unser aller Lied": und von der Welle Madrid flang es um 1 Uhr nachts: Bölter, hört die Signale"!
N. Gurdus.
Demokratie oder Dittatur.
Rundfunkvortrag Karl Kautstys in Wien . Kari Kautsky, der Altmeister des wissenschaftlichen Soziafismus, hat am 1. Mai im Wiener Rundfunt gesprochen. Wir geben einige Stellen des gedankenreichen Vortrages wieder,
Nachdem Karl Kautsky die Geschichte der Maitundgebung stizziert und ihre Bedeutung für Achtstundentag und Bölferfrieden hervorgehoben hatte, führte er aus:
Bis zum Weltkrieg gab es über die Wichtigkeit der Demo tratie feine Meinungsverschiedenheit unter den Arbeitern, die an der Maifeier teilnahmen. Der Butschismus
war überwunden.
Der Weltkrieg führte in Staaten, die noch keine gefestigte Demofratie hatten, zum Umsturz, er führte aber auch zur Gewöhnung mancher Bolfsschichten an den Gebrauch Don Waffen für politische Zwede; er brachte endlich so entsetzliche Zustände, daß die Ungeduld der Leidenden oft nach Taten der Ber3 meiflung schrie und sich von der Demokratie abmandte, die unermüdliche, geduldige Arbeit erheischt und feine Wunder zu wirken vermag.
Solche Wunder. wurden verlangt, und gar leicht wurde mancher als Erlöser gepriesen, der sie versprach.
Auf diesem Boden sind nach dem Weltkrieg troß des Sieges der Demokratie, der ihm vielfach folgte, manche neue Diftaturen oder doch die Drohungen solcher ermachsen, Dittaturen verschiedenster Färbung, aber einig in ihrem Gegensatz zur Demokratie.
Mißverständnis im Braunen Haus.
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,, Was wollen denn Sie?"-" Wir suchen Anstellung. Wir haben gelesen, daß hier dauernd geklagt wird und wir sind Klageweiber von Beruf!"
disseros
Prüfung der Banfensanierung.
Scharfe Kritik im Falle Jlse.- Forderungen an die Reichsregierung.
Der Haushaltsausschuß des Reichstags gab heute den Beridft| Grundlagen sei notwendig. Diesem Wunsche schloß sich auch der eines besonderen Unterausschusses über die Banfensanierun Sprecher der Deutschnationalen an. gen entgegen, die nach dem 13. Juli 1931 notwendig wurden. Berichterstatter war Abg. Dr. Hilferding, er führte aus:
teien mit Ausnahme der Kommunisten anerkannt. Die Schließung Der staatliche Eingriff war notwendig, das haben alle Pareiner Großbant ist unmöglich, denn sie verwaltet fremde Gelder. Privates Arbeiten von Großbanken gibt es volkswirtschaftlich über haupt nicht. Die Sanierung mußte im Allgemeininteresse erfolgen.
Aehnliche Vorgänge haben wir in Italien gehabt und gehen jetzt in Schweden vor sich. Aber konnte mit der Großbanken sanierung nicht auch eine Umformung der Bankensysteme vorgenommen werden? In England bestehen Banken für das Finanzierungsgeschäft und für das Depositengeschäft( Geldeinlage und Geldverwaltung), in Deutschland sind diese Geschäfte bei den Banken vereinigt. Jetzt kann das nicht mehr geändert
merden.
Ist in Deutschland das Bantwefen zu start fonzentriert? Wenn das schon richtig wäre, fo tönnte zur Zeit dieser Mangel auch nicht ohne weiteres behoben werden.
Die Sanierung war für das Reich sehr schwierig, meil es faum Barmittel zur Verfügung stellen konnte. Die Reichsbant stellte dann aus ihren Gewinnen rund 200 millionen Mark zur Verfügung. Sie hatte stärkstes Interesse an der Liquiditätsstärkung der Banken. Bei der Neutonstruktion des deut schen Bankwesens ist jene Eingliederung der Reichsbank in die Sanierung zu beachten.
Diese Haltung ist begreiflich, denn unter den heutigen sozialen Bedingungen, die die arbeitenden Klassen immer stärker und selb ständiger machen, ist Demokratie, die demokratische Republit, das unvermeidliche Ziel der politischen und sozialen Entwicklung überall. Das bezeugt die Geschichte der letzten Jahrhunderte. Wo sich in einem für die Demokratie reifen Lande zeitweise eine Diktatur hildet, hat sie stets mur provisorischen Charakter. Darum fühlt sie sich aber auch stets von der Demokratie bedroht, von der der Nachbarländer ebensosehr wie von der des eigenen Landes. Bis zum Weltkrieg rief die Maifeier ihre gewaltigen Eindrücke gerade durch ihre Geschlossenheit des gesamten internationalen Proletariats hervor, die sie so glänzend befundete. Heute besteht in vielen Ländern die Spaltung zwischen demokratischen Sozialisten und Ditiaturanhängern. Doch die Ursache dieser Spaltung scheint ihrem Ende entgegenzugehen. Die Sozialisten aller Richtungen sind einig darin, daß sie den Ausgangspunkt der Maifeier, die Verkürzung der Arbeitszeit durch Gesetz, dringend verlangen, und ebenso einig in dem letzten fozialistischen Ziele, das sie sich segen. Sie sind einig in ihrem leiden schaftlichen Abscheu vor dem Kriege und in ihrem Eintreten für den freien Verkehr zwischen den Völkern.
Die Notverordnung vom 22. Februar 1932 gab der Reichs regierung das Recht, für die Banfensanierung bis 250 Millionen Mart aus eigenen Mitteln auszugeben und bis 400 Millionen Mart im Wege der Kreditbeschaffung zu besorgen. Ein Gesamt bild aller bisherigen Sanierungskonten geben die folgenden Zahlen: Gesamtausgabe für Aktien 338 Millionen Mart zurückzuzahlende Beträge verlorene Zuschüsse Bürgschaften
Nur der Gegensatz von Demokratie und Dittatur trennt die Sozialisten. Doch alle Abstimmungen der letzten Seit weisen darauf hin, daß in den proletarischen Reihen Sie zeitweise von manchen ihrer Schichten preisgegebene Sache der Demotratte mieder vorwärtsgeht, die der Dittatur Rüdfchritte macht. Immer mehr erkennen die Arbeiter, daß nur die demoIratische Republit für sie der Mutterboden ist, aus dem sie neue Sträfte faugen, nur sie die Grundlage, auf der sie ihre Ideale perwirtlichen fönnen
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Der Plan der einheitlichen Verwaltung der vom Reiche sanier ten Banken ist noch nicht weiter gediehen.
Der Abgeordnete Köhler( Str.) bedauert, daß die Bantenleiter vom Reiche zu entgegenkommend behandelt worden seien. Eine flare Zusammenstellung aller Kredite und ihre haushaltsrechtlichen
Das Gesicht des neuen Landtags. Die Platzverteilung.- Streit zwischen Nazis und Hugenbergern, wer mehr rechts ist.
Abg. Hilferding( Soz.):
aufmerksam, daß die Reichsopfer bei der Bankenſanierung machte als Fraktionsredner der Sozialdemokraten darauf besonders außerordentlich groß gewesen seien, damit hätten die
Aktionäre dieser Bank immerhin ein Drittel von ihrem Vermögen gesichert erhalten, was sonst verloren gewesen wäre. Bedauerlich sei es, daß der Bantenkommissar des Reiches es direkt vermieden habe, wenigstens dort einzugreifen, wo die vom Reiche sanierten Banken durch ihre Direktoren nach der Sanierung ganz ungeniert gegen die Reichsinteressen gearbeitet haben.
Das Tollste auf diesem Gebiete sei die Stellung des Direktors Reinhardt von der Commerzbank in der Aktionärversammlung der Ilfe- Bergbau gewefen.
die Spigengesellschaft der Reichsbeteiligung- Er habe rücksichtslos dagegen angefämpft, daß die„ Viag" auch nur einen Aufsichtsrat in jener Aftiengesellschaft befomme, obmohl das Reich an ihr eine erhebliche Attienbeteiligung habe. Er fragte, wie es fomme, daß die Reichsregierung fich das habe gefallen lassen.
Eine dritte Frage sei, warum die Reichsregierung es bisher an einer einheitlichen Zusammenfassung der neu zugewachsenen Reichsinteressen im Bantwesen immer noch fehlen lasse. Die Bankpolitik des Reiches verlange diese Zusammenfassung, sonst wären die privaten Beteiligten und Sanierten die lachenden Dritten. Auf die Führung der Kreditpolitik komme heute alles an. Es fei Aufgabe des Reiches hier einzugreifen.
Der Reichsfinanzminister Dietrich gab die Berechtigung der fojialdemokratischen Kritik zu, zählte aber dann die vielerlei Schwierigkeiten und Hindernisse auf, die sich nach seiner Meinung der Durchführung der sozialdemokratischen Forderungen entgegengestellt haben.
Sowohl der volksparteiliche Abgeordnete Cremer wie der staatsparteiliche Abgeordnete Reinhold verurteilten ebenfalls mit scharfen Worten die Stellungnahme des Direktors Reinhard von der Commerzbank.
Der Bericht des Bantenunterausschusses wurde dann durch Kenntnisnahme erledigt.
Am Dienstag den 3. Mai verhandelt der Hauptausschuß weiter den Bericht seines Rechnungsunterausschusses über die Haushalt rechnung 1930. Er beginnt mit dem Reichswehrministerium.
Ein Nazispikel hinausgeworfen.
hinten zwischen den Fraktionen untergebracht. So fizzen die beiden Staatsparteiler zwischen Zentrum und Sozial demokraten, die Grupen der Volkspartei, der Christlichsozialen und Hannoveraner zwischen Zentrum und Deutschnationalen. Von den Im Preußischen Landtag fand am Montag eine Besprechung Borderplägen haben die Nationalsozialisten fünf, die Deutschnatioder Geschäftsführer der neuen Landtagsfraktionen über die Bernalen einen, das Zentrum zwei und Sozialdemokraten und Kommunisten ebenfalls je zwei. teilung der Arbeitsräume und Plätze im neuen Landtag statt. Wie seinerzeit im Reichstag erhoben die Deutsch = nationalen darauf Anspruch, nach wie vor die Pläge auf der äußersten Rechten zu behalten. Gegen diesen Einspruch murde aber mit Unterstützung der Sozialdemokraten, des Zentrums und der Kommunisten der nationalsozialistischen For derung zugestimmt, wonach den Nationalsozia listen die Bläge auf der Rechten eingeräumt werden. Da die starke Fraktion der Nationalsozialisten den größten Teil der Plätze auf der Rechten einnimmt, fißen die Deutsch nationalen schon fast in der Mitte. Der Vertreter der Deutschnationalen behielt sich noch einen offiziellen Einspruch feiner Fraktion gegen diese Regelung vor. Die Vorderpläge in neuen Landtag sind sämtlich den fünf Fraktionen, die es jetzt allein noch gibt, zugestanden worden. Die feinen Gruppen sind
Volksbühne.
Bruno Frant: Gturm im Wafferglas.
Die Boltsbühne macht Sommersaison und sorgt durch eines der legten noch mit Humor und Liebenswürdigkeit ausgestatteten Luft spiele für die gute Stimmung, die uns langsam verloren geht. Da Hansi Niese und ihr artiger Hund Toni auch mitwirken und für Gemüt forgen, werden alle guten Gaben mit vielem Beifall auf genommen M. H.
Ein Polizeiwachtmeister im Dienste der Nazis. Darmstadt , 2. Mai. ( Eigenbericht.) Gegen den hiesigen Polizeiwachtmeister Friedrich weis hatte vor kurzem die. Disziplinarkammer für die Schußpolizei auf Dienst entlassung erkannt, weil er versucht. hatte, im Auftrage der hiesigen Nazigauleitung andere Polizeibeamte für den Nachrichtendienst an die NSDAP . zu gewinnen, ferner, weil er im Auftrage der Gauleitung vertrauliches Material der Polizeibehörde unter Bruch des Dienstgeheimniffes dem Nachrichtendienst übermittelt hatte und meil er die Ergebnisse seiner Gesinnungsschnüffelei unter den Kameraden und Borgesetzten den Nazis verraten hatte. Diese Dienstvergehen wurden bekannt durch ein von Weis und dem Leiter des Nazispizeldienstes Otto Kaul Darmstadt unterzeichnetes Protokoll, das ein anderes Mitglied des Nachrichtendienstes aus moralischen Bedenken der Polizei übergeben hatte. Weis hatte gegen die Dienstentlaffung Berufung eingelegt, 30g fie aber in der heutigen Verhandlung zurijd. Damit ist die Entlaffung rechtsfräftig geworden und gleichzeitig hat Beis damit die Berechtigung der Entlassung zugegeben. Die ge= ladenen Zeugen des Nazispizeldienstes, darunter der Fraktionsführer und Gauleiter Lenz hatten sich verleugnen lassen und waren auch von der Polizei nicht aufzufinden.